Gottesdienst zu mir ? « » Gar gerne , wenn Ihr es begehret « , sagte Uli , » aber wir versäumen Euch an Eurer Arbeit . « » Es versäumt mich niemand « , sagte der Pfarrer , » denn das ist nicht nur mein Amt , sondern auch meine Freude , bei ernsten Anlässen ein ernstes Wort zu Herzen zu reden , wo ich auf einen Boden hoffen darf , der Früchte trägt . Was bei solchen Anlässen der Herr redet , das wird nicht so bald vergessen . « Unterdessen hatte Vreneli die Finkenschuhe ausgezogen , die rechte Kappe aufgesetzt , und mit eigenen Händen hatte die Wirtin ihm das Kränzchen aufgeheftet . Das sei eins auf die Langenthaler Mode , sagte sie . » Sei es nun eins auf welche Mode es wolle , so steht es dir wohl an « , fuhr sie fort . » Aber wenn sie mir daherkommen mit einem Ranzen , der beim Fenster ist , wenn der Kopf erst zur Türe hinein kömmt , und ich soll ihnen dann noch das Kränzchen auf heften , dann kömmt es mir in alle Finger und ich möchte sie lieber bei den Züpfen nehmen und sie verflümert haaren , als ihnen ein Kränzchen aufheften . Es ist eine bluetige Schand , daß eine jede Hure mit einem Kränzchen daherkömmt und damit im Lande herumfährt , und über den Fußsack heraus hängt ihr der Ranzen bis ihrer Mähre aufs Kreuz . Sellige sollten die Kränzchen verboten werden , es ist ja nur das Gespött damit getrieben . Aber es heißt , die Gnädigen Herren frügen dem nicht viel nach und hätten selbst die Ranzen lieber als die Kränzchen . Ich weiß das nicht , ich bin , seit die Östreicher gekommen , nie in Bern gewesen , aber man sagt es so . Ob es ist , weiß ich nicht , frage auch nicht viel darnach , was gehen mich die Herren an ! Es ist mir zwider , wenn einer zu uns kömmt . Sie sind so hochmütig , daß sie einem nicht einmal antworten mögen , wenn man ihnen Gottwilchen sagt ; und wenn man ihnen die Hand längen will , so mögen sie einem die ihre nicht geben , so ziehen sie nicht einmal die Handschuhe aus und habest noch Furcht , man bschyße die . « Es begann zu läuten , und laut begann Vrenelis Herz zu klopfen , es schwamm ihm ordentlich vor den Augen . Die Wirtin brachte ihm Hoffmannstropfen , rieb ihm mit etwas die Schläfe und sagte : » Du mußt das nicht so schwer nehmen , Meitschi , wir müssen alle da durch . Aber geht jetzt in Gottes Namen , der Herr wartet an einem Freitag nicht lange , er ist gar e Ängstige . « Uli faßte sein Vreneli bei der Hand und wanderte mit ihm der Kirche zu ; feierlich tönten die feierlichen Klänge im Herzen wieder , denn der Siegrist läutete ordentlich die Glocken , daß sie an beiden Orten anschlugen , und sucht wie wenn sie lahm wären , nur bald all diesem , bald an jenem Orte . Wie sie auf den Kirchhof kamen , schaufelte eben der Totenmann an einem Grabe , und stille wars um ihn : kein Schaf , keine Ziege kam und verrichtete ihre Notdurft in des Menschen letzte Ruhestätte , denn da war der Kirchhof kein Weideplatz für ungeistliche Tiere . Es ergriff Vreneli plötzlich eine unwiderstehliche Wehmut . Der ehrwürdige Anblick der Gräber , das Schaufeln eines Grabes wecken düstere Gedanken . » Das bedeutet nichts Gutes , « flüsterte es , » einem von uns schaufelt man sein Grab . « Vor der Kirche stunden Gevatterleute , eine Gotte mit einem Kinde auf dem Arme . » Das bedeutet einem von uns eine Kindbett « , flüsterte Uli , um Vreneli zu trösten . » Ja , daß ich in einer solchen sterbe , « antwortete es , » daß ich aus meinem Glück weg muß ins kalte Grab . « » Denk doch , « sagte Uli , » daß der liebe Gott ja alles macht und daß wir nicht abergläubisch , sondern gläubig sein sollen . Daß einmal unser Grab geschaufelt werden wird , ist