der sich mit seinem erlogenen Einflusse auf den Schah vor dir und Andern brüstet . Ich sage dir vielmehr , und du kannst es mir glauben , denn ich bin wohlunterrichtet : Der Herrscher kennt den Scheik ul Islam ganz genau . Die Fürbitte grad dieses Mannes wäre nicht etwa zu deinem Heile , sondern zu deinem Verderben ausgefallen . Sie hätte dich als sein Geschöpf bezeichnet und damit nur bewiesen , daß du der Gnade gar nicht würdig seist . « Er senkte den Kopf noch tiefer als vorher . Dann hob er ihn mit einem schnellen , energischen Ruck empor und sagte : » Also so steht es , so , so , so ! Wohlan , Effendi , ich gehe diesen neuen , guten Weg ! Ich gehe ihn selbst ! Ich lasse mich nicht führen ! Von keinem Menschen , auch nicht von dir ! Allah will das Gute , nur das Gute , und er gibt jedem Menschen die nötige Kraft , es zu tun . Ich will doch sehen , ob er nicht auch mir diese Kraft verliehen hat , es zu vollbringen , ohne daß ich sie mir von Andern zu leihen und zu borgen brauche ! Er sei mein Schutz und meine Hilfe , er allein , in Zeit und Ewigkeit ! « Er schluchzte . Da konnte ich mich nicht halten ; ich legte ihm die Hände an beide Wangen und sprach : » Das ist das einzig Richtige ! Laß es dir nicht wieder nehmen ; von keinem , keinem Menschen ! Es wächst jetzt eine Säule in dir auf , in der es nie und nie so knirschen wird wie in der andern unten in dem Wasser . In ihr liegt Gottesstärke . Vertraue ihr und ihm ! « Ich ging . » Gottesstärke - - - ! « erklang es hinter mir . » Das war sie - - - das ist sie - - - schon jetzt , schon jetzt - - - die Gnade ! « Auf dem Nachhauseweg war mir nicht wohl . Ich hatte das Gefühl des Schwindels , und meine Lunge war nicht mit mir einverstanden . Meine Beine schienen Kraft verloren zu haben , obgleich ich die ganze Zeit über doch nur gesessen hatte . Ich dachte darum an nichts , als nur daran , mich schnell niederzulegen , und freute mich , als dies geschehen war , über die gute , reine Luft , welche durch Türen und Fenster freien Zutritt hatte . Aber ich konnte nicht einschlafen . Der Grund lag wohl weniger in dem , was ich gesehen und gehört hatte , denn das konnte mich nicht beunruhigen , sondern die Ursache war eine körperliche , keine geistige . Und als der Schlaf dann erst gegen Morgen kam , war er kein ruhiger und erquickender . Ich wachte von Zeit zu Zeit immer wieder auf , und weil das quälender als das Wachen war , so zog ich es vor , das Lager zu verlassen . Als ich hierauf den Weg nach dem Brunnen hinunterstieg , fühlte ich ein wirkliches , ausgesprochenes Unwohlsein . Da traf ich Schakara . Ich sah , daß sie bei meinem Anblicke erschrak . » Was ist mit dir , Effendi ? « fragte sie hastig . » Dein Gesicht ist ganz graugelb , und deine Augen liegen tief . Du bist krank ! « » Ich war heut Nacht mehrere Stunden lang drüben im Allerheiligsten , « antwortete ich . » Das scheint mir nicht gut bekommen zu sein . « » Mehrere Stunden lang ? Im Allerheiligsten ? « rief sie aus . » Diese Luft hält kein Gesunder aus , viel weniger ein Genesender ! Du kannst dir sehr leicht einen Rückfall in den Typhus geholt haben , und dann , dann ist es nicht möglich , dich zu retten ! Komm , wir müssen sofort zum Ustad ! « Sie führte mich hinauf zu ihm . Er hatte mein spätes Heimkommen gehört und darum auch schon Sorge gehabt . Schakara brauchte ihm gar nicht zu sagen , weshalb wir zu ihm kamen ; mein Aussehen schien sprechend genug zu sein . Auch er zeigte sich , sobald wir eintraten , sofort über dasselbe bestürzt . Ich mußte mich hinsetzen und erzählen . Als ich mit meinem Berichte zu Ende war , sagte er sehr ernst : » Effendi , was du gehört und gesehen hast , beunruhigt mich nicht im Geringsten , aber daß du gezwungen gewesen bist , die krankheitsschwangere Atmosphäre des Sacrosanctum einzuatmen , das kann Folgen nach sich ziehen , denen wir sofort vorzubeugen haben . Dein Blut ist bereits wieder mit Stoffen geschwängert , welche unbedingt entfernt werden müssen . Zum Glück ist Alles vorhanden , was wir dazu brauchen . Ich bitte dich , mich wieder als deinen Arzt zu betrachten ! Denke von jetzt an nur an dich selbst , an deine Genesung ; alles Andere schlage dir aus dem Sinn ! Das bist du dir , mir und uns Allen schuldig ! « » Aber der Aschyk ? Mein Syrr ? Der verborgene Gang , welcher untersucht werden muß ? « warf ich ein . » Das ist es eben , woran du jetzt nicht denken sollst ! « antwortete er . » Ich gebe dir die Versicherung , daß du dich nicht zu sorgen brauchst . Habe ich während meiner Abwesenheit dir vertraut , so vertraue du nun auch mir ! « Er hatte Recht , und so ließ ich denn mit mir machen , war er für geboten hielt . Er verordnete zunächst ein Bad , so heiß wie möglich . Während desselben hatte man mein Lager heraus auf die Plattform geschafft , damit ich nur die beste Luft atmen möge . Ein Leinendach war angebracht worden , um Schatten zu geben . Der für seine Muttersprache begeisterte Germane nennt so ein Dach » Marquise « . Dort legte ich mich nieder und trank einen Tee , welcher alle Poren öffnete und mir aber dafür die Augen schloß . Ich schlief ein . Als ich erwachte , war es Nacht . Veilchen dufteten , drüben an der Balustrade saß Schakara , vom Monde hell beleuchtet . Ich sah , daß sie die Augen auf mich gerichtet hielt . » Dschanneh , wo sind die Veilchen her ? « fragte ich . » Im Garten und auf der Weide blühen sie nicht mehr . « » Ich ließ sie von hoch oben holen , « antwortete sie . » Jenseits des Alabasterzeltes hören sie gar nicht auf , zu blühen und zu duften . Du hast sehr gut geschlafen und sehr regelmäßig geatmet . Nun sag , kannst du klar und deutlich denken ? Oder macht es dir Mühe , Gedanken zu fassen und festzuhalten ? « » Gar keine Mühe ! Es liegt Alles bestimmt und scharf vor meinem Geiste . Ich könnte dir ohne die geringste Anstrengung jedes einzelne Wort wiederholen , welches drüben im Allerheiligsten gesprochen worden ist . « » Das ist gut , sehr gut ! Deinem geistigen Körper sind die Ansteckungsstoffe also fern geblieben , und aus dem leiblichen werden wir sie schnell wieder herausbekommen . « » So ist also wohl kein Rückfall zu befürchten ? « » Da es so steht , nicht . Der Ustad ist derselben Meinung wie ich . Er war öfters hier ; erst wieder vor einigen Minuten . « » Nun aber schläft er wohl ? « » Schlafen ? Was nennst du Schlaf , Effendi ? Ich schlafe wohl auch , indem ich hier bei dir wache ; aber so oft du die Augen öffnest , wirst du die meinen auch offen sehen . Du nennst mich ja Dschanneh ! « Das waren so tiefe Worte ! Sie sagten so viel über Leib und Geist und Seele . Ich dachte über sie nach und schloß dabei die Augen . Da rauschte Schakara ' s Gewand . Sie war aufgestanden , kam zu mir her , legte mir die Hand auf die Stirn und sagte : » Ich fühle , daß mein Bruder denkt . Er will den Sinn ergründen , der in meinen Worten liegt . Das ist aber nicht möglich , weil er noch so viele Stufen zu steigen hat , bis er dahin kommt , wo er mich verstehen kann . Und , weißt du , vergebliches Bemühen des Geistes bereitet der Seele Schmerzen . Darum zog es mich von dort auf und zu dir her . Bitte , denke nicht mehr darüber nach ! Wir gehen ja , sobald hier Alles vollendet ist , hinauf zu unserer Marah Durimeh . Das sind die Stufen , die du zu steigen hast . Sind wir oben , so wirst du sie und mich und dann wohl