Sümpfen des Haspelmoors und des Dachauer Mooses liegt . Boten schicken ? Oder umkehren mit den siebenhundert Gäulen ? Und den wachwerdenden Gegner hinter sich herziehen , gegen den Herzog hin ? Da quillt von der nahen Stadt ein dumpfes Summen und Tönen durch das Rauschen der dunklen Nacht . Die vier Feuersäulen , die immer höher zum Himmel lodern , haben das schlafende München geweckt . Hauptmann Wessenacker - ratlos , wütend , halb verzweifelnd , halb an die Hilfe durch einen raschen Gewaltstreich glaubend - gibt den Befehl zum Angriff auf das Angertor . Auf allen Kirchtürmen von München läuten die Glocken Sturm . Geschrei und Lärm durchrennt alle Gassen . Helle Feuer brennen auf . Grausen in Eisen wirbelt mit kleiner Komik im Hemde durcheinander . Und als die ersten Schüsse aus den Feldbüchsen des Wessenacker gegen das Tor und die Mauer krachen , sind alle Wehrgänge und Turmscharten schon besetzt mit vielen Hunderten von bewaffneten Bürgern . Aller Hader und Steuerzank zwischen dem Volk , der Stadt und seinen Fürsten ist vergessen . Volk und Fürsten sind in dieser Stunde der Gefahr verwachsen zu einem Körper , der sich grimmig und erbittert seiner Ehre und seines Lebens wehrt . Und in der gesunden Stadt ist kein Bürger mehr , der sich aus alter Anhänglichkeit des leutseligen Ingolstädters , seines heiteren Lachens und seiner fröhlichen Kraft erinnern möchte . Für sie alle ist Herzog Ludwig in dieser Nacht der böse Feind geworden , den man verfluchen und erschlagen muß . Der Wessenacker mit den Seinen kämpft wie ein wütender Stier gegen den hauenden Löwen . Aber die Bresche , die er geschossen , ist ausgefüllt mit einer lebendigen Mauer von Bürgern in Eisen . Aus den Scharten der Wehrgänge regnet ' s Bleikugeln , gefiederte Bolzen , kochendes Wasser und brennendes Pech . Und auf einem Wallturm arbeitet der Münchener Büchsenmeister Völschel mit zwei Trommelkanonen , die er in seiner Lehrzeit beim Kuen in Burghausen gießen lernte . Das Geschrei der Kämpfenden , das Glockenläuten , das Feuergeprassel , das Gerassel des Stahls und das Büchsenkrachen sind wie das Rauschen eines angeschwollenen Stromes , in dessen wildem Liede das matte Seufzen der Stürzenden versinkt . Als der Morgen grauen will , ist der Boden in der Bresche des alten Tores mit einem hohen , festgestampften Pflaster von Leichen bedeckt . Ingolstädter und Münchener liegen verträglich durcheinander , kreuz und quer , mit verschlungenen Armen und verflochtenen Beinen . Aus den Wehrgängen schleppt man die verwundeten Bürger in die nahen Häuser . Und draußen , am Fuß der Mauer , im Stadtgraben und vor dem umstrittenen Angertor , da liegen die Getreuen des Loys in dicken Haufen , zweihundert friedlich Gewordene , mit zerbrochenen Gliedern , erstochen , erschlagen , vom siedenden Wasser verbrüht , von den flammenden Pechkränzen angefressen . Noch immer will der Wessenacker nicht weichen . Der Gefahr seines Fürsten denkend , stoßt er immer wieder mit hundert Köpfen gegen die Eisenbrüste der Münchener . Die Haufen der Bürger , die aus zwei anderen Toren herausfallen , fassen die Ingolstädter von beiden Seiten . Und von allen Dörfern in der Nähe der Stadt , gerufen durch das Sturmgeläut der Glocken , kommen die Bauern gelaufen , stechen mit Spießen und schlagen drein , mit Sensen , Drischeln und Morgensternen . Beim ersten Blick der steigenden Sonne wendet Hauptmann Wessenacker den Gaul . Und die vierhundert von den Seinen , die noch laufen oder