überlassend , während Belisar in Eilmärschen auf der Via Latina nahte . Neuntes Kapitel . In der Stadt Florentia waltete eifriges kriegerisches Leben . Die Tore waren geschlossen : auf den Zinnen und Mauerkronen schritten zahlreiche Wachen , in den Straßen klirrte es von Zügen reisiger Goten und bewaffneter Söldner : denn die Wölsungen Guntharis und Arahad hatten sich in diese Stadt geworfen und sie einstweilen zum Hauptwaffenplatz des Aufstandes gegen Witichis gemacht . In der schönen Villa , die sich Theoderich in einer Vorstadt am Ufer des Arnus , aber noch in den Ringmauern der Stadt , gebaut , hausten die beiden Brüder . Herzog Guntharis von Tuscien , der ältere , war ein gefürchteter Kriegsmann und seit Jahren Graf der Stadt Florentia : rings in ihrem Weichbild lagen die Güter des mächtigen Adelsgeschlechts , von Tausenden von Colonen und Hintersassen bebaut : ihre Macht in dieser Stadt und Landschaft war ohne Schranken und Herzog Guntharis war entschlossen , sie völlig zu gebrauchen . In voller Rüstung , den Helm auf dem Haupt , schritt der stattliche Mann unwillig durch das marmorgetäfelte Zimmer , indes der jüngere Bruder in schmucker Feiertracht , ohne Waffen , schweigend und sinnend an dem Citrustisch lehnte , der von Briefen und Pergamenten bedeckt war . » Entschließe dich , mach ' vorwärts , mein Junge ! « sprach Guntharis : » es ist mein letztes Wort . Noch heute bringst du mir das Ja des störrigen Kindes oder ich - hörst du ? - ich selbst gehe , es zu holen . Aber dann , wehe ihr . Ich weiß besser als du umzuspringen mit einem launischen Mädchenkopf . « » Bruder , das wirst du nicht . « » Beim Donner , das werd ' ich . Meinst du , ich wage meinen Kopf , ich versäume das Glück unsres Hauses um deine schmachtende Zartheit ? Jetzt oder nie ist der Augenblick , den Wölsungen endlich die erste Stelle im Volk zu schaffen , die ihnen gebührt und von der Amaler und Balten sie seit Jahrhunderten ausgeschlossen . Wird die letzte Amalungentochter dein Weib , kann niemand dir die Krone bestreiten : und mein Schwert soll sie schon schützen auf deinem Haupt gegen diesen Bauernkönig Witichis . Aber nicht zu lange mehr darf ' s währen . Ich habe noch keine Nachricht von Ravenna : doch ich fürchte , die Stadt wird nur Mataswintha , nicht uns , zufallen , das heißt , nicht uns allein ; wer sie hat , hat aber Italien , nachdem Neapolis und Rom verloren : die mächtige Festung müssen wir haben . Deshalb muß sie dein Weib sein , eh ' wir vor die Rabenmauern ziehen : sonst wird ruchbar , daß sie mehr unsre Gefangene als unsre Königin . « » Wer wünscht das mehr , heißer als ich ? aber ich kann sie doch nicht zwingen ? « - » Nicht ? warum nicht ? Suche sie auf und gewinne sie im guten oder bösen . Ich gehe , die Wachen auf den Wällen zu verstärken . Bis ich zurück bin , will ich Antwort ! « Herzog Guntharis ging : und seufzend machte sich sein Bruder nach dem Garten auf , Mataswintha zu suchen . Der Garten war von einem kunstverständigen Freigelassenen aus Kleinasien angelegt . Er hatte im Hintergrund einen waldähnlichen Abschluß , der , frei von Beeten und Terrassen , das wunderbar reiche Wiesengrün noch erhalten hatte . Diese blumigen Wiesenufer und dichte Oleanderbüsche durchrieselte ein klarer Bach , mit anmutigem Gewoge . Dicht an dem Rande des Baches , im weichen Grase hingegossen , lag eine jugendliche Frauengestalt . Sie hatte von dem rechten Arm das Gewand zurückgeschlagen und schien bald mit den murmelnden Wellen , bald mit den nickenden Blumen am Rande zu spielen . Sinnend sah sie vor sich hin und warf wie träumend hier und da ein Veilchen oder einen Krokus in die Wellen , mit leise geöffneten Lippen der Blüte nachsehend , die rasch die klaren Wellen entführten . Dicht hinter ihren Schultern kniete ein junges Mädchen in maurischer Sklaventracht , eifrig beschäftigt , einen Kranz fertig zu flechten , an welchem nur die letzten Verbindungen fehlten : sorgsam spähte die anmutfeine Kleine manchmal , ob die Träumende ihre heimliche Arbeit nicht gewahre . Aber diese schien ganz in ihre Phantasien verloren . Endlich war der zierliche Kranz vollendet : mit lachenden Augen drückte sie ihn auf das prachtvolle feuerfarbne Haar der Herrin und bog sich um ihre Schulter , deren Blick zu suchen . Aber diese hatte gar nicht bemerkt , wie die Blumen ihr Haupt berührten . Da ward die Kleine unwillig und rief mit schmollend aufgeworfnen Lippen : » Aber Herrin , bei den Palmenwipfeln des Auras , was denkest du wieder ? Bei wem bist du ? « Mataswintha schlug die leuchtenden Augen auf : » Bei ihm ! « flüsterte sie . » Weiße Göttin , das trag ' ich nicht mehr ! « rief die Kleine aufspringend , » es ist zu arg , die Eifersucht bringt mich um ! Nicht mich , deine Gazelle nur , auch die eigne Schönheit vergißt du - über dem unsichtbaren Mann : schau ' doch nur einmal in die Wellen und sieh , wie reizend dein Haar von den dunkeln Veilchen und weißen Anemonen sich hebt . « » Dein Kranz ist schön ! « sagte Mataswintha , ihn herunterlangend und dann leicht in die Wellen werfend , » welch süße Blumen ! Grüßt ihn von mir . « » Ach , meine armen Blumen ! « rief die Sklavin , ihnen nachblickend ; aber sie wagte nicht , weiter zu schelten . » Sag ' mir nur , « rief sie , sich wieder niederlassend , » wie all dies enden soll ? Da sind wir jetzt schon viele Tage , wir wissen nicht recht , Königin oder Gefangne ? Jedenfalls in fremder Gewalt : haben den Fuß nicht aus deinem Gemach oder diesem hochummauerten Garten gesetzt und wissen nichts von der ganzen Welt . Du aber bist immer still und selig , als müßte das alles so sein . « » Es muß auch alles so sein . « » So ? und wie wird es enden ? « » Er wird kommen und wird mich befreien . « » Nun , Weißlilie ! du hast einen starken Glauben . Wären wir daheim im Mauretanierland und sähe ich dich nachts zu den Sternen blicken , so sagte ich wohl : du habest das alles in den Sternen gelesen . Aber so ! Ich begreife das nicht « - und sie schüttelte die schwarzen Locken - » Ich werde dich nie begreifen . « » Doch , Aspa ! du wirst und sollst , « sprach Mataswintha sich aufraffend und zärtlich den weißen Arm um den braunen Nacken schlingend , » deine treue Liebe verdient längst diesen Lohn , den besten , den ich zu spenden habe . « In der Sklavin dunkles Auge trat eine Träne . » Lohn ? « sprach sie . » Aspa ward geraubt von wilden Männern mit roten , fliegenden Locken . Aspa ist eine Sklavin . Alle haben sie gescholten , viele geschlagen . Du hast mich gekauft wie man eine Blume kauft . Und du streichelst mir Wange und Haar . Und bist so schön wie die Göttin der Sonne und sprichst von Lohn ? « Und sie schmiegte das Köpfchen an der Herrin Busen . » Du bist meine Gazelle ! « sagte diese , » und hast ein Herz wie Gold . Du sollst alles wissen , was niemand weiß , außer mir . Höre also . Ich hatte eine Kindheit ohne Freude , ohne Liebe : und doch verlangte meine junge Seele nach Weichheit , nach Liebe . Meine arme Mutter hatte einen Knaben , einen Thronerben heiß gewünscht und sicher erwartet : - und mit Widerwillen , mit Kälte und Härte behandelte sie das Mädchen . Als Athalarich geboren war , nahm die Härte ab , aber die Kälte nahm zu : dem Erben der Krone allein ward alle Liebe und Sorge . Ich hätte es nicht empfunden , hätte ich nicht