, nach Frankfurt zu gehen gesonnen waren , richteten ihre Kostbarkeiten zu dem Zuge . Die Führer gingen gegenseitig zu einander , um Abschied zu nehmen . Sie reichten sich mannigfaltige Geschenke . Witiko ging zu den älteren , und dann zu seinen jungen Freunden . Er brachte manchem etwas mit , und empfing von manchem etwas . Bolemil gab ihm den wohlgegliederten Waffenrock , den Dalimil auf dem Wysoka getragen hatte , daß er ihn als Erinnerung an jenen Tage bewahre , an welchem er die Lücke des Verrates ausgefüllt hat , und dadurch sein Kampfnachbar geworden ist . Lubomir gab ihm ein Schwert mit einem Silbergürtel . An alle Stellen , auf denen Männer waren , die fortziehen wollten , wurden Nahrungsmittel gebracht , daß sie sich für ihren Weg versehen konnten . Der Herzog ordnete noch manches , setzte Diepold zu seinem Stellvertreter ein , und ging mit der Herzogin und mit einem großen Geleite auf seinen Zug zur Hochzeit seines Schwagers Heinrich . Witiko verkaufte noch das lahme Pferd , welches Raimund während der Belagerung Prags gepflegt hatte , und kaufte für den Knecht Jakob ein anderes . Dann begannen die Männer des Waldes gegen den Mittag des Landes zu ziehen . Rowno zog mit den Seinen zuerst davon . Dimut ritt auf ihrem Pferde neben ihm . Das weiße Pferd wurde von einem Manne Rownos geführt . Dann ging Hermann von Attes , dann Wyhon von Prachatic . Die Leute Witikos richteten auch ihr Letztes zu ihrem Heimzuge . Sie bargen oder nähten gar ihr Hauptgeld in ihre Gewänder , sie füllten ihre Säcke mit Nahrung und anderen Dingen , und hängten daran noch allerlei seltsame Sachen aus der Lagerbeute oder Werkzeuge . Sie kauften Honigbrote und Brote aus Weizenmehl , geflochtene und gebackene Kränzlein für die Kinder , dann Hausgeschirre , besonders gar schöne runde gedrechselte Holzkrüge und anderes Geräte , wohl auch Stoffe zu Schleifen und Latzen . Und dann gingen sie an der Burg Wysehrad vorüber in der Richtung gegen ihren Wald dahin . Witiko führte sie auf dem Wege , den er eingeschlagen hatte , da er von Wladislaw fort gegangen war , als derselbe den Herzogstuhl bestiegen hatte . Er ritt in seinem Ledergewande auf seinem grauen Pferde , und jedes der braunen Pferde wurde von einem Knechte geführt . Saumpferde trugen alles größere Gepäcke . Gegen den Abend des sechsten Tages kamen sie an der Rückseite des Kreuzberges von Plan an . Die Leute hatten auf ihre Zurückkunft gewartet , und von dem Berge gegen den Wald ausgeschaut . Jetzt liefen sie ihnen entgegen . Die Männer aber , die von dem Kriege kamen , hielten vor dem Berge an , setzten sich in das Gras , zogen ihre Stiefel aus , hingen dieselben auf ihre Schäfte oder Stäbe oder Schwerter , und zogen barfüßig in die Kirche . Witiko ritt aber als Führer in seiner Bekleidung vor ihnen , und gab das Pferd vor der Kirche zum Halten . In der Kirche harrte der Pfarrer auf die Männer , segnete sie beim Eingange , sprach dann vor dem Altare ein Dankgebet . Dann wendete er sich um , und hielt eine Festrede . Er ermahnte die Männer , sie sollen Gott preisen , der sie erhalten hat , sollen der Toten gedenken , und sollen durch den erlangten Reichtum nicht übermütig und leichtfertig werden . Beim Ausgange segnete er sie wieder . Außerhalb der Kirche begannen nun die Männer erst über alles zu sprechen . Die Ihrigen und andere umringten sie , und Freuden und Reden wurden getauscht . Die Männer drängten sich dann zu Witiko , verabschiedeten sich , und zerstreuten sich in ihre Wohnungen . Witiko ritt in das steinerne Haus . Er verteilte an diesem Tage noch das Geld , welches ihm der Kammerschreiber für die Streiter auf dem Wysoka und die Angehörigen der Toten mitgegeben hatte , er tröstete die Mutter Norberts und Wolfgangs , und besuchte den Pfarrer . Am nächsten Morgen ging er auf den Kreuzberg , und sah auf den Wald des schwarzen Sees und auf den Wald des heiligen Thomas . 