, daß man sich nicht versündige , sei man reich oder sei man arm , die Reichen nicht an den Armen , die Armen nicht an den Reichen . Nein wäger , versündigen will ich mich nicht ! Wenn Christen das sehen würde ! Doch Christen ist gut und bsungerbar in der letzten Zeit , aber wenn er das Elend sehen könnte und die Kinder , er würde mir noch manches verzeihen und begreifen , wies mir ist , wenn mir jemand was bettelt . Ih mueß gä , i Gottsname . Was weiß man , wie die Leute zweg sind , denke man doch an dieses Elend ! Christen braucht das nicht zu sehen , er hat ein gutes Herz , aber Andere sollten es sehen , es gibt deren , die bodenbös sind , und wenn sie einen armen Menschen ausdrücken , das Blut ihm aussaugen könnten , sie sparten es nicht , die wüeste Hüng , Gott vrzieh mr my Süng . Aber eine jede Frau und ein jeder Mann sollte wissen , wie es einem gehen kann in der Welt , und sollte sehen , was Elend ist . Es klagt so Mancher , ist nie zufrieden und weiß nicht , was bös ha ist , sinnet nit , wie gut ers hat , und versündiget sich schröcklig mit Neid und Klage . Oh , wenn man gsund in ein warm Bett schlüpft und dKindli alli deckt sind und öppe ihr Sächli haben , wie sollte man da glücklich sein und Gott loben und preisen . So sinnete Änneli in selber Nacht , und keinen Preis der Welt hätte es genommen , daß es diese Nacht nicht erlebt hätte . Wenn so ein Tag fürgang wie der andere und man nicht aus seinem Hause komme und immer das Gleiche sehe , so wisse man nicht , was das Leben sei , und die Gedanken würden so kurz , daß sie an nichts dächten als an sich und die eigenen Sachen , und daß man nicht begreife wie es anderwärts anders gehe als um ein herum , und es einem auch anders gehen könnte . Denn das Unglück , welches hier sei , könnte ja so leicht auch zu ihnen kommen ein oder zwei lange Schritte , so wäre es bei ihnen , und wie sie das angreifen müßte , wenn es so ungsinnet daherkäme , dachte es bei sich , und wie eben deswegen so viele Leute hart und gleichgültig werden , weil sie nicht sehen , wie es Andere hätten , und so verzagt und fast gottlos im Unglück , weil sie den Wechsel vergessen hätten und wie über Nacht der Herr die Prüfung senden könne , und nicht nur in eine Bettlerhütte , sondern ins vornehmste Herren- oder Bauernhaus . So verging Änneli rasch die Nacht , an ihm war sie gesegnet , aber auch an den Kranken , und friedlichen Schlaf und freundliche Gesichter sah der Morgenstern , als er durch die Fenster blickte . Mit dem Morgen kamen andere Leute , kam Christen selbst daher mit finsterem Gesichte , aber dem Nötigen . Änneli kannte das Gesicht , Christen mußte das Roß anbinden , mußte ins Stübchen kommen , mußte das Elend und die Not ansehen , mußte die Kinder sehen , wie sie so erbärmlich aussahen . Aber Christen machte deswegen kein freundlicher Gesicht , es düechte ihn , das hätte alles so sein können , ohne daß deretwegen seine Frau eine Nacht hier zu sein gebraucht , deretwegen sei die Sache doch so , wie sie sei . » Komm du jetzt « , sprach er . » Willst du fort ? « , sprach das kleine Mädchen , » nein , Gotte , bleib , du hast es ja vrsproche « , und hing sich an Ännelis Hals und ließ sich fast nicht begütigen mit allerlei Versprechen , und die andern Kinder , wenn sie auch nicht viel sagten , so sah man doch , wie hart es ihnen ging , daß die gute Frau , die so viel Erbarmen und freundliche Worte hatte , fortwollte . Die Mutter aber weinte und konnte