Adelram von Aschach , unser Großvater und der Vater unserer Mutter Benedicta , ist gestorben , und das Erbe von Aschach mit Mauten und Gebühren diesseits und jenseits der Donau ist an unsere Mutter gekommen , weil Adelram keine anderen Kinder hatte . Da ist in dem Aschachwinkel der Ort Hilkering , der gehört den zwei edlen Brüdern von Schillingsfirst , und der ist der einzige , welcher nicht ein Teil der Erbschaft ist . Ich und mein Bruder Gebhart sind von dem Inn an die Donau nach Aschach herab gestiegen , und werden zwei Burgen bauen . Die eine werden wir auf dem Berge hinter dem Orte Hilkering bauen , und sie wird Stauf heißen , und die andere werden wir auf der Waldhöhe , die von Aschach gegen die alte Stadt Eferdingen geht , bauen , und sie wird Schauenberg heißen , weil sie in das Land über die Donau schaut , darin die Mihel fließt , und in das Land , dahin die Donau geht , und auf die Berge , die gegen die Steiermark sind . Die von Jugelbach sollen in Stauf und Schauenberg groß werden , und in die Geschicke ihrer Länder hinein wachsen . Jetzt , Witiko , kennt Ihr unser Geschlecht . Nun will ich von der Genugtuung sprechen . Ihr habt in der Schlacht die rote Waldrose auf dem weißen Schilde getragen , sehet , daß die Rose in die Geschicke Eurer Länder hinein blühet , und dann kommt . Bis dahin ist Bertha von Euch getrennt , und seid Ihr von Bertha getrennt . Ist Euch diese Genugtuung gerecht ? « » Sie ist mir gerecht « , sagte Witiko , » ich danke Euch für Eure Worte . Ich habe nie gedacht , Bertha anders zu gewinnen als so , und ich habe nie gedacht , anders zu handeln , wenn auch Bertha nicht wäre . « » Tut so « , sagte Heinrich , » und wenn eine Burg wird , in der die Rose ist , so denke ich , daß die Burg der Rose und daß Stauf und Schauenberg in gleicher Größe und in Wohlvernehmen fortbestehen mögen . Ihr seid als Gast in meinem Hause immer willkommen . Jetzt muß ich den Frauen verkünden , was wir gesprochen haben . Beurlaubet mich . « Er stand auf , Witiko stand auch auf , die Männer reichten sich die Hände , und Witiko verließ das Gemach . Da er in den Hof gekommen war , sah er Wolf . Wolf ging eilig zu ihm , und sagte : » Ihr seid sehr lange nicht mehr in unser Haus gekommen . « » Ist es dir lange geworden ? « fragte Witiko . » Ja « , entgegnete Wolf , » es ist mir lange geworden . « » Ich habe nicht anders gekonnt « , entgegnete Witiko . » Zählt nur auf mich , ich will Euch in allen Dingen beistehen « , sagte Wolf . » Nun , ich werde es dir sagen , wenn ich deines Beistandes bedarf « , antwortete Witiko , » und werde dir dafür danken . « » Es ist nicht Dankes halber « , sagte Wolf , » ich tue es gerne . Unser Herr ist strenge , er hat die ganze Welt gesehen , die Leute nennen ihn Fahrirre , ich habe es ihm aber nie gesagt . Sonst ist er auch gut . « » Ich habe es erfahren « , sagte Witiko , » er ist immer gastlich gegen mich gewesen . « » Ja , gastlich ist er « , sagte Wolf . Witiko verabschiedete sich von Wolf , und ging in seine Wohnung . In derselben saß der Mann , der die braunen Kleider hatte , auf einem Stuhle , und der Knecht Raimund saß auf einem andern Stuhle . Witiko sah , daß von den Speisen und den Getränken etwas verzehrt worden war . Raimund berichtete , daß die Pflege der Pferde vorüber sei , und daß sie jetzt ruhen könnten . Witiko nahm von den Speisen und Getränken nichts , und setzte sich auf einen Stuhl . Es dauerte noch eine Zeit , bis die Sonne unterging . Da ertönte eine Glocke in dem Hause . Witiko erhob sich , und ging mit Raimund