Es ward eine Scheune des Hofes eingerichtet , wo das Hauptquartier war . Er ging , die Deputation ließ sich dort nieder und beschied ihn kurze Zeit darauf vor ihr Forum . Die große stattliche Figur erschien nach diesem kleinen Zwischenraume bescheiden und sanft und mit der Erklärung , sich dem Reichstage in allem zu unterwerfen . Er ward befragt , warum er keine Schlacht liefere . - Seine Antwort brachte mehr Beteuerungen , daß er ein guter Patriot sei , als Gründe . In der jetzigen Stellung , fügte er indessen hinzu , setze eine Schlacht alles aufs Spiel ; wolle man einen andern Führer an die Spitze stellen , so werde er ihm folgen , selbst als gemeiner Soldat unter ihm dienen . Die Deputation , wohl einsehend , daß hier der Edelmut nicht ausreiche , sondern die Tat erfordert werde , ließ einen Kriegsrat von allen bedeutenden Offizieren für den Abend zusammenberufen , und der fand sich denn auch ein , zum eigenen Schrecken der Gesandtschaft . Gegen dreihundert Offiziere , die natürlich sehr verschiedener Meinung waren , erfüllten klirrend und lärmend , streitend und rufend den Hof vor der Scheune , die einen lobten Skrzynecki , die andern verwünschten ihn , noch andere schworen , nun sei endlich der höchste Moment da , alles Aristokratische niederzumachen , was den Aufstand und Krieg so lange gelähmt habe . Dazu schickte Ramorino von den Vorposten die Kunde , der Feind greife an ; ein kleines Flüßchen nämlich trennte nur die russische Armee von der also aufgelösten polnischen . Und über alledem lag ein weicher , schmeichelnder Augustabend , und einzelne Sterne lächelten herunter in das wilde Menschengetreibe . Skrzynecki ließ sagen , man solle die Offiziere abfertigen , damit sie auf ihre Posten kämen . Die Gesandtschaft war in der größten Verlegenheit , weil jeder einzelne befragt werden sollte ; da kam endlich Ramorino selbst mit der Nachricht , der Angriff sei wieder eingestellt . So begann denn nun dennoch das aller Kriegsform unerhörte Verfahren : jedem einzelnen ward Geheimhaltung seiner Aussage zugesichert , und jeder einzelne Offizier gab seine Meinung über den Krieg ab und über den Feldherrn . Das Resultat war : eine Schlacht bei Bolimow ist nicht ratsam , Skrzynecki aber hat das Vertrauen der Armee verloren , ein neuer Generalissimus ist nötig . Es begann die schwierige Wahl , und daß sie nicht genügend erledigt werden konnte , war zunächst der neue Untergang Polens . Nämlich ein überwiegendes Talent war nicht da , das zu gleicher Zeit eine überwiegende Persönlichkeit mitgebracht hätte , wie dies in so aufgelösten Zuständen unerläßlich war . Prondzynski wurde das Talent zugetraut , aber er selbst traute sich die Persönlichkeit nicht zu , hatte sie also nicht . Eine neue Figur war übrig , von der viele noch Außerordentliches erwarteten , das war der Reitergeneral Dembinski . Er hatte unter den gefährlichsten Schwierigkeiten und Hindernissen einen Teil des litauischen Expeditionsheeres durch die Feinde hindurch zurückgeführt , und während die oberen Führer Gielgud und Chlapowski mit ihren Heeresabteilungen nach Preußen übergetreten waren und die Waffen gestreckt hatten , brachte er sein Kommando beutebeladen durch alle Feindesscharen und erschien plötzlich , verwildert , mit langem Knebelbarte , asiatischen Anstrichs , an der Spitze seiner Reiter , am Tore von Warschau . Dies hatte ein großes , lebhaftes Interesse aufgeweckt , fabelhaft ritterlich , märchenhaft glücklich und tapfer erschien er zu jener Zeit , wo der Krieg nur Rückzüge und Rückzüge darbot , der halb tatarisch einreitende Dembinski . Große Erwartungen knüpften sich an diesen Eindruck ; aus den übrigen Kandidaten , welche Stimmen erhielten , aus Uminski , Lubienski , Bem , Malachowski ward Dembinski zum Generalissimus gewählt , man schickte nach Warschau , wo er als Gouverneur wirkte , um ihn zur Armee zu holen . Aber auch Dembinski war nicht der Mann , welchen man brauchte ; sein Wesen angefüllt mit Tapferkeit , rascher , gewandter Kühnheit eines Reiterführers , mit schnell erregter Heftigkeit , besaß noch nicht jene durchgeschüttelte , in sich ruhende , mit den täglichen Leidenschaften fertige Solidität , welche man Charakter und Aplomb nennt , und welche vor allem andern in jetziger Lage erforderlich war . Noch ehe er ankam , murrte es in der Armee umher , als ob ein Sturm losbrechen sollte . Infanterieregimenter schüttelten die Waffen , sie wollten keinen Reitergeneral , Anhänger Skrzyneckis erhoben ihre Stimmen , Deputationen der Offiziere drängten sich an die Reichstagsdeputation , die Russen griffen die Vorposten an , es war ein verworrenes , böses Wesen . Am elften erschien Dembinski , schalt die Deputierten , daß sie sich als Zivilgewalt so ausführlich in den Krieg mischten , wollte nur interimistisch auf sechzig Stunden annehmen , ergab sich dem Patronate Skrzyneckis , der ihn der Armee vorstellte . Dieser Antritt in all seinen Teilen mißfiel der Regierung , Dembinski ward nicht bestätigt , die Armee zog sich gegen die Verschanzungen von Warschau zurück in die Position von Utrata . Dieser neue Rückzug flog wie ein Klageschrei durch Warschau und gab den äußeren Stoß für die Aufruhrszene , welche nun mit dem 15. August ausbrach . An der Spitze stand Krukowiecki , welcher sich der Volkspartei und der Klubs bemächtigte , um die aristokratische Partei zu stürzen und selbst an die Spitze zu kommen . Während des Aufstandes erklärte er sich zum Gouverneur der Stadt und war an allen Orten und Enden , der Regierung immer neue Gefahren meldend , den Aufruhr selbst in aller Weise bis zu einem gewissen Höhepunkte fördernd . So waren die Zustände am Abend des 15. August , wo Valerius nahe daran war , aufgehängt zu werden ; in der Stadt war leise , aber sicher alle Gewalt in die langen Finger Krukowieckis geschlüpft ; die ohnmächtige Regierung , in welcher nur Lelevel zur Aufruhrpartei gehörte , hielt er durch immer neue Schreckbilder im Schach , die Volkspartei ermahnte er , nach einer gewissen Ordnung zu henken . Zu gleicher Zeit war die Armee ohne Führer , Dembinskis Termin war in wenig Stunden abgelaufen , neue Deputierte kamen denselben Abend in das neue Lager , um für jeden Preis einen Generalissimus zu wählen . Skrzynecki , welcher durchaus Dembinski wollte , weil sich ihm dieser so ergeben bewies , trat ihnen mit der spöttischen Frage entgegen : » Wen wollt Ihr denn jetzt in Warschau ? des Sultans Bart oder Barbara Radzivillowna ? « Keiner von den übrigen Generalen wollte annehmen , der allgemein verehrte Fürst Czatoryski kam verhängten Zügels ins Lager gesprengt , um Schutz zu suchen , die Aufrührer waren an der Barriere seinem Pferde in die Zügel gefallen , er hatte sich durch einen Pistolenschuß befreien müssen , die Lage war entsetzlich , wenn Paskiewitsch Kunde erhielt und mit aller Gewalt angriff . Die Deputierten zwingen jetzt Prondzynski , den Oberbefehl anzunehmen , man schildert ihm den Zustand der Hauptstadt , wo die Regierung im Begriff ist , den allmächtig gewordenen Krukowiecki auch formell das Feld zu räumen und niederzulegen . Er nimmt ebenfalls nur interimistisch an und erklärt , Krukowiecki sprechen zu müssen und reitet nach Warschau . Jetzt erheben sich wieder Skrzynecki und Dembinski : Warschau , heißt es , müsse gebändigt werden , ein militärischer Diktator sei nötig . Die Armee wird von Utrata noch weiter zurück bis in die Verschanzungen der Hauptstadt geführt und den Truppen in einem