dem Geruche aus dem Spundloche so begeistert , daß er sich hinaufhelfen ließ und mit einem Stechheber selbst in die Gläser füllte . Susanna holte auf sein Geheiß Rosen und Epheu in den Keller und umhing ihn damit ; dann mußte sie auch die zahmen Singvögel des einen Alten darin fliegen lassen ; die Wände glänzten vom Mauertropfen , es sah herrlich aus . Anton , bei dem der erste Zwang zur Lustigkeit nach seiner Art schnell zur leichtsinnigen Freude übergegangen , legte sein Wams ab und sang ein Lied aus der alten Zeit in Waiblingen . Weil jetzt die Hundstag hitzig scheinen , Macht euch im Keller Sitze , Zieht aus den Wams bei kohlen weinen , So weicht von euch die träge Hitze . Ich streich die Hemdesärmel auf Und reite auf dem Fasse ; Mein Pferd hat einen raschen Lauf , Es ist gewiß von edler Rasse . Es dreht sich mit mir um im Kreise , Das nenn ich recht turnieren ; Reicht mir gesalzen Brot zur Speise , Dann will ich es noch spanisch führen . Mit dem Stechheber in der Hand Sitz ich wie mit dem Schwerte , Und manchen streckt ich in den Sand , Der meine hohen Gläser leerte . Die Sonne zog viel Wasser heute , Und ich sog viele Weine ; Das nenn ich eine gute Beute , Dafür reit ich mir müde Beine : Ich überwache ganz allein Den Mond und auch die Sonne , Wär nur noch drin ein Tröpflein Wein , Ich stieg nicht ab von meiner Tonne . Seger war trunken und Susanna ermüdet eingeschlafen ; Anton war auch erschöpft , fegte alle Rosen , die er finden konnte , zusammen und legte sich darauf selig fest . Am andern Morgen erwachte in allen dreien die Betrachtung , was sie dort anfangen sollten ; kaum war noch etwas zum Frühstock zu finden . Seger riet zum Fischfang und zur Jägerei , bis sich Antons Wunde hinlänglich gebessert hätte , um sich auf den Weg zu machen . Anton lobte den Rat , und Seger machte sich mit dem Schießzeuge auf in den Wald ; Anton sah ihm nach ; alle Holzschreier krächzten vor ihm her und rauschten in ungeschicktem Fluge durch das Eichenlaub ; es war als wenn der Schrecken ihm nachfolgte . Susanna redete lange kein Wort . » Hör Susanna « , sprach Anton , » es wird mir ordentlich ängstlich hier im Zimmer . « » Herr « , sagte sie , » Ihr seht auch ganz entstellt aus ; seht Euch einmal im Wasserbecken an , vorgestern waret Ihr viel schöner als Euer Bild , und heute viel häßlicher . « » Sonderbar , aber du hast recht , woher mag das kommen ? Ist wohl ein heißer Tag heute ? « » Ja , Herr , es kommt noch ein heißerer Tag am Ende aller Tage , der fragt nach Rechenschaft von allem ; ich aber bitte Euch , Eures Leibes zu schonen , denn Ihr zündet das Licht an beiden Enden an , und so verbrennt es bald ; denkt wie schön Ihr seid . « So eindringend hatte Frau Anna ihn nie ermahnt , sie sprach nur immer vom Gelde , das er unnütz verschwende ; er sah sie zärtlich an und sprach : » Wärst du nur immer bei mir gewesen , es wäre manches anders . « » Schickt den Seger fort « , bat Susanna . » Wie soll ich ihn fortschicken « , fragte Anton , » ich kann ihn jetzt nicht entbehren ; er muß mich in Ehren durchdringen bis zu meiner Frau , da will ich ein ganz fleißiges Leben anfangen ; wenn ich mäßig lebe , wird mich immer noch meine Kunst nähren . « Seger kam gegen Mittag zurück , hatte aber nichts als eine Schnepfe geschossen . » Satanas weiß es « , schrie er , » das Wild muß mich auf eine Meile wittern , alles läuft vor mir ; was sollen wir mit dem kleinen Braten ? Ich will fort in die Gegend , will unter meinen Schandkameraden die alte Freundschaft aufsuchen ; Ihr könnt bis Abend ein paar Nester voll Kanarienvögel ausessen , die ich unten gesehen habe , dann komm ich zurück mit Wein und Fleisch . « Ohne eine Antwort abzuwarten , ging er fort ; Susanna fiel vor Antons Füßen nieder : » Gott sei gelobt , der mein Gebet erhört hat , wir sind befreit ; versucht ' s , gnädiger Herr , Euer Fuß muß heil sein ; laßt uns fliehen aus dem Schlosse , ehe er mit seinen Helfershelfern zurückkommen kann , es steht uns nichts Gutes bevor . « Anton sah sie verwundert an : » Was fürchtest du , hab ich nicht Arme dich zu schützen ? Augen , die dich bewachen und nur dich sehen ? « - SUSANNA : » Gewiß weiß er , daß ich ein Mädchen bin ; ich sah es ihm an , er führt nichts Gutes in dem Faltenlächeln seiner Wangen « Jetzt kam Anton etwas in den Gedanken , was er oft gemalt , aber noch niemals gefühlt hatte , wie Engel eine Seele durch das Fegefeuer führen ; es war keine Furcht , die sich seiner bemächtigte aber eine Überzeugung , daß sie recht habe und daß etwas aus ihr spreche , was er noch nicht gekannt . Er sprang von dem Sessel auf und versuchte den Fuß ; er hinkte wohl noch etwas , aber er konnte deutlich merken , daß sich die Gelenkigkeit mit dem Gebrauche herstellte . » Mädchen « , sagte er und faßte sie unter das Kinn , » was soll das geben ? Du machst mit mir was du willst , ich muß dir schon folgen hinkend und hungernd ; nun pack ein , was wir haben . « Er hatte nicht viel mitzunehmen ; das kleine Ölbild von Susanna steckte er in eine Jagdtasche , sie hing sein Bild an einem Schnürchen sich um den Hals und ließ es zwischen Wams und Hemde versinken ; Anton sah ihm über die angenehme Stelle vergnügt nach . Dann würden die Mäntel umgenommen ; Anton hatte die Flinte wieder geladen , sah noch einmal das Bild in seinem Zimmer an und dachte , nun bist du doch den Waffen näher als den Farben , und durchzog das Haus . » Einmal hat mich Fabian aus diesem stillen Hause meiner Jugend weggelockt , heute Susanna ; sie wird mir kein Böses wollen ; wohin soll ich ? Alle Eintracht ist aus meiner Lebensweise gewichen . Aber Susanna ! « rief er laut , » wo ist das Eichhörnchen ? « » Es schläft in meiner Tasche ; alle andern habe ich heute schon in den Wald , so auch die Vögel in den Himmel entlassen ; erst glaubten sie nicht , daß sie fort könnten , sie gingen so langsam wie Ihr ; dann aber ging es jubilierend auf und nieder , und jedes suchte sich eine freie Nahrung . « » Nun so wollen wir uns auch nähren wie die Vögel unter dem Himmel , wie die Lilien im Felde ; sieh , an dieser Tür hab ich einmal als Kind mein ganzes Frühstück , und es waren die ersten Kirschen im Jahr , einem Bettelknaben gegeben ; wer weiß , wo uns wieder so geschieht . « Ihre Schritte hallten öde im Hause ; die Fliegen sogar lagen aus Mangel an Nahrung schon in Haufen unter den Fenstern , durch deren harte Durchsichtigkeit zu entkommen sie vergebens gestrebt hatten ; ein paar Schmetterlinge , die erst den Larven in den Winkeln entkrochen , rauschten mit ihren Flügeln noch ungeduldig an den Scheiben ; Susanna ließ sie hinaus . Es