wenig sagen , als daß der Vater im Himmel es ihr vergelten möchte ; e selligi Frau gebe es nicht mehr auf der Welt , und in Zeit und Ewigkeit wolle sie diese Nacht nie vergessen , es sei gerade gewesen , als ob ein Engel dawäre und ihnen wachete . Als Christen das hörte , zogen sich die Wolken fort von seinem Gesichte , er begriff erst , was Änneli getan ; sein Herz ward weich , das Erbarmen kam , er ward freundlich , sagte , wenn schon die Frau heimkomme , deswegen sollten sie nicht vergessen sein , aber sie alte afe und mög nümme alles erlyde . Sie sollten nicht Kummer haben , es werde schon bessere , und wenn sie wieder gesund wären , so sölle si de öppe cho , mi well de luege , was me tue chönn . Das war von Christen viel , der sonst derlei Dinge seiner Frau überließ , und was ihm die Frau auf dem Heimwege erzählte , rührte ihn noch mehr . Man wisse nicht , wie man es hätte , sagte er , aber vrwundere tue es ihn , daß sövli Not da zmitts unter ihnen sein könne . Öppe am wüsteste sei man doch hier gegen die armen Leute nicht , und doch könne es solche Falle geben . Aber man sinn nit dra , öppe selber z ' luege , u wil so Viel zum Hus chöme , su mein me , wer öppis mangli , der lauf selber nache . Es war ein kühler Herbstmorgen , als sie heimfuhren , ein scharfer Nordwind strich ihnen entgegen ; es fröstelte Änneli , als sie heimkamen , es hatte warm gehabt und sich nicht wärmer angezogen , als es aufs Wägeli saß . Daran hatte niemand gedacht , und weit war übrigens der Weg nicht . Seit gestern hatte es nichts genossen , den Kindern mochte es die Brühe nicht wegtrinken , und anderes hatte es nichts . Wenn man so leer im Leibe sei , so friere man doch afe , sagte es , es hätte es nicht geglaubt . Annelisi werde aber schon an ein Kaffee gesinnet haben , und es müsse sagen , so hätte es nie nach demselben blanget als jetzt . So war es auch , das Kaffee war zweg , und Änneli lebte wohl daran , aber bei jedem Schluck mußte es sagen : » O Kinder , wir wissen nicht , wie gut wirs haben und wies hergege arm Lüt hey ; warms Esse , es warms Bett , u we mr öppis mangle , su cheu mrs ga näh im Keller oder im Spycher , oh , mi weiß nit , was das ist u was me het ! « Die Kinder waren an der Mutter , daß sie gang ga ligge , um wieder recht zu ihr selbst zu kommen , mit großer Muhe brachten sie es dahin . Änneli war so voll des Gesehenen , daß es lieber den Kindern den ganzen Morgen brichtet hätte . » Schlaf du jetzt , Mutter « , mußte Annelisi mehr als ein Halbdutzendmal sagen , ehe sie es entließ ; » los no das , u denk doch ! « hielten es immer aufs neue fest . Und lange wollte der Schlaf nicht kommen , und als er kam , war er unruhig und bewegt . Annelisi hatte die Türe nur zugezogen , um zu hören , wenn die Mutter was begehre . Es hörte sie reden , sah hin und fand sie schlafend . » Komm doch « , rief es Resli . » Komm hör , wie dMuetter redt , und schlaft doch , soll se ächt wecke ? « » Ich ließe sie schlafen « , sagte Resli , » sie hät gar es lings Herz , die Lüt hey se grusam erbarmet , un das chunt ere jetz für . Ih glaub , es syg nüt angers , aber gang nit dadänne u gib wohl acht . « Änneli erwachte mit Kopfweh , sagte aber nichts ; es war recht unwohl , wollte aber nicht den Namen haben , wie die Andern auch fragten . Änneli fürchtete , die Andern möchten sagen : » Jä lue , Muetter , warum gehst und machst solche Dinge , haben wir es dir nicht gesagt , du magst wäger so etwas nicht