ab , welchen die damaligen Maler meist noch ihren Heiligenbildern zu geben pflegten . Sehr verschieden war die Wirkung seines Erscheinens auf die Anwesenden . Charitas erröthete und faltete die Hände zum innigen Dankgebet ; der Propst stand versteinert vor Schrecken und machte eine abwehrende Bewegung , als könne er jetzt noch dadurch verhindern , was er für sich selbst , peinvoll genug , allein um Ulrich ' s Willen so lange verhindert hatte ; die Nonnen neigten sich tiefer auf die gefalteten Hände und schielten doch neugierig nach dem schönen Manne ; Ulrike aber breitete die Arme aus wie nach einer überirdischen Erscheinung und rief lauter , als sie jetzt seit langer Zeit zu sprechen vermocht : » Mein Sohn ! Ulrich ! mein Sohn ! « Mit zwei Schritten war er an ihrem Lager , knieete davor , nahm ihre Hände in die seinen und rief : » Meine Mutter ! endlich seh ' ich Dich wieder ! darf ich Deinen Segen empfangen ! « Sie legte ihre Hände segnend auf seine Stirn und flüsterte : » Ulrich , welche Heilige führt Dich mir zu ? « » Sie steht hinter Dir ! « sagte er noch leiser , da er Charitas erkannte ; aber sie hörte es doch , erglühte und zitterte , wie sich freilich für die künftige Nonne nicht geziemen mochte . Mutter und Sohn sahen einander unverwandt an , forschten und erkannten die geliebten Züge , und der Todesengel wich vor einer großen Erschütterung und Freude . - Ulrich hatte auf den Brief , den ihm die Schwester Pirkheimer sandte , noch gezögert zu kommen . Wohl zog sein Herz ihn mächtig in das Kloster , aber er gedachte des Gelübdes , das er dem Propst geleistet , und wollte erst mit ihm sprechen , statt wider seinen Willen zu handeln . Kreß würde es ja doch wohl auch erfahren haben , wenn seine Schwester von einer tödtlichen Krankheit bedroht war . An diesem Abend nun war er voll Unruhe zu ihm gegangen . Da hatte man ihm gesagt , daß der Propst vor einer halben Stunde in das Clara-Kloster sei gerufen worden . Er eilte dahin und stand zögernd an der Pforte . Da tönte das Sterbeglöcklein - seinem Rufe konnte er nicht widerstehen ; er schellte und fragte die Pförtnerin : wem das Läuten gelte ? und da sie geantwortet : » der frommen Schwester Ulrike , die seit zwölf Jahren hier ist , « - da kannte er weder Zögerung noch Wahl , da wußte er , daß er ein heilig Recht habe auf den letzten Augenblick seiner Mutter , da bat er , ihn zur Priorin zu führen , und nannte sich Ulrikens Sohn , der von Straßburg hierhergekommen . Da die Priorin wußte , daß Ulrike verheirathet gewesen und einen Sohn gehabt , und da Ulrich sogar die Züge der Mutter trug , so zögerte sie nicht lange , sondern gab seinem angstvollen Flehen nach und führte ihn mit sich an das Sterbebett . - » Vergieb Deiner Mutter , « bat Ulrike , » vergieb ihr , daß sie Dich verlassen konnte ; dann erst können mir die Heiligen vergeben , dann erst kann ich in Frieden sterben ! « » Wie möget Ihr also sprechen ! rief Ulrich ; » als eine Heilige , die viel geduldet , hab ' ich Euch schon verehrt , und doppelt , seit ich Alles weiß , was Ihr gelitten und geduldet - « Auf einmal stieß Ulrike einen entsetzlichen Schrei aus . Ward jetzt ihr Geist vollends ganz klar und entsetzte sie gerade dieses Alles-wissen , von dem Ulrich sprach ? dachte sie daran , daß , wenn die Welt erfuhr , wie und wessen Sohn er sei , die Sünde der Eltern über ihn kam ? Der Propst faßte so die angstvoll flehenden Blicke auf , die sie zu ihm herüber warf , der tief bekümmert auf die Gruppe schaute , die er immer