. Süße Täuschung wie im Bache , Ich dein Bild verdoppelt sah . JOHANNES . Schwimmend Auge , wache , wache , Wenn der Vater mir bald nah . HYOLDA . Wenn es doch recht bald geschähe , Sag es Kuckuck in dem Wald . BEIDE . Kuckuck rufend in der Nähe , Wie von Vaters Stimme schallt ! Schmerzen wußt ich zu ertragen , Aber diese Freude nicht , Frühling hilf mir Freuden tragen , Daß mein Herz davon nicht bricht . Wirklich hatte sich der Graf an der Seite des Johannes leise herangeschlichen und Kuckuck gerufen ; er umarmte ihn bei diesen Worten und drückte ihn an sein Herz . Alle Kinder liebten ihn wunderbar ; er war zu gleicher Zeit ihres gleichen und ihnen so überlegen , ging in alle ihre Freuden ein und wußte alle zu einer Hauptwirkung zu führen ; mit stummer Freude küßte er den lang entbehrten Sohn . Wir müssen uns von einer leidenschaftlichen Bewegung der zärtlichen Hyolda jetzt nicht erschrecken lassen , sie hielt sich nicht am andern Ufer , sie sank in den Strom , um zu Vater und Bruder zu gelangen ; sie konnte nicht schwimmen , aber ihre Sehnsucht und der Strom trugen sie dienend an eine tiefere Stelle aufs Land , als der Vater , der es zu spät bemerkte , sich eben ins Wasser stürzen wollte , sie heraus zu heben . Es war in dem ganzen Ereignis zu viel Schönes , zu viel Glück ; er konnte ihr keinen Vorwurf machen . Nachdem sich alle dreie ihrer Vereinigung herzlich gefreut hatten , so schickte er Hyolda fort , um die Kleider zu wechseln ; er selbst ging mit Johannes zu der Fürstin , die mit ihrer Würde , ihrer Annehmlichkeit diesen Sohn so wie die andern Kinder für sich einnahm , ihn auch durch das Geschenk einer herrlichen Madonna hoch beglückte . Er sprach gern mit ihr , und doch sehnte er sich nach dem Kloster zurück ; was ihn erfreute , schien ihm ein vergänglicher Rausch gegen jene feste Ruhe seiner Seele , die ihn dort erfüllte . Jetzt wurde er zur Herzogin gerufen , die von einer Fahrt zurückgekommen , ihn mit Liebe empfing , mit Andacht hörte und aus innerster Seele zu ihm sprach . Sie gab ihm in dieser einsamen Stunde seine Erhebung über die Ereignisse der Welt zurück ; sie sprachen mit einander viel Herrliches über die Stufen der geistigen Erhebung und über geistige Führung ; sie verstanden einander ganz , und darum kann es einem anderen ohne Entheiligung nicht mitgeteilt werden . Glücklich die Seele , die ihr Bestimmtes gefunden . Am Schlusse ihres einsamen Gespräches wünschte Klelia , daß Johannes ihr eine Messe in ihrer Schloßkapelle lesen möchte . Er tat nach ihrem Wunsche ; sie selbst spielte die prächtige Orgel , deren unerwarteter mächtiger Ton alle Bewohner des Schlosses , auch Dolores dahin zog . Johannes las mit hohem Sinne und Anstande ; nie war eine Mutter seliger , als Dolores , kein Vater glücklicher als Karl ; aber wie schmerzlich war der Abschied , als Johannes nun wieder für ein Jahr scheiden mußte . - » Wir sehen uns wieder , wer weiß wie ! « rief ihm die Gräfin nach . Johannes ging ernst und ohne Umschauen aus der Türe . Der Schreiber begleitete ihn und seine beiden Ordensgeistlichen weiter als alle andern . Johannes erzählte ihm unbefangen den ganzen Tag , verweilte mit Rührung bei dem Vorfalle mit der Schwester , den dieser begierig ergriff , um daraus eine Geschichte zu bilden , wie er sie in seinem weltlichen Sinne lieber erlebt hätte . Wir