2 In einfachen Gewändern . Witiko blieb eine Woche in dem steinernen Hause und bei den Männern von Plan . Dann ritt er in das Kloster an der Sazawa zu Silvester . Er fand ihn in dem Garten mit Gemüsepflege beschäftigt . Als der Greis den Jüngling erblickte , sagte er : » Kömmst du zu mir , Witiko ? « » Ich bin zu Euch gekommen « , antwortete Witiko . » So sei gegrüßt , und folge mir in meine Stube « , sagte Silvester . » Ich folge Euch « , sagte Witiko . Silvester streifte noch einige Erde , die an seinem Gewande klebte , ab , und schlug den Weg gegen die Mauern des Gebäudes ein . Witiko ging hinter ihm her . Das Gemach Silvesters erreichte man durch einen Gang , welcher von den Beeten des Gartens gerade in das Gebäude führte . Die zwei Männer kamen zuerst in eine kleine Vorhalle mit steinernem Fußboden , in welcher sich nichts befand als ein Wasserbecken von dunkelrotem Marmor , in das ein feiner Strahl aus einer Röhre in der Mauer nieder floß . Aus der Vorhalle traten sie in die Zelle . Sie war nicht groß . In ihr stand das hohe Kreuzbild des Heilandes , welches Witiko , da er in der Sendung Sobeslaws in Prag war , in dem Bischofhause neben der Tür gesehen hatte , durch welche die Bischöfe Silvester und Zdik heraus getreten waren . Sonst standen einfache Geräte da , und die zwei Fenster sahen auf die Bäume und Gesträuche des Gartens hinaus . » Setze dich auf eines dieser Gesiedel « , sagte Silvester . Witiko tat es . Dann setzte sich Silvester auf ein anderes , und sprach : » Ich sage dir noch einmal einen Gruß in dem Herrn , daß du zu mir gekommen bist . Kann ich dir einen Dienst erweisen ? « » Ich bin zu Euch gekommen « , entgegnete Witiko , » weil mich der Dank an Euch bindet , welchen ich damals nur kurz erweisen konnte , als ich von Wladislaw ging , da er den Herzogstuhl bestiegen hatte , und ich bin zu Euch gekommen , weil mich die Liebe an Euch bindet ; denn Ihr habt in jener Versammlung auf dem Wysehrad , heiliger Vater , die besten Worte geredet . « » Nenne mich nicht einen heiligen Vater « , antwortete Silvester , » es wäre wie Hohn und Spott ; ich bin in meinen Werken ein gebrechlicher Mensch , ich konnte die Worte nicht finden , jene Versammlung zu bewegen , und kann meine Klosterbrüder nicht leiten , sie lieben mich , und folgen mir nicht . Die Gemüse gedeihen leidlich , wenn ich sie begieße , und ihnen die gehörige Erde gebe . Ich bin nicht einmal ein rechter Gärtner für den folgsamen Kohl und die gelben Blumen . « » Ihr habt aber doch alle Vorkommnisse erkannt « , sagte Witiko . » Ich habe nur erkannt , was gut ist « , antwortete Silvester , » und das hat mir mein Heiland gesagt , und mit dem Guten ist alles andere verbunden , wenn es auch die Augen nicht sehen . « » Wenn mir undeutlich ist , was ich tun soll « , sagte Witiko , » so erlaubet , daß ich in Euern Garten komme , und Euch um das Gute frage , an welchem das andere dann hängt , ich werde Euch kurz fragen , daß ich Euch die Zeit nicht entziehe , und ich werde doch einer sein , der Euch folgt . « » Komme , so oft du willst « , antwortete Silvester , » und so oft dein Herz dich mahnt ; jeder Mensch muß dem andern helfen , wenn Hilfe not tut , und er muß auch helfen , wenn Hilfe nicht not tut , wenn er aber doch darum gebeten wird , und der Priester muß noch mehr helfen , weil er der Priester ist , und der oberste priesterliche Vater des Landes muß am meisten helfen , weil er der