und Leben dem Werke Gottes geweihet . Der Ritter fühlte sich überwiesen , die Verlobung mit Helena wurde gleich vollbracht ; noch eine Nacht erbat er sich vor der festlichen Verheiratung . Als er allein war , da wünschte er zu sich die geliebte Frau ; sie erschien , aber ihr fröhliches Auge war in Tränen erloschen , nicht bloß ihr Haar , ihr ganzes Kleid war genäßt ; sie konnte kein Wort sprechen , als sie den Ritter an sich drückte . Ach weh , daß ich zu Ruhm gekommen , daß mich ein fürstlich Weib genommen , so rief der Ritter und die Meerfeie schluchzte , daß er ihr nicht mehr gefolgt sei ; in dreien Tagen , da sei er tot und sie verfalle in der Liebe Bann . Die drei Tage solle er fröhlich genießen , am dritten Tage wolle sie ihm zeigen den Fuß , auf den er sie zuerst geküßt , daß jedermann ihn sehen könne zum Zeichen , daß sie kein Hirngespinst sei . Und da umfingen sie sich zum letzten Mal , und da sagte er : Ach Sterben ist nun mein Gewinn , weil ich nimmermehr bei dir bin . Schon klang es im Schlosse von der verhaßten Hochzeitfeier ; sie verschwand , Lärmen und Pracht , Wein und Liebkosungen machten ihn bald der Drohung wie eines Traums vergessen . Die Vermählung geschah feierlich ; der alte Kaiser begrüßte die Neuvermählten am folgenden Morgen , wie sie Arm in Arm , von Freuden müde an einander eingeschlafen waren , und brachte ihnen kostbare Mäntel und Rüstung , fand aber die ganze Decke des Bettes mit so kostbaren Perlen gestickt , daß seine Geschenke davor ganz ärmlich erschienen . Diese Perlen waren die Tränen der verlassenen Meerfeie und der Ritter erkannte sie wohl beim Erwachen ; wo aber kein Ausweg zu finden , da schreitet der Mutige vorwärts , und so verging auch der zweite Hochzeittag in Lust , und am andern Morgen fand er die Decke so reich mit Perlen besetzt , daß sie ihn fast erdrückte . Am dritten Hochzeittage endlich , als eben die Gäste scheiden wollten , da durchstieß etwas die Decke , über der das Brautbett gestanden ; dem Ritter entfiel der hohe Pokal , er und alle Anwesenden erblickten einen wunderschönen Weiberfuß , wie ihn Helena wohl nicht zeigen konnte , so schön sie übrigens war . Allmählich befiederte sich das schöne Bein , - bald drang eine Seemöwe an der Stelle ins Zimmer , die es mit Jammergeschrei umkreiste , und sich dann durch das offene Fenster in den Rheinstrom stürzte , der immerdar nach dem Meere läuft . Der Ritter erkrankte während dieses Gesichts ; alles floh , nur seine Helena blieb bei ihm , und wartete seiner bis er den Geist aufgegeben . Sie bauete ihm ein Denkmal : sein schönes Bild , wie er von den Fluten fortgerissen , mit seinem Ritterschwerte , das da wurzelt und grünt , von der Erde festgehalten wird . An diesem Denkmale wurde sie mit dem Beistande einer fremden Frau von einem Knaben entbunden , den sie nach dem Vater nannte ; die unbekannte schöne Frau brachte ihr , statt einen Dank zu verlangen , mit vielen Tränen ein Töchterlein von zwei Jahren , Sigelinde : und bekannte ihr , daß es des Ritters Tochter von ihr sei , und da verschwand sie als ein Vogel und versank unten im Rhein . Helena hatte also zwei Kinder ihres Ritters , die sie in frommer Liebe erzog , die aber beide früh eine mächtige Lust zu einander zeigten , daß sie beide trennen mußte . Den Knaben nahm der Kaiser nach Sizilien und gab ihm dort den Titel eines Prinzen von Palagonien , die Tochter wurde