, und fest entschlossen , den Rath des Pater Clemens nicht zu vergessen , so lange es sich mit ihrer Würde vereinigen ließe , eilte sie mit Margariths Hülfe , ihre Kleidung in eine ernste Form zu bringen , was ihr leicht gelingen konnte , da sie , zum Wechsel ihrer Reisekleider , nur die bei sich führte , die sie als Trauer für ihre Verwandte getragen . Ihre Juwelen ließ sie zurück , und die Fülle ihrer schönen Locken verbarg sie unter einer schwarz sammetnen Haube , die , an der Stirn mit einer Spitze anliegend , in zwei kleinen Bogen bis zu den Wangen sie umschloß , und wenn auch allerdings zur herrschenden Welttracht gehörend , doch ein ungemein einfaches und ernstes Ansehn verlieh . Sie suchte während dieser Anordnungen ihr Gemüth zu sammeln und den Schauer zu überwinden , der jeden Augenblick , bei dem Andenken an das Erlebte , ihre Fassung zu überwältigen drohte ; ja , sie ermahnte sich , höchst vorsichtig in ihren Aeußerungen zu sein und Alles genau zu beobachten , was um sie her vorgehe . Als sie bereit war , folgte sie der in großen Ernst versenkten Gefährtin , welche sie zu dem Hausflur führte , von wo breit geschwungene , schwerfällig verzierte eichene Treppen in die obern Zimmer des Schlosses gingen . Ueberall zeigte sich der prachtliebende Sinn der Erbauer oder Bewohner , und die polirten Stufen stimmten vollkommen mit den dunkeln eichenen Wänden überein , an denen in goldenen Rahmen eine Reihe Bilder hingen , unterbrochen von künstlich verzierten Wandleuchtern , welche doch schwerlich mit ihren dicken gelben Kerzen die dunkeln Räume erhellen mochten , die keinen lichten Gegenstand zum Reflex ihrer Strahlen darboten . Der trübe Morgen erhellte nur sparsam diese Gegenstände , denn sein an und für sich schwaches Licht fand keine Unterstützung in den Scheiben von gemaltem Glase , die keinen Blick nach der Gegend gestatteten , wohin sie führten . Auf der breiten saalartigen Brüstung , wo sich beide Treppen oben vereinigten , brannten ein paar schwache Kaminfeuer , und hier fand sich ein Diener , der , dem leisen Befehl der Schwester Electa folgend , hinter einem großen , sehr roh gezeichneten Gobelin verschwand , welcher den Haupteingang zu den innern Gemächern zu verbergen schien . Mit einem schrillenden Ton fuhr alsbald diese Vorwand zurück , und von dem stummen Diener angewiesen , traten Beide in das Innere ein . Der große Saal , der sie aufnahm , schien gänzlich unbenutzt , denn der weiße Marmor seiner Wände zeigte sichtlich die trübe Farbe des Staubes und der Feuchtigkeit , wovon die Luft durchdrungen war , und die fast erschreckend die Eintretenden anfiel . Es folgte auf der rechten Seite , wohin sie sich wendeten , eine Reihe von Zimmern , die reich mit Sammet , seidenen und goldenen Tapeten behängt und ausgestattet waren , zugleich aber , unfehlbar aus einer neuern Zeit herstammend , eine Reihe Gemälde aus der Heiligen- und Legenden-Geschichte enthielten , die jedes feiner ausgebildete Gefühl für Kunst empören mußten . Vor der letzten Thür blieb Electa , welche alle diese Räume mit gesenktem Haupte durchwandert und bei ihrem raschen Vorschreiten Maria nur wenig Zeit gelassen hatte , Beobachtungen zu machen , einen Augenblick stehn , und Maria ' s Näherkommen erwartend , sagte sie leise : Ehrwürdige Frau wird sie genannt . Sie drückte die Thür auf , und Maria stand in einem kleinen leeren Raum , der , von oben Licht empfangend , einen Flur bildete , von wo eine schmale Wendeltreppe aus den untern Räumen in die Höhe führte . Augenblicklich rief dieser Anblick ihr die Erzählung Margariths von jener Treppe zurück , wo der unglückliche , wahnsinnige Herr des