, das da lebendig , heilig und Gott wohlgefällig sei , welches sei euer vernünftiger Gottesdienst . Und wollt ihr also dem Herrn dienen , so bekennt es offen vor den Menschen und steht in all euerm Tun zu euerm Glauben und gebt dessen Zeugnis ; darf doch auch so mancher öde Wicht zu seinen toten Götzen stehen , warum dann nicht ihr zu euerm lebendigen Gott ? « So ungefähr redete der Pfarrer , aber ausführlicher , und namentlich den letzten Spruch erklärte er , wie man sich heilig darzustellen hätte als ein Gott wohlgefälliges Opfer und sein Haus zu machen habe zu einem heiligen Tempel . Und es war große Stille und Andacht in der Kirche , und wohl nicht manches Herz war darin , das dem Pfarrer nicht recht gab , und nicht manche Seele , die nicht an das eigene Haus dachte , und manches Auge ward naß , wenn es erkannte , wie es im Hause aussah , und weil ihm jetzt die Verständnis kam , warum ihm so übel darin war . Und manch Anderer durchlief seines Hauses Geschichte , und klar ward es ihm , warum der Friede desselben gestört war und sich herstellte , warum die Freudigkeit verdunkelt war und hell wieder strahlte . Alles das in dem Maße , als auf des Tempels Altare dunkel oder hell brannte das heilige Feuer . Und manches arme Weib wischte im Stillen eine Träne ab , denkend , welchem Dienste der Mann fröhne , und nahm sich vor , eine desto treuere Priesterin des Herrn zu sein , und mancher Mann freute sich seines Weibes , dem das Haus alles war , und mancher hatte es umgekehrt . Und manches Kind begriff besser der Eltern Zucht und gelobte willigere Treue . Auch Änneli fühlte sich eigends bewegt , es säuselte in ihm wie himmlisches Wesen , es ward ihm so wehmütig und doch so unaussprechlich wohl . Vor ihm stand ihr Haus in freundlichem Glanze , es durfte desselben sich freuen vor Gott und Menschen ; es fühlte so recht innige Wonne , daß dort sein Eingang , sein Ausgang sei und Christen so einig mit ihm , so freudig des gleichen Dienstes wartend , und die Kinder so treu , anhänglich , nichts Zwieträchtiges zwischen ihnen und kein Zweifel , daß auch sie das Haus im gleichen Glanze erhalten würden , und nicht vor den Menschen nur , sondern auch vor Gott . Es fühlte so recht innig das Glück , wenn Eltern mit Zuversicht sagen können : Jetzt laß deinen Diener im Frieden fahren , und das können sie nur dann , wenn sie sicher wissen , daß ihre Kinder in Gott gewurzelt , ihre Namen im Himmel eingeurbet sind . Änneli war nicht stolz , es betete nicht : » Ich danke dir , Gott , daß unser Haus besser ist als andere Häuser « , aber es freute sich herzinniglich , daß wenn Gott es abrufe , es nicht zu erschrecken brauche , es nicht umsonst auf der Welt gewesen , es das Pfund , welches der Herr ihm gegeben , nicht vergraben , sondern ihm mit Wucher zurückgeben könne : ein Haus , im Herrn erbaut , drei Kinder , im Herrn erzogen , der Welt mächtig , aber ihrer nicht die Welt , und kann eine Hausmutter Höheres , Köstlicheres bringen vor Gott und erwartet er anderes von ihr als ein frommes Haus und fromme Kinder ? Wohl fiel ein Schatten in die Freude , es war der düstere Resli , der nicht klagte , aber wenig lachte , viel schaffte , aber gerne alleine war und dann so trübe war , wie die Mutter im Stillen oft bemerkt hatte ; es war das Bangen , daß er alleine bleiben möchte , der stumme Wunsch , die noch zu sehen , welche einst an ihrer Stelle stehen sollte als fromme Priesterin an des Hauses heiligem Altare . Und dieser Schatten wars , der der guten Mutter Auge trübte ; aber bald glänzte durch die Wolke hell und klar des Vertrauens goldener Stern ; der Herr , der bis hieher geholfen , der alles so wohl gemacht , sollte der nicht ferner helfen , wars nicht