erleiden . « Diese Furcht ist ein Ding , das oft zu finden ist und viel Unheil stiftet , denn sie ist Ursache mancher Verheimlichung , die einen übeln Ausgang nimmt . Manchmal liegt diese Furcht im Bewußtsein einer Schuld , man war gewarnt worden , man tat es dennoch ; manchmal entsteht sie durch allzu große Ängstlichkeit oder Zärtlichkeit anderer Personen , die sich gleich grusam gebärden , aus der Haut fahren und einen Güterwagen in die Apotheke schicken , um Medizin zu holen . Dann gibt es aber auch Leute , welche den Gugger im Leib haben , Predigten anzubringen ; die lassen sich , wie bekannt , an Sündern am bequemsten applizieren . Erwachsenen Personen kann man nun so mit Anstand doch nicht jede Kleinigkeit vorhalten , die Anlässe zum Predigen fänden sich selten , wenn sie nicht glücklicherweise zuweilen unwohl würden . Merkt man nun so etwas an ihnen oder klagen sie gar , so ist dies die prächtigste Gelegenheit , die bekannten Sprüchlein anzubringen : » Han drs nit scho mängist gseit , lue , jetz hesch es , du wotsch mr geng nüt glaube , aber mira , ih cha schwyge , ih will nüt meh säge , du wirst es welle zwänge , he nu so de , i Gotts Name , wenns ha witt , su häbs , aber nume gib de mih nit dSchuld . « Es gibt Leute , denen man so aufwarten muß , aber wie gesagt , es gibt Leute , die allen so aufwarten und die , wenn man ihnen alles mit der größten Sorgfalt verheimlicht , daß sie gar keine Predigt anbringen können , an einem schönen Morgen so anfangen : » Hör , ich muß dir einmal was sagen , wird nit scho ungeduldig , es ist dy Sach und ih chönnt eigetlich schwyge , wenns mr nit um dih wär . Du darfst das gewiß nicht mehr so gehen lassen , du mußt abführen oder sonst etwas machen . « » Aber es fehlt mir ja nichts « , ergeht die Antwort . » Eben das ists , was mir Kummer macht . Es fehlt dir sonst von Zeit zu Zeit etwas und jetzt so lang nichts mehr . Das ist nicht gut , du hest nit Sorg gnue , u lue , ih säge dr jetz zur rechte Zyt , lue wasd machst , gwüß gits öppis Bös drus , was , chan ih dr nit säge , ih bi key Dokter , aber öppis gits . Und drum tue drzue , ds Marei geyht dStadt ab , es chönnt dir doch die Laxierig la rüste , wo dr geng so wohl ta het . « Solche Gäuggle waren freilich Ännelis Leute nicht , aber hätten doch vielleicht nicht gedacht , daß man geschehenen Dingen z ' best reden solle , hätten gesagt : » Mutter , warum meinst auch , du seiest noch zwanzigjährig . Mutter , warum glaubst niemere nüt und vertrauist üs nüt a ! « Änneli verbarg daher , daß zum Kopfweh , zur Mattigkeit noch Bauchweh kam , ein Durchfall begann ; so geheim als möglich machte es sich Tee , und da es ihn nur trank , wenn es niemand sah , so kam es selten genug dazu . Endlich merkten es aber Annelisi und Christen . » Los , Muetter , es fehlt dir ; wo hets , sägs doch , du bist nit zweg . « Es sei nichts anders , sagte Änneli , es hätte nur ein wenig dr Dürlauf , das werd scho bessere , es hätte Kamillentee angerichtet . » Hör , auf der Stelle muß man zum Doktor schicken , das kann man nicht so gehen lassen , wer weiß , was es geben könnte « , sagte Christen . » Das wäre sich wohl dr wert « , sagte Änneli , » so wege eme bitzli Dürlauf zum Dokter z ' schicke , er wurd is schön uslache . Man kann noch Brühe kochen , und wenn es dann nicht bessert , so kann man immer noch luegen . « » Ja , mit em Luege ist scho mänge Mönsch gstorbe « , antwortete Christen . » He « , sagte Änneli , » emel