ward beiden doch recht wehmütig , als sie auf den Platz des Tanzes und der Blumen kamen ; Anton und Susanne schmückten ihre Hüte mit dem Schönsten , was noch blühte . Anton , der sich jetzt schon gefaßt hatte , sah sich noch einmal um , schwenkte Hut und Strauß und sang dabei : Blumenduft dem Hungernden ; Worte wenn ich liebend brenn . Ritterschaft ohne Pferd und Helm , Also wird es mir armem Schelm . Schätze bewachen ist mir Pflicht , Aber ich finde im Säckel sie nicht , Leere Fässer im Keller stehn , Darum muß ich nun weiter gehn . Der mich führt , weiß selbst keine Straß ; Ob ich gehe , ob ich ' s laß , Hinken muß ich doch überall , Darum lach ich viel tausendmal . So lustig fing sich die Wanderschaft an . Anton vermied nur die Richtung gegen Augsburg ; wo er sonst hin wollte , das wollte er erst im nächsten Orte fragen ; aber das weite Feld , das in den letzten Zeiten erst verwüstet schien und noch die Wasserfurchen aus früherer Bearbeitung zeigte , so wenig es von Bäumen beschränkt war , ließ es doch nirgend eine Turmspitze vorscheinen ; die Wohnungen der Gegend lagen meist in tieferen Tälern , das Jagdschloß war ihnen auch aus den Augen verschwunden . Zwischen dem offenen Meere , wo alle Küsten schwinden , und zwischen einer Fläche , auf der kein Haus zu finden , ist sehr wenig Unterschied ; mühsamer ist es in jedem Falle , über Erdfläche hinzugehen , statt das Schiff unter sich lustig gehen zu lassen , und viel verzweiflungsvoller , wenn ein neuer Hügel hinangeschritten und die Fläche sich immer weiter hinausdehnt ; das Verzweiflungsvollste aber , wenn ein Strom jetzt die tagelange Richtung des Weges durchschneidet und einen neuen Weg erzwingen will , weil nirgend an ein Überkommen zu denken ist . Das alles geschah unsern Wanderern . Susanna hatte ihre Füße so schmerzlich wund gelaufen , daß sie der Tränen sich nicht enthalten konnte ; Anton fühlte Schmerz in seinem verwundeten Beine , aber er ließ sich nichts merken und tröstete sie bei jedem Ausrufe mit Küssen , die sie weder merkte noch zurückwies . Sie lagen so am Ufer des Flusses , der vom Schneeschmelzen im Gebirge über seine Ufer ausgetreten war ; sie sahen in den Buchten die Wasserspinnen mit ewiger Ungeduld dem Strome entgegenstreben , wenig fortrücken und meist von der nächsten Welle doppelt so weit zurückgetrieben werden und doch ihren Weg nicht aufgeben und endlich doch alle etwas fortrücken . Susanna zeigte still auf die langfüßigen Tierchen , und sie dienten beiden zur Unterhaltung , daß sie nicht merkten , wie sich ihnen ein Mann mit einer Zither genähert hatte . Susanna erschrak , als sie zufällig ihn erblickte ; sie meinte erst , es sei Seger ; der gütige Blick des Ankommenden vertrieb bald diesen ersten Eindruck , das Zutrauen mußte ihm überall entgegen kommen . » Ihr wartet auf die Überfahrt , ich auch « , sagte der Ankommende , » es wird nicht mehr lange dauern , so besteigt der alte Fährmann seine Fähre . « » Eine Fähre hier ? « » Seht nur in den Winkel hinter den Weiden jenseits ; jetzt ist sie schwer zu erkennen , das Wasser steht hoch , und die Kronen der Weiden treten vor ; da liegt sie ; alle Abend kommt ein alter Fischer am Ufer herunter und fährt über . « » Du hast mich gut geführt , Kurt « , sagte Anton , » wahrscheinlich wären wir sonst