reiten können , taumeln hinter ihm her , gegen das brennende Pasing hinaus . Tor und Mauer am Anger sind verwandelt zu Denkmalen auf dem Leichenacker dieses Morgens . Ein halbes Tausend liegt im Blute , stumm geworden oder noch stöhnend in Schmerzen . Doch fünfmal tausend , zehnmal tausend jubeln in trunkener Freude : » Sieg ! Sieg ! Sieg ! « Die Männer lachen im Stolz der Tapferen , die Weiber und Mädchen umhalsen sich in den sonnig gewordenen Gassen , und auch die Kinder jubeln , ohne zu wissen warum - sie sehen ' s bei den anderen und machen es nach . In dieser schreienden Freude hört man die paar hundert nicht , die weinen müssen . Herzog Wilhelm , ein frommer und rechtschaffener Mann , den die Armen von München lieben , übernimmt es , die Stadt zu hüten und in der Bürgerschaft die Ordnung und Ruhe zu wahren . Herzog Ernst und sein Sohn , Prinz Albrecht , beginnen die Verfolgung des fliehenden Gegners . Mit ihnen ziehen die fürstlichen Söldner und die drei Bürgerhaufen unter ihren Hauptleuten Lorenz Schrenk , Franz Tichtel und Hans Pütrich ; die siebenunddreißig Münchener Zünfte haben dreihundert Berittene und zwölfhundert Mann zu Fuß gestellt . Meister Völschel - ein dicker , lustiger Münchener , der für seine Heimatstadt die große Stachlerin , den Pecker und vier Kammerbüchsen gegossen hat - reitet auf festem Gaul dem Trupp der zweihundert Faustschützen voraus ; und hinter dem Stadtheer drängen die Schwärme der Bauern nach , die sich gesammelt haben aus zwanzig Ortschaften . Diese Bauern wollen nicht in Reih und Glied marschieren , beim Marsche nicht Ordnung halten . Wenn ' s losgeht wider die Loysischen Brandschatzer , möchten sie die ersten sein , die dabei sind . Und viele von ihnen haben ihre Herzöge noch nie gesehen ; denen möchten sie einmal in die Augen schauen . Im Staubgewirbel , das den Flinkmarsch des Heeres begleitet , springen die Bauern von der Straße auf die Wiesen und Felder , rennen dem geschlossen marschierenden Zug der zünftigen Bürger voraus und schreien , schwingen die plumpen Waffen , schwenken die Hüte und umdrängen die unruhig werdenden Gäule der beiden Fürsten . Der Hauptmann des herzoglichen Söldnerhaufens will das hindern und abschaffen . Doch Herzog Ernst befiehlt ihm : » Laß die Leute ! Sie tragen ihr Blut und Leben zu uns . Daß der Untertan uns beschauen kann , ist das mindest , was wir dem Volk zu schenken haben . « Den jubelnden Bauern freundlich zunickend , reitet er hinter dem herzoglichen Banner her , das zwiefach im Geviert den Löwen und die blauweißen Rautenfelder zeigt . Er zwingt mit ruhiger Faust das scheuende Roß . Kraftvoll , ein Fünfzigjähriger , sitzt er fest im Sattel , obwohl sein Oberkörper in nachlässiger Haltung gegen die linke Hüfte hängt . Der mit Adlerfedern und dem Rautenflügel geschmückte Helm bedeckt einen wuchtigen Kopf . Das dicke Haar ist bräunlich , der starke Vollbart mit dem lang herunterhängenden Schnauzer ist dunkelblond . Blaue Augen glänzen unter dem aufgeschlagenen Helmvisier über die scharfgeschnittene Nase heraus . Der vorgeschobene Mund , obwohl er freundlich lächelt , gibt dem Gesichte ungerecht einen Zug von Härte und übler Laune . Am Gürtel hängt das breite Schwert und daneben ein klobiger Streithammer . Über den Brüstling des Panzers geht eine Goldkette mit großem , blitzendem Rubin . Auf den roten , die Halsberge deckenden Samtkragen sind die Wappen der Städte von Bayern-München gestickt . Und der starre Waffenrock ist wie