mich zu begleiten . « Der General führte ihn nach dem Ufer und miethete dort einen vierrudrigen Kaïk , der sie schnell über den Bosporus nach der asiatischen Seite trug , und auf Befehl des Generals an dieselbe Wassertreppe in Kandili , an welcher in der Nacht des 21. die Khanum Omer ' s zu der geheimnißvollen Unterredung gelandet war . Die Diener führten Beide in ein Zimmer des Erdgeschosses und brachten Kaffee und Pfeifen ; bald darauf verließ der General das Gemach und den Doctor darin allein . Nach kurzer Zeit kam ein Diener , der Welland zu folgen bat und ihn in ein mit europäischem Luxus eingerichtetes Zimmer des obern Stockwerks führte . Hier fand er den General wieder in Gesellschaft des Hausherrn , der ihn höflich sich zu setzen einlud . Auf seinen Wink entfernte sich der Diener und die Drei waren allein . » Doctor , « begann nach einer kurzen Pause der General , » ich habe Sie hierher gebracht , weil der Herr hier , einer unserer Freunde , mich ersucht hat , ihm einen zuverlässigen europäischen Arzt zuzuführen , dem er bei einem traurigen Geschäft vertrauen kann . Ich brauche Sie nicht daran zu erinnern , daß Ihr Eid Ihnen unbedingten Gehorsam auferlegt , und Sie wissen bereits , daß ich einer Derer bin , die ihn zu fordern haben . Aber ich theile Ihnen zugleich mit , daß von Ihrem Benehmen und Ihrer Willfährigkeit Ihre Zukunft und Ihre künftige Stellung in diesem Lande abhängen wird , die leicht Ihre kühnsten Hoffnungen und Wünsche übersteigen dürfte . Die Sache , um die es sich handelt , ist jedoch ernster Natur und - es werden starke Nerven erfordert , davor nicht kindisch zurückzubeben . « » Und was ist meine Aufgabe dabei ? « » Das werden Sie später erfahren . Vor allen Dingen handelt es sich um Ihr Schweigen und Ihre Bereitwilligkeit . « » Das Schweigen , « entgegnete Welland ernst , » wäre die Pflicht des Arztes , selbst wenn ich ohnehin nicht durch meinen , Ihnen , Herr General , bekannten Eid gebunden wäre . Was meine Bereitwilligkeit betrifft , so werde ich meine Kunst oder meine Thatkraft nie verweigern , wo es irgend mein Gewissen und meine Ehre gestatten . « » Wir verlangen weder die Prüfung Ihrer Ehre , noch Ihres Gewissens , « sagte herrisch der General , » sondern einfach Ihren Gehorsam , und haben Mittel in Händen , denselben zu erzwingen . « Welland richtete sich mit männlicher Festigkeit auf , der Hausherr selbst aber kam dem Ausbruch eines Streites zuvor und faßte beruhigend die Hand des Offiziers . » Ueberlassen Sie mir die Sache , « sagte er vermittelnd ; » ich glaube , ich kann die Angelegenheit diesem Herrn , da wir seiner einmal bedürfen , von einem Gesichtspunkt darlegen , der sein Gewissen beruhigen wird . « Der Doctor verbeugte sich erwartend . » Sie dürfen , « fuhr der Effendi fort , » die Dinge und Vorgänge , denen Sie beizuwohnen berufen sind , natürlich nicht von dem Standpunkt der europäischen Einrichtungen und Civilisation beurtheilen . Sie befinden sich hier in der Türkei , einem , ich gestehe es zu , noch ziemlich wilden Lande , in dem das Leben und das Blut eines Menschen fast werthlose Dinge sind . Die Sache , um die es sich hier handelt , ist , einen überwiesenen Verbrecher , der nach türkischen Gesetzen unbedingt den Tod verdient , in einer höchst wichtigen , für das Wohl und Wehe des ganzen Staates wesentlichen Angelegenheit zum Geständniß der Helfershelfer und der Mittel seines Verraths zu zwingen . Bis hierher , werden Sie zugeben , sind wir , auch nach europäischen Begriffen , vollkommen in unserm Recht . « Der Arzt verneigte sich zustimmend . » Bei Ihnen , « fuhr der Moslem fort , » verliert man viel unnütze Zeit mit geistigen Daumschrauben , - bei uns wendet man ein anderes Mittel an : die wirklichen . Es existirt bei uns noch die Tortur , von der ich mir habe sagen lassen , daß sie früher bei allen christlichen Völkern Europa ' s in Gebrauch war und selbst jetzt noch von der aufgeklärtesten Nation , den Engländern , häufig in ihren Besitzungen in Indien angewendet wird . Ich wiederhole es , bei Völkern , die sich noch auf einer Stufe der Cultur befinden , wie das meine , sind grausame und blutige Strafen und Mittel nicht zu vermeiden . « Welland schwieg - er konnte dem gewandten Unterhändler nach Allem , was er bereits in diesem Lande erfahren hatte , nicht Unrecht geben . » Der Dienst , den wir von Ihnen verlangen , besteht nun darin , einer solchen nothwendig gewordenen Tortur im Nebenzimmer beizuwohnen und sie wissenschaftlich in der Art zu überwachen , daß Sie nach dem Puls der verurtheilten Person das Stadium angeben , in dem wirklich Lebensgefahr eintritt . Ich bemerke Ihnen , daß , wenn die Person bekennt , sofort inne gehalten und ihr selbst alle weitere Strafe geschenkt werden soll . « Der Deutsche war bleich geworden bei dem schrecklichen , mit solcher gleichgültigen Ruhe ihm gemachten Vorschlag . Dennoch fühlte er , daß er als Arzt und in der eigenthümlichen Stellung , in der er sich befand , schwerlich sich der schaurigen Pflicht entziehen könne . Den blutigen grausamen Sitten des Landes mußte der Widerwille des menschlichen Gefühls sich beugen . » Der Verbrecher ist wirklich zum Tode verurtheilt ? « » Ich gebe Ihnen mein Wort und schwöre es Ihnen auf den Koran , die Person muß des begangenen Verbrechens halber sterben , das Geständniß ist ihre einzige Rettung . Ich wünsche sie zu retten - aber - sie muß bekennen , es muß sein , und wenn jedes Glied ihr stückweis vom Leibe geschnitten werden sollte ! « Der Fanatismus des Orientalen durchbrach bei dieser Drohung den falschen Firniß der pariser Tünche , das Auge des vornehmen Mannes flammte wie das des Tigers . » Unsere eingeborenen Aerzte sind Esel und zu Nichts zu brauchen , darum wenden wir uns an Sie , den hier und , wie ich höre , mit der türkischen Sprache Unbekannten , denn dies ist , bei der Wichtigkeit des Staatsgeheimnisses , eine der Bedingungen . Selbst wenn die Person halsstarrig ist und von der Tortur stark mitgenommen werden sollte , kann Ihre Kunst dazu dienen , ihre Wiederherstellung zu sichern . Jetzt ersuche ich Sie , zu erklären , ob wir auf Ihre Begleitung rechnen dürfen ? Bedenken Sie wohl , die Folterung geht vor sich in jedem Fall , auch ohne Sie ! Ihre Weigerung raubt der Person die Aussicht auf Rettung . « Der Arzt fühlte , wie der Blick des Generals drohend und finster auf ihm lag ; er empfand ganz das Furchtbare seiner Lage und der Wahl . Nach einem kurzen Kampf sagte er endlich : » Ich bin bereit ! « » Ihr ewiges Schweigen ist sicher - was Sie auch erblicken , welche Geheimnisse Sie zufällig auch erfahren mögen ? « » Sie haben mein Wort ! « » Wohl , so ist unsere Verhandlung geschlossen . Das Dunkel des Abends beginnt sich auf den Bosporus zu senken , in einer halben Stunde können wir abfahren . « Er klatschte in die Hände . » Cave Smarla ! « Die Diener traten sofort ein und Welland schauderte bei der Ruhe , mit welcher seine beiden Gesellschafter trotz der Gedanken an die bevorstehende furchtbare Scene den unvermeidlichen Kaffee und Schibuk nahmen . - Die Sterne blinkten