nirgends übergesetzt worden . « » Auf zehn Meilen « , sagte der Fremde , » sind alle Fähren , der aufrührerischen Bauern wegen , versenkt ; es ist ein fürchterliches Morden und Brennen überall ; viele Schlösser sind von ihnen beraubt und zerstört ; sie wollen an einem Tage die ganze Rechnung mit ihren Herren abmachen und nichts schuldig bleiben . Ich geriet in ihre Hände , und weil ich ein Spielmann bin , taten sie mir nichts zu leide ; aber welche Greueltaten mußte ich mit ansehen und dazu musizieren ! da warfen sie mir dann wohl etwas Geld ins Barett , letztlich nahmen sie es aber alles wieder fort . Apollon , mein rechter Vorsteher , sei gelobt , daß ich von ihnen bin ; in Marbach wäre ich fast mit ihnen gefangen und gehangen ! « » Was ist da geschehen ? « » Die Bauern wollten das Städtlein ohne Mühe einnehmen und plündern ; so kamen sie einzeln mit Jagdspießen vor die Tore und begehrten friedfertig , zur Kirchweih eingelassen zu werden , um ihre Verwandten zu besuchen ; die Hüter hatten kein Arg ; der Aufruhr war noch nicht in die Gegend der Stadt gedrungen , auch mich brachten ihrer zehn mit , und ich mußte lustig vor ihnen her singen . Auf dem Markte kamen sie alle zusammen ; als sie mit einander sich zu beraten anfingen , da sah ich die Zeit ab und ging zum Untervogt und warnte ihn vor ihrer bösen Absicht , die ich erlauert hatte . Er dankte mir und bat , daß ich nun zu ihnen zurückkehre und gelegentlich wiederkäme . Der Untervogt ging darauf zum Obervogt Eitel von Plieningen , der auf dem Rathause einer Sitzung beiwohnte , und fragte ihn , was er tun solle . Da wurde nun lange hin und her geraten , ob man die Bürger bewaffnen oder die Tore schließen solle ; unter der Zeit waren der Bauern schon zu viele eingedrungen ; man mußte ein gut Gesicht zum bösen Spiele machen . Inzwischen war den Bauern der Kamm gewachsen ; sie schickten an den Rat , weil viele unter ihnen keine Freunde in der Stadt hätten , so ließen sie um Wein aus dem herrschaftlichen Keller bitten . Der Vogt schlug es erst ab , es sei gegen seinen Eid ; nachher aber , als sie Rat gepflogen und die Bauern drohende Worte ausgaben , wurden ihnen einige Fässer Wein bewilligt . Während die Bauern dabei lustig wurden , sammelte der Obervogt und der Untervogt den Rat und einige sichere Männer auf dem Rathause ; als jene das aber merkten , drangen sie zum Teil in das Rathaus , teils blieben sie unter demselben stehen und riefen in voller Trunkenheit jenen zu : Stürzet den Rat zum Fenster hinaus ! Die Bauern im Rathause wollten auch die Tür des Ratzimmers sprengen , konnten es aber nicht möglich machen . Dann stiegen sie in den Ofen und wollten durch denselben in das Zimmer einbrechen ; der Ofen war aber mit einem eisernen Gitter umgeben und die Ratsherren stachen mit ihren Degen durch die Risse des zerschlagenen Ofens ; sie mußten zurück . Hierauf , wie es bei Trunkenen geht , wer vom Streit müde , läßt schnell gütliche Verhandlung folgen , beschwichtigte der Obervogt ihren ganzen Unwillen , indem er ihnen mit vernehmlicher Stimme aus dem Fenster des Rathauses zurief , er wolle ihnen noch einigen Wein zukommen lassen . Der Wein wurde mit neuem Jubel empfangen ; ich mußte zum Tanze aufspielen ; die alten Bauerstiefel trampelten auf dem Pflaster wie eine Ramme , bis sich