dich ertragen kann ! Sei wenigstens gegen mich auch äußerlich der Mann , der du in deinem Innern und ebenso vor deinem Allah bist ! Ist deine Feigheit denn gar so groß , daß du es nicht wagst , mir die Tigerkrallen an deinem Schlangenkörper zu zeigen ? « Da fuhr der Scheik ul Islam einige Schritte zurück , zog die Ellbogen nach hinten , ballte beide Fäuste und rief aus : » Mensch ! Schurke ! Weißt du , wo du dich befindest ? Ich kann dich vernichten - - - hier , sofort - - - auf der Stelle ! « » So ist ' s recht ! Das wollte ich haben ! « lachte der Sill . » Jetzt kommen die Krallen ! Sprich in diesem aufrichtigen Tone weiter , so ist es möglich , daß wir einig bleiben ! Du fragst mich , ob ich wisse , wo ich sei . Lächerlich ! Ich bin hier in meinem Reiche , als unbeschränkter Gebieter desselben . « » In deinem Reiche , deinem ? « höhnte der Scheik ul Islam auf . » Ja , du glaubtest , mich hier einzuführen , um mich zunächst deinen Sillan vorzustellen und mir dann die hier aufgehäuften Schätze zu zeigen , damit ich sähe , welch eine Mitgift du dem neuen Kaiser geben kannst . Aber du irrst , du armer , machtloser Fürst der Schatten ! Ich bin hier längst eingeführt . Ich kenne jeden Stein , jeden Winkel , auch das Wasser da unten in der Tiefe ! « » Du - - du - - du ? « fragte der Aemir erstaunt . » Ja , ich ! Denn diese Ruinen sind nicht dein Reich , sondern mein oder vielmehr unser Reich . Wir , wir , wir sind die Baumeister , die nach der alten Sage den Herrn einmauern wollten , aber den Teufel eingemauert haben ! « » Wer sind diese wir ? « » Die Männer des Taki-Ordens , welcher bei der Grundlegung dieses Baues entstand , vor ungezählten Jahrhunderten , eine Ewigkeit vor Zoroasters Zeit . Wir bauten aber nicht für uns , sondern für Euch , für unsere Schatten ! Wir bauten den Bienenstock , für Euch , für unsere Insekten . Wir waren die Herren von Anbeginn bis heut , ihr aber die Knechte , welche ernten , wo sie nicht gesäet haben , um Honig für uns zu sammeln . Du arme , arme Drohne ! Du wolltest mir Eure Schätze zeigen , die du die Deinigen nennst . Ich aber kenne sie besser als du ! Diese von Allah verdammten Dschamikun kamen uns überraschend . Wir hatten anderswo zu tun und konnten sie damals nicht hindern , sich hier festzusetzen . Es ging uns grad wie Euch ! Nun aber werfen wir sie wieder hinaus , und ihr , ihr habt mit Euern Stacheln dabei zu helfen . Du sendest Ahriman zu den Taki-Kurden ; ich bin von morgen an bei ihnen . Dich aber treffe ich am Freitag wieder - - auf dem Dschebel Adawa . « » So ? Mich triffst du wieder ? « fragte der Aemir , die Arme über die Brust zusammenlegend . » Das klingt ja ganz , als ob nur du , nur du zu bestimmen hättest ! « » Das ist allerdings der Fall ! Der Herr bin ich , die wirkliche Person ; du aber bist der Schatten ! « » Und wenn ich nun - - am Freitag nicht erscheine ? Und auch du dann nicht erscheinen kannst ? « fragte der Sill in drohendem Tone , indem er sein Pistol wieder hervorzog . » So spreche ich mit dir eher ! « antwortete der Scheik ul Islam in unerwarteter Ruhe . » Wo ? « » Hier ! « » Wann ? « » Jetzt ! « » Ah , ich verstehe ! Auch du hast Waffen mit ! « » Nein , keine einzige ! « Er schlug den Mantel auseinander , um zu zeigen , daß er die Wahrheit sage . » Und willst dich aber wehren , wie ich aus deinen Worten vermute ? Sind uns etwa die drei bewaffneten Taki heimlich gefolgt , welche du mitbrachtest , als du zum heutigen Stelldichein kamst ? Mein Freund , mein lieber , bewunderter Freund , diesen Schachzug muß ich betrachten ! Wahrscheinlich stehen sie da