des Sultans . 33 Die erste Frau . 34 Jammer ! Jammer ! 35 Gott sende ihnen Unglück . 36 General Du-Hamel und Herr von Kotzebne . 37 Das russische Besatzungscorps wurde damals vom General-Adjutanten General Lüders commandirt . 38 Ein Titel , etwa wie Geheimer Rath . Omer erhielt ihn nach seiner Unterdrückung des Aufstandes im Libanon . 39 Campo santo , Begräbnißplatz . 40 Der Mord Paduani ' s ist historisch , wie - wir wiederholen es - fast alle Scenen dieses Romans wenigstens ihre historische Basis haben . 41 Neugriechisch : Guten Abend ! 42 Das bekannte italienische Fingerspiel . 43 Branntwein . 44 Kaffewirth . 45 Titel , den man höflicher Weise den Pascha ' s giebt . 46 Türkische Goldmünze , etwa 11 / 2 Thaler . 47 An diesem Tage wurde an Robert Blum das Urtheil des Kriegsgerichts in der Brigittenau vollstreckt . 48 Türkischer Paß , offene Ordre für die Stationen , Pferde zu stellen . 49 So geschehe es . 50 Schurke . Zweiter Theil : Die Reveille der Völker Ein Getreuer . Um vier Uhr Morgens , am Donnerstag , den 13. October , donnerte eine kräftige Faust an das Thor des Konak Ismaël-Pascha ' s , des neuen Gouverneurs von Smyrna , und der Klopfende verlangte den Einlaß . Schlaftrunken und scheltend über den Lärmen erhoben sich die Wache habenden Khawassen und öffneten die Pforte , durch welche drei in Mäntel gehüllte Männer in den Hofraum schritten , der Eine das Gesicht in die Falten tief verborgen , Alle bis an die Zähne bewaffnet . » Weckt zur Stelle den Gouverneur , « sagte einer der Fremden ; » Jani Katarchi will ihn sprechen . « Die Khawassen und Tschokadars lachten . » Du Jani ? Mashallah , seht diesen Sohn eines Schweins ! Meinst Du , Du könntest einen Moslem in den Bart lachen ? Du bist ein Esel und Deine Väter waren Esel . Wir spucken aus ihr Grab und sprechen : Delhi der ! es sind Tolle . « » Jani , « höhnte ein Anderer , » wird sich selbst in die Höhle des Löwen bringen ? Woher kommt Ihr , daß Ihr solchen Koth redet ? « Da warf der Verhüllte den Mantel von sich und mit donnernder Stimme rief er : » Ich bin Janos ! - Geht ! « Zugleich legten alle Drei ihre Waffen auf das Pflaster des Hofes und standen ernst und unbeweglich da . In die Diener des Pascha ' s aber kam Leben , als sie diesen Mann sahen ; der Schlaf und der Zweifel wich aus ihren Augen und sie beeilten sich , die seltsame Kunde ihrem Herrn zu bringen . In kurzer Zeit erschien der Kiaia-Bey1 , bald darauf der Gouverneur selbst . Bis dahin hatte Janos auf keine der an ihn gerichteten Fragen geantwortet . Erst als Ismaël-Pascha , ein Moslem von strenger , Achtung gebietender Haltung , erschien , faßte er die Hand eines seiner Begleiter und ging mit diesem auf den Pascha zu . » Du hast diesem Manne versprochen , den jungen Griechen , der von Dardanelli aus auf Verlangen des Inglis-Consul in Deine Haft gebracht worden , freizugeben und unbelästigt ziehen zu lassen , wenn Janos , der Kameeltreiber , in Deine Hand gegeben würde . Wohl ! Ich bin Janos und stelle mich selbst . An Dir ist es , Dein Wort zu halten . « Der Pascha strich sich den dunklen Bart , indem er aufmerksam den so eifrig von ihm Verfolgten anschaute . Dann sagte er ruhig : » Khosch dscheldin ! - Ihr seid willkommen ! - Dschidelim ! Laß uns gehen ! « und damit wandte er sich nach der Thür des Selamlik und schritt voran , gefolgt von Janos und seinen beiden Gefährten . In der großen Halle des Konak , die zugleich zu den Gerichtssitzungen dient , nahm der Pascha Platz auf dem Divan und lud die Fremden ein , ein Gleiches zu thun , indem er sie fortwährend als seine Gäste behandelte . Auf seinen Befehl