. Er sah , daß die Pferde gut eingestellt und mit Decken versorgt worden waren . Er sagte Raimund noch genauer , was er tun solle , streichelte sein graues Pferd , und ging dann fort . Er ging über den Hof , und suchte den Saal , in welchem er einst von Heinrich empfangen worden war , und in welchem man das Mittagmahl eingenommen hatte . Er kam in den Saal . Der Saal war gerade so wie damals , er hatte die Tische , die Waffen , und an einem Fensterpfeiler hing auf einem Nagel ein Kopfgoldreifchen mit kleinen Öffnungen . Es war aber niemand in dem Saale . Witiko ging durch eine Tür in ein weiteres Gemach . Auch dieses war leer . Als er in demselben stand , hörte er Tritte kommen , und Heinrich ging herein . Er führte Witiko durch ein zweites Gemach , das gleichfalls leer war , in ein drittes , in welchem Wiulfhilt saß . Sie stand von dem Stickrahmen auf , und ging Witiko entgegen . » Seid willkommen , Witiko « , sagte sie . » Ich bringe meinen ehrerbietigen Gruß « , sagte Witiko , » ich bin in Euer gastliches Haus gekommen , hohe Frau , um darin um eine Nachtherberge zu bitten . « » Und mein Gemahl und ich gewähren sie « , entgegnete die Frau , » und würden viele Nachtherbergen gewähren . « » Mein Weg ruft mich morgen wieder weiter « , entgegnete Witiko . » So genießet heute , was unser Haus vermag « , sagte Wiulfhilt . Nach diesen Worten ging sie zu ihrem Sitze , und lud Witiko ein , sich auch nieder zu setzen . Er tat es . Heinrich setzte sich auch . Wiulfhilt richtete ihre blauen Augen auf Witiko , und sagte : » Ihr seid vier Jahre nicht in unserem Hause gewesen . « » Ich habe oft an dasselbe gedacht « , entgegnete er . » Dann gebt Ihr jenen Stunden , die Ihr da waret , ein gutes Gedächtnis « , sagte Wiulfhilt . » Oft denkt man weniger Stunden , und vergißt vieler « , antwortete Witiko . » Ja , so ist es « , entgegnete Wiulfhilt , » und wie Ihr in jener Zeit nicht einmal eine Nacht unter unserem Dache geblieben seid , so wollt Ihr heute auch wieder nur nach einer Nacht weiter . « » Es hat sich alles gefügt « , sagte Witiko , » und fügt sich jetzt auch wieder . « » Nun , so gehorcht Eurer Fügung , und möge sie immer eine günstige sein « , erwiderte die Frau . » Es wechselt das Gute mit dem Übeln « , sagte Witiko . » Und mit dem Ehrenvollen « , entgegnete Wiulfhilt , » Ihr seid lange bei dem böhmischen Herzoge Sobeslaw gewesen , und seid von ihm zu dem Landtage geschickt worden . « » Ich bin ein Jahr in Böhmen gewesen , da Sobeslaw herrschte , und nur wenige Tage bei ihm , da er sich zum Sterben rüstete « , sagte Witiko , » und es ist kein Landtag gewesen , zu dem ich gegangen bin , erhabene Frau , sondern eine freiwillige Versammlung der Herren der Länder Böhmen und Mähren , um für das Sterben Sobeslaws einen Nachfolger zu wählen , obgleich sie schon dem Sohne Sobeslaws den Eid geleistet hatten . Ich bin auch nicht zu der Versammlung geschickt worden , sondern Sobeslaw , der mir traute , wollte nur wissen , was in seiner Krankheit geschehe . Ich bin selber in die Versammlung gegangen . « » Und Ihr habt dort geredet « , sagte Wiulfhilt . » Und sie haben mich ihren Beratungen und Beschlüssen zuhören lassen « , antwortete Witiko . » Seid Ihr bei dem Tode Sobeslaws gewesen ? « fragte Heinrich . » Ich habe ihn sterben gesehen « , antwortete Witiko . » Er hat sich dem Hohenstaufen Konrad verbündet , und ist ein Feind unseres verstorbenen Herzoges Heinrich gewesen « , sagte Heinrich , » aber ich habe ihn doch geehrt , und habe es ihm gezeigt , wenn ich ihn gesehen habe . « » Habt Ihr seine Adelheid gesehen , Witiko ? « fragte Wiulfhilt . » Ich habe mit ihr gesprochen , und sie hat mir die Geschenke des Herzogs für meinen Dienst gegeben « , antwortete Witiko . » Wie hat sie den Tod ihres Gemahles ertragen ? « fragte Wiulfhilt . » Sie hat für ihn gebetet , und ist in Trauer gestorben « , sagte Witiko . » Wir haben davon gehört « , entgegnete Wiulfhilt ; » ist für ihre Kinder gesorgt worden ? « » Der Herzog Wladislaw ist ehrfurchtvoll gegen Adelheid gewesen « , sagte Witiko , » er ist großmütig gegen ihre Kinder , und er wird selbst gegen den aufständigen Wladislaw nicht hart sein . « » Ihr seid , da auf dem Herzogstuhle gewechselt worden , lange in dem oberen Plane gewesen , Witiko « , sagte Wiulfhilt . » Da ist eine traurige Zeit verflossen « , entgegnete Witiko , » ich wollte dem neuen Herzoge nicht dienen , und bin in dem kleinen Hause geblieben , das wir in Plan besitzen . Ich habe nur mit den Waldleuten geredet und einmal mit einem alten Zupane und zwei kleinen Herren des Landes , ich habe meine Mutter nicht gesucht , und konnte nichts tun , als was ein Knecht bei einem kleinen Hausverwalter tut . « » Ihr habt Euch aber dann dem Herzoge Wladislaw zugewendet « , sagte Heinrich . » Da der andere Wladislaw , der Sohn Sobeslaws , sein Recht aufgegeben hatte , bin ich im Gedächtnisse der Sterbeworte Sobeslaws , die seinem Sohne die Unterwerfung an Wladislaw angeraten hatten , zu dem Herzoge gegangen . « » Und Ihr seid in der Schlacht gegen die Mährer und bei den anderen Kämpfen gewesen « , sagte Heinrich . » Nicht bei allen , da ich anderwärts hin befohlen wurde « , antwortete Witiko . » Wladislaw ist der Sohn des Herzoges Wladislaw , der ein starkmütiger Mann gewesen ist , und er ist der Neffe des Herzoges Sobeslaw , der auch ein starkmütiger Mann gewesen ist , und er wird selber starkmütig sein « , sagte Heinrich . » Gegen mich ist er gut und freundlich gewesen « , sagte Witiko . » Es wäre ersprießlich , wenn auch in unserem Herzogtume Baiern alles geordnet würde « , sprach Heinrich , » es haben in den Kämpfen viele Männer , denen noch eine lange Zeit auf der Erde bevor stand , das Leben verloren , andere haben auch sonst ihr Ende gefunden . Unser hochsinniger Herzog Heinrich , der zwischen den Meeren gebot , und dem der Kaisermantel gebührte , ist aus der Welt gegangen , Richenza , die Witwe des Kaisers Lothar , die als Heldin bei den Sachsen stand , ist in das Grab gestiegen , und Leopold , der Markgraf von Österreich , den der König Konrad mit dem Herzogtume Baiern belehnt hatte , und der sich dieses Herzogtum mit allen Kräften erstreiten wollte , liegt in der Erde . Und Adalbert , der Erzbischof von Mainz , der dem Könige Konrad so feindlich gewesen ist , mußte von hinnen . Jetzt vermählen sie die Witwe unseres hohen verstorbenen Herzoges dem feindlichen Geschlechte , Heinrich , dem Bruder Leopolds , dem Markgrafen von Österreich . Das Söhnlein unsers mutvollen Herzoges belohnten sie mit Sachsen , und Baiern behält der König Konrad noch für einen Ergebenen in der Hand . So meinen sie es geendiget zu haben . Aber es wird wieder auferstehen , und mancher Mann , nachdem er in vielen Ländern und Kämpfen gewesen ist , kann sich den Sitz der Ruhe nicht gründen , indes die besten Jahre dahin gehen . « » Tragen wir es « , sagte Wiulfhilt , » Gott kann alles fügen , und kann uns Freuden bereiten , die wir gar nicht vermutet haben . « » So füge er es « , antwortete Heinrich , » und füge es bald . Ihr habt Euch bei den Leuten Vertrauen