den als Held aus den Freiheitskriegen berühmten , mit den schwersten Wunden und den ehrenvollsten Orden bedeckten Generalleutnant von Jürgaß ( › die Exzellenz . , wie sie ihn in tiefer Ehrfurcht stets nannte ) , der fast jeden Sommer , zur Stärkung seiner erschütterten Gesundheit , einige Wochen oder Monate in Ganzer zubrachte , wo dann die Brüder , wie ein Paar Inséparables , vom Morgen bis zum Abend untereinander verkehrten , und sie sich , als die Dritte im Bunde , etwas beiseite geschoben fühlte . Auch verhehlte sie , in ihrer großen Wahrheitsliebe , nicht eine jedesmalige , etwas wehmütige Scheu bei der Meldung dieses Besuches , und war es drum in der Nachbarschaft eine gern erzählte Anekdote , daß sie sich , in ihren häuslichen Verpflichtungen bei Bewirtung der Exzellenz noch absichtlich steigre , um vor sich selbst und vor anderen den kleinen eifersüchtelnden Verdruß an dem Besuche zu bemänteln . Diese Exzellenz selbst aber war der einfachste , anspruchsloseste Heldengreis , der mir je vorgekommen , bedeutender als sein Bruder , bescheiden im Bericht über seine Taten , und mit der Schwägerin auf einem ziemlich förmlichen Fuß . Ich habe nie etwas Kindlicheres und Naiveres gesehen als das zärtliche Verhältnis dieser beiden Brüder , besonders sind mir die harmlosen kleinen Whist-Partien um allerniedrigste Points in Erinnerung geblieben , die jeden Abend in der Wohnstube stattfanden und noch Jahre lang , nach dem Tode der im neunzigsten Jahre sanft entschlafenen Heldin dieser Erzählung , fortgesetzt wurden , bald in Ganzer und bald in Brunn . Damals aber , wo die liebe Alte noch als stille Zuschauerin auf dem Sofa saß , entweder ihren Walter Scott lesend oder mit mir oder einem andern Besuche plaudernd , wurde › Pasterchen ‹ als Vierter zur Whistpartie herbeigerufen , wenn nicht gar Charlotte , das Hausmädchen , als homme de bois fungieren mußte . So einfach waren die Zeiten und die Sitten des patriarchalischen Hauses ! Kinder waren der Frau von Jürgaß nicht beschieden , aber teilnehmend war und blieb sie gegen jung und alt , und ihr lebendiger Sinn für Schönheit machte ( bei ihrem gänzlichen Mangel derselben ) einen beinah rührenden Eindruck . So kann ich das › Ah ! ‹ nicht vergessen , mit dem sie , statt aller Begrüßung , vor der reizenden Erscheinung der jungen Henriette von Röder , Gemahlin des späteren Generals Karl von Röder , stehenblieb , als wir ihr diese zum Besuche zuführten . Jahrelang erzählte sie noch › von den langen , blonden Ringellocken , die die schönen Züge des durchsichtig-klaren Gesichtes umrahmt hätten ‹ und ermahnte mich immer wieder , daß die schöne Frau , › für die Akademie ‹ , wie sie sagte , gemalt werden müsse . Während ihrer letzten Lebensjahre war ich leider aus der Gegend fern , und weiß über ihren Tod nur das eine , daß es ein sanfter war . Wie ihr Charakter aus einem Stück , so war ihr Leben aus einem Guß , und ihre lautere Seele wird dort oben in der ewigen Einheit des Wahren und Guten ihre Heimstätte gefunden haben . « Gottberg Die Grafschaft Ruppin von 1630-1638 Die Grafschaft Ruppin von 1630 – 1638 Im August des Jahres 1630 trafen die Schweden mit 2000 Mann Kavallerie und einem ansehnlichen Korps Infanterie in der Grafschaft ein und besetzten Neu-Ruppin . Im Dezember erschienen zwar die zum Kaiser haltenden Brandenburger vor der Stadt , waren aber viel zu ohnmächtig , um den Schweden den Besitz derselben streitig machen zu können . Endlich rückten die letzteren freiwillig ab . Kaum hatten die Schweden sich entfernt , als Tilly im Februar 1631 mit einer Armee aus dem Magdeburgischen eintraf . In jeder Stadt unserer Grafschaft , wo Tilly lag , erhielt der Kapitän monatlich 54 Tlr . , der Leutnant 20 , der Fahnenjunker 16 Tlr . , damals sehr große Summen . In demselben Jahre brach auch die Pest aus . In Neu-Ruppin starben 1600 , in Lindow 400 Menschen . Jeremias Ludwig , nachheriger Prediger zu Banzendorf , war damals auf der Ruppiner Schule und hat im genannten Jahre 800 an der Pest Gestorbene öffentlich zu Grabe gesungen . 