das Übermaß des Weines Luft machte und einer über sein Mädchen , der andere über einen Misthaufen fiel und sich nicht wieder aufrichten konnte . In solchem Taumel überkam uns die Nacht ; ich schlich mich zum Obervogt , da waren schon viel angesehene Bürger bewaffnet zusammen gekommen ; er stellte ihnen ernstlich vor , wie sie es ihrer eigenen Sicherheit und dem Eide schuldig seien , den sie der Obrigkeit geschworen hätten , mit allen Kräften ihm beizustehen , das bittere Bauernvolk aus der Stadt zu schaffen . Alle verschworen sich aufs neue , ihm treulich beizustehn , und er befahl ihnen , sich nach dem Schlosse zu begeben und zwei Feuermörser , eine Feldschlange , einen Doppelhaken und ein paar Büchsen , die in den unteren Zimmern des Rathauses standen , dahin zu schaffen . Ein ärgerlicher Umstand war es , daß der Konstabler Marx Spengler , der das Geschütz zu bedienen verstand , mit den Bauern sich vollgetrunken hatte und nur mit Mühe aufgeweckt werden konnte ; in demselben Taumel war auch der Stadttrommelschläger , so daß beiden ein paar feste Bürger beigesellt werden mußten , die sie in ihrer Pflicht erhalten oder , wenn sie dagegen fehlten , sie niederschießen sollten . Die Weiber der treuen Bürger mußten in der Zeit siedendes Wasser in Bereitschaft halten , um die Feinde , wenn es zum Treffen käme , damit zu verbrühen , daß ihnen die stolzen Federn ausfielen . Bei Tagesanbruch rückten wir aus dem Schlosse die Stücke voran , doch nur mit Pulver geladen , ich zuletzt , weil ich gar nichts dabei zu suchen hatte ; der Trommelschläger , von den beiden Bürgern immerfort in die Rippen gekeilt , schlug das Kalbfell fast zusammen ; die taumelnden Bauern und die mit ihnen einverstandenen Bürger , aus dem ersten Schlaf erwacht , liefen aller Orten gegen einander , und keiner hörte mehr Rat ; da wußten sie auf einmal wieder die Namen aller Heiligen und riefen bald diesen , bald jenen an , dessen Bild sie oftmals mit Füßen getreten , er möchte ihnen sagen , was es gebe . Der Obervogt aber schrie mit grausamer Stimme : Ihr treulosen , aufrührerischen Bösewichter , heut sollt ihr alle eure Strafe empfangen , hier sollt ihr sterben ! Bei diesen Worten mußte der Konstabler die Stücke lösen . Mancher fiel vor Schreck und meinte sich getroffen , oder lag in seinem Unflat und meinte in seinem Blute ; die meisten aber bückten sich , daß sie sich klein wie Mäuse meinten , streckten die alten Beine auseinander , als wollten sie sich zerreißen , und sprangen , wo sie konnten , über die Stadtmauern ; weiß Gott , wo sie aufgehört haben zu laufen . Die aber von den Bürgern eingeschlossen zurückblieben , streckten die Hände aus und baten , sie herauszulassen und ihnen Gnade angedeihen zu lassen . Der Obervogt sprach zum Untervogt : Es ist doch besser , wenn wir den Wolf erst aus dem Schafstall herauslassen , und rief dann laut : Weil euch leichtsinnige Bösewichter eure Übeltat reut , so soll euch verziehen werden ; aber ihr sollt alle durch das Eselstor , wo sonst nur die Mülleresel treiben , hinausziehen zum ewigen Schimpfe . Die Bauern wollten erst jeglicher zu seinem Tore hinausgehen und baten darum , aber der Konstabler machte eine so grimmige Bewegung mit seiner Lunte in der Trunkenheit , und der Obervogt schwor , er wolle sie , so wahr er ein