erworben , die in dem Walde wohnen , Witiko . « » Ich liebe das lange und breite Waldesband und seine Leute « , sagte Witiko . » Im Walde stehen noch viele Dinge bevor « , sagte Heinrich , » beachtet sie , Witiko . « » Ich suche nach dem Rechten zu streben , so wie ich es verstehe « , sagte Witiko . » Tut immer so , dann könnt Ihr manches erreichen « , entgegnete Heinrich . » Ihr seid in den Jahren , die wir Euch nicht gesehen haben , viel stattlicher geworden , Witiko « , sprach Wiulfhilt . » Die Jugend ändert sich schnell « , sagte Heinrich , » in späteren Zeiten ist man oft Jahre lang gleich . « » Ihr scheint mir auch wirklich wie damals , hochedle Frau « , sagte Witiko , » selbst die Haare tragt Ihr wieder im Goldnetze . « » Das ist so die Gewohnheit « , sagte Wiulfhilt , » habt Ihr Euch das gemerkt ? « » Es ist so , als wäre seit jenen Tagen keine Zeit vergangen « , sagte Witiko . » Nun , wenn Ihr wieder nach mehreren Jahren erst abermals hieher kommt « , sprach Heinrich , » möget Ihr uns dann auch als die gleichen und nicht älter sehen als heute . « » Oder mögen alle Verwirrungen enden , und möget Ihr bald wieder zu uns kommen , und länger bleiben « , sagte Wiulfhilt . » Wenn ich den freundlichen Empfang wie die zwei Male erwarten darf , werde ich wiederkommen « , antwortete Witiko . » Der Empfang wird immer gut sein « , erwiderte Heinrich . » Ich habe Euch , erhabene Frau , den Ankunftsgruß gebracht « , sagte Witiko , » und Eure Zeit genommen . Erlaubet , daß ich Euch nun verlasse . « Mit diesen Worten stand er von seinem Sitze auf . Wiulfhilt sagte : » Nehmt noch einmal das Willkommen , und handelt bei uns nach Euerm Gefallen . « » Gebraucht Eure Zeit nun für Euch , Witiko « , sagte Heinrich , » und seid gedenk , daß Ihr , wenn die Glocke schallt , mit den Eurigen zum Abendessen kommt . « » Ich werde folgen « , antwortete Witiko . Er verließ hierauf das Gemach . Er ging jetzt wieder in die Kammern , die ihm zur Herberge angewiesen worden waren . Dort standen auf einem Tische Speisen und Wein ; aber es saß niemand vor ihnen . Raimund war nicht da . Der Mann in dem braunen Gewande lag angekleidet auf einem Bette , und schlief . Witiko verließ nun auch die Gemächer wieder . Er ging durch den Hof in das Freie . Dort lenkte er seine Schritte dem rauschenden Wasser entgegen , das von dem Walde der drei Sessel herab floß . Er ging auf dem weichen Rasen dem Wasser entgegen und dem großen breit aufsteigenden Walde zu . Als er an den Rand desselben gekommen war , teilte sich der Weg . Der eine Zweig ging gerade zwischen den Stämmen empor in der Richtung gegen die drei Sessel , der andere ging links an dem Saume des Waldes fort . Witiko wendete sich gegen diesen Pfad . Da sah er in der Tiefe unten , in welche ein Arm des Wassers hinab floß , auf einem Steinblocke zwischen Gebüschen den Mann mit den schwarzen krausen Haupthaaren sitzen , der einmal im Hauzenberge den Topf mit Draht umwunden , und den Heinrich im Waldhause Wolf geheißen hatte . Der Mann blöckte seine weißen Zähne gegen Witiko , lächelte , und wies öfter mit seinem Finger in der Richtung des Waldsaumweges hin . Witiko ging auf diesem Wege fort . Er ging zuerst an dem Waldrande , dann zwischen Stämmen , dann wieder frei an dem Waldrande , immer aufwärts . Dann gelangte er zu einem sehr großen Granitsteine , der aus dem weichen Grase emporstand , und höher als eine Waldhütte war , und nach unten auf Ahorne und das Waldhaus und weiter hin auf Berge blicken ließ . Vor dem Steine war eine Bank aus Holz , und