am Himmel , und Ufer und Stadt waren bereit ' s in das rasch einfallende Dunkel gehüllt , als der Exminister erklärte , daß es Zeit sei , und alle Drei am Wasserthor der Villa den harrenden Kaïk bestiegen , der sie mit der Strömung rasch nach dem Goldenen Horn führte . Hier bogen die Ruderer auf einen Befehl des Herrn nach der Serailspitze , umfuhren dieselbe und landeten auf der Seeseite an einer Pforte , die aus der rings das Serail umgebenden Mauer zum Wasser führt . Eine Wache stand an der Thür und öffnete dieselbe auf ein Loosungswort des Ministers zum Eintritt . Der General hielt seinen türkischen Freund hier zurück . » Ich glaube , Hoheit , « sagte er mit einem gewissen Schauder , der Welland nicht entging , » es wird nicht nöthig sein , daß ich das Seraï mit betrete . Mein Geschäft ist hier beendet , Doctor Welland wird seine Pflicht thun und - gerade heraus , ich bin Soldat , aber weder Arzt noch - Moslem . Das Resultat erfahre ich morgen aus Ihrem Munde . « Der türkische Staatsmann lächelte . » Thun Sie ganz nach Ihrem Belieben , General , « sagte er , » ich habe den Doctor , und das ist vorläufig genug . Mein Kaïk steht Ihnen zur Disposition . Auf Wiedersehen morgen . « Er faßte Welland ' s Hand und zog ihn durch die Pforte . Obschon die Erwartung der Scene , die kommen sollte , das Gemüth des Deutschen einnahm , konnte er doch nicht gleichgültig sein gegen die historischen Erinnerungen , die sich ihm bei dem seltsamen Eintritt in diesen geheimnißvollen Ort aufdrängten , den Europa noch immer mit einer gewissen Scheu betrachtet und dessen Namen es mit dem Begriff reizender und furchtbarer Geheimnisse verknüpft . Jetzt sind es freilich nur noch die Erinnerungen , welche diese Mauern mit dem Schleier aus Tausend und Einer Nacht , mit Glanz und Purpur , und Gold , mit all ' der orientalischen Wunderpracht und den Schatten blutiger Historie umweben ; - der Glanz des Thrones , das Geheimniß reizender Odalisken ist verschwunden , seit Mahmud seine Residenz aus diesen Mauern verlegt hat . Jetzt leben hier , von den Eunuchen und Kapidschi ' s6 bewacht , nur noch die abgedankten Kadinen und Odalisken des Harems des verstorbenen und gegenwärtigen Großherrn , und in den weiten äußern Räumen und Gebäuden einige Würdenträger des Reichs mit ihrer eigenen und einem Theil der Dienerschaft des Sultans . Dennoch ist das Seraï-Burnu auch jetzt noch nicht ohne seine tief umschleierten Geheimnisse , und bei Lebzeiten der Sultanin Valide , die hier ihren Wohnsitz hatte , spannen sich von hier aus gar oft die wichtigsten Fäden der Geschichte des Reichs . - Durch den rings die Gebäude umgebenden , mit hohen Cypressen und Platanen besetzten , sonst aber öden und wüsten Garten führte der Minister den Arzt nach dem gegenüber liegenden Eingang . Links zur Seite blieben die großen Ställe des Sultans , die für 1000 Pferde Raum haben , rechts der Kiosk des Padischah , nach dem Bosporus hin , auf Bogen gebaut mit vergoldeten Kuppeln ; in einiger Entfernung nach der Stadt zu liegt ein zweiter , die Aussicht auf den Hafen gewährend . In dem erstern hielten sich früher während des Tages gewöhnlich die Herrscher mit ihren Weibern und Stummen auf . Die Kais um das Serail sind mit Artillerie ohne Lafetten besetzt , die meisten Geschütze in der Höhe des Wassers . Bei den öffentlichen Festlichkeiten und das Ende des Ramazan verkündend donnert diese Artillerie , unter der sich die große Kanone befindet , durch welche nach der Sage Babylon gezwungen ward , sich an Sultan Murad zu ergeben . Ein anderer , von der Historie bewahrter Mörser befindet sich in der Ecke des ersten Hofes - in ihm sollen die aufrührerischen Ulemas zu Tode gestampft worden sein . Das Seraï-Burnu wurde von Mahomed II. erbaut und bildet auf der Landspitze zwischen dem Horn und dem Marmorameer eine Art Dreieck , dessen längste Seite sich nach der Stadt hin erstreckt , nach welcher sich auch die Thore und Höfe des Zugangs befinden . Es ist ein Conglomerat von zu verschiedenen Zeiten je nach der Laune der Sultane und Sultana ' s erbauten Gebäuden der verschiedensten Bestimmung , in deren Innern zum Theil alte orientalische Pracht , das heißt Vergoldung und Stuckatur , eingelegte Arbeiten in Gold und Azur , Marmorbecken , Bäder und Springbrunnen , die unbesorgt auch im ersten Stockwerk angebracht sind , noch vorhanden ist . Die Eintretenden schienen erwartet zu sein , denn zwei Kapidschi ' s traten alsbald zu ihnen und gingen vor ihnen her bis zu einer zweiten , in die Gebäude sich öffnenden Thür , an der wieder zwei Schwarze die Wache hielten . Hier übernahm ein harrender Eunuch , in bunte schreiende Farben gekleidet , ihre Führung und geleitete sie durch einen kleinen Hof und verschiedene gewundene Gänge , in deren Richtung Welland ganz irre wurde , zu einem hell erleuchteten Divan-Hane , in der an den Wänden mehrere schwarze Sclaven standen , der Sprache und der Mannheit beraubte Geschöpfe , willenlose Werkzeuge der Willkür ihrer Gebieter . Hier mußte Welland auf einen Wink seines Begleiters sich niederlassen , während dieser durch einen Vorhang in das anstoßende Gemach verschwand . Alles war Schweigen um ihn her , - ein unheimliches Schweigen schon während des ganzen Ganges durch das weitläufige Gebäude . Das dauerte auch hier lange Zeit , bis er endlich eine leise flehende Stimme in einiger Entfernung zu vernehmen glaubte - schaudernd , denn er fühlte , seine Aufgabe begann jetzt . Er lauschte , - doch nur einzelne Laute drangen zu ihm herüber , dazwischen klang es zuweilen wie eine scharfe , kräftige Frauenstimme , zuweilen auch glaubte er die seines Begleiters in einzelnen Worten zu vernehmen . Dann war wieder Alles still , - die menschlichen Bildsäulen um ihn her rührten sich nicht . Plötzlich wurde der Vorhang gehoben und der Minister trat heraus , sein schönes Gesicht war bleich , das Auge funkelte zornig und der Mund war wie in festem Entschluß zusammengekniffen . Ohne Laut winkte er dem Arzt , ihm zu folgen . Welland betrat ein zweites großes Gemach , - fensterlos , nur von einer Lampe düster erhellt - aber leer - kein Bewohner zu sehen . Im Hintergrunde öffneten sich durch schwere Vorhänge geschlossen zwei Thüren . Zu der rechts führte ihn der Effendi und hob den Vorhang ; das Gemach war dunkel , nur aus Spaltenöffnungen der einen Seitenwand schienen einzelne helle Lichtstrahlen hervorzubrechen . Als sein Auge sich an das Dunkel gewöhnt , sah er , daß sie durch die Oeffnungen eines Vorhanges kamen , der in dicken schweren Falten einen Eingang zum Nebengemach schloß . Nach dieser Seite geleitete ihn der Moslem und deutete ihm an , sich auf den Divan niederzulassen . Dann hob er ein Tuch von einem Gegenstand , der unter den Falten des doppelten Vorhanges hervor auf den Divan gestreckt war , und bedeutete ihn , denselben zu fassen . Der Arzt legte die Finger darauf - es war eine warme Menschenhand , - die Weiche der Haut , die zarte , volle Form zeigte ihm eine Frauenhand , die in der seinen zuckte , offenbar jenseits des Vorhanges durch eine Einzwängung des Armes