, es gäb aus allem nüt , bsunderbar wo dr Alt so uvrschanti Geding gstellt het . Es hätte gerne was mögen dazu reden , aber es hat sich nicht trauet , hat Kummer gehabt , es müeßt afa pläre u zeige , wies ihm drum wär , oder es chönnt dSach verstöre ; ih ha recht Erbarme mit ihm gha . Und grad so , es düecht mih , ich sehe es , wird ihm daheim gewesen sein , wo du und der Alte die Köpf gegen einander gemacht ; es ist ihm übers Herz cho , und was es so lang vrha het , ist usbroche ; die Meisten , glaub mirs , hätte no wüester ta . « » Mutter , ich will Euch glauben « , sagte Resli , » daß es ihm so gsi ist , aber tue hätts nit so sölle , ih hätt kes Herz meh zun ere Frau , die so Auge macht und kes Wort meh vo re gä will , gäb wie me ahet . Eine schücht das , e Angere dieses , aber selligs ist mir grusam zwider , wo de vor all Lüt chunt un dChilche- und dMäritlüt drvo rede , wie die Frau aber ta heig un usgwüetet , si syg gar nit by re selber gsy meh . « » Höre , Kind « , sagte die Mutter , » du bist unbarmherzig , wegen einem Male willst du das arme Kind verwerfen , welches nicht so getan hätte , wenn es dich nicht so lieb gehabt . Glaub mir , eben die , wo an einer Frau keinen Fehler wollen , die werden am meisten gestraft , eben die , wo nicht genug auslesen können , werden am öftersten betrogen , von wegen , die aufrichtigen Mädchen denken nicht daran , die Heuchlerinnen zu machen , die pfiffigsten aber merken , was Trumpf ist , verstellen sich und führen sie an . Glaub mir , eine ohne Fehler erhaltest du nicht , und wohl dir , wenn du die Fehler vorher weißt . Glaub mir , wenn wir jung sind , können wir alle recht böse werden . Lies aus , wie du willst , behaltest du nicht Geduld und Liebe , übest Sanftmut , wirst ein rechter Mann , den die Frau ästimieren muß , und hilft Gott nicht nach , so hilft dir alles Auslesen nichts . Du hast mich so lieb und willst ds Muster für eine Frau an mir nehmen , willst von einer Jungen fordern , daß sie sei wie eine Alte , die dur so vieles duremüesse het ; Resli , ist das recht ; Glaub mir , wenn du mich jung gekannt hättest , du hättest mich nicht genommen , ich wäre dir z ' wüest und z ' wild gsi . Aber für was ist me uf dr Welt , als für sih z ' bessere ? Du willst das Meitschi vrstoße und denkst nicht , wie es so einem armen Kind sein muß , wenn an einem einzigen Wörtchen sein Glück hanget , und vielleicht das zeitliche und ewige Glück , und das Wörtlein wird nicht gesprochen , und das Glück geht unter , denk dir das ! Und das Mädchen muß da zusehen und darf nicht viel dazu sagen , darf nicht zeigen , wie es ihm ums Herz ist , und soll da gleichmütig bleiben , aber Resli , denk ! Eine Abgefeimte wäre dir um den Hals gefallen und hätte es mit Flattieren versucht , das Meitschi tat aufrichtig , tat , wie es ihm war , und das , Resli , willst du ihm übel nehmen ? Nein , tu mir das nicht , versprich mir , du wollest ihm verzeihen und es wieder suchen . Versprich mirs , denk daran , du hast auch Sünden und mangelst Barmherzigkeit . Das wär no mys einzig Bigehre uf dr Welt , de wett ih gern sterbe . Glaub mr , ih has lang überlegt , ih weiß , was es Hus vrma , in einem andern Haus wär ich auch anders geworden . Es ist i mängem Hus , als ob e guete Geist drin wär , mi cha nit angers , un es wird mr meh un meh , als wenn ih ne gspürti ; wer weiß , viellicht gsehn e bald . « » Mutter , redet nit so , wollt Ihr was ? « sagte Resli . » Wotsch mrs vrspreche , wieder um das Meitschi z ' luege ? « » Mutter , aber wie soll ich , soll ich mich wieder lassen wegjagen wie ein Hund ? Ja , wenn ich ein gutes Wort hätte von ihm ; aber so muß ich glauben , es habe mich nicht lieb , und kein Zeichen hat es seither getan . « Da sah er einen eigenen Schein fahren über der Mutter Gesicht , sie faltete die Hände , er erschrak . » Mutter , Mutter , was hast ? « frug er . Er sah ihre Augen gegen die äußere Stube blicken , dorthin deutete sie ; er sah sich um , dort stand in der Zwischentüre , den