in meinem weichen Vater den Gegensatz gesehen : ich fühlte , wie auch er litt unter der kalten Härte seiner Gattin : und oft drückte mich der kranke Mann mit Seufzen , mit Tränen an die Brust . Und als er gestorben und begraben war , da war mir alle Liebe in der Welt erstorben . Wenig sah ich Athalarich , der von andern Lehrern und im andern Teil des Palastes erzogen ward : weniger noch die Mutter : fast nur , wenn sie mich zu strafen hatte . Und doch liebte ich sie so sehr : und doch sah ich , wie meine Wärterinnen und Lehrerinnen ihre eignen Kinder liebten , herzten und küßten : und nach gleicher Wärme verlangte mit aller Macht mein Herz . So wuchs ich heran , wie eine bleiche Blume ohne Sonnenlicht ! Da war denn mein liebster Ort in der Welt das Grab meines Vaters Eutharich im stillen Königsgarten zu Ravenna . Da suchte ich bei dem Toten die Liebe , die ich bei den Lebenden nicht fand : und sowie ich meinen Wärtern entrinnen konnte , eilte ich dorthin , zu sehnen und zu weinen . Und dies Sehnen wuchs , je älter ich ward : in Gegenwart der Mutter mußte ich all meine Gefühle zusammenpressen : sie verachtete es , wenn ich sie zeigte . Und wie ich vom Kind zum Mädchen heranwuchs , merkte ich wohl , daß die Augen der Menschen oft wie bewundernd auf mir ruhten : aber ich dachte , sie bedauerten mich : und das tat mir weh . Und öfter und öfter flüchtete ich zum Grabe des Vaters , bis es der Mutter gemeldet ward : und ich ward verklagt , daß ich dort weinte und ganz verstört zurückkäme . Zornig verbat mir die Mutter , ohne sie das Grab wieder zu besuchen : und sprach von verächtlicher Schwäche . Aber dawider empörte sich mein Herz und ich besuchte das Grab trotz dem Verbot . Da überraschte sie mich einst daselbst : und schlug mich : und ich war doch kein Kind mehr : und führte mich in den Palast zurück : und schalt mich schwer : und drohte , mich zu verstoßen für immer : und fragte im Scheiden zürnend den Himmel , warum er sie mit einem solchen Kinde gestraft . Das war zuviel . Namenlos elend beschloß ich , dieser Mutter zu entrinnen , der ich zur Strafe leben sollte , und davonzugehen , wo mich niemand kennte : ich wußte nicht wohin : am liebsten in das Grab zu meinem Vater . Als es Abend geworden , stahl ich mich aus dem Palast , ich eilte nochmals an das geliebte Grab zu langem , tränenreichem Abschied . Schon gingen die Sterne auf , da huschte ich aus dem Garten , aus dem Palast und eilte durch die dunkeln Straßen der Stadt an das faventinische Tor . Glücklich schlüpfte ich an der Wache vorbei ins Freie und lief nun eine Strecke auf der Straße fort , gradaus in die Nacht , ins Elend . Aber auf der Straße kam mir entgegen ein Mann im Kriegsgewand . Als ich an ihm vorüber wollte , schritt er plötzlich heran , sah mir ins Antlitz und legte die Hand leicht auf meine Schulter : Wohin , Jungfrau Mataswintha , allein , in so später Nacht ? Ich erbebte unter seiner Hand , Tränen brachen aus meinen Augen , und schluchzend rief ich : In die Verzweiflung ! Da faßte der Mann meine beiden Hände und sah mich an , so freundlich , so mild , so besorgt . Dann trocknete er meine Tränen mit seinem Mantel und sprach in weichem Ton der tiefsten Güte : Und warum ? Was quält dich so ? Mir ward so weh und wohl ums Herz beim Klange dieser Stimme . Und wie ich in sein mildes Auge sah , war ich meiner selbst nicht mehr mächtig . Weil mich die eigne Mutter haßt , weil ' s keine Liebe für mich gibt auf Erden . - Kind ! Kind ! Du bist krank , sagte er , und redest irr . Komm , komm mit mir zurück ! Du ? warte nur ! du wirst noch eine Königin der Liebe werden . Ich verstand ihn nicht . Aber ich liebte