. Unser Winnetou aber soll sich von innen heraus entwickeln , aus dem Herzen heraus . Die ganze rote Rasse soll sich zu einem einigen Winnetou gestalten , der hoch über allem , was niedrig ist , auf den lichten Höhen des Lebens steht . Ein Stolz für uns und eine Freude für Manitou , den Allergrößten und Allerreinsten ! « Sich nun an Old Surehand und Apanatschka wendend , fuhr er fort : » Ihr und eure Söhne seid für den steinernen Winnetou . Ob das richtig ist oder falsch , will nicht ich allein bestimmen . Ihr selbst sollt auch mit entscheiden . Ihr laßt euern Winnetou am Wasserfall stehen , damit wir ihn sehen und bewundern mögen . Wohlan , so bitten wir euch , dasselbe tun zu dürfen . Ihr sollt ganz ebenso unsern Winnetou kennen lernen . Er soll nicht nur vor euern Augen , sondern in euch selbst entstehen . Ihr sollt ihn nicht nur sehen , sondern auch fühlen und empfinden . Dann sollt ihr sie beide vergleichen , den eurigen und den unsrigen . Und ist dies geschehen , so werden wir wissen , für welchen wir uns entscheiden . Wer stimmt mir bei ? « » Howgh ! « antwortete ich . » Howgh ! « fielen alle diejenigen ein , die bisher gleicher Meinung mit mir gewesen waren . » Howgh ! « riefen sogar auch Old Surehand und Apanatschka , teils hingerissen von der Erscheinung und der Beredsamkeit des Alten , teils aber auch weil sie ihn nicht ganz verstanden und darum ihr Projekt noch immer als siegreich betrachteten . Hierauf sprach Tatellah-Satah weiter : » Ich lade euch alle ein , zu mir zu kommen , heut abend , sobald es dunkel geworden ist . Bringt auch Young Surehand und Young Apanatschka mit , die beiden Künstler , die nur ihren steinernen Winnetou kennen , den andern , den lebendigen , aber nicht . Sie sollen die wahre Kunst kennen lernen , welche nicht darin besteht , das Irdische abzukonterfeien , sondern das Himmlische im Irdischen nachzuweisen . Sie sollen heut abend bei mir den sprechen hören , den sie da oben auf dem Berge versteinern wollen . Sie sollen erfahren , was er von ihnen verlangt . Und haben sie das von ihm gehört , so wollen wir sie fragen , ob sie noch darauf bestehen , uns ein totes Bild zu geben , anstatt Leben , Fleisch und Blut . Also , ich erwarte euch alle , alle . Ich habe gesprochen ! « Er winkte mit der Hand , drehte sich um und verschwand aus dem Zimmer . Niemand sprach ein Wort , so tief war der Eindruck , den er hervorgebracht hatte . Da erschien Intschu-inta und meldete , daß das Mahl bereitet sei . Das brachte wieder Bewegung in die Versammlung , welche sofort aufbrach , dem Rufe der roten und der weißen Köchin zu folgen . Das gute Herzle überraschte mich durch zweierlei . Erstens hatte sie ihr indianisches Frauengewand angelegt , aus seidenweichem Leder gefertigt und mit uralten Perlen und Fransen verziert . Und zweitens war das von ihr und Aschta getroffene Arrangement ein so frappantes und gelungenes , wie ich es nicht hatte erwarten können . Es waren , ohne daß ich es gemerkt hatte , sehr viele Hände tätig gewesen , den Raum zu einem indianisch festlichen zu gestalten , und das Mahl war geradezu raffiniert bereitet und zusammengestellt , wenn es auch dabei Genüsse gab , über die ein englischer oder französischer Koch die Hände über den Kopf zusammengeschlagen hätte . Aber grad das , was ich für am gewagtesten hielt , das aßen die Häuptlinge am liebsten . Wenn mir angst über ein neues Gericht wurde , über dessen Unbefangenheit ich sehr im Zweifel war , da griffen sie am schnellsten zu . Sie fanden alles wunderbar . Was vorgelegt wurde , verschwand , als sei es nie dagewesen . Aber es wurde ergänzt . Es kam immer mehr und mehr . Es wollte gar kein Ende nehmen , bis schließlich doch der eine und der andere das Messer beiseite