den Bergen die Füße der Boten , welche den Frieden predigen , das Gute lehren und das Heil verkündigen ! Die da sagen zu Zion : dein Gott ist der Herrscher ! « An ihm war nichts , was glänzte und was gleißte . Doch alle , die ihn sahen , schauten ihm so aufrichtig liebend und ehrfurchtsvoll entgegen , daß ich von dem , was sie bewegte , auch ergriffen wurde . Als er den Tempel betrat , verneigten sie sich . Er dankte still und gütig lächelnd mit der Hand und kam dann her zu mir . Mir die Rose gebend und dabei mit der Rechten mein Haupt berührend , sprach er : » Friede sei mit dir und mit uns allen ! Die Glocken des Gebetes klingen . Dein Herz sei wie die Rose hier . Warum ich dieses sage , das wirst du später hören ! Sei heut mit uns ein unbekannter Dschamiki ! Wen nur der Himmel kennt , der hat die rauhe Hand der Erde nicht zu fürchten ! « Hierauf wendete er sich von mir ab und zu der Dschemma hin . Ich hörte , daß er sagte : » Wir haben noch weitere Gäste zu empfangen . Ich war hoch über den Wald hinaufgestiegen und schaute in das weite Land hinaus . Da sah ich einen Trupp von Reitern , welche in großer Eile aus der Morgengegend kamen . Sie haben den Duar wohl schon erreicht . « » Wahrscheinlich sind es Kalhuran , die sich erkundigen wollen , ob ihr Scheik wohl bald zurückkehren werde . Man wird ihnen sagen , daß wir oben sind . Doch was ist das ? Warum hat man den Läutenden das Zeichen der Warnung gegeben ? Sind nicht Freunde , sondern Feinde angekommen ? « antwortete der Pedehr . Das Glockenläuten hatte nämlich plötzlich aufgehört , doch ohne daß die Glocken schwiegen . Sie sprachen in einzelnen , auseinander gehaltenen Schlägen weiter , ungefähr so , wie bei uns im Abendlande , wenn von dem Turme Feuer gemeldet wird . Und jetzt sah man einen Reiter kommen , der sich in größter Eile auf das erste , beste ungesattelte Pferd geworfen hatte . Er achtete der Krümmungen des Weges nicht , sondern trieb das Tier trotz der Steilheit der Matte in gerader Richtung auf den Tempel zu . Sobald er sich vernehmlich machen konnte , hörten wir ihn rufen , konnten aber die Worte nicht verstehen . Sie schienen aber nichts Gutes zu enthalten , denn die am untern Park befindlichen Dschamikun , die sie deutlich vernommen hatten , erhoben ihre Stimmen in zorniger Weise , um die Botschaft schnell weiter zu geben . Sie ging von Mund zu Mund , bis wir sie hörten : » Ghulam el Multasim , der Bluträcher , ist im Duar ! « Eine so feindliche Kunde mitten in die Klänge des Friedens hinein ! An jedem andern Orte hätte sie gewiß eine augenblickliche und große Verwirrung hervorgebracht . Hier nicht . Der Ustad trat vor die Säulen hinaus und hob die Hand empor . Da trat augenblicklich tiefste Stille ein . Hierauf ging er auf die Dschemma zu und sagte : » Bleiben wir ruhig ! Wer hat den Thürdrücker zum Gewölbe der Gefangenen ? « » Ich habe ihn hier , « antwortete der Pedehr . » So kann der Rächer nicht zu ihnen . Wir haben Zeit . Warten wir , was der Bote sagt ! « Dieser war am Blumenpark vom Pferde gesprungen und zu Fuße herbeigeeilt . Er kam soeben die Stufen herauf und meldete : » Ghulam el Multasim ist da ! Einige große Herren sind bei ihm und auch noch bewaffnete Leute , zusammen zwölf Personen . Ich stand mit meinem Sohne am Eingange des Duar , als sie kamen . Sie fragten nach euch . « » Sind sie nach dem hohen Hause ? « erkundigte sich der Ustad . » Nein . Ich wies sie hier herauf und gab ihnen meinen Sohn als Führer mit . Ich wollte sie vom hohen Hause abhalten , weil es jetzt dort nur wenige Männer giebt . Dann nahm ich das Pferd und ritt