erschien alsbald der Divan-Effendi2 und setzte eine Schrift auf , des Inhalts : » Nachdem Janos , genannt Katarchi , Räuber und Wegelagerer im Gebiet des Paschalik von Smyrna , Seiner Hoheit dem Gouverneur Ismaël-Pascha seinen Leib zur freien Verfügung angeboten , wenn der in Haft Seiner Hoheit wegen Theilnahme an räuberischem Ueberfall und Brandstiftung befindliche Gregor Caraiskakis jeder Strafe frei und ledig entlassen werde , hat Seine Hoheit der Pascha diesen Vorschlag angenommen und ist darüber dieser Vertrag geschrieben und unterzeichnet worden . « Der Räuber nickte , als die Schrift verlesen wurde , dann nahm er die von dem Schreiber ihm gebotene Feder und malte in rohen Zügen zwei sich kreuzende Messer darunter , als sein Zeichen , wobei er eine Abschrift verlangte , die der Gouverneur gleichfalls unterschrieb . Von diesem Augenblicke an war Janos nach türkischer Sitte für drei Tage ein Gast in dem Konak des Pascha . Man brachte ihm alsbald Tschibuk und Kaffee und der Gouverneur unterhielt sich lange mit ihm über seine Thaten und die Mittel und Wege , auf welchen er bisher allen Nachforschungen entgangen war . Der Räuber erzählte offenherzig und mit einem gewissen Stolz seine Handlungen , hütete sich jedoch sorgfältig , Namen zu nennen , durch welche seine Anhänger in der Stadt kompromittirt werden konnten . Er bat den Pascha , den Gefangenen Caraiskakis bis zur Beendigung seines eigenen Prozesses in Unwissenheit über das Geschehene und in Haft zu lassen , und im Fall im Laufe des Tages ein Knabe sich zeigen und nach ihm verlangen solle , auch auf diesen die Gastfreundschaft auszudehnen . - Wie ein Lauffeuer durcheilte am Morgen die Kunde von der That des berühmten Räubers die Stadt . Das Volk sammelte sich vor dem Thor des Konaks , und eine Menge der vornehmsten und reichsten Griechen Smyrna ' s besuchten ungescheut ihren Helden in seinem Asyl , jammerten über seinen Entschluß und hielten lange Unterredungen mit ihm . Janos bewegte sich unterm Schutz der türkischen Sitte unbehindert in dem Umkreis des Konaks und jeder seiner Wünsche wurde gleich einem Befehl erfüllt . Mehrmals ließ ihn der Pascha zu sich kommen , um ihn den neugierig zum Besuch eingetroffenen fremden Consuln zu zeigen , und Alle unterhielten sich voll Theilnahme mit ihm . Im Laufe des Tages hatte sich auch der Knabe Mauro eingefunden und bediente fortan seinen Herrn und Oheim . Es ist ein eigenthümlicher Zug im orientalischen Leben , daß trotz des wüthenden Nationalhasses zwischen Türken und Griechen Beide heilig auf ein unter gewissen Bedingungen gegebenes Wort bauen . Ismaël-Pascha mußte die freiwillige Ueberlieferung des berüchtigten Bandenführers um so willkommener sein , als er sonst wenig Aussicht hatte , seiner habhaft zu werden . Denn obschon er weit energischer als seine Vorgänger im Amte auftrat und es seinen Maaßregeln auch bereits gelungen war , einen Theil der Bande des Janos von den Khawassen überraschen und niedermetzeln zu lassen , so zog sich doch ein weit drohenderes Ungewitter in der politischen Färbung zusammen , welche jetzt diese Banden anzunehmen begannen . In Smyrna , Sardes und Ephesus organisirten sie offen den Aufstand und suchten die Unzufriedenen an sich zu ziehen und die griechische Bevölkerung zur Erhebung der Waffen aufzureizen . Janos galt zugleich als der verwegenste und gefährlichste Führer , und es war den Türken sehr wohl bekannt , daß gerade zu ihm die griechische Bevölkerung , als zu dem geeignetsten Leiter einer Empörung , aufsah . Da , zu Anfang October , wurde plötzlich auf einem Dampfer der in Dardanelli an seiner Wunde