ihn unendlich für diese Worte , diese Milde . Fragend , staunend , hilflos sah ich ihm ins Auge . Ich bebte und zitterte . Es mußte ihn rühren ; oder er dachte , es sei die Kälte . Er nahm seinen warmen Mantel ab , schlug ihn um meine Schultern und führte mich langsam zurück durchs Tor , auf unbelebten Straßen , durch die Stadt nach dem Palast . Willenlos , hilflos , wankend wie ein krankes Kind folgte ich ihm , das Haupt , das er mir sorglich verhüllte , an seine Brust gelehnt . Er schwieg und trocknete mir nur manchmal die Augen . Unbemerkt , wie ich glaubte , gelangten wir an die Türe der Palasttreppe : er öffnete sie , schob mich sanft hinein : dann drückte er mir die Hand . Gut sein , sagte er , und ruhig . Dein Glück wird dir schon kommen . Und Liebe genug . Und er legte leise die Hand auf mein Haupt , schloß die Türe hinter mir und stieg die Treppe hinab . Ich aber lehnte an der halbgeschlossenen Tür und konnte nicht fort . Mein Fuß versagte , mein Herz pochte . Da hört ' ich , wie eine rauhe Stimme ihn ansprach : Wen schmuggelst du da zur Nachtzeit in das Schloß , mein Freund ? Er aber antwortete : Du bist ' s , Hildebrand ? Du verrätst sie nicht ! Es war das Kind Mataswintha : sie hat sich verirrt in der Nacht , in der Stadt , und fürchtete den Zorn ihrer Mutter . - Mataswintha ! sprach der andre , die wird täglich schöner . Und mein Beschützer sprach « - und sie stockte und flammend Rot schoß über ihre Wangen ... - » Nun , « fragte Aspa , sie groß ansehend , » was sagte er ? « Aber Mataswintha drückte Aspas Köpfchen nieder an ihre Brust . » Er sagte , « flüsterte sie - » er sagte : - die wird das schönste Weib auf Erden ! « » Da hat er recht gesagt , « sprach die Kleine , » was brauchst du da rot zu werden ? Ist ' s doch so ! Nun aber weiter ! Was tatest du ? « » Ich schlich auf mein Lager und weinte , weinte Tränen der Trauer , der Wonne , der Liebe , alles durcheinander . In jener Nacht stieg eine Welt , ein Himmel in mir auf : er war mir gut , das fühlte ich , und er nannte mich schön . Ja , jetzt wußt ' ich es : ich war schön , und ich war selig darüber : ich wollte schön sein : für ihn ! O wie glücklich war ich ! seine Begegnung brachte Glanz in mein Dunkel , Segen in mein Leben . Ich wußte jetzt , man konnte mir gut sein , man konnte mich lieben ! Sorglich pflegte ich des Leibes , den er gelobt . Die süße Macht in meinem Herzen breitete eine milde Wärme über mein ganzes Wesen : ich ward weicher und inniger : und selbst der Mutter strenger Sinn ward jetzt liebevoller gegen mich , seit ich nur sanfte Liebe ihrer Härte entgegengab : und täglich wurden alle Herzen gütiger gegen mich , wie ich weicher gegen alle . Und all ' das dankte ich ihm : er hatte mir die Flucht in Schmach und Elend erspart und mir eine ganze Welt von Liebe gewonnen . Seitdem lebte und lebe ich nur für ihn . « Und sie hielt inne und legte die Linke auf die wogende Brust . » Aber , Herrin , wann hast du ihn wieder gesehen ? gesprochen ? Lebt deine Liebe von so karger Kost ? « » Gesprochen nie mehr : gesehen nur einmal noch : am Todestage Theoderichs befehligte er die Palastwache , da sagte mir Athalarich seinen Namen : denn nie hätte ich gewagt , nach ihm zu forschen , aus Furcht , meine Flucht , ach , mein Geheimnis zu verraten . Er war nicht am Hof : und wann er dort erscheinen mochte , war ich auf den Villen . « » So weißt du weiter gar nichts von ihm , von seinem Leben , von seiner Vergangenheit . « » Wie hätt ' ich forschen können ! glühende Scham hätte mich verraten ! Lieb ' ist des Schweigens Tochter und der Sehnsucht . Aber von seiner , von unsrer Zukunft weiß ich . « » Von eurer