zu euch herauf , gleich quer den Berg heran , um ihnen zuvorzukommen . Aber die Gärten hinderten mich . Die Perser werden wohl sofort erscheinen ! « Ja , sie erschienen . Sie hatten soeben die Matte erreicht und hielten einen Augenblick an , um das Terrain zu beurteilen . Dann setzten sie sich wieder in Bewegung . Sie hatten einen Entschluß gefaßt ; welchen , das sollten wir sogleich sehen . Der Park war ihnen im Wege . Sie wollten nicht absteigen , sondern ihre Befehle den Dschamikun vom Sattel herab erteilen . Darum ritten sie um ihn herum . An der hintern Seite angekommen , brachen sie durch die Rosen und kamen zwischen den Säulen zu uns herein , um ihre Pferde grad vor der Dschemma anzuhalten . Ein Dutzend Personen ! Niemand fürchtete sie , obgleich sie , wie man zu sagen pflegt , bis an die Zähne bewaffnet waren . Aber es war nicht nur die Störung des Festes , auf welches sich jedermann gefreut hatte , zu beklagen , sondern der so unerwartete Einbruch des Bluträchers konnte auch außerdem sehr leicht noch Folgen haben , die jetzt nicht vorauszusehen waren . Ghulam stand im Rufe der Grausamkeit , und als Grausamer war er feig . Die Feigheit greift sehr gern zur Hinterlist . Was führte er im Schilde ? Von den zwölf Reitern hatten einige das Aussehen vornehmer Leute . Sie ritten teure Pferde . Wenn sie die Freunde des Multasim waren und sich seiner Sache annahmen , konnte ihr Einfluß bei Hofe dem Ustad und seinen Dschamikun wohl schädlich werden . Ich war außerordentlich gespannt darauf , zu sehen , wie er sich überhaupt verhalten und was er im Besondern zu der rohen und rücksichtslosen Entweihung seines Tempels sagen werde . Konnte irgend eine Gelegenheit geeignet sein , ihn mir so zu zeigen , wie ich ihn kennen lernen wollte , so war es die gegenwärtige hier . Einer von den zwölfen ritt einen hochgebauten turkmenischen Fuchs von , wie es schien , hochedler Tiukihrasse . Er war ein schöner Mann von gegen sechzig Jahren , schwarzgrau bebartet , sehr wohlhabend gekleidet und außer mit ausgelegten Schießwaffen mit einem krummen Säbel versehen , dessen von Steinen blinkende Scheide für sich allein ein kleines Vermögen bedeutete . Ich habe überhaupt keine besonders große Vorliebe für sogenannte schöne Männer , und wenn sie sich selbst bei gewöhnlichen Gelegenheiten so herausputzen wie dieser hier , so lasse ich sie am liebsten ihrer Selbstbewunderung über . Die wahre , edle Schönheit bedarf des Putzes und des Tandes nicht . Dieser Mann war Ghulam el Multasim , der sich einbildete , mit zwölf Pferden den ganzen Widerstand der Dschamikun niederreiten zu können . Er sah sich , sobald sein Turkmene still stand , im Kreise um , nahm den Ustad scharf in das Auge und fragte ihn in strengem Tone : » Wer bist du ? « Der Gefragte that , als ob er ihn weder gehört noch gesehen habe , als ob er gar nicht vorhanden sei . Er sagte zum Pedehr : » Reinige den Tempel ! Sobald ich zurückkehre , wird die Feier dieses Freudentages beginnen . « Hierauf ging er langsamen Schrittes hinaus zu seinen Rosen . » Der ist taub ! « lachte der Multasim . Und sich nun an den Pedehr wendend , fragte er diesen : » Wer war dieser alte Mann , der weder Augen noch Ohren zu haben scheint ? « Auch der Scheik antwortete nicht , wenigstens nicht durch Worte . Er that einige Schritte bis vor die nächste Säule hinaus und wehte mit einer emporgehobenen Falte seines weißen Oberkleides zum hohen Hause hinüber . Das Zeichen wurde gesehen ; die Glocken verstummten . Hierauf rief er den draußen in den Gängen des Parkes wartenden Dschamikun einige mir nicht geläufige