legte und ernstlich erklärte , daß es ihm am Atem fehle . Der rote Mann ißt gern und ißt viel . Und grad da , wo alles aufhören wollte , wurden noch ganze Berge von Pfannkuchen gebracht , mit allen möglichen und unmöglichen Dingen gefüllt . Das kam von diesem nichtsnutzigen Wesen , dem Herzle , dem es ganz gleichgültig ist , ob man an zu viel Pfannkuchen stirbt oder nicht , wenn sie einem nur gut bekommen . Und sie wurden alle ! Und sie bekamen ! Dann aber saßen die würdigen Häuptlinge sehr still und sehr satt neben einander , und es war beiden , sowohl der roten als auch der weißen Köchin sehr deutlich anzusehen , daß sie sich in diesem Augenblicke als Siegerinnen fühlten ; wir aber waren die Geschlagenen . Natürlich war die Unterhaltung während des Essens eine außerordentlich lebhafte gewesen . Kein Wunder , wenn man bedenkt , aus was für Personen und Charakteren sich die Gesellschaft zusammensetzte . Ich saß , wie bereits erwähnt , zwischen Old Surehand und Apanatschka . Was während der Zeit , in der wir einander nicht gesehen hatten , mit uns geschehen war , das hatten wir uns sehr bald in großen , allgemeinen Zügen mitgeteilt . Auch über die Frage , ob ich in Old Surehands Landhaus vorgesprochen habe und wie ich zu seinen Pferden und Maultieren gekommen sei , wurde verhältnismäßig schnell hinweggegangen . Jetzt lag ihnen vor allen Dingen daran , mich womöglich für ihr Denkmalsprojekt zu gewinnen , und so bildete dies das einzige Thema für den ganzen weiteren Verlauf des Essens . Ich aber ließ mich in nichts ein . Ich stritt mich nicht . Aber indem ich ihnen erzählte , was wir am Nugget-tsil ausgegraben hatten , bereitete ich , ohne daß sie etwas davon bemerkten , die Wirkung des heutigen Abends vor . Old Surehand und Apanatschka waren kürzlich an der Pazific gewesen , von welcher aus die Umgebung des Mount Winnetou zu verproviantieren und mit allen erforderlichen Lebensbedürfnissen zu versehen war . Auch das war ein Geschäft , bei dem man viel Geld zu verdienen hoffte . Die Verbindung mit der Bahn mußte durch einen regen Wagen- und Packtierverkehr unterhalten werden . Diesen einzurichten , war die höchste Zeit , weil die Menschenflut , die man erwartete , hier nun bald einzutreffen hatte . Nach dem Festmahle kehrten alle in ihre Zelte heim . Nur Wakon blieb mit seiner Squaw bei uns . Wir vier hatten uns gegenseitig schnell liebgewonnen . Ihre Tochter war oben im Wachtturm bei den Arbeiterinnen , die von dem » jungen Adler « beschäftigt wurden . Ich schlug vor , zu ihm hinaufzuspazieren . Aschta war schnell einverstanden und bat , auch den alten , guten Pappermann mitzunehmen . Wakon aber hatte den Wunsch , in Winnetous Zimmer bleiben und dessen » Testament « durchsehen zu dürfen . Das gestattete ich ganz selbstverständlich sehr gern . Pappermann wurde gerufen ; dann stiegen wir durch den Wald zu dem » Adler « empor . Dieser freute sich aufrichtig , als er uns sah , und führte uns auf das platte Dach seiner Wohnung . Dort gab es große Heimlichkeiten , von denen ich jetzt noch nichts erzählen möchte . Es handelte sich , soviel sah ich sogleich , um einen Flugapparat , aber um keine der bis jetzt bekannten Konstruktionen . Ich sah für heut nur zwei eigenartige flordünne Flügel im Entstehen und zwei hohle Körper , oder sagen wir , zwei eng anliegende Gewänder , welche außerordentlich kunstreich aus stahlharten aber federleichten Binsen geflochten waren . Es gab hierzu einen kleinen , nicht sehr schweren aber sehr wirkungsvollen Motor , den er sich aus dem Osten mitgebracht hatte . Das war das Paket gewesen , welches er trug , als er in Trinidad zu uns kam . Die Körper waren noch nicht fertig . Es wurde noch an ihnen gearbeitet , und zwar schien