krank gelegene Caraiskakis in Fesseln an den Gouverneur von Smyrna abgeliefert , indem den eben Genesenen mitten in seinen Nachforschungen nach der entflohenen Schwester und deren Verführer der dortige englische Consul durch die türkischen Behörden hatte verhaften lassen . Der Vice-Consul von Smyrna hatte - offenbar auf Veranlassung des Baronets , um ihn an der Verfolgung desselben zu hindern , - eine Klage gegen ihn auf Theilnahme an dem räuberischen Ueberfall und dem Niederbrennen seines Landhauses erhoben . Der Banditen-Chef schien seine Spione selbst im Konak des Pascha ' s zu haben , denn alsbald hatte er erfahren , daß der Sohn seines alten Herrn in dem türkischen Gefängniß lag und wahrscheinlich verurtheilt und in ' s Bagno nach Rhodus gebracht werden würde . Zwei Tage vor dem seltsamen Ereigniß , das jetzt alle Zungen von Smyrna in Bewegung setzte , war daher ein Fremder im Konak des Pascha ' s erschienen und hatte diesem das Anerbieten der Selbstauslieferung des Räubers gemacht . Wir haben den Fortgang der Verhandlungen gesehen . Am zweiten Tage , als Janos nochmals zum Gouverneur gerufen worden , machte dieser ihm den Vorschlag , als Renegat in seinen Dienst zu treten und das Amt eines Khawaß-Baschi zu übernehmen , ein Posten , der - wie man in Frankreich und selbst in deutschen Ländern die Spitzbuben , Revolutionaire und sonstige anrüchige Personen schon oft mit Erfolg zu Polizeibeamten gemacht hat - in der Türkei sehr häufig das Ende einer Räuberlaufbahn ist . Aber Janos verweigerte trotz aller Vorstellungen des ihm sonst drohenden Schicksals standhaft die Annahme des Vorschlags . So verging auch der dritte Tag unter den Vorbereitungen , die der Pascha zu dem Gericht über den Räuber treffen ließ . Am Nachmittag hielt Janos noch eine längere Unterredung mit mehreren angesehenen Griechen aus Smyrna und schien an diese seine Verfügungen getroffen zu haben . Als die Sonne im Westen in den prachtvollen Golf von Vurla verschwand und ihre letzten rothen Strahlen den Pagus färbten , traten die Khawassen des Pascha ' s zu Janos und seinen zwei Gefährten , die sein Schicksal theilen wollten , und legten ihnen schwere Fesseln an . Die drei Sonnen der Gastfreundschaft waren vorüber , die nächste sollte über dem Gericht aufgehen . Zugleich öffnete sich das Gefängniß des Konaks , die noch von dem schweren Krankenlager erschlaffte Gestalt Gregor ' s wurde herausgeführt und der Kiaia-Bey verkündete ihm seine Freilassung mit dem Bedeuten , daß er Smyrna spätestens am morgenden Tage zu verlassen habe . Das Wiedersehen des Hellenen mit dem gefesselten Freunde seiner Kindheit war ergreifend . Er ahnte Nichts von dem heldenmüthigen Opfer des Räubers und glaubte ihn auf einem seiner Streifzüge von den Leuten des Gouverneurs gefangen , und mit keinem Laut verrieth der Bandit sein Geheimniß . Gregor warf sich - unbekümmert um das blutige Handwerk des Mannes - wie ein Freund in seine Arme und beklagte , des eigenen vergessend , sein Schicksal . Auf den ausdrücklichen Wunsch des Räubers hatte Ismaël-Pascha gestattet , daß der Freigelassene bis zur herannahenden Katastrophe in seiner Gesellschaft bleiben durfte , und Beide verbrachten die Nacht mit dem Knaben Mauro allein in der Zelle des Gefangenen . Hier erst hörte Janos mit stummem Grimm die neue Entführung des Mädchens , das Duell des Griechen mit Sir Maubridge und die Quelle seiner Verhaftung . Aus seinem Munde dagegen erfuhr Caraiskakis , daß bereits am andern Morgen , noch ehe er selbst Smyrna verlassen werde , das Schicksal des Klephten3 entschieden sein würde . Janos täuschte sich keinen