neben der Bank stand Bertha , die Tochter Heinrichs . Zu ihren Füßen war grüner Rasen , unter ihr graues Gestein , ober ihr graues Gestein , und hinter ihr der dunkle Wald . Sie hatte nicht wie damals , da Witiko sie zuerst gesehen hatte , die weißen Ärmel des Hemdes und die Zöpfe , sondern ein reiches veilchenfarbenes Kleid und die Haare in einem silbernen Netze . Sie stand , und sah auf Witiko , Witiko sah auf sie . Dann sagte sie : » Bist du gekommen , Witiko ? « » Ich bin gekommen « , sagte er , » und du stehst wieder wie meine Weissagung am Rande des Waldes , aber ohne Rosen . « » Man könnte allerlei Kränze tragen « , sagte Bertha , » von dem Heidekraute , von dem wohlriechenden Kunigundenkraute , von den grünen Blättern der Preußelbeeren . « » Die dunkelrote Waldrose ist dein schönster Schmuck « , entgegnete Witiko , » und mein Glück . O Bertha , du bist sehr schön geworden . « » Du bist auch schön geworden , Witiko « , sagte Bertha , » und du bist zwei Jahre in dem oberen Plane jenseits des Waldes gewesen . « » Meine Mutter hat dort ein kleines Haus « , antwortete Witiko . » Und in dem Hause bist du gewesen « , sagte Bertha , » du hast geholfen , kleine Arbeit zu tun , du bist zu Leuten in die Stuben gegangen , du hast Leute in deine Stube geladen , du bist auf deinem grauen Pferde die Wege um Plan geritten , du hast Nachbarn in dem Walde und fern des Waldes besucht , und bist auf den Berg gegangen , auf welchem das rote Kreuz steht . « » Ich habe von dem Berge auf die Wälder geschaut , die rings um ihn zu sehen sind « , antwortete Witiko . » Die Mädchen von Plan nennen den Berg Witikos Berg « , sagte Bertha . » Das habe ich nie gehört « , entgegnete Witiko . » Sie haben ihn so genannt , als du dort warest « , erwiderte Bertha , » und nennen ihn so , da du fort warest . Du bist mit den Leuten des Waldes auf den Berg Wysoka und in die Stadt Prag gegangen , und hast sie wieder in ihre Heimat zurückgeführt . « » Woher weißt du denn diese Dinge , Bertha ? « fragte Witiko . » Von der Moldau sind viele Wege herüber , mancher heilige Mann geht sammeln , und unser Knecht Wolfram kennt alle Fluren . « » Der Berg heißt der Kreuzberg « , sagte Witiko . » Du bist zu dem Herzoge Sobeslaw gegangen , und hast ihm treu gedient « , sprach Bertha . » Er ist unserm Lande ein gerechter und wohltätiger Herrscher gewesen « , sagte Witiko . » Du bist zu ihm auf die Burg gegangen , da er sich zum Sterben rüstete « , sagte Bertha , » und bist bei ihm geblieben , da sich die Herren zur Wahl eines Nachfolgers versammelten . « » Manche sind treu geblieben , manche sind abgefallen « sagte Witiko . » Und du bist für den Herzog nach Prag gegangen « , sprach Bertha , » bist in die Versammlung der Herren gegangen , hast sie bewogen , hast sie gehört , und dem Herzoge die Botschaft gebracht . « » So ist es gewesen , Bertha « , sagte Witiko . » Und du bist bei des Herzoges Sterben und seiner Bestattung gewesen « , sagte Bertha , » und bist von dem neuen Herzoge auf zwei Jahre Groll in den Wald gegangen . « » Nicht auf Groll « , antwortete Witiko , » sondern ich habe dem Herzoge nicht gedient , weil noch das Recht bei Wladislaw , dem Sohne Sobeslaws , war . « » Und nach dem Ende dieses Rechtes « , sagte Bertha , » bist du mit den Guten zu dem andern Wladislaw gegangen , du bist in der Schlacht auf dem Berge Wysoka gewesen , du hast den Schaden der Verräter gut gemacht , du hast nach dem Tode Smils den Befehl über die Waldleute geführt , und hast in dem Kampfe ein weißes Schild mit der