das Bannertuch gewürfelt mit den Rautenfeldern und dem silbergestickten Löwen . An der Seite des Vaters , auf einem schweren Apfelschimmel , reitet Prinz Albrecht , der Einundzwanzigjährige , den das Volk den Schmucksten unter allen Fürstensöhnen des Reiches nennt . Auch wenn er nicht den gleichen Helm , die gleiche Wehr und den gleichen Waffenrock trüge wie Herzog Ernst , müßte er als ein verjüngtes Bild seines Vaters erscheinen , freundlich , gütig und kraftvoll . Er ist von jenen Menschen einer , die man liebt , weil sie leben und lächeln . Die Bauern jubeln , haschen nach seiner Hand , schwatzen und scherzen mit ihm . Heiter gibt er Antwort und nickt ihnen zu . In dem drängenden Schwärme fällt ihm ein junger Bursch auf , gewachsen wie ein Frühlingsbaum , mit gesunden Gliedern , strotzend von Kraft und Leben , mit froh blitzenden Blauaugen und dickem Blondhaar , das um die heißen Wangen baumelt . Der Prinz sagt zum Herzog : » Schau , Vater ! Was für Leut wir haben ! « Er deutet auf den jungen Bauern , der ein altes , rostiges Langschwert über der Schulter trägt . Herzog Ernst winkt den Bursch zu sich heran . » Wer bist du ? « » Ich bin aus Schwabing , Herr ! Einer Stalzstößerin einziger Sohn . « » Wie heißt du ? « » Michel Ungeraten . « Der Herzog sagt : » Da hat das Schwabinger Kirchenbuch eine Dummheit gemacht . Ein so wohlgeschaffener Mensch sollt anders heißen . Halte dich tapfer , wenn es zum Schlagen kommt . Und ich gebe dir einen gerechten Namen . « Der Bub schreit einen Jauchzer in die Sonne . Und der Marsch geht weiter . Bei der Feuerstätte von Pasing , wo die halbverbrannten Hütten noch flackern und qualmen , gibt ' s einen kleinen Aufenthalt . Männer und kreischende Weiber , die sich wie wahnwitzig gebärden , schleppen zwei Gefangene vor die Rosse des Fürsten hin . Das wären zwei von den feindlichen Brandschatzern ; man hätte sie festgenommen , als sie in der Nacht das Feuer in die Kirche von Pasing warfen . Von den Weibern zetert eines : » Die sollt man in einen Ziegelofen schmeißen , daß sie am Tag verschmecken , wie den Bauern in der Nacht das Brennen tut ! « Der Herzog mustert die beiden , die in ihren Prügelwunden und blauen Malen schrecklich aussehen . Es scheinen fahrende Musikanten zu sein ; der eine , klein und dick , hat eine zerfetzte Blatterpfeife um den Hals hängen , der andere , in dessen fahlem Gesicht die Augen scheu und angstvoll rollen , trägt auf dem Rücken eine verbeulte Laute . Ruhig sagt der Herzog : » Strafen ? Diese zwei ? Die haben mitgeholfen , um uns zu wecken in der Nacht . Wir wollen diese Wohltäter mit Dank zurückschicken zu ihrem Herren . « Da sprengen vier Kundschaftsreiter über die Straße her . Sie haben bei Freiham den fliehenden Feind entdeckt , der über Alling und Puechheim hinaus entrinnen und zwischen den weglosen Mooren die feste Landbrücke bei Olehing gewinnen will . » Drauf und dran ! « Mit diesem frohen Kampfschrei läßt Prinz Albrecht seinen Schimmel jagen . » Jung ! Sei bedächtig ! « mahnt der Herzog . Aber da drängen schon alle Gäule dem Schimmel nach . Mitten in dem Reiterschwarme springen und hopsen keuchend die beiden Musikanten , jeder mit der Hand an einen Sattel gefesselt . Und hinter den Gäulen , von Staub umwirbelt , folgen im Laufschritt die drei Heerhaufen der Zünfte und das Gewirr der Bauern . Bei Freiham , auf einer Wiese , sitzen Verwundete , die dem fliehenden Trupp des Wessenacker nimmer folgen konnten . Erschöpfte Menschen und