gefunden , haben die Goten überall aufgerufen gegen dich zum Schutz der , Königslilie , wie sie sie nennen : Mataswintha sei die Erbin der Krone . Sie haben sie als Königin ausgerufen . Sie weilte in Florentia , fiel also gleich in ihre Gewalt . Man weiß nicht , ist sie Guntharis ' Gefangene oder Arahads Weib . Nur das weiß man , daß sie avarische und gepidische Söldner geworben , den ganzen Anhang der Amaler und ihre ganze Sippe und Gefolgschaft , zu all dem großen Anhang der Wölsungen , bewaffnet haben . Dich schelten sie den Bauernkönig : sie wollen Ravenna gewinnen ! « » O schicke mich nach Florentia mit nur drei Tausendschaften ! « rief Hildebad zornig . » Ich will dir diese Königin der Goten samt ihrem adeligen Buhlen in einem Vogelkäfig gefangen bringen . « Aber die andern machten besorgte Gesichter . » Es sieht finster her ! « sprach Hildebrand . » Belisar mit seinen Hunderttausenden vor uns : im Rücken das schlangenhafte Rom , - all ' unsre Macht noch fünfzig Meilen fern - und jetzt noch Bruderkrieg und Aufruhr im Herzen des Reiches ! der Donner schlag ' in dieses Land . « Aber Witichis blieb ruhig und gefaßt wie immer . Er strich mit der Hand über die Stirn . » Es ist vielleicht gut so , « sagte er dann . » Jetzt bleibt uns keine Wahl . Jetzt müssen wir zurück . « - » Zurück ? « fragte Hildebrand zürnend . - » Ja ! Wir dürfen keinen Feind im Rücken lassen . Morgen brechen wir das Lager ab und gehn ... « - » Gegen Neapolis vor ? « sagte Hildebad . » Nein ! Zurück nach Rom ! Und weiter , nach Florentia , nach Ravenna ! Der Brand der Empörung muß zertreten sein , eh ' er noch recht entglommen . « - » Wie ? du weichst vor Belisar zurück ? « - » Ja , um desto stärker vorzugehen , Hildebad ! Auch die Bogensehne spannt die Kraft zurück , den tödlichen Pfeil zu schnellen . « - » Nimmermehr ! « sprach Hildebad , » das kannst - das darfst du nicht . « Aber ruhig trat Witichis auf ihn zu und legte ihm die Hand auf die Schulter : » Ich bin dein König . Du hast mich selbst gewählt . Hell klang vor andern dein Ruf : Heil König Witichis ! Du weißt es , Gott weiß es : nicht ich habe die Hand ausgestreckt nach dieser Krone ! Ihr habt sie mir auf das Haupt gedrückt : nehmt sie herunter , wenn ihr sie mir nicht mehr anvertraut . Aber solang ich sie trage , traut mir und gehorcht : sonst seid ihr mit mir verloren . « » Du hast recht , « sagte der lange Hildebad und senkte das Haupt . » Vergib mir ! Ich mach ' es gut im nächsten Gefecht . « » Auf , meine Feldherrn , « schloß Witichis , den Helm aufsetzend , » du , Totila , eilst mir in wichtiger Sendung zu den Frankenkönigen nach Gallien : ihr andern , fort zu euren Scharen , brecht das Lager ab : mit Sonnenaufgang geht ' s nach Rom . « Siebentes Kapitel . Wenige Tage darauf , am Abend des Einzugs der Goten in Rom , finden wir die jungen » Ritter « : Lucius und Marcus Licinius , Piso , den Dichter , Balbus , den Feisten , Julianus , den jungen Juristen , bei Cethegus , dem Präfekten , in vertrautem Gespräch . » Das also ist die Liste der blinden Anhänger des künftigen Papstes Silverius , meiner schlimmsten Argwöhner ? Ist sie vollständig ? « - » Sie ist es . Es ist ein hartes Opfer , « rief Lucius Licinius , » das ich dir bringe , Feldherr . Hätt ' ich gleich , wie das Herz mich antrieb , Belisar aufgesucht , ich hätte jetzt schon Neapolis mit belagert und bestürmt , statt daß ich hier die Katzentritte der Priester belausche und die Plebejer marschieren und in Manipeln schwenken lehre . « - » Sie lernen ' s doch nie wieder , « meinte Marcus . » Geduldet euch , « sagte Cethegus