bald darauf Eurem edlen Ahnherren vermählt . « - » War Euer Geschlecht mit Glück gesegnet ? « fragte der Mönch die Fürstin zum Schlusse . Die Fürstin errötete und sprach : » Vor allen war es glücklich , bis ich bin eingetreten ; mein entarteter Sohn , der sich einem wilden Leben ergab , verleugnete den Segen seines Hauses . « - Der Mönch fuhr fort : » Ganz anders erging es dem männlichen Stamme dieses Hauses in Sizilien ; sein Unglück ist ein Irrgarten , jede Ehe war mit Mord bezeichnet ; es ist keiner in dem Hause , der nicht entweder sich oder einen der Seinen umgebracht hat . Dem jetzigen Prinzen , der durch frühes Unglück seine Eltern verloren , dem Letzten seines Hauses , wurde in einer ängstlichen Erziehung eine so gewaltige Scheu vor den Menschen , vor jedem Unternehmen beigebracht , daß er nie zu etwas kam , sobald er etwas dabei tun sollte , und nie etwas annehmen mochte , was ein andrer für ihn tat ; so verzögerte er in gewaltsamer Anstrengung seines Geistes jedes Unternehmen , bis es unmöglich auszuführen war . War eine Stelle eben besetzt , so wünschte er sie sich , die er vorher ausgeschlagen . Er liebte , und wurde geliebt , aber er konnte sich zu keinem Worte entschließen , dieses auszudrücken ; seine Geliebte starb aus Gram darüber ; ihre nachgelassenen Worte der Liebe zerrissen sein Herz . Er beschloß in sich seinen unglücklichen Stamm zu vertilgen , der nur Unglück erfahren und Unglück gebracht hatte ! In stiller Verzweiflung zog er sich von allen Menschen zurück ; aber seine Schönheit , sein Verstand zogen manche zu ihm , sein Reichtum brachte ihm vielen Zuspruch ; so beschloß er mit seinem Reichtume etwas zu begründen , das die Leute von seiner Schönheit abschreckte , indem es ihm den Ruf des Wahnsinns gebe ; so entstand der berufene Palast , der wohl eine Menge Neugierige für ein paar Stunden herbeizieht , aber sie alle sehr bald ermüdet und zurück weist . Als die Maurer diesen Palast bis zu der Höhe aufgerichtet hatten , daß er vom Meere gesehen werden konnte , da haben sie eines Morgens eine weibliche schöne Gestalt auf einer Klippe sitzen sehen , die mit grünen Augen auf den Bau geblickt , während sie ihr nasses Haar mit den Fingern durchzogen ; ihr Haupt wurde dabei von Meervögeln mit klagendem Geschrei umkreiset . Als sie verwundert zu ihr hingeblickt , ist sie untergetaucht . Ob der Prinz dieses Meerweib gekannt , läßt sich nicht bestimmen ; er habe sich nicht verwundert und gleich gesagt , ob es nicht sechs Uhr Morgens gewesen , welches sie alle bejaht . Nach einiger Zeit hat der Prinz ein paar Fischermädchen , die gut schwimmen konnten , im Singen unterrichten lassen , daß sie nahe bei dem Landungsplatze die Fremden als Sirenen begrüßen . Es ist ein Gerede unter den Menschen , daß er einen nächtlichen Umgang mit dem Meerweibe habe , wenigstens schifft er sich oft Nachts ganz allein , selbst wenn es stürmt , in einem Boote ein , fährt auf die Höhe , und kommt erst nach Sonnenaufgang zurück ; ich weiß nichts davon , aber ein Schiffer , der ihm dies Boot in Ordnung hält , sagte in der Beichte , daß er einst zwei schöne Perlen darin gefunden , die er sich zugeeignet und für tausend Zechinen verkauft habe . Andre sagen , es sei die Sibylle von Marsalla , mit der er zu tun habe , gewiß ist dort der einzige Ort , wo er sich am Abende vor dem Johannisfeste in der bekannten Grotte einfindet , von dem