1632 war das Land so unsicher , daß die Ruppiner , als sie ihren neuen Rektor von Pritzwalk abholen ließen , zuvor um eine Sauvegarde von kurfürstlichen Reutern baten . 1634 kam das kursächsische Kavallerieregiment des Oberstleutnants von Rochow , auf kurfürstlichen Befehl , nach Ruppin in Garnison ; im Dezember 1635 aber rückte Feldmarschall Baner mit seinen Schweden in Stadt und Grafschaft ein , nachdem er die Sachsen und Kaiserlichen bei Dömitz geschlagen hatte . Zwei Generalstäbe , die hohen Offiziers der ganzen Armee , das Zabeltitzsche Infanterieregiment und vier Brigaden zu Fuß , jede Brigade zwei Kompanien stark , erhielten ihre Quartiere in Neu-Ruppin . Die Not war bei dem zügellosen Verhalten der Soldaten so groß , daß es zuletzt an allem fehlte . Sogar Abendmahlswein war nicht mehr in Ruppin zu haben . Man mußte einen Boten deshalb nach Wittstock schicken ; aber geplündert kam er zurück . Im September folgenden Jahres ( 1636 ) erschien der Kaiserliche Generalfeldzeugmeister Marazin im Ruppinschen und behandelte die Stadt ziemlich milde . Nach ihm kamen die Sachsen unter Generalmajor von Wolframsdorf und » raubten und plünderten wie gewöhnlich « . Den Sachsen folgte der Kaiserliche General Graf Hans von Götz . Dann kam wieder ein Pestjahr . Im Juli und August 1638 griff sie am weitesten um sich . Ganze Familien , ganze Straßen , ganze Dörfer starben weg . In dem bereits entvölkerten Ruppin , das vielleicht kein Drittel seiner Einwohner mehr hatte , wurden abermals 600 Menschen begraben . Sehr viele wanderten aus . Die Zurückgebliebenen rissen die ledig stehenden Häuser ein , um Holz zu erhalten . Alles verwilderte . In Gransee starben 551 Menschen , nach der Angabe des Totengräbers aber wenigstens 1000 , da viele heimlich eingescharrt wurden . Die Adligen und die Prediger flüchteten nach den Städten und fanden auch dort ihren Tod . So war die Lage des Landes beschaffen , als der Kaiserliche General Graf Gallas mit seiner 60000 Mann starken Armee von Malchin , aus dem Mecklenburgischen , heranrückte , um die Schweden von der Elbe und Havel zu vertreiben . Plünderung , Brand und Mord bezeichneten jeden seiner Schritte . Nun wetteiferten Pest und unmenschliche Barbarei , das Land Ruppin in eine der ödesten Wüsteneien umzuwandeln . 82 Alles floh nach Ruppin und Wusterhausen , wohin sich Gallas wegen der noch nicht ganz gedämpfen Pest nicht getraute , und haufenweise starben die unglücklichen Schlachtopfer vor den Städten an der Mauer . Am 5. Oktober rückte er endlich in die Stadt Ruppin ein und erpreßte von den armen Bewohnern , was die verödeten und rauchenden Hütten der Landleute nicht mehr leisten konnten . Arme Leute mußten Eichelbrot essen , und Kaspar von Zieten erzählt , daß man sich auf dem Markte in Neu-Ruppin um eine tote Katze gezankt habe . Bei ihrem Abzuge setzten die Kaiserlichen unter Gallas ihren Schandtaten die Krone auf : sie verließen Ruppin und steckten an einem Tage das Städtchen Wildberg und 28 Dörfer in Brand . Die Gottberger Kirchenbücher Die Gottberger Kirchenbücher Diese » Gallassche Zeit « nun oder mit andern Worten diese durch vier Wochen hin systematisch betriebene Verwüstung des Ruppinschen Landes ist es , die von zeitgenössischer Hand in den Gottberger Kirchenbüchern ihre Schilderung gefunden hat . Der Aufzeichnende war Emanuel Collasius ( Kohlhase ) , Prediger in dem benachbarten Dorfe Protzen , das er infolge der totalen Verödung dieses Ortes verließ , um sich nach Gottberg ( wo er geboren war ) zu begeben . Erst nach etwa Jahresfrist wurde er , da an Rückkehr nach Protzen nicht zu denken war , Prediger in seinem Geburtsdorfe Gottberg und schrieb in die dortigen Kirchenbücher seine und des Ruppiner Landes Leidensgeschichte ein . Diese beiden Bücher sind : 1. ein Kirchenrechnungsbuch und 2. ein eigentliches Kirchenbuch . Das Kirchenrechnungsbuch , ein Folioband , ist aus dem Jahre 1587 und enthält auf der vordersten Seite , die zu diesem Behuf in Gebrauch blieb , die Namen der Gottbergschen Prediger von 1581 bis jetzt . Das Buch wurde zu Anfang dieses Jahrhunderts neu gebunden . Sein Inhalt ist oft schwer zu entziffern . Das eigentliche » alte Kirchenbuch « ist um ein Jahr jünger , beginnt mit 1588 und schließt mit 1766 . Es ist ein Quartband in Pergament . Nur wenige Bogen sind lose ; alles andere hat noch festen Zusammenhang und eignet sich , bei sorgsamer Behandlung , in seinem gegenwärtigen Zustande immer noch besser zur An-und Durchsicht , als wenn es einen neuen Einband erhielte . Leider ist die Schrift auch dieses Buches oft schwer zu lesen . Historische Notizen finden sich nur hier und dort eingestreut , unter denen die wichtigsten ( wie auch im Kirchenrechnungsbuche die aus der Gallasschen Zeit sind . Zwischen den Aufzeichnungen in beiden Büchern ist nur der Unterschied , daß Prediger Collasius in dem Kirchenbuche mehr das Allgemeine , in dem Kirchenrechnungsbuche mehr das Persönliche gegeben hat . Wir beginnen mit dem letzteren . Prediger Collasius ' Aufzeichnungen im Gottberger Kirchenrechnungsbuche » Dies 1638te Jahr ist wohl ein recht elend und trübselig Jahr gewesen , wie dergleichen wohl kein trübseligeres in unserem geliebten Vaterlande erlebt worden ist ... Zumal auch wegen der Pest , darannen die Dörfer bald ausgestorben sind ... So hat mein Antecessor zu Gottberg , Herr Joachimus Becker , in eben diesem Jahr an der Pest erliegen müssen . Meine Pfarrkinder zu Protzen sind meist weggestorben und nur 8 Personen übrig geblieben . Weil ich zu Protzen weder Pfarrhaus noch Zubehör behalten , habe ich nothwendig in dem großen Elend dem lieben Brot nachziehen müssen und habe mich zu Gottberg bei meiner inzwischen seligverstorbenen Mutter ein halb Jahr aufgehalten anfangs nicht der Meinung , als wollte ich zu Gottberg als Pfarrer verbleiben , sondern um wieder nach Protzen zu ziehen . Weil aber im letzteren Dorf sobald keine Besserung zu hoffen war und mir die Gemeinde zu Gottberg , auf Gutachten des Achatz Quitzowschen Verwalters allhier , das Schmiedehaus im Dorfe zur Wohnung einräumte , blieb ich zunächst noch ein Jahr , bis ich endlich durch Gottes Vorsehnung zu einem Prediger der Gottberger Gemeinde , von den wohledlen Gebrüdern Dietrich und Achatz von Quitzow als Kirchenpatronen , legitime ernennet und von kurfürstlicher Durchlaucht confirmiret worden bin . Habe also in dem Schmiedehause gewohnet 9 Jahr und darin viel Noth und Ungemach leiden und ausstehen müssen , so daß ich auch willens gewesen bin , wo ich keine andere Wohnung hier würde haben können , wieder zu vertiren . Eben da aber ward mir von einem alten Wohnhaus gesaget , das mir sollte verkauft werden , ein Haus , das der von Zernikow zu Werder gebauet habe , aber darüber weggestorben sei . Dieses Haus haben wir abbrechen lassen und ist auf die alte Pfarrstelle zu Gottberg