, nicht wahr ? - Gut , hier hast du mein Versprechen . Wir wollen zusammengehen . « Gottliebs Freude war so groß , daß er sich kaum beherrschen konnte , obwohl er den Entschluß seines Freundes aus Bescheidenheit nicht annehmen wollte . Robert ließ ihn gar nicht erst zu Worte kommen . » Es bleibt dabei , « sagte er , » ich gehe mit dir nach Kalifornien . « Mehr wurde darüber nicht gesprochen , aber die Sache war abgemacht . Die Matrosen schafften soviel Wasser an Bord , als irgend untergebracht werden konnte , und dann ging die Reise weiter . Als das Schiff die vordere , vorspringende Spitze der Insel umsegelte , sahen die Matrosen hinter allen Bäumen die roten Gesichter der Wilden . Es waren mindestens hundert kriegerische Gestalten . » Paßt auf , Kinder « , rief der Steuermann , » jetzt sollen es die Halunken haben ! « Er ließ das Ruder so drehen , daß die Kanone gegen das Ufer gerichtet war . Dann krachte der Schuß donnernd und widerhallend durch die stille Morgenluft , natürlich nur blind , aber doch den Wilden zur heilsamen Warnung . Der Erfolg war so komisch , daß die ganze Schiffsbesatzung , ja sogar der ängstliche Kapitän in ein schallendes Gelächter ausbrach . An Land lagen die Rothäute alle flach auf dem Erdboden , als habe der Pulverdampf tödliche Wirkung gehabt . Einige verbargen die Gesichter im Sand , so daß der Schopf mit Federn und Schnüren im Wind flatterte , andere lagen auf dem Rücken und wagten nicht , sich umzudrehen . » Noch eins ! « rief belustigt der Steuermann , » noch eins ! « Und wieder krachte der Schuß . Einige der Gestalten wollten aufspringen und fliehen , aber es kam nur zu einem leichten Ruck . Die Todesangst hielt alle am Boden fest . Der Kapitän hatte unterdessen die Verletzten in ärztliche Behandlung genommen , und das Schiff steuerte seinen früheren Kurs weiter . Solange die Matrosen das Ufer noch genauer erkennen konnten , sahen sie die entsetzten Wilden regungslos wie Leichen daliegen . » Ganz wie der Pinneberger Stier ! « lachte Robert . » Nur daß der mit gesenktem Kopf reißaus nahm , während die Rothäute liegen bleiben . Wären nicht unsere Kameraden verwundet worden , so könnte man die ganze Geschichte einen guten Spaß nennen ! « » Von dem wir aber doch keine Fortsetzung brauchen « , warf der Steuermann ein . » Durch die Magelhaensstraße zu segeln , ist immer bitterer Ernst . « » Sind Sie schon früher einmal hindurchgekommen , Mr. Thompson ? « fragte Robert . » Einmal schon , und noch dazu mit Passagieren . Vor etwa zwölf Jahren zog ja alle Welt in die Goldminen , um dort das Glück zu suchen . « Robert winkte heimlich seinem Schulkameraden . » Und es wohl auch häufig zu finden , Sir , nicht wahr ? « fragte er . » Häufig ? - Das nun gerade nicht , mein Junge . Wem ein Gewinn in den Schoß fällt , der gibt ihn meist ebenso schnell wieder aus und macht noch obendrein auf gut Glück Schulden . Die Digger sind ein leichtlebiges Völkchen . « Robert lächelte . Er wußte , daß er es verstand , mit seinem Eigentum sparsam und ordentlich umzugehen und daß er daher zu den wenigen gehören würde , die tatsächlich imstande waren , in den Minen ihr Glück zu machen . » Was gehört eigentlich zur Ausrüstung eines Goldsuchers ? « fragte er den Steuermann , der offenbar gut aufgelegt war und mit sich reden ließ . » Ist die Geschichte sehr teuer ? « Der Steuermann zuckte die Achseln . » Das kommt