gewiß , aber daß das Grabgraben Sterben bedeute denen , die dazukommen , habe ich noch nie gehört . Denke doch , wie Viele ein Grab graben sehen ; wenn es die alle nachzöge , denk auch , wie groß der Sterbet sein müßte . « » Ach , verzeih mir , « sagte Vreneli , » aber je wichtiger ein Gang ist , um so ängstlicher wird die arme Seele und möchte gar zu gerne wissen , wie es zu Ende geht , und nimmt daher jede Bewegung als ein Zeichen auf , ein gutes oder ein böses ; weißt du , was du von den Tauben sagtest , als wir ins Dorf fuhren ? « Da drückte Uli seiner Braut die Hand und sagte ihr : » Du hast recht ; laß du uns unser Vertrauen auf Gott stellen und nicht kummern . Was er uns tun , nehmen oder geben wird , das ist wohl getan . « Sie traten in die Kirche , leise , zagend , teilten sich zur Linken und zur Rechten , sahen ein Kindlein aufnehmen in den Bund des Herrn , dachten , wie schön es doch sei , so ein zart und hinfällig Kind der besondern Obhut seines Heilands mit Leib und Seele anempfehlen zu dürfen , und wie eine große Last es von der Eltern Brust wälzen müsse , wenn sie in der Taufe das Bewußtsein erhielten , der Herr wolle mit ihnen sein und mit seinem Geiste sie das Kind nähren lassen , wie die Mutter es sättige mit ihrer Milch . Sie beteten recht andächtig mit und dachten , wie ernsthaft sie es nehmen wollten , wenn sie als Taufzeugen es geloben müßten , darauf zu achten , daß das Kind dem Herrn zugeführt werde . Das gewöhnliche Wochengebet verhallte ihnen in der Wichtigkeit des ernsten Augenblicks , der näher und näher kam . Als der Pfarrer hinter dem Taufsteine hervortrat , als Uli Vreneli geholt hatte und Beide ans Bänkchen traten , sanken Beide auf die Knie , der Zeremonie weit vorgreifend , hielten die Hände inbrünstig verschlungen , und von ganzer Seele , ganzem Gemüte und allen Kräften beteten und gelobten sie , was die Worte sie hießen , ja noch viel mehr , was aus treuen Herzen sprudelte . Und als sie aufstunden , fühlten sie sich so recht fest und wohlgemut ; es war einem jeden , als hätte es einen großen Schatz gewonnen fürs ganze Leben , der ihns glücklich machen müsse , den ihm niemand entreißen , niemand abgewinnen könne , mit dem es vereint bleiben müsse in alle Ewigkeit . Draußen bat Uli sein Weibchen , mit ihm zum Pfarrer zu kommen , den Schein zu holen . Verschämt weigerte sich dasselbe dessen unter dem Vorwande , es kenne ihn nicht , es sei ja nicht nötig usw. Indessen ging es doch und nicht mehr verschüchtert wie ein Dieb in der Nacht , sondern wie es einem glücklichen Weib an der Seite eines ehrenhaften Mannes wohl ansteht . Vreneli wußte sich zusammenzunehmen . Freundlich empfing sie der Pfarrer , ein ehrwürdiger , langer , hagerer Herr . Es war nicht bald einer wie er , der Ernst mit holdseligem Wesen zu mischen wußte , daß vor ihm die Herzen aufgingen , als wären sie mit einem Zauberstäbchen berührt . Als er Vreneli betrachtet hatte , fragte er : » Was meinst du , Uli , ist das Gfell oder Gottes Fügung , daß du dieses Weibchen bekommen ? « » Herr Pfarrer , « sagte Uli , » Ihr habt recht , ich halte es für eine Gabe Gottes . « » Und du , Weibchen , welches Sinnes bist du ? « » Ich meine auch nichts anderes , als daß der liebe Gott uns zusammengeführt « , sagte Vreneli . » Ich glaube auch , « sagte der Pfarrer , » Gott hat das gewollt , das vergeßt nie . Warum hat er euch zusammengeführt ? Daß Eins das Andere glücklich mache , aber nicht nur hier , sondern auch dort - das vergeßt mir wieder nicht . Die Ehe ist auf Erden Gottes Heiligtum , in welchem die Menschen sich weihen und reinigen sollen für den Himmel . Ihr seid