Schlosses seinen verzweifelnden Geist ausgehaucht hatte , und die kleine spitze Thür , der sie sich näherten , schien mit ihrer breiten Schwelle und tiefen Nische das Sterbelager des Unglücklichen zu sein , auf dem seine Gemahlin ihn am Morgen vergeblich zu erwecken suchte . Schaudernd blieb Maria stehn , und nahm wahr , wie Electa ' s Schritte gleichfalls zögernd inne hielten , und sie erst nach einem kurzen Gebet , einer Bekreuzigung und Besprengung aus dem an der Thür aufgehängten Weihkessel sich zum Vorschreiten anschickte . Fast wider Willen folgte ihr mechanisch Maria , und sie standen nun wirklich in einem düstern Schlafgemach , mit dunkeln grün-damastenen Tapeten und einem ungeheuern Himmelbett versehn . Das Zimmer , in enger , halbrunder Form , durch einige schmale , hohe Fenster matt erleuchtet , war das Innere eines Thurms , zu dessen anderer Hälfte eine etwas größere Thür führte , der sie sich jetzt näherten . Dies zweite Gemach war von einem hellen Kaminfeuer sowol erwärmt , als erleuchtet , denn der Tag blickte auch hier nur sparsam , kaum eingelassen , durch die hohen , aber schmalen gothischen Fenster . Das hell vorspringende Feuer bewirkte aber , daß Maria , im ersten Augenblick geblendet , außer Stand war , die sie umgebenden Gegenstände zu erkennen , und mit gebeugtem Kopfe an der Thür stehn blieb . Als ihre Augen sich von dem schnellen Wechsel erholt hatten , sah sie sich in einem etwas größeren , runden und gewölbten Zimmer , an dessen getäfelten Wänden und Fußboden das Licht des Feuers zu erblinden schien , da das dunkle Eichenholz mit noch dunklern Tafeln behangen war , welche gefühlverletzende Darstellungen von Märtyrergeschichten enthielten , die eben keinen vortheilhaften Begriff von dem Sinn und Geschmack der Bewohnerin erwecken konnten . Eine Nische von kunstreich durchbrochenem Holze umschloß ein besser gelungenes Bild des Erlösers , vor dem zugleich ein Altar und ein Betschemmel standen . Einige hohe Sitze , welche gleich Chorstühlen zwischen den Fenstern hinliefen und ein eben so verzierter Schreibtisch waren der zunächst zu übersehende Inhalt des Gemaches , wovon Maria ' s Aufmerksamkeit indeß abgelenkt wurde , da Electa sie ermuthigte vorzuschreiten . Zunächst dem Kamin , doch so , daß sein Schatten sie deckte , gewahrte sie nun in einem der hohen Chorstühle eine weibliche Gestalt , welche mit hohler trockener Stimme sie nöthigte , näher zu treten . Kein Ton erinnerte Maria an die schrecklichen Laute des Wahnsinns , die sie gefürchtet hatte zu vernehmen , und der Anblick der Person , so traurig und abschreckend er war , paßte zu keiner der furchtbaren Erinnerungen . Sie war ohne alle Abweichung von Schnitt und Farbe in ein prachtvolles Nonnengewand gehüllt , dessen kostbare Stoffe aus ihrer höhern Würde sich erklären ließen , welches übrigens blos ihr schlaffes , gelbes Angesicht und ihre hagern , langen Hände sehen ließ , die von einem Rosenkranz umschlossen , müde vor ihr niederhingen . Maria , die eine Anrede erwartete , sah sich den prüfenden , stechenden Blicken der düstern Erscheinung ausgesetzt , die , ohne alle Rücksicht auf Gastfreundlichkeit , blos das helle Licht des Kamins , in dessen Beleuchtung Maria stand , zu benutzen schien , um die Persönlichkeit ihres Gastes vollständig zu erforschen . So beleidigend dies auch war , so fühlte Maria doch eine Beklemmung und Bangigkeit , die es ihr unmöglich machten , selbst diesen kränkenden Empfang zu unterbrechen ; ja , ihr Auge hing fast mit derselben Achtsamkeit an dieser unheimlichen Gestalt , als müßte sie ihre Bewegungen bewachen , um sich vor ihr zu schützen . Dies lange Examen ihrer