niedergebrochene Rosse liegen in dem Buchenwald , durch den der Weg des rasselnden Reiterhaufens geht . Und als die Herzöge das breite , lange Wiesental des Starzelbaches erreichen , das sich beim Jägerhause von Hoflach aus bewaldeten Hügeln nach Norden gegen die Sümpfe des Dachauer Mooses hinzieht , sehen sie aus den Dächern von Puechheim und Alling , die der fliehende Wessenacker in Brand gesteckt , den Rauch und die Flammen aufgehen . Und weit da draußen , über tausend Schritte vom Hügel des Jägerhauses , gegen Olching hin , gewahren sie in der Mittagssonne das bunte , funkelnde , blitzende Gewirr eines großen , auf vierhalbtausend Helme zu schätzenden Heerhaufens , dessen gestaute Massen von zwei Seiten gegeneinander drängen und sich zu ordnen suchen . Während die Flammen der Dörfer wachsen und von den Brandstätten das Jammergeschrei der Bauern und ihrer Weiber herüberschrillt , faßt Herzog Ernst den Gaul des Sohnes am Zügel . » Langsam , Brechtl ! Das Ding wird ernst . Der Vetter Loys ist da . Er ist der Stärkere . « » Wir sind die Besseren ! « trotzt der Junge . » Jetzt wirst du den Schnabel halten und dich gedulden . « Ruhig gleiten die Augen des Herzogs und rechnen und messen . Da drüben eine schwere Übermacht . Und ein Heerhaufe , dessen Kern aus einer geschulten Söldnertruppe und aus vielen Hunderten von ritterlichen Herren besteht , die aller Dinge des Krieges kundig sind . Herüben nur an die zwanzig adlige Leute , eine kleine Söldnerschar , dazu das bescheidene Heer der Städter , die gestern noch bei ihrem bürgerlichen Handwerk waren , und der regellose Schwarm der Bauern , die schlechtbewaffnet von der Drischeltenne gelaufen kamen . Doch hier der feste Boden , und für den Notfall die waldigen Hügel der Heimat als Deckung . Und die da drüben stehen auf feuchten , schlüpfrigen Wiesen , zwischen Dreck und Moos . Da drüben der übermütige Friedensbruch , herüben die ehrliche Notwehr , das stärkere Recht . » Mit Gottes Gnad ! Wir wollen es wagen . « Zwei adlige Herren des Hofes mit einem Trompeter reiten hinüber , um Herzog Ludwig von Ingolstadt zur Schlacht zu fordern . Vier Söldner begleiten sie und führen die zwei gefesselten Musikanten , die Herzog Ernst seinem gütigen Vetter Loys zurückerstattet , mit freundlichem Dank für den roten Weckruf dieser Nacht . Während die Rauchfahnen der beiden brennenden Dörfer sich in der Sonne hinkräuseln über die welkenden Buchenwälder , nimmt Herzog Ernst mit zwanzig Trabanten seinen Stand auf dem Hügel , der das kleine Jägerhaus von Hoflach trägt . Von hier aus kann er das ganze Wiesental , das ein Schlachtfeld werden soll , und die Anordnung seines Heerhaufens überschauen . In die Mitte des Treffens stellt er unter Führung des Prinzen Albrecht seine adligen Herren , die kleine Schar seiner Harnischreiter , die Berittenen der Bürgerschaft und den Kriegshaufen der schweren Zünfte , der Schmiede , Schlosser , Zimmerleute und Bräuer . Zur Linken und Rechten die Schwärme der Bauern . Beiderseitig ist das Treffen geflügelt durch die Armbruster und Leichtbewaffneten der Bürgerschaft , jeder Haufe gestützt durch hundert Faustschützen . Hinter dem Treffen steht ein Trupp von Nothelfern , deren Führung der Herzog sich vorbehält . In dieser ernsten Stunde , während das Treffen sich ordnet , hört man plötzlich aus einem hinter Stauden versteckt liegenden Bauerngehöft das klägliche Schreien und drollige Glucksen eines Schweines , das abgestochen wird . Und da ruft