Zukunft ? « lächelte Aspa . » An den Hof kam alle Sonnenwende die alte Radrun und erhielt von König Theoderich fremde Kräuter und Wurzeln , die er ihr aus Asien bringen ließ und vom Nil . Das hatte sie sich ausbedungen zum einzigen Lohn dafür , daß sie ihm als Knaben sein ganzes Schicksal geweissagt hatte : und war alles eingetroffen aufs Haar : sie braute Salben und mischte Tränke : das Waldweib nannte man sie laut : aber leise : die Wala , das Zauberweib . Und wir alle am Hof wußten - außer den Priestern , die hätten es gewehrt - , daß jede Sommersonnenwende , wann sie kam , der König sich das Jahr vorhersagen ließ . Und kam sie von ihm heraus , so riefen sie , das wußte ich , meine Mutter und Theodahad und Gothelindis und fragten sie aus : und nie blieb noch aus , was sie verkündet . Da , in der nächsten Sonnenwende , faßte auch ich mir ein Herz , lauerte der Alten auf und lockte sie , wie ich sie allein fand , in mein Gemach und bot ihr Gold und lichte Steine , wenn sie mir weissagen wollte . Aber sie lachte und zog ein Fläschchen von Bernstein hervor und sprach : Nicht um Gold ! Aber um Blut ! Um mächtig Blut von einem reinen Königskind . Und sie ritzte mir eine Ader im linken Arm und fing den Strahl in ihrem Bernstein . Dann sah sie forschend in meine beiden Hände und sang endlich tonlos : Den du hältst im Herzen hoch , der gibt dir größten Glanz und größtes Glück , schafft dir allerschärfsten Schmerz , wird dein Gemahl , dein Gatte nicht . Und damit war sie hinaus . « » Das ist wenig tröstlich , - soviel ich ' s fasse . « » Du kennst der Alten Sprüche nicht : sie sind alle so dämmmer-dunkel : sie fügt jeder Verheißung eine Drohung bei , für alle Fälle : ich aber halte mich an das Helle , nicht an das Dunkle . Weissagung erfüllt sich , wie man sie faßt : ich weiß : er wird mein und bringt mir Glanz und Glück : den Schmerz daneben will ich tragen : Schmerz um ihn ist Wonne . « » Ich bewundre dich , Herrin , und deinen Glauben . Und auf den Spruch der Hexe hin hast du ausgeschlagen all ' die Könige und Fürsten , vom Vandalen- und Westgoten- , Franken- und Burgunderland , die um dich freiten ? selbst Germanus , den edeln , den kaiserlichen Prinzen von Byzanz ? und harrst auf ihn ? « » Und harr ' auf ihn ! Aber nicht des Spruches allein wegen . In meinem Herzen lebt ein Vögelein , das singt mir alle Tage : er wird dein , er muß dein werden . Ich weiß es sternengewiß « , schloß sie , das Auge zum Himmel aufschlagend und in die frühere Träumerei versinkend . Rasche Schritte tönten von der Villa her . » Ah , « rief Aspa , » dein schmucker Freier ! Armer Arahad , du verlierst deine Mühe ! « » Ich will dem Spiel ein Ende machen heut ' ! « sprach Mataswintha , sich erhebend : und auf ihrer Stirn , in ihren Augen ; lag jetzt eine zornige Strenge , die das Blut der Amaler in ihren Adern bekundete : es lebte eine seltsame Mischung von lodernder Leidenschaft und hinschmelzender Weichheit in dem Mädchen . Aspa staunte oft über das verhaltne Feuer in ihrer Herrin . » Du bist wie die Götterberge in meiner Heimat , « sagte sie : » Schnee auf dem Gipfel : Rosen um den Gürtel : aber im Innern versengendes Feuer : das oft über Schnee und Rosen strömt . « Indes bog Graf Arahad aus dem buschigen Wege und neigte sich vor dem schönen Weibe mit einem Erröten , das ihm wohl anstand . » Ich komme , « sagte er , » Königin ... « - Aber herb unterbrach sie ihn . » Hoffentlich , Graf von Asta , kommst du , endlich diesem schnöden Spiel von Gewalt und Lüge ein Ende zu machen . Nicht länger will ich ' s tragen . Dein kecker Bruder überfällt mich plötzlich , die wehrlose , in die Trauer um ihre Mutter