Augen kündigte sich als beendigt an durch ein verächtliches Lächeln , welches plötzlich das leblose Gesicht der alten Lady überschlich . Halb sich seitwärts wendend , redete sie sodann einen Mann an , der hinter ihrem Stuhl bis auf den Kopf verborgen saß : Es ist dieselbe eitle Schönheit , die ich an ihr wahrnehme , und die ihre Herkunft mehr bestätigt als die Versicherungen der Betheiligten . Eine gute Aufgabe , wenn der Sinn ihrer Ahnenfrau sich auf sie übergetragen hat ! Ihr könnt dann Eure Weisheit zusammen nehmen , denn zur Zeit reichten alle festen Schlösser von Schottland und England nicht hin , das zu hüten , was unter so einer weltlichen Haube hockte . - Ein kurzes heiseres Lachen vollendete die unverständliche Rede . Wir vertrauen auch keiner weltlichen Hülfe , erwiederte der Angeredete , sondern dem Einfluß und der Fürbitte unserer gebenedeiten Mutter Gottes , welche Vorsorge trägt für die Verirrten ihres Geschlechts , wie Ihr in Demuth anerkennen werdet . Ein ziemlich mißlauniges Gesicht bog sich von dem Antwortenden weg , während die Hände ohne Säumniß ein paar Kreuze schlugen und einige Kügelchen des Rosenkranzes abzählten . So ist es , hochwürdiger Herr , sprach sie sodann sehr gleichgültig ; die Heiligen haben das Vollbringen , und wer dies Geschlecht kennt , wie ich , der muß hoffen , daß sie sich alle vereinigen werden , es zu vertilgen . Bei den letzten Worten zuckte ein wildes Feuer aus ihren Blicken , und sie schleuderte sie wie einen Blitz auf Maria hin . Es ist zwar nicht meine Wahl , daß Ihr hier seid , begann sie jetzt , zu dieser gewendet ; denn dies Haus genießt eine Heiligung , die durch profanen Besuch nicht verletzt werden sollte . Da man mich aber versichert , Ihr würdet durch das Beispiel der hier waltenden heiligen Kirche bald von Euern Irrthümern zurückgebracht werden , so darf ich die Hand zu einem Werke nicht verweigern , dessen Verdienstlichkeit ich in Demuth erkenne . Ich habe Euch demnach vor mich gefordert , um Euch die Erlaubniß zu ertheilen , unter uns zu erscheinen und durch das , was Ihr sehen werdet , Euern Geist in die Stimmung zu bringen , die Euch mit Eurem Gewissen versöhnen wird . Maria kämpfte während dieser trocknen , unfreundlichen Rede mit aller Macht gegen ihr beleidigtes Gefühl ; ihre Wangen rötheten sich , und ihre Augen füllten sich von diesem schmerzlichen Kampfe . Ihr werdet ohne Zweifel wissen , erwiederte sie jetzt mit bewegter Stimme , wie ich hierher gekommen , und wie wenig es in meine Willkür gestellt worden ist , Euer Haus zu suchen oder zu vermeiden ; wenn Ihr aber Gründe habt , den Anordnungen derer , die mich hierher führten , zu folgen , so rechnet es mir nicht an , wenn ich Euch lästig bin . Ich werde Eure Gastfreundlichkeit , wenn Ihr mir sie gewähren wollt , nicht durch ein störendes Betragen vergelten und , so lange ich hier bleiben muß , ehren , was Andern ehrenwerth erscheint , wenn meine Erziehung mir auch eine andere Richtung gab . - Ihr macht vor allen Dingen zu viel Worte . Lange Erwiderungen sind überall unpassend , wo strenger Gehorsam das Einzige ist , was verlangt wird , und man Eurer Versicherungen nicht bedarf , da sich von selbst versteht , daß Ihr keinen Einwand zu machen habt . - Ich muß bekennen , ehrwürdiger Herr , fuhr sie fort , mit demselben kalten , verächtlichen Tone sich wieder rückwärts wendend , ich finde mich blos aus Achtung für Eure und des Pater Clemens höhere Erkenntniß darein , dieser jungen und , wie mir scheint , äußerst übermüthigen Person eine Bevorrechtigung zu gewähren , die nur alle jene eiteln weltlichen Gedanken nähren wird , von denen ihr Kopf sichtlich erfüllt