ruhig , ohne von einer Papyrusrolle aufzublicken , die er in der Hand hielt . » Ihr werdet euch bald genug und lang genug mit diesen gotischen Bären balgen dürfen . Vergeßt nicht , daß das Raufen doch nur Mittel ist , nicht Zweck . « » Weiß nicht , « zweifelte Lucius . » Die Freiheit ist der Zweck und Freiheit fordert Macht , « sprach Cethegus ; » wir müssen diese Römer wieder an Schild und Schwert gewöhnen , sonst - « der Ostiarius meldete einen gotischen Krieger . Unwillige Blicke tauschten die jungen Römer . » Laß ihn ein ! « sprach Cethegus , seine Schreibereien in einer Kapsel bergend . Da eilte ein junger Mann im braunen Mantel der gotischen Krieger , einen gotischen Helm auf dem Haupt , herein und warf sich an des Präfekten Brust . » Julius ! « sprach dieser kalt zurücktretend . » Wie sehn wir uns wieder ! Bist du denn ganz ein Barbar geworden . Wie kamst du nach Rom ? « » Mein Vater , ich geleite Valeria unter gotischem Schutz : ich komme aus dem rauchenden Neapolis . « - » Ei , « grollte Cethegus , » hast du mit deinem blonden Freund gegen Italien gestritten ? Das steht einem Römer gut ! Nicht wahr , Lucius ? « - » Ich habe nicht gefochten und werde nicht fechten in diesem Krieg , dem unseligen . Weh denen , die ihn entzündet . « Cethegus maß ihn mit kalten Blicken . » Es ist unter meiner Würde und über meiner Geduld , einem Römer die Schande solcher Gesinnung vorzuhalten . Wehe , daß ein solcher Abtrünniger , mein Julius . Schäme dich vor diesen deinen Altersgenossen . Seht , römische Ritter , hier ist ein Römer ohne Freiheitsdurst , ohne Zorn auf die Barbaren ! « Aber ruhig schüttelte Julius das Haupt . » Du hast sie noch nicht gesehen , die Hunnen und Massageten Belisars , die euch die Freiheit bringen sollen . Wo sind denn die Römer , von denen du sprichst ? Hat sich Italien erhoben , seine Fesseln abzuwerfen ? Kann es sich noch erheben ? Justinian kämpft mit den Goten , nicht wir . Wehe dem Volk , das ein Tyrann befreit . « Cethegus gab ihm im geheimen recht , aber er wollte solche Worte nicht billigen vor Fremden : » Ich muß allein mit diesem Philosophen disputieren . Berichtet mir , wenn bei den Frommen etwas geschieht . « Und die Kriegstribunen gingen , mit verächtlichen Blicken auf Julius . » Ich möchte nicht hören , was die von dir reden ! « sagte Cethegus ihnen nachsehend . - » Das gilt mir gleich . Ich folge meinen eignen und nicht fremden Gedanken . « - » Er ist Mann geworden « , sagte Cethegus zu sich selbst . » Und meine tiefsten und besten Gedanken , die diesen Krieg verfluchen , führen mich hierher . Ich komme , dich zu retten und zu entführen aus dieser schwülen Luft , aus dieser Welt von Falschheit und Lüge . Ich bitte dich , mein Freund , mein Vater : folge mir nach Gallien . « - » Nicht übel , « lächelte Cethegus . » Ich soll Italien aufgeben im Augenblick , da die Befreier nahen ! Wisse : ich war es , der sie herbeigerufen , ich habe diesen Kampf entfacht , den du verfluchst . « - » Ich dacht ' es wohl , « sprach Julius schmerzlich . » Aber wer befreit uns von den Befreiern , wer endet diesen Kampf ? « » Ich , « sprach Cethegus ruhig und groß . » Und du , mein Sohn , sollst mir dabei helfen . Ja , Julius , dein väterlicher Freund , den du so kalt und nüchtern schiltst , hat auch eine begeisterte Schwärmerei , wenn auch nicht für Mädchenaugen und gotische Freundschaften . Laß diese Knabenspiele jetzt , du bist ein Mann . Gib mir die letzte Freude meines öden Lebens und sei der Genosse meiner Kämpfe und der Erbe meiner Siege ! Es gilt Rom , Freiheit , Macht ! Jüngling , können dich diese