draußen ! « Er nahm eines der Lichter und ging mit demselben hinaus . Da gab es unter uns , grad in der Mitte , wo der Altar stand , ein Geräusch , wie wenn Steine aneinander gerieben werden , und hierauf ein leises Flüstern ; dann war es wieder still . Und schon war der Aemir wieder da . Er war nur vor dem Eingange stehen geblieben , um hinauszuleuchten . Er drehte sich wieder um kam zurück und sagte : » Niemand draußen ! Ich habe mich geirrt ! « » Ja , du irrtest dich , wie immer ! « antwortete der Scheik . » Steck deine Waffe ein ! Sie ist überflüssig ! « » Was für ein Ton ! Das klingt ja wie Befehl ! « » Es ist auch einer . Also weg mit ihr ! « » Mensch , bist du wahnsinnig ? ! Der Fürst der Schatten soll sich von dir befehlen lassen , was - - « Er kam nicht weiter . Drei Männer huschten aus dem Schatten der Säule auf ihn zu , entrissen ihm die Pistole und schlangen ihre Arme so fest um ihn , daß er sich nicht bewegen konnte . Er stieß einen Schrei aus , ob vor Schreck oder Wut , das konnte man nicht wissen . Da trat der Scheik ul Islam auf ihn zu , riß ihm die Larve herunter , sah ihm in das Gesicht und sagte : » Ahriman Mirza ! Ich wußte es ! Unser neuer Kaiser , der oberste aller Verbrecher ! « Es war ein eigener , ganz eigener Augenblick , eigen in jeder Beziehung , auch psychologisch . Ahriman machte nämlich nicht den geringsten Versuch , sich der Umarmung zu entwinden . Ich konnte seine Züge nicht deutlich unterscheiden , aber es klang nach einem überlegenen Lächeln , als er in fast gleichgültigem Tone antwortete : » Ja , Euer neuer Kaiser ! Oder wollt Ihr ihn nun nicht ? Ihr könnt mich ja mit meiner eigenen Pistole hier erschießen ! « » Daß ich ein Tor wäre ! « erwiederte der Scheik ul Islam . » Du warst bisher mein Schatten und wirst nun mein Geschöpf . Kein anderer würde sich so gut wie du für unsere Zwecke eignen . Wozu wir dich machen wollten , das wirst du nun erst recht ! « » Es würde dir auch wohl sehr schlecht bekommen , wenn du mich hier ermorden ließest ! « » Das weiß ich wohl ! Du bist ja umsichtig und wirst auch für einen solchen Fall deine Vorkehrungen getroffen haben . Ueberleben würde ich dich nicht lange ; davon bin ich überzeugt . Aber ich will leben , und darum sollst du es auch . Und ich will herrschen ; darum gebe ich dir den Thron . Bist du einverstanden , Ahriman Mirza ? « » Unter Bedingungen ! « » Die ich kenne ! Jetzt sitzt dir dieselbe Falschheit im Nacken , die du mir vorgeworfen hast . Dennoch frage ich nochmals : Bist du einverstanden ? « » Ja . « » So gieb mir Wort und Handschlag ! Laßt ihn los ! « Die drei Männer gaben den Aemir frei . Der Scheik ul Islam hielt ihm die Hand hin ; er schlug ein und sagte : » Ja , hier meine Hand ! Aber ich bin ehrlich und prophezeie Euch , daß Ihr sie fühlen werdet ! « » So will ich auch einmal ehrlich sein und dich warnen . Wir sind sanftmütig und von Herzen demütig , weil uns das zur Herrschaft führt . Aber hinter dieser Sanftmut steckt die Schonungslosigkeit und hinter dieser Demut der unerschütterliche Wille . Selbst der Kaiser hat sich vor uns zu beugen ; wenn nicht , so muß er brechen ! Fordre ja den Taki-Orden nicht heraus ! Wenn er zürnt , kann er vielleicht noch verzeihen ; wenn er aber wohlwollend lächelt , ist er erbarmungslos ! Jetzt habe ich dir gezürnt . Laß mich nicht etwa lächeln ! « - - - Viertes Kapitel Zusammenbruch Der Scheik ul Islam hatte seine letzten Worte so laut und mit solchem Nachdrucke gesprochen , daß sie von der Decke dumpfgrollend wiederhallten . Seine Gestalt schien gewachsen zu sein . Er hielt den Kopf herausfordernd