darauf an , Bob , wie man es anfängt . Je mehr man hineinsteckt , desto mehr kommt auch wieder heraus . Wer also Pferd und Karre besitzt , eine abgelegene Stelle aufsuchen will und die Sache im großen betreibt , der hat mehr Aussicht als ein anderer armer Teufel , der nur mit Spaten und Hacke losgeht . Es haben aber auch solche schon Glück gehabt und sind reich geworden . « Robert und Gottlieb sahen sich verstohlen an , dann aber fragte der junge Matrose weiter und lockte aus dem erfahrenen Steuermann so ziemlich alles heraus , was er wissen wollte . Die Hauptfrage war natürlich die : » Hat ein fleißiger , sparsamer Mann als Goldsucher Aussichten , weiterzukommen ? « Der Steuermann nickte . » Das steht fest . In den Goldstädten wird mehr Staub von den Wäschern verloren , als ausreichen würde , einen vernünftigen Menschen zu ernähren . Wer täglich seine zehn bis zwölf Stunden arbeiten will , der kann sagen , daß er es bei einigem Glück zum wohlhabenden Mann bringen wird , obgleich vielleicht unter Tausenden nur einer wirklich das erträumte Vermögen findet . Es gibt nirgends im Leben so viele Wechselfälle , wie gerade in den Minenstädten . « Robert übersetzte das alles seinem Freund , der sich zwar während der kurzen Zeit an Bord schon soviel Englisch angeeignet hatte , daß er einigermaßen verstand , was gesprochen wurde , dem aber doch sehr viel daran lag , gerade hier alles aufs Wort genau zu erfahren . Er fand das , was der Steuermann gesagt hatte , recht befriedigend und hoffte , daß es ihm doch vielleicht schon bald möglich sein werde , monatlich sechzehn bis zwanzig Dollar nach Pinneberg zu schicken . » Davon können die Eltern schon leben « , sagte er . Robert sah ihn erstaunt an . » Aber dabei wirst du nie ein kleines Vermögen sammeln , Gottlieb « , sagte er . » Wenn ich nicht mehr erübrigen kann , als für meine alten Eltern erforderlich ist , - nein . Aber ich bin auch schon glücklich , wenn mir nur das gelingt . « » Und du wolltest aus diesem Grund ständig in den Minen bleiben ? « » Solange es nicht anders geht , ja . Der Gedanke , Vater und Mutter im Armenhaus zu wissen , wäre mir viel schrecklicher als alle Entbehrungen und Strapazen . « Robert mußte an seine Eltern denken , sie waren wohlhabende Leute und brauchten nicht für den Frieden ihrer alten Tage fürchten . Gottlieb fühlte und handelte überlegter als er , aber ihn leiteten auch zwingendere Gründe . » Ich bleibe bei dir , bis du dich eingelebt hast « , versprach er ihm . » Wenn wir nur erst in San Franzisko wären . Vielleicht wartet dort ein Brief aus Pinneberg auf mich , - ach , ich wäre zu glücklich . « » Wie lange brauchen wir noch bis dahin ? « fragte Gottlieb . » Dreißig Tage etwa . Ich wollte , daß sie vorüber wären . « » Bring mir doch etwas Englisch bei , Robert , dann vergeht uns die Zeit schneller . « Der junge Matrose seufzte . » Wenn ich doch mehr Geduld hätte ! « antwortete er . - » Aber etwas besser ist es ja schon geworden , also darf man die Hoffnung nicht aufgeben . Sieh , dort tauchen wieder neue Inselgruppen auf . « Gottlieb stieß ihn heimlich mit dem Ellbogen an . » Du , was tut der Steuermann jetzt ? « fragte er . Robert sah hin . » Ach , er lotet . Der Kapitän hat also wieder Angst , daß wir auflaufen . « Da Robert gerade Freiwache hatte , näherten sich die beiden dem Obersteuermann , der mit dem damals erst kürzlich erfundenen