Worte nicht rühren ? Denk dir , « fuhr er , wärmer werdend , fort , » diese Goten , diese Byzantiner - ich hasse sie wie du - die einen durch die andern erschöpft , aufgerieben , und über den Trümmern ihrer Macht erhebt sich Italien , Rom in alter Herrlichkeit ! Auf dem kapitolinischen Hügel thront wieder der Herrscher über Morgen- und Abendland : eine neue römische Weltherrschaft , stolzer , als sie dein cäsarischer Namensvetter geträumt , verbreitet Zucht , Segen und Frucht über die Erde ... « - » Und der Herrscher dieses Weltreichs heißt Cethegus Cäsarius ! « » Ja - und nach ihm : Julius Montanus ! Auf , Julius , du bist kein Mann , wenn dich dies Ziel nicht lockt ! « Julius sprach bewundernd : » Mir schwindelt ! Das Ziel ist sternenhoch : aber deine Wege , sie sind nicht gerade . Ja , wären sie gerade , bei Gott , ich teilte deinen Gang . Ja , rufe die römische Jugend zu den Waffen , herrsche beiden Barbarenheeren zu : Räumt das heilige Latium ! , führe einen offnen Krieg gegen die Barbaren und gegen die Tyrannen : und an deiner Seite will ich stehen und fallen ! « - » Du weißt recht gut , daß dieser Weg unmöglich ist . « - » Und deshalb - ist ' s dein Ziel ! « - » Tor , erkennst du nicht , daß es gewöhnlich ist , aus gutem Stoff ein Gebilde fertigen , daß es aber göttlich ist , aus dem Nichts , nur mit eigner schöpferischer Kraft , eine neue Welt schaffen . « - » Göttlich ? durch List und Lüge ? Nein . « - » Julius , « - » Laß mich offen sprechen , deshalb bin ich gekommen . O könnt ' ich dich zurückrufen von dem dämonischen Pfade , der dich sicher in Nacht und Verderben führt . Du weißt , - wie ich dein Bild verehre und liebe . Es will mir nicht stimmen zu dieser Verehrung , was Griechen , Goten , Römer von dir flüstern . « » Was flüstern sie ? « fragte Cethegus stolz . » Ich mag ' s nicht denken : aber alles , was in diesen Zeiten Furchtbares geschehen : Athalarichs , Kamillas , Amalaswinthens Untergang , der Byzantiner Landung , du wirst dabei genannt , wie der Dämon , der alles Böse schafft . Sage mir , schlicht und treu , daß du frei bist von dunkeln - « » Knabe ! « fuhr Cethegus auf , » willst du mir zur Beichte sitzen und zu Gericht ? Lerne erst das Ziel begreifen , eh ' du die Mittel schiltst . Meinst du , man baut die Weltgeschichte aus Rosen und Lilien ? Wer das Große will , muß das Große tun , nennen ' s die Kleinen gut oder schlecht . « - » Nein und dreimal nein ! ruft dir mein ganzes Herz entgegen . Fluch dem Ziel , zu dem nur Frevel führen . Hier scheiden sich unsre Pfade . « » Julius , geh ' nicht ! Du verschmähst , was noch nie einem Sterblichen geboten ward . Laß mich einen Sohn haben , für den ich ringe , dem ich die Erbschaft meines Lebens hinterlassen kann . « - » Fluch und Lüge und Blut kleben daran . Und sollt ' ich sie schon jetzt antreten : - ich will sie nie ! Ich gehe , daß sich dein Bild nicht noch mehr vor mir verdunkle . Aber ich flehe dich um Eins : wann der Tag kommt ( und er wird kommen ) , da dich ekelt all ' des Blutes und des frevlen Trachtens und des Zieles selbst , das solche Taten fordert , - - dann rufe mir : ich will herbeieilen , wo immer ich sei , und will dich losringen und loskaufen von den dämonischen Mächten und sei ' s um den Preis meines Lebens . « Leichter Spott zuckte zuerst um des Präfekten Lippe , aber er dachte : » Er liebt mich noch immer . Gut , ich werde ihn rufen , wenn das Werk vollendet : laß sehen , ob er ihm dann widerstehen kann , ob er den Thron des Erdkreises ausschlägt . « - » Wohl , « sagte er , » ich werde dich rufen , wenn ich dein bedarf . Leb ' wohl . « Und mit kalter Handbewegung entließ er den Heißbewegten . Aber als die Türe hinter ihm zugefallen , nahm der eisige Präfekt ein kleines Relief von getriebenem Erz aus einer Kapsel und betrachtete es lang . Dann wollte er es küssen . Aber plötzlich flog der höhnische Zug wieder um seine Lippen . » Schäme dich vor Cäsar , Cethegus , « sagte er , und legte das Medaillon wieder in die Kapsel . Es war ein Frauenkopf und Julius sehr ähnlich . Achtes Kapitel . Inzwischen war es dunkler Abend geworden . Der Sklave brachte die zierliche Bronzelampe , korinthische Arbeit : ein Adler , der im Schnabel den Sonnenball trägt , gefüllt mit persischem Duftöl . » Ein gotischer Krieger steht draußen , Herr , er will dich allein sprechen . Er sieht sehr unscheinbar aus . Soll er die Waffen ablegen ? « » Nein , « sagte Cethegus , » wir fürchten die Barbaren nicht . Laß ihn kommen . « Der Sklave ging und Cethegus legte die Rechte an den Dolch im Busen seiner Tunika . Ein stattlicher Gote trat ein , die Mantelkapuze über den Kopf geschlagen : er warf sie jetzt zurück . Cethegus trat erstaunt einen Schritt näher . » Was führt den König der Goten zu mir ? « » Leise ! « sprach Witichis . » Es braucht niemand zu wissen , was wir beide verhandeln . Du weißt : seit gestern und heute ist mein Heer von Regeta in Rom eingezogen . Du weißt noch nicht , daß wir Rom morgen wieder räumen werden . « Cethegus horchte hoch auf . » Das befremdet dich ? « - » Die Stadt ist fest , « sagte Cethegus ruhig . » Ja , aber nicht die Treue der Römer . Benevent ist schon abgefallen zu Belisar . Ich habe nicht Lust , mich zwischen Belisar und euch erdrücken zu lassen . « Vorsichtig schwieg Cethegus , er wußte nicht , wo das hinaus sollte . » Weshalb bist du gekommen , König der Goten ? « - » Nicht um dich zu fragen , wie weit man den Römern trauen kann . Auch nicht , um zu klagen , daß wir ihnen so wenig trauen können , die doch Theoderich und seine Tochter mit Wohltaten überhäuft ; sondern um grad und ehrlich ein paar Dinge mit dir zu schlichten , zu eurem wie zu unsrem Frommen . « Cethegus staunte . In der stolzen Offenheit dieses Mannes lag etwas , das er beneidete . Er hätte es gern verachtet . » Wir werden Rom verlassen : und alsbald werden die Römer Belisar aufnehmen . Das wird so kommen . Ich kann ' s nicht hindern . Man hat mir geraten , die Häupter des Adels als Geiseln mit hinwegzuführen . « Cethegus erschrak und hatte Mühe , das zu verbergen . » Dich vor allen , den Princeps Senatus . « - » Mich ! « lächelte Cethegus . - » Ich werde dich hier lassen . Ich weiß es wohl : du bist die Seele von Rom . « Cethegus schlug die Augen nieder . » Ich nehme das Orakel an , « dachte er . » Aber eben deshalb laß ich dich hier . Hunderte , die sich Römer nennen , wollen die Byzantiner zu ihren Herren , - du , du willst das nicht . « Cethegus sah ihn fragend an . » Täusche mich nicht ! Wolle mich nicht täuschen . Ich bin der Mann verschlagner Künste nicht . Aber mein Auge sieht der Menschen Art. Du bist zu stolz , um Justinian zu dienen . Ich weiß , du hassest uns . Aber du liebst auch diese Griechen nicht und wirst sie nicht länger hier dulden als du mußt . Deshalb laß ich dich hier : vertritt du Rom gegen die Tyrannen : ich weiß , du liebst die Stadt . « Es war etwas an diesem Mann , das Cethegus zum Staunen zwang . » König der Goten , « sagte er , » du sprichst klar und groß wie ein König , ich danke dir . Man soll nicht sagen von Cethegus , daß er die Sprache der Größe nicht versteht . Es ist , wie du sagst : ich werde mein Rom nach Kräften römisch