und dem fremden Manne in den großen Saal . In demselben war alles so zum Speisen angeordnet , wie es Witiko gesehen hatte , da er zum ersten Male in dem Hause gewesen war . Er wurde an das obere Ende des Tisches zu Heinrich und Wiulfhilt geführt . Heinrich stand obenan , Witiko wurde zu seiner Linken gewiesen , rechts war die Mutter und dann Bertha . Es waren auch noch zwei Männer am oberen Ende des Tisches , die Heinrich Dienstmannen , Hartnit und Liutolt , nannte . Die Leute des Hauses harrten weiter unten , bei ihnen waren auch der Knecht Raimund und der Mann in dem braunen Gewande . Heinrich sprach ein lautes Gebet , in das die Leute antworteten . Nach dem Gebete setzten sich alle nieder , und die Speisen wurden von zwei Mägden gebracht . Sie wurden alle zugleich auf den Tisch gestellt . Auf dem oberen Ende waren Fische , es war gebratenes Geflügel , es war Hirschfleisch , es waren Kuchen , es war Brod und Wein . Auf dem unteren Ende des Tisches war gebratenes Hammelfleisch , Bier und Brod . Als das Mahl geendet war , sprach Heinrich wie vorher ein Gebet . Nach demselben gingen die Leute , welche an dem unteren Ende des Tisches gesessen waren , fort . Heinrich sagte zu Witiko : » Möge Euch als Gast mein Abendessen wohl bekommen , und weil ihr morgen mit dem Anbruche des Tages fortreiten wollt , so nehmen wir heute Abschied . « Wiulfhilt sagte : » Lasset Euch genügen , was wir Euch in Eurer kurzen Zeit hier bieten konnten , und kommet als Gast bald wieder in unser Haus . Mein Gemahl und ich werden Euch gerne aufnehmen . Sein Wille ist der meinige . « » Ich danke Euch , edle Frau « , sagte Witiko . Darauf wendete er sich zu Bertha , und sprach : » Möge Bertha das Glück erfahren , das ihr die wünschen , die sie lieben . « » Möge Witiko erreichen , was er hofft « , entgegnete Bertha . » Er will darnach streben « , sagte Witiko , » Gott fügt das weitere . « Er reichte Bertha die Hand , und Bertha reichte ihm die Hand . » Ich werde Euch in Eure Stube geleiten « , sagte Heinrich . Witiko und Bertha lösten ihre Hände auseinander . Witiko neigte sich vor Wiulfhilt , vor Bertha , und auch vor den Dienstmannen . Diese alle gaben den Gruß zurück , und Witiko ging mit Heinrich gegen die Tür . Heinrich führte ihn in die Wohnung , die ihm zur Herberge bestimmt war . Dort verabschiedeten sie sich . Raimund und der Mann in dem braunen Gewande waren schon in den Stuben , und die drei Männer suchten nun die Ruhe der Nacht . Als der Morgen noch wenig dämmerte , verließ Witiko die Gemächer . Da war in dem Gange vor denselben Heinrich , und öffnete mit einem Schlüssel das Fallgitter , und zog es empor . Dann ging er fort . Witiko ging unter dem geöffneten Fallgitter hinaus . Er ging in den Stall . Raimund kam auch sogleich herunter , und die Pferde wurden mit der Beihilfe des Knechtes Hando besorgt . Da dieses geschehen war , aßen die drei Männer etwas von den Morgenspeisen , die in ihre Wohnung gebracht worden waren . Dann wurden die Pferde in den Hof geführt , und die Männer gingen zu ihnen . Da kam Wolf herzu , und brachte mehrere Stricke , welche Raimund an seinem Sattel befestigte . Darauf bestiegen die Männer ihre Pferde . Nun kam Heinrich zu ihnen , und geleitete sie bis zu dem Tore . Wolf öffnete die beiden Flügel des Tores , und nickte im Gruße gegen Witiko . Heinrich geleitete die Männer durch das Tor hinaus . Da sie außerhalb seines Hauses waren , reichte er Witiko die Hand auf das Pferd , und sagte : » Ich danke Euch für das Vertrauen , welches Ihr mir heute in der