kurdische Worte zu . Das war ein Kommando , dem sie augenblicklich gehorchten . Sie besetzten im Nu und auf allen vier Seiten das Innere des Tempels in der Weise , daß für keinen Unbewaffneten ein Entkommen möglich gewesen wäre . Dann wendete er sich wieder zurück , sah dem Perser groß in die Augen und sagte : » Der ehrwürdige Mann , der jede Roheit flieht , ist der Schah-in-Schah der Dschamikun , die ihn ihren Ustad nennen . Ich bin der Scheik desselben Stammes . Wer bist du ? « » Man pflegt mich Ghulam el Multasim zu nennen . Du wirst mich kennen ! « » Wenn du dieser bist , so kenne ich dich besser , als dir lieb sein kann ! Weißt du , wo du dich befindest ? « » Der Ort ist mir gleichgültig ! « » Aber uns nicht ! « » Dieses Haus ist keine Moschee und keine Kirche ! « » Aber auch kein Pferdestall ! Schaut euch um ! Hier stehen zweihundert Dschamikun ; da draußen noch weit mehr . Was habt ihr hier zu schaffen ! « Ghulam wurde unsicher . Er begann , einzusehen , daß sein Einfall einen andern Ausgang nehmen könne , als er gedacht hatte . Da aber zog einer der Reiter , der neben ihm hielt , seine Doppelpistole aus dem Gürtel , spannte beide Hähne und rief : » Was sollen Worte ! Wir sind Bluträcher . Namen zu nennen ist unnötig ; aber ich bin Mirza141 , und hier sind noch zwei andere , die auch Mirza sind . Was aber seid denn ihr ? « Der Pedehr sah ihm ruhig lächelnd in das Gesicht und antwortete : » Mirza nennt sich heut ein jeder , dessen Urahne verurteilt worden ist , der spätere Mann eines früheren Weibes in Teheran oder Isfahan zu sein . Die Dschamikun aber sind ohne Ausnahme alle Prinzen , echte , wirkliche , wahre Prinzen , nicht einer unrühmlichen Abstammung wegen , sondern zufolge der edlen Zwecke , für welche sie leben und für welche sie jetzt auch zu handeln wissen werden ! « Das waren beleidigende Worte . Die Pistole war gespannt , die andern elf besaßen wahrscheinlich mehr Mut als der Multasim . Es war für sie mit solchen Pferden und solchen Gewehren sehr wohl möglich , die sich ihnen entgegenstellenden Dschamikun niederzureiten . Und selbst wenn ihnen dieses nicht gelingen sollte , so mußte es , wenn es einmal zum Schießen kam , Tote und Verwundete geben . Da kam mir ein Gedanke . Ich näherte mich der Gruppe , um im befürchteten Augenblicke der Gefahr entgegentreten zu können . » Welch eine Frechheit gegen uns ! « rief der vorige Sprecher aus . » Wer hätte das zu dulden ? « » Ich nicht - ich nicht - ich nicht - - auch ich nicht ! « So riefen die andern alle , indem sie die Flinten oder Pistolen schußfertig machten . In diesem Augenblicke geschah etwas , was uns später oft Veranlassung zur heitern Erinnerung gegeben hat . Es kam nämlich jemand sehr eilig die Stufen herauf , drängte sich zwischen den dort stehenden Dschamikun hindurch und blieb dann für einen Augenblick stehen , um die Situation mit einem Blicke zu überfliegen . Dieser Jemand war unser Kara Ben Halef . Er hatte sich vollständig bewaffnet und trug außerdem meinen Henrystutzen in der Hand . Sein Erscheinen warf eine kurze Pause in die Scene . Als er mich stehen sah , trat er schnell auf mich zu , reichte mir den Stutzen und sagte laut so daß es alle hörten : » Es kam die Meldung auf das hohe Haus , der Bluträcher sei gekommen und mit elf andern hierher geritten . Ich wußte , daß ihr ohne Waffen seid , nahm schnell die meinen und bestieg die Sahm , die am nächsten zu handen war , um dir , Effendi , so schnell wie möglich dein Gewehr zu bringen . Sechs schieße ich auf der Stelle nieder . Die andern sechs nimmst du mit deinem Stutzen , aus