gefürchtet einmal so sehen zu müssen . Aber jetzt raffte sich Ulrike noch einmal kräftig auf und sagte mit lauter Stimme : » Mein Sohn , ich weiß , daß die Leiden dieser Zeit nicht werth sind der Herrlichkeit , die an uns soll offenbaret werden ! Daß ich Dich auf meinem Sterbebette segnen darf , ist ein Zeichen von der Vergebung des Himmels für uns Beide . Vor Gottes Thron werde ich für Dich beten und Dich erwarten - vielleicht kommst Du bald - - « Sie sank in die Kissen zurück , zog Ulrich ' s Hand mit einem letzten krampfhaften Zucken der ihren an ihr Herz und flüsterte verhallend : » Vielleicht kommst Du bald - bald ! « » Bald ! « flüsterte Ulrich ; » ich ahne es , Du ziehst mich Dir nach ! « Das Sterbeglöckchen läutete wieder - die Priorin öffnete leise das Fenster , um eine entfliehende Seele frei in den Himmel zu lassen . Ulrich knieete betend an der theuren Leiche , bis er ihr die still und kalt gewordenen Augen zudrücken konnte , dann ging er mit dem Propst . Achtes Capitel Anklagen und Verhör Mit sonderbaren Empfindungen vernahm Jacobea die Kunde von dem plötzlichen Tode Christoph Scheurl ' s , von dem Verdacht , der auf seine Gemahlin fiel , und von der Verhaftung Katharina ' s - jenes mit teuflischem Triumph , dieses mit ängstlichem Erschrecken . Wohl war Jacobea auch an dem Besitz des Ringes gelegen gewesen , doch war er ihr mehr Nebensache , die Hauptsache aber , daß ihr Pulver , welches sie für Elisabeth bereitet , irgend eine schädliche Wirkung auf dieselbe habe : entweder sie entstellte oder tödte - wenn sie auch nur gewagt hatte es Katharinen , die nicht so verdorben war als sie , unter dem milderen Namen eines Schlaftrunkes zu reichen . Zu einem Diebstahl , zu einer hinterlistigen Rache , wußte sie , war Katharina zu überreden ; aber stets würde sie vermieden haben , einen Mord auf ihre Seele zu laden . War sie nun die unschuldig Schuldige ? hatte sie statt an Elisabeth , an Scheurl die Wirkung ihres Pulvers versucht , und war diese eine so plötzlich tödtende gewesen ? Was hätte Jacobea darum gegeben , mit Katharinen reden zu können , die nun in den Händen der Gerichte war ! Wenn nun die Folterknechte Katharinen , die mehr schwach als schlecht war , zum ganzen Geständniß der Wahrheit brachten - wenn sie sagte , wer ihr das Pulver gegeben , und Jacobea selbst mit in Untersuchung kam ? Wenn sie selbst gefangen würde in der Schlinge , die sie für andere gelegt , wie es eigentlich Katharinen schon ergangen war ? Oder umgekehrt : wenn es gelinge , Elisabeth als Giftmischerin und Gattenmörderin zu verderben ; wenn die schöne Patrizierin auch auf der Folter , wenn auch nur aus Scham oder Schmerz gleich Andern , sich als schuldig bekennen würde , auch wenn sie es nicht war ? Wenn sie gerichtet würde zum Schauspiel für ganz Nürnberg ? - Konnte sich Jacobea doch noch des Tages erinnern , wo man den Nikolaus Muffel nicht geschont , sondern öffentlich enthauptet hatte , trotzdem daß er Loosunger war und mithin aus den edelsten Geschlechtern stammte , und trotzdem daß Kaiser Friedrich sich für ihn verwendet hatte - konnte nicht Elisabeth ein gleiches Schicksal haben ? Gab es doch genug Feinde für sie in den Mitgliedern des großen Rathes , und noch mehr Feindinnen unter deren Angehörigen . Der alte Loosunger Tucher hatte es ihr gewiß noch nicht vergessen , daß sie ganz allein durch den König Max ihm die für unebenbürtig gehaltene Schwiegertochter in ' s Haus gebracht , noch weniger aber die Hallerin , die ihren Gatten ganz zu