gute Leute , seid fromm und brav , aber ihr habt Beide Fehler . Dir , Uli , kenne ich zum Beispiel einen , der dir näher und näher kömmt , es ist der Geiz ; du , Vreneli , wirst auch welche haben , aber ich kenne sie nicht . Diese Fehler werden hervortreten nach und nach , und wie an dir , Uli , ein Fehler sichtbar wird , so gewahrt ihn deine Frau zuerst und du kannst ihn an ihren Mienen gewahren , und was an Vreneli hervorkömmt , bemerkst du und es kann es an deinem Gesichte absehen . Eines wird fast zu des Andern Spiegel . In diesem Spiegel , Uli , sollst du deine Fehler erkennen und aus Liebe zu deiner Frau sie abzulegen suchen , weil sie am meisten darunter leidet , und du , Frau , sollst ihm mit aller Sanftmut beistehen , sollst aber auch deine Fehler erkennen und um Ulis willen bezwingen , und er wird dir auch dazu helfen . Wenn der Liebe diese Arbeit zu schwer werden will , so schenkt Gott Kind um Kind , und jedes ist ein Engel , der uns heiligen soll , jedes bringt uns neue Lehren , uns recht darzustellen vor Gott , und neues Begehren , daß es zugerichtet werde zu einem Opfer , das da heilig und Gott wohlgefällig sei . Und je mehr ihr in diesem Sinne zusammen lebt , desto glücklicher werdet ihr im Himmel und auf Erden , denn glaubt es mir doch recht , das rechte weltliche Glück und das himmlische Glück werden akkurat auf dem gleichen Wege gefunden . Glaubt es mir , der liebe Gott hat euch zusammengeführt , daß Eins dem Andern in Himmel helfe , daß Eins dem Andern Stütze und Stab sei auf dem engen , schweren Wege , der ins ewige Leben führt , daß Eins dem Andern diesen Weg durch der Liebe Sanftmut und Geduld ebne und leichter mache - er ist so schwer und dornenvoll . Wenn nun trübe Tage kommen wollen , wenn Fehler an dem Einen , an dem Andern , an Beiden ausbrechen , so denket nicht an Ungefell , daß ihr unglücklich seiet , sondern an den lieben Gott , der alle diese Fehler schon lange gekannt und euch eben deswegen zusammengebracht , damit Eins das Andere heile , ihm von seinen Fehlern helfe , das ist Zweck und Aufgabe eures Zusammenkommens . Und wie Liebe den Heiland gesandt , Liebe ihn ans Kreuz gebracht , so muß auch bei euch die Liebe tätig sein ; sie ist die Kraft , die über alle Kräfte geht , heilet und bessert . Mit Fluchen und Schimpfen , mit Drohen und Schlagen kann Eins das Andere unterdrücken , aber nicht bessern , daß es wohlgefällig vor Gott wird . Gewöhnlich , je wüster Eins wird , desto wüster wird auch das Andere , Eins hilft dem Andern in die Hölle . Darum vergeßt es nie : Gott hat euch zusammengebracht , Eins wird er aus der Hand des Andern fordern . Mann , wird er sagen , wo ist deines Weibes Seele ? Weib , wird er sagen , wo ist deines Mannes Seele ? Macht , daß ihr wie aus Einem Munde antworten könnt : Herr , hier sind wir Beide , hier zu deiner Rechten . Fraueli , vergib mir , daß ich dir an diesem Morgen so ernsthaft geredet . Aber es ist ja besser , man rede dir jetzt so als später , wenn Uli gestorben und man ihn durch deine Schuld verdorben glaubt ; es ist auch dem Uli besser jetzt als später , wenn er dich unter die Erde gebracht hätte . Was ich aber von Beiden nicht glaube , denn ihr seht mir Beide wirklich so aus , als wenn Gott und Menschen Freude an euch haben sollten . « Als Vreneli von Sterben hörte , schoß ihm das Wasser in die Augen , und mit bewegter Stimme sprach es : » O Herr Pfarrer , da ist keine Rede von Zürnen . Ihr sollt Dank haben z ' hunderttausend Malen für den schönen Zuspruch , ich will mein Lebtag daran denken . Es würde uns große Freude machen , wenn Ihr einmal in unsere Gegend kämet , Ihr uns