in dieser Lage festgehalten . » Lassen Sie mich fort , Herr , das ist ein Weib , um keinen Preis der Welt mag ich Theilnehmer der Handlung sein , die sich hier vorbereitet . « Der Minister drückte ihn zurück auf den Sitz . » Schweigen Sie , und thun Sie Ihre Pflicht , « sagte er mit verhaltener dumpfer Stimme , » oder Sie sind selbst das Opfer . Die Personen hinter jenem Vorhang sind nicht gewohnt , mit sich spielen zu lassen . Weib ober Mann , das Verbrechen ist dasselbe , eben so die Strafe . Hier ist die Klingel , mit der Sie ein Zeichen zu geben haben , wenn die äußerste Gefahr eintritt , - doch nur dann ! - Sie wissen , was allein hier Rettung bringen kann . « Ehe Welland sich fassen , ehe er antworten konnte , war sein Führer verschwunden , er hörte das Gemach von Außen durch einen Riegel verschließen . Wieder trat einige Augenblicke tiefe Stille ein , dann erklang durch die Falten des Vorhanges ein tiefer stöhnender Seufzer . Er hatte die Hand der Unglücklichen gefaßt , sie war weich und sanft und mußte einem noch jungen , vielleicht so schönen Wesen angehören . Er drückte sie leise zum Zeichen , daß eine theilnehmende Seele in ihrer Nähe sei . Der Seufzer schien ein Echo zu wecken ; ihm war , als vernähme er ihn wiederhallen in dem dunklen Gemach , in dem er selbst sich befand , dicht neben sich . Aber er hatte keine Zeit , darauf zu achten ! Ein leichter Kohlenrauch schien durch die Spalten des Vorhanges zu dringen und gleich darauf zuckte die Hand scharf in der seinen - - - Die Marter hatte begonnen ! Ein brandiger Geruch wie von verkohlendem Fleisch zog durch die Luft , rascher und krampfhafter wurde das Zucken der Hand . Er hörte im Nebengemach das Flüstern mehrerer Stimmen , dann eine lautere Frage , ein Stöhnen zur Antwort - er entnahm daraus , daß der Unglücklichen ein Knebel den Mund verschloß . Sie mußte durch ein Zeichen verweigert haben , Antwort zu geben , denn der Brandgeruch dauerte fort und verstärkte sich . Kalter Schweiß perlte über die Stirn des Arztes , - zehn Mal wohl griff die Hand nach der Schelle , um das Halt gebietende Zeichen erschallen zu lassen , aber die Vernunft sagte ihm , daß es der Dulderin nur einen kurzen unnützen Verzug bringen werde . Er ließ die Hand los und begrub das Gesicht in die seinen . Da störte ihn ein heiseres tückisches Lachen , und ein tiefes jammerndes Wimmern folgte - dem wiederum jenes seltsame Echo neben ihm zu antworten schien . Er faßte rasch nach der Hand , sie war krampfhaft geschlossen - er fühlte , daß die Leidende in heroischem Trotz gegen die Martern kämpfte . Sein Finger suchte den Puls - er schlug rasch und wogend , aber noch immer kräftig . Ein wildes Kreischen der Wuth schien eine verneinende Geberde der Leidenden zu erwidern , dann kam der herrische Befehl einer Weiberstimme . Er vernahm die seines Führers dazwischen sprechen , aber der Befehl wurde gleich heftig wiederholt . Plötzlich fühlte er die Hand und den Arm , so weit er vor ihm lag , krampfhaft erbeben und ringen , wie als wollten sie sich gewaltsam befreien - minutenlang dauerte diese schreckliche Bewegung - eine grauenhafte , entsetzliche That schien auf Armeslänge von ihm vor sich zu gehen , und rasch faßte seine Hand die Klingel , um auf jede Gefahr hin der Marter ein Ende zu machen . Da streckten sich der Arm und die Hand - das wilde Ringen hörte auf , mehrere Personen schienen um die Gemarterte beschäftigt , die Frauenstimme sprudelte Verwünschungen aus , wie er nach einzelnen ihm bereits verständlichen Worten zu schließen