wieder hingesetzet worden , welches Haus ich dann Anno 1647 auf Trinitatis bezogen habe und worinnen ich nach Gottes Willen noch jetzo wohne . « Prediger Collasius ' Aufzeichnungen im Gottberger Kirchenbuche » ... Kurz nach der Roggen-Ernte in diesem Jahre 1638 ist die Kaiserliche Armee unter Graf Gallas von Malchin in Mecklenburg aufgebrochen und hat allhier , in der Nähe von Fehrbellin , ihr Feldlager aufgeschlagen . Sie hat vier ganze Wochen an dieser Stelle still gelegen . Bei ihrem Aufbruch sind folgende Pfarren und Rittersitze , soweit mir bewußt , abgebrannt gefunden worden . Pfarren : 1 ) die Pfarre zu Bechlin , abgebrannt ; 2 ) die Pfarre zu Gottberg , abgebrannt ; 3 ) die Pfarre zu Wildberg , abgebrannt , wie auch der ganze Flecken , 4 ) das ganze Dorf Rohrlack abgebrannt , sowohl die Kirche als andere Gebäude ; 5 ) die Pfarre zu Segeletz und das halbe Dorf ; 6 ) die Pfarre zu Protzen und das halbe Dorf ; 7 ) die Pfarre zu Langen und das ganze Dorf ; 8 ) das ganze Dorf Malchow ; 9 ) die Pfarre zu Metzelthin ; 10 ) die Pfarre zu Sieversdorf 11 ) die Pfarre zu Cantow . Rittersitze : 1 ) das schöne Gebäude des von Klitzing zu Walsleben , wo doch der General Gallas selbst das Hauptquartier gehabt , abgebrannt ; 2 ) der Rittersitz zu Dabergotz , des von der Gröben , abgebrannt ; 3 ) der Rittersitz zu Krentzlin , des von Leesten , abgebrannt ; 4 ) zu Werder , dessen von Fratz ; 5 ) zu Buskow , dessen von Zieten ; 6 ) zu Wustrau , dessen von Zieten ; 7 ) zu Langen , dessen von Zieten ; 8 ) zu Walchow , dessen von Wuthenow ; 9 ) zu Manker , dessen von Schütten ; 10 ) zu Vichel , dessen von Pfuel ; 11 ) zu Nakel , dessen von Lüderitz ; 12 ) zu Segeletz , dessen von Wuthenow ; 13 ) zu Wildberg , dessen von Woldeck , und noch viele mehr in der Nachbarschaft ; ja man hat kein Dorf nennen können , da es nicht gebrannt , wo nicht ganz , so doch halb , und was noch nicht abgebrannt , das ist niedergerissen und doch verbrannt worden . Der Vorrath an Gersten ist alle vom Felde von den Soldaten weggerafft und ausgedreschet worden , so daß der Landmann nichts davon gekriegt . Der Roggen ist nicht wieder besäet worden , weshalb die Leute sich an das Kraut haben halten müssen , was Krankheit und Tod verursacht hat . Die Obstbäume sind ganz abgehauen worden , welches die armen Leute sehr beklagt haben ; ebenso auch die Weiden . Die Kirche ist sehr verwüstet worden . Da man fünf oder sechs Feuerstellen in ihr gehabt hat , ist kein Stuhl festgeblieben und kein Fenster . Der Kirchboden ist ganz herausgerissen worden und der Seiger ( die Uhr ) ist auch ganz zu nichte gemacht . Die Wellenwand um den Kirchhof ganz weggebrannt , die Scheune abgebrochen ; Summa es kann nicht beschrieben werden , wie kläglich es im Dorfe Gottberg ausgesehen hat in diesem 1638 ten Jahr . Es stand auch ein klein Eichhölzchen vor diesem Dorf , das auch ganz abgehauen . Die großen Eichenbäume theils abgehauen , theils ganz abgekröpfet , so daß kein Zweig daran geblieben . In diesem Jahr ist das Volk armuthhalber aus dem Lande gelaufen , nach Hamburg und Lübeck , allwo sie geblieben , sonderlich das junge Volk . Und weil die Pest in diesem Jahre sehr grassiret , und die Leute wegen beständiger Kriegsgefahr in den Dörfern nicht haben bleiben können , so ist der eine hier und der andere dorthin geflogen und ist der eine hier und der andere dort gestorben . Man kann ausrechnen , daß aus diesem Dorfe Gottberg , außer 26 Personen , die hier am Orte starben , 5 in Wusterhausen und 31 in Ruppin verstorben sind . « So die Aufzeichnungen in den beiden Kirchenbüchern , die , in ihrer ungeschmückten Wiedergabe