Moment über dasselbe und alle seine Worte hatten das ernste Gepräge des letzten Vermächtnisses an einen Freund vor dem schweren Gange zur Ewigkeit . Seine Rede , der der Mann und der Knabe aufmerksam während der Nacht lauschten , athmete in jedem Laut den tiefen Haß des griechischen Volkes gegen seine Unterdrücker und Tyrannen . Sie mahnte Gregor an den Heldentod des Vaters , an die theuren Gelübde , die er der Befreiung seines Volkes und seines Glaubens beim Eintritt in den Bund der Elpis geschworen , und Mann und Knabe wiederholten das Gelöbniß eines nur mit dem Leben endenden Hasses und Kampfes gegen den Halbmond . Erst gegen Morgen legte sich der Palikare zum Schlaf - es sollte der letzte sein , von dem er auf dieser Erde wieder erwachte . Der Khawaß-Baschi - dessen Nachfolger zu werden er verschmäht - weckte ihn und führte ihn , begleitet von seinen beiden Genossen und Mauro , in die große Halle des Konaks , die für die öffentlichen Gerichtssitzungen diente . Hier waren bereits der Gouverneur mit seinen beiden Schreibern , sein Kiaia-Bey , der Kadi-Askar4 Smyrna ' s und eine Anzahl Mollah ' s und Mufti ' s5 versammelt , desgleichen mehrere europäische Consuln und ein zahlreiches Publikum , meist Griechen . Ismaël-Pascha präsidirte selbst der Gerichtsverhandlung und es wurden zahlreiche Zeugen vernommen , die sich theils selbst in der Gewalt der Wegelagerer befunden , theils Freunde oder Verwandte mit schweren Summen ausgelöst hatten . Auch mehrere Mordthaten wurden dem Gefangenen nachgewiesen und der englische Vice-Consul beharrte gleichfalls auf seiner Klage wegen Einbruchs und Mordes . Das Antlitz des Räubers blieb kalt und theilnahmlos bei all den Anklagen und sich häufenden Beweisen ; er versuchte mit keinem Wort , seine Thaten zu beschönigen , sondern beschränkte seine Vertheidigung einzig auf die Erklärung , daß er nur gegen die Feinde seines Glaubens und seines Volkes also gehandelt habe . Desgleichen weigerte er sich auch jetzt , die Namen seiner Zuträger und Freunde in Smyrna zu nennen und suchte möglichst alle Schuld von seinen beiden Gefährten ab und auf sich zu nehmen . Unter diesen Umständen konnte der Ausgang des Prozesses keinen Augenblick zweifelhaft sein und die Verhandlung wurde nach einer Dauer von kaum zwei Stunden geschlossen . Der Rath der Mollah ' s fällte das Urtheil , daß Jani - genannt Katarchi - als überwiesener Mörder und Wegelagerer die Strafe von fünf Yataganhieben zu erleiden habe . Seine beiden Gefährten wurden zu lebenslänglicher schwerer Galeerenstrafe verurtheilt , und nachdem der Gouverneur das Urtheil bestätigt hatte , verkündete es ein Ausrufer von der Schwelle des Gerichtssaales und in den Gassen der Stadt . In der Türkei folgt die Vollstreckung des Urtheils dessen Ausspruch gewöhnlich auf dem Fuße , und von den Thauschi ' s und Khawassen umgeben wurde der Verurtheilte alsbald nach seiner Zelle zurückgebracht , um sich in der kurzen Frist , die ihm noch gegönnt war , zum Tode vorzubereiten . Eine rasche Vollstreckung des Urtheils hielt der Pascha um so nothwendiger , als sich bereits während der Verhandlungen unter der zahlreichen griechischen Bevölkerung Smyrna ' s eine große Aufregung kund gegeben hatte , die einen gewaltsamen Versuch zur Befreiung ihres Helden und Palikaren fürchten ließ . Die Besatzung Smyrna ' s war zur Zeit wegen der allgemeinen Truppensendungen nach Rumelien und zum Heer unter Selim-Pascha bei Tortum und Batum sehr schwach . Der Gouverneur ließ daher das Thor des Konaks schließen und befahl , die Hinrichtung im Hofe desselben vorzunehmen , während dergleichen sonst in