welchem du endlos schießen kannst , ohne daß du zu laden brauchst . Sag nur ein Wort zu mir , so geht es los ! « Er spannte den Revolver seines Vaters , den ich diesem geschenkt hatte , und richtete ihn auf die Perser . Diese sahen die gefährliche Waffe . Sie sahen auch den Stutzen , dessen fremdartige Konstruktion sie zur Vorsicht mahnen mußte . Der Multasim gab den andern mit der Hand ein Zeichen , zu warten , und richtete an Kara die Frage : » Du hast einen Revolver ! Und ein so gänzlich unbekanntes Gewehr ! Bist du ein Dschamiki ? « » Nein , « antwortete Kara , indem er ihm herausfordernd in das Gesicht sah . » Wer denn ? « » Ich bin Kara Ben Hadschi Halef Omar , des Scheikes der Hadeddihn vom Stamme der Schammar . « Was war das mit dem Pferde des Multasim ? Warum stieg es vorn in die Höhe ? War das die Folge eines unwillkürlichen Schenkeldruckes seines Reiters ? War er erstaunt ? Oder gar erschrocken ? Kannte er den genannten Namen ? Sein Gesicht hatte den Ausdruck ungewöhnlicher Spannung angenommen , und fast hastig ließ er die Frage hören : » Dieser Hadschi Halef Omar ist Scheik der Dschesireh-Hadeddihn ? « » Ja , « nickte Kara stolz . » Ist er jetzt daheim bei seinem Stamme ? « » Nein . « » War er kürzlich in Bagdad ? « » Ja . « » Er ist im Kellek den Tigris hinab ? « » Ja . « » War er auch am Birs Nimrud ? « » Ja . « » Allein ? « » Nein . « » Wer war bei ihm ? « Der kluge , vorsichtige Jüngling sah ein , daß er hier zu schweigen habe . Er sprach : » Was fragst du mich ? Du bist hier fremd , verwegen eingedrungen ; ich aber bin der Gast der Dschamikun . Ich frage dich ! Wenn du nicht Antwort giebst , so schieße ich dich auf der Stelle nieder ! Was hast du hier zu suchen ? « Da hob der Pedehr die Hand abwehrend empor und sagte : » Nicht schießen ! Im Gebiete der Dschamikun wird niemand getötet , außer Chodeh tötet ihn ! Und hier ist eine Stätte des Friedens , die von keiner That des Hasses je entweiht werden darf ! « Da ließ Kara den Revolver sinken , sah enttäuscht zu mir herüber und fragte mich : » Was ist zu thun , Sihdi ? Ich darf nicht , wie ich will ! « » Du kannst auch nicht , « antwortete ich lächelnd . » Warum ? « » Schau den Revolver genauer an ! « Er that es . Da blitzte es lustig über sein Gesicht . » Er ist ja gar nicht mehr geladen ! « rief er . » Die Patronen sind alle heraus ! « » Sollten sie einrosten ? Ich selbst hab sie herausgenommen , am Tage , an welchem ich mein Krankenlager zum erstenmal verließ . « » Aber dein Stutzen ist geladen ? « » Auch nicht ! « » Maschallah ! So lacht man uns ja aus ! « Die Perser erhoben allerdings ein höhnisches Gelächter . Das störte mich aber nicht . Ich stand dem Multasim jetzt nahe und sah einen Ring der Sillan an seiner Hand . » Laß sie lachen ! « sagte ich . » Wir brauchen keine Gewehre . Thue den Revolver ruhig weg ! « » Wenn du es sagst , Effendi , hat es guten Grund ! « Er schob die Waffe in den Gürtel , und ich gab ihm auch den Henrystutzen wieder . Da ließ der Multasim seinen Turkmenen bis ganz nahe zu mir herangehen und sagte : » Du wirst Sihdi und Effendi genannt . So nannte der Scheik der Hadeddihn einen Fremden , der sich bei ihm befand . Bist du aus Dschermanistan ? « » Ja , « antwortete ich . » Heißest du Kara Ben Nemsi ? « » Man nennt mich so . « » Du warst mit dem Hadeddihn am Birs Nimrud ? « » Ja . « » So verdamme dich Allah tausendmal ! Du wirst die Stelle , an der du stehst , nicht lebendig verlassen ! « Ich legte die Hand unter die Mähne seines Pferdes , befühlte die Muskel und sagte höchst unbefangen : » Zu weich ! Dieser Fuchs würde