erhalten . « » Gut , « sagte Witichis , » sieh , man hat mich gewarnt vor deiner Tücke : ich weiß viel von deinen schlauen Plänen : ich ahne noch mehr : und ich weiß , daß ich gegen Falschheit keine Waffe habe . Aber du bist kein Lügner . Ich wußte , ein männlich Wort ist unwiderstehlich bei dir : und Vertrauen entwaffnet einen Feind , der ein Mann . « » Du ehrst mich , König der Goten . « » Ich will dich warnen : weißt du , wer die wärmsten Freunde Belisars ? « - » Ich weiß es : Silverius und die Priester . « - » Richtig . Und weißt du , daß Silverius , sowie der alte Papst Agapetus gestorben , den Bischofsstuhl von Rom besteigen wird ? « » So hör ' ich . « » Man riet mir , auch ihn als Geisel fortzuführen . Ich werd ' es nicht tun . Die Italier hassen uns genug . Ich will nicht noch in das Wespennest der Pfaffen stoßen . Ich fürchte die Märtyrer . « Aber Cethegus wäre den Priester gern losgeworden . » Er wird gefährlich auf dem Stuhl Petri , « meinte er . » Laß ihn nur ! Der Besitz dieses Landes wird nicht durch Priesterkunst entschieden . « - » Wohlan , « sprach Cethegus , die Papyrusrolle vorzeigend , » ich habe hier die Namen seiner wärmsten Freunde zufällig beisammen . Es sind wichtige Männer . « Er wollte ihm die Liste aufdringen und hoffte , die Goten sollten so seine gefährlichsten Feinde als Geiseln mitführen . Aber Witichis wies ihn ab . » Laß das ! Ich werde gar keine Geiseln nehmen . Was nützt es , ihnen die Köpfe abzuschlagen ? Du , dein Wort soll mir für Rom bürgen . « » Wie meinst du das ? ich kann Belisar nicht abhalten . « » Du sollst es nicht : Belisar wird kommen : aber verlaß dich drauf : er wird auch wieder gehn . Wir Goten werden diesen Feind bezwingen : vielleicht erst nach hartem Kampf : aber gewiß . Dann aber gilt es den zweiten Kampf um Rom . « » Einen zweiten ? « fragte Cethegus ruhig , » mit wem ? « Aber Witichis legte ihm die Hand auf die Schulter und sah ihm ins Antlitz mit einem Auge wie die Sonne : » Mit dir , Präfekt von Rom ! « » Mit mir ! « Und er wollte lächeln , aber er konnte nicht . » Verleugne nicht dein Liebstes , Mann : es ist deiner nicht würdig . Ich weiß es , für wen du die Türme und Schanzen um diese Stadt erbaut : nicht für uns und nicht für die Griechen ! für dich ! Ruhig ! Ich weiß , was du sinnest , oder ich ahn ' es : kein Wort ! Es sei ! Sollen Griechen und Goten um Rom kämpfen und kein Römer ? Aber höre : Laß nicht einen zweiten jahrelangen Krieg unsre Völker hinraffen . Wenn wir die Byzantiner niedergekämpft , hinausgeworfen aus unserm Italien , - dann , Cethegus , will ich dich erwarten vor den Mauern Roms ; nicht zur Schlacht unsrer Völker , - zum Zweikampf : Mann gegen Mann , du und ich , wir wollen ' s um Rom entscheiden . « Und in des Königs Blick und Ton lag eine Größe , eine Würde und Hoheit , die den Präfekten verwirrte . Er wollte heimlich spotten der einfältigen Schlichtheit des Barbaren . Aber es war ihm , als könne er sich selbst nie mehr achten , wenn er diese Größe nicht zu achten , nicht zu ehren , nicht zu erwidern fähig sei . So sprach er ohne Spott : » Du träumst , Witichis , wie ein gotischer Knabe . « » Nein , ich denke und handle wie ein gotischer Mann . Cethegus , du bist der einzige Römer , den ich würdige , so mit ihm zu reden . Ich habe dich fechten sehen im Gepidenkrieg : du bist meines Schwertes würdig . Du bist älter als ich , wohlan : ich gebe dir den Schild voraus ! « » Seltsam seid ihr Germanen , « sagte Cethegus unwillkürlich : » was für Phantasien ! « Aber jetzt furchte Witichis die offne Stirn : » Phantasien ? Wehe dir , wenn du