der schmucke Michel Ungeraten mit seiner starken , lustigen Stimme in das ernste Schweigen hinein : » Die schlauen Luder denken halt : Selber schlucken macht fett . Und stechen die gute Sau noch ab , eh die Raubleut kommen . « Über die Breite des Treffens rollt , jede Beklommenheit bezwingend , ein fröhliches Gelächter hin . Auch Herzog Ernst - in aller Sorge , die ihn bedrückt - muß schmunzeln . Und heiter sagte er zu den Kriegsleuten , die ihn umgeben : » Müssen wir sterben , so ist unser Tod kein hartes Ding . Wir sterben mit Lachen . « 7 In dem großen Zelte , das man am Ufer der Amper mit aller Hast auf dem feuchten Bruchboden der Olchinger Wiesen errichtete , stehen die beiden Münchener Herren und ihre Gefolgsleute mit verbundenen Augen vor Herzog Ludwig . Und hinter ihnen zittern die zwei , dem gütigen Vetter Loys zurückerstatteten Musikanten . Von draußen rauscht der wirre Lärm des gestauten Heerhaufens in das Zelt herein , dessen Tuchspalten verbrämt sind vom Glanz der Mittagssonne . Das Schreien und Fluchen , das Geklirr und Geknatter , das Stampfen und Keuchen der Gäule , die vielen Trompetenstöße , die von weit her Antwort erhalten - das alles klingt zu einer üblen Stimme zusammen . Der flüchtende Schwarm des Wessenacker , mit den Verwundeten und Erschöpften , mit den scheuen , keinem Zaum mehr gehorchenden Gäulen , verwirrte den Aufmarsch des Ingolstädter Haupthaufens , dessen Nachhut und Karrenwurm sich auf der Straße von Geiselbullach noch weit hinauszieht gegen Feldgreding und Dachau hin . Bis die Nachzügler eintreffen , wird ' s noch eine Stunde dauern ; sie können nur langsam , nur in dünner Zeile marschieren ; bei jedem Schritt , der hinausgeht über die schmale Straße , tappt der Fuß in den nassen Filzboden , den von der einen Seite das Dachauer Moos , von der anderen das stundenlange , den trägen Lauf der schwarzen Maisach geleitende Haspelmoor heranschiebt . Immer lauschte Herr Ludwig hinaus in diesen bösen Lärm . Etwas Grauenvolles wühlte in seinem zornroten Gesicht . Im Schimmer seiner französischen Rüstung saß er auf einem Feldsessel . Ein Dutzend von seinen Freunden und Hauptleuten war um ihn her . In einem Winkel des Zeltes nähte des Herzogs Leibarzt dem rotgefärbten Wessenacker die Wunden zu . Und gesondert von den anderen - auf einer kleinen Truhe , die Ludwigs Feldschatz , die Kleinode seiner Herzogswürde und sein Majestätssiegel enthielt - auf dieser Truhe saß mit lang übereinander geschlagenen Beinen eine wunderlich sinnwidrige Gestalt aus Silber , Gold und bunten Farben : Prinz Höckerlein , für den Kampf gerüstet . Er schien die zwei Musikanten nicht zu sehen . Mit ruhigem Lächeln betrachtete er bald die Münchener Herren , bald den Vater . Der schwieg und biß die Zähne übereinander , sah immer den einen der beiden Musikanten an , der die verbeulte Laute hinter dem Rücken trug , und nun plötzlich drehte der Herzog das Gesicht und musterte mit einem funkelnden Zornblick seinen Sohn . Da sagte einer der Münchener Herren , während er den Kopf mit der Augenbinde unmutig gegen den Nacken legte : » Euer Gnaden lassen uns lang auf Antwort harren . Mit der Tapferkeit und den ritterlichen Sitten , die man Euch nachrühmt , ist das übel zu vereinen . « » Du ! « Herzog Ludwig sprang vom Sessel auf . » Nimm das Maul nicht so voll . Und deinen zwei Fürsten sagt , sie sollen des Fechtens heute noch satt werden . Ich hoffe , sie haben für flinke Gäule gesorgt . Die werden sie brauchen . « Er machte einen Wink mit der Hand . Und als die Münchener Herren aus dem Zelt geführt waren , sagte er in wühlender Erregung zu seinen Hauptleuten : » Wir müssen Zeit gewinnen . Man soll die Münchener Kindlein mit verbundenen Augen im Kreis herumführen , bis sie die Geduld verlieren . Alles andere ist beredet . Dieses München , das meiner vergaß , soll merken , wer ich bin . Ich will rote Hochzeit mit ihm halten . « An seiner kostbar inkrustierten Rüstung zerrte er eine Schnalle auf , als wäre der Stahl für seine Brust zu eng geworden . » Von den Frauen , die ich genommen , hat sich noch keine als sturmfest erwiesen . Sie starben an meinen Umarmungen . So soll München fallen , wenn ich es umklammere . Jeder an seinen Platz ! Mit Gott , meine Treuen ! Helft mir ! Und ich will ' s euch danken . « Er reichte jedem die Hand ; den Prinzen übersah er . Die Herren verließen das Zelt - nur der Wessenacker blieb und ließ sich den nackten Oberkörper mit den nötigen Pflastern belegen . Auch Prinz Ludwig tat so , als wollte er sich mit den Hauptleuten entfernen . » Mein Seelenwürmchen ? « Herr Ludwig lachte in galligem Hohn . » Willst du nicht bleiben ? « » Gerne , lieber Vater ! Wenn du mich duldest in deiner Nähe ? « Der Bucklige setzte sich wieder auf die Truhe hin . Der Herzog riß abermals eine Schnalle seiner Rüstung auf . Und schrie : » Wo ist der Wolfl ? « Aus der Zeltkammer , in der man zwei Hunde winseln hörte , huschte der Kämmerer Graumann heraus . Er sah , daß dem Herzog etwas an seiner Rüstung nicht taugte , und wollte zugreifen . Mißtrauisch , mit groben Fäusten , packte Herr Ludwig den Greis an den Handgelenken . » Wolfl ? Bist du auch schon falsch ? Hab ich von denen , die in meinem Hause waren , nur meine zwei Hunde noch ? « » Herr ! « Dem Alten wurden die Augen naß . Da sagte der Herzog rasch : » Verzeih mir ! « Er küßte ihn auf die Wange . Nun war er ruhig . » Mein guter Wolfl , heut muß ich mich wehren um mein Leben . Schnalle mir diesen glitzrigen Pariser Dreck herunter ! Und gib mir die blaue deutsche Rüstung , die mir meine Ingolstädter schenkten ! Und giß mir das schwerste von meinen deutschen Schwertern ! « Im Winkel des Zeltes brummte der Wessenacker : » Gott sei Dank ! « Das hörte Herr Ludwig nicht . Während Wolfl die Arbeit begann , sah der Herzog immer die zwei Musikanten an , die , grau von Staub , mit ihren verprügelten Köpfen und den blutig zerkratzten Gesichtern zitternd neben dem Spalt des Zeltes standen . » Du ! « Er meinte den kleinen Dicken mit der zerfetzten Blatterpfeife . » Dich kenn ich nicht . Was gehst du mich an ? Auf Erden gibt ' s viele Menschen , die keine Ursach haben , mir treu zu sein . Spring zu den Dunklen , die dich bezahlen für dein leuchtendes Feuerwerk von gestern . Mach , daß du weiterkommst ! « Wie eine Ratte , die der Falle entronnen , surrte der Dicke durch den Spalt des Zeltes hinaus . » Aber du ? « Herr Ludwig nickte gegen den Lautner . » Warum bleibst du heute so fern ? Sonst warst du doch immer sehr nahe bei mir . Komm her ! Oder hast du Angst ? Vor mir ? Hab ich dir nicht tausendmal bewiesen , wie gütig ich sein kann ? « Zitternd machte der Lautner ein paar taumelige Schritte , während das Gesicht des Prinzen , der lächelnd in seiner Mißgestalt auf der Truhe saß , eine gelbliche Färbung bekam . Der Herzog sah den hinkenden Musikanten an . » Wahrhaftig ! Das Gehen wird dir sauer . Warum bist du mit dem rätselhaften Dorn in deinem Fußballen nicht