lenken wußte , daß ihr Elisabeth beim König und bei allen Festen den Rang abgelaufen - und so gab es außer jenen noch Rathsherren genug , die ihr grollten , entweder weil sie einen Haß auf jedes Frauenzimmer warfen , das aus der gewöhnlichen engen Sphäre einer Art von Hörigkeit heraustrat , oder die selbst früher für sich selbst oder ihre Söhne vergeblich um Elisabeth geworben - und wieder gab es außer der Hallerin noch genug Frauen , die auf Elisabeth ' s geistige und körperliche Vorzüge eifersüchtig waren , ihr eine Demüthigung recht vom Herzen gönnten und ihrer Hoffart immer ein unglückliches Ende prophezeit hatten . Bei solchen Verhältnissen konnte es vielleicht gelingen , wenn man die Gelegenheit zu benutzen verstand , Elisabeth als schuldig erscheinen zu lassen , auch wenn sie es nicht war , noch selbst gestand . Ja , selbst wenn Katharina so schwach sein sollte , auf der Tortur über sich selbst die Wahrheit zu gestehen , so würde sie doch gewiß nicht zugeben , daß sie den Mord vorsätzlich vollführt , da sie ja in der That nicht die Wirkung des Pulvers gekannt hatte , und es war sehr wahrscheinlich , daß sie ihre Geständnisse in der Art machen konnte , daß Elisabeth zum wenigsten als ihre Mitschuldige erschien , wie es gerade damals und namentlich auch in den angrenzenden Ländern bei den Hexenprocessen häufig vorkam , daß niedrigstehende Personen hochstehende als ihre Mitschuldigen nannten , um vielleicht um diese Willen mit ihnen frei auszugehen . Freilich war es auch wahrscheinlich , daß Katharina nicht verschwieg , wie sie zu dem Gift gekommen , und die Schuld auf Jacobea zu wälzen suchte - und wenn diese nun auch entschlossen war , standhaft zu leugnen und gewiß war , daß Katharina keine Beweise für ihre Aussage finden konnte , so erschien ihr doch selbst die Aussicht auf die Tortur , die im Hintergrund drohte , schrecklich genug . Aber fast gleichzeitig mit dieser Nachricht empfing sie auch die , daß Weyspriach ' s Burg gefallen und zerstört worden sei , und daß der Burgherr selbst mit gefangen genommen . Martin Behaim war selbst in Irrthum gewesen , als er Elisabeth erzählt hatte , daß Weyspriach entkommen sei und Streitberg gefangen nach Nürnberg geführt ; es war gerade umgekehrt - aber wie es leicht bei solchen Ereignissen und Nachrichten und dem Erringen eines plötzlichen Sieges erging : im Triumph , der ihm folgte , waren Namen und Personen verwechselt worden . Jacobea war mehr als einmal die Helfershelferin dieser Ritter gewesen , und ihr Sturz war auch für sie ein Schlag . Wer weiß , ob nicht auch Weyspriach Geständnisse machte , die gefahrbringend für sie waren . Aber sie kannte Streitberg . Wie schlecht er auch war und keine List oder Gewaltthat scheute zur Erreichung seiner Zwecke , Furcht oder Feigheit waren ihm fremd , und wo er jetzt auch hingeflohen sein mochte , wie sehr er auch Ursache haben möge , Nürnberg und die über ihn verhängte Reichsacht zu scheuen , so würde er nun nur um so wüthender Rache an Elisabeth zu nehmen suchen , der er alles Ueble zuschrieb , was ihm und damit auch seinem Freund widerfahren . Streitberg war noch niemals der Herr seiner Leidenschaft gewesen , aber er war nicht so niederträchtig , einen Freund und Waffenbruder in der Gefahr zu verlassen , in die er selbst ihn mitgebracht , und wenn er jetzt sein Heil in der Flucht gesucht hatte , so war es entweder in der Meinung geschehen , daß auch Weyspriach dasselbe thun könne , oder in der Absicht , ihn dann noch aus derselben helfen