auch dich selbst begreifen . Jetzt schlaf - - - schlaf wieder ein ! Dschanneh will es ; du wirst es also tun ! « Ich verstand jedes ihrer Worte , war also vollständig wach . Ich fühlte , daß von ihrer Hand ein süßer Friede , eine selige Ruhe auf meine Stirn herüberfloß und sich von da aus über mein ganzes Wesen breitete , und wenn man das so deutlich , so scharf beobachtend empfindet , so kann man doch wohl nicht schon eingeschlafen sein ! Und aber doch und doch - - - denn ich führte meine Hand zur Stirn , um sie auf die ihrige zu legen und ihr zu danken , da sagte sie : » Effendi , ich berührte dich , um dich zu wecken . Es nahen uns Gäste , die du vielleicht gern kommen sehen möchtest . « Die Augen wieder aufschlagend , sah ich sie im hellsten Sonnenlichte vor mir stehen . Es war fast Mittagszeit ! » Du staunst ? « fragte sie , schalkhaft lächelnd . » Du wirst dich wohl noch öfters wundern , bis du weißt , was Dschanneh ist und was sie kann ! Agha Sibil ist mit seiner Familie angekommen und hat schon begonnen , sein Zelt zu errichten . Und vor einigen Minuten berichtete ein Bote aus dem Grenzduar , daß deine Bagdader Freunde dort übernachtet haben und gegen Mittag hier sein werden . Wenn du sie sehen willst , darfst du aufstehen , doch nur für ein Stündchen , und ohne hinunter zu gehen oder sie heraufkommen zu lassen . « » Kennt Agha Sibil die Zeit ihrer Ankunft ? « » Nein . Wir verschwiegen es ihm . Er wird zwar in seinem Zelte wohnen , ist aber für heute Mittag unser Gast . Wir richten es so ein , daß ihn sein Schwiegersohn hier in der Halle beim Essen überrascht . « » So stehe ich freilich auf und mache es wie Hadschi Halef , der sich jedenfalls auch ganz vorn aufs Dach postieren wird , um unsern früheren Bimbaschi und jetzigen Mir Alai zu begrüßen . « » Und ob er das tun wird ! « antwortete sie heiter . » Er sitzt wohl schon jetzt bereit , denn Hanneh war im Hofe , als der Bote kam , und hat es ihm sofort berichtet . Der Ustad ist mit Dschafar Mirza dem Mir Alai entgegengeritten . Errätst du , auf welchem Pferde ? « » Auf der Sahm ? « » Nein , sondern auf dem Assil Ben Rih . « » Wirklich , wirklich ? « fragte ich , nicht verwundert und nicht erstaunt , aber außerordentlich erfreut . » Ja ; er hat den Rappen gleich schon gestern vorgenommen , als du hier oben eingeschlafen warst . Er muß sich doch für den Fall vorbereiten , daß du auf jede Teilnahme am Rennen zu verzichten hast , und grad auf Assil sind Hoffnungen gesetzt , die wir nicht täuschen dürfen . Jetzt gehe ich hinab , um dir dein Frühstück zu bereiten und Syrr für dich mit Aepfeln zu erfreuen . « » Syrr ! Daß ich nicht zu ihm hinunterdarf ! « » Sorge dich nicht um ihn . Er steht in meiner ganz besondern Pflege und - - - er denkt an dich . « Ich lächelte . Da fuhr sie fort : » Er war während des gestrigen Tages unruhig , weil er dich nicht zu sehen bekam . Am Abend wollte er sich nicht niederlegen . Da holte ich deine Kamelhaardecke , unter welcher du so oft geschlafen hast . Ich hielt sie ihm zusammengefaltet vor die Nüstern ; Da schnaubte er froh und leckte mir dankbar die Hand ; hierauf tat ich sie auf den Boden , doch ohne sie auszubreiten . Da ließ er sich sogleich nieder und legte den Kopf auf sie . Als ich heut früh wiederkam , lag er noch ebenso und hatte aber den Kopf bis an die Augen in die Decke hineingewühlt . Und schau hierher ! « Sie ging dorthin , wo meine arabische Jacke lag , und zog drei Aepfel aus jedem Aermel . » Die bringe ich ihm jetzt hinab , « sagte sie . » Das habe ich gestern zweimal und heut auch schon einmal getan . Diese frißt er ; aber andere mag er nicht , auch wenn sie von demselben Baume sind . Nun