oberste priesterliche Vater des Landes ist , und ich wäre es gewesen , wenn mir Gott nicht durch ein Geschehnis gezeigt hätte , daß ich dieses Land nicht zu dem heiligen Geiste versammeln kann . Ich habe es einem andern überlassen . Zu dem Guten aber , Witiko , tut Hilfe nicht not ; denn das weiß ein jeder Mensch . « » Und warum tut er es denn nicht ? « fragte Witiko . » Weil er gegen das Wissen handelt , wenn ihn die Lust oder die Schlauheit treibt « , sagte Silvester . » Im Nützlichen kann man dem Menschen raten , wenn man es kennt . « » Und dann befolgt er den Rat nicht « , sagte Witiko . » Weil er es selber besser zu wissen meint « , entgegnete Silvester , » und so kommen die Erfahrungen . Es sind sehr viele Dinge , mit denen die Menschen sich beschäftigen . Wir haben in unserem Klosterbesitze Wälder , die uns vor dem Froste des Winters schützen , von denen wir bauen , die uns die Speisen bereiten helfen , und die uns noch Tiere und Gewächse liefern . Wir pflegen sie . Wir haben Felder und Wiesen , auf denen Dienliches sprosset . Wir warten ihrer sorgsam . Wir haben Untertanen , Grundhörige , Gewerkleute und Volk , die Brüder suchen sie zu lenken . In diesem Garten ist Obst , Gemüse , Blumenwerk , wir hegen es , und teilen den Menschen gerne mit , die um uns sind , und unterrichten sie . « » Ich bin mit Leuten aus dem Walde , welche in den Krieg gingen « , sagte Witiko , » und welche sich dann meiner Führung anvertrauten , zu dem jetzigen Herzoge Wladislaw gezogen . « » Wladislaw , der Sohn unseres verstorbenen Herzoges Sobeslaw « , sagte Silvester , » hat nicht geantwortet , als sein Vater auf dem Sterbebette zu ihm gesagt hatte , er solle sich Wladislaw , der jetzt Herzog ist , unterwerfen . Dann hat er sich dem Herzoge von Znaim , Konrad , gegen Versprechungen hingegeben . Den jetzigen Herzog Wladislaw haben viele Herren der Länder Böhmen und Mähren gewählt , und sie haben sich die Macht zur Wahl selber gegeben . Und so ist jetzt überall kein Recht . Seit dem Aufhören der Alterserblichkeit sind die Herzoge durch die Gewalt Herzoge gewesen , und wir haben ihnen gehorcht . Der Herzog Wladislaw ist auch durch die Gewalt Herzog , und die Guten sind zu ihm gegangen . Was Bolemil getan hat , was Lubomir getan hat , und was der rechtschaffene Diwis getan hat , das hast du auch getan , mein Sohn . « » Ich meine , Wladislaw handelt wie ein guter Herzog « , sagte Witiko . » Er hat bisher so gehandelt « , antwortete Silvester , » und ich glaube , daß er auch im Künftigen so handeln wird . Er ist großmütig , wie sein Vater großmütig gewesen ist . Er ist ein besserer Mann als Wladislaw , der Sohn Sobeslaws . In diesem Gedanken hat der ehrwürdige Bischof Zdik gehandelt . Das Gute , das geworden wäre , wenn die Männer auf dem Wysehrad an dem Rechte gehalten hätten , und das Gott auch mit dem minderen Manne Wladislaw eingeleitet hätte , kann nun nicht mehr werden . Der Herzog Wladislaw wird ein anderes Gute bringen , und er wird das Schlechte , das aus dem Unrechte auf dem Wysehrad folgen muß , zu vermindern streben , wie er es jetzt schon getan hat . Aber er wird nicht alles vermeiden können , wie er es jetzt nicht vermocht hat . Heiligtümer sind dahin , Menschenleben sind verloren , und Gut ist zerstört . Das Gericht ist viel früher gekommen , als ich gedacht habe , und mancher steht vor Gottes Thron , und muß sagen , was er getan hat . Nacerat , der Höchste , ist erschlagen worden , und sein Sohn , der blühte , ist von einem Manne gefallen , dessen Namen vorher nur die nannten , denen er die Hufe der Rosse beschlagen hatte . Ich bedaure den wohlmeinenden Zdik . Mein Gebet um Schonung ist