Aschta , die Jüngere , sich vorgenommen zu haben , sie gänzlich fertig zu stellen . Es war eine wunderbare Aussicht hier oben . Darum blieben wir so lange da , bis wir nicht länger warten konnten . Dann stiegen wir wieder hinab nach unserer Wohnung , wo wir Wakon so vertieft in seine Lektüre fanden , daß er es fast überhörte , daß wir bei ihm eintraten . Er legte das Heft , in dem er soeben gelesen hatte , beiseite , stand auf und sprach : » Ja , das ist Winnetou , Winnetou selbst ! Wenn wir heut abend den vorlesen , wird er sich riesengroß und riesenstark in uns erheben und alle Gegner aus dem Felde schlagen . Ich fühle ihn schon in mir mild , ernst , rein , keusch und edel , nur aufwärts strebend zur irdisch möglichsten Vollkommenheit . Das wird ein herrliches , ein schöpferisches Entstehen in uns selbst . Davon soll meine Squaw nicht ausgeschlossen sein . Ich nehme Achta mit ! « » Und auch mich ! « bat das Herzle . » Oder ist es uns Frauen verboten , mit anwesend zu sein ? « » Eigentlich ja , « antwortete ich . » Aber niemand wird wagen , euch zurückzuweisen . Es handelt sich nicht um eine Häuptlingsversammlung , denn Young Surehand und Young Apanatschka sind auch geladen . Wo diese sein dürfen , dürft auch ihr erscheinen . « Eben als ich dies sagte , kam Kolma Putschi . Sie sagte uns , daß Old Surehand , Apanatschka und ihre Söhne schon bei Tatellah-Satah seien . Sie habe sich mit ihnen eingestellt , um bei uns anzufragen , ob Aschta und das Herzle gesonnen seien , sich zu beteiligen . Da wünsche sie , sich ihnen anzuschließen . Das wurde ihr ganz selbstverständlich gewährt . Ich nahm , als wir nun gingen , nur die ersten beiden der Hefte mit , die Winnetou für mich geschrieben hatte . Als wir bei Tatellah-Satah ankamen , waren schon alle anderen Eingeladenen anwesend . Er hatte sie nach dem herrlichen Passiflorenraum bringen lassen , nach welchem er nun auch uns geleitete . Da waren aus Fellen zahlreiche Sitze bereitet . Hohe , aus dem Wachse wilder Bienen bereitete Kerzen brannten . Damit die köstliche Blütenluft nicht durch die vielen Lichterflammen verunreinigt werde , stand die in das Freie führende Treppentür offen . Für den Vorleser , der war ich , gab es einen erhöhten Sitz , zu dessen Seiten , um mir das nötige Licht zu geben , die Kerzen vervielfacht waren . Als wir eintraten , standen die Anwesenden alle auf . Daß wir unsere Frauen mitbrachten , schien ihnen ganz verständlich zu sein . Tatellah-Satah forderte sie durch einen Wink auf , ihre Sitze wieder einzunehmen . Er selbst blieb stehen , um einige Worte des Grußes und der Einleitung zu sprechen . Er erklärte den Zweck unserer heutigen Zusammenkunft und Vorlesung und forderte die Versammelten auf , ihre Augen nach innen zu richten , um die Ankunft dessen , dem dieser Abend gewidmet war , ja nicht zu übersehen . Dann begann die Vorlesung . Die ersten Zeilen lauteten : » Ich bin Winnetou . Man nennt mich den Häuptling der Apatschen . Ich schreibe für mein Volk . Und ich schreibe für alle , die da Menschen sind auf Erden . Manitou , der Große , der Allgütige , breite seine Hände aus über dies mein Volk und über alle , die es ehrlich mit ihm meinen ! « Als diese Worte erklangen , ging eine tiefe , fast möchte ich sagen , eine heilige Bewegung durch die Versammlung . » Winnetou ! « » Winnetou ! « » Winnetou ! « hauchte es rundum . Ich las weiter . Ein voller , inhaltsreicher Lapidarstil war meinem unvergleichlichen roten Bruder eigen gewesen , wie stets im Sprechen , so auch hier im Schreiben . Das wuchtete . Das hob empor ! Und das riß hin ! Den Inhalt dessen , was ich vorlas , wird man kennen lernen , wenn das Testament im Druck erscheint . Es entstand die Seele des Knaben Winnetou , die