versunkene Waise , in meinen Gemächern , nennt mich in einem Atem seine Königin und seine Gefangene und hält mich wochenlang in unwürdiger Haft . Er bringt mir den Purpur und nimmt mir die Freiheit . Darauf kommst du und verfolgst mich mit deiner eiteln Werbung , die dich nie zum Ziele führt . Ich habe dich verschmäht in der Freiheit : glaubst du , gefangen , in deiner Zwanggewalt , wird dich , du Tor , das Kind der Amaler erhören ? Du schwörst , du liebest mich ? Wohlan , so achte mich . Ehre meinen Willen , laß mich frei . Oder zittre , wenn mein Befreier naht . « Und drohend trat sie auf den Bestürzten zu , der keine Worte finden konnte . Da eilte heftigen Schrittes Herzog Guntharis herbei , mit funkelnden Augen . » Auf , Arahad , « rief er , » komm zu Ende . Wir müssen fort , sogleich . Er naht , er dringt mit Macht heran . « - » Wer ? « fragte Arahad hastig . - » Er sagt , er kommt sie zu befreien . Er hat gesiegt , der Bauernkönig , und unsre Vorposten geschlagen bei Castrum Sivium . « » Wer ? « fragte jetzt Mataswintha eifrig . » Nun , « antwortete Guntharis zornig , » jetzt magst du ' s erfahren : es ist doch nicht mehr zu bergen : Graf Witichis von Fäsulä . « » Witichis ! « hauchte Mataswintha mit leuchtenden Augen und hochaufatmend . » Ja ! ihn haben die Rebellen von Regeta , das Recht des Adels vergessend , zum König der Goten erhoben . « » Er ! er mein König ! « sprach Mataswintha wie im Traume . » Ich hätte dir ' s gesagt , schon da ich dich als Königin begrüßte ; aber in deinem Gemach stand seine Marmorbüste , bekränzt . Das war mir verdächtig . Später sah ich ' s : es war ein Zufall : es ist ein Areskopf . « Mataswintha schwieg und suchte die glühende Röte zu verbergen , die ihr Antlitz überflog . » Nun , « rief Arahad , » was ist zu tun ? « » Wir müssen fort . Wir müssen ihm zuvorkommen in Ravenna . Florentia , die Feste , hält ihn eine Weile auf : indessen gewinnen wir Ravenna und wenn du Beilager gehalten in der Burg Theoderichs mit dessen Enkelin , ist alles Volk der Goten unser . Auf , Königin ! Ich lasse deinen Wagen schirren : in einer Stunde gehst du nach Ravenna in der Mitte unsrer Scharen . « Und die Brüder eilten hinweg . Blitzenden Auges sah ihnen Mataswintha nach : » Ja , führt mich fort , gefangen und gebunden ; wie der Adler aus der Höhe wird mein König auf euch niederstoßen und mich retten aus eurer Gewalt . Komm , Aspa , der Befreier naht . « Zehntes Kapitel . Kaum hatten die Goten den Mauern Roms den Rücken gewendet , so berief Papst Silverius - es war am Tage nach seinem Eide - die Spitzen der Priesterschaft , des Adels , der Beamten und der Bürgerschaft der Stadt in die Thermen des Caracalla zu einer Beratung über Heil und Gedeihen der Stadt des heiligen Petrus . Auch Cethegus war geladen und erschienen . Mit Unbefangenheit stellte Silverius darauf den Antrag , da endlich die Stunde gekommen sei , das Joch der Ketzer abzuwerfen , eine Gesandtschaft an Belisarius , den Feldherrn des rechtgläubigen Kaisers Justinian , des einzig rechtmäßigen Herrn Italiens , abzuordnen , ihm die Schlüssel der ewigen Stadt zu überreichen und ihm und seinem Heere den Schutz der Kirche und der Gläubigen gegen die Rache der Barbaren zu empfehlen . Den Gewissenszweifel eines noch sehr jungen Priesters und eines ehrlichen Schmiedemeisters wegen des gestern geleisteten Eides beseitigte er lächelnden Mundes mit der Berufung auf seine apostolische Macht , wie zu binden , so zu lösen : und auf die offenbare Gewalt gotischer Waffen , unter deren Eindruck sie den Schwur geleistet . Darauf ging der Antrag einstimmig durch : und der Papst selbst , Scävola , Albinus und