vermochte . Darunter hörte er wiederholt die Benennung : Moskaw . Eine zweite Frauenstimme mischte sich drein und zugleich die des Effendi , dann schwieg der Lärmen und eine schwache , selbst in ihren gebrochenen Tönen noch süße Stimme sagte einige Worte . Wiederum fragte der Effendi dazwischen . Die Stimme sagte noch Einiges - dann stockte sie und verstummte endlich ganz . Die Frage wurde dringend wiederholt , auch die Weiberstimmen mengten sich hinein - Welland glaubte dazwischen , dicht neben seinem lauschenden Ohr ein lateinisches Gebet , - das Ave murmeln zu hören . Er spannte alle Nerven an , um zu hören , sich zu überzeugen - Todtenstille ! Zwei Worte , schneidend , befehlend , unterbrachen sie . Diesmal schien der Henker es verschmäht zu haben , den Knebel der Leidenden erst wieder einzuzwängen . Ein Nerven und Mark erschütternder Ton wie von zermalmenden Knochen - zugleich ein herzzerreißender , wilder Schrei , ein zweiter - Welland ließ wie wahnsinnig die Klingel ertönen , aber die gellende Stimme eines Befehls fuhr dazwischen und Schrei auf Schrei erscholl fort in ersterbendem Jammer . Mit beiden Händen hatte der Deutsche die Vorhänge gefaßt und riß die befestigten gewaltsam auseinander : das schreckliche Schauspiel bot sich jetzt seinen zornfunkelnden Blicken dar . Auf einem Ruhebett dicht an seiner Seite , lang ausgestreckt und befestigt , lag die nackende , kaum über den Hüften mit einem Tuch bedeckte Gestalt einer jungen , selbst in der Entstellung des Schmerzenskampfes noch reizenden Frau . Aschblonde , wild umherfallende Haare umgaben das blasse Gesicht , aus dem die schwarzem halbgebrochenen Augen auf ihn emporstarrten . Wer sie gesehen , die junge , reizende Odaliske , als sie vor wenig Abenden noch an der Brust des Großherrn ruhte , Liebe spendend und empfangend - Mariam , die Beneidete des Harems , die Gebieterin des Gebieters in drei Welttheilen - wer hätte ahnen mögen das schreckliche Schicksal , das ihr der finster schleichende Haß bereitete ! Die Anklage auf den gefundenen Brief hatte ihr Ziel nicht verfehlt , der Großherr hatte die Geliebte aus seiner Nähe verbannt . Aber ahnte er wohl , während er im selben Augenblick vielleicht in den Armen Nausika ' s , der verlockenden Tochter des Rächers von Chios , schwelgte , ahnte er wohl , wie verstümmelt der süße Leib , der sein Lager getheilt , in den Zuckungen grausamer Schmerzen sich wand ? Nimmermehr ! Ein Blick genügte dem Arzt , die furchtbare Marter zu ermessen , die das zarte Weib mit Heldenmuth ertragen hatte . Von den halb verkohlten Fußsohlen stieg noch der widrige Geruch empor , die Mitte der Brust zeigte ein tiefes Brandmal , in dem noch die dunkle Asche der verglühten Kohle lag . Die zwei schwarzen Henker - Stumme mit teuflisch grinsenden Mienen , die dem Winke ihres Meisters gehorchten , der in der Mitte des Gemachs an einem Tandur die Eisenzange glühte , von schrecklichen Instrumenten umgeben , - an der Seite der Unglücklichen stehend , waren eben mit jener einfach höllischen Maschinerie beschäftigt , dem Knebel , der zwischen Holzstücken die Gelenke der Glieder zermalmt . Auf dem Divan gegenüber , Furien , der Hölle entstiegen , saßen in ihre Yaschmaks verhüllt , zwei reichgekleidete türkische Frauen , in den Augen grausamen teuflischen Triumph ; in kurzer Entfernung von ihnen mit finsterm bleichem Gesicht , wie einer furchtbaren Nothwendigkeit gehorchend , der türkische Würdenträger , die Feder , in der Hand , das Papier vor sich auf dem Schoos , um die Geständnisse der