zurückgeworfen und strich sich mit beiden Händen den langen , dünnen Bart , als ob in diesen Haaren die Kraft gelegen habe , endlich einmal den Mut der Aufrichtigkeit zu zeigen . Seine Leute verhielten sich zuwartend . Der Aemir - - - ja , was war denn das ? Der setzte sich ganz ruhig auf den nächsten Stein , putzte die Schuppen von den Kerzen und sagte in einem Tone , als ob er ein höchst gleichgültiges Gespräch fortzusetzen habe : » Es ist also nicht nötig , daß ich dir hier noch Etwas zeige ? « » Nein , keineswegs ! « antwortete der Andere , noch immer scharf . » Dann könnte ich ja gehen ! « » Allerdings ! « » So möchte ich vorher wissen , wie diese deine Leute hier hereingekommen sind ! Wir ließen sie am Bach zurück , wo unsere Pferde jetzt noch stehen . « » Ich liebe die Geheimniskrämerei ebenso wie du . Darum sage ich dir : Ich verwandelte sie in Geister und rief sie durch die Mauern , « antwortete der Scheik ul Islam höhnisch . » Das klingt sehr leicht begreiflich . Du treibst also als Scheik ul Islam Hokuspokus ! Eine neue , sehr interessante Seite von dir ! Jedenfalls bist du ein außerordentlich begabter Mensch ! Wahrscheinlich lässest du sie ganz in derselben Weise , wie sie gekommen sind , auch wieder gehen ? « » Ja . « » Und was geschieht mit dir selbst ? « » Nichts Anderes . Ich werde Geist und lasse mich verschwinden . « » Darf man das sehen ? « » Nein , denn du bist noch nicht so unsterblich wie wir . Für Euch Irdische ist so Etwas nicht ! « » Wirklich nicht ? Solltest du dich da nicht irren ? Auch wir Irdische verstehen Etwas von Eurer Magie , wenn auch nicht Alles . Ich habe es zwar nicht so weit gebracht , mich selbst verschwinden zu lassen , aber mit Andern bringe ich es doch schon fertig . Und ich verfahre dabei nicht so geheimnisvoll wie du . Wenn ich nächstens einmal meinen Zauberstab schwingen werde , so lade ich dich dazu ein . Ja , ich bin sogar sehr gern bereit , dich selbst verschwinden zu lassen . Zunächst aber haben wir uns morgen bei den Taki drüben zu treffen ? « » So wurde ausgemacht , und so hat es zu bleiben ! « » Und Freitag auf den Dschebel Adawa ? « » Auch da . Du natürlich als Aemir ! « » Den du aber nicht kennst ? « » Sei unbesorgt ! Es liegt in meinem eigenen Interesse , keinen Menschen erfahren zu lassen , daß ich dich entlarvte . « » Und diese Leute hier ? « » Sind verschwiegen ! « » So gehe ich jetzt ! « Er stand vom Steine auf . » Meine Pistole ! « gebot er , die Hand ausstreckend . Der , welcher sie noch in der Hand hielt , gab sie ihm . » Hier liegt meine Maske und dort meine Peitsche . Soll ein Kaiser sich bücken ? « Das klang so zwingend , daß man beide aufhob und ihm gab . Er steckte Larve und Waffe zu sich , hieb mit der Peitsche verächtlich hinter sich und sagte : » Also nun los mit dem Hokuspokus ! Hier und überall ! Ich aber liebe den festen Weg zum Pferde . Wollen sehen , wer eher in den Sattel kommt , Ihr oder ich ! Vergeßt aber nicht , die Lichter zu entfernen ! Ihr seid ja Dunkelmänner . Und wenn auch nur der geringste Schimmer zurückbleibt , entdeckt man Euer Tun und Treiben und klopft Euch auf die Finger . Also macht es finster - - finster - - - finster ! « Er schwippte noch einmal mit der Peitsche und ging . » Nun schnell diese Tür wieder auf ! « gebot der Scheik ul Islam . » Wir wollen ihm doch zeigen , daß wir noch eher bei den Pferden sind als er ; ich sehe nach , ob er sich auch wirklich entfernt . « Bei diesen Worten eilte er hinter dem Aemir her . Wir hörten unter uns dasselbe Steinschlürfen und sahen die drei Männer nicht mehr . Sie standen