Seele der einstmals jungen , roten Rasse . Sie entwickelte sich ; sie wuchs . Die Schicksale Winnetous waren die Schicksale seiner Nation . In dem ersten Hefte , aus dem ich vorlas , beschrieb er seine Kindheit , in dem zweiten sein Knabenalter . Ich saß der offenen Tür grad gegenüber . Als ich zwischen den Zeilen einmal ausblickte , sah ich eine Gestalt , welche draußen vor der Tür , im freien , erschien . Sie kam nicht herein . Sie setzte sich draußen nieder , um zuzuhören . Die Gestalt war jung . Ich konnte ihr Gesicht nicht erkennen . Das Haar hing ihr lang und voll über den Rücken herab . War es Winnetou ? Hatte er sich aus jener anderen Welt herniedergelassen , um dabei zu sein , wenn sein Vermächtnis laut zu sprechen begann ? Die Zuhörer waren bis tief in ihr Innerstes gefesselt . Ihre Augen hingen an meinem Munde . Sehr häufig erklang ein leises oder auch ein lauteres » Uff ! « Die Spannung war groß . Sie ließ nicht nach , sondern sie wuchs . Die sitzende Gestalt draußen vor der Tür regte sich nicht , so gefangen war sie von dem , was sie hörte . Ich las bis Mitternacht ; da wollte ich aufhören ; aber kein einziger der Anwesenden war damit einverstanden . » Weiter , weiter ! « bat man von allen Seiten . Wakon erbot sich , an meiner Stelle fortzufahren . Ich willigte ein . Er las und las , noch stundenlang , bis draußen der Morgen tagte und man sehen konnte , daß der vor der Tür Sitzende und so aufmerksam Zuhörende der » junge Adler « war . Da stand ich auf und bat , Schluß zu machen ; heut abend sei bessere Zeit als jetzt , in der Vorlesung fortzufahren . Nur in der Hoffnung auf dieses letztere war man einverstanden . Man erhob sich von den Sitzen . Kein einziger sprach ein Wort . Es erschien ihnen wie eine Entweihung , jetzt anderes zu sagen . Da deutete Tatellah-Satah hinaus nach dem östlichen Horizont und sprach : » Meine Brüder mögen sehen , daß der Tag im Erscheinen ist , der junge Tag , den die Sprache der Menschen den Morgen nennt . Zur selben Zeit ist in mir , und , wenn Manitou es will , in ihnen auch ein Tag erschienen , ein neuer , junger , schöner Tag , schöner als alle die Tage , die vergangen sind . Ich meine den neuen , großen , herrlichen Tag der roten Nation . Er wurde in diesen unserm Winnetou geweihten Stunden in euch geboren . Fühlt ihr ihn ? Und fühlt ihr tief in euch die Seele dessen , um dessen Testament wir uns versammelten , zu erfüllen , was er uns in ihm erläutert und verheißen hat ? Fühlt ihr sein Bild , welches in euch wachsen will ? « » Es ist da ! « antwortete Athabaska . » Ja , es ist da ! « rief Aschta , die Begeisterte . » Es ist da ; es ist da ! « stimmten auch die anderen bei . Sogar Old Surehand und Apanatschka bestätigten es . Nur ihre Söhne sagten noch nichts . Auch sie fühlten die tiefe Wirkung des Manuskriptes . Aber sie wußten , daß ihr Plan um so unausführbarer wurde , je mehr diese Wirkung sich vertiefte . Darum drängten sie das , was über ihre Lippen wollte , jetzt noch zurück . » Und kommen meine Brüder heut abend wieder ? « erkundigte sich Tatellah-Satah . » Ich erwarte sie zu ganz derselben Zeit . « » Wir kommen , « versicherte Algongka . » Ja , wir kommen , « sagte Kolma Putschi , die ganz gewonnen war . » Wir kommen ; wir kommen ! « riefen alle anderen . Und diesesmal waren auch die Stimmen der zwei jungen Künstler dabei . So brachen wir auf und gingen heim . Bei uns angekommen , gestand das Herzle , ehe wir zur Ruhe gingen : » Glaubst du daß ich wirklich ein neues Wesen , eine seelische Gestalt in mir fühle , die vorher nicht vorhanden war ? « » Ich glaube es . Doch bitte , sprechen wir ja nicht in Rätseln . Es ist die Gedankenwelt Winnetous , die uns ergriffen hat und uns erobern wird , wir mögen