Unglücklichen aufzuzeichnen . Mit einem Sprung war der deutsche Arzt über das Schmerzenslager der Gemarterten hinweg , und schleuderte die schwarzen Henkersknechte zur Seite . Sein flammender Blick scheuchte den Tschannador zurück , der nach dem Handjar im Gürtel griff . » Mörder , blutdürstige Mörder , die Ihr seid ! - Seht Ihr nicht , daß diese Frau stirbt in den wahnsinnigen Martern , die Ihr derselben bereitet ? « » Nieder mit dem Gjaur ! schlagt ihn zu Boden ! « schrie die Eine der Frauen den drei Verschnittenen zu , doch der Effendi warf sich zwischen sie und vor den Arzt . » Haltet ein , Sultana ! Dieser Ungläubige wird das Weib vom Tode retten , und Du weißt , daß dies nothwendig ist . Ihr Tod könnte uns doppeltes Verderben bereiten . « Sein Befehl wies die Henker aus dem Gemach , nach einigem Widerreden fügten sich auch die Frauen , ihnen zu folgen , während Welland bereits mit der Unglücklichen , Bewußtlosen beschäftigt war und sie zum Leben zurückzurufen suchte . Zum Glück hatte er eine jener kleinen tragbaren Apotheken bei sich , welche die Aerzte auf Reisen mit sich zu führen pflegen ; ein flüchtiges Salz regte die Lebensgeister der Gemarterten wieder auf , und er versuchte alsbald einen Verband auf ihre Wunden zu legen . Seine Erfahrung belehrte ihn jedoch bald , daß das Leben des armen Wesens in höchster Gefahr schwebte und ihre Kraft immer mehr ermattete . Um ihr wenigstens Ruhe zu sichern , bedeutete er energisch den Effendi , welcher besorgt an dem Lager stand , die Kranke müsse wenigstens einige Stunden ungestörte Ruhe haben und er selbst werde bei der auf ' s Aeußerste Gefährdeten wachen . Nach einigem Zögern fügte sich der Staatsbeamte mit der Erklärung , er wolle im Vorzimmer bleiben . Der Vorhang der Thür fiel hinter ihm , Welland befand sich mit dem Opfer grausamer Verfolgung jetzt allein . Er betrachtete wehmüthig , schmerzlich das schöne blasse Gesicht mit den in Lethargie geschlossenen Augen , auf das der Todesengel bereits seine grauen Schatten zu verbreiten begann . Die Wunden und Verletzungen , die das Mädchen empfangen , waren allerdings nicht absolut tödtlich , aber ihr ganzer innerer Organismus schien so verletzt , so zerrissen , daß er den Leiden schwerlich zu widerstehen vermochte . Was konnte dies junge schöne Wesen gethan haben , das eine so grausame Strafe nöthig machte ? was konnte das schwache Mädchen mit den Geheimnissen wichtiger Reiche zu thun haben ? Er hatte sie mit einem Teppich bedeckt und saß im schmerzlichen Nachdenken an ihrer Seite , ihren Puls in seiner Hand . Da erklang wieder der stöhnende geheimnißvolle Seufzer , den er schon früher gehört und für das Echo des Schmerzenrufs der Dulderin gehalten hatte . Diesmal überzeugte er sich , daß er sich geirrt , daß der jammernde Laut von einem andern Wesen kommen mußte . Sie schien ihn gleichfalls gehört zu haben , denn ihre Augen erschlossen sich , erst irrten sie starr umher , dann fielen sie mit dem Verständniß und dem Ausdruck des Dankes auf den Arzt , und einige Momente nachher schienen sie ihm zu winken und auf den zerrissenen Vorhang zur Seite nach dem Nebengemach zu deuten . Er sah , wie die Leidende sich anstrengte , zu sprechen , und beugte den Kopf an ihre blassen Lippen . Er hörte endlich , wie diese in französischer Sprache flüsterten : » Rettung ! - dort ! « War denn noch ein unglückliches Wesen in der Nähe , das seiner Hilfe bedurfte ? Er zog rasch sein Taschenfeuerzeug hervor , zündete das Endchen Wachslicht an und stieg über das Lager hinweg in das