unter der Empore bei der Bundeslade . Da kam er wieder herein und berichtete : » Er ist wirklich fort ; ich sehe ihn schon nicht mehr . Merkt Euch hier Folgendes ! Die Dschamikun werden natürlich glauben , daß wir von außen kommen . Demzufolge besetzen sie die Zugänge zu dem Tale . Wir aber dringen durch diesen Gang heimlich in die Ruinen , verbreiten uns da leise , bis alle beisamen sind , und fallen dann über sie her . Nun weg mit den Kerzen , und rasch fort durch den heiligen Stein ! Wer weiß , wie Vielen er schon als letzte Ausflucht diente , wenn sich die Menschen hier von Zeit zu Zeit die Auserwählten Allahs nicht mehr gefallen lassen wollten ! « Es wurde dunkel ; die Steine schliffen wieder , und dann war nichts mehr zu hören . Die Vorsicht gebot mir , noch zu warten . » Effendi , es ist vorbei . Wollen wir nicht gehen ? « fragte der Aschyk halblaut herüber . » Nein , « antwortete ich . » Der Aemir verhielt sich zuletzt derart , daß ich seine Rückkehr vermute . Also still ! « Es verging nach meiner Schätzung wohl über eine halbe Stunde , und schon griff ich in meine Tasche , um die Kerze herauszunehmen und anzubrennen . Da gab es draußen ein Geräusch . Man blieb dort stehen , um Licht zu machen , und kam dann herein . Es waren zwei Männer , beide mit unverhüllten Gesichtern . Der Eine war der Aemir . Der Andere trug das Licht . Wahrscheinlich war er der von dem Aemir ausgestellte Wächter , von dem gesprochen worden war . Er mußte das Vertrauen Ahrimans in hohem Grade besitzen und in Alles eingeweiht sein , weil der Letztere die Larve nicht wieder vorgenommen hatte , um sich unkenntlich zu machen . » Zu denken , daß ich zurückkehren und nachforschen werde , dazu war der Kerl trotz seiner sonstigen Geriebenheit zu dumm ! « fuhr der Aemir in dem jedenfalls draußen und unterwegs geführten Gespräch fort . » Ich entfernte mich gar nicht , sondern stellte mich einfach draußen hinter die Wasserbeckensäule , um welche ich nur langsam zu kreisen brauchte , als er nach vorn ging , um hinauszuschauen . Es genügte ihm , daß er mich nicht mehr sah . Da ging er wieder hinein . Ich folgte ihm bis an die Tür , wo ich alles sah und jedes Wort verstand . « » So kennen wir also die Geheimnisse dieses alten Gemäuers doch noch nicht ganz genau ! « meinte der Andere . » Nein . Aber ich habe es mir auch nicht eingebildet , daß wir sie alle kennen . Diese Taki sind so voller Ränke und Schliche , daß man allwissend sein möchte , um hinter Alles zu kommen . Es ist nicht Zeit , ihr bisheriges Verhältnis zu diesen Ruinen zu erörtern . Heut gilt es nur , zu erfahren , was sie jetzt mit ihnen bezwecken . Da habe ich denn gehört , daß sie heimlich hereinbrechen wollen durch den Gang , welcher hier mündet . Das ist aber ganz gegen meine Verabredung mit dem Scheik ul Islam . Er will mich betrügen , mich , uns , Euch ! Nach unserm Plane werden die Dschamikun mit einem Schlage und von allen Seiten überfallen , ohne daß sie vorher Etwas ahnen . Ich komme mit meinen Schatten von Osten . Sollte unsere Absicht durch irgend einen Zufall verraten werden , so besetzen sie die Pässe des Hasen und des Kuriers . Von dort drängen wir sie in den Duar zurück . Die Taki kommen von Nordwest und die Dinarun über die neue Zugbrücke am Tale des Sackes . So nehmen wir die Dschamikun von allen Seiten . So drängen wir sie rund um den See zusammen und treiben sie in das Wasser . Sie können der gänzlichen Vernichtung unmöglich entgehen . In Betreff der Ruinen aber habe ich extra die strenge Bedingung gestellt , daß sie von Niemand berührt werden dürfen , weil ich sie als