Edelmann , wie Hühner abschlachten , daß sie endlich wohl gar noch Eselsohren sich gemacht hätten , wenn ' s verlangt worden wäre ; sie zogen ab , und ich mußte zu ihrem Abzuge spielen . Als sie fort waten , da ging die Untersuchung gegen die schuldigen Bürger an ; da wurde der Schaden Josephs erst besehen ; es sollte der Wein wieder in den herrschaftlichen Keller geschafft werden ; darüber wurde mein Dank vergessen , ich mußte weiter ziehen und bin nun , wie ihr mich seht , hungernd und durstig und ohne Geld . « » Was ist denn aber Euer Handwerk sonst ? « fragte Anton ; » wie heißt Ihr ? damit ich Euch künftig nennen kann . Ich heiße Anton und bin ein Maler . « » Ich habe nur ein Mundwerk « , sagte der andere , » kein Handwerk ; ich habe mich viele Jahre mit der Meistersängerei in Nürnberg abgequält , hab Euch in allen Tonarten Wörter zusammenschreiben können , wie die andern , habe selbst die Seidenschwanzweise erfunden , die ihren Kunstbau durch hundertundzwanzig Reime treibt , wurde verliebt , als ich den Gesang der drei Männer im feurigen Ofen darin aufgeschrieben hatte ; meine Braut lachte mich aus damit und sang mir ein Liebeslied vom schmelzenden Schnee und grünen Grase , von der Frau Nachtigall , vom Goldring , den sie im Schnabel trägt ; das behagte mir so wohl , daß ich allen meinen Narrenkram wegwarf und sang , wie mir ' s ums Herz war . Da wollte mich niemand mehr in Nürnberg bei festlicher Gelegenheit haben ; der gute alte Hans Sachs , die weiße Taube , gab mir aber ein Reisegeld , daß ich nach München gehen solle , um noch singen zu lernen ; so bin ich immer weiter gekommen und rücke immer näher an meine Bärbel ; ich aber heiße Güldenkamm . « » Ihr seid ein kühner Mann « , sagte Anton , » daß Ihr den Meistergesang so herabsetzt ; habe sonst immer großes Lob davon gehört , weiß aber selbst nichts von ihm ; in meiner Stadt hatten wir keine solche Schule und schämten uns dessen ; die Nürnberger taten immer bei uns so stolz , wenn einer das Schulkleinod , die Krone oder den Kranz gewonnen , oder wenn einer getauft und gefreiet worden . « » Das bin ich alles auch « , sagte Güldenkamm , » verkauf Euch aber alles , was ich da gelernt habe , für ein Mittagessen , es ist eine Wortschinderei ; mich hungert heute , ich habe nichts gegessen ; habt Ihr nichts bei Euch ? « » Nein , mein guter Güldenkamm « , seufzte Anton , » ich habe schon lange Euren Ranzen angesehen , ob nichts Eßbares darin sein möchte . « » Ihr seht so stattlich ritterlich angezogen aus « , sagte Güldenkamm , » wie seid Ihr in solche Not gekommen ? « Anton erzählte ihm in der Kürze , was ihm begegnet , von seiner Frau , wie er sie liebte ; nur von seinem Vater und von Susannen schwieg er . Doch sah der listige Meistersänger recht wohl , daß es ein Mädchen sei und Anton ihr zärtlich die Hand drücke . Die Erzählung wurde durch die Ankunft des Fährmanns unterbrochen , der mit einigen Leuten über das Feld jenseit des Flusses kam und sie übersetzte . Anton suchte jetzt in seinen Taschen nach Geld zum Übersetzen und stampfte mit dem Fuße zornig : » Habe meine Geldtasche im Bette vergessen ! Wer hat nun Geld zur Überfahrt ? « Traurig sahen sich alle drei an . » Umsonst tut ' s der Alte nimmermehr , ich kenne ihn . « Susanna holte jetzt das kleine Eichhörnchen aus