nicht erhört worden , weil ich sündig bin , und Gott weiser ist . Das Gericht dauert noch fort , viele Lippen werden klagen oder beten oder fluchen . Ich ziehe nicht in den Krieg ; aber ich bitte Gott , daß Wladislaw siege . « » Und wie wird er dann gegen die Herzoge verfahren ? « fragte Witiko . » Wenn sie sich reuig unterwerfen , wird er ihnen verzeihen , und sie noch mit Gnaden begaben . Er wird selbst dem undankbaren Otto nicht nach dem Leben streben . « » Wenn er doch dem verblendeten Wladislaw verziehe , und den andern Kindern Sobeslaws stets liebevoll wäre « , sagte Witiko . » Er wird es sein « , sagte Silvester , » wie er es bis jetzt gewesen ist , und wie er ehrerbietig gegen die sanfte Adelheid gewesen ist . Den Knaben Wladislaw , der sich sein eigenes Recht nicht zu erhalten wußte , achtet er nicht hoch , und fürchtet ihn nicht . « » Ich möchte recht gerne Wladislaw einen großen Dienst tun können « , sagte Witiko , » daß ich das Recht gewänne , für die Kinder Sobeslaws zu bitten . « » Das Recht hast du auch jetzt schon « , antwortete Silvester , » wie ein jeder . Wladislaw ist für dich gut gesinnt . Er erkennt die Treue , die du Sobeslaw erwiesen hast , und mit der du an ihm halten wirst . « » Ich werde ihm die Treue bewahren « , sagte Witiko , » wem ich den ersten Dienst tue , dem tue ich auch den zweiten und den dritten , und alle , wenn auch er die Treue gegen die Seinigen bewahrt . « » Er wird sie bewahren « , sagte Silvester , » die Reichen und Mächtigen der zwei Länder sind gegen ihn , die Geringeren sind mit ihm , er wird sie belohnen , daß sie ihm in der Beherrschung der Länder beistehen , und wird an ihnen halten , wie er an dir gehalten hat , da du noch gar nicht bei ihm warst . Er hat in Nürnberg mit dem hochehrwürdigen Kardinale Dietwin geredet , daß der Heilige Vater in Rom einen Boten in das Land Böhmen schicke . Mögen ihn die Engel begleiten , daß der Glaube , den der gottselige Herzog Boriwoy gegründet hat , und den die Heiligen Wenzel und Adalbert zu befestigen gestrebt haben , die Gewalttätigkeit hindert , die noch in den Geschlechtern lebt , und daß der Glaube über allem sei , wie dieses geschnitzte Bild des Heilandes , das einmal ein guter Abt dieses Klosters , Bozetech , mit seinen eigenen Händen verfertigt hat , vor den Geräten des Gemaches hervorragt , die zu täglichem Dienste sind . Du hast öfter mit Besonnenheit gehandelt , Witiko , wandle in Demut vor Gott , und trachte nicht nach Macht , dann werden die Deinigen Großes wirken , wenn sie nicht auch Bedrückung und Gewalt üben , und sich dadurch zerstören . Der Herzog Wladislaw kann Ruhm und Ansehen über dieses Land bringen , mir deucht , er hat etwas , das dieses vermag ; aber ich meine , daß es besser wäre , wenn er in dem Lande mit Segen , als draußen mit Ruhm genannt würde . Doch , wie es Gott fügt , ist es gut . « » Ich werde tun , wie Ihr gesagt habt , hochehrwürdiger Vater « , antwortete Witiko , » und will Euch als ein Vorbild meiner Handlungen nehmen . « » Dann tust du nicht gut , Witiko « , sagte Silvester , » wähle dir dein Vorbild aus den christlichen Helden , die gelebt haben , oder aus den Männern in unsern Ländern , die Krieger und doch weise und mäßig sind . « » Ich trage noch eine Bitte in mir , ehrwürdiger Vater , derentwillen ich eines Teiles zu Euch gekommen bin « , sagte Witiko . » So sprich « , entgegnete Silvester . » Ich habe auf einem Zuge , den ich mit meiner Schar und mit Odolens Schar machte , die Herzoge Wratislaw , Otto und Wladislaw im Kampfe absichtlich entrinnen lassen « , sagte Witiko , » damit sie zu Konrad von Znaim kämen , und ihm berichteten , wie seine Sache