ist ; auch muß ich mir einige Bestimmungen über die Dauer solcher Nachsicht vorbehalten . Die Bestimmungen , denen wir beide gehorchen müssen , werden nicht ausbleiben , erwiederte eben so trocken der Angeredete ; und die vorzüglichste Dienerin der heiligen verfolgten Kirche wird über ihre Stellung zu diesen Willens-Meinungen nicht im Zweifel sein . Auf dem Gesichte der Lady zeigte sich während dieser Worte ein Kampf widerwilliger Art , und es kostete ihr sichtliche Mühe , eine Mäßigung zu behaupten , wie dieser aufgenöthigte Gehorsam sie ihr auflegte . Doch war es unverkennbar , daß die ältere Gewohnheit tyrannischer Eigenherrschaft sich mächtig gegen die strengen Anforderungen eines Gehorsams auflehnte , an den sie sich nie ohne Bitterkeit erinnert fühlte . - Genug , genug ! Ich sage nicht , daß es für jetzt anders sein soll ; nur , wie lange , werde ich mit Eurem geistlichen Rathe in Ueberlegung ziehn ; denn allerdings ist es das Schloß der Howards , in dem wir uns befinden . - Ja , vollendete der Hochwürdige diese Rede , und im Besitz der hochwürdigen Aebtissin zur heiligen Ursula . Höhnisch warf sie den Kopf zurück , und die immer noch stehende Maria nun wieder ins Auge fassend , sprach sie heftig und rauh : Die weltliche Haube will ich nicht wieder sehen ; Schwester Electa wird Euch einen passenden Kopfputz bringen . Eure Kleider habe ich Euch noch für einige Zeit gestattet . Ihr werdet früh zur Messe erscheinen , im Refectorium zu Mittag essen und die Vesper halten ; dazwischen wird der hochwürdige Pater Johannes Euch Unterricht ertheilen , und in dem Maaße , als Ihr fortschreiten werdet in der Entsagung von Euern Irrthümern , werdet Ihr - - Ueberlaßt mir das Weitere , unterbrach sie Pater Johannes , der die Vollendung ihrer Rede nicht zu wünschen schien , und wahrnahm , wie Maria , von dieser übeln Behandlung erschüttert , kaum aufrecht zu stehen vermochte . Er näherte sich , aus seinem Versteck hervortretend , dem zitternden Mädchen und führte sie selbst , von Electa unterstützt , zur Thür hinaus . In dem kleinen Schlafzimmer hielt er sie an . Laßt Euch , sagte er beruhigend , durch den lobenswerthen , aber etwas heftigen Eifer der hochwürdigen Frau nicht erschrecken . Ihr werdet darunter nicht zu leiden haben , so Ihr Euch sanft und aufmerksam zeigt . Maria wollte reden , gleich auf der Stelle wollte sie jeden Zweifel aufheben über das , was man von ihr zu erwarten habe , aber ein krampfhaftes Schluchzen war der Tribut , den ihre geängstigte Natur verlangte . Vergeblich bemühte sie sich , deutlich zu sprechen , sie brachte nur abgerissene und unverständliche Worte hervor . Ich sehe Euch wieder , unterbrach Pater Johannes diese mißglückenden Versuche ; überlegt wohl , was Ihr sagen wollt , Euch wird weder Rath , noch Trost fehlen , aber hütet Euch , durch Widerstand in Kleinigkeiten Eure Verhältnisse hier muthwillig schlimmer zu machen . - Schwester Electa , ich vertraue die Bekümmerte Eurer Vorsorge und Euerm Troste . - Geht , geht , setzte er abwehrend hinzu und verschwand hinter der Thür in das Gemach , das sie verlassen , während Maria , von Electa geführt , den Weg nach ihren Zimmern zurücklegte . Ich denke , man hat uns da eine schwere Pönitenz auferlegt , hochwürdiger Herr , begann die erzürnte Lady , völlig ihrer übeln Laune hingegeben , als der Pater Johannes mit ernstem und ruhigem Antlitze eintrat . Ein Aergerniß , denke ich , für Alle , die zu einer höhern Begnadigung in dies Haus gelangt sind . Wenn die Aufgabe schwer ist , die man uns gab , so ist es nicht an Euch , dies zu rügen , erwiederte in gänzlich verändertem , strengem Tone der Geistliche , da