wollen sie den Weltleuten zu Gefallen mitteilen . Getrennte Liebe Zwei schöne liebe Kinder , Die hatten sich so lieb , Daß eines dem andern im Winter Mit Singen die Zeit vertrieb , Diesseit und jenseit am Wasserfall Höret ihr immer den Doppelschall . Der Winter bauet Brücken , Sie beide hat vereint , Und jedes mit frohem Entzücken Die Brücke nun ewig meint ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Wohnten die Eltern getrennt im Tal . Der Frühling ist gekommen , Das Eis will nun aufgehn , Da werden sie beide beklommen , Die laulichen Winde wehn ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Stürzen die Bäche mit wildem Schall . Was hilft der helle Bogen , Womit der Fall entzückt , Von ihnen so liebreich erzogen , Zum erstenmal bunt geschmückt ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Höret sie klagen getrennt im Tal . Die Vögel über fliegen , Die Kinder traurig stehn , Und müssen sich einsam begnügen Einander von fern zu sehn ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Kreuzen die Schwalben mit lautem Schall . Sie möchten zusammen mit Singen , So wie der Vögel Brut , Den himmlischen Frühling verbringen , Das Scheiden so wehe tut ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Sehn sie sich endlich zum letztenmal . Der Knabe kriegt zur Freude Ein Röckchen wie ein Mann , Das Mädchen ein Kleidchen von Seide Nun gehet die Schule an ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Gehn sie zum Kloster bei Glockenschall . Sie sahn sich lang nicht wieder , Sie kannten sich nicht mehr , Das Mädchen mit vollem Mieder , Der Knabe ein Mönch schon wär ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Kamen und riefen sie sich im Tal . Das Mädchen ruft so helle , Der Knabe singt so tief ; Verstehen sich endlich doch schnelle , Als alles im Hause schlief ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Springen im Mondschein die Fische all . Froh in der nächt ' gen Frische , Sie kühlen sich im Fluß , Sie können nicht schwimmen wie Fische , Und suchen sich doch zum Kuß ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Reißen die Strudel sie fort mit Schall . Die Eltern hören singen Und schaun aus hohem Haus , Zwei Schwäne im Sternenschein ringen Zum Dampfe des Falls hinaus ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Hören sie Echo mit lautem Schall . Die Schwäne herrlich sangen Ihr letztes schönstes Lied , Und leuchtende Wölkchen hangen , Manch Engelein nieder sieht ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Schwebet wie Blüte ein süßer Schall . Der Mond sieht aus dem Bette Des glatten Falls empor , Die Nacht mit der Blumenkette Erhebet zu sich dies Chor ; Diesseit und jenseit am Wasserfall Grünt es von Tränen nun überall . Vierzehntes Kapitel Der Minister reiset nach Sizilien Der Schreiber , immer besorgter , das Geheimnis jener Nacht möchte verraten werden , hatte inzwischen gleich nach der Rückkehr vom Ätna einen Brief an den Minister über die Leidenschaft der Fürstin zu seinem Schwiegersohne geschrieben ; der Brief war durchaus wahr ohne Übertreibung . So wenig der Minister die Untreue bei Männern für etwas Bedeutendes hielt , so war sie ihm doch unangenehm an seinem Schwiegersohne ; er wollte ihn nicht gerne an der Stelle sehen , wo er selbst einst gestanden . Die bestimmte Zeit zur Rückkehr der Fürstin war