bis morn wird es nit alles zwänge , und wenns de nit besseret , su cha me schicke . Es sollte ohnehin jemand in die Öle und bifehle , daß man uns doch unsern Lewat öle ; wir haben fast kein Öl mehr , und ich habe keine Ruhe , bis wir wieder haben , ich weiß jetzt , wie es einem ist , wenn man kein Öl im Hause hat . « Am folgenden Morgen aber war es Änneli nicht besser , sondern viel schlimmer ; es war sehr matt , und sein Übel hatte nicht abgenommen . Früh lief jemand zum Doktor ab , mit dem strengen Befehl , sich nicht zu säumen auf dem Wege . Der Bote kam wieder mit dem Bescheid , die Mutter müsse grusam Sorge tragen , mit dem Dürlauf sei nit z ' gspasse , dr rot Schade regier , und bös . Nachmittag komme er da durch ( der Doktor nämlich ) und wolle dann zuechecho . Als diese Nachricht kam , war es , als ob der Blitz eingeschlagen hätte ins Haus , da war kein Gesicht , welches nicht bleich ward , keine Hand , die nicht zitterte , daran hatte man nicht gedacht ; daß die Mutter den roten Schaden bekommen könnte , war ihnen nicht eingefallen , selbst Christeli , der vor der Ansteckung gewarnt hatte , sinnete nicht mehr an so etwas , da die Mutter ihn nicht gleich mit sich brachte wie irgend ein Ungeziefer , das man auf der Straße aufgelesen . » Herr Jesis , Herr Jesis , dMuetter dr rot Schade « , jammerte alles bis auf den Güterbub hinunter , den man hinter dem Hause weinend antraf und der jammerte : Wenn die ihm stürbe , so hätte er niemere meh uf dr Welt , und aufs Gutjahr hätte sie ihm eine neue Kleidung versproche , wenn er sich gut stelle , und ihm sie gewiß auch gegeben . Christen war ganz geschlagen , hatte fast den Sinn verloren ; wenn er zur Türe aus wollte , so fand er die Falle nicht , mußte lange sie suchen . Man wußte eigentlich nicht , warum man so erschrak , noch schien keine Gefahr da , der Doktor hatte nur vor ihr gewarnt . Aber die Mutter war nie krank gewesen , nie dahinten geblieben , man sah sie an als des Hauses Vorsehung , von der alles ausging , und daß die auch zurückbleiben , vielleicht gar sterben könnte , das kam allen erst jetzt in Sinn und schlug daher alle , als ob ein Blitz durchs Haus gefahren wäre . Dem Annelisi , das der Mutter den Zeug geben sollte , liefen die Tränen stromsweise die Backen ab , und die Hand bebte ihm so gewaltig , daß es weder den Löffel halten noch mit dem Gütterli den Löffel treffen konnte . Resli mußte ihm helfen . Änneli blieb gelassen , tröstete , sagte , sie sollten doch nicht so machen wegen öppis , das noch nicht da sei , und wenn es ihn bekomme , so sei es noch nicht gesagt , daß es daran sterben werde , und wenn es stürbe , so hätte es ja einmal sein müssen , und gäb e chly früher , e chly später , darauf komme es ja nicht an , sie hätten Ursache , Gott zu danken , daß er sie so lange beieinander gelassen . Vor zwanzig Jahren , da wohl , da wäre es ihnen übel gegangen , aber jetzt seis ja gleich , jetzt könnten sie es machen ohne ihns . Als nachmittag der Doktor kam , war auch der rote Schaden da . Was das für ein Jammer war ! Der Doktor machte erst ein bedenklich Gesicht und sagte : » Richtig , da hey mr ne , wien ih gseit ha . « Als er aber die Gesichter der Andern sah , da tröstete er auch und sagte , so sollten sie nicht tun , sie machten der Mutter nur Angst . Was er machen könne , das wolle er machen , und sövli eine gute Frau werd öppe üse Herrgott nit welle la sterbe , es ginge den armen Leuten und allensammen viel