den Straßen der Stadt zur öffentlichen Warnung zu geschehen pflegt . Es ist Gebrauch , die Leichname der Gerichteten eine Zeit lang am Ort der Hinrichtung liegen zu lassen , bis sie den Freunden oder Verwandten überlassen werden . Als Janos in die Zelle zurückkam , verkündete sein Auge dem harrenden Freunde , den man wegen der Anwesenheit seines eigenen Anklägers nicht zum Gericht zugelassen hatte , das Bevorstehende . Obschon ein eifriger Feind des Glaubens des Propheten , hatte der Wegelagerer doch längst jene Gleichgültigkeit gegen das Leben angenommen , welche den Orientalen im Allgemeinen eigen ist , und er unterwarf sich dem Tode , als dem unvermeidlichen » Kismet , « mit einer Ruhe und Würde , welche das Erhabene seiner Aufopferung noch erhöhte . Er selbst beruhigte den Tieferschütterten und sprach ihm Muth ein , indem er ihm zugleich das Versprechen abnahm , für den Knaben Mauro zu sorgen und ihn zu seinem Rächer zu erziehen . Der Knabe selbst , der ohne eine Miene zu ändern , dem Gericht des Pascha ' s zugehört hatte , hielt stumm die Hand seines Oheims . Nur seine keuchende Brust und das wild , ja mörderisch flammende Auge , wenn es sich durch die offene Thür auf die Khawassen richtete , zeigte den Sturm leidenschaftlicher Gefühle in seinem Innern . So war die Mittagsstunde heran gekommen , die bestimmte Zeit , und ein kurzer Trommelwirbel der aufgestellten Soldatenabtheilung verkündete den Beginn der furchtbaren Handlung . Beim ersten Schlag der Trommel richtete sich der Räuber , der mit Gregor zum Gebet niedergeknieet war , in die Höhe und schlug das griechische Zeichen des Kreuzes . Dann trat er auf den Mann zu , den er einst als Kind aus den Händen der Moslems gerettet und jetzt wieder von Schmach und Kerker mit dem eigenen Leben lösen wollte . » Gregor Caraiskakis , « sagte er ernst , » der dreieinige Gott mit seinen Heiligen und den seligen Geistern derer , die für das Kreuz gestorben , schaut auf uns herab in dieser Stunde . Auch Dein Vater ist unter ihnen und ich hebe meine Hand auf zu ihm und hoffe , daß er Fürbitte einlegen wird für meine Sünden , denn treu und fest zum Tode habe ich meinen Schwur gehalten , sein Blut zu retten und zu schützen . - Ich bin alt - mein Weg ging abwärts , der Deine hinauf - der morsche Eichbaum sinkt vor den drohenden Stürmen , der kräftige junge Stamm wird ihnen trotzen . Lebe wohl , Gregor Caraiskakis , und vergiß des gerechten Hasses nimmer , so wahr Dir und mir der Gott unserer Väter barmherzig sein möge ! « Die Gewehre der Wache rasselten auf dem Pflaster , die Khawassen traten in den Eingang der Zelle , als sich Gregor mit männlichen Thränen an die Brust des Verurtheilten warf . Auch über dessen braune Wangen rollte das feuchte Auge zwei Tropfen als letzten Scheidegruß an das Leben , dann riß er sich kräftig los . » Sollen wir Weiber sein vor diesen Moslems in der Stunde des Todes nach einem Leben voll Kampf und Rache ? Fluch und Haß ihnen bis zum letzten Hauch ! Und Du , Knabe , der Du die Geschichte meiner Jugend mit erregtem Herzen angehört , wenn der Todesengel die Hand auf mich legt , gieb mir den Ruf mit hinüber , dessen Erinnerung so oft mir die Brust gehoben : Gott und die Heiligen ! - Chios und Tschesme ! « Der Knabe drückte ihm krampfig die Hand , - keine Thräne stand in dem dunkel glühenden Antlitz des Kindes ; - als Gregor ' s Blicke auf dieses fielen , schämte auch er sich des Schmerzes und starr und finster nahm er die andere Hand des Räubers , der in ihrer Mitte ruhig und stolzen Blickes hinaus schritt in den Hof . Wo der Türke den Henker macht , sind der Vorbereitungen