wunderbaren Wasser trinkt , und in die schallende Höhle wunderbare fremde Worte ruft , die ihm eben so wunderbar beantwortet werden . Viele Menschen , die von Wundern nichts halten , sagen , daß er in geheimer Verbindung stehe mit der berufenen Tuneser Seeräuberkönigin Onanide , die alle Monat ihm einen Besuch ablegen soll ; gewiß ist , daß an einem Tage im Monat , welchen der Mondenlauf bestimmt , sein Schloß nächtlich erleuchtet ist ; aber keiner seiner Leute darf bleiben ; er läßt sie hinaus , und zieht selbst die Zugbrücken auf . Nach jeder solchen Nacht schickt er in der ganzen Gegend Geschenke aus , meist fremde Sachen , die hier nie gesehen , die niemand brauchen kann . So sendete er im vorigen Monate große schöne Schränke in unser Kloster . Wir öffneten sie mit großer Neugierde ; aber denken Sie sich , was wir in den Schiebekasten fanden : Felsstücke , sauber eingepackt auf Baumwolle gelegt ; kein einziger kostbarer Stein war darunter . « - » Das wird eine Mineraliensammlung sein « , sagte der Graf , » die wäre mir willkommen , ich habe gerade darin am meisten nachzuholen und nachzulernen . « - Der Mönch versicherte , daß ihm diese Sammlung gegen irgend ein Geschenk , das zum Kirchendienste taugte , gern überlassen werde ; der Graf wurde darüber sehr heiter und fast ungeduldig sie zu besitzen . Die Fürstin äußerte , daß die wunderbare geahndete Verbindung des Prinzen vielleicht eine Muse sei : ein gänzliches Ergeben an Studien , denn dies Geschenk sei gar zu wissenschaftlich für eine Meerfeie , oder für eine Seeräuberin . - » Nein « , sagte die Gräfin , die alles Allegorische haßte , was ihr eine geglaubte Wirklichkeit entrückte , » es ist gewiß eine Meerfeie , welche ihrem Freunde von den untergegangenen Schiffen alles Herrliche verehrt . « - Darüber verloren sich die andern in Wünschen nach diesen untergegangenen Schätzen ; einer wollte Michael Angelos Zeichnungen zum Danke , ein andrer Hamiltons Vasen ; die Fürstin aber meinte , wenn ihr niemand wiederschaffen könne , was an Kunstwerken in Feuer aufgegangen , von der Erde verschüttet sei , so möchte das Wasser immer seinen Teil behalten , manches solle nun einmal der Welt verloren gehen . Gleich den folgenden Tag fuhr der Graf mit einem schönen Altarbilde nach dem Kloster , das ihm ein junger Maler Grimm aus Deutschland zurückgelassen hatte ; es stellte die Einsetzung des Abendmahles dar ; die Köpfe der Apostel waren meist Gesichter seiner Bekannten im Schlosse . Die Mönche waren sehr erfreut über den Tausch , und der Graf ließ den Wagen voll Schränke , wie im Triumphe , mit Musik zu sich einfahren . Die Fürstin , die alles ergriff , was ihm Vergnügen machte , bat es sich aus , daß die Sammlung in ihrem Hause aufgestellt werde ; der Schreiber , welcher gute Kenntnisse von den neueren mineralogischen Systemen hatte , solle sie in seinem Zimmer durchsehen und ordnen . Der Graf willfahrte ihr und lebte , in der Sammlung vertieft , halbe Tage in ihrer Nähe . Lächeln mußte er , als er auch in dieser Sammlung die Besorglichkeit des Prinzen vorscheinen sah ; die giftigen Metallkalke waren alle schon im Äußeren des Schiebkastens mit dem Zeichen des Totenkopfes und der Knochen aller leichtsinnigen Neugierde , die sie unvorsichtig abreiben könnte , verwarnt . Nach einiger Zeit wurde von Anselmo , dem Mönche , der die fabelhafte Geschichte des Prinzen nach sizilianischer