längst verstrichen , und mehrere politische Ereignisse machten diese doch notwendig ; schon mehrmals hatte er ihr deswegen geschrieben , aber sie antwortete entschlossen , sie würde es vorziehen , die vormundschaftliche Verwaltung für den ausschweifenden Erbprinzen ganz niederzulegen . Durch den Brief des Schreibers überzeugte er sich , daß dieser Entschluß ernstlich begründet sei - so sollte er mehrjährige Bemühung für des Landes Wohl in einer Zeit , die alle seine Stetigkeit und alles Talent der Fürstin forderte , einer gleichgültigen fremden Verwaltung überlassen ? - Die Trennung von den Seinen , von seiner Moham und ihren Kindern war ihm sehr unangenehm , aber ein Staatsmann unterzieht sich dem Schwersten ; er mußte sich endlich selbst zu einer Reise nach Italien entschließen , nicht um nach eigner Lust sich von vieljähriger Arbeit dort auszuruhen , sondern um wie ein hartes geistliches Gericht ein paar liebende Seelen aus einem unbekannten Verwandtschaftsgrunde von einander zu reißen . Zu seiner Aufheiterung nahm er den Kammerjunker und die Mamsell mit sich ; beide waren in höchster Freude , daß sie Italien sehen sollten , und er verdarb sie ihnen nie . Rührend war es , wie der alte Geschäftsmann allmählich ohne sein Wissen auftaute , je weiter er nach Süden vordrang ; zwar handelten seine Briefe meist von Geschäften , doch verlängerte sich die Nachschrift an seine Freunde bei jedem Briefe . Hier zur Probe nur eine : » Lieben Freunde ! Ich schreibe aus Como , dem Geburtsorte der neueren elektrischen Physik ; doch kann ich mich nicht entschließen , zu dem berühmten Volta zu gehen , so fest hält mich das Marktgewühl an meine Fenster gelehnt ; die verschleierten Frauen mit ihren Mägden erwecken meine ganze Neugierde . Ihr werdet fragen , ob ich wohl und gesund bin ; zu solchen Fragen bleibt aber hier keine Zeit ; jeden Augenblick gibt ' s etwas Neues , und selbst so alte Bekanntinnen wie die Sonne und Sterne , glänzen hier wie in erster Jugend . Ich kann Euch meine Verwunderung über den ersten hohen Feigenbaum im Freien nicht ausdrücken , als ich gen Chiavenna auf meinem Maultiere vom Gebürge herabritt , hinter mir ein Gewitter , um mich alles so schwül , Kammerjunker und Mamsell sehr schmachtend gegen einander , und der Baum so frisch , großblättrig ; ich mußte stille bei ihm halten , und mir ein paar Blätter davon auf meinen Hut stecken . Die Bauart der Stadt , die unter mir lag , die flachen Dächer , das gute Verhältnis zwischen Länge und Breite der Häuser , zwischen Fenstern und Türen , ein Marienbild in der Mauer , das sich durch seine guten Umrisse und Farben von der bloßen mechanischen Heiligenmalerei unsrer katholischen Länder unterschied , machten mir einen so behaglichen Eindruck von einem reiferen gebildetern Lande , daß ich alle Ermüdung vergaß , die ich aus der alten Welt mitgebracht und recht frisch die spinnenden feinen länglichten Weiber vor allen Haustüren beschaute , deren feurige aufmerksame auszeichnende Blicke und laute Stimmen sie gleich von allen Nachbarinnen jenseit der Alpen unterscheiden ; Ähnlichkeit haben sie darin mit den Ostindierinnen , nur ist in Italien alles frei , offen und erklärt , was sich dort hinter tausend Schleiern verbirgt . Die Eifersucht der Italiener ist ein altes Märchen : es gibt Eifersüchtige wie allenthalben ; die Männer sind