nur schwierige und widerstrebende Ausübungen Euch die Wohlthat erzeigen können , Euren Geist von den Makeln der Welt zu erretten , die noch in zu großer Stärke Euch anhängen . Ich denke , es gehörte nicht zu Euern Aufgaben , die junge Person , die wir Euch zuführten , mit einer Strenge zu empfangen , die sie verschüchtern und gar zum Widerstand reizen wird . Sie mußte zutraulich gemacht werden , sie mußte die wohlwollendsten Gesinnungen bei uns annehmen können , dann sicherten wir uns ihre Aufmerksamkeit , ihre Nachgiebigkeit und Gewöhnung , und der Einfluß eines einförmigen , von aller Zerstreuung fernen Lebens , dem sie hier anheim fiel , ward dem heiligen Vorhaben günstig . Ihr habt jedoch , gleich dem hochmüthigen Kinde der Welt , Euerem eiteln Herzen und seiner Lust , zu kränken und zu verachten , Genüge gethan , und wahrscheinlich mehr Unheil in wenigen Minuten angerichtet , als in unserer Macht liegen wird , je wieder gut zu machen . Ich brauche Euch nicht zu sagen , wie weit Ihr dadurch Euch von den Pflichten entfernt habt , deren strenge Erfüllung doch das einzige Mittel ist , Euch hier den Schutz zu sichern , dessen Ihr bedürft , dort aber die Vergebung Eurer Sünden und die Errettung von ewiger Verdammung . Diese harte und strenge Rede wirkte gleich einer Bannformel über das gereizte Wesen der Lady . Erschreckt von dem bloßen Tone ihres Beichtigers , senkte sie beim Anfange seiner Rede schon das Haupt , aber die harten Worte verletzten so sichtlich ihr verwöhntes Gemüth , daß sie bald wieder auffuhr , und mit Blick und Mienen ihre Empörung anzudeuten suchte . Da der Geistliche aber die Streiche seiner Worte schärfte , trat nach und nach die Furcht ein , welche man durch die stärksten Mittel als das einzig mögliche Joch ihr übergeworfen hatte , und alsbald zeigte sich auch Zerknirschung , welche ihr die zuletzt gebrauchte Drohung um so lebhafter erregte , als ihr entnervter Geist , von den Vorwürfen eines schwer belasteten Gewissens bedrängt , nur zu empfänglich für die Androhung künftiger Strafe war . So geschah es , daß ohne Gegenrede sich angstvolle Seufzer aus ihrem Munde drängten , und zu allen Trostmitteln ihrer Kirche schreitend , murmelte sie die Gebete ihres Rosenkranzes und schlug mit blindem Eifer Stirn und Brust . Pater Johannes ging indessen mit langen Schritten auf und nieder , und schien , nachdem er sie zur Ruhe verwiesen , sie ganz vergessen zu haben ; und in der That suchte er seine Gedanken in Bezug auf die Persönlichkeit der jungen Lady , über deren fernere Leitung ihm Vollmachten geworden waren , zu ordnen . Die Lady hatte indessen ihre Andacht beendigt . Nicht wagend , das Nachdenken des wandelnden Priesters zu unterbrechen , und zu einem müßigen Hinbrüten auf ihrem Lehnstuhl verdammt , fand ihr Geist allgemach den bequemeren und oft betretenen Weg zur Zeitlichkeit und zu jenen irdischen Zwecken wieder , die ihr , trotz aller äußern Form klösterlicher Strenge , unmöglich so fremd werden konnten , als man es zuweilen , um sie in Furcht und Gehorsam zu erhalten , von ihr erzwang . Der unglückliche , verführte Herzog von Sommerset war dem Henkerbeile nur durch Jakobs unbesiegbare Liebe zu ihm entflohn . Dies Schloß war ihm zu einem Gefängnisse der mildesten Art angewiesen . Von der Theilnehmerin oder eigentlichen Urheberin seiner Verbrechen , seiner katholischen Gemahlin , Lady Franziska Howard , war dies alte Besitzthum der Howards zum Heerde des in ihrem Vaterlande verpönten und vielleicht eben darum von ihr beschützten Katholicismus gemacht worden . Von der klugen Herrschaft ihres jesuitischen Beichtvaters geleitet , stand sie bald in Verbindung