z ' übel . Sie kamen ihm noch alle nach bis weit vor das Haus hinaus , um zu fragen , was er meine , und ihn zu bitten , er solle doch anwenden und alles machen , was zu machen sei , und bifehle , was sie tun sollten , je mehr je lieber . Und als sie wieder hineinkamen , saß eins hier ab , das Andere dort , stützte den Kopf und barg die Augen hinter die Hand , schlich dann hin und sah , was die Mutter mache . Es wollte alles wachen , wollte dabei sein , wollte helfen heilen , und am Morgen stand selbst der Melker früher auf als sonst , weil er nicht mehr schlafen konnte und die Angst um die Mutter ihn auftrieb , zu vernehmen , wie es durch die Nacht gegangen . Von wegen , wenn es einem Dienstboten fehlte , so hatte er sich auch der Mutter zu trösten ; sie schlief um seinetwillen manchmal nicht und stand ungsinnet an seinem Bette mit einem Kacheli . Und wenn er schon brummte innerlich über den Trank , so tat ihm doch die Sorge wohl und das Bewußtsein , daß er nicht vergessen sei , wenn er schon nur ein Knecht sei . Der Anfall war sehr stark für eine ältere Frau , und der Doktor machte sehr bedenkliche Gesichter , befahl großen Fleiß und hatte selbst auch großen . Das müsse einander helfen , sagte er . Am Morgen früh war er schon da und abends kam er meist wieder , und noch größern Fleiß hatte die ganze Familie , sie kam nicht aus den Kleidern ; wenn schon nicht alle in der Stube waren , es zog doch Keines seine Kleider aus , und wenn eins schon schlief , die Unruhe weckte es doch bald wieder , um vor der Mutter Türe zu horchen , was drinnen vorgehe , oder in die äußere Stube , wo Botschaft zu vernehmen war , wenn jemand aus dem Stübli kam . Der Doktor hatte verboten , daß man nicht alles in die Stube lasse , weil das der Kranken nur Angst mache , und namentlich bei dieser Krankheit , wo man immer aufmüsse und die Leute dabei einem hinderlich seien . Damit hatten sie große Not . Sobald es bekannt wurde , die Bäurin sei krank , so kamen die Leute weitherum her und wollten sie besuchen . Die Stube wäre nie leer geworden , eins hätte gesagt : » Herr Jesis , wie sieht die aus , die erlebt den Morgen nicht « ; jemand anders hätte gesagt : » Nein aber , wie hat die gleidet , aber es ist schon mancher Mensch wieder zweg gekommen und ist doch noch viel schröcklicher zweg gewesen « . Ein Schauerfall hätte den andern gejagt , und dazu hätten sie brav pläret , arme Weiber hätten gejammert , und wenn eins Abschied genommen , so hätte es gesagt : » He nu so de , umegseh wirde ih dih nümme , aber bete will ih , daß dr öppe Gott dyner Sünde vrgeb « , und ein Anderes hätte gesagt : » Ih mueß hey , su leb de wohl , u we mr enangere hie öppe nümme gseh sötte , su wey mr hoffe , daß mr dert öppe wieder zsäme chöme . « Sie hatten große Not , die Menge abzuhalten ; es meinte jedes das Recht zu haben , hineinzugehen , und Leute sind , die halten es für eine eigentliche Sünde , wenn man nicht alles zum Kranken läßt , oder meinen , er liege in großen Sündenängsten und rede Sachen , die niemand hören solle ; eine Krankenstube , meinen sie , solle öffentlich sein wie die heutigen Kammern oder Großratssitzungen . Wir verhehlen es nicht , daß manchmal sicher mehr Erhebung und Erbauung zu finden wäre in einer Krankenstube als in einem Großrats , oder Tagsatzungssaal . Indessen kömmt es hier auf das Heil der Kranken an , und wenn man Säle als Krankenstuben betrachten wollte , so wäre es den Patienten darin zu