Nacht erwiesen habt . « » Lebt wohl « , sagte Witiko . » Lebt wohl « , sagte Heinrich . Die Männer setzten sich in Bewegung , und Heinrich ging durch das Tor in den Hof zurück . Witiko und seine Begleiter ritten an dem rauschenden Bache nieder zu dem tieferen Walde , und in dem Walde fort bis an die Mihel . Sie durchritten die Wasser der Mihel , und Witiko ritt mit ihnen an die Hütte des Köhlers Mathias . Der Köhler Mathias kam von dem rauchenden Meiler herzu , und sein Weib Margaretha kam mit den Kindern aus der Hütte . » Gib uns einen Trunk frischen Wassers , Mathias « , sagte Witiko . » Wollet Ihr denn nicht in das Haus gehen ? « fragte der Köhler . » Wir reiten sogleich wieder fort « , antwortete Witiko . » Ihr haltet Euch gar nicht auf ? « sagte Margaretha . » Ich komme schon wieder einmal « , entgegnete Witiko . » Ach , nach vielen Jahren « , sagte das Weib . Dann ging sie , und brachte in einem grünen Kruge frisches Waldwasser . Witiko trank aus dem Kruge , und auch seine Begleiter tranken . Dann reichte er von dem Pferde dem Köhler die Hand , und reichte sie auch seinem Weibe Margaretha . Hierauf ritten die Männer an dem Rauche der Meiler vorüber in der Richtung gegen Mittag weiter . Sie ritten unter den hohen und alten Tannen des breiten Berges empor . Sie ritten auf dem schmalen Pfade unter den tiefen Ästen einer hinter dem andern . Als sie zu dem roten Kreuze gekommen waren , taten sie ein Gebet , und ritten wieder weiter im Walde aufwärts . Nachdem noch eine halbe Stunde vergangen war , kamen sie auf der Höhe in die Waldlichtung hinaus , vor der Witiko zum ersten Male den Dreisesselwald gesehen hatte . Sie wendeten sich jetzt auch um , und sahen die Forste und die Höhen , und sahen den Rauch , der von Heinrichs Hause empor stieg . Darnach ritten sie wieder in einen neuen Wald auf einer Fläche sanft abwärts . Nach einer Stunde erquickten sie , wie sie es gewöhnlich taten , an einer Waldstelle die Pferde . Dann ritten sie wieder weiter . Gegen den Mittag kamen sie auf einen Platz , auf dem niedriges Buschwerk auf Rasen weit dahin ging . An der Grenze waren Bäume , davon viele durch Winde gestürzt waren . Da sie auf dem Platze ritten , kam ein Bolzen gegen Witikos Seite geflogen , und prallte von dem Leder ab . Witiko blicke auf den Mann im braunen Gewande . An dem braunen Gewande desselben hing auch ein Bolzen . Sofort auch schaute Witiko in der Richtung hin , woher die Bolzen gekommen sein mochten . Da waren zwei Männer in den Gebüschen , und ragten mit dem Oberkörper über sie empor . Der eine hatte einen roten Bart , der andere einen grauen . Sie hatten beschmutzte Ledergewänder . Witiko nahm die Lanze Raimunds , und ritt in die Büsche , und in ihnen , so schnell es sein Pferd vermochte , gegen die Männer . Da die Männer dieses sahen , ergriff der graubärtige die Flucht . Witiko rief gegen den andern : » Wenn du dich regst , und von dem Platze weichen willst , so werfe ich dir diese Lanze in den Leib , wenn du ruhig stehen bleibst , so schone ich deines Lebens . « Der Mann blieb stehen . Raimund kam nun auch auf dem Pfade , den Witiko in den Büschen gemacht hatte , herzu , und hinter ihm der Mann in dem braunen Gewande . Raimund rief : » Und ich schleudere dieses Beil in deinen Körper , wenn du dich rührst . « » Nimm ihn gefangen , Raimund « , sagte Witiko . Raimund nestelte die Stricke , welche ihm Wolf gegeben hatte , von dem Sattel , und stieg von seinem Pferde . Dann reichte er dem Manne in dem braunen Gewande die Zügel desselben , und sagte : » Halte