dunkelroten fünfblättrigen Waldrose getragen . « » Was ich getan habe , weiß ich nicht mehr genau « , antwortete Witiko , » aber den weißen Schild mit der dunkelroten fünfblättrigen Waldrose habe ich getragen . « » Ihr seid , du und die Waldleute , mit dem Herzoge nach Prag gezogen « , sagte Bertha , » du bist ihr Führer geworden , du bist mit dem Herzoge zu dem Könige Konrad nach Nürnberg geritten , du hast mit Odolen die Feinde geschlagen , und hast die mährischen Fürsten entrinnen lassen . Der Herzog hat in dem Gerichte darüber dich geehrt , und du bist mit den Waldleuten wieder nach Plan gegangen . « » So ist alles , Bertha « , sagte Witiko . » Ich weiß es « , antwortete Bertha ; » aber weißt du , was ich gesagt habe ? « » Nein , ich weiß es nicht « , antwortete Witiko . » Ich habe gesagt « , entgegnete Bertha , » keiner soll mein Gatte werden , der nicht ist wie Witiko , oder er selber soll mein Gatte werden . So habe ich gesagt . Ihr aber , edler Witiko , seid nicht zu uns gekommen , und wisset nur , als ich Euch heute in unsern Hof reiten sah , bin ich von Euch fort zu dem Walde gegangen . « » Und ich habe dich in dem Walde gesucht « , antwortete Witiko , » und mein Himmelgeschick hat mich dich finden lassen wie an jenem Sonntage . Du Bild des heitern Sonntages , Bertha , ich habe deinen roten Mund nicht vergessen , der auf den sonnigen Steinen gesprochen , und dein Auge nicht , das in dem Walde geglänzt hat . Da ist die schöne Dimut in dem Turme von Rowna , da ist die schöne Herzogin Gertrud in der Hofburg in Prag , da wandeln die schönen Frauen und Jungfrauen in den Straßen und Gärten von Prag , und wohnen in den hohen Häusern und Schlössern , da sind in dem Hoflager des Königs Konrad und in Nürnberg Frauen und Jungfrauen voll der Schönheit , in Plan , in Daudleb , in Wettern , in Friedberg , im Walde sind die Mädchen wie die Rosen ; ich aber habe nicht vergessen , daß ich mit dir auf den Steinen des Waldes gesessen bin , und daß du höher bist als die Rosen . « » Und doch hast du den Weg über den Wald herüber zu mir nicht gesucht « , sagte Bertha . » Ich habe zu dir in jenem Walde unten einmal gesagt « , antwortete Witiko , » daß ich ein rechter Mann werden wolle . Und weil ich noch kein rechter Mann geworden war , bin ich aus Scham nicht gekommen , Bertha . Aber auf dem Kreuzberge bin ich gestanden , und habe auf den Wald geschaut , hinter dem ich dich zum ersten Male gesehen habe , und habe wieder auf den Wald geschaut . Ich wäre auch heute nicht gekommen , nur ein kleiner Umstand hat mich hergeführt . Aber ich wäre einmal gekommen , wenn ich ein rechter Mann geworden wäre , und hätte dann gesehen , ob du denkest wie ich . « » Ja , Witiko , so ist auch alles recht , wie du getan hast « , sagte Bertha . » Und ich werde kommen « , sagte Witiko . » Und du weißt schon , wie ich denken werde « , sagte Bertha . » So ist alles gut und klar « , sagte Witiko . » Baue dir ein Haus , Witiko « , sagte Bertha , » und wenn dann noch keine Makel an dir ist , so folge ich dir , und harre bei dir bis zum Tode . Dann rede zu den Männern deines Landes , bringe sie zu dem Großen , und tue selber das Große . « » Ich habe dir gesagt , daß ich das Ganze tun will , was ich kann « , antwortete Witiko . » Ich will , daß dir keiner gleich ist « , sagte Bertha , » so weit die Augen blicken , es mögen unten die Bäume des Waldes emporstehen , oder die goldenen Felder der Ähren oder der grüne Sammet der Wiesen weit und weit dahin gehen . « » Ich will zu dem Höchsten streben « , sagte