nicht fähig bist , zu fühlen , was aus mir spricht . Wehe dir , wenn Teja recht behält ! Er lachte zu meinem Plan sprach : Das faßt der Römer nicht ! Und er riet mir , dich gefangen mitzufahren . Ich dachte größer von dir und Rom . Aber wisse : Teja hat dein Haus umstellt : und bist du so klein oder so feig , mich nicht zu fassen , - in Ketten führen wir dich aus deinem Rom . Schmach dir , daß man dich zwingen muß zur Ehre und zur Größe . « Da ergrimmte Cethegus . Er fühlte sich beschämt . Jenes Ritterliche war ihm fremd und es ärgerte ihn , daß er es nicht verhöhnen konnte . Es ärgerte ihn , daß man ihn mit Gewalt nötigte , daß man seiner freien Wahl mißtraut habe . Wütender Haß gegen Tejas Mißachtung wie gegen des Königs brutale Offenheit loderte in ihm auf . All diese Eindrücke rangen in ihm , er hätte gern den Dolch in des Germanen breite Brust gestoßen . Fast hätte er vorhin aus soldatischem Ehrgefühl im vollen Ernst sein Wort gegeben . Jetzt durchzuckte ihn ein davon sehr verschiedenes , unschönes Gefühl der Schadenfreude . Sie hatten ihm nicht getraut , die Barbaren : sie hatten ihn gering erachtet : nun sollten sie gewiß betrogen sein ! Und mit scharfem Blick vortretend faßte er des Königs Hand . » Es gilt , « rief er . » Es gilt , « sprach Witichis , fest seine Hand drückend . » Mich freut es , daß ich recht behielt und nicht Teja . Leb wohl ! hüte mir unser Rom . Von dir fordre ich es wieder in ehrlichem Kampf . « Und er ging . » Nun , « sprach Teja draußen mit den andern Goten rasch vortretend , » soll ich das Haus stürmen ? « » Nein , « sagte Witichis , » er gab mir sein Wort . « » Wenn er ' s nur hält ! « Da trat Witichis heftig zurück . » Teja ! dich macht dein finstrer Sinn ungerecht ! Du hast kein Recht , an eines Helden Ehre zu zweifeln . Cethegus ist ein Held . « » Er ist ein Römer . Gute Nacht ! « sagte Teja , das Schwert einsteckend . Und er ging mit seinen Goten andren Weges . Cethegus aber warf sich diese Nacht unwillig aufs Lager . Er war uneins in sich . Er grollte mit Julius . Er grollte bitter mit Witichis , bittrer noch mit Teja . Am bittersten mit sich selbst . * * * Am folgenden Tage versammelte Witichis noch einmal Volk , Senat und Klerus der Stadt bei den Thermen des Titus . Von der höchsten Stufe der Marmortreppe des stolzen Gebäudes herab , die von den Großen des Heeres besetzt war , hielt der König eine schlichte Ansprache an die Römer . Er erklärte , daß er auf kurze Zeit die Stadt räumen und zurückweichen werde . Bald aber werde er wiederkehren . Er erinnerte sie der Milde der gotischen Herrschaft , der Wohltaten Theoderichs und Amalaswinthens , und forderte sie auf , Belisar , falls er heranrücke , mutig zu widerstehen , bis die Goten zum Entsatz wieder heranrückten : der Römer wieder an die Waffen gewöhnte Legionare und ihre starken Mauern machten langen Widerstand möglich . Zuletzt forderte er den Eid der Treue und ließ sie nochmals feierlich schwören , daß sie ihre Stadt auf Leben und Tod gegen Belisar verteidigen wollten . Die Römer zögerten : denn ihre Gedanken waren jetzt schon im Lager Belisars und sie scheuten den Meineid . Da scholl dumpfer feierlicher Gesang von der Sacra Via her : und an dem slavischen Amphitheater vorbei zog eine große Prozession von Priestern mit Psalmengesang und Weihrauchschwang heran . In der Nacht war Papst Agapet gestorben und in aller Eile hatte man Silverius , den Archidiakon , zu seinem Nachfolger gewählt . Langsam und feierlich wogte das Heer von Priestern heran : die Insignien der Bischofswürde von Rom wurden vorausgetragen : silberstimmige