daheimgeblieben ? Um mir den Verläßlichsten meiner Verläßlichen wieder gesund zu machen ? Warum nicht , mein treuer Nachtigall ? « In einem Schreck , der zum Verwechseln einer Wahrheit ähnelte , sprang Prinz Höckerlein von der Truhe auf . » Vater ! Um Christi Barmherzigkeit ! Der da ? Dein Peter Nachtigall ? Jetzt erkenn ich ihn erst ! Gott , Gott , ich sorge , er hat was Böses getan . Laß ihn in Ketten legen ! Laß ihn verwahren - « » Schweige ! « schrie Herr Ludwig . » Gestern hat dir mein treuer Peter keinen Sperber vergiftet . Gestern hat er nur mir einen Tropfen Gift ins Leben geschüttet . Wem zuliebe ? « Da sagte der Bucklige sanft : » Mein treuer Vater ist seiner Sinne nicht mächtig und redet , er weiß nicht was . « Während er sich gegen die Truhe hindrehte , warf er einen beruhigenden Augenwink zu dem zitternden Musikanten hinüber . Der atmete auf und fing von seiner Ehrlichkeit zu reden an . Ein Dorn , den man sich in den Fußballen trat , kann ausschwären . Freilich , das Gehen bleibt eine schmerzhafte Sache . Aber reiten kann man . Und da reitet man mit einem guten Gesellen durch Tag und Nacht zu seinem Herrn , auf dem kürzesten Wege . Und da sieht man bei München die Dörfer brennen . Und da muß man glauben : Wo die Flammen aufsteigen , ist unser Herr , unser siegreicher Fürst ! Man reitet auf diese weisenden Feuer zu . Aber die dummen Bauern ! In ihrem Grimm und Wahnsinn fassen sie zwei Unschuldige . » Wessenacker ? « Herr Ludwig , dem der Kämmerer die blauen Stahlplatten der deutschen Rüstung um den hohen , kraftvollen Körper schnallte , stieß einen lachenden Laut vor sich hin . » Klingt das nicht so bieder , als war es auf Münchener Malzboden gewachsen ? Und darf ich diesem Menschen zürnen ? Hundertmal befahl ich ihm , als Meister für mich zu lügen . Jetzt lügt er als Meister wider mich . Sancta justitia ! « » Ach , gnädigster Herr ! Wollt Ihr meinen ehrlichen Worten nicht glauben « , flötete Nachtigall , » so laßt meinen blutigen Schädel für meine Unschuld reden ! Den hab ich den wütigen Bauren geduldig hingehalten , daß sie mir nit das Lautenspiel beschädigen . Schauet , Herr ! Mein Spiel hab ich mitgenommen . Weil ich doch als Halbgenesener hergeritten bin , um meinem Herren für müde Lagerstunden eine Kurzweil zu bringen , wie er sie lieb hat ! « Bei diesem Beweise , der sieghaft hätte werden können , vergriff sich Meister Nachtigall im Ton . Und Herzog Ludwig packte die verbeulte Laute , riß sie vom Band und schlug sie dem Musikanten von rechts und links um die Ohren , daß die Saiten kreischten und der hohle Holzbauch in Scherben ging . Den Halsstumpf mit den geringelten Stahlfäden schleuderte er gegen die Zeltwand . Bei dieser Gewalttätigkeit schien sein wühlender Zorn sich völlig entladen zu haben . » Peter ! « sagte er ruhig . » Bei allem hast du noch Glück ! War ich die kluge Laus von Burghausen , so ließe ich dich jetzt auf die spanische Bank legen , bis du redest , was wahr ist . Aber dein Glück erkor dich zu einem Getreuen des dummen Stieres von Ingolstadt . Tausend Stunden Hast du mir schön gemacht . Ich kann dich nicht ermorden um einer einzigen willen , die mir häßlich wird . Geh mir aus den Augen ! Und suche den verschwundenen Laitzinger ! Den auf einem süßen Botenweg die Straßenräuber erschlugen - wie mein zärtlicher Herzkäfer vermutet . « » Glaubt mein geliebter Vater , daß es anders wäre ? « fragte der Bucklige unter aufatmendem Lächeln , während Peter Nachtigall seine