keinen langen Galopp aushalten . Du mußt ihm weniger Gerste geben und ihn des Nachts in Decken hüllen , damit er sich das Fleisch härter schwitze ! « » Schweig , Hund ! « Früher hätte ich mir dieses Wort nicht gefallen lassen . Jetzt nahm ich es ruhig hin und fuhr fort : » Die Rippen liegen gut ; aber für einen echten Tiukih ist der Hals zu kurz und der Kopf zu klein . Auch die Hufe müßten größer sein . Ich glaube , der Vater war ein voller Turkmene , die Mutter aber eine Araberin nicht allerersten Ranges . « » Bist du verrückt ? « fuhr er auf . » Ich will mit dir wegen eurer Thaten am Birs Nimrud abrechnen , und du gebärdest dich , als ob ich als dein Reitknecht dir Rechenschaft über mein Pferd zu geben habe ! « » Was kannst du denn von unsern Thaten wissen ! « lachte ich , um ihn zur Unvorsichtigkeit zu verleiten . » Alles weiß ich , alles ! « rühmte er . » Was ? « » Daß ihr die Sill - - - - - . « Er hielt schnell und erschrocken inne . » Sprich weiter ! « forderte ich ihn auf . » Oder fürchtest du dich vielleicht vor mir ? « » Allah behüte mich , vor einem Christen Angst zu haben ! « » Bist du denn Muhammedaner ? « Ich sah den Augen seiner Gefährten sofort an , daß ich mit dieser Frage eine schwärende Stelle getroffen hatte . Darum fuhr ich fort : » Hättest du nicht eine persische Lammfellmütze auf dem Kopfe , so dürftest du wohl keinen Turban tragen ! Ihr Christen raucht mit Muhammed den Kaliun142 , so lange er euch den guten Tabak liefert , und zwar zu billigem Preise oder gar umsonst . Sobald ihr aber zahlen sollt , schüttet ihr ihm euer schmutziges Pfeifenwasser vor die Füße und kehrt zu Isa und seiner Mutter Marryam zurück ! « Er wollte mir eine zornige Antwort zuschleudern ; aber ich fuhr schnell fort : » Du hältst mich für deinen Feind und hast mich Hund genannt . Du solltest vorsichtiger sein ! Du hättest wohl anders , ganz anders zu mir gesprochen , wenn dir bekannt gewesen wäre , daß ich dich grüßen soll ! « » Grüßen ? Du ? Mich ? « fragte er erstaunt . » Ja . « » Von wem ? « » Wünschest du , daß ich dir hier den Namen sage ? « » Ja . « » Ich thue es nicht . « » Warum ? « » Weil ich dein Bestes will . « » Mein Bestes ? Glaubst du , etwas sagen zu können , was mir schadet ? « » Nicht bloß das ! Aber es ist nicht nur dein Geheimnis , sondern auch das meinige . Ich rate dir , vorsichtig zu sein , denn es handelt sich nicht um dich und mich allein . Du täuschest dich in Personen , die du gar nicht kennst ! « » Ich verstehe dich nicht ! « gestand er verlegen . » Das glaube ich wohl ! Ich will dich schonen und also vorsichtig sein . Du hast gefragt , von wem ich dich zu grüßen habe . Höre mich an , und sage mir , wenn ich innehalten soll , damit ich dir nicht schade ! Sind dir die Ufer des Schatt el Arab bekannt ? « » Ja , « antwortete er zögernd . » Wohnt an ihnen jemand , der mir einen Gruß an dich anvertraut haben könnte ? « » Nein . « » Gut ! Gehen wir also weiter aufwärts . Kennst du den Ort , der oberhalb der Stelle liegt , an welcher der Schatt el Arab aus dem Euphrat und Tigris entsteht ? « » Das ist Korna . « » Giebt es dort einen Mann , der mir ebenso bekannt sein könnte , wie dir ? Der mich vielleicht sogar lieber hätte , als dich ? « » Nein . « Seine Verlegenheit wuchs . Ich fuhr fort : » Ich meine nämlich einen Mann , der nur ein Auge hat ! « » Allah ! « rief er da aus . » Der infolgedessen Esara el Awar heißt und - « » Schweig , schweig ! « unterbrach er mich da schnell . » Effendi , es ist möglich , daß ich dich verkannt habe ; ja , es ist sogar sehr wahrscheinlich ! Komm schnell zur Seite , damit