wollen oder nicht . Gute Nacht , Herzle ! « » Gute Nacht ! Ich glaube , wir siegen ! « - - - Achtes Kapitel Der Sieg Die Vorlesung wurde täglich fortgesetzt . Sie bewirkte Wunder . Ihre größte Wirkung war die , daß Young Surehand und Young Apanatschka stets die ersten waren , die sich einstellten . Sie konnten das Folgende kaum erwarten . So große Freude uns dies machte , so taten wir doch , als ob wir gar nicht darauf achteten . Und sie ihrerseits versäumten trotz dieses großen Interesses für unseren seelischen Winnetou doch keineswegs , den Aufbau ihres steinernen Bildes am Schleierfalle so viel wie möglich zu fördern . Es wuchs zusehends empor , weil die einzelnen Teile schon fertig behauen waren und nur noch zusammengesetzt zu werden brauchten . Es war , als ob ein Wettstreit zwischen uns und ihnen herrsche , welche Figur am ersten fertig sein werde , ihre steinerne oder unsere rein geistige , die sich in den Vorleseabenden in immer größerer Höhe und Schönheit entwickelte . Am Abende des dritten Tages , nachdem die Gebrüder Enters bei mir gewesen waren , wurde ich von Hariman , dem einen Bruder , wieder aufgesucht . Er hatte , um nicht gesehen zu werden , zu dieser heimlichen Visite die späte Zeit der Dunkelheit gewählt . Es hatte kurz vor Abend neue Ankömmlinge gegeben , die in der Unterstadt geblieben waren . Nach der Aufregung , die ihre Ankunft dort verursachte , schienen wichtige Personen dabei zu sein , deren Namen wir aber nicht erfahren hatten . Nun kam Hariman Enters , sie uns zu nennen . Ich empfing ihn in Gegenwart meiner Frau . » Wißt ihr , Mr. Shatterhand , wer gegen Abend hier angekommen ist ? « fragte er . » Nein , « antwortete ich . » Eure Todfeinde , die vier Häuptlinge . « » Ah ? Wirklich ? Allein ? « » Mit nicht viel über dreißig Mann Begleitung , mehr nicht . « » Keine Unterhäuptlinge ? « » Nein . « » Wie unvorsichtig von ihnen ! Daraus ist doch auf das zu schließen , was sie vorhaben ! Die Unterhäuptlinge gehören unbedingt zu ihnen . Fehlen sie , so bedeutet das Gefahr . Sie sind natürlich bei den viertausend Reitern , die man nach dem Tale der Höhle beordert hat ? « » Ganz sicher ! Aber das ist jetzt Nebensache . Hauptsache ist , daß man Euch morgen zum Zweikampf herausfordern wird . « » Uff ! Höchst interessant ! « Da aber fiel das Herzle schnell ein : » Das ist ganz und gar nicht höchst interessant , sondern höchst unverschämt und höchst gefährlich ! Wer ist der Mensch , der sich vorgenommen hat , meinen Mann umzubringen ? « Diese Frage war an Enters gerichtet . Er antwortete . » Es ist nicht nur einer , sondern es sind vier . « » Wie ? Höre ich recht ? Vier ? Wer sind denn diese vier ? « » Kiktahan Schonka , Tusahga Saritsch , Tangua und To-kei-chun . « » Wollen sie etwa alle vier zu gleicher Zeit auf einmal auf meinen armen Mann hineinhauen , hineinstechen oder hineinschießen ? « » Nur schießen , weiter nichts . « » So ! Weiter nichts ! Als ob das gar nichts wäre ! Und alle vier zu gleicher Zeit ? « » Nein , sondern einer nach dem andern . « » Das verbitte ich mir ! So hübsch einer nach dem andern ! Etwa wie drüben in Deutschland beim Scheiben- oder Vogelschießen ! Wenn der eine nicht trifft , trifft der andere ! Danke ! Da kann doch kein Mensch lebendig davonkommen ! « » Das meinen sie eben auch ! Old Shatterhand muß unbedingt fallen . Dann ist nicht nur ihrer Rache Genüge geschehen , sondern auch der steinerne Winnetou gerettet . Man meint nämlich , daß er der einzige wirklich gefährliche Gegner des Denkmalbaues ist . Ist er tot , so ist mit Hilfe der viertausend Reiter alles durchzusetzen - - - « - - - « » Oho ! « fiel ihm das Herzle zornig in die Rede . » Er wird aber nicht tot sein ! Ehe ich mir ihn erschießen lasse , schlage ich diese viertausend alle tot , auch einen so ganz hübsch nach dem andern , und dann - - - « Sie hielt inne . Sie bemerkte , was sie da eigentlich gesagt hatte , und brach in ein fröhliches Gelächter aus , in welches ich einstimmte . Dadurch glättete sich ihre Erregung , und wir konnten in Ruhe weitersprechen . Es war richtig , daß die vier unversöhnlichen Häuptlinge beschlossen hatten , mich zu einem echt indianischen Kampf auf Leben und Tod zu fordern . Daß sie dabei ihre Bedingungen derart stellten , daß ich unmöglich entkommen konnte , verstand sich ganz von selbst . Jetzt , heut abend , ließ sich da weder etwas beschließen , noch etwas tun . Man mußte die Bedingungen kennen lernen . Es war beschlossen , daß Pida , der Sohn Tanguas , mir die Forderung zu überbringen hatte . Er war mir , wie man weiß , freundlich gesinnt , und so ließ sich hoffen , daß es mir mit seiner Unterstützung gelingen werde , alles für mich Gefährliche abzuwenden . Als ich das dem Herzle vorstellte , beruhigte sie sich ganz . Sie erhob sich sogar zu folgender Betrachtung : » Die Sache ist allerdings nicht im geringsten gefährlich , sondern einfach lächerlich . Die vier Halunken werden riesenhaft blamiert . Du brauchst nur Mann zu sein , weiter nichts ! « » Hm ! Wie meinst du das ? « erkundigte ich mich . » Sehr einfach : Du bist doch Duellgegner ? « » Sogar sehr ! « » Nun also ! Wenn diese Kerle dich fordern lassen , sagst du : Ich bin Duellgegner und mache nicht mit ! Da schleichen sie davon und müssen sich schämen ! « » Hm , hm ! « lächelte ich . » Und da sagst du , ich hätte nur Mann zu sein ? « » Ja ! Oder ist es etwa nicht männlich , seine Duellgegnerschaft offen und ehrlich zu bekennen ? « » O gewiß ! Ich bin ja auch ganz gern bereit , mich als Mann zu zeigen , sogar als Doppelmann ! « » Doppelmann ? « fragte sie . » Du , das klingt verdächtig ! Wenn du in dieser Weise kommst , ist ganz gewiß etwas nicht richtig ! Ich schöpfe Verdacht ! « » Verdacht ? kannst du nichts Besseres schöpfen , wenn überhaupt geschöpft werden muß ? Ich werde diesem Pida sehr männlich gestehen , daß ich Duellgegner bin . Und ich werde dann ebenso männlich hinzufügen , daß ich trotzdem sehr gerne bereit bin , mich mit den vier Häuptlingen zu schießen . Ist das nicht doppelt Mann ? « » Nicht doppelt Mann , sondern doppelt falsch ! Ich hoffe , daß du scherzest ! « » Ich scherze allerdings , und dennoch nehme ich es ernst , beides zugleich . Offen gesagt , ich nehme diese Forderung einfach als Faxe und werde sie als Faxe behandeln , obwohl sie von feindlicher Seite blutig ernst gemeint ist . In welcher Weise ich das tue , und wozu ich mich überhaupt entschließe , das kann ich jetzt nicht wissen . Laß Pida kommen , dann wirst du hören , was ich ihm antworte ! « » Du hälst die Sache also nicht für gefährlich ? « » Nein . « » Und glaubst , heiler Haut davonzukommen ? « » Unbedingt ! « » Daran haben die Häuptlinge auch gedacht , « fiel da Hariman Enters ein . » Sie trauen Eurer List und Findigkeit nicht . Darum ließen sie mich und meinen Bruder kommen , und teilten uns ihren Plan mit , Euch im Zweikampfe umzubringen . Falls Ihr dem Tode in irgendeiner Weise entgehen solltet , bin ich mit meinem Bruder von ihnen beauftragt , Euch auf die Seite zu schaffen , Euch und Eure Frau - - - « » Auch mich ? « fiel ihm das Herzle in die Rede . » Seid Ihr darauf eingegangen ? « » Ganz selbstverständlich ! « » Aber nur zum Schein ? « » Nur zum Schein ! « nickte er . » Es fällt uns nicht ein , uns an Euch zu vergreifen . Wir sind Euch treu . Wir werden Euch beschützen , nicht aber ermorden ! « » Das glaube ich Euch ! « versicherte sie in schneller , aber aufrichtiger Herzensregung . » Ist es wahr ? Glaubt