Patentlot die Meerestiefe maß . Auch der Kapitän war dabei und machte ein ernstes Gesicht . » Steuermann , haben Sie mit etwa 2000 Meter Tiefe gerechnet ? « fragte er . » So viel müssen wir hier herum vermuten . « » All right , Sir . Die Leine läuft noch weiter aus . « Das eigenartig geformte Lot wurde jetzt über die Schanzkleidung des Schiffes herabgelassen , und beide hatten auf diese Weise Gelegenheit , es genau kennen zu lernen . Weder auf der Antje Marie noch auf dem Vogel Greif war jemals gelotet worden , Robert sah deshalb interessiert zu . Das Patentlot hat am äußersten Ende einen kleinen scharfen Spaten , dessen Fläche ein Deckelkästchen bildet . Solange die Leine abläuft , bleibt der Deckel offen , beim Heraufziehen schließt er sich und hält in dem Kästchen etwas Sand oder Schlamm vom Meeresgrund fest , der mit an die Wasseroberfläche befördert wird . Robert erwartete ungeduldig das Ergebnis der Lotung . Endlich stand die Leine , also war der Grund des Meeres erreicht . » Wieviel Meter Leine hatten wir ? « fragte schnell der Kapitän . » 2500 Meter , Sir . « Mr. Barrow seufzte erleichtert , dann wandte er sich an Robert : » Meßt einmal , Kroll , da Ihr Euch doch für die Sache interessiert . « Robert sprang sofort herbei , und während der Obersteuermann mit Hilfe eines Matrosen das Lot wieder heraufzog , maß er die trocken gebliebene Leine . » Dreihundert Meter , Sir « , meldete er bald danach . » Also eine Tiefe von 2200 Meter . « » Das hatte ich mir gedacht « , nickte der Kapitän . » Jetzt nur noch ein günstiges Ergebnis der Untersuchung des Grundes , und ich bin für heute zufrieden . « Inzwischen war das Kästchen heraufgezogen worden und zeigte an seinem Inhalt , daß der Grund des Meeres an dieser Stelle felsig war , denn auch nicht das kleinste Teilchen Schlamm oder Sand hatte sich festgesetzt , nur einige kleine scharfe und feste Körper waren darin , und der Kapitän nahm seufzend diese spitzen Zäckchen in die Hand . » Da haben wir ' s « , sagte er . » Es sind Koralleninseln in der Nähe . « » Man sieht sie über dem Wasser , Sir ! « erlaubte sich der Steuermann zu bemerken . » Viele haben Baumwuchs und lassen sich aus einiger Entfernung deutlich erkennen . « Der Kapitän nickte . » Das weiß ich wohl , Steuermann « , antwortete er , » aber um zu sehen , braucht man bekanntlich Licht . Wenn unser Schiff in der Nacht auf eine Koralleninsel stößt , ist es verloren . « Der Steuermann antwortete nicht . Er war froh , als sich Mr. Barrow wieder in seine enge Schlafkajüte zurückgezogen hatte , um auf der Karte und in wenigstens zehn Hilfsbüchern zum hundertstenmal die Eigenarten dieser Meeresbreiten genau zu studieren . » Herr Obersteuermann « , fragte Robert , » was ist eigentlich eine Koralleninsel ? « » Das werden wir früh genug sehen , mein Junge « , war die Antwort . » Noch vor Abend begegnen uns sicherlich mehrere . « » Gut aufgepaßt ! « rief er dann dem Matrosen am Ausguck zu . » Ihr kennt hoffentlich die Bewegung des Wassers , wo Korallenriffe sind ? « » Well , Sir ! « scholl es zurück . » Noch nichts zu sehen . « Der ganze Tag verging wirklich ohne das geringste Zeichen von Gefahr , gegen Abend erschien an Deck wieder das sorgenvolle Gesicht des Kapitäns . » Hier herum sind drei Koralleninseln « , seufzte er , » ich habe unseren Standort bis auf eine halbe Meile herausgerechnet und bin meiner Sache vollständig