von Fakten und Zahlen , eines Eindrucks nicht verfehlen . Es ist danach glaubhaft , daß , wie Bratring erzählt , » das Land Ruppin während des Dreißigjährigen Krieges mehr gelitten habe , als irgendein anderer Teil der Mark « . Kränzlin Kränzlin Darum still Füg ' ich mich , wie Gott es will . Und soll ich den Tod erleiden , Stirbt ein braver Reitersmann . Altes , eine halbe Meile von Neu-Ruppin gelegenes Rittergut , jetzt im Besitze der Familien Scherz und Zieten . Wie beinah alle Güter im Ruppinschen , bestand auch Kränzlin aus einer ganzen Anzahl von Rittersitzen , und in den Jahrzehnten , die dem Dreißigjährigen Kriege vorausgingen , waren hier vier Familien ansässig : die von Leeste , von der Gröben , von Gühlen und von Fratz . Die letzteren kann man als die recht eigentliche Kränzliner Familie bezeichnen . Schon 1327 werden die von Fratz genannt und sie sind es , an die die alte Sage vom » Räuberberg bei Kränzlin « anknüpft , die zunächst Feldmann in seinen schriftlichen Aufzeichnungen und nach ihm W. Schwartz in seinen Märkischen Sagen erzählt . Danach lag eine kurze Strecke vor dem Dorfe , rechts vom Ruppiner Weg , eine Burg , von der übrigens noch zu Anfang dieses Jahrhunderts Wall und Graben erkennbar waren . Hier hausten in der Quitzowzeit , und auch vorher und nachher , die von Fratz . Von der Burg aus ging eine Leitung nach der Brücke des nahen Kränzliner Damms hinüber , und zwar ein Draht , der jedesmal , wenn ein Wagen über die Brücke fuhr , eine Alarmglocke innerhalb der Burg in Bewegung setzte . Sowie diese Glocke anschlug , warf sich alles zu Pferde und griff die Reisenden an . Auf die Klagen , die seitens der so Beraubten bei dem regierenden Grafen ( der , wie wir wissen , in Alten-Ruppin residierte ) anhängig gemacht wurden , drohte dieser dem Fratz , » er werd ihm die Burg anzünden , wenn er das Unwesen weiter treibe « . Der Kränzliner Burgherr schlug aber die Warnung in den Wind , mochte auch wohl glauben , ein » Steinchen im Brette « zu haben . Er irrte jedoch . Eines Tages , als der Fratz in Ruppin war , schickte der Graf seine Leute hinaus , die die Kränzliner Burg ersteigen und brechen mußten . Nach einer andern Lesart hätte der Graf , verräterischerweise , den Fratz zu Gaste geladen und ihm schließlich , vom Turme des Alt-Ruppiner Schlosses aus , seine derweilen in Brand gesteckte Burg gezeigt . Diese zweite Lesart ist aber neueren Datums und wahrscheinlich erst entstanden , nachdem an der alten Burgstelle Holzkohlen und abgebrannte Balken entdeckt worden waren . Die Familie Fratz besaß Anteile von Kränzlin bis ins 17. Jahrhundert hinein . Um diese Zeit waren es fromme Leute , die zu ihrem Doktor Luther hielten und Patenen und Abendmahlskelche schenkten . Ein solcher ist der Kirche erhalten geblieben . Die Inschrift desselben lautet : » Diesen Kelch hat Wolf Fratz und seine Hausfrau Maria Riben zu Gottes Ehre gegeben . « Dazu ein aufgelötetes Kruzifix und die Jahreszahl 1600 . Vier Wappenbilder sind eingegraben : Ein Pfau , dazu W. F. ( Wolf Fratz ) ; ein Fisch oder eine Otter , dazu M. R. ( Maria Riben ) . Von den zwei andern Wappen scheint eins das Zietensche zu sein . An einigen Stellen des Kelches ist das Gold abgekratzt . Ich hörte dabei , daß die Dorfbewohner , wenn einer der Ihren schwer krank ist , sich gern an den Prediger wenden und etwas Gold vom Abendmahlskelch für ihren Kranken erbitten . Sie mischen es dann in die Medizin und glauben fest , wenn noch etwas helfen kann , so hilft das . Das idyllisch gelegene , hinter Gartenbäumen anmutig versteckte Predigerhaus zu Kränzlin war von Jugend an ein Lieblingsaufenthalt