besuchen würdet , um zu sehen , wie Eure Worte bei uns fruchten und daß wir sie nicht vergessen haben . « Der Pfarrer sagte , das werde gewiß geschehen , sobald er in ihre Gegend käme , und das könne sehr leicht geschehen . Er betrachte sie , wenn sie auch nicht in seiner Gemeinde wohnten , doch so halb und halb als seine Schäfchen , und sie sollten darauf zählen , daß wenn es ihnen wohlgehe und sie glücklich seien , niemand größere Freude daran hätte als er . Und wenn er ihnen in etwas dienen könne , sei es was es wolle , und es stehe in seinen Kräften , so sollten sie nur kommen , er werde sich eine Freude daraus machen . Darauf nahmen sie Abschied , und allen war es recht wohl und heiter im Herzen . Ein wohltuendes , erwärmendes Gefühl hatten sie sich gegenseitig erweckt , das eigentlich ein Mensch im andern bei jedem Zusammensein erwecken sollte . Dann wäre es schön auf Gottes schöner Erde . » Das ist mir doch der freundlichste Herr « , sagte Vreneli im Fortgehen , » er nimmt die Sache ernsthaft und meint es doch gut ; dem könnte ich einen ganzen Tag ablosen , es würde mir nicht erleiden . « Als sie ins Wirtshaus kamen , waren die Gäste noch nicht da , nur der Bescheid : Johannes werde bald kommen , aber seine Frau könne nicht wohl . Da sagte Vreneli : » Du mußt sie holen , fahre hinauf , es ist nicht so weit ; wenn du recht fährst , in einer halben Stunde bist du wieder da . « » Ich plage den Kohli nicht gerne , er hat heute noch zu laufen genug « , antwortete Uli . » Der Wirt gibt dir wohl ein Roß , nicht weiter , als es ist . « So geschah es auch , und es war gut . Johannes war noch nicht zweg , und seine Frau trug großes Bedenken , so an einem Werktag ins Wirtshaus zu sitzen , ohne daß man Gotte sei ; was würden die Leute dazu sagen , Er hätte mit seiner Frau zu ihnen kommen sollen , statt da im Wirtshaus Kosten zu haben , sie hätten ihnen auch zu essen und zu trinken gehabt . Das wisse er wohl , sagte Uli , allein das wäre uverschant gewesen und dazu wohl weit , denn sie wollten heute noch heim , er hätte jetzt alle Hände voll zu tun . Aber sie sollten doch recht kommen , er hätte es sonst ungern und müßte glauben , sie schämten sich ihrer . » Was sinnest doch , Uli ? « sagte die Frau , » du weißt ja , wie wert du uns bist . Expreß sollte ich jetzt nicht kommen , weil du solche Gedanken hast . « Indessen machte sie sich doch zweg , wollte aber nicht erlauben , daß ihre Tochter mitkäme , die Uli auch gerne mitgehabt . » Warum nicht gar , « sagte sie , » noch die Katze und der Hund , das wäre mir ! Es ist uverschant genug , daß ich komme . Warte nur , du wirst dein Geldli sonst noch brauchen können - Haushalten hat gar ein weites Maul . « Mit Verlangen hatte ihnen Vreneli entgegengesehen von der Ecke des Wirtshauses aus . Wer vorbeiging , wandte kein Auge ab ihm , und wenn er vorüber war , fragte er : » Wem ist die Hochzeitere ? Ein schöner Meitschi sah ich lange nicht . « Es ging im ganzen Dorfe die Rede von der schönen Hochzeiterin , und wer nur irgend Zeit oder einen Vorwand hatte , ging beim Wirtshause vorüber . Endlich kam Uli dahergefahren , und gar freundlich empfing sie Vreneli . » Bist doch jetzt ein Fraueli geworden , « rief die Bäurin , » bis mir Gottwilche , « und streckte Vreneli die runde , hohe Hand entgegen . » Das hab ich doch wohl gedacht , das werde ein Paar geben , es hätte sich niemand bas zu einander geschickt . « » Ja , aber selb Kehr ist noch gar nichts gewesen , erst auf dem Heimweg haben sie mich angefangen zu plagen , und daran seid Ihr , glaub ich , auch schuld gewesen « , sagte Vreneli , sich zu Johannes wendend