getrost ihm zu überlassen , nicht mit ergebenem Herzen zu sagen : Wie du willst , und nicht wie ich will ! Und so faßte Änneli es auch , aufgerichtet und freudig ging es heim ; es war ihm , als ziehe jemand an ihm , so leicht und wohl war es seit Jahren nicht gegangen . Diese Predigt war nicht ohne Eindruck an den Leuten vorübergegangen , hatte Beifall gefunden wie selten eine . Da hätte der Herr recht , sagten sie , ds Hus sei dWürze vo allem , u wenns da fehl , su chönns Korn u Heu gä , so viel es well , es bschüß alles nüt . » Ja « , sagte ein fürwitziger Schneider , » und was mir am besten gefallen hat , ist , daß dr Herr afe selber säge mueß , dSchuel trag nüt ab u dKing lehre nüt drin , emel nüt Guets . Wenn ih myni King nit daheime lehrti , i dr Schuel lehrte si i Gotts Name nüt . Un wenns dr Herr afe selber seit , su mueß es sy . Aber ih hätt nit glaubt , daß er sövli witzig wurd , und o nit , daß ers seyti , wenn ers scho gsäch . Deretwege mueß ih Respekt vor ihm ha , so zu eim cha me dr Glaube ha , daß er seyt , was wahr ist ; aber es sy nit di Halbe e so . « Was das für ein freundliches Heimkommen ist , wenn in allen der Friede Gottes ist , wenn man nichts Störendes daheim hat , die Einen in der Stille des Hauses Geschäfte besorgt , die Andern im Hause des Herrn neue Kraft gefunden , neues Licht , neuen Trost , dann beiderseits sich sammeln um des Hauses Tisch , alles in der Ordnung ist , alles zufrieden ist , die Einen auftragen , was sie daheim bereitet , die Andern mitteilen und zerlegen , was sie in der Predigt gesammelt ; da faßt man es , was Paulus damit meint , Essen und Trinken zu Gottes Ehre , und in solchem Essen und Trinken ist dann auch Gottes Segen . Es wolle hüten diesen Nachmittag , sagte Änneli , es werde öppe Keins von ihnen daheimbleiben wollen ; an einem solchen Tage solle man nichts versäumen , man wisse nicht , wenn man wieder dazu komme . Und wenn der Pfarrer diesen Nachmittag wieder anwende wie am Vormittag , so könne jedes sein Teilchen nehmen , und es wäre schade , wenn eines es nicht hörte . » Es söll mir aber doch öpper Reis heimbringen , es halb Dutzend Pfund oder was . « Sie hatten brichtet , wie dr rot Schade so grusam regier und so bös syg , bi ds Styni Glause seien vier King krank und dMuetter selber auch , Keis chönn am Andere mehr Rat tun und hätten von allem nichts . » Das ist ein schrecklich Dabeisein , und die Leute können mich erbarmen , ich kann es nicht sagen . Wenn ihr heim seid , so will ich noch hin und sehen , wie da zu helfen ist , so kann man die Sache nicht gehen lassen , denk man doch auch , wie es eim selber wär , sövli krank u niemere , das eim hilft , und nüt im Hus und vielleicht kein Mensch , der ihnen zum Doktor geht . « » Muetter « , sagte Christeli , » schicket öppere , es geht Euch scho eis vo dene Meitlene , oder wartet bis morgen . Das ist noch e Plätz bis zu dene Leute , und Ihr seid schon in der Kirche gewesen . « » Von denen Meitlene kann ich keins schicken « , sagte die Mutter , » die sehen nicht , was fehlt , und die Leute wissen es vielleicht selbst nicht oder können es nicht sagen oder dürfen es nicht , und dann weißt wohl , Christeli , wie hässig es einem macht , wenn man krank ist und nicht reden mag und man da immer gefragt wird und Bscheid und Antwort gä söll . Da muß man es einem an den Augen absehen ohne langs Gfrägel . Und wenn die Meitleni scho dr guet Wille hätte , so fehlte ihnen die Erfahrung ; man muß bei solchen Sachen gewesen sein , wenn man wissen will , was nötig ist . « » So wartet bis morgen « , sagte er . » Aber Christeli , was denkest auch , was meinst , wenns dir fehlte und zMittag sagte man es mir und ich antwortete : He nu so de , mr wey öppe luege , wenn es mir sih de schickt , su will ih ihm de morn einist neuis arichte . « » Ja , Mutter « , sagte Christeli , » das zählt sich nicht zusammen , ich bin dein Kind . « » Öppe zählt sich das nicht zusammen , denk doch auch , vier Kinder und nicht nur ein Kind liegen an der wüsten Krankheit , und kann keins dem andern anders helfen als helfe pläre u gruchse . Und dann eine ganze Nacht so , denk , wie lang , wie schrecklich ! « » Aber Ihr könnet da doch kaum helfen « , sagte Christeli . » Das weißt du nicht und ich nicht , aber ich glaube , wohl . Schon das tut ihnen wohl , wenn sie sehen , daß jemand sich ihrer annimmt , daß sie doch auch nicht so ganz verlassen sind . Denk doch , es könnte ja vielleicht eins sterben über Nacht , und niemand wäre da und nähmte es von den Lebendigen weg und legte es beiseite . « » Aber Mutter , du wirst doch nicht über Nacht dort bleiben wollen ? « antwortete der Sohn . » Das weiß ich nicht « , sagte Änneli , » es kömmt darauf an , wie es öppe ist ; aber wenn ich zu rechter Zeit nicht heim sein sollte , so habt nicht Kummer , denket , ich sei dort . Und möglich wärs , daß wenn ich jemand fände , ich nach etwas schicke , was etwa mangeln sollte , gebt es ihm dann . « » Aber Muetter , gang mir nicht , es heißt , dr rot Schade syg ansteckend , schicket es Meitli « , rückte Christeli endlich mit seiner eigentlichen Meinung heraus . » Aber Christeli , Christeli , was sinnest auch , schäm dih ! Welle di guete Lüt sy und öpperem öppis schicke , wo mir nüt gspüre , wo grad ist wie nüt , u drmit es Meitli schicke , wo nüt het as dGsundheit , u die sött es ga opfere , u mir hätte dr Ruehm , un ihm danketi nume niemere , nei Christeli , das ist nie üse Bruch gsi u mit selligem chumm mr nümme . « In den Hütten der Armen ist wohl keine Krankheit , die Cholera etwa ausgenommen , fürchterlicher und ekelhafter als die rote Ruhr , der rote Schaden . Wo vielleicht nur ein rechtes Bett ist und noch dazu ein schlechtes , die Übrigen mit einzelnen Bettstücken sich behelfen müssen , selbst mit Hudeln , bald in leeren Bettstätten , bald auf dem Ofen , vielleicht auch auf den Tischen ; wo kein Glied der Familie mehr als zwei Hemder hat , eins am Leib , eins am Zaun zum Trocknen , kein Vorrat irgend einer Art ist , selbst das Holz für den täglichen Gebrauch zusammengelesen werden muß ; wo man einem , der zu Mittag essen wollte , nichts gekocht fand und klagte , es sei längst zwölf vorbei , antwortete : » Du Narr , we mir esse wey , su luege mr nit a dUhr , mir luege i Kuchischaft , wenn nüt drin ist , su hört me koche , sygs de zwölfi oder nit « ; wo es so ist , da denke man sich das Elend bei einer Krankheit , wo Reinlichkeit , Wäsche Wechsel , Diät und Pflege die Hauptsache sind ! Als nachmittags die Leute heim waren aus der Predigt , machte Änneli sich auf ; niemand widerredete mehr , aber sie boten ihm alle das Geleit an , und als es keins annehmen wollte , baten sie dringlich , es möchte an sein Alter denken und bald heimkommen . So hatte es sich Änneli , welches doch schon bei vielem Elend gewesen , nicht vorgestellt , wie es es fand , daß so alles in allem fehlen könnte , sich nicht gedacht . Es hatte allerlei mitgebracht , also Reis , etwas Wäsche für die Kinder , Brot und selbst in einer Flasche Nidle , weil es gehört hatte , daß sie drangstillend ( einhüllend ) sei . Aber Holz fand es nicht , Butter fand es keine , an Wäsche und Reinigungsmitteln einen schauderhaften Mangel , so daß es ihm fast übel ward . Es waren allerdings , besonders weil es Sonntag war , auch Menschen da ; Einige hatten etwas mitgebracht , Brot , Lebkuchen , selbst Fleisch , und zwar gesalzenes und geräuchertes , andere