mir das Roß , bis ich fertig bin . « Der Mann in dem braunen Gewande nahm die Zügel , und hielt an denselben das Pferd Raimunds . Raimund aber näherte sich dem rotbärtigen Manne , indem er das Beil hoch in der Hand trug . Der Mann stand ruhig . Da Raimund zu ihm gekommen war , ließ er das Beil in das Gras fallen , nahm die beiden Hände des Mannes , legte seine Unterarme vor der Brust übereinander , umwickelte sie mit einem Stricke , und knüpfte die Enden des Strickes zusammen . Der Mann ließ es geschehen . Dann nahm er wieder sein Beil , nahm die Armbrust , die auf der Erde lag , und führte den Mann zu Witiko . Dort hieb er mit dem Beile einen Ast aus dem Gesträuche , hieb aus dem Aste einen Knebel zurecht , befestigte den Knoten mit dem Knebel noch besser , und band an den Fesselstrick noch einen andern Strick als Leitseil . Dann sagte er : » So , mein Gaurabe , jetzt bist du versorgt . « » Führe ihn mit uns « , sagte Witiko . Raimund gab dem Manne in dem braunen Gewande das Ende des Leitseiles in die Hand , und sagte : » Jetzt mußt du mir diesen da ein wenig halten . « Der Mann in dem braunen Gewande tat es . Raimund hing die Armbrust an seinen Sattel , stieg auf sein Pferd , richtete sich zurecht , nahm dem Manne in dem braunen Gewande das Ende des Leitseiles wieder ab , und sagte : » Jetzt bin ich fertig . « » So reiten wir « , sagte Witiko . Der Zug setzte sich wieder in Bewegung . Witiko ritt von dieser Stelle fortan schneller , als er bisher geritten war . Die andern folgten . Der Mann an dem Leitstricke mußte mit beschleunigten Schritten hinter dem Pferde Raimunds gehen . So gelangte man endlich zu den Häusern Hauzenberg . Die Männer stiegen von den Pferden . Das Leitseil des Gefangenen wurde an einen der Pflöcke gebunden , die auf der Gasse zum Anhängen der Pferde in die Erde getrieben waren . Dann wurden die Pferde mit Halftern an Pflöcken befestigt , mit Decken gut behüllt , und man begann ihre Verpflegung . Als dieses geschehen war , setzte sich Witiko an einen der Gassentische , und der Mann in dem braunen Gewande setzte sich in kleiner Entfernung von Witiko auf eine Bank an demselben Tische . Der Krämer , welchen Witiko vor vier Jahren auf dieser Gasse gesehen hatte , saß wieder auf der Gasse der Herberge . Sonst war kein Gast zugegen . » Raimund « , sagte Witiko , » führe nun den Mann an seinem Stricke zu mir . « Raimund löste das Leitseil von dem Pflocke , und führte den Gefangenen an den Tisch Witikos . Dort blieb er mit ihm stehen . Aus der Tür und dem Tore des Wirtshauses kamen mehrere Menschen , und blickten von ferne auf Witiko und auf die , welche bei ihm waren . Witiko sagte zu dem Gefangenen : » Es werden bald vier Jahre werden , da bist du an einem Tische auf der Gasse vor dieser Herberge mit deinem graubärtigen Genossen , der heute durch die Büsche entronnen ist , gesessen , eben da ich mit diesem meinem Pferde und in diesem meinem Gewande hier Mittagruhe hielt . Ist es nicht so ? « » Ich weiß es nicht , wo ich vor vier Jahren oder vor drei Jahren gewesen bin « , sagte der Mann . » Wenn Ihr mich den Schergen übergeben wollt , oder wenn Ihr mich von hier wieder fortführen , und in einem Graben erschlagen wollt , könnt Ihr es tun . « » Ich habe dir das Leben zugesichert « , sagte Witiko . » Ihr könnt mich martern lassen « , antwortete der Mann . » Ich lasse dich nicht martern « , sagte Witiko . » Ich habe dem Herzoge Heinrich immer treu gedient ; aber die Bischöflichen sind arge Genossen « , erwiderte der Mann . » Ich werde dich den Bischöflichen