Tagesbefehle angezeigt , die Russen hätten einen Aufruhr in Warschau angerichtet . Unter diesen sich überstürzenden Aufregungen errichtet man sogar in Eile Batterien gegen Warschau . So steht ' s am 17. August . An der Spitze seiner Reiter und seines Generalstabs reitet Dembinski in die Stadt , vor den Palast der Regierung , um eine Diktatur in Beschlag zu nehmen . Prondzynski hat bereits wieder niedergelegt , die Regierung tut desgleichen , Dembinski noch zum Generalissimus ernennend . Dieser , nur halb entschlossen zu einem Äußersten , eilt in den Sälen des Palastes hin und her , bald diesen anfahrend , bald jenen fragend . Krukowiecki tritt ein , auf ihn stürzt er los : » Ich bin gekommen , die Verbrecher vom 15. August zu verhaften , Sie selbst sind mir von Lelevel als Teilnehmer genannt - « Krukowiecki erbleicht , sein ganzes Werk steht auf dem Spiele , die Armee ist da , und seine Macht kann in einem Nu entrückt sein . Er gibt sein Ehrenwort , mit dem patriotischen Klub nichts gemein zu haben , Dembinski läßt sogleich die Häupter desselben und Anführer des Aufstandes verhaften . Unterdessen versammeln sich die Landboten , der Moment kommt , wenn sich Dembinski zum Diktator machen will ; er schwankt hin und her ; sein Vorsatz kommt zur Kenntnis des Marschalls Ostrowski , und dieser ruft laut : » Wenn Dembinski erscheint , so verweigere ich ihm das Wort . « Man überbringt Dembinski eiligst diese Äußerung , er erschrickt , gibt sein Unternehmen auf , und da er doch Generalissimus ist , rückt er hinaus ins Lager . So war das Feld wieder frei für Krukowiecki : immer längere Listen von solchen , welche das Volk ermorden wolle , überbrachte er dem Reichstage , ließ das Schloß mit Truppen und Kanonen umringen , als sei die größte Gefahr vorhanden , und ward dann auch wirklich unter diesen Schreckensumständen , die er allein zu bändigen schien , zum Präsidenten der neuen Regierung ernannt . Jede Partei glaubte , sich Glück wünschen zu können ; die ausschweifendsten Demagogen wurden bestraft , die tüchtigsten aus der Volkspartei , wie Xaver Bronikowski , wurden angestellt , den Doktrinärs ward dadurch genügt , daß Bonaventura Niomojewski Vizepräsident wurde , die Aristokraten fanden ihre Stellen im diplomatischen Kreise , ein paar Soldaten und gemeine Leute , welche man bei den Mordszenen ergriffen hatte , wurden erschossen ; der neue Regent war von unermeßlicher Tätigkeit , man fühlte sich konsequent und durchgreifend regiert , alles pries den Retter aus so großer Unruhe und Unordnung , den alten Krukowiecki . Valerius , der an jenem Abende den Slodczek wirklich gerettet hatte , ging jetzt lebhaft mit dem Entschlusse um , wieder in die fechtenden Reihen einzutreten , obwohl sein Anteil an allen diesen Dingen völlig erstorben war . Es graute ihm vor diesen revolutionären Zuständen , die ihm mit aller Gräßlichkeit , mit ihrem entsetzlichen Zufalle so nahe getreten waren , ein ganzes historisches Verhältnis war ihm unheimlich , wo in keiner Weise ein gesichert Allgemeines festgestellt werden konnte , aber er hielt es für schicklich , jetzt nicht abzustehen , wo die Gefahr aufs höchste gestiegen war . Eine Rückkehr nach Deutschland war in diesem Augenblicke auch nicht möglich , die Russen hatten eine Meile von Warschau den ganzen Kreis des linken Weichselufers besetzt ; sogar das Rüdigersche Korps hatte sich von Süden herauf mit der großen Armee vereinigt , vor Deutschland lag die Mauer einer Armee . Im Begriff , nach Wola hinauszugehen , schritt er trübe und düster über den sächsischen Platz , das ganze Leben sah ihm zugemauert und verloren aus , da kam Kasimir geritten , der eine Botschaft von der Armee an den Präsidenten gebracht hatte . Er war sehr