legten einen Batzen oder sechs Kreuzer dar und jammerten : » Herr Jemer , wie sieht das aus , da hielte ichs wäger keine Stunde aus , nein , das ist afe grüslig . « Andere leisteten einige Handbietung , sagten dann , sie müßten heim , es koche sonst niemand , aber wer ihre Stelle vertrat hier , darum kümmerten sie sich nicht . Man ging ab und zu , frug , antwortete , urteilte daß wahrscheinlich alle stürben bis vielleicht an die Alte wenn sie es ausstehen möchte , aber die Sache in die Hand nahm niemand , ehe Änneli kam . Änneli band das Stückwerk aneinander . So einer verständigen Hausfrau ist es unmöglich , in der Unordnung zu sein , es ist ihr zum Instinkt geworden , jedes an seinen Platz zu stellen und die vereinzelten Tätigkeiten zu einem Ganzen zu ordnen , wo keine Kraft der andern entgegenarbeitet , sondern eine der andern vor und in die Hände . Und das tut so eine erfahrne Hausfrau nicht dadurch , daß sie mit vielem Reden daherbraust wie eine Windsbraut , daß sie unter die Leute fährt und sie auseinandersprengt wie ein Wirbelwind , der über das Heu auf dem Felde kömmt , sondern das geht fast auf die Weise , wie unser Schöpfer es macht ; es steht jedes auf seinem Platz , es weiß eigentlich nicht wie , und jedes bildet sich ein , es hätte eigentlich den Anstoß gegeben und wenn es nicht dagewesen wäre , so wäre es viel z ' übel gegangen ; was ihm , wäre kem Mönsche zSinn cho . Zum Doktor ging jemand und im Vorbeigehen mit Aufträgen nach Liebiwyl , Holz kam herbei für die Not , Butter , Reissuppe übers Feuer , gelüftet ward , gesäubert , und je mehr getan ward , desto weniger ward gestürmt und geschwatze , so daß die arme Frau sagte , es düech se , es well afa bessere , es heyg ere scho viel gwohlet . » Wenn öpper dr Vrstang het , dr Wille wär geng no öppe da ; aber mit em Vrstang , da ist me mängist übel zweg . « Am Abend noch kam Annelisi daher , schwer bepackt und mit dem Auftrage , die Mutter solle heim , es wolle dableiben . Aber es konnte lange reden , die Mutter wollte nicht . Wenn so eine rührige Frau einmal daran ist , etwas in Gang zu bringen , Hand an ein Werk gelegt hat , die Hand kann sie nicht davon abbringen ; sie kriegt eine Art Fieber , kömmt in Jast , den man nicht stellen kann . Zu dem kam noch Zweites . Wer arme Kinder mit Leiden und Tod ringen gesehen , der weiß , daß in ihrem Anblick zumeist etwas unendlich Rührsames liegt . Zumeist ist so armen Kindern von Jugend auf eingeprägt , daß sie eine Last sind , daß Vater und Mutter um ihretwillen so schwer ringen müssen mit dem Leben . Wenn man es ihnen auch nicht deutlich sagte , so sehen sie es doch . Wenn sie ganz klein sind , so kräzt sie die Mutter , nimmt sie der Vater ; so wie sie aber ab deren Armen kommen , so entfremden sie sich auch mehr oder weniger den Herzen , es sei dann ein bsungerbar hübsches u gwirbiges Kind , das sich festzuketten weiß an dem einen oder dem andern Herzen . Es ist aber eigentlich weder Hübschi noch Gwirbigi , es ist Flattierigi der Haken , mit dem es sich ins Herz gehängt . Wie schon tausendmal gesagt worden , es ist jedes Herz , ich möchte fast sagen das wüsteste , liebedurstig ; versteht es nun ein Mensch , und Kindern ist es besonders gegeben ( denn sie sind liebevoll , ehe die Liebe in der kalten Welt zu Eis erstarrt , zur Selbstliebe sich verknöchert und zusammengezogen hat ) , das Brünnlein der Liebe in ein Herz zu reisen , so wird dieses den süßen Trank begierig in sich saugen und das Kind freudig gewähren lassen . Das sind aber eben nur Ausnahmen zumeist und trifft meist die jüngsten Kinder , die noch nicht in der Welt erkaltet , verknöchert sind . Die andern müssen sich selbst behelfen : entbehren , man kann ihnen