wenige nöthig - das furchtbar-feierliche Gepränge , das bei uns die Akte der menschlichen Gerechtigkeit umgiebt , ist dort gänzlich unbekannt . Am Fenster des Selamlik stand der Pascha , umgeben von seinen Offizieren und ruhig seinen Schibuk rauchend . Wachen der Redifs hatten das Thor und die Ausgänge besetzt , in der Mitte des Hofes bildeten die Khawassen und Tschauschi ' s einen weiten Kreis , in dessen Innerm die beiden zur lebenslänglichen Galeerenstrafe verurtheilten Gefährten des kühnen Räubers standen ; neben ihnen , in kurze braune Mäntel gehüllt , die zwei Khawassen , welche das Amt des Nachrichters versehen sollten . Hierher wurde Janos geführt - noch ein Händedruck und der Mann und der Knabe mußten am Eingang des Kreises zurückbleiben . Mit festem Schritt betrat der Klephte die Mitte , während die letzten Genossen seines wilden Lebens sich trotz der Fesseln an ihren Gliedern auf ihn stürzten und seine Hände und Kleider mit Küssen bedeckten . Die Tschauschi ' s rissen sie von ihm und auf einen Wink des Khawaß-Baschi knieete der Räuber , das Zeichen des Kreuzes schlagend , auf den Boden nieder , indeß einer der Tschauschi ' s seine gefesselten Hände schnell auf dem Rücken zusammen band . Ein letzter Blick - ein letzter Gruß - streifte Gregor , den Knaben , die treuen Genossen , die ihrem Führer zum Kerker gefolgt waren , und das schöne Licht der Sonne ! » Gott und die Heiligen ! « Die helle Stimme des Knaben rief es schneidend in den stillen Kreis - die beiden Khawassen neben dem Knieenden warfen die kurdischen Mäntel ab , - in ihren Händen blinkten die schweren Yatagans mit dem bleigrauen Glanz der ächten Klingen . Ein letztes Zeichen des Baschi ' s , die Trommel wirbelte und der Eine der Khawassen führte den ersten Streich . Das Urtheil der fünf Yataganhiebe ist nur eine Formel , - die Henker der Türkei sind ihres fünften Hiebes sicher . Vier Mal hob sich der Yatagan und fiel auf den Nacken des Klephten , kaum die Haut blutig ritzend , dann sprang der Khawaß zurück und der Zweite im selben Moment herbei . » Rache für Chios ! - Flammen von Tschesme ! « Der schrille Ruf der Knabenstimme übergellte laut den Trommelwirbel und das Zischen des Hiebes - - weit von dem Nacken rollte das Haupt auf den Boden hin . Krampfhaft öffnete und schloß sich der Hals , Ströme von Blut ausspritzend , - dann fiel der Leib des Gerichteten schwer vorn über zur Erde . Durch den Kreis der Khawassen , der sich rasch loste , brach der Knabe Mauro und warf sich mit wildem Geschrei auf den blutenden noch lebenswarmen Körper seines Schützers und Verwandten . Der kühne Trotz war gebrochen , die leidenschaftliche griechische Natur machte sich geltend in ihrer vollen Heftigkeit , und Schrei auf Schrei durchgellte die Luft , vermischt mit wilden Klagen und Verwünschungen gegen die Moslems . Neben ihm und der Leiche knieete Gregor Caraiskakis im stillen Gebet . Ohne sich um die Thränen und Verwünschungen zu kümmern , nahmen die blutigen Diener der türkischen Justiz das Haupt des Gerichteten und befestigten es auf einer eisernen Spitze über dem Thor . Zugleich wurden dessen Pforten geöffnet und das Volk strömte unbehindert in den Hof und zur Richtstätte . Der Pascha hatte sehr richtig gerechnet , die Vollziehung des Urtheils hob jede Gefahr auf und brach die Aufregung des Pöbels . Wohl erging sich derselbe in Geschrei und bitteren Verwünschungen , indeß auf solche achtet der Türke nicht ; in der Türkei herrscht unbedingte Redefreiheit , und wo der Haß und der Schmerz Worte findet , wird er selten zur That . In dem Gebet an der Leiche des Getreuen störte