Kopf an den Pfosten gelehnt , sein Meitschi , Arme Mareili , blaß , mager , und weinte bitterlich . Da stand Resli , als ob ein Geist vor ihm stünde , weder Laut noch Schritt stund in seiner Macht . Da streckte Anne Mareili ihm die Hand entgegen . » Bring mrs « , sagte Änneli leise . Was sie gebot , tat Resli willenlos , und Änneli faßte Beider Hände und sagte : » Jetzt sehe ich , daß ich Gott lieb bin ; was ich noch gewünscht , hat er mir gegeben . Jetzt bleibt beisammen , seid treu einander , seid aufrichtig , und was eins im Herzen hat , das zeigs dem Andern , daß es kein Mißverständnis gebe . Mißverständnisse sind schröcklich , sie wachsen mitten aus der Liebe heraus , sie wachsen zwischen die Herzen hinein und sprengen sie von einander . Sinnet daran , denket an uns und habt einander immer lieb , denket dra , ih luege uf ech . - Resli , gang lauf , rüef se , es duret nimme lang , ih gspüres - es wird mr so kalt , ih möcht se no alli gseh . Lauf , spring ! « Als er draußen war , frug Änneli Anne Mareili : » Gäll , du hest mr ne lieb un lebst ihm zGfalle ? « Da sank Anne Mareili vor dem Bett auf die Knie und schluchzte : » O Mutter , o Mutter , Ihr seid kein Mensch , ein Engel seid Ihr ; oh , wenn ich sein könnte wie Ihr ! « » Nein , kein Engel , e schwache Mönsch « , sagte Änneli , » aber üse Herrgott macht mih viellicht drzue . Wennd dr Wille hest u nit vo üsem Heiland last , su wirst o eine , wirst besser als ih , du hest e herteri Schuel gha als ih . - Lieb mr ne geng u bis ufrichtig , er ist mr o grusam lieb gsi , ume z ' lieb , aber er ist on e Guete , e bessere Bueb gits nit uf dr Welt . - Gäll , du hest mr ne lieb u schickist dih in e ! - Glaub mr , es geiht dr guet , du weißt no nit , wie guet er ist u wie er es Herz het . - Es het mih hert von ihm , er ist mr lieb , ih chas nit säge , aber üse Herrgott wird mrs wohl vrzieh , er het mr ne ja gä . - Häb mih e weneli , ih möcht ufsitze . - Es wird mr so wunderlich , so kalt , und doch so heiter vor de Auge ; geiht mr scho di anderi Welt uf ? - Wenn si doch käme , ih würd se gern gseh , alli bi enander ; e nu so de , so han ih doch dih gseh . - Wenn er krank wird , gäll , du hest Sorg zun ihm und wehrst ihm ds Werche ab ? - Ghörst nüt , chöme si ? - Wenn si nume chämte . - Deck mih besser , es ist , als wetts mih früre ums Herz . - Wennd zornig wirst , erzeigs nit , gang dänne u bet es Vater Unser ! - O Gott , Gott , witt mih , es düecht mih , ih gseyh my Muetter ! « Da kamen die Gerufenen , weinend , in voller Hast . Anne Mareili erschrak , wollte Platz machen am Bette , es war ihm , als hätten die Andern näheres Recht , es ward ihm auf einmal wieder so fremd und leid ums Herz . Aber Änneli hielt seine Hand und sagte leise : » Üses King ! Heits lieb ! Es ist jetz di neui Muetter . - Zürnet mir nüt u sinnet allbeeinist a mih ! - U du , bhäb mih lieb « , sagte Änneli zu Christen , » ih will dr on es Plätzli sueche im Himmel . « - Dann nahm es seine Hände zusammen , die blassen Lippen bebten , in eigenem Glanze schlug es seine Augen empor . So betete es leise , leise neigte sein Haupt sich auf die Seite - um eine gute Frau , um eine gute Mutter war die Erde ärmer . Schluß Meine günstigen Leser werfen mir so oft vor , meinen Erzählungen fehle der Schluß , daß ich genötigt bin , die Schlüsse förmlich herzusetzen . Ich beginne also hier damit , da auch hier der gleiche Tadel sich erheben könnte . Allerdings ist die Neugierde in Beziehung auf die persönlichen Verhältnisse nicht vollständig befriedigt ; die Umstände , welche Anne Mareili an der seligen Mutter Bette brachten , sind nicht angegeben , Änneli ist nicht zur Erde bestattet , die Hochzeit von Anne Mareili und Resli nicht gefeiert . Das alles hätte sich wohl erzählen , einschalten lassen , wenn der Verfasser bloß die Neugierde seiner Leser im Auge hätte . Aber er ist untertan einem eigenen Geiste , der in jeder Erzählung lebendig wird , sie leitet und schließt ; der Verfasser kann eine Erzählung beginnen , aber dieser Geist ist es , der sich ihrer bemächtigt und sie gestaltet nach seinem Willen . Es ist dieser Geist ein eigentümlich Wesen , er war es , der mit Ännelis Tod einen freundlichen Schlußstein setzte der Erzählung » Geld und Geist « , welche die Leser so freundlich aufgenommen . Das Betragen des Kellerjoggi und des Dorngrütbauern , Anne Mareilis Leiden und das Ereignis , welches ihns nach Liebiwyl brachte , hätten den Schloß nur getrübt , freilich den Gegensatz greller gemacht , aber vielleicht neue Klagen über die Länge der Erzählung erzeugt , zum Verständnis des Ganzen , zur Verklärung des Bildes einer guten Mutter nichts beigetragen . Die Leute sind manchmal wunderlich , klagen bald über Kürze , bald über Lange ; teilweise ist es mir schmeichelhaft , teilweise wohl peinlich Es läßt sich Holz nach Schuhen messen , Kopistenarbeit nach der Seitenzahl , aber wie lang sein Kind werden wird , weiß kein Vater , und wenn dasselbe über Gebühr auswächst , ein Mädchen z.B. über sechs Schuh hinaus , so wird kein Vater zu finden sein , der den natürlichen Wachstum künstlich oder gewaltsam hemmt , unten oder oben abhaut . Freilich mögen Körperteile zu kurz oder zu lang sein ; aber wo ist der Vater , der vollständiges Ebenmaß in seiner Gewalt hat , und wo ist der Vater , der Verkürzungen und verunstaltende Verlängerungen immer richtig erkennt ; erkennen es doch die Leser selbst nicht , denn wenn man ihnen das Urteil überließe , wo abzuschneiden , wo zuzusetzen sei , so würden sie vielleicht nach langem Reden darin einig werden , das Ding sein zu lassen , wie es von Anfang gewesen . Es wäre leicht möglich , in einigen folgenden Bändchen den Tod des Dorngrütbauern zu zeichnen , den Gegensatz zu zeigen zwischen dem Tod im Geiste und dem Tod im Gelde ; aber eben der Geist weigert sich dessen . Erstlich weil er sich Ännelis Tod nicht trüben lassen , weil er zweitens nicht von sich sagen lassen will , er hätte es , trotzdem daß er im Geist sei , doch nur aufs Geld abgesehen . Somit ist die Erzählung » Geld und Geist « vollendet . Über den Verhältnissen stehen die Persönlichkeiten , wie über der Neugierde die Liebe . Sollte es mir gelungen sein , den in vorstehender Erzählung aufgestellten Persönlichkeiten Leben einzuhauchen , Leben , welches Leser lieb gewonnen , lieb gewonnen wie das Leben werter Bekannter , teurer Kinder , welches sich entwickeln zu sehen zu den wesentlichsten Lebensgenüssen gehört , so daß man im Geiste sie fortbildet , auch wenn Gott den Faden derselben abbricht , die Erscheinung löscht , sie andershin versetzt : so steht der Entwicklung dieser Leben in neuem Rahmen nichts im Wege als zwei Dinge : Erstlich das Mißtrauen , als ob solche Erzählungen ebenso viele Schrepfhörner sein sollten , angesetzt den Finanzen des Publikums . Der Verfasser sagt es dem Publikum frank und frei ins Gesicht , daß er weit mehr zu des Publikums Nutzen zu schreiben glaubt als zum eigenen . Zweitens der Kopf des Verfassers und die Zeit , welche Gott ihm gibt . Dieser Kopf ist ungeordnet , unorganisiert , treibt allerlei einem neu aufgebrochenen Acker gleich , dessen wilde Triebe nicht gezähmt und geregelt worden ; die Zeit aber des Ausführens wird kaum mehr lange dauern , denn spät ward der Acker aufgebrochen , eine beschränkte Zeit hat jede Jahreszeit . Wie kein Jahr nur aus einem Frühling besteht , welcher Leben , und einem Sommer , welcher die Reife bringt , sondern auch aus einem Herbste , in welchem wohl manches keimet , aber für einen andern Sommer , und einem Winter welcher die feierliche Ruhe bringt zur Sammlung für den andern Sommer : so werden die Leben selten gefunden , welche die schaffende Kraft und die Wärme , welche zur Reife das Geborne führt , bis zu ihrem Ende bewahren . Wie nahe dem Verfasser der Herbst schon ist , der Saaten keimen läßtt doch nur für einen andern Sommer , wie nahe der Winter der nichts mehr gebiert , sondern das Geborne nur wahre für das neue Gottesjahr , das weiß eben Gott alleine .