niedergeschlagen und riet Valerius durchaus ab , noch einmal die Waffen zu ergreifen für eine völlig verlorene Sache . In diesem Augenblicke fuhr der Präsident Krukowiecki mit Stanislaus und dessen Vater vorüber . » Sehen Sie , « sprach Kasimir , » die unnatürlichen Verhältnisse : der alte Graf haßt Krukowiecki wie die Pest , da fährt er freundschaftlich mit ihm hin . Nein , nein , glauben Sie das nicht , hoffen Sie nichts von dieser blendenden Energie , diese Warschauer Polen sind bis ich die innerste Seele eitel und egoistisch , dieser Krukowiecki ist der Egoismus selber , ich fürchte das Schlimmste . Kommen Sie mit , ich will mein Pferd einstellen und einen Schlupfwinkel suchen . Helfen Sie mir ; ich vertraue Ihnen rücksichtslos . Heut ' abend kommt Dembinski , der jetzige Generalissimus , mit Skrzynecki in die Stadt herein , Skrzynecki ist seines Lebens nicht mehr sicher vor seinem Todfeinde , dem alten Grauen . Krukowiecki verlangt heute seine augenblickliche Entfernung von der Armee , morgen , übermorgen wird er auch Dembinski absetzen . « Sie suchten eine Wohnung für Skrzynecki . Des Abends kam wirklich ein Wagen vor den Regierungspalast gefahren , in welchem zwei Offiziere saßen . Der eine stieg aus , um den Präsidenten der polnischen Regierung zu sprechen , heftiger Groll lag auf dem Antlitze , und raschen Schrittes eilte er über den Hof - es war Dembinski . Der andere Offizier , in einen Mantel gehüllt , fuhr weiter ; in einer dunkeln Straße stieg er aus , Kasimir und Valerius traten zu ihm , gingen schweigend noch durch einige kleine Straßen und traten in ein Haus . Der Mann , welcher sich jetzt in Warschau verbergen mußte , war derselbe , welcher noch vor wenig Tagen an der Spitze des polnischen Heeres gestanden hatte , war Skrzynecki . Seufzend warf er sich im Zimmer auf einen Sessel ; der lange , blasse , interessante Mann nahm seine Brille ab und bedeckte die Augen mit der Hand . Die Situation schnitt Valerius durch das Herz , wie zermalmender Sturm erschien ihm eine Zeit , die aus dem Gleise gerückt ist . » Wenn Dembinski heftig ist gegen den glücklichen Intriganten , so wird er morgen des Generalissimates entsetzt sein , dieser Krukowiecki ist unser Saturn , ein heidnischer Dämon , der seine Kinder frißt . « - Der nächste Tag sah die Erfüllung dieses Wortes , Dembinski ward abgesetzt , Valerius und Kasimir brachten dem zerbrochenen Krieger die Nachricht , und man beratschlagte eifrig über Mittel und Möglichkeit , daß Skrzynecki nach Krakau gelange ; Krukowiecki hatte überall seine Spione , es war die größte Gefahr zu besorgen . Darüber brach der Abend ein , man hatte sich über die Abreise zum nächsten Abend vereinigt , die drei Männer saßen schweigend im Dunkeln . Da polterte ein schwerer , bespornter Fuß die Treppe herauf , die Tür ward ohne weiteres aufgerissen , ein großer breiter Mann trat auf die Schwelle und blieb dort schweigend stehen ; die Tür blieb offen . Hinter ihm kam ein Soldat mit einer Laterne , er trat neben jenen , das Licht beleuchtete die Gruppe . » Krukowiecki ! « riefen gleichzeitig die drei Männer und sprangen von den Stühlen auf . » Jawohl , Krukowiecki , « sprach jener . » General Skrzynecki schlägt wohl die Russen hier ganz in der Stille ? « Skrzynecki hatte seine volle vornehme Fassung und verhielt sich mit untergeschlagenen Armen völlig schweigend . Die beiden großen Figuren in solcher Stimmung und Situation einander gegenüber , der leuchtende Soldat daneben , in welchem Valerius Slodczek erkannte , die beiden erschreckten Männer Kasimir und Valerius , bildeten eine merkwürdige Gruppe . » Sie , junger Mann aus Deutschland , « sprach Krukowiecki zu Valerius , » sind auch eine der verdächtigsten Personen , die ihren Lohn finden wird - General Skrzynecki , Befreier Polens , ich befehle Ihnen , Sie das letztemal gesehen zu haben , Sie gehören weder zur Armee , noch nach Warschau . « » General Krukowiecki , « erwiderte der abgesetzte Generalissimus , » der Sie unsere Revolution entwürdigen , gebe Gott zum Heil meines Vaterlandes , daß Sie nicht der sind , für den ich Sie halte ! « » Sie haben ausgespielt , Skrzynecki , « erwiderte dieser heftig , » und Ihr Geschwätz soll auch ein Ende nehmen . « Damit verschwand er . Die drei Männer waren wieder im Dunkeln und gingen augenblicklich daran , andere Maßregeln für ihre Sicherheit zu treffen . 31. Skrzynecki war auf dem Wege nach Krakau ; Kasimir und Valerius ritten durch die Barriere nach Wola , um sich in die Armee zu retten . Es war eine mondhelle Nacht , und sie konnten nur langsam vorwärts , weil ein ganzes Armeekorps vom Lager aus durch Warschau marschierte , um über die Brücke von Praga aufs jenseitige Weichselufer zu rücken und einen Streifzug zu unternehmen . Es war eine Heeresabteilung von mehreren zwanzigtausend Mann , welche unter Ramorino und Lubienski den Zugang von Praga säubern und der diesseitigen Armee , welche auf eine Quadratmeile eingeengt war , Lebensmittel verschaffen sollte . Valerius war starr und öde und sah mit Verzweiflung auf die Stadt zurück , welche unter Nacht und Mondschein hinter ihm lag . Für all seine uneigennützige , enthusiastische Teilnahme an Befreiung der Nation , welche in dieser Stadt verkörpert war , mußte er jetzt wie ein Dieb in der Nacht entweichen und unter den Kugeln der Russen eine Freistatt suchen . Alle seine Anknüpfungen hinter jenen Mauern sahen ihm trübselig nach : er wußte nicht einmal , ob Konstantie noch dort wohne , das Weib , das in einem so stürmischen Rausche an seiner Brust gelegen hatte ; auch Joels Schicksal war ihm unbekannt ; die liebliche Hedwig hatte er nur in jenem entsetzlichen Momente wiedergesehen , das ganze Leben grinste ihn an wie ein possenhaftes Trauerspiel . Dazu dieser erschreckende Leichtsinn des vorüberziehenden Heeres , Lärm und Jubel desselben in der warmen Sommernacht , » und sie ziehen vielleicht dahin , « sagte Kasimir , » und sehen dies vergötterte Warschau nicht wieder ; Paskiewitsch weiß vortrefflich , wie es unter uns hergeht , er hat seine ganze Macht beisammen und ist ein entschlossener , tapferer Feldherr , der mit Energie das Äußerste daran setzt . - Gott schütze das arme Polen ! « » Auf Wiedersehen ! Auf Wiedersehen ! « riefen die Kriegskameraden , welche vorüberzogen und im Mondscheine Kasimir oder Valerius erkannten . Auch Stanislaus war unter den Marschierenden , aber er ritt ohne Gruß dicht an dem Deutschen vorbei . Jener Expedition Ramorinos schloß sich überhaupt der Kern der aristokratischen Partei an , die sich in einem unsichern Verhältnisse zu Krukowiecki fühlte . Dieser merkwürdige Mann war nun jetzt im ganzen Umfange des Wortes Diktator , obwohl er den Titel nicht hatte : das Generalissimat war dem 75jährigen Malachowski aufgenötigt worden , damit die Armee für alle Pläne verfügbar blieb ; die Gouverneurschaft von Warschau hatte General Chrzanowski , ein Offizier , welcher den Patrioten höchst verdächtig war und schon lange von Unterhandlungen mit den Russen gesprochen hatte ; vom Oberbefehl über die Nationalgarde war der hochgeachtete Anton Ostrowski entfernt ; Krukowiecki ließ seine eigene Wohnung von einem Chasseurregimente bewachen . Die Demokraten nämlich gerieten jetzt in die Furcht , von ihm betrogen zu sein und organisierten eine Verschwörung . Sie ward entdeckt - in diesen aufgelösten Zustand kamen nun die Parlamentärs von Paskiewitsch , welche Unterhandlungen eröffneten . So stand es , als