meist widrige , schmutzige Eseltreiber , Köche , Faulenzer , eine niedrige List entstellt meist ihre schönen Züge . Das erste Wirtshaus war so durchsichtig , weil alle Türen und Fenster offen standen , daß ich glaubte in einem Lager zu sein , wo die Hütten nur für einen Monat erbaut ; so war auch die Kost : gute Sachen schnell und schlecht bereitet . Auf dem Comersee sorgte eine hübsche runde Frau , die ich aus Gefälligkeit in mein Fahrzeug aufgenommen hatte , sehr artig für uns . Sie wollte mein Alter nicht glauben , versicherte mir heimlich , daß ihr noch nie ein so stattlicher Herr wie ich vorgekommen , ich möchte sie doch in Como besuchen . Sagt meiner Frau , daß ich nicht untreu geworden bin . Ein paar Schifferbuben , Pietro und Battista , sangen ununterbrochen beim Rudern , der alte Schiffer besserte zuweilen , wo sie falsch gesungen ; wie verschieden von uns , wo der Alte sicher den Jungen das Singen bald gelegt hätte . Ja lieben Freunde , wir haben viel Kritik , aber sonst nicht viel , was der Mühe des Lebens wert wäre , und unsre meiste Erziehung besteht doch bloß in einem Entwöhnen von der Freude . Angesicht dieses gebt dem Hofmeister meiner Kinder den Auftrag , alles , was noch volksmäßig gesungen wird , mit ihnen durchzusingen , so haben sie doch etwas , woran sie sich in vergnügten einsamen Stunden halten können . Mir fehlt so etwas ; meine beiden Reisegefährten schmachten , schmollen oder schreiben . « Funfzehntes Kapitel Unterhaltung der Reisenden in den Pontinischen Sümpfen Die eine charakteristische Ansicht von Italien mag genügen ; zu dem Schlusse des Briefes müssen wir aber bemerken , daß er den beiden zum Schreiben gar mancherlei Veranlassung gab . Er hatte die Methode , mit Fähigkeiten aller Art die Klingenprobe zu machen , etwas von ihnen zu fordern , was gewöhnlich nicht gefordert werden kann , um ihren Umfang und ihre Dauer ganz zu kennen . So sollten sie ihm im Wagen fertige Tragödien schreiben , besonders gab er ihnen dazu einen Stoff , der ganz sonderbar war , und den sie gleich ausführten . Er setzte eine Fürstin nach Italien , die sich in einen schönen griechischen Schiffsknaben verliebt hätte , und die von ihrem Minister in ihr Land zurückgerufen wurde . Der Kammerjunker lachte erstaunlich , wenn er sich den fischköpfigen Primaner , dies tölpelhafte Ungeheuer , als einen solchen Liebling dachte . » Beim Werke « , sagte der Minister , » nehmen Sie darauf Rücksicht , daß in ihm erste , in ihr letzte Liebe wirkt , daß sie in einer Masse von Verhältnissen höherer Art gelebt hat , wovon der Grieche nichts versteht , so daß ein großer Teil ihrer Bildung brach liegen mußte , der auch seinen Umgang sucht ; diesen wollen viele unverschämte geldgierige Künstler ausfüllen , dies letztere muß Ihnen lustige Szenen geben . « - So entstand sehr schnell die folgende kleine Tragikomödie vom Hylas Ausgang eines bedeckten Säulenganges nach dem Meere , auf der andern Seite ein hoher Felsen mit Gängen , Blumen , Grotten verziert 1. DER MUSIKER . Das halt ich nicht aus , Sie laufen immerzu und sagen gar kein Wort . DER MALER . Sie sehen sich nicht um , das ist viel schlimmer . DER MUSIKER . Wer hat den Strachino zuerst gesehen ? Wer fand den Bäckerladen ? DER MALER . Was wollen Sie aber mit dem Zeuge , mit Käse und Brot ? Die Fürstin riecht ' s am Ende . DER MUSIKER . Ich stelle mich immer unter den Wind ; es soll Ihnen noch gut schmecken , nach allem dem süßen Zeuge , was man hier bekommt , der Magen wird einem ganz hohl davon ; der Mensch muß aber einen Kern haben , um zu wachsen , wie kein Getreide vom bloßen Regen wächst . DER MALER . Ich bin noch nicht hier gewesen , geben Sie ein Stück her . DER MUSIKER . Warten Sie doch , da bringt ein Kammerdiener Sorbetti , das zuerst , der Käse löst die Dissonanz auf . DER MALER . Das wird schön lauten . Sagen Sie , greift man hier so gerade zu ? DER MUSIKER . Nun sehen Sie , wie ich ' s mache . Mein lieber Herr Kammerdiener , wie geht ' s mit Ihrer Flöte ? Sie haben da Eis , geben Sie mir davon . DER KAMMERDIENER . Mit meiner Flöte steht es schlecht , Herr Kapellmeister , ich habe zuviel darauf geblasen , die Klappe will nicht mehr halten , und da geht mir die Luft immer zu früh heraus . DER MUSIKER . Noch ein Glas Eis , wenn ich bitten darf , auch eins für meinen Freund . Es ist jetzt heiße Zeit , ich rate Ihnen sehr , da kein Instrumentenmacher in der Nähe , lassen Sie die Flöte jetzt ruhig liegen , sie ist bloß ausgetrocknet , wie der Röhrbrunnen vor der Villa ; ich wette darauf im Herbste akkompagnieren Sie wieder . DER KAMMERDIENER . Nein , seit der Grieche bei uns ist , werde ich nicht mehr zum Konzerte verlangt ; der bläst Ihnen wie ein Blasebalg und wird niemals müde und hat einen feineren Ansatz . DER MUSIKER . Noch ein Glas Eis , wenn ich Sie nicht bemühe ; Freund , essen Sie doch , ich fand es lange nicht so gut gerieben , ein wahres Meisterstück . Ein außerordentlicher , ein verfluchter Herr , der Grieche ! Er tut mir auch Schaden , die Fürstin nimmt zwei Singestunden weniger . DER MALER . Ist er denn ein Freund von der Kunst ? DER KAMMERDIENER . Was ist denn das , die Kunst ? DER MALER . Die Kunst , ja , sehn Sie , die Kunst ist nun eben die Kunst . Ich bitte um ein Glas Eis , es tut doch gut in solcher warmen Zeit . - Ja , wo blieb ich stehn , die Kunst , müssen Sie wissen , die Kunst bei einer Fürstin , ich setze ein Beispiel an mir , ich bin ein Maler . DER KAMMERDIENER . Wenn nun die Fürstin allerlei Schildereien kauft , so ist sie eine Kunstfreundin . DER MALER . Sie wissen es schon , der eine muß es machen und der andere bezahlen . Ich habe nun eine ganze Reihe Landschaften von vier Zoll Breite und drei Zoll Höhe bis fünf Fuß Breite und vier Fuß Höhe ; ist wohl im Schlosse noch eine leere Wand , wo sie sich gut machen würden , es soll Ihr Schade nicht sein ; hier ist meine Taxe , just wie mit den Spiegeln für jeden Quadratzoll mehr , ein Taler . Noch ein Glas Eis , damit mir nicht eine Seite schwerer wird , als die andere . DER MUSIKER . Was kommentieren Sie denn jeden ihrer Bissen , sehen Sie , ich nehm ein Glas und schmeiß es in das Meer , daß auch die Fische mitgenießen ; nicht wahr Herr Kammerdiener , hier geht alles ganz ins Große . DER KAMMERDIENER . Es ist doch schad ums Glas , denn schmiß man Sie zum Haus hinaus , so wär ' s doch schad um Ihren Rock . Es ist nur beispielweis . DER MUSIKER . Ja wir verstehn uns , alter Freund . Seht noch ein neuer Gast , der Bildhauer mit dem Buckel . Wo seid Ihr denn so lang geblieben Packenträger , Ihr habt nicht mitgekonnt , wir gingen doch zu gleicher Zeit aus . DER BILDHAUER . Das nennt ihr Kraft , den Weg mit schnellen