wirst du glauben , daß er dich nicht vergessen hat . « Sie ging . Als sie fort war , stand ich auf . Da sah ich denn , daß man unten am See sehr fleißig gewesen war . Man hatte am Fuße des nördlichen Berges die für uns bestimmte Tribüne vollständig fertiggestellt . In ihrer Nähe wurde jetzt das große Verkaufszelt Agha Sibils errichtet . Auf den höchsten Punkten der umliegenden Gebirgszüge waren Leute beschäftigt , mächtige Holzstöße für die geplante Höhenbeleuchtung aufzuhäufen . Auch an tiefer liegenden , aber hervorragenden Punkten wurde das Gleiche getan . Um den See kreisten die verschiedensten Reittiere in lebhaftester Uebung . Kamele trugen Holzscheite zum Beit-i-Chodeh hinauf , denn auch der Tempelplatz sollte erleuchtet werden . Was ich von meinem Dache aus nicht sehen konnte , schloß ich aus dem Umstande , daß ich viele auch mit Brennstoff beladene Maultiere und Esel auf dem steilen Pfade nach dem Alabasterzelte erblickte : Dort sollten ebenfalls die Festesflammen lodern . Ein Teil der Tribüne war jetzt von der Dschemma besetzt , welche sich unter dem Vorsitze des Pedehr in einer , wie es schien , sehr wichtigen Beratung befand . Vor ihr hielten wohl über zwanzig mir unbekannte , sehr wohlbewaffnete Männer , welche von ihren Pferden gestiegen waren und dem Chodj-y-Dschuna zuhörten , der eifrig zu ihnen sprach . Das waren die Anführer der verschiedenen , nicht seßhaften Abteilungen der Dschamikun , die von unserm » Kriegsminister « ihre Instruktion entgegennahmen . Zu meiner Genugtuung bemerkte ich dort auch den Scheik der Kalhuran , der also nun genesen war und sich wieder an die Spitze seiner mit uns verbündeten Krieger stellen konnte . Grad unter mir erschien jetzt Schakara , welche nach dem Weideplatze ging , um Syrr die Aepfel zu bringen . Er nahm einen nach dem andern , langsam und prüfend , nachdem er jeden vorher erst berochen hatte . Sie schaute zu mir herauf und nickte mir zu . Als der letzte verzehrt worden war , faßte sie den Kopf des Glanzrappen und richtete ihn so , daß er nach oben , herauf zu mir sehen mußte . Ich hatte die Jacke angezogen und den Fez aufgesetzt . Um den Blick des Pferdes auf mich zu lenken , bewegte ich die Arme . Syrr sah es ; er stutzte . Seine Ohren begannen zu spielen ; der prächtige Schweif wurde gehoben . So stand er eine kleine Weile prüfend still ; dann schob er die Vorderbeine breit auseinander und schmetterte mir ein so frohes Wiehern herauf , daß gar nicht daran zu zweifeln war : er hatte mich erkannt . Aber hiermit war es noch nicht genug ; er jubelte wieder und wieder , so daß ich mich gezwungen fühlte , zurückzutreten und mich seinem Auge zu entziehen , damit seine weithin schallende Stimme nicht die Aufmerksamkeit Unberufener auf ihn lenken möge . Während ich dann frühstückte , richtete Schakara mir einen so hohen Sitz her , daß ich über die Brüstung hinunter in den Hof sehen konnte , ohne stehen zu müssen . Hierauf ließ sie mich allein , weil ich es so wünschte . Der Mittag war nahe . Da kam Agha Sibil mit den Seinen . Sie wurden in die Halle gewiesen . Nur kurze Zeit später bemerkte ich , daß im Duar eine Bewegung entstand , die sich südwärts richtete . Sie galt den Bagdader Gästen , welche nun eingetroffen waren . Der kleine Zug kam den Berg herauf und dann durch das Tor geritten . Voran der Ustad und der Mirza , in ihrer Mitte mein alter Freund , der Mir Alai . Hinter ihnen einige Packpferde mit den Effekten des Offiziers . Hierauf ein Kamel mit der größten Sänfte , welche man hatte auftreiben können . Sie war rundum verhangen . Wer nicht wußte , wer drin saß , mußte also denken , daß es sich um etwas » ewig Weibliches « handle . Hintendrein