Valerius am Vormittage des 5. Septembers den General Prondzynski an sich vorübersprengen und über die polnischen Vorposten hinauseilen sah ; vor ihm ritt ein Parlamentär , neben ihm Peter Wysocki , jetzt Oberstleutnant , welcher ein Hauptführer der Fähndriche beim Ausbruch der Revolution gewesen war . Als sie nach mehreren Stunden erst zurückkehrten , erzählte Wysocki zu großer Bestürzung , daß Prondzynski eine Stunde lang geheim mit dem russischen Generale Dannenberg in Unterredung geblieben und ganz verwandelt , höchst bestürzt zurückgenommen sei . So war man denn auch über diesen wichtigsten Heerführer in Unruhe versetzt , wenn auch nicht an einen Verrat von seiner Seite geglaubt wurde ; vielleicht waren ihm im Eifer Andeutungen entschlüpft über die ferne Abwesenheit des Ramorinoschen Korps , über die Regierung , kurz , den Morgen darauf , als Valerius sich eben gegen fünf Uhr von seiner harten Lagerstatt am Erdboden erhob , donnerte ein Kanonenschuß vom russischen Heere herüber , es folgte ein zweiter , und als ob Luft und Erde in Donner aufgelöst würden , ein Schlag von hundert Kanonen , die wie ein Hagelwetter links und rechts neben ihm in die polnischen Verschanzungen einschlugen , schwarze Kolonnen , die Blitz auf Blitz vor sich hertrugen , kamen über die Ebene daher auf die Position von Wola los , welche die stärkste der Warschauer Verschanzungen war . Paskiewitsch begann den Sturm ; in dem Augenblicke war der Oberbefehlshaber Malachowski gar nicht zugegen , General Bem , welcher sämtliche Artillerie befehligte , stand ruhig auf dem Observatorium in Warschau und hielt den Angriff auf das feste Wola für einen Scheinangriff , viele Werke waren von den Soldaten entblößt , weil die 20000 Mann von Ramorino fehlten , die zum Teil just nach Wola gehörten , nur Uminski , unter welchem auch Valerius jetzt focht , war auf seinem Posten und des Äußersten gewärtig . Der größte Teil von der Armee , ganz Warschau dachte nicht daran , daß in den nächsten achtundvierzig Stunden eine Totalentscheidung des ganzen Krieges vor sich gehe , just dies Verhüllte , Unerkannte des Äußersten war ein so überaus tragisches Moment . Zwei Stunden Zeit kostet ' s die Russen , zwei kleine , vereinzelte Vorwerke zu nehmen , aber sie bieten , von der kräftigsten Energie ihres Feldherrn Paskiewitsch gedrängt , einen unablässigen massenhaften Angriff der verzweiflungsvollen Wehr von seiten der Polen ; nach sieben Uhr stürzen sie zum Sturm auf Wola , nach einem entsetzlichen Gemetzel ist es gegen neun Uhr genommen ; Wysocki , der es mit verteidigt , in den Händen der Russen - es tritt eine Totenstille auf dem Felde ein , kein Schuß fällt mehr ; Krukowiecki erscheint , um zu sehen , was vorgefallen sei . Als nun die Russen zu weiterem und breiterem Angriffe vorrückten , fanden sie geordneten Widerstand von Bem und Uminski ; nachmittags um drei Uhr beginnen die Polen selbst den Angriff , um Wola wieder zu erobern . Hier gab es nun eine Stunde lang das mörderischste Gefecht des ganzen Krieges ; Paskiewitsch drängte mit konzentriertester Tapferkeit und Kraft alles auf Wola zusammen . Um vier Uhr mußten die Polen auf das nächste Hauptwerk Czysti zurückweichen und Wola aufgeben ; um fünf Uhr schwieg erschöpft alles ; die Russen befestigten Wola . Dies war der erste Tag des Sturms . Warschau hatte in dem Halbkreise , welchen es diesseits der Weichsel nach der westlichen Ebene ausdehnt , drei Verteidigungslinien ; dieser Tag hatte den festesten Teil der ersten Linie gekostet , der übrige Kreis derselben war noch von Polen besetzt , die zweite und dritte Linie unberührt ; man hoffte jede Stunde auf Ramorinos Ankunft , man dachte nicht an ein Ende . Aber Krukowiecki dachte daran , Chrzanowski , der Gouverneur von Warschau , der alles zu verhaften befahl , was in der Stadt die Waffen erhebe , Prondzynski , der mutlos war . Krukowiecki ließ in die Stadt hineinsagen , alles sei verloren , man möge ihn zu Unterhandlungen bevollmächtigen . Er erhält vorläufige Erlaubnis , man denkt , er wolle Zeit gewinnen ; aber die Armee erhält keine Befehle für den nächsten Tag , noch beordert er Wagen , welche man vorschlägt , um dem Ramorinoschen Korps die Ankunft zu beschleunigen ; gegen Mitternacht beruft er Prondzynski . Er soll neue Unterhandlungen anknüpfen und erhält von Krukowiecki die geheime Weisung , Rückkehr unter russische Herrschaft sei die Grundlage . Um drei Uhr des Morgens reitet Prondzynski nach Wola ; Feldmarschall Paskiewitsch empfängt ihn barsch in Gegenwart des Großfürsten Michael und des General Toll , der Großfürst aber vermittelt , es soll bis neun Uhr Waffenstillstand sein , Präsident Krukowiecki solle selbst zur Unterhandlung nach Wola kommen . Nach acht Uhr des Morgens am 7. September ritten also Krukowiecki und Prondzynski mit dem russischen Parlamentär , General Dannenberg , nach Wola ; Paskiewitsch empfing sie , von einem glänzenden Generalstabe umgeben , und man ging ins kleine Wirtshaus von Wola , um zu unterhandeln . Das wichtige Verhältnis wurde dadurch eingeleitet , daß der russische Feldmarschall den polnischen Präsidenten hart und rauh anging , wie den Vertreter einer bereits ganz verlornen Sache , und daß Krukowiecki sich nun ebenfalls zornig in die Brust warf , und aufzählte , was alles für Hilfsmittel den Polen noch zu Dienst wären . Der Großfürst Michael vermittelte hierbei ebenfalls ; Paskiewitsch verlangte unbedingte Unterwerfung und Räumung von Warschau , Krukowiecki erklärte seinen Beitritt , fügte aber hinzu , daß die Zustimmung des Reichstags nötig sei , daß diese indessen erfolgen werde . Bis sie verschafft sei , bis Nachmittag zwei Uhr , solle der Waffenstillstand ausgedehnt werden . Zwischen den russischen Zurüstungen zu einem neuen Sturme ritten die beiden Polen zurück , und zwar einen andern Weg als sie gekommen waren . Dies rettete Krukowiecki das Leben : an dem Wege , den er des Morgens genommen hatte , harrte seiner der Tod , die Demokraten , welchen er jetzt ein Entsetzen geworden , lauerten ihm auf . Warschau war unterdessen in der wunderlichsten Unruhe und Ungewißheit : niemand dachte an eine so nahe Endkatastrophe , und doch fühlte man sich unter dem peinigenden Drucke einer Gefahr drohenden Luft , man fragte sich : » Was ist ? « » Was geschieht ? « » Warum schweigen die Kanonen ? « » Siegen wir ? « » Warum ist der Präsident bei den Russen ? « Nur die höher Gestellten sahen den Abgrund , an welchen sie geführt waren , ohne doch auch genau zu wissen , wie tief er sei , ob ein Sprung retten könne ; der Vizepräsident , welchem vor den unheimlichen Schritten Krukowieckis graute , legte seine Stelle nieder , ihm folgten die meisten Minister , dennoch fürchtete noch niemand das Entsetzlichste , was bereits neben ihnen stand . Es ist vormittags zehn Uhr , der Reichstag versammelt sich , Krukowiecki und Prondzynski kommen an ; wie soll die Forderung des russischen Feldmarschalls , welche die ganze jetzige Existenz vernichtet , den Deputierten vorgetragen werden ? Prondzynski wird hineingeschickt , er soll als betrauter Offizier den rettungslosen Waffenzustand schildern . Erhitzt , fieberisch bewegt von den Eindrücken , die ihn schleudern , tritt er ein und bittet um eine geheime Sitzung . Man schließt die Türen , räumt die Galerien , Prondzynski gibt eine hinreißende Schilderung , daß Warschau kaum noch eine Stunde zu halten sei , daß der Feldmarschall den Wiener Traktat , vollständige