abergläubischer Art vorgetragen hatte , die Nachricht gebracht , der Prinz wünsche die Fürstin zu sprechen , er hätte ihr etwas Geheimes zu eröffnen . Die Fürstin schlug es ihm aber für immer ab ; seit sie sich in so heimliche Verbindung verstrickt hatte , mied sie alle heimliche , wahrsagende Menschen , Kartenleger , Zigeunerinnen , selbst die Sibyllenhöhle bei Marsalla . Bald darauf glaubte man den Prinzen in der Nähe verkleidet gesehen zu haben ; der Graf wollte ihn deswegen besuchen , er verschob es aber so lange , bis es zu spät war . - Der Prinz schickte ihm nach einiger Zeit einen schön gemalten Stammbaum , der seine Verwandtschaft mit der Fürstin bewies . - Der Graf hörte zuweilen bei der Fürstin ein wunderliches ängstliches Geräusch - wohl dem , der im Bösen die geheime Warnung versteht , ihr schien es ein leerer Schrecken . Einmal stand die Gräfin dicht hinter ihr ; sie hatte nichts kommen hören , weil sie über des Grafen Schulter lag , der vor den Mineralien saß und ordnete , kleine Zettel anklebte , und im Anschauen verloren war . Die Fürstin schrie auf ; sie meinte , es wäre wieder jenes Geräusch , das sie umgebe , und der Graf strafte zärtlich seine Frau , wie sie so erschrecken könne ; wirklich ist das Leisegehen eine Art Falschheit oder Bosheit , aber die Gräfin war laut aufgetreten , der Graf war nur in den Mineralien , die Fürstin in ihm vertieft . Aber ist es nicht bedeutend , wenn uns zufällig das Bekannte durch seine unerwartete geliebte Nähe erschreckt ? Die Gräfin hing diesem Gedanken nach ; ihr war , als hätte sie etwas sehr Ähnliches , was sie dort erblickt , in früherer Zeit gelesen ; sie suchte unter ihren längst vergessenen deutschen Büchern nach , und fand im vierzigsten Teile von Wallers sämtlichen Schriften folgende Versuchungsgeschichte bei seinen mineralogischen Wanderungen , die wir als eine Darstellung Italiens hier auch wohl dulden mögen , wenn sie gleich unsre Geschichte unterbricht . Was ist uns denn in einer Geschichte wichtig , doch wohl nicht , wie sie auf einer wunderlichen Bahn Menschen aus der Wiege ins Grab zieht , nein die ewige Berührung in allem , wodurch jede Begebenheit zu unserer eigenen wird , in uns fortlebt , ein ewiges Zeugnis , daß alles Leben aus Einem stamme und zu Einem wiederkehre . Warum sind doch die Leser meist so ungeduldig , warum muß ich hier Ereignis auf Ereignis zusammendrängen und von der liebevollen Erziehung der Kinder , wie Dolores und Klelia sie ihnen geben , muß ich ganz schweigen , um mich nicht in unendlicher Betrachtung zu verlieren . Überschlagt nicht diese lehrreichen Verse . Elegie aus einem Reisetagebuche in Schottland Genua seh ich im Geist , so oft die unendlichen Wellen Halten den Himmel im Arm , halten die taumelnde Welt ; Seh ich die klingenden Höhlen des nordischen Mohrenbasaltes , Glaub ich die Erde gestützt auf den Armen der Höll ; Dann , dann sehne ich mich in deine hellschimmernde Arme Weißer carrarischer Stein , kühlend die schwülige Luft , Denk ich der Treppen und Hallen von schreienden Menschen durchlaufen Keiner staunet dich an , jedem bist du vertraut . Sage Vertraulichkeit mir , du innere treu mir gehegte , Was zum Norden mich trieb , ach und du schweigest beschämt . Meine Begleiter , die rufen sich Geister des Fingal im Echo , Und ich denke mich fern , hin nach südlichem Land , Liege am Felsen gestreckt mit zierlich gebundenem