nicht ausliefern , sondern werde dich selber richten « , sagte Witiko . » Da ist wenig zu richten , weil ich unschuldig bin « , sagte der Mann . » Das ist gut « , antwortete Witiko , » und ich werde die unschuldigen Leute schützen . Jetzt sprich . « » Ich werde wohl vor vier Jahren auf dieser Gasse gesessen sein « , sagte der Mann . » Und weshalb hast du heute mit dem andern Bolzen auf uns geschossen ? « fragte Witiko . » Hat der andere Bolzen geschossen ? Ich habe es nicht gesehen , da ich zu ihm kam « , sagte der Mann . » Bist du aus Zufall zu ihm gekommen ? « fragte Witiko . » Ich bin aus Zufall zu ihm gekommen « , antwortete der Mann , » da ich meines Weges zu dem Kirchlein des heiligen Ulrich beten ging . « » Bist du auch vor vier Jahren aus Zufall mit ihm auf dieser Gasse gesessen ? « fragte Witiko . » Aus Zufall « , antwortete der Mann . » Gehst du , wenn du auf dem Wege zu dem heiligen Ulrich bist , in den dichten Gebüschen statt auf dem Pfade ? « fragte Witiko . » Ich habe den Mann stehen gesehen , und bin von dem Wege zu ihm in die Büsche gegangen , weil er es wollte « , antwortete der Gefragte . » Und als mich der Bolzen traf , und als ich in der gleichen Zeit einen Bolzen an dem Gewande meines Begleiters sah « , entgegnete Witiko , » standest du mit deinem Gefährten in den Gebüschen , und ihr blicktet auf uns , und als mein Knecht zu dir kam , lag eine Armbrust neben dir in dem Grase . Wenn ich dir auch das Leben verbürgte , und dich nicht martern lasse , so denke , daß die Strafe durch die Lüge härter wird . « » Es ist alles ein bekläglicher Irrtum « , sagte der Mann , » ich habe immer dem hohen Herzoge Heinrich treulich gedient , und bin belobt worden . Und der hohe Herzog hat verkündet , daß man die Kundschafter fangen , und einbringen soll . Mein Nachbar hat damals vor vier Jahren an dem Tische gesagt , Ihr seid ein Kundschafter ; aber Ihr seid gar nicht zu dem Feinde Leopold nach Österreich geritten . « » Also habt ihr auf dem Wege nach Österreich gelauert ? « sagte Witiko . » Nein « , entgegnete der Mann , » es ist nur erzählt worden . « » Das ist gut « , antwortete Witiko , » und wie war es heute ? « » Als mein Nachbar die Bolzen geschossen hat « , erwiderte der Mann , » hat er gesagt , Ihr seid ein Kundschafter , und kommet von Leopold . Er wollte euch ein wenig ritzen , weil ihr drei waret ; allein seine Pfriemen sind nicht durch Euer Leder und durch das Tuch Euers Knappen gegangen . « » Ihr habt damals im Hauzenberge die Elenhaut meines Panzers zu wenig angeschaut « , sprach Witiko . » Ich habe meinem Nachbar gesagt « , entgegnete der Mann , » daß Ihr ein sehr edler Herr seid , und kein Kundschafter . « » Hat dir dein Nachbar anvertraut , weshalb er auf meinen Knappen geschossen hat ? « fragte Witiko . » Er hat ihn mehr gefürchtet als den andern « , sagte der Mann , » und auf den andern hätte er dann auch noch geschossen . « » Und wenn er uns bloß geritzt hätte , hat er dann gemeint , daß wir uns nicht wehren würden ? « fragte Witiko . » Ihr hättet Euch gewehrt « , erwiderte der Gefangene , » und mein Nachbar wäre davon gerannt , weil ich Euch nicht hätte fangen lassen , da Ihr ein sehr edler Herr und kein Kundschafter seid . « » Von welchem Orte bist du denn auf den Weg zu dem heiligen Ulrich gegangen ? « fragte Witiko . » Von dem Hauzenberge « , antwortete der Mann . » Und hat dir dein Nachbar gesagt , von welchem Orte er in die Büsche gegangen ist ? « fragte Witiko . » Nein , er hat es mir nicht gesagt « , antwortete der Mann , » aber