Amnestie , Preßfreiheit , Freiheit von russischer Besatzung biete - ein Teil des Reichstags ist erschüttert , da erhebt sich der Landbote Worcell und ruft , man solle sich vertagen und niemals einen solchen Vertrag bestätigen , es erhebt sich der Landbote Jelowicki und erklärte , jene Darstellung sei lügnerisch übertrieben , General Bem habe versichert , die Stadt könne sich noch vierundzwanzig Stunden halten , unterdes sei Ramorino da , Paskiewitsch habe bereits soviel Munition verschossen , als Napoleon zu seinem ganzen Zuge bis Moskau mitgenommen , er müsse in kurzem erschöpft sein . » Herren Landboten ! « beginnt Prondzynski aufs neue - Bonaventura Niemojewski verbietet ihm das Wort und ermahnt die Versammlung , standhaft zu sein , sich nicht einschüchtern zu lassen . Es ist ein Uhr . Prondzynski zieht einmal um das andere seine Uhr heraus und ruft : » Meine Herrn , entscheiden Sie sich , es sind nur noch wenig Minuten übrig , der Sturm beginnt von neuem , die Russen dringen in die Tore . « » Lasset die Sturmglocken läuten , « ruft Anton Ostrowski , » alles mit Waffen hinaustreiben gegen den Feind ! « » Auf der Stelle , « stimmt Nakwaski bei , » und der Bischof mit dem heiligen Kreuz soll vorangehn . « » Wählt Niemojewski zum Präsidenten ! « » Nein , fragt Krukowiecki ! « » Keine Volksbewaffnung , sie erwürgt auch uns . « Da dröhnten die Fenster von dem Schlage , welchen zweihundert Kanonen donnerten , Paskiewitsch begann den neuen Sturm . » Erwählt den Kaiser von Rußland zum König von Polen , wenn Polen ganz Polen bleibt , « rufen fünf bis sechs Stimmen , darunter Lelewels , Ostrowskis . » Erwartet das Ärgste auf diesen Stühlen wie römische Senatoren , « ruft Szaniecki ; » zwingt den entmutigten Prondzynski , der unser fähigster General ist , an die Spitze der Truppen zu eilen ! « » Ja , ja ! so sei ' s ! « ruft alles . Prondzynski entweicht . » Öffnet die Türen , « ruft der Reichstagsmarschall , » verhandelt das Eigentumsrecht der Bauern ! So soll uns der Feind finden . « Aus dieser Zerfahrenheit , wo stolze Phrasen , einzelne Kühnheit , aber nirgends eine gefaßte , durchdringende Energie , nirgends überwältigende , herrschende Persönlichkeiten und Entschlüsse zu finden waren , aus dieser Versammlung , welche von den Ereignissen überflügelt war , ließ sich keine Rettung erwarten . Und diese Versammlung war das einzig noch geachtete mächtige Institut der ganzen Revolution . Prondzynski mochte übertreiben , aber er tat es sicher nicht so lügnerisch , als man ihm vorwirft , Paskiewitsch hatte wirklich große Wahrscheinlichkeit des Gelingens für sich , da die Dinge einmal so weit getrieben waren , und er eine unumschränkte Entschlossenheit für sich hatte . Der Hauptsturm war diesen Tag auf den Mittelpunkt der polnischen Position , auf Czysti gerichtet , das mit zweihundert Kanonen verheerend angegriffen wurde . Auf der Uminskischen Linie , wo ebenfalls stürmisch vorgedrungen ward , gelang der russische Angriff nicht , sondern ward zurückgeworfen , aber Czysti wurde bald so weit demontiert , daß es sturmreif war ; Paskiewitsch , der mitten im Feuer hielt und seine Truppen unablässig vordrängte , mußte zwar persönlich zurück , da eine Kugel seinen Kopf gestreift und verwundet , General Toll indessen übernahm das Kommando , und war eben im Begriff , den Sturm zu beginnen . Da kam Prondzynski mitten durch das beiderseitige Feuer gesprengt , und brachte die Nachricht , Krukowiecki sei vom Reichstage autorisiert , zu unterhandeln . General Berg wurde mit ihm zurückgesendet ; dieser verlangt schriftliche Autorisation vom Reichstage , Krukowiecki hat eine solche nicht und schickt dem Reichstage seine Entlassung . Sie wird angenommen ; der Sturm auf Czysti