ohne Hoffnung sei , daß er abziehe , und der weitere Krieg vermieden würde . Sagt mir , hochehrwürdiger Vater , ob das , was ich getan habe , gut ist , wie Ihr gut nennt . « » Ich weiß es , was du getan hast « , sagte Silvester , » und ich meine , daß es nicht gut ist . Du hast dich dem Herzoge als Krieger verpflichtet , und hattest nur zu tun , was die Sache des Krieges ist . « » Ich danke Euch , hochehrwürdiger Vater , für alle Worte , die Ihr zu mir gesprochen habt « , sagte Witiko , » es ist gut , daß ich Euer Urteil weiß . « » Und was wirst du denn jetzt , da noch Ruhe ist , beginnen ? « fragte Silvester . » Ich werde nach Pric gehen « , antwortete Witiko , » dann werde ich zu meiner Mutter gehen , die ich schon lange nicht gesehen habe , und wenn die Zeit ist , in der ich wieder einen kleinen Dienst tun kann , werde ich kommen . « » Handle so , mein Sohn « , sagte Silvester . » Enden wir die Rede , es naht die Stunde des Mittagmahles , folge mir in das Speisegemach , und teile unser Brod und unsern Trunk mit mir und meinen Brüdern . Lasse dein Pferd pflegen , oder pflege es selber , wie du gewohnt bist , und bleibe so lange in dem Kloster , als es dir gefällt . « Mit diesen Worten erhob er sich von seinem Sitze , Witiko erhob sich auch , und in kurzem gingen die zwei Männer aus dem Gemache , und wandelten durch den Gang in die Speisestube . Witiko blieb vier Tage in dem Kloster an der Sazawa , und betrachtete die Gegenstände , welche in dem Kloster waren , und die Wälder und die Gärten und die Felder . Am fünften Tage nahm er Abschied . Silvester sprach : » Komme wieder , du wirst mit Freundlichkeit empfangen werden . « » Ich werde kommen « , sagte Witiko , » weil Ihr so gut seid . « Dann bestieg er sein Pferd , und ritt in der Richtung gegen Pric davon . In dem Hofe von Pric , der dem Geschlechte Witikos gehörte , blieb er eine lange Zeit , und tat , wie er dem Hofe für ersprießlich hielt . Eines Tages kam gegen den Untergang der Sonne ein Mann geritten , welcher ein braunes weites Gewand an hatte , das mit einem schwarzen Lederriemen gegürtet war . Auf dem Haupte hatte er eine braune Filzhaube ohne Feder oder sonstiges Zeichen . Aus dem Angesichte floß ein langer brauner Bart auf das Gewand . Von Waffen konnte man nichts an ihm bemerken . Der Mann begehrte eine Nachtherberge in dem Hofe . Sie wurde ihm gewährt . Witiko sagte zu dem Knechte » Kuto , führe das Pferd in den Stall . « Er selber führte den Mann in die große Stube . In derselben setzte sich der Mann auf die Bank neben dem großen Buchentische . Eine Magd stellte Brod und Salz und einen Krug mit Bier auf den Tisch . Der Mann nahm von dem Brote und Salze , und trank von dem Biere . Dann , da es zu dem Abendessen kam , erhielt er ein Stücklein geräucherten Schweinfleisches . Witiko wies ihm hierauf eine Schlafkammer an . Als der nächste Morgen erschienen war , sagte Witiko zu dem Knechte : » Kuto , ich werde mit dem fremden Manne fort reiten , und du mußt mich geleiten . Richte dich zurecht . « Dann sagte er : » Mira , Glota , Wacemil , ihr hütet mit den andern das Haus , bis ich wieder komme . « Dann legte er sein Ledergewand an , und in kurzer Frist ritten die drei Männer von dem Hofe weg . Sie ritten mittagwärts dem Walde zu . Im Walde ritten sie auf einem schmalen Pfade zwischen die Bäume hinein . Sie ritten auf dem Pfade unablässig fort . Zuweilen trank einer aus einer Quelle , die an allen Orten im Walde rieselten . Da es wärmer wurde , hielten sie auf einem Rasenplatze an , neben dem ein Bach floß , und gaben den Pferden etwas Nahrung und Trank . Dann ritten sie wieder weiter . Am Mittage kamen sie zu Waldhütten , die den Namen Elhenic hatten . Dort gaben sie den Pferden ihre Mittagpflege , und sie selber aßen Gerstenbrote , Milch und Eier , und tranken von dem Waldwasser . Nach zwei Stunden ritten sie wieder ihres Weges . Sie ritten nur einmal noch am Nachmittage an Hütten vorüber , die den Namen Tis führten . In der Zeit nach der Hälfte des Nachmittages nährten sie ihre Pferde wieder ein wenig , und setzten dann ihren Weg fort . Sie kamen in den dichten Wald des Andreasberges und von ihm hinunter auf Ogfolds Heide , auf welcher schon die Büsche und Gräser von der untergehenden Sonne rot waren . Von Ogfolds Heide ritten sie den hohen Tannenwald hinan , und dann seinen langgestreckten Abhang hinunter , und dann wieder hinan , und wieder hinunter . Am Ende des letzten Abhanges gelangten sie in freies Land . Sie sahen an dem Abendhimmel einen flachen kegelartigen Berg . Sie ritten an seiner linken Seite dahin , und erblickten dann den keildachigen Turm und die Kirche und dann die mittagwärts hinabgehenden Häuser des oberen Planes . Sie ritten in den Ort , und von ihm wieder hinaus in das steinerne Haus Witikos . Die Bewohner des Hauses schliefen schon . Witiko stieg von dem Pferde , und klopfte mit dem Klöppel an die Tür . Ein Fenster wurde geöffnet , Martin sah heraus , und tat einen Ruf der Freude , da er Witiko erblickte . Er öffnete hierauf das Hoftor , und Witiko ging mit seinem Pferde hinein , und der Fremde und Kuto ritten in den Hof . In demselben stiegen sie ab . Es kam nun auch Raimund , der Knecht , und Lucia , die Magd . Martin klagte , daß man drei Pferde nicht werde in den Stall bringen können , wenn man nicht die Kühe in den Schoppen stelle . Witiko ließ die Pferde in den Schoppen führen , und dort anhalftern . Die Magd Lucia sendete er in die Stube um ein Licht in einer Laterne . Als sie damit zurückgekommen war , wurden die Pferde weiter versorgt , und es wurde längs der offenen Seite des Schoppens eine Mauer aus Strohbünden gemacht . Dann gingen die Männer in die Stube . Lucia brachte Brod und Salz und Butter und Käse . Sie wollte um Bier zum Schenken gehen ; Witiko ließ aber nicht zu , daß sie jemanden wecke . Die Männer aßen von dem Brote , vom Käse und Butter , und tranken Wasser , welches ein Strahl lieferte , der hinter dem Hause in eine Steinkufe rann . Dann suchten sie die Nachtruhe . Am nächsten Morgen sendete Witiko Kuto zurück , und sagte dem Knechte Raimund , daß er sich rüste , ihm und dem Manne in dem braunen Gewande zu folgen . Da alles in Bereitschaft war , und da die Männer die warme Milch , welche Witiko hatte bereiten lassen , getrunken hatten , bestiegen sie ihre Pferde . Raimund war in das grobe graue Gewand gekleidet , das man in der Gegend hatte , trug eine kurze Wurflanze in der Hand , und hatte ein kleines Beil in die Schleife seines Sattels gesteckt . Sie ritten nun auf dem Wege gegen den Wald des heiligen Thomas , und nach kurzer Frist lenkte Witiko von dem Wege gegen mittagwärts . Sie kamen bald an das Ufer der Moldau , und durchritten das Wasser , das an dieser Stelle seicht war , und ritten jenseits im Sumpfgrunde auf einem festen Riegel einem rauschenden Bache entgegen . Sie kamen in den dichten Wald der Glöckelberge , ritten in ihm drei Stunden lang fort , und gelangten dann zu dem Berge des heiligen Ulrich hinunter . Dort hielten sie Mittagruhe und Mittagpflege in den Gefilden des bayrischen Herzoglandes . Nach zwei Stunden Rast ritten sie in der Richtung zwischen Abend und Mitternacht an dem Wasser der entgegen kommenden Mihel weiter , und da noch die Sonne hoch am Himmel stand , bogen sie wieder von der Mihel gegen Mitternacht , und ritten