Knaben sangen in süßen und doch weihevollen Weisen . Endlich nahte die Sänfte des Papstes : offen , breit , reichvergoldet , einem Schiffe nachgebildet . Die Träger gingen langsam , Schritt für Schritt , nach dem Takt der Musik , von ringsum drängendem Volk umwogt , das nach dem Segen seines neuen Bischofs verlangte . Silverius spendete unablässig denselben , mit seinem klugen Haupte rechts und links hin nickend . Eine große Zahl von Priestern und ein Zug von speertragenden Söldnern schloß die Prozession . Sie hielt inne , als sie in die Mitte des Platzes gelangt war . Schweigend , mit trotzigen Augen , sahen die arianischen , gotischen Krieger , die alle Mündungen des Platzes besetzt hielten , den stolzen , prachtentfaltenden Aufzug der ihnen feindlichen Kirche , indes die Römer die Ankunft ihres Seelenhirten um so freudiger begrüßten , als seine Stimme ihre Gewissenszweifel wegen des zu leistenden Eides lösen sollte . Eben wollte Silverius seine Ansprache an das versammelte Volk beginnen , als der Arm eines turmlangen Goten , über die Brüstung der Sänfte hereinlangend , ihn an dem goldbrokatnen Mantel zupfte . Unwillig ob der wenig ehrerbietigen Störung wandte Silverius das strenge Gesicht , aber uneingeschüchtert sprach der Gote , den Ruck wiederholend : » Komm , Priester , du sollst hinauf zum König . « Silverius hätte es angemessener gefunden , wenn der König zu ihm heruntergekommen wäre , und Hildebad schien etwas dergleichen in seinen Mienen zu lesen . Denn er rief : » ' s ist nicht anders ! duck ' dich , Pfäfflein ! « Und damit drückte er einen der die Sänfte tragenden Priester an der Schulter nieder : die Träger ließen sich nun auf die Kniee herab , und seufzend stieg Silverius heraus , Hildebad auf die Treppe folgend . Als er vor Witichis angelangt war , ergriff dieser seine Hand , trat mit ihm vor , an den Rand der Treppe , und sprach : » Ihr Männer von Rom , diesen hier haben eure Priester zu eurem Bischof bezeichnet . Ich genehmige die Wahl : er sei Papst , sobald er mir Gehorsam geschworen und euch den Eid der Treue für mich abgenommen hat . Schwöre , Priester ! « Nur einen Augenblick war Silverius betroffen . Aber sogleich wieder gefaßt , wandte er sich mit salbungsvollem Lächeln zu dem Volk , dann zum König . » Du befiehlst ? « sprach er . » Schwöre , « rief Witichis , » daß du in unsrer Abwesenheit alles aufbieten wirst , diese Stadt Rom in Treue zu den Goten zu erhalten , denen sie soviel verdankt ; in allen Stücken uns zu fördern , unsre Feinde aber zu schädigen . Schwöre Treue den Goten . « » Ich schwöre , « sagte Silverius , sich zu dem Volke wendend . » Und so fordre ich , der ich die Macht habe , die Seelen zu binden und zu lösen , euch , ihr Römer , umstarret rings von gotischen Waffen , auf , im gleichen Sinne zu schwören , wie ich geschworen habe . « Die Priester und einige der Vornehmen schienen verstanden zu haben und erhoben unbedenklich die Finger zum Schwur . Da besann sich auch die Menge nicht länger , und der Platz erscholl von dem lauten Ruf : » Wir schwören Treue den Goten . « » Es ist gut , Bischof von Rom , « sprach der König . » Wir bauen auf euren Schwur . Lebt wohl , ihr Römer ! Bald werden wir uns wiedersehen . « Und er schritt die breiten Stufen nieder . Teja und Hildebad folgten ihm . » Jetzt bin ich nur begierig ... « - sagte Teja . » Ob sie es halten ? « meinte Hildebad . » Nein . Gar nicht . Aber wie sie ' s brechen . Nun , der Priester wird ' s schon finden . « Und mit fliegenden Fahnen zogen die Goten ab zur Porta Flaminia hinaus , die Stadt ihrem Papst und dem Präfekten