mit allen Machinationen der dem alten Glauben anhängenden und noch immer sehr mächtigen katholisch-jesuitischen Partei , woran sich nur zu viele weltliche Händel anschlossen , die sie zu theilen oder zu erspähen unablässig bemüht war . Die ungemein einsame und doch feste Lage des Schlosses , die Küsten des nahen Frankreichs , in dem diese Partei ihre mächtigsten Anhänger unter dem damals Europa beherrschenden Richelieu zählte , und das unabhängige , immer noch bedeutende Vermögen der verbannten Lady , machten es zu einem unschätzbaren Schutzpunkte . Nachdem die Herrschaft über die Eigenthümer bis zur gänzlichen Nullität des unglücklichen Hausherrn erreicht war , wurden die Anordnungen darin mit einer Ueberlegung und Verschlagenheit getroffen , daß dadurch das Dasein dieses Verstecks und seiner von den Zeitgenossen fast vergessenen Bewohner der Welt entzogen blieb . Kein gebahnter Landweg wies dahin , und die hohen Ufer , hinter denen das Schloß versteckt war , hinderten den Anblick desselben aus der Ferne . Es wahrzunehmen , blieb nur vom Meere aus möglich , bei Umschiffung eines sehr gefährlichen Punktes , der , von allen erfahrenen Schiffern vermieden , eine von den Spitzen der Bucht bildete , in welche das Schloß seine festen Mauern senkte . Während es kaum einem Hause ähnlich sah , das einigen von den strengen Gesetzen dahin verschlagenen Katholiken zur Zuflucht diene , hatten die geschickten Lenker dieser Angelegenheit hier eine klösterliche Stiftung begründet , welche in ihrer Form die Strenge behauptete , die ihnen bei der Beherrschung eines fast unbezähmbaren Geistes in der Lady Franziska zu Hülfe kam . Ihr war eine gewisse Würde zugetheilt worden , die ihrer zügellosen Herrschsucht Befriedigung gönnte , ohne sie der geistlichen Zucht zu entziehn , die so nöthig war , sie mit allen ihren Plänen und Anforderungen dem Willen derer unterzuordnen , die sich die Lenkung ihrer Angelegenheiten so vollständig angemaßt hatten . Sie ward auf diese Weise ganz zu den Zwecken gebraucht , die ihre geistlichen Vormünder verfolgten , und zuweilen wurden dieselben Leidenschaften , die sie zu beherrschen trachteten , ihrer eignen Richtung überlassen , je nachdem das Eine oder Andere zweckmäßiger schien . Nicht zu übersehn war dabei in der Lady ein großer Hang , sich diesem Einflusse zu entziehn , obwol ihr gedrängtes Gewissen sie zur Sklavin derselben Männer machte , gegen die sie wiederum ihre ganze List zeigte , um eine über ihre Erlaubniß reichende Gewalt auszuüben . Mitten in dieser Stimmung , die am häufigsten nach einer ihr abgezwungenen Zerknirschung eintrat , befand sich jetzt die Lady , als sie sich endlich zu einer Anrede entschloß , die das verdrießliche Schweigen aufheben sollte . - Wenn man mir so gänzlich die Macht entziehen will , die ich meiner Würde nach über den weiblichen Theil dieses Hauses besitze , so sehe ich nicht ein , was eben dies Haus ihr nützen soll , und warum man sie , die doch schon bis zur Küste vorgedrungen ist , nicht noch den kurzen Weg über das Meer machen ließ , wo sie in Frankreich , denke ich , besser , als hier , aufgehoben werden konnte . - Vielleicht wird dies später noch nöthig werden , erwiederte Pater Johannes nachdenkend ; wir setzten vorläufig auf Eure Weltklugheit und Euern guten Willen Vertrauen , und hatten keineswegs die Absicht , diese junge Person Euerm Einflusse zu entziehn . Ob sie uns nützlich oder hinderlich werden kann durch den Anspruch ihrer Geburt , ist noch zu unentschieden bei der bestimmten Richtung , die ihr die frühere Erziehung gab , als daß wir sie jetzt schon unabänderlich aus dem Lande entfernen sollten . Wenn