zu können . Jacobea erdachte und verwarf einen Plan nach dem andern , und endlich beschloß sie , zu dem Juden Ezechiel zu gehen und mit ihm sich zu berathschlagen . Ezechiel hatte endlich zu der Ueberzeugung gelangen müssen , daß es seine eigene Tochter gewesen war , welche ihm den indianischen Raben , den er in Verwahrung genommen , entführt und mit ihm Elisabeth oder die Behaim von dem Ort in Kenntniß gesetzt hatte , wohin die geraubten indianischen Schätze gekommen wären - ja er konnte ihr kaum darüber zürnen ; denn dadurch allein war ja am andern Tage das Volk abgehalten worden , die Judengasse zu stürmen , und er dadurch noch einer größern Gefahr entgangen , als die andern seiner Glaubensgenossen , da er der specielle geheime Verbündete der Raubritter war und man bei ihm leicht ihn verdächtigende Artikel hätte finden können . Rachel hatte eingestanden , daß sie diese That gethan von Angst gepeinigt , und getrieben von der Hoffnung , gleich den erhabenen Frauengestalten aus den Geschichten des alten Testamentes ihr Volk aus einer großen Bedrängniß zu retten und im Nothfall sich für dasselbe zu opfern ; aber sie hatte ein hartnäckiges Stillschweigen darüber beobachtet , wie sie das gethan und zu wem sie die Kunde zuerst gebracht . Zürnte ihr der Vater auch über ihr eigenmächtiges Handeln , so konnte er es doch nicht ganz verdammen , nach den Motiven , welche sie angab . Aber er nannte sie ein ungehorsames , ungerathenes Kind , das klüger sein wolle als sein Vater - und um sich gegen diese Klugheit zu schützen , wie er selbst sagte , hielt er sie von dieser Stunde an eingesperrt und gestattete ihr nicht anders als an seiner Seite das Haus zu verlassen . Darum hatte sie auch Ulrich eingeschlossen gefunden . Ein Nachbar hatte ihn kommen sehen und das Ezechiel verrathen . Ein neuer Grund für diesen , Rachel sorgfältig bewacht zu halten , aber auch in Verbindung mit den Gerüchten , die in der Stadt über Elisabeth und dem Baubruder umliefen , und die nun nicht allein von ihren Feinden verbreitet waren , zu ahnen , daß gerade er es war , welchen Rachel zum Vermittler gewählt . Der Jude gehörte zu den Creaturen , die aus allen Dingen , wie nachtheilig sie im Anfang auch scheinen mögen , am Ende doch einen Vortheil für sich selbst zu ziehen wissen . Eigentlich hatte seine Tochter , der er , durch Jacobea aufgehetzt , nicht mehr hatte trauen mögen , ja ganz in seinem Sinne gehandelt , ihm in die Hände gearbeitet . Hatte so doch Rachel eine nächtliche Zusammenkunft Ulrich ' s mit Elisabeth in ihrem eigenen Hause veranlaßt - wie es später durch andere übereinstimmende Nachrichten vor Ezechiel sich aufklärte - hatte sie so doch ganz einfach und schnell bewerkstelligt , was seine List vergeblich bei beiden Theilen versucht hatte , erschien es nun nach dieser Thatsache doch leicht , eine Schuld auf Beide zu werfen - zunächst auf den Baubruder , der alle Frauen meiden sollte , und doch zu gleicher Zeit an das verachtete Judenmädchen , wie an die hoffärtige Patrizierin sich drängte . Nun hörte er plötzlich , daß diese der Verdacht traf , ihren Gatten vergiftet zu haben : wahr oder nicht , daraus mußte sich ein Vortheil ziehen lassen - ja , selbst wenn es kein specieller gewesen : für den schadenfrohen Juden lag ein großer Triumph darin , eine so vornehme Christin , die ihn und seine Dienste mit Verachtung von sich gewiesen , so gedemüthigt und in Gefahr zu sehen . Als er gleichzeitig hörte , daß Weyspriach gefangen sei und Streitberg entkommen , sank ihm freilich der Muth . Wenn Weyspriach angab , daß , wo er den Räuber und Stehler , der Jude oft genug den Hehler gemacht , so hatte er auch für sich selbst zu fürchten . Indeß vertraute er auch noch jetzt seiner Gewandtheit im Lügen und Heucheln und dem Umstand , daß er vielen Mitgliedern des großen Rathes sich unentbehrlich zu machen verstanden und immer bei seinem Handel wie bei seinen Handlungen die Politik verfolgt hatte , von Allen , mit denen er in Berührung kam , etwas zu erfahren , das sie zu verschweigen wünschten , und sie dadurch , wie er ' s nannte , » an ' s Fädchen « zu bekommen , daran er , wenn nicht sie , doch sich selbst im Nothfall halten konnte . Als Jacobea zu ihm kam , hütete sie sich wohl ihm zu verrathen , daß die eingesteckte Katharina ihre Muhme war , und noch mehr , daß es wahrscheinlich ihr eigenes Gebräu , an dem der Herr von Scheurl gestorben . » Meinet Ihr nicht , « sagte sie zu dem Juden , » daß wir nun dem Steinmetzgesellen Ulrich alle seine Feindschaft wider uns vergelten könnten , wenn es hieße , daß er mit Antheil an dieser Mordthat habe ? Bei den freien Maurern ist ja Alles geheim - die haben gewiß auch Geheimmittel , profane Menschen aus der Welt zu schaffen , und machen sich gar kein Gewissen daraus , wenn es nur nicht welche sind von ihrer Zunft Es geschieht ihnen ja nichts , wenn sie nicht vorher aus dieser ausgestoßen werden , da sie sich nach ihren eigenen Gesetzen richten - und davon erfährt Niemand etwas , weil es immer heißen soll , daß die Baubrüder besser sind als andere Leute . « » Oho ! « rief der Jude , » habe gewartet nur bis heute , da ich habe gegeben Bedenkzeit dem Ulrich von Straßburg mir zu sein zu Willen oder zu fürchten meine Rache ; habe ganz andere Dinge wider ihn zu bringen , als Ihr meint - wird bald gekommen sein seine letzte Stunde . Ihn und den Hieronymus klag ' ich an , daß sie im Benediktinerkloster haben fortgeholfen einem Mönch , der verurtheil gewesen zum Tode ; der ist dann lange verborgen gewesen in Weyspriach ' s Burg , wo ich ihn habe erkannt an Sachen , die mir die Baubrüder abgenommen , und habe selbst erfahren die ganze Geschichte , die bisher nur die Leute still gemunkelt . « » Aber was wird man geben auf das Zeugniß des Juden ? « warf Jacobea ein . Ezechiel lachte : » Giebt es doch genug Christen , die trotzdem , daß sie sich für etwas Besseres halten und meinen , sie wären alle Brüder , und ihre Religion zusammengesetzt aus lauter Liebe , eine rechte Schadenfreude daran haben , wenn sie wider einen solchen christlichen Bruder können böses Zeugniß reden , es sei wahres oder falsches . Und zumal nun eine christliche Schwester gegen christliche Schwestern - diesmal bin ich ganz gewiß meiner Sache . Hab ' ich Euch nicht einmal gesagt , daß die Frau Katharina Hallerin , da der letzte Reichstag hier war , hat bei mir gehabt versetzt silberne und goldene Armleuchter , damit ich ihr Geld darauf leihe - könnt ' ich der erweisen einen größern Dienst als ihr Gelegenheit zu geben , die Scheurlin zu verderben sammt dem Baubruder , der Gnade gefunden vor ihren Augen , wie sie vor den des Königs ? « Wohl mußte Jacobea dem Juden zu einer solchen Verbündeten Glück wünschen , deren Vertrauen sie freilich sich verscherzt , da es ihr mißlungen war , den Goldschmied Albrecht Dürer zur Anfertigung einer Nadel für sie , wie die war , welche Frau Scheurl vom König geschenkt erhalten , zu veranlassen . Katharina Haller , die Gattin des Bürgermeisters und die Tochter