dem Hause zu , in dessen Nähe Witiko an einem Sonntage das Mädchen Bertha mit Waldrosen bekränzt gefunden hatte , und wo er als Gast aufgenommen worden war . Die Männer ritten an das Tor des Hauses . In dem Tore öffnete sich ein Schubfach , und das Haupt eines Knechtes sah heraus . Dann schloß der Knecht das Fach , und öffnete das Tor . Unter dem Bogen des Tores stand Heinrich , und sagte zu Witiko : » Seid gegrüßt . Es ist gut von Euch , daß Ihr auf meine Einladung nicht vergessen habt , und wieder einmal in mein Haus gekommen seid . Ihr werdet mit den Eurigen freundlich in demselben aufgenommen . « » Ich danke Euch « , entgegnete Witiko , » wir bitten nur um Raum zu einer kurzen Rast für heute , um etwas Nahrung für uns und unsere Pferde und um eine Herberge für die Nacht . Mit dem frühen Morgen werden wir unsern Weg wieder betreten . « » Wie es Euch gefällt , und wie Ihr in Absicht habt « , entgegnete Heinrich , » es wäre ein Unrecht , den Gast zu zwingen , länger zu bleiben , als er will , er wisse nur , daß er gerne begrüßt wird . « » Ich danke Euch für Eure Gesinnungen « , sagte Witiko . » So reitet ein « , antwortete Heinrich . Nach diesen Worten trat er seitwärts , und Witiko ritt mit seinen Gefährten in den Hof . Dort stiegen sie von den Pferden . Der Knecht , welcher das Tor geöffnet hatte , und ein anderer , welcher herbei gekommen war , nahmen die Pferde , und führten sie in den Stall . Heinrich geleitete Witiko gegen eine Tür , die von dem Hofe in das Gebäude ging , die zwei andern folgten . Als sie an der Tür angelangt waren , sah Witiko , daß von ihr mehrere Stufen empor führten . Er stieg mit seinem Gastherrn die Stufen hinan . Dann gelangten sie in einen Gang , in dessen Mitte ein Fallgitter war , unter welchem sie hindurch gingen . Dann kamen sie an eine Tür . Heinrich öffnete sie , und ließ die Männer in ein Gelaß , welches aus zwei Gemächern bestand , und Geräte und Betten hatte . » Hier haltet Rast und Herberge , Witiko « , sagte Heinrich , » Ihr seid von allem Geräusche entfernt . Und wenn es Euch dann genehm sein wird , so kommt zu meiner Haufrau , sie zu begrüßen . « » Ich werde bald kommen « , entgegnete Witiko , » sagt der hohen Frau indes meine Ehrerbietung . « » Ich werde es tun « , antwortete Heinrich , » und gehabt euch wohl . « » Gehabt Euch wohl « , sagte Witiko . Heinrich verließ die Gemächer . Die drei Männer standen nun in dem Raume , der ihnen angewiesen worden war . » Ich werde nach den Pferden sehen « , sagte Raimund . » Tue das « , entgegnete Witiko , » ich werde dir sogleich folgen . « Raimund ging fort , der Mann in dem braunen Gewande setzte sich auf ein Gesiedel , das in einer Ecke stand , und Witiko verließ nun auch das Gemach . Als er in den Hof kam , sah er dort den Knecht , welcher das Tor geöffnet hatte . Der Knecht näherte sich ihm , und sagte : » Das ist sehr gut , daß Ihr gekommen seid , das ist sehr gut . « » Es kann gut sein « , sagte Witiko , » und es freut mich , daß du das sagst . « » Und das schöne Pferd habt Ihr auch noch , das bei den Köhlern gestanden ist « , sagte der Knecht , » und Ihr werdet wieder zu ihm gehen , wie damals . « » Das werde ich tun « , antwortete Witiko , » wie heißest du denn ? « » Hando « , erwiderte der Mann . » Nun , Hando « , entgegnete Witiko , » du wirst mir wohl behilflich sein , wenn ich etwas brauche . « » Es ist der Befehl des Herrn , daß ich bei den Pferden bleibe « , sagte Hando , » ich glaube , daß Euer Pferd sehr rechtschaffen sein wird . « » Es ist schon rechtschaffen gewesen , und wird wieder rechtschaffen sein « , sagte Witiko . Nach diesen Worten ging Witiko von dem Knechte in den Stall