Schinkels . Seine ältere Schwester Sophie war daselbst an den Prediger Wagner verheiratet . In seinen Knabenjahren hatte Schinkel ein Giebelzimmer des Hauses ganz mit Bildern ausgemalt . Aus dieser oder ( nach Wolzogen ) aus einer etwas späteren Zeit stammt auch ein Spiegelporträt , das Schinkel damals von sich selbst anfertigte . Es ist in großen Umrissen , skizzenhaft , mit dem Bleistift entworfen ; die schärferen Striche mit Tinte dazwischen gezogen . Das Bildnis befindet sich jetzt im Besitz Fräulein Rosa Wagners in Ruppin , einer Nichte Schinkels . Es ist zugleich eine Erinnerung an die Kränzliner Pfarre . Bis Anfang der zwanziger Jahre pflegte Schinkel das ihm teure Dorf alljährlich während der Sommermonate zu besuchen . Die Kirche , ein alter gotischer Bau mit hoher Schindelspitze , hat in den letzten Jahren eine Renovation erfahren , die von den früheren Monumenten das meiste entfernte 83 , dagegen in die Lage kam , neue Gedenktafeln einfügen zu müssen . Beide Tafeln befinden sich in der Mitte der Kirche . Die eine , bronzen und in gotischen Formen ausgeführt , trägt folgende Inschrift : » Mit Gott für König und Vaterland . Ernst Hermann Scherz , geb . den 8. September 1848 zu Kränzlin , Einjährig-Freiwilliger im Brandenburgischen Husaren-Regiment Nr. 3 ( Zieten-Husaren ) fiel am 26. December 1870 bei Olivet südlich Orleans . « Die Inschrift der schwarzen Marmortafel gegenüber lautet wie folgt : » Für König und Vaterland starb im Kriege gegen Frankreich am 26. August 1870 zu Vionville , in Folge seiner in der Schlacht bei Mars-la- Tour erhaltenen Verwundung , Rudolph Hartmann , Einjährig-Freiwilliger im 4. Brandenburgischen Infanterie-Regiment Nr. 24 , im Alter von 21 Jahren . « Die lapidare Kürze der Inschriften verrät nichts von dem Weh , das die Todesfälle dieser beiden Jünglinge schufen . Beide zu Kränzlin geboren , beide gleichen Alters , beide Einjährig-Freiwillige , standen sie im selben Armeekorps gegen denselben Feind . Mit ihnen waren dreiunddreißig andere Kränzliner in den Krieg gezogen und alle kehrten zurück , wenn auch verwundet ; die einzigen zwei , die die Heimat nicht wiedersahen , waren die Söhne der Gutsherrschaft und des Gutsadministrators . Die Zietensche Hälfte von Kränzlin wird administriert . Von dem einen sei hier erzählt . Ernst Hermann Scherz stand in den Weihnachtstagen 1870 mit den Zietenhusaren in Olivet . Am 25 Dezember war seitens einer Franktireurabteilung , die sich in dem zwischen Oliver und Chaumont gelegenen Walde festgesetzt hatte , auf eine Patrouille geschossen worden . Daraufhin erfolgte der Befehl , den Maire von Chaumont zu verhaften . Ein Unteroffizier und vier Husaren , die sich sämtlich als Freiwillige gemeldet hatten , wurden mit Ausführung dieses Befehls beauftragt . Am 26. um zwei Uhr morgens brach dies Kommando auf . Zu früher Stunde war man in Chaumont , verhaftete den Maire und trat den Rückweg mit ihm an . Der Gefangene hatte in einem requirierten Wagen Platz gefunden ; links neben ihm ( zu Pferde ) der Unteroffizier , zwei Husaren vorauf , die beiden andern schlossen . Als der Zug das Wäldchen erreicht hatte , aus dem am Tage zuvor auf die Patrouille geschossen worden war , nahm Hermann Scherz , der die Tete hatte , eine an der Lisiere hin aufgestellte , kaum noch nach Deckung suchende Franktireurabteilung wahr und rief dem Unteroffizier zu : » Wir werden gleich unter Feuer kommen ! « Dies waren seine letzten Worte . Schüsse fielen und H. Scherz stürzte leblos aus dem Sattel ; ebenso wurde das Pferd seines Nebenmannes tötlich getroffen , der , rasch erkennend , daß in dieser Lage nichts