er wird auch von dem Hauzenberge hin gegangen sein . « » Welcher Ort ist deine Heimat ? « fragte Witiko . » Passau , edler Herr « , antwortete der Mann . » Und weißt du die Heimat deines Nachbars ? « fragte Witiko . » Es werden etwa die Innhäuser bei Passau sein « , sagte der Mann . » Und wo bist du denn die letzten drei oder vier Tage oder die letzten Wochen gewesen ? « fragte Witiko . » Ich bin zu Hause gewesen , oder im Hauzenberge , oder in Vilshofen , oder wohin ich eine Botschaft zu tragen gehabt habe , oder wo es eine Arbeit für mich gegeben hat « , sagte der Mann . » Ist dein Nachbar auch in der Gegend gewesen ? « fragte Witiko . » Ich habe ihn hin und wieder gesehen « , antwortete der Gefangene . Witiko rief nun gegen die Leute , die an dem Hause standen : » Ist der Wirt der Herberge bei euch ? « » Ja freilich « , antwortete eine Stimme . » So bitte ich Euch , kommet zu uns an den Tisch « , sagte Witiko . Der Wirt ging zu dem Tische . » Beantwortet mir einige Fragen in Angelegenheiten dieses Mannes , der da gebunden vor uns steht « , sagte Witiko . » Wenn ich sie beantworten kann « , entgegnete der Wirt . » Ist dieser Mann heute schon einmal hier gewesen ? « fragte Witiko . » Er hat am Vormittage hier Käse gegessen « , antwortete der Wirt . » Ist er allein gewesen ? « fragte Witiko . » Nein , es ist noch einer bei ihm gewesen « , sagte der Wirt . » Hat der andere einen grauen Bart gehabt ? « fragte Witiko . » Er hat einen grauen Bart gehabt « , sagte der Wirt . » Sind diese zwei Männer oft bei einander ? « fragte Witiko . » Wie es sich fügt « , antwortete der Wirt , » ich habe sie schon öfter gesehen . « » Sind sie zu vieler Zeit in dieser Gegend hier ? « fragte Witiko . » Sie sind einmal Kriegsknechte des seligen Herzoges Heinrich gewesen « , sagte der Wirt , » sie müssen in der Nähe von Passau zu Hause sein , und werden manches Mal bei uns und da herum gesehen . « » Gehen sie auch über den Wald hinein ? « fragte Witiko . » Das wird sich schwerlich zutragen , weil es dort nichts zu verdienen gibt « , entgegnete der Wirt . » Sind sie in diesem Sommer nicht einmal in einer längeren Zeit abwesend gewesen ? « fragte Witiko . » Ich glaube es nicht « , sagte der Wirt , » sie haben sich in der letzten Zeit sehr oft auf unserer Gasse erblicken lassen . « » Also auch in den letzten zwei Wochen ? « fragte Witiko . » Da gewiß « , antwortete der Wirt . » Ist der Mann an jenem Tische ein Krämer ? « fragte Witiko . » Ja « , sagte der Wirt . » So erweiset mir den Dienst , ihn zu unserem Tische her zu bitten « , sagte Witiko . Der Wirt ging zu dem Krämer , und kam mit ihm zu Witiko zurück . » Ihr seid ein Krämer « , sagte Witiko . » Ja « , entgegnete der Mann . » Ihr reiset wohl in mehreren Gegenden herum ? « fragte Witiko . » Nun , wie es der Brauch ist « , sagte der Krämer . » Beantwortet mir eine Frage wegen dieses Mannes da « , sagte Witiko . » Wenn ich das weiß , um was Ihr fragt « , sagte der Krämer . » Habt Ihr ihn etwa mit einem andern , der einen grauen Bart hat , öfter gesehen ? « fragte Witiko . » Ja , sehr oft « , antwortete der Krämer . » Habt Ihr diese Männer auch in der Weite gesehen , wenn Ihr so herum kommt , auch jenseits des Waldes , in diesem Sommer ? « fragte Witiko . » Sie sind im Frühlinge bis auf diese Zeit herzu von dem Grafen von Formbach eingesperrt gehalten worden « , sagte der Krämer . » Wißt Ihr das gewiß ? « fragte Witiko . » So gewiß , weil ich diesem Manne da Linnen von seiner Mutter bringen mußte « , antwortete der Krämer , » ich habe