sicher . « Der Steuermann nickte . » Ich wußte es aus Erfahrung , Sir « , antwortete er , » aber nur zwei von diesen Riffen liegen auf unserem Weg , das dritte berühren wir nicht . « Der Kapitän fuhr sich mit der Hand durchs Haar und wanderte ruhelos auf und ab . » Korallen in Sicht ! « rief in diesem Augenblick vom Ausguck her der Matrose . » Eine langgestreckte Insel an Backbord ! « Sofort war der Kapitän bei ihm . Zum Glück lag die gefährliche Stelle hundert Meter aus dem Fahrwasser des Schiffes . Es konnte ruhig daran vorübersegeln , ohne den Kurs ändern zu müssen . » Genau beobachten , ob der Lauf des Riffes etwa nach rechts ausbiegt ! « schärfte er dem Matrosen ein . » Oder besser noch , laßt zwei Mann Wache halten . Kroll , Ihr stellt Euch dorthin und paßt auf ! - Ich glaube , daß Ihr zuverlässig seid . « Robert errötete vor Freude und nahm den Platz am Ausguck als eine Art Ehrenposten ein . Den Blick auf das Riff gerichtet , sah er über die Schanzkleidung hinab ins Meer . Bei fast völliger Windstille glitt das Schiff langsam durch die leichten Wellen , während die Sonne ihre letzten Strahlen herabsandte und dadurch die klare Durchsichtigkeit des Wassers noch bedeutend erhöhte . Auf See kann man oft bis zu einer Tiefe von etwa fünf Metern sehen , hier aber reichten die Korallenbäume fast bis an die Meeresoberfläche . » Findest du nicht , daß das Riff allmählich nach rechts verläuft ? « fragte Robert den Matrosen , der mit ihm Ausguck hielt . » Mir kommt es schon seit einigen Minuten so vor . Mach lieber Meldung , Bob ! « Sofort erschien der Kapitän an Deck . » Ich hatte es mir doch gedacht ! « winkte er dem Steuermann . » Wir müssen das Schiff backlegen und bis Tagesanbruch vor dem Wind treiben . « Mr. Thompson nickte . » Ist gut , Sir « , antwortete er , » hat aber auch seine Gefahren . Wir können an den Strand geworfen werden . « » Verdammt ! Verdammt ! - Steuermann , wozu raten Sie ? « » Ich würde die Sache wagen , besonders da uns jeder Zeitverlust von größtem Nachteil ist . « » Der Ladung wegen ? Wir können froh sein , wenn das Schiff nur noch Ballast genug behält , um überhaupt segelfähig zu bleiben . « Der Steuermann stand immer noch wartend da . Es war jetzt vollständig dunkel geworden und ein bestimmter Entschluß notwendig . » Lassen Sie das Schiff backlegen , Steuermann « , rief endlich halb verzweifelt der Kapitän . » Es gibt eine helle Sternennacht , und ich will lieber diese paar Stunden verlieren , als vielleicht mit voller Fahrt in das Riff hineinlaufen . Um vier Uhr früh ist es Tag . « » All right , Sir . « - Mr. Thompson gab die notwendigen Befehle und der Stern von San Franzisko verlor rasch an Fahrt . Nach einer Stunde erschien am Himmel der Mond und beleuchtete mit seinem weißen Licht das Meer . Die Strömung trug das Schiff langsam aber stetig rückwärts . Das Nachtglas des Kapitäns kam keinen Augenblick zur Ruhe . Bald stand Mr. Barrow am Heck und bald hinter der Kombüse , so daß die Leute heimlich lachten . » Wenn ein anderer das Kommando führt , dann ist der Kapitän ein tüchtiger Seemann « , flüsterte einer der Matrosen . » Ich selbst bin mit ihm gefahren , als er noch Steuermann war , und damals merkte man von dieser Unruhe nichts . Seit er selbst ein Schiff befehligt und alle Verantwortung allein trägt , ist er wie umgewandelt . « » Nicht zum Kapitän geboren ! « meinte ein anderer . » Der echte Seemann wird immer kaltblütiger , je größer die Gefahr wird . « Der erste zuckte die Achseln . » Das kann sich eben keiner selbst aneignen , « antwortete er . » Es liegt im Blut . « » Mag sein « , beharrte der zweite , » aber dann muß man eben Schneider werden , nur kein Seemann . « Robert fühlte , wie das Blut in seine Wangen trat . Er fühlte sich zum Kapitän geboren , und dennoch , - wie erschwerte ihm alles die eingeschlagene Laufbahn . » Es ist kein Segen dabei ! « dachte er unwillkürlich . » Es war nicht der richtige Weg , auf dem ich mein Ziel zu erreichen suchte , und daher treffe ich überall auf Hindernisse . Ach , könnte ich nur für eine Stunde hinüberfliegen nach Pinneberg ! « - - Ein Geräusch auf dem Achterdeck störte ihn aus seinen Träumen . Die Frauen in der Kajüte hatten bemerkt , daß irgend etwas Außergewöhnliches vorging , eine hatte durch ihre Vermutungen und Schlußfolgerungen die Einbildungskraft der anderen nur noch immer mehr erhitzt , außerdem sah man den Kapitän ständig an Deck und fühlte , daß das Schiff nur trieb , anstatt unter vollen Segeln zu stehen , - das alles brachte die Auswanderer in Unruhe . Der ganze Strom ergoß sich über das Deck , schreiende Kinder drängten sich den Müttern nach , und aus dem Logis wurden die erstaunten Männer herbeigerufen , um im Notfall ihren schluchzenden Frauen beizustehen . » Steuermann ! « rief Mr. Barrow , » ich bitte Sie , was bedeutet das ? « Robert verließ seine Koje , um als Dolmetscher zu dienen . Wo es galt , einem Menschen zu helfen , da war er immer der erste . » Was ist denn los « , fragte er , » warum schlaft ihr nicht ? « Das Händeringen und Weinen kehrte sich jetzt gegen ihn . Er möge nur die Wahrheit sagen , hieß es , jeden Augenblick könne das Schiff versinken oder kentern , - man sei auf das letzte Stündlein vollkommen gefaßt . Robert mußte laut lachen , und vielleicht gerade dadurch beruhigte er die angstvollen Menschen am meisten . Seine erklärenden Worte brachten die Frauen ohne weiteres wieder zurück in die Kajüte , und zwar so schnell , daß der Kapitän erst nachträglich erfuhr , um was es sich gehandelt hatte . Fortan wurde der Zugang zum Achterdeck nach Einbruch der Dunkelheit abgesperrt . Am frühen Morgen machte der Kapitän seine Berechnung , und es ergab sich , daß das Schiff etwa vier bis fünf Wegstunden weit zurückgetrieben war . Man konnte also jetzt das gestern passierte Korallenriff und auch noch ein zweites , kleineres bei hellem Tageslicht umsegeln und sich auf allen Karten überzeugen , daß nun der Weg frei sei . Dennoch aber wachte der Kapitän noch die ganze folgende Nacht , obgleich mehrere Matrosen sahen , daß er manchmal beim ruhelosen Auf- und Abgehen mit geschlossenen Augen gegen die Pardunen stieß . Erst als das offene Meer wieder erreicht war , ging auf dem » Stern von San Franzisko « alles den gewohnten Gang , und nachdem man an einer kleinen , anscheinend unbewohnten Insel nochmals ohne weitere Zwischenfälle Wasser eingenommen hatte , erreichte das Schiff nach drei Wochen wohlbehalten den Hafen der kalifornischen Hauptstadt . Mr. Barrow fand zu seiner großen Erleichterung in den Reedern verständnisvolle Menschen , die vollkommen guthießen , was er getan hatte . Sie veröffentlichten sogar in den Zeitungen einen Artikel , in dem sie die Tat ihres Kapitäns würdigten und die allgemeine Aufmerksamkeit der