Caraiskakis eine Hand , die sich auf seine Schulter legte , eine Stimme sagte ihm leise : » Im Namen und Auftrag Jani ' s des Palikaren soll ich Euch mit mir führen von dieser Stätte , die Euch Gefahr droht . Ich habe gelobt , für Eure Sicherheit zu sorgen . « Als Gregor emporschaute , sah er einen alten Mann in dem fliegenden schwarzen Gewand der Armenier vor sich . Fast willenlos gehorchte er der Aufforderung und erhob sich . Er sah , wie ein anderer Mann den Knaben Mauro an die Hand nahm und folgte dem Unbekannten , nachdem ihn dieser versichert hatte , daß für die passende Beerdigung der Leiche bereits gesorgt worden . Sein Führer geleitete ihn durch die Gassen der Türkenstadt zu dem fränkischen Quartier und hier in eines der Häuser , deren Hof bis an ' s Ufer des Meeres stößt . Hier wurde ihm eine kurze Erholung gegönnt , und da er jede Erfrischung von sich wies , bestiegen die Vier alsbald ein Boot , das sie zu dem auf der Höhe des Hafens ankernden Lloyd-Dampfschiff führte , das binnen zwei Stunden seine Fahrt nach Constantinopel fortsetzen sollte . Der Greis in armenischer Kleidung hatte für Paß und Passagierbillet gesorgt - Alles schien bereits vorbereitet . Auf dem Verdeck nahm der Alte die Hand des Griechen und führte ihn an eine einsame Stelle des Bollwerks , von der sie hinüberschauen konnten nach der ausgedehnten Stadt . » Ich bin Ihr Landsmann und Glaubensgenosse , Herr , « sagte er , » und habe dies Gewand nur angelegt , um weniger beachtet zu werden . Mein Auftrag ist erfüllt und ich habe Ihnen jetzt nur noch wenige Worte zu sagen und Einiges zu übergeben . Wenn auf Ihrer ferneren Laufbahn Ihr Gedanke oder Ihr Blick nach jener Stadt zurückkehrt , dann erinnern Sie sich , daß dort ein Grab ist , das für Sie geöffnet worden . Janos , der Kameeltreiber , ist für Sie gestorben , und diese Schrift , mit seinem Lebensblut bespritzt und nach seinem Befehl von der Brust seiner Leiche genommen , wird Ihnen Kunde davon geben . Janos war von uns zu hohen Dingen bestimmt , er hat uns auf Sie verwiesen , als jünger und geeigneter für den großen Kampf , der sich bereitet . Wir wissen , daß Sie mit Ihren Brüdern der Elpis angehören und nie im Kriege gegen unsere Unterdrücker nachlassen werden . Was Janos besaß - kein Tropfen griechischen Blutes , kein Para griechischen Geldes klebt daran , - hatte er bei uns niedergelegt und zu einem Vermächtniß für Sie bestimmt , auf daß Sie es im Kampfe für unsere heilige Sache und zur Verfolgung Ihres Feindes verwenden mögen . Die Griechen der Hetärie von Smyrna haben das Fehlende hinzugethan , und ich überliefere Ihnen hier hunderttausend Piaster in drei Wechseln auf Constantinopel , Varna und Odessa . Möge der heilige Demetrius Sie schützen und segnen , Sie und diesen Knaben . « Er reichte dem von der unerwarteten Kunde zu Boden Gedrückten die Hand , wehrte die stürmischen Fragen des Griechen zurück , ihn auf den Knaben verweisend , und bestieg die Barke , die ihn nach Smyrna zurücktrug . Das war es , was Gregor Caraiskakis dem Freunde am Morgen nach der blutigen That an Paduani erzählte , indem er ihm zugleich das heilige Dokument seiner Befreiung zeigte . Eine finstere , entschlossene Ruhe , ein noch strengerer Ernst , als er schon früher stets gezeigt , schien sich über das ganze Wesen des Griechen gelagert zu haben , ganz gegen die Gewohnheiten seiner Nation . Nur zuweilen funkelte sein dunkles Auge , und in dem Strahl desselben schien ein unheimlich Leben zu kochen und zu walten . Gleich ihm stumm und verschlossen zeigte sich auch der Knabe , Alles beobachtend was er hörte und sah , und fast