sie uns aber nützlich bleiben oder werden soll , so bedenkt , daß sie nur entlassen werden kann als unsere Freundin , als die Theilnehmerin aller unserer Interessen , daß sie ihre hohe Geburt nur dann kennen lernen darf , wenn sie damit das schwache Herz zu regieren gelobt , das , durch den Tod ihrer Mutter erschüttert , unempfindlich bleiben könnte für den Besitz der schönsten Fürstin , der erlauchten Henriette von Frankreich . - Und dies hofft Ihr wirklich zu erreichen bei einem Geschöpfe , das neben dem Fluche ihres Geschlechtes einerseits den unbezwinglich trotzigen Karakter der Buckinghams trägt , und andrerseits die ganze weltliche Thorheit ihrer Aeltermutter , dieser berüchtigten Maria von Schottland , in jedem Zuge ihres glatten Gesichts ? Sperrt sie lieber heute als morgen ein , und laßt jede Hoffnung auf ihre Bekehrung fallen . Damit werdet Ihr wenigstens so viel erreichen , daß Ihr diesem verabscheuungswerthen Buckingham seinen auf sie berechneten Triumph entzieht ; Ihr werdet über sie keinen feiern . Dafür nehmt das Wort einer Frau , die nicht umsonst Menschen gesehen hat . Pater Johannes schwieg nach dieser Rede , und es war ihm deutlich anzusehn , daß er nicht viel bessere Hoffnungen nährte . Pater Clemens , sagte er dann , rühmte uns die Güte ihres Herzens und die kindliche Hingebung in den Willen älterer Personen . Darauf mußten wir bei unserer Behandlung hinzuwirken suchen , und darum habt Ihr mit Euerm rauhen Empfang so ganz verkehrt gehandelt . Ha ! rief die Lady mit ziemlichem Ungestüm , wenn ich nur nicht verständige und erfahrene Männer von Güte des Herzens und Hingebung in Anderer Willen müßte schwatzen hören . So lange der Wille Anderer den Gelüsten des eigenen Herzens schmeichelt , so lange findet er uns bereit , ihm zu folgen , so lange sind wir gütig und nachgiebig ; und fremde Leiden erwecken unsere Theilnahme so lange , bis wir für unsere eigenen sie vergeblich suchten . Leerheit des Herzens wie des Lebens , mit einem Worte die Zeit der Jugend , verbreitet nach Außen diesen thörichten Schein , aber wer hat ihn nicht weichen sehn , sobald die Begierden des Herzens erwachend dem Willen eine Richtung geben . Dasselbe gute Herz , das mit seiner Leerheit Euch täuschet , unterstützt dann die Vorschläge der Leidenschaften , und kein fremder Wille wird es nachgiebig finden , von dem Wege abzuweichen , auf dem dies gute Herz fort stürmt , unbekümmert um die Niederlagen , die es dabei anrichtet . Franziska Howard hat nicht umsonst gelebt : Damals hieß sie auch ein gutes , sanftes Kind , als der alte , schwachköpfige König die Familien Essex und Howard vereinigen wollte , und man mir die Puppe und Essex das hölzerne Schwert wegnahm , unsere Hände zu einer spätern Vermählung an einander zu schmieden . Als aber Franziska den schönen Seymour sah und Herzogin von Sommerset werden wollte , da rühmte Niemand mehr ihr sanftes Herz ; denn sie hatte einen Willen bekommen , und unbesiegbare Wünsche ließen sie den Willen Anderer verspotten . O , früh , sehr früh hat man mich gelehrt , was es mit dem Guten im menschlichen Herzen für eine Bewandtniß hat , und von ganzer Seele verachte ich die Heuchler , welche eine Stimmung zeigen , die ihnen mit dem ersten Hauch der Leidenschaft verloren ging . Gebt Acht , fuhr sie fort , da Pater Johannes der Versuchung , solche sündliche Rede seines Beichtkindes mit dem Donner der Buße zu erwiedern , nicht nachgeben zu wollen schien , gebt Acht , wie lange ihre Nachgiebigkeit aushalten wird , wenn man sie hindert , in die Welt zurückzukehren , wohin jeder Pulsschlag ihres eiteln Herzens sich drängt . Darum , hob Pater Johannes jetzt