ihrer Genesung vorteilhafter , sie wären geschlossen , von wegen , es macht der Kranke sich gerne vor den Leuten forsch und sollte eigentlich auf den Nachtstuhl oder der größten Ruhe sich befleißen und fleißig einnehmen und abführen . Mit lieblichem Wesen und Essen und Trinken däselete man die Leute ab und schützte den Doktor vor . Das begriffen Wenige . Die Einen meinten , die Bäurin werde gewiß schon gestorben sein und z ' grüslig aussehen , als daß sie sie dürften sehen lassen ; Andere sagten , sie seien zu vornehm , öppe sonst an allen andern Orten hätte man sie hineingelassen , und die Dritten flüsterten endlich , die Bäurin möchte gerne was offenieren und ihre Leute begehrten lieber , daß es nicht gehört würde und vor die Leute käme , vielleicht , daß sie auch diesem oder jenem was geben möchte , sie sei notti eine gute Frau gewesen , aber die Kinder möchten es ihnen nicht gönnen . So redeten die Leute auf ihre gewohnte Weise , in der sie nie denken , was sie reden , so daß man von den Meisten hoffen muß , der Grund sei besser als der Mund . Änneli aber redete nichts von Sterben , und das machte den Seinen gute Hoffnung ; sie dachten , es müsse selber am besten wissen , wie es ihm sei , und wenn es neuis gspürte , so würde es es sagen ; sie hofften wieder , da der Tod nicht einsmal kam . Und eines Morgens schien der rote Schaden aufgehört zu haben , da hatten sie große Freude , und daß es nach sövli Leiden schwachs sei , düechte sie nichts anders . Es strengte selbst sie an , auf den Acker zu gehen , allesamt , Resli könne bei ihm bleiben . Er hätte die ganze Nacht gewachet , da könne er vielleicht ein wenig schlafen . Wenn es etwas geben sollte , so sei es ja nicht weit , man hätte sie plötzlich . Es war so heiter und schön draußen und allerdings Arbeit not , daß sie gingen , obschon es sie düechte , sie könnten nicht fort , und es war Keins , das nicht noch vorgab , etwas vergessen zu haben , und nachsah , ob es der Mutter nicht noch was tun könnte . » Sind sie alle fort ? « frug die Mutter . » Ich glaube es « , sagte Resli , » ich höre keinen Menschen mehr . « » So komm und sitz da neben mich , ich habe mit dir zu reden , und öppe laut mag ich nicht mehr . Los , Kind , lang macht es nicht mehr mit mir , und da möchte ich ab dem Herzen tun , was noch auf demselben ist . « » E Muetter , öppe das nit , es wird sicher bessere , wollt Ihr nicht einen Augenblick schlafen ? « sagte Resli . » Es ist jetzt nicht Zeit zum Schlafen « , sagte Änneli , » meine Zeit ist aus , ich fühle es , es git de bald e länge Schlaf zum Leue . Los , schwyg u gib mr dHand , es ist ja Gottes Wille , daß die Einen gehen , die Andern kommen . Aber eben das ist jetzt mein großer Kummer und das Einzige , wo ich auf dem Herzen habe , daß die noch nicht da ist , die nach mir hier sein wird , daß ich mein Tagewerk niemand abgeben , Mann und Kinder niemere anempfehle kann . Das drückt mich . Fragen habe ich dich nicht wollen , wie es dir sei im Herzen , ich habe gesehen , daß du viel zu verwerchen hast und das lieber alleine machst . Aber jetzt möchte ich deinen Sinn doch wissen ; liebst das Meitschi , oder sinnest an ein anderes ? Denn eine Hausfrau mußt du haben , Annelisi folgt dem Mann , ich dem Vater droben , da muß jemand anders herbei . « » Nein wäger , Mutter , an kein ander Meitschi habe ich gesinnet , wie wollte ich auch ! « » So liebst das andere noch ? « fragte Änneli . » Mutter , ich sollte nicht , aber aus dem Sinn bringen kann ichs nicht , und wenn ich schon etwas anderes denken will , es ist immer wieder da und steht mir vor den Augen . « » Los , Kind , das freut mich , du nimmst es also , wenn ich nicht mehr bin ? « » Was denkt Ihr , Mutter « , antwortete Resli , » da wärs ja , als hätte ich auf Euern Tod gewartet und Ihr wäret mir jetzt aus dem Weg gegangen . Nein , Mutter , das soll niemand glauben . Auch kann ichs nicht vergessen , wie es mir Augen gemacht hat , so zornige , Mutter , sie haben fry zündet , und kein gutes Wort hat es mir geben wollen , dr tusig Gottswille habe ich darum bete , wie ih no kei Mönsch bete ha , un keis Wörtli hets mr gseit , u so hets mih la gah . U so könnt ih niemere la gah , u wärs my ärgst Find . U da soll ih ga anekneue u ga säge : Gottlob , dMuetter ist jetz tot ! U für was für es Meitschi ? Wo mr keis guets Wort het welle gä . Muetter , wenns als Frau so tät , so wüest un lätz , ih wär dr unglücklichst Tropf uf dr Welt u müeßt mih ja schäme vor alle Lüte , vor Knechte u Mägde . « » Kind , du mußt das nicht so nehmen « , sagte Änneli . » Daß du nicht auf meinen Tod gewartet , das weiß öppe , wer uns kennt , und die Andern machen uns nichts . Und wegem Meitschi mußt du nicht so sein und das sövli höch ihm näh . So wege einem einzigen Augenblick es zu verstoßen aus deinem Herzen , und ds Meitschi hanget a dr , denk doch , wenn unser Herrgott auch so sein wollte ! « » Nein , Mutter , wenns mich lieb hätte , so hätte es nit so ta ; es ha scho hie son es gspässigs Gsicht gmacht , ih ha nit gwüßt , was ih drus mache söll , es het mr himmelangst gmacht « , antwortete Resli . » Ich habe der Sach auch nachgedacht , Kind , und anfangs hets mih duret ; ich habe geglaubt , es gefalle ihm hier nicht , man warte nicht gut genug auf und erweise ihm nicht genug Ehre , und bin fast mißtreus worde . Da ists mir aufgegangen auf einmal , es ha mih düecht , sein Mänteli sei ein Fenster , und was dahinter sei , könne ich sehen , so deutlich , wie wenn es mir vor Augen wäre , und doch ist der Spiegel eigentlich in meinem Herzen gewesen , und was ich in dem des Meitschis erkannte , las ich eigentlich ab in mir . O Kind , glaub , wenn man sich zurückbesinnt , wie es einem gewesen und was man gedacht und erfahren , so ist das gerade , als ob man lesen könnte eine unbekannte Gschrift , wo die meisten Menschen nicht einmal die Buchstaben sehen , geschweige dann sie verstehen . So ists mir gegangen . Von meinem Vater habe ich nie viel gesagt , aber betet für ihn viel . Er hat viel wüst getan , daheim und in den Wirtshäusern , es ha mih mängist düecht , ih möcht i Bode schlüfe , un wenn Lüt drby gsi sy , su han ih nit viel gseit , aber es Gsicht gmacht akkurat wie dys Meitschi , u ha so weni as mügli vorufgluegt , damit ih dr Vater nit gsäch u nit , was dLüt für Auge mache , un es guets Wort hätte ich keinem Mönsche chönne gä , und hätts ds Lebe golte ; es het mih düecht , ih möcht entweder pläre oder täubele , daß es kei Gattig hätt . Und mein Vater wäre mir doch noch lieber gewesen als der Andere , e so wüest mit Märte un uf e Gyt hi Jeste ist er doch de nit gsi . Das hat das Mädchen drückt , hier hats ihm gefallen , und viel ist ihm ungewohnts gewesen ; ich habe mich dann wohl geachtet , wie es dies und jenes gschauet het und wie es ihm fremd gewesen , und daheim wars grusam gerne fort , bsungerbar wenns so e Wüeste hürate sött , und grusam angst ists ihm worde