blutenden Ohren flink aus dem Zelte hinaustrug . In der blaublinkenden Rüstung trat Herzog Ludwig vor den Prinzen hin . » Was du getan hast , weiß ich nicht . « Aus seinen Augen sprach eine schwere Trauer . » Ich weiß nur , es war ein schlechtes Ding . Und ich spüre , daß mir die Münchener Vettern , noch ehe die Schlacht begann , einen mörderischen Streich versetzten . « Er preßte die zitternden Fäuste auf den Panzer . » Verraten werden ? Das ist , seit Jesus sterben mußte , kein allzu hartes Ding . Man sollt es nur nicht erfahren . Das ist das Harte . « Auch Hauptmann Wessenacker war wieder in den Stahlmuscheln seiner mit Dullen besäten Rüstung . Er sagte ernst : » Herr ! Um der Ehre Eures fürstlichen Sohnes willen hättet Ihr den Nachtigall nicht so barmherzig entlassen dürfen . « Da knirschte der Herzog : » Ich hab ' s getan , weil ein meineidiger Knecht nicht zeugen soll wider meinen einzigen Sohn und Erben . « » Dein einziger Erbe ? Ja , Vater ! « Prinz Ludwig richtete sich auf . » Dein einziger Sohn ? Stimmt das ? « In den Augen des buckeligen Knaben war ein kalter und böser Blick . » Da du immer von anderen die Wahrheit willst , solltest auch du bei der Wahrheit bleiben . « Der Herzog lachte . » Du ? Bist du mein Blut ? Oder bist du der Sohn eines Kochs ? « Er faßte den Wessenacker am Arm und zog ihn vor den Prinzen hin . » Sieh dieses verbogene Geschöpf an ! Das nur mein Erbe sein will . Und sag mir , ob es denkbar ist , daß mich der da verraten hat ? « Er atmete schwer . » Wenn ' s nicht Wahrheit wäre , daß die Salzacher Laus daheim in ihrem Pelze sitzt und durch den Zollern um Frieden bettelt , so müßte ich glauben - - « Herr Ludwig biß die Zähne übereinander . » Nein ! Ich mag ' s nicht sagen . Wer einen schlechten Gedanken ausspeit , macht die Welt unsauber . « Er stülpte den Helm über die Kettenhaube . » Komm , Wessenacker ! Kampf ist ein Wille Gottes . Sonst hätte der Himmlische die Menschen ohne Falsch erschaffen . « Ruhig sagte er zu seinem Sohne : » Gott allein soll zeugen für oder wider dich . Mit meinen Einrössern stell ich dich in die erste Reihe des Treffens . Da soll sich erweisen , ob du schuldlos bist . Wie Gott dich zeigt in dieser Schlacht , so stell ich dich morgen zu München vor deine Richter , die ich aus Heer und Volk berufe . « Lächelnd sagte Ludwig Höckerlein : » Dann bin ich morgen ein Gereinigter . « Ohne zu antworten , ging der Herzog aus dem Zelte . Wolfl Graumann trug ihm das schwere Schwert und die mit Stahl geplatteten Handschuhe nach . Der Prinz guckte den Medikus an . » Ich bin gesund . Um meintwillen brauchst du nicht zu bleiben . « Er rief mit scharfer Stimme zwei Namen . Während der Medikus davonging , kamen aus der Zeltkammer zwei Diener gesprungen , ein junger und ein alter . Erschrocken sahen sie , wie Prinz Ludwig den Deckel der Truhe öffnete , den kleinen Lederbeutel mit des Herzogs Majestätssiegel herausnahm und unter dem Brüstling des höckerigen Panzers verwahrte . Der Alte flüsterte zitternd : » Herr ! Ihr rennet in Euer Verderben ! Laßt Euch raten , schauet mein weißes Haar an , Alter macht das Gehirn hellsichtig . « » Aber die Lenden schlaff und das Feuchte in der Nase trocken . Die Kräfte fallen aus , aber in den Ohren wachsen die Haare . « Ludwig Höckerlein war heiter . » So seh ich es an meinem Vater und an dir . Drückt dich dein Gewissen , so beichte morgen . Heut ist Arbeitstag . Sobald die letzte Dummheit meines Vaters da draußen anfängt , schafft