an , sei der Widerstand , den sie erfahre , ein unmerklicher , daß sie nicht im Streite Kräfte finde , die am ersten absterben werden in der öden Gleichmäßigkeit einer Geist tödtenden Lebensweise . Ein kurzes widriges Lachen aus dem Munde der Lady gab ziemlich verständlich Kunde von ihrer Würdigung dieser Worte . Pater Johannes ließ dies unbeachtet vorüber gehn und fuhr mit Ruhe fort : Unsere nächsten Nachrichten werden uns den Tod des Königs melden und die Ankunft der neuen Königin ; dann werden Stürme beginnen , unabsehbarer vielleicht , als wir jetzt ahnen können . Die Königin wird unseres Einflusses bedürfen ; denn Mißtrauen empfängt sie um ihres heiligen Glaubens willen an der Grenze dieses Landes . Es ist nicht unbekannt geblieben , daß geheime Artikel Karls Macht in seinem Hause beschränken , und abenteuerlich genug malt man das Unbekannte aus . Jetzt gilt die Frage , ob sie Karls Herz besitzen wird . Zwei Leidenschaften theilen sich in ihn , die Sucht des Selbstherrschens , und der düstere Gram um den Tod der Jugendgeliebten und um das einzige Kind dieser Ehe . Hält Karl die Gattin deshalb fern von seinem Herzen , dann wäre der große Wurf zu wagen , seine Tochter der Königin zum Geschenk zu senden . Wer sie ihm bringt , wird großes Recht an seine Liebe haben , und die Königin wird die seltene Gelegenhett erhalten , eine Großmuth ihm zu zeigen , für die er dankbar sein muß . - Und die Tochter , unterbrach ihn die Lady , die Tochter wird der katholischen Gemahlin das Widerspiel halten , Buckingham wird die weltlich gesinnte Nichte in sein Interesse ziehn und für sein grenzenloses Reich der Gewalt eine neue Stütze finden . - Um darüber entscheiden zu können , muß man etwas Höheres glauben , als Ihr es noch vermögt . Dies Mädchen wird nicht mit dem lasterhaften Buckingham gegen ihren Vater sich verbinden . - Aber , fiel sie rasch ein , gegen die katholische Königin wird die Ketzerin den Vater zu sichern suchen . - Dies wäre eher möglich , und dies bleibt noch zu erwägen . Um aber über diesen Punkt völlig sicher zu werden , wird sie hier fest gehalten und Proben unterworfen , die jeden Zweifel darüber aufheben können . - Gut , gut , ich wünsche Euch Glück dazu . Doch die Welt ist erst der Magnet , der aus dem Schacht des Herzens die verborgenen Erze ans Licht zieht , und zwar von solchem Gehalt , als dieser mächtige Magnet allein zu wecken und festzuhalten weiß . Seid Ihr außerdem aber so völlig sicher , daß sie hier verborgen bleibt ? Fürchtet Ihr nicht die tausendarmige Macht des gut bedienten Buckingham , nicht diese Nottinghams , die , den listigen Archimbald an der Spitze , viel vermöchten , wenn sie wollten ? - Wenn sie wollten , betonte spöttisch lächelnd der Hochwürdige , aber sie wollen nicht . Kennt Ihr den Irrthum nicht , an dem der hochmüthige Geist dieser Herzogin von Nottingham hinkrankt ? Er hindert sie , die Flucht des Fräuleins zu rügen , wie sie sonst nicht unterlassen würde . Streng hat sie jede Nachforschung gehindert und verpönt , und dennoch hat diese Ausflucht , die sie sich gestattet , der Welt ein Geheimniß zu entziehn , das ihrem Hochmuthe so verletzend wurde , ihr Gewissen in ein Heer von Vorwürfen gestürzt . Sie glaubt sich halb und halb verpflichtet , die geträumte Sünde ihres Gatten an diesem Wesen gut zu machen , und daß sie der Lockung nicht widerstand , diese saure Pflicht von sich abzuschütteln , reizt ihren stolzen Geist , der vor sich selbst bewundernd dastehn möchte . Und daß sie jede wirksame Verfolgung hinderte , daß sie von Archimbald , der leicht sich zu beruhigen weiß , streng begehrte , ihre Söhne zurück zu halten , beweist genug