Witiko . » Und wenn du ein niederer Mann würdest « , sagte Bertha , » so würde ich als dein Weib von dir gehen , dahin du mir nicht folgen könntest . « » Du gehst nicht , und alles wird sich erfüllen « , sagte Witiko . » Alles wird sich erfüllen « , sagte Bertha . » Und nun bitte ich dich um etwas , Bertha « , sagte Witiko . » Sprich « , entgegnete Bertha . » Lasse mich deine Lippen küssen , über welche einmal der Quell des Gesanges geklungen hat « , sagte Witiko . » So küsse sie , Witiko « , sagte Bertha . Und er nahete sich , und küßte ihren Mund . Dann sagte er : » Wie schön ist die Stelle , darauf wir stehen , es hat jemand die Bank gebaut . « » Ich habe sie errichten lassen « , entgegnete Bertha , » so wie ich die Steine habe legen lassen , auf denen wir vor vier Jahren gesessen sind . « » Bist du oft hier ? « fragte Witiko . » Da wir in dem Walde waren , bin ich oft da gewesen , und habe an dich gedacht « , antwortete Bertha . » Und wenn ich auf die Waldhöhen geschaut habe , auf denen eine Burg schön ragen würde « , sagte Witiko , » so schaute ich am längsten auf die Höhe der Sessel . « » Und mein Herz jauchzte , als du sie auf dem Wysehrad gezwungen hast , dir einen Sitz zu geben « , sagte Bertha . » Und ich habe in meinem Sinne die Worte gesagt , die du im Walde gesprochen hast « , antwortete Witiko . » Und ich habe auf Wolf gelauscht , wenn er von dir erzählte « , sagte Bertha . » Ich habe dieser Tage das Gewand angelegt , das ich hatte , als ich dich zum ersten Male sah « , sprach Witiko . » Ich dachte es « , antwortete Bertha . » Ich habe die rote Rose auf dem weißen Schilde deinetwegen in dem Kampfe getragen « , sagte Witiko . » Ich wußte es « , entgegnete Bertha . » Und ich kann hier nur weilen , bis die Sonne des Morgens scheint , dann muß ich wieder fort « , sagte Witiko . » Ich weiß es « , antwortete Bertha . » Du weißt es ? « fragte Witiko . » Ja , ich weiß es « , sagte sie , » und lasse uns schnell zu den Eltern gehen . « Sie wendeten sich . Witiko reichte ihr den Arm . Sie legte ihren Arm in den seinigen , und so gingen die zwei Gestalten auf den Pfad an dem Waldsaume dahin , und gingen auf dem Pfade gegen das Haus Heinrichs . Als sie gegen die Tiefe kamen , wo die zwei Wege sich vereinigen , sah Witiko den Mann Wolf noch immer auf dem Steine in der Schlucht neben dem Gebüsche sitzen . Da Wolf die Wandler erblickte , sprang er von dem Steine , und eilte in großen Sprüngen durch die Schlucht gegen das Haus . Witiko und Bertha aber gingen an dem Bache dem Hause zu , von dem Witiko vor kurzem allein herauf gegangen war . Als sie das Haus erreicht hatten , gingen sie durch die nämliche Tür in dasselbe , durch welche Bertha Witiko herein geführt hatte , da er das erste Mal hieher gekommen war . Sie traten in den Vorsaal , und von demselben in den Saal . Er war leer . Hier löste Bertha ihren Arm von dem Witikos , und eilte in die ferneren Gemächer . Witiko aber ging zu den Seinigen . Der Mann in dem braunen Gewande schlief noch immer auf dem Bette , und Raimund war wieder nicht in der Herbergwohnung . Witiko ging auch wieder von den Stuben fort , und ging gegen die Ställe . An der Tür zu den fremden Pferden standen die Knechte Hando und Raimund , und sprachen . » Hando « , sagte Witiko , » gehe zu deinem Herrn , und frage ihn von mir , ob ich zu dieser Frist zu ihm kommen , und mit ihm reden dürfe . « » Ich werde es tun « , sagte Hando . Er ging in das Haus . Witiko sprach zu Raimund : » In unsern Kammern stehen Speisen und Getränke . Wenn du essen und