ihrer Tasche und sagte sehr trübsinnig : » Unser armer Tucktuck verhungert , er nagt schon meine Finger an , und nirgends , so weit ich blicke , sehe ich einen Ort , wo er was fände , wenn wir ihn frei ließen . « Inzwischen wurde die Fähre ans Land gestoßen und festgebunden ; es stieg ein alter Prälat und zwei Nonnen aus ; jener saß zu Pferde , diese gingen zu Fuß . Der Prälat sah gleich auf das Eichhörnchen und sagte zu den Nonnen : » Eure Liebden sehen einmal den Rotschwanz ! Gib her Kleiner , ein artig Tier ; wie es mir die Nuß aus der Hand nimmt ! sehn Eure Liebden , es nagt wie ein Zimmermann mit der Säge in die Schale ; ich wollte , es wäre feil , möchte es Eure Liebden zu meinem Angedenken verehren . « » Was gebt Ihr , gnädiger Herr ? « fragte Güldenkamm ; » es ist uns zwar sehr lieb . « » Da sind dreißig Kreuzer « , sagte der Prälat , » es ist teuer damit bezahlt ; aber seht nur , wie kraus ihm die Blume steht , ihr lieben Nonnen ; möchte mir daraus einen Weihwedel machen . « Susanna ließ heimlich eine Träne fallen , küßte das Eichhörnchen noch einmal und übergab es dem Prälaten , der ihr die Backen kneipte . Sie übergab das Geld Anton , sah dem Prälaten mit den beiden Nonnen nach , denen er das zierliche Tierchen übergab , sie segnete und in verschiedener Richtung von ihnen fortritt . Jetzt bezahlte Anton zwei Kreuzer für sich und Susannen ; Güldenkamm sagte ihm , daß er mit Musika seine Überfahrt bei ihm freispielen wollte , und Anton bezahlte auch für ihn . Susanna aber , wie sie auf der Fähre saß , fing heftig an zu weinen ; sie hatte das Tier so lieb gehabt , sie warf sich ihren Unverstand vor , nicht besser dafür gesorgt zu haben . Anton suchte sie zu trösten und vergaß sich darüber , nannte sie bald Susanna , bald Kurt , und küßte sie zärtlich . Güldenkamm hatte das mit allerlei lustigen Liedern schon begleitet , sie hatten es aber nicht beachtet ; endlich hörte doch Anton darauf , als er ihnen näher trat und sang : O tiefer Strom , der alle Welt durchschnitten , An deinem Ufer ist ein harter Stand ; Der alte Fährmann weiß da nichts von Bitten , Er fordert Lohn und strecket aus die Hand ; Ihm lohnet für ein schönes Kind der Ritter , Ein armer Spielmann fleht ihn an mit Schall : Bezahl für mich , es klingt dafür die Zither , Sonst kenne ich kein klingendes Metall . Der Ritter hat bezahlt für ihn die Fähre , Der Spielmann singt zu seines Ritters Lust , Von Liebesschmerz und Not und süßer Zähre , Ihm ist das tiefe Herz im Wort bewußt . Der Ritter horcht und läßt die Küsse kühlen , Die auf den Lippen herzlich glühend stehn ; In leerer Luft kann er die Küsse fühlen , Ein schmerzlich Ende durch den Anfang sehn . Da kömmt die Fähre zu dem andern Strande , Das schöne Kind geht fort an fremder Hand ; Der Ritter ruft : » Du sprengst die falschen Bande , Ich hab mich heim zu meiner Frau gewandt ! « Der Spielmann schlägt mit Jubel in die Saiten : » Nur einer Liebe folge , der sei treu ; Der Sänger mag dich zu der einen leiten , Er spielte dich , er spielte sich auch frei . « Anton hatte diese Worte mit Bestürzung gehört , er fühlte , daß er nicht in dem Sinne an seine Frau denken konnte ; noch mehr war er aber verwundert , als der Spielmann leichtfüßig mit Susannen aus dem Kahne sprang , ohne daß sich beide nach ihm umsahen . Susanna hatte nichts von dem Liede vernommen , der Klang der Zither und das Wesen des Fremden hatte ihr gefallen ; sie nahm gern seinen Arm , denn er war mit ihr in gleicher Größe , dahingegen sie zu Anton auflangen mußte , der selbst über große Männer um eines Kopfes Länge hervorragte . Anton sah ihnen nach und sah zu gleicher Zeit ein Brot im Kahne liegen ; fast mit fortschreitendem Beine und halb aufgehobener Hand fragte er den Fährmann , was er für das Brot haben wollte . Der Fährmann sagte , es sei Hungersnot im Lande , unter zwanzig Kreuzern könne er es nicht lassen . » Aber so wartet doch « , schrie Anton den raschen Fußgängern nach ; » sind deine Blasen am Fuße schon geheilt , Susanna ? Wißt ihr schon , wohin ihr wollt ? « Susanna und Güldenkamm standen still . » Alter , da habt ihr das Geld , aber sagt mir noch , wie weit das nächste Dorf ist . « » Kann Er denn nicht sehen ? « sagte der Alte ; » liegt es ja ! « Anton sah erst jetzt in großer Entfernung ein paar schwarze Dächer , die vom Acker wenig zu unterscheiden waren . Güldenkamm kannte das Dorf ; es sei eine Hecke für Wanzen und Flöhe , die allein hätten dort gute Nahrung , meinte er . Anton hatte bei dem Brote seine Verwunderung über Susannen lachend vergessen ; er teilte es schnell und war mit dem seinen fast fertig , ehe die andern noch angefangen , die ihm nun zur Ausgleichung von dem ihren aufzwangen ; es wollte ihm aber alles nicht helfen , die Lücke in seinem Innern , durch die Zehrung der Bewegung vermehrt , ließ sich nicht füllen ; er nahm im Scherz kleine Steine , hüllte sie in Brotkrume und verschluckte sie ; das tat ihm wohl . Susanne fand diesen Scherz entsetzlich , sie mußte weinen ; aber wie ein unartiges Kind , das die Kirschkerne nicht hinunterschlucken soll , erst tut , als wolle es dieselben aus dem Munde nehmen , sie zeigt und dann doch verschluckt , so hatte er eine eigene Freude an den Besorgnissen der beiden und fühlte sich endlich so wohl gesättigt , wie damals , als er die erste Trappe seiner Frau aufzehrte . Gegen Abend erreichten die Wanderer ein armes , sehr ödes Dorf ; die Bauern waren gutmütig gegen sie , aber sie hatten nichts - Hungersnot herrschte überall ; das Brot war mit Rinden und Eicheln gemischt , die Hütten übelriechend , dunkel , ohne Fenster und schmutzig . Anton hatte kaum hineingeblickt , so hatte er sich schon über ein Heulager geworfen , um seinen ermüdeten Fuß zu ruhen ; Susanna blickte kaum hinein , so wurde ihr von dem üblen Geruche und heißen Dampfe schwindlig ; sie mußte zurücktreten , und Anton drang in sie , seinetwegen sich nicht mit dem Elende der Hütte zu plagen . Sie ging also mit Güldenkamm an das Ufer des Stromes und las einzelne Beeren für Anton ; dann setzten sich beide der Abendröte gegenüber ; der Bach flüsterte so freundlich ; alles was am Himmel und auf Erden geschah , war Susannen eine neue Welt . Ihre fremdartigen Fragen ergötzten den Spielmann ; sie hatte eine so vornehme Vorstellung von der Welt gehabt und ihren eigenen Zustand in Augsburg so allen andern nachgesetzt , daß sie sich jetzt nicht beruhigen konnte , wie so viel Menschen noch elender lebten als sie ; sie redete die Bäuerinnen mit einer Art Rührung an , diese aber äußerten herzliches Mitleiden mit dem jungen Burschen , der so durch die