Gemach , in dem er so eben die furchtbare Scene miterlebt hatte . Unfern von seinem Sitz , an den Polstern des Divans , regte und bewegte sich ein dunkler Knäuel , - er hob den bedeckenden Teppich hinweg , - ein schwarzes Weib lag dort am Boden , zusammengeschnürt gleich einem leblosen Bündel , den Knebel im Munde . Ihre großen Augen starrten ihn an mit unbeschreiblichem Ausdruck ! Mit einigen raschen Schnitten seiner Lanzette hatte er die Bande gelöst und die Mohrin sprang elastisch mit der Schnellkraft der Jugend empor und stürzte sich dann , wie eine Tigerin auf ihr gefährdetes Junge , auf die bleiche Gestalt der Gepeinigten . Kaum vermochte Welland , rasch hinzuspringend , sie davon abzuhalten , sich auf die Leidende zu werfen , und zugleich das Jammergeschrei zu ersticken , das auf ihren Lippen schwebte und das unfehlbar die Würger auf ' s Neue herbeigerufen hätte . Mit Zeichen machte er ihr die Gefahr , die sie bedrohte , so gut als möglich begreiflich . Sie verstand , - sie hatte das Leiden der Gebieterin ja wenigstens mit dem Sinn des Gehörs mitempfunden , - einem Ballen gleich zur Seite geworfen , um , wenn das Schicksal der Herrin entschieden war , wahrscheinlich als unnütze und gefährliche Last in den Fluthen des Bosporus begraben zu werden . Es war eine herzzerreißende Scene für den Arzt , als sich die Schwarze mit all ' dem leidenschaftlichen Wahnsinn des Volkes heißer Zone bald am Schmerzenslager der Herrin das Haar raufte , bald sich vor ihm niederwarf , die Hände zu ihm emporgestreckt , wie um Rettung flehend für die Sterbende . Und das Alles ohne Laut , - stumm , still , - aller Schmerz , alle Angst und Pein in die leidenschaftlichen Geberden zusammengepreßt ! Jeder allzu hörbare Laut wäre Tod gewesen , - selbst die Gemarterte schien dies zu empfinden und zu fürchten . Ihre Augen suchten wieder den Arzt und riefen ihn herbei . » Bei dem Kreuz des Erlösers , an das ich glaube wie Du , Fremdling , beschwöre ich Dich , rette das Mädchen hier ; der Mund einer Sterbenden muß durch sie eine Botschaft senden , die mit meinem Leben erkauft ist . « Welland starrte sie an , - wie sollte er helfen , befreien , hier , in den Mauern des Serails , unter den Augen von hundert Wächtern ? - er blickte rathlos umher . » Dort - dort - das Fenster nach dem Meer ! « - ihr Auge deutete nach dem Seitengemach ; - zum dritten Male betrat es der Arzt und schaute prüfend und vorsichtig umher . An der entgegengesetzten Wand befand sich der Kiosk , Fenster ringsum , mit dichten Jalousieen geschlossen . Es gelang ihm , eine zu öffnen , durch das vergoldete Holzgitter schaute er hinaus , dicht unter ihm lag das Meer , der Pavillon reichte bis nahe an die Mauer , die das Serail und seine Gärten auch von der Seeseite einschließt . Er strengte alle seine Kräfte mit aller Vorsicht an und es gelang ihm , einen Theil des Gitters ohne merkliches Geräusch mit seinem Dolchmesser herauszubrechen ; - als er den Kopf aus der Oeffnung streckte , bemerkte er zu seiner Freude , daß eine Flucht wenigstens in die öden Gärten möglich war , denn wilde Weinreben schlangen sich um die Bogen und Pfeiler , die den abgelegenen Pavillon trugen , fast bis über die Fenster hinauf . Als er zurückkehrte an das Schmerzenslager Mariam ' s , sah er die Mohrin neben der Herrin knieen , das Ohr auf ihre bleichen Lippen geneigt , die leise dringende Worte zu ihr zu sprechen schienen . Aber die Schwarze schüttelte heftig den Kopf , gleich als verweigere sie , um was die Herrin sie flehte . Da röthete sich deren