Ihr das wirklich ? « fragte er , indem sein Gesicht sich froh erhellte . » Es ist wahr , « antwortete sie . » Und Ihr , Mr. Shatterhand ? « » Auch ich glaube es , « bestätigte ich . » Das freut mich ! Das freut mich ungemein ! Ich kann Euch sogar beweisen , daß wir es ehrlich meinen . Ich habe dafür gesorgt , daß ich es kann . Ich bringe den Beweis , den unumstößlichen Beweis . Ich habe eine Art von Kontrakt . « » Etwa einen geschriebenen ? « fragte ich . » Ja . « » Unglaublich ! Von wem ausgestellt ? « » Von den vier Häuptlingen ausgestellt und von Mr. Evening und Mr. Paper als Zeugen unterschrieben . Hier habt Ihr ihn . « Er gab ihn mir . Es war kein Kontrakt , sondern ein Zahlungsversprechen , dessen Ausstellung nur dadurch denkbar und möglich war , daß sowohl die beiden Brüder als auch die beiden Unterzeichneten von den Häuptlingen betrogen werden sollten . Daß diese Schrift auf absichtlichem Wege in die Hände eines Gegners gelangen könne , war für die Aussteller eine Unmöglichkeit gewesen . Sie hatte den Brüdern nur für eine kurze Zeit ausgestellt , dann aber wieder abgenommen werden sollen . Nachdem ich sie gelesen hatte , wollte ich sie Hariman Enters zurückgeben ; er aber sagte : » Kann sie Euch nützen , wenn Ihr sie behaltet ? « » Sogar viel , « antwortete ich . » So mag ich sie nicht wieder . Betrachtet sie als Euer Eigentum ! « » So danke ich Euch . Damit habt Ihr allerdings bewiesen , daß Ihr es ehrlich meint . Warum brachtet Ihr Euren Bruder nicht mit ? « » Weil niemand etwas wissen soll und zwei viel eher beobachtet und entdeckt werden als einer . Sobald wieder etwas zu melden ist , mag er es tun . Jetzt aber bitte ich , mich zu entlassen . « » Er ist wirklich treu , « sagte das Herzle , als er fort war . » Ob aber auch sein Bruder ? « fragte ich . » Ich glaube nicht , daß er mir etwas Böses zufügt . « » Ja , dir ! Aber mir ? Mich liebt er nicht . Das ist gewiß . Ich fühle mich nur darum vor ihm sicher , weil alles Böse , was er mir zufügen könnte , ganz unbedingt auch dich mit treffen muß . Ich stehe also , wie überall , auch hier unter deinem Schutz ! « » Den hast du allerdings auch nötig ! « scherzte sie mit . » Besonders morgen , wenn vier Häuptlinge auf dich schießen , so recht hübsch einer nach dem andern ! Sei ja nicht etwa leichtsinnig ! Dein Leben muß auf alle Fälle erhalten werden . Du gehörst nicht dir allein , sondern auch mir ! « - Am nächsten Morgen stellten sich zwei Kiowa-Indianer bei mir ein , die mir meldeten , daß Pida , ihr Häuptling , mich zu sprechen habe . Ich solle ihm durch sie mitteilen , wann ich ihn bei mir empfangen wolle . Ich bestellte ihn auf Punkt die Mittagszeit . Als sie sich entfernt hatten , ließ ich durch Intschu-inta alle die Personen , die zur Vorlesung zu erscheinen pflegten , so einladen , daß sie eine Viertelstunde vor Mittag bei mir einzutreffen hatten . Sie kamen , und ich teilte ihnen in Kürze mit , um was es sich handelte . Ich wünschte , daß bei der Forderung soviel Zeugen wie möglich vorhanden seien . Pida kam in großer Begleitung angeritten , wurde aber nur allein vorgelassen . Die bei ihm waren , standen nicht im Hänptlingsrang . Er suchte es zu verbergen , aber man sah es ihm doch an , daß er überrascht war , mich nicht allein , sondern so viel andere bei mir zu sehen . Das Herzle , Aschta und Kolma Putschi waren auch mit da . Als er eingetreten war , stand ich von meinem Platze auf , ging ihm einige Schritte entgegen und sprach : » Pida , der Häuptling der Kiowa , hat einst mein Herz gewonnen . Er besitzt es auch heute noch . Doch weiß ich nicht , ob ich in der Sprache des Herzens mit ihm reden darf oder nicht . Er sage mir , in welcher Eigenschaft er zu mir kommt , ob als Gast , mich