die Dschamikun , welche den Besuch geholt hatten . Weil die Aufmerksamkeit des Agha Sibil nicht sofort auf die Ankömmlinge gelenkt werden sollte , war befohlen worden , ihr Eintreffen hier oben in aller Stille und möglichst unbeachtet geschehen zu lassen ; aber die liebe Neugierde hatte trotzdem zwei Personen herbeigezogen , die sich den ersten Anblick der Erwarteten auf keinen Fall versagen wollten - - - Tifl und Pekala . Als die ersten drei Reiter zum Tore hineinkamen , flog der scharfe Blick des Ustad zu mir herauf . Er sah mich . Ich winkte ihm schnell , den Polen nicht auf mich aufmerksam zu machen . Er nickte mir zu , daß er mich verstanden habe . Dann legte er beide Schenkel an , stemmte die Hände in die Seiten und ließ Assil in der prächtigsten Natnata el mutarid88 , die ich jemals gesehen habe , über den Hof hinüber und nach der Weide gehen , wo er abstieg . Er tat dies meinetwegen . Ich sollte sehen , daß Assil bei ihm gut aufgehoben sei . Wer eine so schwere Natnata in so meisterhafter Weise zu reiten vermag , dem kann man auch das kostbarste Pferd gern anvertrauen . Dschafar Mirza und der Mir Alai stiegen ab . Der Erstere war unterrichtet . Er nahm den Letzteren bei der Hand und führte ihn nach der Halle , in welcher es gleich darauf sehr laut zu werden begann . Auch die begleitenden Dschamikun waren abgestiegen , um sich zunächst mit den Packpferden zu beschäftigen . Da rief ihnen Pekala zu : » Und das Kamel laßt Ihr stehen ? Man sieht doch , daß eine vornehme Harema drin sitzt ! Soll diese Madama etwa warten , bis es Euch beliebt ? « Die Angeredeten lachten ! Darum wendete sie sich an Tifl und sagte : » Gib dem Kamele das Zeichen zum Niederknieen ; du verstehst das besser als ich ! Die Madama darf von keiner Männerhand berührt werden . Ich werde ihr also selbst heraushelfen . « Tifl tat , wie ihm befohlen worden war ; das Kamel gehorchte . Die hohe Sänfte bekam die drei bekannten , fürchterlichen Rucke ; dann lag sie wieder still . In ihrem Innern grunzte es . Pekala schob den Seitenvorhang auf , schaute hinein und meldete dann : » Sie schläft . Aber ich muß sie wecken , sie mag es mir übelnehmen oder nicht . « Sie griff hinein und zupfte am Gewande . Da bewegte es sich drin . » Ich bitte dich , steig aus ; du bist am Ziel ! « rief sie hinein . » Du brauchst nur langsam herabzurutschen ; ich helfe dir dabei ! « Indem sie das sagte , trat sie einen Schritt zurück und breitete die Arme weit aus , um ihr Versprechen wahr zu machen . Da ächzte es in der Sänfte ; da stöhnte es ; da murmelte es . Dann kamen zwei große , rote Pantoffel zum Vorscheine . Ein weites , faltenreiches Gewand wurde Falte um Falte herausgestopft . Man erkannte trotz dieser Falten die Umrisse von zwei Knieen . Hierauf wurde die Sache immer breiter und immer umfangreicher . Nun entwickelten sich mit Mühe und Not zwei Arme . Ueber ihnen erschien ein rotes , gelb befranstes Keffije89 , welches vorn nur um eine Lücke geöffnet war . In dieser Lücke gab es einen Mund und eine Nase ; sonst sah man weiter nichts . Jetzt war die » Madama « 90 auf dem » toten Punkte « angekommen . Sie lag im vollsten Gleichgewicht mit dem Rücken auf der unteren Sänftenkante . Der nächste Augenblick hatte darüber zu entscheiden , ob sie herunterrutschen oder rücklings wieder hineinfallen werde . Da bat die Festjungfrau in ermunterndem Tone : » Fasse Mut ! Gieb dir nur noch den einen kleinen Ruck , dann sinkst du grad in meine Arme . Ich fange dich auf ! « Das half ! Der » Ruck « stellte sich ein . Was von der Gestalt noch in der Sänfte steckte , das quoll vollends heraus . Die Sache kam in Schuß . Zuerst die Pantoffel , doch allerdings