nie von der Seite seines neuen Schützers weichend . Er schien bereits alle Gefühle und Neigungen des Kindesalters von sich geworfen zu haben . Beide waren am Tage vorher mit dem Dampfschiff von Smyrna angekommen und hatten in einer der hintern Straßen von Pera Quartier gefunden . Gregor hatte gehofft , in den Kaffeehäusern am Campo eine Kunde von dem Doctor zu erhalten , da er , schon verhaftet , dessen letzte Nachricht in Dardanelli nicht mehr empfangen hatte . Auch ihn fesselte der schöne Abend im träumerischen Sinnen bis zur Mitternachtsstunde , und so war er zufällig auf dem Heimweg der Retter des Freundes geworden . Mit Recht glaubte er in Constantinopel zunächst am sichersten die Spur des Briten Maubridge und seiner Schwester erforschen zu können , und wollte deshalb hier einige Zeit verweilen . Für Welland , der eine immer innigere Zuneigung zu dem Griechen empfand , war dies eine sehr willkommene Nachricht , und er versprach , ihn nach Kräften in seinem Forschen zu unterstützen . In der That gelang es ihm auch , und zwar durch Baron Oelsner , welcher zufällig den Griechen bei ihm getroffen , schon in den nächsten Tagen zu erfahren , daß Sir Maubridge sich längere Zeit in Constantinopel aufgehalten hatte und dann nach Varna gegangen war , um das türkische Lager zu besuchen . Eine Gewißheit , ob er diesen Weg allein oder in Begleitung einer Dame gemacht , vermochten auch die reichen Hilfsquellen des Barons nicht zu ermitteln , jede Spur von Diona schien verschwunden . Dagegen bemerkte Welland mit Erstaunen , daß sich alsbald ein sehr vertrautes Verhältniß zwischen dem Baron und seinem Freunde entsponnen hatte . Er traf wiederholt den Erstern in der Wohnung Gregors und Beide in eifrigem Gespräch , das bei seinem Erscheinen abgebrochen wurde . Auch machten sie häufig Gänge , zu welchen er nicht abgeholt wurde . So waren mehrere Tage vergangen , als an einem Morgen ein Brief im Welland ' s Wohnung abgegeben wurde , welcher ihn , mit dem geheimnißvollen Zeichen versehen , dem er zu gehorchen sich verpflichtet hatte , aufforderte , zu einer späten Stunde des Nachmittags an der Fontaine Mahmud ' s I. sich einzufinden . Es ist dies ein Bauwerk , das Welland seiner eigenthümlichen Schönheit und Arabesken-Architektur wegen schon oft bewundert hatte , ein viereckiges hohes Gebäude mit plattem , aber hervorragendem und von einem Geländer umgebenem Dach , dessen weiße Marmorwände von eingehauenen Devisen und Sprüchen aus dem Koran bedeckt sind . Der Bau erhebt sich mitten auf dem Markt von Tophana und spendet nach allen Seiten hin den umlagernden Menschen und Thieren köstliche erfrischende Labung . Der Deutsche hatte erst kurze Zeit hier geharrt , als er die hohe soldatische Gestalt des Mannes auf sich zukommen sah , den wir als Bewohner der Herberge im Malthesergäßchen mit der Benennung » General « gefunden haben . Beide schienen bereits Bekannte und grüßten sich als solche , der Arzt mit einiger Befangenheit . » Das ist schön , daß Sie pünktlich sind , Doctor , « sagte der General , » nachdem ich Sie so lange ohne Nachricht gelassen . Indessen die Zeit ist da , wo Ihre Thätigkeit in vollen Anspruch genommen werden soll . Sie werden wissen , daß ein Courier bereits die Nachricht von dem Beginn des Angriffs an der Donau gebracht hat . « » Ich habe gehört davon . « » Ihr Gesuch um Anstellung beim Seraskiat ist unterstützt und ich hoffe , Sie werden eine Stelle unmittelbar im Gefolge des Muschirs erhalten . Vorerst aber sollen Sie uns hier einige Dienste leisten . Haben Sie Ihr Besteck bei sich ? « Der Arzt bejahte . » So haben Sie die Güte ,