vielen in San Franzisko ansässigen Deutschen auf die unglücklichen Auswanderer lenkten , so daß von allen Seiten Spenden eintrafen und sicherlich mancher von den Schiffbrüchigen doppelt soviel geschenkt bekam , als ihm bei Kap Horn verloren gegangen war . Auch das Abenteuer mit den Wilden ging von Mund zu Mund ; die Matrosen des » Stern von San Franzisko « wurden die Helden des Tages , man kam an Bord , um sich die Einzelheiten dieses Falles erzählen zu lassen , und die Zeitungen brachten den Kampf mit den Patagoniern in solchen Übertreibungen , daß Robert darin fast keinen wahren Zug mehr wiederfand . Sein erster Weg an Land führte zur Post . Vielleicht hatte sich ja doch der Vater bewegen lassen , ihm zu verzeihen , ihm wenigstens einige gute , wohlgemeinte Worte zu schreiben , - wie sehr wünschte er es ! Sein Herz klopfte zum Zerspringen , als er den Postbeamten murmeln hörte : » Kroll ! - Kroll ! - Es muß etwas da sein , das diesen Namen trägt ! « » Aha « , fügte er dann hinzu , » hier ist es schon . « Und Robert hielt in seiner Hand einen kleinen , plump zusammengefalteten Brief aus grobem Schreibpapier , ohne Umschlag , mehrere Male gesiegelt und mit einer Adresse von unbekannten Schriftzügen . » An den Herrn Leichtmatrosen Robert Kroll aus Pinneberg , auf dem Schiff Stern von San Franzisko in Franzisko , wenn das Schiff glücklich ankommt , sonst soll der Brief verbrannt werden . « Halb lächelte er , als er das seltsame Schriftstück in den Händen hielt , und halb packte ihn eine unbestimmte Furcht . Das hatte die Mutter von irgendeiner guten Freundin schreiben lassen , er wußte es vorher , - aber warum ? - - Wenn nun der Vater gestorben war ? Ohne sich umzusehen verließ er das Postgebäude und ging in ein nahegelegenes Wirtshaus , um den Brief zu lesen . Er brauchte mehr Mut , diese ungeschickten Siegel zu brechen , als in der nordischen Eiswüste vor dem zum Sprung ansetzenden Wolf . Erst nach mehreren Minuten vergeblicher Anstrengung gelang es ihm , die unförmigen Buchstaben zu folgendem Inhalt zusammenzustellen . Mein geliebter Sohn Robert ! Liese Schmidt , die Tochter unserer alten Brotfrau , deine Schulkameradin , schreibt mir diesen Brief , worin ich dir zunächst unsere herzlichen Grüße sage , das heißt , der Liese und meinen , denn der Vater ist so bös , daß man in seiner Gegenwart nicht einmal deinen Namen aussprechen darf . Den letzten Brief , den du von Bergen hierhergeschickt hast , wollte er gar nicht annehmen , und fast wäre derselbe wieder zurückgesandt worden in die weite Welt hinein , wenn ich nicht den Herrn Postmeister mit vielen Tränen gebeten hätte , mir doch die Botschaft von meinem einzigen Kinde nicht zu entziehen . Erst schwankte er lange , und ich bot ihm schon in großer Herzensangst einen ganzen Taler über das geforderte Porto , aber dann ließ er sich doch erweichen , obgleich er das Geld nicht nahm . Ich will ' s tun , liebe Frau , sagte er , weil ich die unglückliche Geschichte mit Ihrem nichtsnutzigen Jungen - du darfst es nicht übel aufnehmen , lieber Robert , aber er sagte wirklich so ! -von früher her kenne und weil ich Sie herzlich bedaure . Man ist ja auch Mensch , nicht bloß Beamter . Siehst du , auf diese Weise erlangte ich deinen Brief , den mir Liese Schmidt vorlas und bei dem ich Gott vielmals inbrünstig gedankt habe , daß Er Seine treue Hand über dich gehalten in der Stunde