Tagbuch , Und verlange vom Geist , daß er was Gutes bescher ! Fingal , das klinget schon wieder so hell , mir wird doch so trübe , Frierend wähn ich mich alt , Jugend verlorene Zeit ! Dreht sich die Achse der Welt ? Wie führt mich Petrarka zu Fingal , War es doch gestern , ich mein , daß ich nach Genua kam . Ja dort sah ich zuerst das Meer , das nun mehr mir grauet , Weil es vom Vaterland mich , von den Freunden mich trennt ; Damals von der Bocchetta herab in des Frührots Gewühle Sah ich die Hoffnung darauf , weichlich im schwebenden Bett , Nicht am Anker gelehnt , nein sorgenlos schlummernd , sie dreht sich , Daß die Schifflein so weiß , flogen wie Federn davon ; Lässig band sich vor mir die Göttin das goldene Strumpfband , Zweifelnd , daß frühe so hoch steige der lüsterne Mensch . Und so stehend und ziehend am Strumpfe sie lebte und schwebte Wie ein Flämmelein hin über die spiegelnde Welt . » Fiametta ! « ich rief , mir schaudert , sie faßte mich selber , Ja ein Mädchen mich faßt , lächelnd ins Auge mir sieht ; » Ich bin ' s ! « sagte sie peitschend den buntgepuschelten Esel , Daß aus dem ledernen Sack schwitzte der rötliche Wein : » Esel , du kennst schon den Weg zum Markte der glänzenden Hauptstadt , Mit Laternen zur Nacht stiegest du gestern erst hier . Lieber , was willst du ? « sie fragt , » du riefest mich eben bei Namen ? « Wenn sie nicht Blicke verstand , Worte , die wußt ich noch nicht ! Der Beschämung sich freuend , sie strich mir die triefenden Haare , Tau und Mühe zugleich hatten die Stirne genetzt , Wie ein Bursche der Schweiz ich schien ihr nieder zu wandeln , Um zu suchen mein Glück und sie wollte mir wohl . Als sie den Stein erblicket , den sorglich in Wissenschaftsliebe Auf den Händen ich trug , daß der Anbruch nicht leid ' , Rötlicher Feldspat es war mit köstlich großen Kristallen , Wie er nirgends als dort schmücket den alten Granit ; Ei da lachte sie laut , und riß mir den Stein aus den Händen , Warf ihn über den Weg , daß er zum Meere hinrollt , Und dann spielte sie Ball , sich freuend meiner Verwirrung Mit der Granate , die schnell kehrte zu ihr aus der Luft ; Nicht der schrecklichen eine , die rings viel Häuser zerschmettert , Doch die feurige Frucht , mystisch als Apfel bekannt . Und ich sprach ihr in Zeichen so zärtlich ich immer vermochte , Küßte die innere Hand , warf dann mein Küßlein ihr zu . Und sie verstand mich doch wohl ? O Einverständnis der Völker , Das aus Babylons Bau blieb der zerstreueten Welt , Suchte doch jeder den Sack beim brennenden Turm und fragte , Also blieb auch dies Wort » Sack « all den Sprachen gesamt . - Ob der Esel auch eilte so schnell mit dem Sacke hernieder , Doch die Liebe versteht jegliche Zeichen geschwind , Die sie niemals gebraucht im Blick in guter Gebärde , Sei es in südlicher Glut , sei es auf nordischem Eis . Folgend dem trabenden Esel , sie blickte sich um so gelenkig , Die Granate entfiel , und ich ergriff sie geschickt ; » Kühle vielliebliche Frucht , einst Göttern und Menschen verderblich , Wohl du fielest auch mir , zauder ich , wo ich gehofft ? « Doch ich zögerte noch , gedenkend an Helena traurend , An Proserpina dann , beide erscheinen mir eins Mit der Eva , da wollt ich die Frucht verscharren der Zukunft , Daß nur dies Heute , was mein , bleibe vom Frevel befreit , Daß ich dem Zufall vermag zu treiben die Kerne in Äste , Daß ich dem Zufall