Schritten so kurz zu treten , daß er gar nichts ist . Was ist denn jetzt das Beschwerliche ? Die Sonne ! Und ich bin so viel länger in der Sonne geblieben , also habe ich viel mehr Beschwerliches ertragen als ihr , die ihr vorzeitige Geburten , halbgare Erdenklöße seid ; und seht mich an , ich spring euch noch übern Stock , als käme ich eben aus dem Bette ; und vor dem Dorfe hab ich erst eben eine hübsche Grasschneiderin beim Kopf genommen , vorige Nacht war ich bei der Marquise und heute morgen hab ich einen Zentner Marmor zur Bewegung abgeschlagen . DER MALER . Ein rechter Michelangelo ; drück nur einmal , wenn du bei Kräften bist aufs Überbein an deinem Rücken , vielleicht vergeht es noch , du bist noch jung . DER BILDHAUER . Ich weiß nicht , was du hast mit meinem Buckel ; ich habe mich erst heute noch im Spiegel angesehn , ganz nackt , es ist bloß der Unterschied zwischen rechter und linker Seite , die ihr bei Stieren auch bemerkt . Du bist auch der einzige Mensch , der das findet , ich frage dich , du jämmerlicher Musikant , ich bin nicht gerade schön gewachsen , aber - DER MUSIKER . Nicht gerade , ist so viel wie ungerade , und das muß wahr sein . DER BILDHAUER . Herr , Ihr seid ein Esel . DER MALER . Leid ' s nicht , steck ihn unter den Tisch , wir wollen ihm Tritte geben . DER BILDHAUER . Ich schlag euer Hirn gegen die Mauer , wie ein faul Ei , wer wagt ' s. DER KAMMERDIENER . Ihr Rekel , könnt ihr denn nicht Frieden halten , wenn ihr Geschäfte machen wollt , es ist ja euer eigener Vorteil . DER BILDHAUER . Ich bin zu unmäßig im Zorn , verzeiht ihr Freunde , meine Leidenschaften bringen mich ums Leben . Wie gefällt meine neue Alabasterlampe . Luna , wie sie den Endymion küßt . DER DICHTER eintretend . O dieses Meeres süße Füße , Wie kühlen sie der Nymphen leichte Füße , Sie laufen nach Um mit der Well zu spielen , Doch ach Sie müssen sich umwunden fühlen , Demütig schmeichelnd scheint die Liebe erst , Gebietend ist sie , wenn du sie erhörst . DER MUSIKER . Willkommen , werter Freund , ich will gleich musizieren , Womit Sie eben jetzt die Ohren mir berühren . Sie sind im schönsten Kreis von einem Kunstvereine , Was fehlet uns noch jetzt , die Fürstin ganz alleine . DER DICHTER . O heil ' ger Tag , der mich an diese Schwelle , In seinem heitern Laufe bringt , Und wie ein Bach , so irrt ich in der Helle , Bis jede Welle an der Schwelle klingt , Da endet mir des Himmels öde Leere , Ich fühle Mich wiederklingend endlos in dem Meere , Und Einklang in dem ewigen Gewühle . O welches Leben ist mir nun beschieden , Seit ich mein neblig Vaterland gemieden . DER MUSIKER . Hier ist das Land der Kunst , doch ist es etwas heiß , Beliebt es Ihnen auch , ich nehme ein Glas Eis . DER DICHTER . O welches fromme Haus , Hier stößt mich keiner aus . O welche milde Hand Hat Labung mir gesandt ; Ich armer Knab ging aus Mit einem Blütenstrauß , Und wollt ein wenig sehn , Woher die Lüfte wehn , Die milde zu uns dringen , Daß alle Kehlen singen . O Haus voll sanfter Luft , O Haus voll reichem Duft , Auch Früchte find ich hier , An deiner offnen Tür . Hier streckt ihr Riesenhaupt Melone aus der Erde , O wär es mir erlaubt , Zu folgen der Gebärde : Sie will gegessen sein , Doch nimmer ganz allein , Gebt Zucker , hohe Götter , Und lachet nicht ihr Spötter , Zuviel ist dieses all , Daß ich es einsam