der Gefahr . Ich bin auch am nächstfolgenden Tage zur Kirche gegangen und habe ein Achtschillingstück in den Klingelbeutel gesteckt aus großer Herzensfreude . Dein Vater weiß , daß ich den Brief heimlich an mich gebracht habe und ebenso alles , was darin stand . Ich erzähle ' s ihm immer nebenbei , so als hätte ich ' s in der verwichenen Nacht geträumt , und dann merke ich wohl , wie genau der alte , eigensinnige Mann zuhört , aber weiter darf ich nicht gehen , sonst schneidet er mir das Wort vor dem Munde ab . Träume , was du willst , Mutter , sagt er , und erzähle mir auch alles das , nur sprich nicht von dem Entlaufenen . Ich habe keinen Sohn , das weißt du . So steht es bei uns , mein geliebter Junge , und Vater ist krank dazu . Er grämt sich sehr um dich , und wenn du wiederkommen und deine Lehrzeit nochmals anfangen wolltest , so würde das mir eine große Freude sein . Du könntest ja wahrlich jetzt genug haben von dem wilden Leben , wo es dir doch aller christlichen Zucht und Ehrbarkeit mangelt , als da sind : Sonntags zur Kirche gehen und ein reines Hemd sowie ein ordentliches Essen auf dem Tisch . Wenn ich gar bedenke , daß du einen schwarzen Mohrenmenschen deinen Freund nennst , so bitte ich unsern Herrn und Heiland , dir diese Greuel nicht anzurechnen . Ferner benachrichtige ich dich , daß Pikas , unser Hund , noch lebt , und daß wir von dem Seiler , der dich damals zum Bösen verlockt und hernach verlassen , niemals wieder ein Wort gehört haben . Sonst wüßte ich nichts Neues und schließe meinen Brief mit der Bitte , doch die nächste Post an mich und nicht an den Vater zu adressieren . Er nimmt von dir nichts an . Viel tausendmal lieber aber wäre mir ' s , du kämest selbst und söhntest dich aus mit dem Alten . Das Schneiderhandwerk nährt seinen Mann und ist auch gefahrlos und christlich dabei . Liese Schmidt meint dasselbe wie ich , womit wir beide dich herzlich grüßen und dich dem lieben und getreuen Gott vielmals empfehlen . Deine zärtliche Mutter , Anna Kroll . Nachschrift . Die Liese Schmidt will so gern auch einmal einen Brief von dir haben , damit sie den Leuten ein bißchen erzählen kann , hauptsächlich schreib uns bald , ob in San Franzisko die Menschen alle schwarz sind und ob sie zu Schimpf und Schande ohne Kleider herumlaufen . D.O. Lange starrte Robert auf die Schrift und eine ganze Welt verschiedener Empfindungen stand in ihm auf . Wie es die Mutter in ihrer rührenden Herzenseinfalt hier ausgedrückt hatte , so dachte und fühlte auch der starrsinnige Vater . Was ihnen vor einem halben Jahrhundert von ihren Eltern eingeprägt worden war , daran hielten sie beharrlich fest , was außerhalb ihres Gesichtskreises lag , das verstanden sie nicht mehr . Konnte man ihn zwingen , in dies Gefängnis freiwillig zurückzugehen und sich selbst zu verleugnen ? Nein , niemals . Er fühlte sein Gewissen , nachdem er diesen Brief gelesen hatte , sogar bedeutend leichter . Trotz gegen Trotz ! Wollte der Vater von dem einzigen Sohn keinen Brief annehmen , nun , so sollte er auch nicht wieder damit belästigt werden . Waren die alten Leute um den guten Lebenswandel ihres Sohnes so sehr besorgt und hielten sie den treuen Mongo für ihn als Gefährten zu schlecht , dann sollten sie bald genug ihren Irrtum erkennen . Robert biß die Zähne zusammen . Er brauchte nur ein wenig Glück in den Minen , nur zwei- oder dreihundert Taler