befehl , daß er die Blüte verweht . Aber da mocht ich nicht wühlen im Boden voll zierlicher Kräuter , Jegliches Moos noch so zart , drängte sich üppig zum Tag . Zweiflend ging ich so hin , sie schwand mir , da stand ich am Meere , Fern mich weckte ihr Ruf , daß ich nicht stürze hinein . » Nein zu seicht ist die Küste , sie würde nicht bergen den Apfel , Nur die Tiefe des Meers birgt ein unendlich Geschick . « Also kam ich zum Meere und sahe die Fischer am Fischzug , Springend durch kommende Well , ziehend ein bräunliches Netz , Rot die Mützen erschienen wie Kämme von tauchenden Hähnen , Fischer in Mänteln ganz braun , schrieen als jagten sie die . Andere stießen halbnackt ins Meer die schwarze Felucke , Trugen die Leute hinein , die nach Genua ziehn . Ach da entschwand mir die Schöne hinter den grünenden Bergen , Zweiflender stand ich nun da , alle dort gingen zu Schiff . Auch mich trugen sie hin , ich dacht nur des Apfels des Bösen Und des unendlichen Meers , das mich zum erstenmal trug . Wie sie enthoben das Schiff , begann bei dem Schwanken und Schweben Daß mir das Herz in der Brust , recht wie vom Heimweh zerfloß ; Durch die fließenden Felsen erscholl dann ein liebliches Singen Ich verstopfte das Ohr , war vor Sirenen gewarnt . Bald belehrte ich mich , es sang ein Weiblein im Schiffe , Das im Mantel gehüllt deckte vier Knaben zugleich , Wechselnd die Hände bewegt sie im Takt wie Flügel der Windmühl , Und als Zigeunerin singt , wie sie Maria begrüßt ; Sagt die Geschick ihr voraus des heiligen Kinds , das sie anblickt , Als es im Kripplein noch lag , Öchslein und Eslein es sahn ; Zeigt ihr den himmlischen Stern , dem Hirten und Könige folgen , Alles das sah sie sogleich an den Augen des Herrn ; Auch das bittere Leiden , den Tod des Weltenerlösers , Hebt er den Stein von der Gruft , von der Erde den Leib . - Alles Verderben mir schwand , ich sahe das Böse versöhnet , Statt zur Tiefe des Meers , warf ich den Kindern die Frucht , Die begierig zugleich all griffen und fingen sie doch nicht , Denn sie fiel in den Schoß , der sie alle gebar . » Engel , versöhnt ihr das Herz , das tief arbeitende böse , O so versöhnt auch die Frucht und vernichtet sie so . « Dankend die Mutter sie nahm , hellsingend sie öffnet die Schale , Nahm mit der Nadel heraus jeglichen einzelnen Kern : Wie im Neste die Vöglein , also im Mantel die Kinder Sperren die Schnäbel schon auf , ehe ihr Futter noch nah , Also sie warten der Kerne mit offenem Munde zur Mutter Und die Mutter verteilt gleich die kühlende Frucht . Doch da tobte herab ein Sturm aus schwarzem Gewölke , Weil es den Teufel verdroß , daß ich die Frucht ihm entwandt ! Wälze dich schäumendes Meer , ich habe die Frucht dir entzogen , Nichts vermagst du allhier , schaue die Engel bei mir ; Stürze die Wellen auf Wellen , erhebe dich höher und höher , Du erreichest uns nicht , höher treibst du uns nur . Schon vorbei dem brandenden Leuchtturm schützt uns George , Der in sicherem Port zähmet den Drachen sogleich ! - Liebliche Ruhe des Hafens nach wildem Gesause der Stürme , Dann erst siehet man ein , wie es auf Erden so schön ! Wie von Neugier ergriffen , so heben sich übereinander Grüßend der Straßen so viel , drüber erhebt sich Gebirg , Höher noch Heldengetürm , da wachet der Festungen Reihe , Schützet uns gegen den Nord und wir schweben im Süd . Ei wie ist ' s ? Ich glaubte zu schauen und werde