ich mit dir sprechen kann ! « Er sprang vom Pferde und ergriff meinen Arm . Sein Verhältnis zu dem Einäugigen mußte für ihn eine außerordentliche Wichtigkeit besitzen . Ich kannte es nicht , weil ich den von dem Kaffeewirte in Basra bekommenen Brief ja nicht gelesen hatte . Ich besaß ihn aber noch . Der Multasim wollte mich mit sich fortziehen , während seine Gefährten nun auch von ihren Pferden stiegen ; ich machte mich aber von ihm los und sagte : » Höre mich an ! Vor Allen , die hier bei uns stehen ! Was ich sage , ist wie ein Schwur . Ich nehme nichts davon und thue nichts dazu ! « » Was ? Sage es ! « In seinen Augen flimmerte ein ungewisses Licht . Er befand sich in großer Aufregung . Er konnte sie kaum beherrschen . Das benutzte ich , indem ich fortfuhr : » Es giebt für dich drei mächtige Personen . Die eine bist du selbst ; die andere bin ich , und die dritte ist unser Esara el Awar in Korna . Du mußt wünschen , daß keiner von diesen Dreien der Gegner eines der beiden andern sei . Nun stelle dich so zu mir , wie es dir gefällt ! Ich bin Gast der Dschamikun . Ihr Feind ist mein Feind . Du kommst als Bluträcher , also als mein Feind ! Du hast die Feindschaft sogar so weit getrieben , diesen Ort hier durch die Hufe eurer Pferde zu entweihen . Mache das schleunigst wieder gut ! Die Blutrache liegt zwischen mir und dir . Fordre Blut , oder fordre den Preis . Wir werden uns nach dieser deiner Forderung richten und dir ebenso Blut oder Preis entgegenhalten . Durch eine Kugel vergossenes Blut ist nicht so teuer wie das Blut , welches an der Peitsche deines Sohnes hängt . Rache gegen Rache und Gnade gegen Gnade ! Die Dschemma der Dschamikun ist bereit , mit dir zu verhandeln , doch nicht heut . Es ist keine Zeit dazu . Aber in Beziehung auf mich kann ich dir schon jetzt , in diesem Augenblicke sagen : Ich werde mit dir kein Wort über Esara el Awar sprechen , als bis du mir beweisen kannst , daß diese gegenseitige Forderung in Frieden und für immer ausgeglichen ist . Jetzt bin ich fertig ! Ich werde sehen , was du thust ! « Ich wendete mich ab und ging hinaus , die Stufen hinab und zwischen Rosen einen Weg entlang , der zu einem kleinen Rasenplatze führte . Dort setzte ich mich nieder . Das Stehen hatte mich müd gemacht . Ueber mir hingen herrliche Paskaleh-Rosen , deren Duft süß wie die Liebe und erquickend wie die Freundschaft ist , und zwischen ihnen große , dunkelrote Fritillarien-Glocken . Wie ist der Schöpfer dieser Blumenwelt so gütig und so lieb ! Kann er derselbe sein , der auch die Menschenwelt erschuf ? Oder ist die Blume nur deshalb ohne Sünde , weil es ihr , der nur sich Hingebenden , unmöglich ist , sich einen Unterschied zwischen Für und Gegen , zwischen Mein und Dein zu konstruieren ? Könnte doch der Mensch so wie die Blume sein ! Wie hatte vorhin der Ustad gesagt , indem er mir die Rose gab ? War denn er so unendlich glücklich , in der Selbstüberwindung so weit gekommen zu sein , daß er kein eigenes Ich mehr kannte ? Es stieg in mir das heiße Wünschen auf , doch einmal so sehr , so schwer , so bitter , so tief gekränkt zu werden , daß jeder , jeder Andere es nicht erdulden und nicht ertragen könnte . Ich aber möchte dann die Selbstlosigkeit und das unerschütterliche , beglückende Gottvertrauen besitzen , alles still und heiter über mich ergehen zu lassen , als ob der Menschenhaß nur der naturnotwendige Schatten der Liebe Gottes sei . Die Sillan , diese Schatten , ruhig in den Ruinen Babels nach alten Ziegeln und Schriften , nach modernden Beweisen menschlicher Schwächen wühlen lassen , indem ich