fühlte , Genießt mit mir einmal , Was meinen Durst erkühlte ; Ach wären auch die Meinen hier , Das wär viel lieber mir . DER MUSIKER . Sie haben recht mein Freund , wenn man ' s bei uns nur wüßte , Sie kriegten all danach ein mächtiges Gelüste ; Versuchen wir einmal , es möchte uns wohl glücken , Gebacknes Obst von hier nach Deutschland auszuschicken . DER DICHTER . Nichts von Gebackenem , Schnöder Gedanke ! Schaue der Ründung Himmlischen Bogen , Schaue die sanft verwachsene Spalte , Schaue dies wollige Schützende Kleid , Schaue den duftenden Farbigen Staub , Fühle die Kühle . O Aprikose Sage , wer wagte Je dich zu backen , Der dich gesehen Schwellend im Glanze Irdischer Jugend ! DER MUSIKER . Sie haben vielen Sinn , doch ist er viel zu weich , Es wird kein Hebebaum aus einem schlanken Zweig , Der Künstler sei was hart , will er die Welt besingen , Denn da muß vielerlei ... DER BILDHAUER . ... über die Klinge springen . Herr , Sie haben keinen Mannesmuskel , Sie haben Froschschenkel , Ihre Lieder passen fürs Wasser , ein ew ' ges Einerlei von Weinerlichkeit . DER DICHTER . Du von der Natur Schändlich Gezeichneter , Sage mir nur , Mich , den bezeichneten Himmlischen Adler , Wagst du zu höhnen ; Heute ich prange Irdischem Schönen , Morgen entreißen mich Götter zu sich . DER KAMMERDIENER . Durchlaucht die Fürstin bedauert sehr , daß sie die Herren heute nicht sprechen kann , sie wäre dringend beschäftigt . DER MUSIKER . Gelt , mit dem schönen Griechen , lieber Herzensfreund ; den Menschen müssen wir los sein , - legen Sie ihr doch morgen meine Sonate wieder auf das Klavierpult , die ich ihr dediziert habe , und geben Sie ihr doch so vor sich zu verstehen , eine goldne Dose wäre das wenigste , was sie mir geben könnte , es soll Ihr Schade nicht sein . DER MALER . Nun vergessen Sie nicht Herzensfreund , sehen Sie doch an den Wänden herum , wo noch Platz ist ; ich male für alle Arten Lichter , auch da wo keins ist . DER BILDHAUER . Da die Fürstin nichts gegen die Lampe sagen läßt , so nehme ich an , daß sie dieselbe nehme , und das Geld schaffen Sie mir bald , lieber Bester . DER MALER . Hört Kapellmeisterchen , holt doch einmal Euern Käse und Brot heraus , ich hab zu viel von dem süßen Zeuge in den Hals laufen lassen . DER DICHTER . Genießt der holden Gunst In milder Luft zu schweben , So wird die reine Kunst Auf euren Lippen leben . DER KAMMERDIENER . Das Volk wird nie satt . DER MUSIKER . Die Kunst geht nach Brot . Alle ab 2. HYLAS tritt mit einer Mandoline auf und singt . Wie so schwer vom Herzensgrunde Reißen sich die Worte los , Hängen dann noch fest am Munde , Küssen mich fast atemlos , Und die Augen gehn mir über Von der hohen Töne Fieber ; Ausgestoßen von dem Munde Flüchten sie in fremde Welt , Ist es auch die rechte Stunde , Wo ein jeder Ton gefällt ? Vor der bang geschloßnen Pforte Schweigen scheu der Liebe Worte ! DER DICHTER an der Gartenmauer singt . Worte rufen nach Gedanken , Die Gespielen blieben heim , Die spielordnend loben , zanken , Da begegnen sie dem Reim , Daß er sie in Reih und Glieder Ordne zu dem Spiel der Lieder . Und dem Reim folgt der Gedanken , Beide sind ein liebend Paar , Beid auf schmalem Stege schwanken , Sich umschlingen in Gefahr , Weinlaub so umschlingt die Bäume , Daß es sie mit Glanz besäume . HYLAS . Hoffend tauch ich in das Grüne , Singend in das Himmelblau , Und die ganze Frühlingsbühne Sagt von dir , du schöne Frau , Könnt ich ' s so geläufig sagen , Würd ich nicht nach Liedern fragen : Muß ich nicht bedenklich werden Folg ich dir mit dem Getön , Ziehet kalter Wind auf Erden Und ich hör nur sein Gestöhn , Rings die Wärme seh ich zittern Und die Ferne hell gewittern . DIE FÜRSTIN in der Ferne . Wär am Himmel sichre Helle , Himmelglatt der Erde Rand , Aber an des Himmels Schwelle Ist gezähntes Felsenland . Und der Regen tritt entgegen , Will sich zwischen uns noch legen : Himmels Fensterscheiben brechen , Und die Laden donnern an , Da ich wollt vertraulich sprechen , Uns die Sonne ganz zerrann : Ach ich meine im Zerstören Warnend einen Geist zu hören . HYLAS . Klimm mit mir zu jenen Höhen , Und ich sag von Liebe dir ! Ach wie ist mir nun geschehen , Nun das Meer tief unter mir , Hör die Steinlein drinnen schallen , Die von meinen Tritten fallen . O so fallen leicht vom Herzen Meine Wort ins Freudenmeer , Und es scheinen meine Schmerzen , Wie die Worte mir so leer : Halt mich fest und lieb mich wieder , Sieh , ich stürze sonst hernieder . DIE FÜRSTIN . Hier laß uns weilen auf dem Rasensitze , Denn schönern Blick gewährt wohl nie die Welt ; Wie schwingt sich alles auf in Lust und Klang , Nur du bist stumm , mein süßer , süßer Freund . HYLAS . Ich sehe in ein tiefes grünes Wasser , In tiefe blaue Luft , in blendend Feuer Und bin ich nicht ein Stein , muß ich vergehn . Sieh doch , jetzt ist die Luft schon wieder blau , Ich bin noch finster wie sie eben schien , Auch bricht die Nacht bald über uns herein . FÜRSTIN . So sprichst du immer anders , als erwartet Warum kannst du nicht artig schwatzen , so wie ich ; Was in die Hand mir fällt , wird mir zum Spiel , In jedem Blatt schenk ich dir neu ein Herz , In jeden Stengel schling ich Liebesknoten , Ich bring ihn dir , du schweigst und läßt ihn fallen . HYLAS . Du gibst zu viel , und sollt ich ' s all bewahren , Ach ich erläge unter Dankes Last ; Hab ich ' s dir nicht gesagt , als wir zum ersten Male Vertraulichkeit mit unsern Lippen tauschten : Sind meine Augen dir nicht klar wie Glas , Ins Innere des Herzens mir zu lesen , Durch meine Zunge läßt es sich nicht aus , Und nur wie Funken aus dem Stein geschlagen Entwickelt sich ein kurzer Schein , wer den Nicht fängt , in Flammen höher auf zu lodern , Der kennt ihn nicht , dem bin ich tot , Und wie in einem Sarg in mir verschlossen . FÜRSTIN . Verkenne nicht mein sorgliches Nachfragen , Die Lieb spricht gern ein überflüssig Wort , Damit sie nicht , was irgend not , versäume , - Nicht ich bedarf der steten Rede Spiel , Es saget mir dein lieber Blick so viel , Wenn meine Hand dir Stirn und Wang berühret , Es sagt mir mehr , als je ein Mund gesagt , Wenn ich dein Herz lebend ' ger schlagend spüre , O welches Lied kann hüpfen also leicht . Nein nicht um mich brich dieses lange Schweigen , Mit dem du oft an meinen Blicken haftest , Nur ich , ich fürchte , du bemerkst an mir , Was dir mißfällt , was du mir gern verschwiegest . HYLAS . So kommt ihr her , aus eures Nordens Wüste , Den lieblichsten Genuß mißgönnt die Furcht , Die sonst um euch in der Natur gelauschet , Bis sie den Weg zu eurer Seele fand ; Wie ihr sonst schwindelnd auf den Bergen standet , So steht ihr fürchtend auf der Liebe Wipfel ! Es mögen Flammen aus