unser Eigentum betrachte . Die Massaban , welche von den Dschamikun von hier vertrieben wurden , gehörten zu uns ; sie sind mir untertan . Ich habe sie in ihr Eigentum zurückzuführen . Der Scheik ul Islam ist auf diese Bedingung eingegangen . Er hat mir zugesagt , daß keiner seiner Takikurden die Ruinen betreten werde . Vorhin nun stellte er aber , als ich ihn zur Offenheit zwang , plötzlich die Behauptung auf , daß der Taki-Orden diese Bauten errichtet habe und noch heut der Eigentümer sei . Er bezeichnete die Taki als die wirklichen Personen , uns aber als ihre Schatten , ihre Insekten , die für sie zu arbeiten und zu sammeln haben . Und als er glaubte , daß ich fort sei , sagte er zu seinen Begleitern , daß die Taki durch den Gang hier kommen würden , um die Ruinen zu besetzen . Wozu dieser heimliche Plan gegen meine Bedingung ? Der Besitz der Ruinen ist ihm wichtiger als sein gegebenes Wort und als der Sieg über alle Dschamikun . Sie , sie will er vor allen Dingen haben . Und zwar aus Angst , daß wir doch noch entdecken möchten , was wir bisher noch nicht gefunden haben . Das laß ich mir um keinen Preis gefallen ! Besetzt er sie , besetze ich sie auch ! Und tut er es geheim , so greife ich zu derselben Heimlichkeit und komme ihm dabei sogar zuvor . Verläßt er sich auf den geheimen Gang , so werden wohl auch wir die Mittel finden , noch eher da zu sein , als er mit seinen Leuten ! « » Stellt das nicht unser ganzes Werk in Frage , Aemir ? « » Wieso ? « » Muß es nicht infolge dieser gegenseitigen Eigenmächtigkeiten hier in den Ruinen zwischen dir und ihm zum blutigen Kampfe kommen ? Wenn die Verbündeten in dieser Weise beginnen , sind die Dschamikun gerettet , und das ganze Land wartet vergeblich auf den Schlag , welcher den Schah entthronen soll ! « » Wie irrig ! Du behauptest , mich zu kennen und traust mir doch noch Knabenstreiche zu ! Ich sehe weiter als du . Ich habe das Naheliegende festzuhalten , um das Fernerliegende zu erreichen . In den Ruinen hier spielt nur die erste Episode . Die eigentliche Frage ist : Wer soll der Herrscher sein ? Der Scheik ul Islam oder ich ? Der Taki-Orden oder meine Schatten ? Der Scheik hat mir frech in das Angesicht gesagt , daß ich nichts , als nur sein Geschöpf bedeuten werde . Ich schwieg dazu , doch stand es augenblicklich fest in mir , daß er mit diesem Wort sich selbst gerichtet habe . Er glaubt , mich fest in seiner Hand zu haben , und krümmt sich doch schon unter meiner Faust ! Wie schnell gehorchte er doch meinen Zähnen , die ich ihm zeigte , um sein Inneres aus ihm herauszulocken ! Die Krallen waren augenblicklich da ! So läßt sich nur der Schwächling übertölpeln ! Ich war dann umso ruhiger , je drohender er sprach ! « » Aber wenn du dich gleich anfangs mit ihm verfeindest , geht dir die Hilfe seines ganzen Ordens und Aller , die zu ihm halten , verloren ! « » Das glaube nicht ! Nur darf die Feindschaft keine halbe sein . Sie darf nicht zögern , keine Ausflucht lassen . Sie muß sofort die Faust zusammendrücken , daß Alles kracht , was sich in ihr befindet ! Wenn er mit seinen Taki hier erscheint , so fasse ich ihn stracks bei dem Genick und schüttle ihn wie eine tote Katze da unten über unserm Wasserloch . Ich sage dir , er wird um Gnade heulen und alles tun , was ich von ihm verlange ! « » Es aber dann nicht halten ! « » Nicht ? Du denkst , ich lasse ihn so auf Versprechen frei ? Daß ich ein solcher Tor , ein solcher Stümper wäre ! Ich hänge ihn am glatten Felle auf , bis ich die lieben Seinen nicht mehr brauche , und werfe ihn dann immer noch ins Wasser ! Doch