des Loosunger Holzschuher , die hatte freilich Einfluß genug , einer Anklage , die sich auf Thatsachen stützte , wenn sie auch aus dem Mund eines Juden kam , Gewicht zu verleihen und Zeugen für sie zu schaffen , wenn auch ihr Gatte eher zu den Männern gehörte , welche ihre Frauen kurz hielten und die Hausfrau gern zu einer Hausmagd herabwürdigten , als zu denen , welche sich selbst ehrten durch die Ehre , die sie ihren Frauen erwiesen . Eben diese Beschränkung und dieses Kurzhalten , welches Katharina Haller von ihrem Gatten erfuhr , war die Ursache , welche sie in die Hände des Juden führte . Haller setzte theils eine Ehre darein zu sparen und sein Gut zu mehren - theils glaubte er sich für berechtigt , Alles an sich und nichts an seine Frau zu wenden , theils hielt er auch streng darauf , daß diese nicht selbst die Luxus- und Kleidergesetze überschritt , welche der Rath gegeben hatte , da sich dies für die Frau eines Bürgermeisters am wenigsten gezieme . Aber Katharina , im Bewußtsein , daß die Mitgift einer Holzschuher viel reicher gewesen , als die einer Behaim , fand es unerträglich von Elisabeth Scheurl wie in allen andern Dingen , auch in Kleiderpracht und Putz übertroffen zu werden . Da ihr Gatte ihre Wünsche hierin nicht erfüllte , so suchte sie dieselben auf allerlei Schleichwegen zu befriedigen , und als der Reichstag kam , wußte sie für sich keinen andern Rath , als von dem Trödlerjuden , der auf Pfänder lieh , sich Geld zu verschaffen . Natürlich durfte ihr Mann nichts davon ahnen und darum war die Verschwiegenheit des Juden die erste Bedingung . Er hatte sie treu erfüllt und dadurch sich mehr und mehr in ihr Vertrauen geschlichen . Daß sie von Eifersucht und Neid gegen Elisabeth Scheurl erfüllt war , wußte der Jude wie fast die ganze Stadt . Das war so gewesen von der Stunde an , wo Elisabeth neben ihr vom Kaiser war erwählt worden , als die schönste Nürnbergerin Konrad Celtes zu krönen , und hatte sich mit jedem Triumph derselben gesteigert , wie viel mehr nicht da , als König Max bei seiner zweiten Anwesenheit in Nürnberg in Scheurl ' s Hause Wohnung nahm . Alle gehässigen Gerüchte , welche über Elisabeth im Umlauf kamen , gingen theils von der Hallerin aus , theils wurden sie doch von ihr begierig aufgefangen und mit den abscheulichsten Zusätzen weiter verbreitet . Wie triumphirte sie jetzt , da Scheurl ' s plötzlicher , unerklärbarer Tod einen schrecklichen Verdacht auf Elisabeth warf . Wie bestrebte sich die Hallerin ihn zu verstärken , so viel sie vermochte , und mit ihrer bösen Zunge die Feindin als das strafbarste und verabscheuungswürdigste Geschöpf darzustellen , das es je in Nürnberg gegeben . Hatte sie vorher doch schon tausendmal bereut , daß sie vor zwei Jahren dem Ritter von Weyspriach nur um einen Preis , den er sich vergeblich bemüht hatte ihr zu gewähren , versprochen hatte , Elisabeth zu sich und damit in das Netz des Ritters von Streitberg zu locken , und daß sie es trotzdem nicht gethan ; nun aber wollte sie gewiß keine Gelegenheit wieder vorübergehen lassen , Elisabeth zu demüthigen , unglücklich zu machen , wo möglich ganz zu verderben . Schon war es ihr gelungen , ihrem Gemahl die moralische Ueberzeugung beizubringen , daß Elisabeth den Gatten vergiftet habe , indem sie sagte : » Diesen alten Geck hat das eitle Weib doch nur geheirathet , weil er reich war und sie an seiner Seite übertriebenen Aufwand machen konnte . Mit andern Männern , wie mit dem Ritter von Streitberg und dem Poeten Konrad