und ihm die Hand bietend . » Aber wartet nur , ich will Euch recht den Krieg machen , hinter meinem Rücken mich so zu verhandeln . Ihr seid mir sufere Kunden , und tut Ihr mir das noch mehr , so will ich Euch bezahlen , wartet nur ! Wir wollen Euch auch verhandeln hinter Eurem Rücken . « Johannes antwortete , und Vreneli begegnete ihm wieder mit schalkhaft wohlgesetzten Worten . Als es einen Augenblick hinausgegangen war , sagte die Bäurin : » Uli , du hast bsunderbar eine manierliche Frau ; die kann reden , es stünd manchem Herrenhause wohl an , und ds Schönste ist , daß sie das Werchen ebenso gut kann , das ist sonst nicht immer bei einander . Häb Sorg zu dere , du überchunst ke Selligi meh ! « Da begann auch Uli mit nassen Augen zu rühmen , bis Vreneli wiederkam . Als bei seinem Eintritt plötzlich das Gespräch stockte , sah es schelmisch Eins nach dem Andern an und sagte : » Schon wieder habt ihr mich hinter meinem Rücken verhandelt , und das linke Ohr hat mir geläutet , wartet nur ! Uli , ist das schön , mich schon so zu verklagen , wenn ich nur einen Augenblick den Rücken kehre ? « » Er hat dich nicht verklagt , « sagte die Bäurin , » ds Cunträri , aber ich habe ihm gesagt , er solle Sorg zu dir haben , eine Solche bekomme er nicht wieder . Ach , wenn dManne mängisch wüßte , wie die Zweute wäre , sie hätten besser Sorg zu de Erste ! Nit daß ich zu klagen habe . Myne ist mir lieb und wert , ich bekäme keinen Bessern und er gönnt mir , was ich brauche , aber ich sehe öppe , wie es an andern Orten zugeht . « » Ih ha welle lose « , antwortete Johannes . » Du hast aber nachebesseret . Du hast recht , es geht an manchem Ort den Weibern bös , aber an andern den Männern auch , es kömmt immer darauf an , wo auch Erkanntnus ist und öppe auch der Glaube , daß ein Gott im Himmel sei . Wo kein Glaube ist , da ist das Wüstest Meister . « Darauf wurden sie in die Hinterstube entboten . Dort war die Suppe aufgetragen , eine Maß Wein auf dem Tisch , ein Kännlein süßer Tee dabei . Sie habe gedacht , sie wolle gleich Tee machen , sagte die Wirtin , es könne dann nehmen , wer wolle ; ein Teil sei Liebhaber , ein Teil nicht . Mit ungezwungener Freundlichkeit machte Vreneli die Wirtin , schenkte ein , legte vor , mahnte ans Austrinken ; es wurde allen recht wohl und heimelig . Uli machte sich an den Meister und fragte ihn dies und das : Wie er sich einrichten solle im Stall , was er für vorteilhafter halte zu pflanzen , um welche Zeit er dieses säe und jenes , für was der Boden gut sei , für was jener . Johannes berichtete väterlich , fragte wieder , und Uli teilte seine Erfahrungen mit . Die Weiber horchten anfangs , dann aber schwoll auch Vrenelis Herz mit Fragen an und es suchte Rat bei der Bäurin in den hundert Dingen , in denen eine Bäurin Meister sein sollte , erzählte , wie es es bis dahin gemacht , aber ob es nicht noch besser und vorteilhafter anzuschicken wäre ? Mit Freuden enthüllte die Bäurin ihre Geheimnisse , sagte aber oft : » Ich glaube , du machst es besser , das muß mir auch probiert sein . « Die trauliche Heimeligkeit lockte Wirt und Wirtin an , verständige Leute , und Beide halfen raten und wägen , was das Beste sei , und zeigten ihre Freude an manchem , das sie hörten . Und je mehr sie hörten , um so mehr zeigten Vreneli und Uli Begierde , zu lernen , um so demütiger wurden sie und horchten den Alten ihre Erfahrungen ab und prägten dieselben sich ein in ihr nicht mit unnützen Dingen beschwertes Gedächtnis . Der Nachmittag schwand , es wußte es niemand . Auf einmal warf die Sonne einen goldenen Schein ins Stübchen , und verklärt schwamm in ihrem