separat . Dann tat es einen gewichtigen Plumps . Die Masse stand auf den nackten Füßen , genau zwischen den beiden Pantoffeln . Sie wankte hin und her , ungewiß , nach welcher Seite sie sich zu neigen habe . Die Arme streckten sich aus , um sich irgendwo festzuhalten . Da trat Pekala schnell wieder näher , und im nächsten Augenblicke hielten sich Beide innig umschlungen , so fest und so lange , als ob sie nie , nie wieder von einander lassen dürften . Erst nach einer Weile klang es aus der Umarmung heraus : » Wie glücklich bin ich , daß du gekommen bist ! Niemand soll dich mir wieder nehmen ! Komm mit mir , du Liebling meiner Seele ! Ich führe dich in meine Küche ! « » Küche - Küche - Küche ? ! « fragte es da schnell und dreimal hinter einander . » Ja . Beeile dich , sonst nimmt man dich mir weg ! « » Mich ? Dir ? Niemals , niemals , niemals ! Komm schnell ; ich habe Hunger - - - Hunger - - - Hunger ! « Die Umarmung ging nur halb auseinander . Die Hände hielten wie unzertrennlich zusammen . So schritten Beide , eng aneinander geschmiegt , die eine Gestalt strahlend vor Wonne und Glück , die andere unter dem Keffije hustend und pustend , in seliger Eintracht über den Hof hinüber , um in der Sphäre zu verschwinden , der sie mit Leib und Seele angehörten . Ich aber lächelte ihnen mit innigster Befriedigung nach . Wer seinen Lebenszweck im niedern Stoffe sucht , den läßt man gern in diesem Stoff verschwinden ! Tifl stand da und schaute die Pantoffel an . Sie lagen noch da , weil Kepek , der Dicke , vor Freude über das Wort » Küche « gleich barfuß fortgelaufen war . Das » Kind « machte ein höchst bedenkliches Gesicht und kratzte sich unter der Spinnenmütze . Er war mit irgend Etwas nicht einverstanden , aber womit , das sagte er den Pantoffeln nicht . Er hob sie schließlich auf , betrachtete sie hin und her , warf sie wieder hin , hob sie abermals auf , schüttelte den Sand heraus und trug sie dann langsamen Schrittes nach der Küche , den einen in der rechten und den andern in der linken Hand , beide aber nur mit den äußersten Fingerspitzen festhaltend . Da kam der Ustad durch den Garten . » Wie geht es dir ? « fragte er zu mir herauf . » Gut , sagte Schakara , « antwortete ich . » So darf ich ruhig nach der Halle gehen ? « » Ganz unbesorgt . Widme dich deinen Pflichten und deinen Gästen . An mich soll man nicht denken , doch grüße den Mir Alai von mir ! « Hierauf sah ich Schakara nach der Weide gehen . Sie fütterte den Syrr und dann auch den Assil Ben Rih , nachdem sie ihm das Reitzeug abgenommen hatte . Einige Zeit später erschienen vier fremde Reiter auf dem Hofe , welche nach dem Ustad fragten . Sie waren Dinarun , wie ich nachher erfuhr . Ihr Scheik Ben Hidr91 befand sich selbst dabei . Sie waren unten im Duar von dem Pedehr als vermutliche Feinde sehr kurz behandelt und herauf an den Ustad gewiesen worden . Darum stiegen sie gar nicht ab , als dieser aus der Halle trat , und Ben Hidr rief ihm in beinahe verletzender Weise die Meldung zu , daß sie gekommen seien , ihre Teilnahme am Wettrennen anzusagen , weiter nichts ! Jeder Andere als der Ustad hätte sie nun in ganz derselben Weise sofort entlassen . Dieser aber war menschenfreundlich und klug genug , sich zu beherrschen . Er ging auf sie zu , reichte ihnen die Hand und lud sie ein , mit hinauf in seine Wohnung zu kommen . Das überraschte sie . Sie sahen einander fragend an und sprangen dann doch von ihren Pferden , um ihm zu folgen . Sie waren wohl zwei Stunden lang bei ihm in seinem Zimmer . Auf den Balkon führte er sie nicht , weil sie Syrr nicht sehen sollten . Ich hatte mich inzwischen wieder niedergelegt und hörte ihre Stimmen unter mir , konnte aber nicht verstehen , was gesprochen wurde . Als sie sich entfernt hatten , kam er herauf zu mir und sagte mir , wer diese Leute gewesen seien und was er mit ihnen verhandelt habe . » Das sind die sogenannten Klugen , « fügte er hinzu . » Sie lächeln nach beiden Seiten und sagen einstweilen zu Allem Ja , um abzuwarten , nach welcher Seite sich der Zeiger neigen werde . Dann aber sind sie die Schlimmsten , die Unerbittlichsten , die keine Schonung kennen . Ich bin überzeugt , daß sie unsern Feinden ihre Hilfe zugesagt haben , und daß sie aber dennoch heut zu uns kamen , um nachzuschauen , ob es nicht vielleicht doch geraten sei , sich den Weg zum Rückzuge offen zu halten . Ich habe sie bedient , wie man so unsichere Kantonisten zu bedienen hat : Kein Wort zu wenig , aber auch keins zu viel . Sie werden sich zum Rennen einstellen ; ob sie sich aber dann auch beteiligen , steht noch in Frage . Erst waren sie zornig über den Empfang , den sie im Duar gefunden hatten ; dann wurden sie immer freundlicher und zutraulicher , um von mir so viel wie möglich zu erfahren , was ihnen aber natürlich nicht gelang , und zuletzt bot mir Ben Hidr die Hilfe seines ganzen Stammes an , die ich aber sehr höflich ablehnte , weil ich an die Feinde , von denen er gesprochen habe , unmöglich glauben könne . Noch am Schlusse behauptete ich mit aller Bestimmtheit , daß es ganz gewiß keinen einzigen Menschen gebe , der die Absicht habe , uns hier zu belästigen oder gar zu überfallen . So sind sie also in der festen Ueberzeugung fortgeritten , daß wir von der Gefahr , die sich in diesen Tagen um uns zusammenziehen soll , nicht das Geringste ahnen . Aber ich habe ihnen die goldene Karte des Schah-in-Schah gezeigt und sie dann noch viel Wichtigeres ahnen lassen . Nun haben sie Angst ! « Wir unterhielten uns noch einige Zeit , besonders über Assil Ben Rih , für den er ganz begeistert war . Dann kam Schakara , um mir die Grüße des Mir Alai zu bringen . Er ließ mir sagen , er sehe nun ein , daß es nichts Herrlicheres gebe als so einen Glauben und so ein unerschütterliches Gottvertrauen , dem nichts auf Erden widerstehen könne . Sehr erfreulich war es mir , daß der Ustad sich über mein Befinden höchst befriedigend äußerte , doch behauptete er , mich erst Freitag , also übermorgen , aus seiner Behandlung entlassen zu können . Ich hatte mich zu fügen und tat es gern . Als es dunkel werden wollte , nahm ich mein Abendessen ein und sank dann dem auch in Kurdistan und Persien sehr wohlbekannten Morpheus in die Arme . Er hielt mich möglichst fest , konnte es aber doch nicht verhindern , daß ich , grad wie gestern , in der Nacht einmal für kurze Zeit erwachte . Das geschah auf eine ganz eigentümliche Weise . Ich träumte nämlich nicht , und doch war es , als flüstere mir Jemand leise in das Ohr , aber nicht in das äußere , sondern in das innere : » Wache auf ! Ich komme nur für einige Augenblicke wieder , um dir Etwas zu zeigen , worüber du dich herzlich freuen wirst ! « Das hörte ich ganz deutlich . Da schlug ich die Augen auf . Die Sterne leuchteten hell . Ich schaute hinüber , wo Schakara gesessen hatte . Da kniete Einer im Gebete . Er hatte die gefalteten Hände auf die Ballustrade gelegt und das Gesicht emporgehoben . Ich erkannte ihn . Ich sah sogar , daß er die Lippen bewegte . Es war der Aschyk . Ich wußte genau , daß ich wach sei , und doch hörte ich die leise Stimme in meinem Ohre weitersprechen : » Er betet für dich ! Das ist der beste Dank , den wir in Euerm Erdenleben kennen . Schlaf wieder ein ! « Weiter vernahm ich nichts . Die Lider wurden mir plötzlich so schwer , daß sie niedersanken . Dann wußte ich nichts mehr ,