hier vom lieben , rosenduftumwobenen Beit-y-Chodeh hinauf zum herrlichen Alabasterzelte schaue und von unten herauf die Felsenstimme ertönt : » Steig auf zur Sonne . Amen ! « Nach einiger Zeit stand ich wieder auf , um nach dem Tempel zurückzukehren . Ich ging nach der hintern Seite desselben und begegnete auf dem Wege dorthin vielen Frauen und Kindern , von denen einige mir sagten , daß ich von Tifl gesucht werde . Ich traf ihn schließlich selbst . Er war überall nach mir herumgelaufen , ohne mich zu finden . » Effendi , du wirst gebraucht , « rief er mir zu , noch ehe er mich erreicht hatte . » Von wem ? Wozu ? « erkundigte ich mich . » Von dem Bluträcher . Er sagte , er habe mit dir zu sprechen . « » Aber ich nicht mit ihm . Ich bin mit ihm fertig . Wo ist er ? « » Sie lagern oben am Waldesrande . Sie haben unseren Pedehr gebeten , dem Feste zuschauen zu dürfen . « » Was ? Wirklich ? Das wäre ja ein Sieg für uns ! « » So sagte auch der Pedehr . Ein Sieg , den wir dir verdanken . Er läßt dich bitten , den Bluträcher ja nicht abzuweisen , denn es sei höchst wahrscheinlich wirklich wichtig , was er dir zu sagen habe . « » So komm ! « Als wir den Tempelbau erreichten , bemerkte ich zunächst , daß er nicht mehr von den Männern besetzt war . Sie hatten sich wieder zu ihren Angehörigen in den Park zurückgezogen . Das war ein Zeichen , daß die Feindseligkeit , wenigstens für einstweilen , zu ruhen hatte . Wir traten hinten , da , wo die Pferde die Rosen niedergestampft hatten , hinaus auf die Matte . Da sah ich die Perser im Schatten der ersten Waldbäume sitzen . Der Multasim bemerkte mich , stand auf und kam herab ; ich ging ihm langsam entgegen . Sein Gesicht war sehr ernst , doch nicht feindselig . In seinen Augen lag aber etwas Lauerndes . Wir standen nun vor einander . » Ich schickte nach dir , « sagte er . » Ich erfuhr es , « antwortete ich . » Du hast uns in unserem Thun gestört . Ich habe nachgegeben . Nun möchte ich wissen , ob ich recht gethan habe . Ich kenne euch . Woher , das wirst du wissen ; wenn nicht , so kannst du es ahnen . Deine Vorsicht geht oft über alle List . Aber eine Lüge machst du nie . Ist das so ? « » Ja . « » Wirst du jetzt lügen ? « » Nein . Warum fragst du das ? « » Weil ich die Wahrheit von dir wissen will . « » Wenn ich überhaupt spreche , so wirst du nichts anderes von mir hören als nur sie . « » Auch wenn es dein größter Schade wäre ? Wenn es dein Leben kosten könnte ? « » Auch dann ! « Es war ein ganz eigenartiger Blick , mit dem er mich nun musterte . Lachte er innerlich mich aus ? Oder zitterte irgend eine gute Saite seiner Seele ? » Ich glaube es , « nickte er . Dann fuhr er fort : » Ich will wissen , ob du ein Freund oder ein Feind von mir bist . Sage es ! « » Ich bin keines Menschen Feind . Ich hasse keinen bösen Menschen ; aber das Böse in ihm kann ich nicht lieben . « » Das will ich nicht wissen . Warst du vorhin gegen mich wahr oder listig ? « » Beides , wahr und listig . « » Hast du einen Gruß an mich ? « » Ja . Aber er wurde nicht mir , sondern einem anderen anvertraut . Ich erfuhr zufällig von ihm . « Das war keine Lüge , denn ich hatte einen Brief , und ein Brief enthält doch wohl noch mehr als bloß einen Gruß . » So hast du dich zwischen mich und Asara el Awar eingedrängt ? « » Ja . « » Weiß er davon ? « » Das verrate ich nicht . Er mag es dir selbst sagen . « » Was weißt du alles von ihm und mir ? « » Hierüber schweige ich . « » Bist du unser Verbündeter ? « » Nein . « » Also unser Gegner ? Ein Drittes giebt es nicht . Ich verlange die Wahrheit von dir ! « » Ich sage sie