Lichte , was darinnen war Erschrocken fuhren sie zweg über das unerwartete Licht ; das fast von ausgebrochenem Feuer zu kommen schien . Sie sollten nur ruhig sein , sagte die Wirtin , das sei nur von der Sonne ; die möge gegen Haustagen hineinscheinen , wenn sie nieder , gehen wolle . » Herr Yses , so spät schon ? « sagte Vreneli , » wir müssen fort , Uli . « » Ich wollte nicht pressieren , « sagte die Wirtin , » der Mond kömmt , ehe es finster wird . « » Wie ist mir doch dieser Nachmittag vorbeigegangen ! « sagte die Bäurin . » Ich wüßte mich gar nicht zu besinnen , wann ich so kurze Zeit gehabt hätte . « » Es geht mir auch so « , sagte die Wirtin . » Das ist etwas anderes gewesen als so viele Hochzeitleute , die vor langer Weile nichts anzufangen wissen als zu saufen und zu spielen , und einem so lange Zeit machen , daß man froh ist , wenn man ihnen den Rücken sieht . Ja es dünkt mich manch , mal , ich müßte so einem Bürschchen , das nichts zu reden weiß an seinem Hochzeittag als zu fluchen und seine entlehnte Pfeife geradeausstreckt , wie wenn er den Mond hinunterguseln wollte , eins zum Grind geben , daß er ihn doch auch wieder da habe wo andere Leute und reden lerne wie andere Leute . « Die Bäurin aber gab Vreneli die Hand und sagte : » Du bist mir , weiß Gott , recht lieb geworden , und ich lasse dich nicht fort , bis du mir versprichst , du wollest bald wieder zu uns kommen . « » Recht gerne , « sagte Vreneli , » wenns möglich ist . Es ist mir auch gewesen , als rede ich mit einer Mutter , und wenn wir nur näher bei einander wären , ich käme nur zu viel . Aber wir haben ein großes Wesen und wer , den nicht viel daraus können , ich und Uli . Aber kommt Ihr zu uns , das müßt Ihr mir versprechen ; Ihr habt erwachsene Kinder und wisset , es geht zu Hause gleich , wenn Ihr schon fort seid . « » Ja , kommen will ich zu euch , das verspreche ich . Ich habe es dem Johannes schon manchmal gesagt , es nähmte mich wunder , wie es in der Glungge sei . Und los , wenn ihr öppe einist eine Gotte mangelt , so habt nicht Mühe und lauft weit um eine aus . Ich weiß eine , sie sagt euch nicht ab . « » Das wäre guter Bescheid , « sagte Vreneli und zupfte am Fürtuchbändel , es wolle ihn nicht vergessen und daran sinnen , wenn es ihnen einmal dazu kommen sollte ; man wisse nie , was es geben könne . » Ungefähr wohl , « lachte die Bäurin , » und dann wollen wir sehen , ob ihr uns etwas schätzet oder nicht . « Unterdessen hatte Uli abgeschafft , anspannen lassen und schenkte nun allseits ein und nötigte zum Abschiedstrunk . Da kam noch der Wirt mit einer Extraflasche und sagte : Etwas wolle er auch tun und nicht umsonst getrunken haben . Es freue ihn , daß sie bei ihm gewesen , und er wollte alle Freitage eine vom Mehbesseren zum besten geben , wenn alle Freitag solche Leute bei ihm Hochzeit hätten ; an denen hätte er jetzt Freude gehabt . Als er hörte , daß abgeschafft sei , tat Johannes es nicht anders , der Wirt mußte noch eine auf seine Rechnung holen , und es stunden wiederum die Sterne am Himmel , als nach recht innigem Abschied , wie er selten von Nichtverwandten genommen wird , der mutige Kohli ein glückliches Paar rasch davonführte - dem Himmel zu . Ja , lieber Leser , Vreneli und Uli sind im Himmel , das heißt sie leben in ungetrübter Liebe , mit vier Knaben , zwei Mädchen von Gott gesegnet ; sie leben im wachsenden Wohlstande , denn der Segen Gottes ist ihr Gfell , ihr Name hat guten Klang im Lande , weit umher stehn sie hoch angeschrieben , denn ihr Trachten geht hoch , geht darauf , daß ihr Name im Himmel angeschrieben stehe ! Merke dir das , lieber Leser !