Celtes hat sie nur freche Buhlschaft getrieben , ohne an ' s Heirathen zu denken : jener hatte schon eine Frau und dieser konnte keine ernähren ; aber das hinderte sie nicht , sich mit ihnen einzulassen und dann schnell den Scheurl zu heirathen , damit sie nicht etwa noch in Schande käme . Der hat es nun geduldet , daß Künstler und Gelehrte in seinem Haus ein- und ausflogen wie in einem Taubenschlag , um der gefallsüchtigen Frau die Zeit zu vertreiben und ihm auf einmal den Ruf eines kunstfreundlichen Mannes zu geben , und da der König ein Auge warf auf die üppige Frau , bei der er gewiß war , in allen Stücken eine zuvorkommende Wirthin zu finden , da drückte der Mann wieder ein Auge zu , weil seine Schande ihm die Ehre des adeligen Wappens einbrachte , und so lange hat vielleicht das Paar im besten Einvernehmen gelebt . Aber als Scheurl dahinter gekommen , daß ihr auch ein Steinmetzgesell nicht zu schlecht ist und sie sich nicht scheut , ihn zur Brechung seines Gelübdes zu verführen , da ist ihm doch die Geduld gerissen . Elisabeth aber , die nie einen Widerspruch dulden mag und die wieder nur so lange den alten Herrn als Gemahl sich gefallen ließ , als sie ihn ganz beherrschen und nach ihren Lüsten leben konnte , mag nun das Loos einer reichen Wittwe besser gefunden haben , als einer abhängigen Ehegattin , und hat den Gemahl auf die Seite geschafft . Du hast selbst gesagt , daß er Nachts immer betrunken aus Euren Zechgelagen heimgegangen , da mag es leicht gewesen sein , ihm einen Gifttrunk beizubringen - und das Gift mag sie auch bei der Hand gehabt haben - sagt man doch , daß ihr Bruder Martin ein neues Schlangengift mitgebracht hat . « Wußte Haller auch recht gut , daß ein gut Theil Neid und Eifersucht aus diesen Darstellungen sprach , so gehörte er doch auch zu den Männern gemeinen Schlages , die an keine Keuschheit und Tugend , am wenigsten bei schönen Frauen glauben , eben weil sie theils selbst weit entfernt sind und in der Verführungsmacht des andern Geschlechtes eine Entschuldigung für die eigene Unmoralität suchen , theils auch weil sie die Frauen zu weiter nichts fähig oder berechtigt halten , als den Männern zur Unterhaltung oder Pflege zu dienen . Es schien ihm darum nicht ganz unwahrscheinlich , daß seine Frau über Elisabeth ziemlich richtig urtheilte , und er säumte nicht , unter den Rathsherren und Schöppen diese Ansichten zu verbreiten . Als nun Ezechiel mit seinen Anklagen und Mittheilungen über Ulrich zur Hallerin kam , so fand er natürlich bei ihr nicht nur Gehör und Glauben , sondern sie wußte auch einen ihrer Vettern Bernard Holzschuher , den sie schon immer in ' s Vertrauen gezogen , der selbst Schöppe und einer der einst von Elisabeth abgewiesenen Freier war , zu bewegen , daß er die Anklage wider Ulrich von Straßburg und Hieronymus erhob und zwar zuerst bei dem Hüttenmeister der St. Lorenzhütte ; waren die Baubrüder aus dieser ausgestoßen , so konnte dann weiter gegen sie verfahren werden . Für Katharina Haller war es auch beschämend und quälend , daß der Ritter Axel von Weyspriach , auf dessen Aufmerksamkeiten einst sie und Beatrix Immhof stolz gewesen , jetzt als ein Placker , Straßenräuber und Reichsfriedenbrecher verhaftet war , und daß man ihn , um ein Beispiel zu geben und die Macht der freien Reichsbürger diesem herabgesunkenen Adel gegenüber zu zeigen , unfehlbar zum Tode verurtheilen und hinrichten werde . Beatrix hatte wohl persönliches weibliches Mitleid für ihn - Katharina kannte solche