sprechen wir hierüber späterhin . Ich halte dir hier eine lange Rede und sehe doch , daß unser Licht dabei nur kleiner wird ! « » Ich habe noch einige . « » Dann gut ! Schau dir diesen Stein an ! Er scheint massiv zu sein , ist es aber nicht . Ich sah ihn offenstehen , und zwar nach innen . Leuchte nieder , daß wir ihn betrachten ! « Weder ich noch der Aschyk konnten sehen , was sie jetzt taten . Aber wir hörten ihre Worte , und das war genug . » Hier diese Vorderseite hat ringsum an den Kanten ein Relief , fast wie ein Bilderrahmen , « sagte der Aemir . » Die eingefaßte Platte aber ist vollständig glatt . Es fehlt Alles , was auf Bewegbarkeit schließen läßt . Folglich ist es nur der einfache Druck , dem sie gehorchen wird . Versuchen wir es ! « Wir hörten ein lautes Atmen , wie wenn sich Jemand anstrengt , und dann das schon bekannte Schleifen der Steine . » Sie weicht ! « rief der Aemir . » So , jetzt ist sie völlig offen ! Der Gang kann nicht unbequem sein , denn als ich jenseits an den Bach kam , wo mein Pferd bei den ihrigen stand , waren alle vier schon da , und der Scheik ul Islam höhnte mich damit , daß ich ihn immerhin verschwinden lassen möge ; er werde sicher ebenso schnell wieder erscheinen wie jetzt . Krieche hinein , und untersuche die Innenseite ! « Der Andere tat es . Wir hörten seine dumpfe Stimme : » Hier hat die Platte eine Handhabe . « » Das konnte man sich denken . Und der Gang ? Ist er niedrig ? « » Warte ! « Er hatte , wie wir am Schatten sahen , das Licht mit hineingenommen und untersuchte . Dann kam er wieder an die Oeffnung und berichtete : » Nur drei Schritte niedrig , dann aber gleich ziemlich hoch , höher als ein Mann . Das scheint ein natürlicher Innenriß des Berges zu sein , dessen Mündung man vermauerte , um ihn zu diesen Heimlichkeiten auszunützen . « » Und die Luft ? « » Wie es scheint , besser als drin bei dir . « » So geh zurück ; ich komme ! « Ein leises Rascheln , hierauf das Schlürfen der Platte , welche zugeschoben wurde , dann war es wieder finster und still im Allerheiligsten . Ich wartete diesmal nur kurze Zeit ; dann machte ich Licht . » Jetzt fort ? « fragte der Aschyk . » Ja . « » Nicht warten , bis sie fertig sind , und dann den Gang auch untersuchen ? « » Nein . Wer weiß , was sie alles noch tun und wann sie wiederkommen . Ich halte diese Luft hier nicht mehr aus . Ich muß hinaus ! « Wir stiegen hinab und löschten das Licht aus . Er nahm seine Leiterstange ; wir gingen . Draußen blieb ich stehen und holte mit Wonne Atem . Die Luft da drin im einstigen Heiligtum war nichts als Gift gewesen ! Noch war der Mond nicht hinter dem Berge verschwunden . Die Ruinen lagen in seinem gelblich silbernen Glanze . Ein Lauscher war nicht zu sehen . Wir gingen nach dem Steinbruche , wo wir uns zu trennen hatten , blieben aber noch einige Minuten im Schatten beieinander stehen . » Ehe ich den Scheik ul Islam durchschaute , mußte ich Dich für einen Sill halten , « sagte ich . » Was aber bist du nun ? « » Weder Sill noch Taki . Mein Wunsch aber ist , ein Dschamiki werden zu dürfen . « » Fürchtest du nicht den Leumund , wenn man erfährt , was du gewesen bist ? « » Was man verachtet , kann man doch nicht fürchten ! Gute Menschen verzeihen ; was die Andern tun , kommt nicht in Betracht . Sobald Ihr mich hier nicht mehr braucht , werde ich mich bei der Behörde zur Strafe melden , der ich mich durch die Flucht entzogen habe . Ist sie verbüßt , so kehre ich als neuer Mensch zurück . Vielleicht nimmt mich dann der Ustad auf ! « » Ist das dein Ernst , dein wirklicher Ernst ? « fragte ich . » Ja , Effendi . Ich habe es mir reiflich überlegt . Ich bin dazu entschlossen und tue es unbedingt . « » Aber bedenke ! Es stehen dir mehrere Jahre Gefängnis bevor , schweres , bitteres Gefängnis ! Du kannst das sehr leicht vermeiden , indem du dich einfach nicht meldest . Es sucht ja kein Richter und keine Polizei mehr nach dir . Das Gesetz hat dich also aufgegeben . Und hier , wo du dich befindest , ist dein Name unbekannt . So laß ihn doch gestorben sein , und nimm einen andern an ! Dann bist du auch ein anderer Mensch , und deine Vergangenheit ist vollständig vergessen ! « Es versteht sich ganz von selbst , daß ich das nur sagte , um ihn zu prüfen . Er schüttelte den Kopf und antwortete : » Ich kann nicht glauben , daß deine Worte wirklich so gemeint sind , wie sie klingen . Ich muß mich ausliefern ; ich muß , ich muß , ich muß ! Noch bis vor wenigen Tagen hätte ich diesen Gedanken freilich für Wahnsinn gehalten , für die blödeste Albernheit , die es nur geben kann . Aber da unten , neben dem Gerippe , in der schrecklichsten aller Finsternisse , in der innerlich laut heulenden tiefen Stille , die äußerlich um mich lag , an der zwar nur leise , leise , aber umso entsetzlicher in sich knirschenden Säule , die von Augenblick zu Augenblick über mir einzustürzen und mich zu zerschmettern drohte , ist mir das rechte , wahre Licht hierüber aufgegangen . Ich will und will und will die Strafe haben , um mit mir selbst , mit meinem Gewissen quitt zu werden . Indem ich ihr entgehen wollte , habe ich mir eine noch viel fürchterlichere auferlegt . Ich flüchtete mich doch nur aus dem einen in das andere Gefängnis , in die Gefangenschaft des Bösen . Und was das heißt , und welche Qualen das bringt , davon hast du keine , keine , keine Ahnung , Effendi ! « Er bewegte den tief gesenkten Kopf schwer und langsam hin und her und fuhr dann fort : » Der Scheik ul Islam versprach mir , sich für meine Begnadigung zu verwenden . Dieser Tor ! Wie unverzeihlich dumm ist er doch in Beziehung auf die Menschenseele , er , der doch behauptet , daß ihm tausende von Seelen von Allah anvertraut worden seien ! Oder war es nicht Dummheit , sondern gewissenslose Hinterlist ? Neue Verbrechen zu den alten fügen , um Gnade zu erlangen ! Dann wäre mir zwar die äußere Strafe erlassen worden , aber die zur Gigantin erwachsene Schuld in mir hätte nur umso lauter nach Rache , nach Vergeltung aufgebrüllt ! Aeußerlich gerettet , innerlich aber für immer verloren , so hätte es mit mir gestanden ! Ja , ich weiß es , und ich fühle es : die Gnade ist der Sühne gleich , der vollständigen Sühne . Sie hat vielleicht sogar noch größere Macht als diese Sühne ; aber es ist ganz unmöglich , daß sie auf bösem Wege zu uns niederkommen kann . Wenn mir der Scheik ul Islam heut , jetzt , die Erlassung meiner Sünden und meiner Strafe brächte , ich würde sie nicht annehmen ! « » Wirklich nicht ? « » Nein ; denn eine Gnade aus solcher Hand wäre nichts als Spiegelfechterei , die mich um mich selbst betrügen würde ! « » So sag , was würdest du wohl tun , wenn ein Anderer sie dir brächte ? Nicht auf bösem , sondern auf gutem Wege ? « » Ein Anderer ? Wer könnte das wohl sein ? « » Das weißt du nicht ? « » Nein . « » Weil man dir weisgemacht hat , daß die Gnade nur durch ein Vermittlungsgeschäft zwischen dir und dem Schah-in-Schah zu erlangen sei ! Es kann sie dir nur Einer bringen , ein Einziger , und der bist du selbst ! Bleib nur nicht stehen ! Geh auf dem Wege weiter , den du jetzt beschritten hast ! Er ist gut , und die Augen des Schah-in-Schah sind scharf . Es bedarf keines Menschen ,