beschauet , Amphitheater erscheint hier die Erde gesamt : Spiel ich ein Schauspiel euch vor , ihr bunten Türken und Mohren , Daß ihr so laufet und schreit an dem Zirkus umher ? Kommen von Troja wir heim , am Ufer die Frauen und Kinder , Kennen den Vater nicht mehr , freuen sich seiner denn doch ? Also befreundet ich wandle auf schwankendem Boden und zweifle , Aber sie kennen mich bald , bald erkenne ich sie . » Fingal « und » Fingal « , da rief ' s schon , muß ich erwachen in Schottland Bin ich noch immer kein Held , bin ich noch immer im Traum ? Muß heimkehren zur Erdhütt , keinen der Menschen versteh ich , Muß mir schlachten ein Lamm , rösten das lebende Stück , Mehl von Hafer so rauch mir backen zum Brote im Pfännchen Und des wilden Getränks nehmen viel tüchtige Schluck . Wanderer Mond , ach du schreitest die stumpfen Berge hinunter , Nimmer du brauchest ein Haus , dich zu stärken mit Wein ; Alle die Wolken , sie tränken dich froh mit schimmernden Säften , Ja dein Überfluß fällt , tauend zur Erde herab , Nimmer du achtest der gleichenden Berge und Gräser und Seen , Denn im wechselnden Schein , du dich selber erfreust ; Siehe mein Leiden , o Mond , durch deine gerundete Scheibe , Schmutzig ist Speise und Trank , was ich mir wünsche , das fehlt . Die Gräfin las diese Verse mehrmals und gewann dadurch mehr Zutrauen zu dem Grafen in seinem Verhältnisse zur Fürstin . Wieviel edler ist er als Waller , dachte sie ; zum erstenmal fühlte sie auch ein Bewußtsein , als sei ihr Fehler in ihren Kindern abgebüßt . Heiliger Gott , was hast du den Dichtern für Kraft verliehen in der Welt ! Der folgende Tag war der dreizehnte Geburtstag des frommen Johannes . Dolores wurde in der Erinnerung jener früheren Zeit wieder sehr gerührt , noch mehr aber durch die Abwesenheit dieses Sohnes , der sein Kloster in dem letzten Jahre nicht verlassen durfte ; sie betete lange in der Schloßkapelle und es schien ihr , als wenn ihre Bitte ihn zu sehen , gewährt werden müßte . Wirklich trat Johannes mit zweien Ordensgeistlichen , kurz nach ihrer Zurückkunft ins Zimmer , in den Kreis ihrer Kinder , die beschäftigt waren , ihm die gewohnten Geburtstagsgeschenke , prächtige Blumensträuße mit schönen Bändern , Zeichnungen , Verse einzupacken , um ihm alles nach dem Kloster zu senden . Alle liefen mit Jubel auf ihn zu , besonders eine Schwester Hyolda , mit der er sonst eine besondere Vertraulichkeit gehalten ; aber den ersten Kuß schon verhinderte die Verwunderung , wie er sich verändert habe . Er war nicht gewachsen , hatte aber in dem letzten Jahre seiner Abwesenheit seine männliche Bildung ganz beendigt ; der Kirchendienst und die Frömmigkeit hatten die starre Heftigkeit in ihm vernichtet ; er drückte niemand mehr an sein Herz , daß er aufschrie , und stieß keinen von sich , daß er weinte ; mit einer anständigen Güte , die den Geschwistern als Kälte erschien , begrüßte er alle . Hyolda war untröstlich , sie weinte , daß er sie nicht mehr liebe , und verließ rasch das Zimmer . Johannes fragte nach dem Vater ; der war aber schon sehr früh in Geschäften ausgeritten . Die Ordensgeistlichen hatten unterdessen der Mutter erzählt , daß Johannes durch seine frühe Reife in Kenntnissen , Sitte und Heiligkeit heute die Priesterweihe sich erworben habe ; sie war entzückt über die Gnade des Himmels , die ihr ein so wunderbares Kind verliehen ; sie schlichtete den