bessere Empfindungen nicht , aber sie schämte und ärgerte sich , mit einem Straßenräuber , der nun den Tod für seine Verbrechen leiden sollte , getanzt zu haben , und haßte den Ritter doch doppelt , weil er sie zu einem Bubenstück verleitet hatte , dessen Ausführung doch nur an Meister Dürer ' s Ehrlichkeit und Vorsicht gescheitert war . Wenn diese Geschichte vielleicht noch an den Tag kam , so war sie zugleich der Verachtung und Lächerlichkeit Preis gegeben - sie , die sich immer so ihrer Tugend und Unbescholtenheit rühmte , gewissenhaft auf die Befolgung der kleinlichsten Regeln der hergebrachten Sitten hielt und unbarmherzig über Alle den Stab brach , welche auch nur in den kleinsten Dingen davon abwichen , geschweige denn , wenn sie sich ein wirkliches Vergehen dagegen zu Schulden kommen ließen . Katharina sagte sich , daß , wenn es möglich sei , daß sie jetzt eine derartige Demüthigung erfahre , sie doch zuvor an Elisabeth noch eine größere erleben oder ihr bereiten müsse - es koste was es wolle . So arbeiteten die sittenstolze Patrizierin , der schmutzige Jude und die verrufene alte Kupplerin gleichzeitig an dem Untergange der edelsten Menschen , die damals in Nürnberg lebten , und die eben darum nur in feindliche Conflikte mit ihren Nebenmenschen geriethen , weil sie über die Vorurtheile derselben erhaben und ihrer Zeit vorausgeeilt waren . - Indessen hatte die Untersuchung über den Tod Christof von Scheurl ' s vor den geschworenen Schöppen ihren Gang . Elisabeth selbst hatte vermuthet , daß ihr Gemahl am Abend vor seinem Tode bei dem Propst Kreß zum Nachtmahl gewesen sei . Auf Befragen bestätigte dies derselbe , und weder für ihn noch die andern Gäste hatten die aufgetragenen Speisen und Getränke eine schädliche Wirkung gehabt , so daß man etwa auf eine zufällige Vergiftung oder ein sonst gewaltsam herbeigeführtes Unwohlsein hätte schließen können . Martin Ketzel war mit Scheurl bis an dessen Straßenecke nach Hause gegangen und erklärte , daß derselbe zwar etwas angetrunken gewesen sei , aber nicht mehr als gewöhnlich , und daß ihm sonst nichts an ihm aufgefallen ; übrigens gehörten beide Herren zu denen , welche versicherten , daß Elisabeth gewiß vollkommen unschuldig sei , daß Scheurl ihr in allen Stücken vertraut und mit ihr einig gewesen sei - er habe ihr nie etwas in den Weg gelegt und sie ihm nicht . Die gefangene Magd Katharina gab in der Angst ausweichende und widersprechende Antworten . Sie schwor hoch und theuer , an dem Mord unschuldig zu sein ; die Frau Scheurl aber sei auf sie eifersüchtig gewesen und wolle nun deshalb die Schuld auf sie wälzen . Die Inquisitoren mußten bei dieser Antwort lachen , da das Alter und das wenig Anziehende , welches die Inquierentin noch besaß , einen solchen Fall sehr zweifelhaft erscheinen ließen - zumal im Vergleich mit der schönen Frau Scheurl . Katharina antwortete zwar auf dieses Gelächter , dadurch empört mit der Behauptung , daß sie beweisen und beschwören könne , wie Herr Scheurl ihr zugethan gewesen - war aber dabei auch nicht so schlecht , Elisabeth der That zu beschuldigen , sondern betheuerte nur ihre eigene Unschuld . Man hatte in ihrer Kammer den Beutel mit Gold gefunden , welchen sie von Scheurl erhalten ; Elisabeth und andere Hausbewohner erkannten diesen als den Scheurl ' s , und Katharina versicherte , daß er ihr eben diesen gegeben , weil er Gefallen an ihr gefunden . Auf die Frage , wann dies geschehen sei , antwortete sie ausweichend , daß sie das nicht genau mehr