mehr zu helfen sei , sich in den Sattel des stehengebliebenen Scherzschen Pferdes warf und in Gemeinschaft mit dem Rest des kleinen Kommandos auf Olivet zusprengte . Hier wurde sofort Meldung gemacht . Der Rittmeister ließ 100 Husaren aufsitzen , requirierte 26 Jäger vom 3. Jägerbataillon , und fort ging es , wieder dem Wäldchen zu . Als man den Punkt erreichte , wo der Überfall stattgefunden hatte , lag die Leiche des Gefallenen , ausgeplündert und entkleidet , auf der Chaussee . Die wütenden Kameraden wandten sich von der Leiche fort , umstellten das Gehölz und gingen wie zu einem Kesseltreiben vor . Der ganze Franktireurhaufen steckte noch darin , einzelne fielen , bis man zuletzt ein Dutzend auf engstem Raume zusammengetrieben hatte . Widerstand wie Flucht waren gleich unmöglich und so streckten sie die Waffen und ergaben sich unsern Jägern und Husaren . Unter den Gefangenen war auch der Anführer . Man fand H. Scherz ' Wertsachen in seinem Besitze , riß ihn an die Stelle , wo die durch ihn geplünderte Leiche lag , und erschoß ihn neben derselben . Ob die anderen Gefangenen den Tag überlebten , habe ich nicht in Erfahrung gebracht . Der Heimtransport im Kampfe Gefallener war damals aufs äußerste erschwert , in diesem Falle jedoch ermöglichten es die Verhältnisse . In einen doppelten Sarg eingeschlossen , wie der Erlaß es heischte , traf am 13. Januar die Leiche auf dem Neustädter Bahnhof ein und wurde von Anverwandten in Empfang genommen . Aber die Teilnahme beschränkte sich nicht auf einen engsten Kreis und man darf sagen , die halbe Grafschaft geleitete diesen Toten auf seinem letzten Gange . Der Weg war weit und noch viele Ortschaften zu passieren ; von Turm zu Turm , bei Näherkommen des Zuges , gingen die Glocken , und Prediger und Schuljugend empfingen den Sarg und begleiteten ihn unter Gesang von Dorf zu Dorf . Er empfing die letzten Ehren für viele , die draußen in fremder Erde gebettet worden waren , und jeder beweinte seinen Toten in diesem Toten . Aber über alles bloß Selbstsüchtige hinaus , das unser Erbteil ist , rührte sein Geschick aufs herzlichste , denn auch von ihm hieß es : » und viele waren , die seiner Sitten Freundlichkeit erfahren « . Nun ruht er in der Familiengruft , nahe der Kirche . Wie viele Tafeln in den Dorfkirchen unseres Landes , die dem , der sie zu lesen versteht , eine gleiche Geschichte erzählen ! Lindow Lindow Wie seh ich , Klostersee , dich gern ! Die alten Eichen stehn von fern , Und flüstern , nickend , mit den Wellen . * Und Gräberreihen auf und ab ; Des Sommerabends süße Ruh Umschwebt die halbzerfallnen Grüfte . Lindow ist so reizend wie sein Name . Zwischen drei Seen wächst es auf und alte Linden nehmen es unter ihren Schatten . Seine Vorgeschichte versagt ; alles Archivalische ward ein Raub der Flammen , und nur mir hoher Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen , daß das Kloster eher da war als die Stadt . Kloster Lindow wurde gegen Ende des zwölften oder Anfang des dreizehnten Jahrhunderts von dem Grafen Gebhardt von Ruppin und Lindow als ein Prämonstratenser-Nonnenkloster gegründet und empfing zu Ehren des Stammhauses der Familie ( Lindow im Anhaltischen ) seinen Namen . Die Stadt entstand aus Ansiedelungen ; Handwerker und Ackersleute kamen , die den Schutz des Klosters suchten . Und diese Beziehungen blieben durch alle Jahrhunderte hin und überdauerten den Bestand des Klosters bis in unsere Tage hinein . 