Überschuß , und alles war gut . Der » nichtsnutzige « Junge , der verleugnete , beklagte Sohn konnte nach Hause zurückkehren und den Kleinstädtern zeigen , daß ihre bösen Vorahnungen ohne allen Grund gewesen waren . Aber hingehen und mit leeren Händen um Verzeihung bitten - das würde er niemals tun . Er hatte es lange genug geglaubt , eine Versöhnung , eine Rückkehr für möglich gehalten und sich eingebildet , daß der Vater mit offenen Armen den Sohn willkommen heißen werde , - jetzt war er enttäuscht worden . Finster vor sich auf das unberührte Bierglas starrend saß er da und grübelte , fast ohne zu wissen , was er dachte , ohne zu merken , daß sich mehrere Leute in seine Nähe setzten und ihn dauernd beobachteten . Erst als ihm jemand die Hand auf die Schulter legte , sah er auf . » Nun , Mr. Kroll , erst einen Tag an Land und schon Grillen fangen ? Kommen Sie mit mir , ich will Ihnen ein Lokal zeigen , wo getanzt wird , das ist besser . « Robert erkannte einen Angestellten des Handelshauses , für das Kapitän Barrow fuhr , er erwiderte sehr höflich die Worte des jungen Mannes , dankte ihm auch für seine Freundlichkeit , aber er lehnte doch entschieden den Vorschlag ab . Sobald der » Stern von San Franzisko « den Rest der Fracht gelöscht und das ganze Schiff von oben bis unten gereinigt worden war , gab es Löhnung , und dann ging ' s hinauf in die Goldminen . Robert erinnerte sich nur zu gut daran , was ihm der Steuermann gesagt hatte , daß nämlich meistens in den Wirtshäusern sofort wieder ausgegeben werde , was mit Mühe und Anstrengung verdient worden sei , - außerdem war er auch durchaus nicht in der Stimmung zu tanzen , sondern hätte am liebsten gleich den andern Gästen den Rücken gekehrt und wäre hinausgegangen . Doch das war unmöglich . Seit dem gestrigen Tag hatte sich das Gerücht von dem Kampf mit den Wilden schon soweit verbreitet , daß man überall in der Stadt davon sprach , und als man jetzt einen unmittelbar daran Beteiligten erkannte , wurde er ohne eine ausführliche Schilderung des Abenteuers nicht wieder fortgelassen . Als er endlich an Bord kam , war Kapitän Barrow in bester Laune . Es hatte sich alles nach Wunsch abgewickelt , eine zweite Reise sollte sofort nach Räumung des Schiffes angetreten werden , und die Mannschaft konnte an Bord bleiben , ohne erst abzumustern . Der » Stern von San Franzisko « ging nach Hamburg , von wo er eine Ladung feiner Rheinweine abholen sollte . An Bord entfaltete sich eine rege Tätigkeit . Nach Hamburg ! - Robert fühlte in der Tasche den Brief seiner Mutter wie Feuer brennen . Wenn er ihn nicht erhalten hätte , wäre er vielleicht schon in wenigen Wochen auf dem Wege nach Hause gewesen , vielleicht hätte er sogar sein Versprechen Gottlieb gegenüber rückgängig gemacht , hätte ihm nur das nötige Reisegeld geschenkt und selbst alles aufgegeben , um sich mit dem Vater zu versöhnen und seinen Segen zu erbitten . Aber jetzt ! - - Sein Entschluß stand unwiderruflich fest . Er schlug es aus , für die neue Reise zu heuern , und ging gar nicht wieder an Land , um kein Geld unnötig auszugeben . Wie die übrigen schiffbrüchigen Auswanderer erhielt auch Gottlieb soviel geschenkt , daß die beiden nach Auszahlung der Heuer ihre Fahrt ins Goldland sofort antreten konnten . Sämtliche Ausrüstungsgegenstände wollten sie , um den teuren Transport zu sparen , an Ort und Stelle kaufen , nur