trinken willst , so gehe hin , und nimm , was du bedarfst . Ich esse jetzt nicht . Der andere schläft , und lasse ihn schlafen . « » Ich werde etwas von den Speisen nehmen « , sagte Raimund . Der Knecht Hando kam zurück , und sagte : » Ich soll Euch zu dem Herrn führen . « » So führe mich « , antwortete Witiko . Der Knecht ging voran , Witiko folgte ihm . Aus dem Gange des Vorsaales hinter der eisenbeschlagenen Eingangstür führte der Knecht Witiko in ein Gemach , in welchem Heinrich an einem Tische saß . Er stand auf , da Witiko eingetreten war . Da der Knecht sich entfernt hatte , sagte Witiko : » Wenn es Euch genehm ist , mich zu hören , so hätte ich Euch etwas mitzuteilen , das Euch und mich betrifft . « » Sprecht , Witiko « , sagte Heinrich , » das Gemach ist zu meinem Gebrauche . « Er wies auf einen Stuhl , und als sich Witiko darauf niedergelassen hatte , setzte er sich auf einen andern . Witiko sprach : » Ich bin vor vier Jahren auf einem Ritte von Passau nach Böhmen in Euern Wald gekommen . Weil des andern Tages ein Sonntag war , ließ ich mein Pferd bei den Köhlern an der Mihel stehen , und ging in den Wald , um zu beten . Ich sah nach dem Gebete an dem Waldrande ein Mädchen stehen , das noch sehr jung war . Das Mädchen trug rote Waldrosen in einem Kranze um das Haupt . Ich sprach mit dem Mädchen , wir setzten uns auf Steine , und redeten Dinge , wie sie Kinder zu reden pflegen . Das Mädchen war Eure Tochter Bertha , und führte mich in Euer Haus . Ich habe das Kind nicht vergessen , und trug es in dem Sinne . Dann dachte ich , wenn ich etwas getan habe , daß ich zu den guten Männern unseres Landes gezählt werde , wolle ich kommen , und fragen , ob Bertha mein Weib werden könne . Die Zeit zu dieser Frage war noch nicht gekommen , weil ich noch nichts zu tun vermocht habe . Ich bin heute zu Euch geritten , Eure Gastfreundschaft für eine Nacht zu erbitten . Ihr gewährtet sie . Dann ging ich zu Eurer Gemahlin , um ihr den Ankunftsgruß zu bringen . Sie sprach mit Güte zu mir . Hierauf ging ich in den Wald . Es war mein Wille , Bertha zu suchen . Ich fand sie , und da kam vorzeitig aus dem Munde , was später hätte gesprochen werden sollen . Ich sagte , daß ich nie ein anderes Weib zu meiner Gattin nehmen werde als Bertha , und Bertha sagte , daß sie nie einen andern Mann zum Gatten nehmen werde als mich , und ich küßte Eure Tochter auf den Mund . Wenn Ihr ein Mann seid , der meint , daß durch diese Handlung die Gastlichkeit verletzt worden ist , so werde ich Euch die Genugtuung leisten , die Ihr gerecht fordern könnet . Morgen muß ich fortreisen . Bestimmt nach vier Tagen einen Tag , ich werde kommen . Was ich zu Bertha gesprochen habe , ist wie eine Handfeste , die gilt . Bertha tue , wie sie muß . « Witiko schwieg . Heinrich aber sprach nach einer Weile : » Witiko , jetzt höret mich an . Von dem alten Randshofe , dem Eigen der Pipine und der Söhne Karls , sieht man über die Brunnenau und den Innstrom wasserabwärts einen Fels , darauf die Burg Jugelbach steht . Die Burg ist das Haus unseres Geschlechtes . Ich bin Heinrich von Jugelbach . Man nennt mich Fahrirre , weil ich die Eigen vieler Herren gesehen habe , und über Land und Meer gefahren bin . Ihr seht aber an meinem Waldhause , daß ich auch stille lebe . Mein Vater ist Werinhart von Jugelbach , meine Mutter ist Benedicta von Aschach . Mein Bruder ist Gebhart von Jugelbach , der älteste Bruder Werinhart ist gestorben . Meine Gattin ist Wiulfhilt von Dornberg . Bertha ist unser einziges Kind . Der edle Mann ,