sie ihm in sein Verlies getragen , wo auch der andere war . « » Kennt Ihr sie genauer ? « fragte Witiko . » Sie kommen zuweilen an meinen Karren , und haben mir nie ein Leides getan « , antwortete der Krämer . » Welche sind ihre Namen ? « fragte Witiko . » Sie heißen beide Heinrich , wie der junge Herzog « , antwortete der Krämer . » Ich danke Euch und dem Wirte für die Antworten « , sagte Witiko . Dann wendete er sein Angesicht gegen den Gefangenen , und sprach : » Ich habe dir vor vier Jahren hier gesagt , daß ich dir einmal einen Dienst erweisen werde . Jetzt ist die Zeit dazu gekommen . Ich lasse dich frei ; aber merke dir : ich bin oft in diesen Wäldern , oft in dem der drei Sessel , und weiter gegen Morgen . Ich werde mir in dem Walde ein Haus bauen , und wenn ich dich einmal mit Waffen in dem Walde treffe , so lasse ich dich auf dem Baume , unter dem du stehst , aufhängen . Sage das auch deinem Genossen . Ich erfülle meine Worte , wie ich sie jetzt erfüllt habe . Raimund , löse ihm die Bande . « Raimund band zuerst seinen langen Strick los , dann entfernte er den Knebel , und löste die Schleife um die Hände . » So , jetzt laufe , so weit dich deine Füße tragen « , sagte er . Der Mann rieb sich mit den Händen die Knöchel , und strich mehrere Male über sein Koller herab . Dann sagte er : » Schönen Dank , schönen Dank . « » Geh « , sagte Witiko . » Ich würde um die Armbrust bitten « , sagte der Mann . » Die Armbrust wird zerbrochen werden « , sprach Witiko , » du , gehe . « » So geh um deines Heiles willen « , rief ihm Raimund zu . Der Mann ging nun von dem Hause weg gegen die Bäume , und wurde dann hinter denselben nicht mehr gesehen . » Zerschlage mit deinem Beile die Armbrust « , sagte Witiko zu Raimund . Dieser zerhieb das Holzwerk der Armbrust und den Strang mit dem Beile . Den eisernen Bogen zerbrach er dadurch , daß er ihn mit der Wölbung nach oben legte , und auf ihn sprang . Da dieses geschehen war , bestellte Witiko Speise und Trank für sich und seine Begleiter . Als sie die Speisen verzehrt hatten , und als die Pflege der Pferde vollendet war , ritten sie wieder weiter . Sie ritten in einer Richtung zwischen Mittag und Abend an Gehölzen , Waldhütten , kleinen Wiesen und Feldern vorüber , und kamen , da die Sonne sich zu ihrem Untergange neigte , gegen die Stadt Passau . Sie ritten über den Hals an die Ilz hinab , neben der Ilz an die Donau hinaus , dann zwischen der Donau und den Felsgesteinen eine Strecke dem Wasser entgegen , bis sie zu einer Brücke kamen . Dann ritten sie über die Brücke in die Stadt . Witiko ritt durch eine lange Gasse , die zwei andern folgten ihm . Er gelangte aus der Gasse auf einen freien Platz , der über die andere Stadt erhöht war . An einer Seite dieses Platzes stand die große Kirche des Hochstiftes Passau . Witiko ritt an der Kirche vorüber in der Richtung gegen Morgen von dem Hügel abwärts . Da kamen sie an ein sehr großes Haus , das eine dunkle Farbe hatte , und in breiten Gliedern gebaut war . Witiko hielt an einer Pforte dieses Hauses an , neigte sich von dem Pferde , und schlug mit dem eisernen Klöppel , der sich an dem Tore befand , drei Mal auf die Eisenschiene , auf welche der Klöppel paßte . Es öffnete sich hierauf ein kleines Türchen in dem Tore , und unter dem Türchen stand ein Mann , der eine veilchenfarbene Haube und ein veilchenfarbenes Mäntelchen hatte , sonst aber in ein gelbes Wams und in gelbe Beingewandung gekleidet war . Er hatte weiße Haare und einen weißen Bart. Dieser Mann sagte : » Was begehret ihr ?