1754 wurde dem lutherischen Rektor sein Gehalt ansehnlich erhöhet , » weil er , zu seinen geringen Einkünften , nur einen freien Tisch auf dem Klosterhofe habe « , und noch 1748 schenkte die Konventualin Anna Juliane von der Kettenburg 100 Taler an die Stadt mit dem Bedingnis , » daß von den Zinsen dieser Summe das Schulgeld für arme Kinder bezahlt werde « . Welchen beiden Notizen wir , außer dem Fortbestande guter Beziehungen zwischen dem Kloster und dem städtischen Gemeinwesen , auch gleichzeitig entnehmen können , daß man finanziell in Stadt Lindow nicht auf Rosen gebettet war . Auch im Kloster war man es , aller Guttaten unerachtet , nicht mehr , seit im Jahre 1542 die Säkularisation und die Umwandlung der Klostergüter in kurfürstliche Domänen begonnen hatten . Zwanzig Jahre vorher , beim Erlöschen des gräflichen Hauses Ruppin , hatte das Kloster auf seiner Höhe gestanden . Es war damals eines der reichsten Stifte in der Mark und besaß außer der Stadt Lindow achtzehn Dörfer , zwanzig wüst liegende Feldmarken , neun Wassermühlen und alle die Seen , die teils innerhalb des Großen Menzer Forstes , teils am Rande desselben gelegen sind , darunter auch den Großen Stechlin . Die Gesamtbodenfläche , die damals dem Jungfrauenkloster zugehörte , darf man auf vier Quadratmeilen schätzen , reichte mithin , wie Bratring spöttisch schreibt » vollkommen aus , um fünfunddreißig Nonnen , einer Äbtissin und einem Propst ein einigermaßen gemächliches Leben zu sichern « . Man kann dies zugeben , aber es den Bevorzugten auch neidlos gönnen , und zwar um so lieber und leichter , als ihr Glück , von jenem Kulminationspunkt an gerechnet , nur noch von kürzester Dauer war . Es ging galoppierend zu Ende . Wohl war am heiligen Dreikönigstage 1530 den Lindowschen Nonnen ihr Besitz zu » ewigem Eigentum « aufs neu bestätigt worden , aber eh noch die Mitte des Jahrhunderts heran war , war die Säkularisation bereits ausgesprochen und das » ewige Eigentum verflogen « . Aus dem Kloster Lindow wurde nunmehr ein » Fräuleinstift zu Lindow « , und an die Stelle der Äbtissin und ihrer fünfunddreißig Nonnen trat eine Domina mit vier Fräuleins ; das Gesamteinkommen aber sank allmählich auf tausend Taler und das Grundeigentum von vier Quadratmeilen auf -hundert Morgen . Unter den Dominas , soweit ihre Namen überhaupt noch auf uns gekommen sind , finden wir fast ausschließlich Adelsnamen aus Ruppin und Havelland : Elisabeth von Zieten 1557 , Anna von Gühlen 1625 , Katharina von Döberitz 1685 , Anna Hedwig von Fratz 1709 , Maria Elisabeth von Quast 1736 , Ilse Margarethe von Rochow und Anna Elisabeth von Bredow , letztere beide ohne Zahlenangabe . Unser Weg führt uns von Alt-Ruppin auf Lindow zu . Die nur durch ihre Lage reizende Stadt kann uns durch ihre Straßen und Plätze nicht fesseln , aber jenseits derselben , wo sich die Schmalung zwischen dem Gudelack- und dem Wutzsee wieder zu weiten beginnt , werden wir , nach rechts hin , eines Konglomerates von Häusern und Ruinen ansichtig , um welches sich eine niedrige Steinumwallung : die Einfriedigung von Kloster Lindow , zieht . Wir lassen halten , überklettern die gerad an dieser Stelle weder Tür noch Pforte zeigende Mauer und befinden uns auf einer von prächtigen alten Bäumen überragten Parkwiese , die , den verschiedensten Bestimmungen dienend , alle ihre Verschiedenheiten wieder in eine höhere Einheit zusammenfaßt . Die schönsten Teile dieser Parkwiese sind die , wo begraben wird . Von dem richtigen Gefühl ausgehend , daß Leben und Tod Geschwister sind , die sich nicht ängstlich meiden sollen , hat man hier die Spiel- und Begräbnisplätze dicht nebeneinander gelegt , und dieselben Blumen blühen über beide hin . Aber der Tod , so gemütlich er mit dem Leben zu leben weiß , hat doch innerhalb seiner eignen Gebiete nicht ganz