Streit der Geschwister über ihn , indem sie allen anbefahl , ihn als ein geheiligtes Mitglied des Ordens mit ihren kindischen Grillen zu verschonen . Keines von den Kindern wußte recht zu begreifen , wie der Johannes , den sie alle so genau zu kennen glaubten , nun plötzlich etwas anderes geworden ; er suchte ihnen alles in Liebe und Güte deutlich zu machen , fand aber noch weniger Berührungen wie sonst wenig Mitteilung mit ihnen , machte sich deswegen von ihnen los und schlich in den Garten zu seinen ehemaligen Anlagen . Mit Wehmut fühlte er da , daß sie alle wie ein fremdes Werk , wie eine ferne Zeit vor ihm lagen , und kam in solchen Gedanken an den Fluß Skamander , der den herzoglichen Garten durchschneidet , indem er sich über Felsen herabstürzt . Er setzte sich ans Ufer , und hörte an dem entgegengesetzten eine schöne Stimme , die ein Duett zwischen zwei Diskantstimmen , Mutter und Tochter , worin er sonst die eine der Mutter häufig mit Hyolda gesungen , mit wunderbarem Ausdrucke einsam anstimmte . DIE STIMME : Wald ' ge Hügel , grüne Auen , Frühlingsheimat , heimlich Glück , Freude , endlich euch zu schauen , Freude strahlet ihr zurück . Mit dem schönen Tenor , den er bekommen und im Kirchendienste ausgebildet hatte , sang er seine Gegenstrophe : Sieh wie dein befriedigt Lächeln Ziehet übern grünen Wald Und die Winde dich umfächeln , Alles dir entgegen schallt . Jetzt schrie die Sängerin auf , und trat am andern Ufer aus dem Gebüsche hervor : es war Hyolda , sie erkannte ihn jetzt , grüßte und sang weiter : Wie der Frühling wieder waltet , Neugestaltet ist mein Glück . ER antwortend . Weiße Blüte sich entfaltet Hell in deiner Unschuld Blick . HYOLDA . Unschuld findet hier den Frieden . JOHANNES . Frieden finden hier die Müden . HYOLDA . Alle Wasser sanken nieder In der warmen stillen Flur , Ew ' ge Feinde wurden Brüder In der himmlischen Natur . JOHANNES . Keiner kann sich mehr begreifen , Was ihn hielt in Stahl so fest , Nun sie leicht durch Wälder schweifen Baut die Taub im Helm ihr Nest . HYOLDA . Als wenn gar nichts wär geschehen , Sieht das neue Grün uns an . JOHANNES . Pfauen stolz die Farben drehen , Sehn die bunten Nelken an . HYOLDA . Diesen Baum hab ich gepflanzet , Diese Blumen rings gesät . JOHANNES . Die der Schmetterling umtanzet Und den Duft zum Himmel weht . HYOLDA . Unvergänglich ist Vertrauen . JOHANNES . Sehnsucht kennen nur die Frauen . HYOLDA . Blätter dringen zu dem Himmel , Worte dringen aus dem Mund , Sel ' ge Fülle , froh Gewimmel , Grün ist Hoffnung , Freude bunt . JOHANNES . Wie die Farben nieder sinken Von dem Himmel tagelang , Alle Wesen froh sie trinken , Hoffnung such ich oben bang . HYOLDA . Und ich muß hier niedersinken , Hier an meiner Rasenbank , Betend zu dem Himmel winken : Bleibt der Vater denn noch lang ? JOHANNES . Alte Priester , heil ' ge Bäume , Alte Freunde , bleibt ihr stumm ? HYOLDA . Hörst du nicht der Vögel Träume , Und der Bienen summ , summ , summ ? JOHANNES . Nein , der Vater müßte kommen , Daß mich freute der Gesang , Bienenfleiß wär mir willkommen , Daß der Tag mir nicht so lang . HYOLDA . Mach uns beide nicht beklommen , Frühlingsluft macht schon so bang . BEIDE . Wie in den gewohnten Orten Mir des Vaters Bild noch weilt , Also mein ich , daß von dorten Er schon grüßend zu uns eilt , Süße Täuschung , schnell verschwunden Hast uns doch mit Lust umwunden . HYOLDA