Cethegus wurden als die Gesandten gewählt . Aber Cethegus widersprach : schweigend hatte er die Verhandlung mit angehört und sich der Abstimmung enthalten : jetzt stand er auf und sprach : » Ich bin gegen den Beschluß . Nicht wegen des Eides . Ich brauche deshalb apostolische Lösungsgewalt nicht in Anspruch zu nehmen . Denn ich habe nicht geschworen . Aber um der Stadt willen . Das heißt : uns ohne Not dem gerechten Zorn der Goten aussetzen , die wohl einmal wiederkommen können und dann solch offnen Abfall nicht mit apostolischer Lösung entschuldigen werden . Laßt uns gebeten oder gezwungen werden von Belisar : wer sich wegwirft , wird mit Füßen getreten . « Silverius und Scävola tauschten bedeutsame Blicke . » Solche Gesinnung , « sprach der Jurist , » wird dem Feldherrn des Kaisers gewiß sehr gefallen , kann aber an dem Beschluß nichts ändern . Du gehst also nicht mit uns zu Belisar ? « Cethegus stand auf : » Ich gehe zu Belisar . Aber nicht mit euch , « sagte er und ging hinaus . Als die übrigen die Thermen verlassen , sprach der Papst zu Scävola : » Das gibt ihm den Rest . Er hat sich vor Zeugen gegen die Übergabe erklärt ! « - » Und er geht selbst in die Höhle des Löwen . « - » Er soll sie nicht mehr verlassen . Du hast doch die Anklageakte aufgesetzt ? « - » Schon längst . Ich fürchtete , er werde die Gewalt in der Stadt an sich reißen : und er geht selbst zu Belisar ! Er ist verloren , der Stolze . « - » Amen ! « sagte Silverius . » Und so mag jeder untergehen , der in weltlichem Trachten dem heiligen Petrus widerstreitet . Übermorgen um die vierte Stunde machen wir uns auf . « Aber er irrte , der heilige Vater : diesmal sollte der Stolze noch nicht untergehen . Cethegus war sofort nach seinem Hause geeilt , wo der gallische Reisewagen angeschirrt seiner wartete . » Gleich brechen wir auf , « rief er dem Sklaven zu , der auf dem vordersten Rosse saß , » ich hole nur mein Schwert . « Im Vestibulum traf er die Licinier , die ihn ungeduldig erwarteten . » Heut ' kam der Tag « , rief ihm Lucius entgegen , » auf den du uns solang vertröstet ! « - » Wo ist die Probe deines Vertrauens in unseren Mut , unser Geschick , unsere Treue ? « fragte Marcus . - » Geduld ! « sprach Cethegus mit erhobenem Zeigefinger und schritt in sein Gemach . Alsbald kam er wieder , sein Schwert und mehrere Pergamente unterm linken Arm , eine versiegelte Rolle in der Rechten : sein Auge leuchtete : » Ist das äußerste Eisentor der Moles Hadriani fertig ? « fragte er . - » Fertig , « sprach Lucius Licinius . - » Ist das Getreide aus Sizilien in dem Kapitol geborgen ? « - » Geborgen . « - » Sind die Waffen verteilt und die Schanzen am Kapitol vollendet , wie ich befahl ? « - » Vollendet , « antwortete Marcus . - » Gut . Nehmt diese Rolle . Entsiegelt sie morgen , sowie Silverius die Stadt verlassen , und erfüllt jedes ihrer Worte genau . Es gilt nicht nur mein Leben und das eure - : es gilt Rom ! Die Stadt Cäsars wird eure Taten sehen . Geht : auf Wiedersehen ! « Und aus seinen Augen sprühte Feuer in die Herzen der jungen Römer . - » Du sollst zufrieden sein ! « - » Du und Cäsar ! « riefen sie und eilten hinweg . Mit einem Lächeln , das selten auf seinem Antlitz mit solcher Freudigkeit spielte , sprang Cethegus in seinen Wagen . » Heiliger Vater ^ , « sagte er zu sich selbst , » ich bin noch in deiner Schuld für die letzte Versammlung in den Katakomben : ich will sie zahlen ! - Die Via latina hinab ! « rief er rasch dem Sklaven zu , » und laß die Rosse jagen , was sie können . « Der Präfekt hatte einen Vorsprung von mehr als einem Tag vor der langsamer reisenden Gesandtschaft . Und er nutzte ihn wohl