nicht gewähren , leiden , man hat nicht Zeit , sich zu achten , tragen , man hat nicht Zeit , sich mit ihnen zu plagen . Es ist eine harte Schule für weiche Herzen , und wie viele werden wohl da zerdrückt , und doch liegt in dieser natürlichen Schule eine Art Barmherzigkeit ; es ist eine Schule fürs harte Leben , wie man Baumstecken härtet im Feuer , leider aber oft sie verbrennt dabei , damit sie nicht faulen in Wasser , Schnee und Erde . Es soll sich dabei Ergebung bilden , eine Gewohnheit , zu dulden und zu tragen , ohne zu klagen , und diese eben sieht man so oft bei armen kranken Kindern . Sie schreien nicht , sie weinen nicht ; in glühender Hitze , im ärgsten Fieberfrost liegen sie auf dem jämmerlichsten Lager , ihre Lippen sind braun im Brand ; auf dem Ofen ist ein zerbrochen Geschirr mit etwas Nassem , aber niemand hat Zeit , es ihnen zu reichen , sie schweigen , leiden , ihre Augen richten sich wohl dem Geschirr auf dem Ofen zu , aber sie warten , bis die Mutter im Vorübergehen es merkt und frägt : » Wotsch öppe trinke ? « Wenn man dagegen reiche Kinder sieht in ihrer Begehrlichkeit , in ihrer Unfähigkeit , den Schmerz zu ertragen , wie sie schreien , wenn sie beinahe sich gehauen , und wie ihrer Sieben um sie springen müssen , wenn sie sich wirklich gehauen , und sie doch nicht gschweigen können , so ist es wirklich zum Erbarmen . Man fängt dann wohl an zu werweisen , wer glücklicher sei fürs Leben , das reiche oder das arme Kind , fängt an , immer stärker darüber zu sinnen , warum es so schwer sei und namentlich den Eltern , die rechte Mitte zu treffen für das Leben , so schwer sei , das Herz zu härten für das Leben , es weich zu erhalten für das Lieben . Durch die harte Schule waren auch die kranken Kinder gegangen , sie lagen ergeben , stumm , stumpf , würden Solche sagen , die das nicht verstünden , in ihren Hüdelchen ; was sie dachten , was sie empfanden , ob sie an das Leiden dachten oder an den Tod , von dem so viel geredet ward , oder an Genesung ? Sie gaben kein Zeichen von sich . Aber als die alte , schöne , freundliche Frau sich ihrer annahm , sie säuberte , reine Hemder ihnen anzog , ihnen hülfreich beistand , sie tröstete , ihnen zu trinken gab , weiche , warme Sachen , da war es fast , als ob sie aufwachten , als ob sie wieder reden möchten , und das Kleinste , ein blasses , aber lieblich Mädchen mit krausen , blonden Härchen um den Kopf , fragte : » Bist du öppe my Gotte ? « » Ja , King « , sagte Änneli , » dy Gotte will ih sy . « » Gäll , du gehst nicht von uns , du bleibst jetzt bei uns , bis es für ist u Müetti wieder ufma « , sagte es . » Ja , du guts Kind , ich verlasse euch nicht « , hatte Änneli gesagt , und jetzt konnte es wirklich nicht fort . Die Kinder , und besonders das blasse , blonde , hatten es gefesselt , es war ihm , als ob es ihre Großmutter wäre und als ob Gott , wenn es sie verließe , sie aus seiner Hand fordern würde . Dieses sagte Änneli Annelisi freilich nicht , sondern anderes ; aber es ist ja so häufig so , daß wir viel sagen , aber gerade das nicht , warum wir etwas gesagt , warum wir das wollen und nicht was anderes . Von wegen , was wir nicht wissen , können wir nicht sagen , und wie oft geschieht es uns nicht , daß wir etwas wollen , wir wissen nicht warum , der Entschluß steigt uns auf als wie ein Gespenst aus dunkelm Schlunde , und erst wenn es so da vor uns steht , suchen wir nach Gründen , sein Dasein zu rechtfertigen . Eine rechte Reisbrühe zu kochen für diesen Fall wüßte niemand , sagte Änneli , man koche das Ding gewöhnlich ein wenig , aber den Reis verkoche man nicht ; wenn man anrichte , so sei das lautere Wasser obenauf und der Reis hocke ganz am Boden , und dHauptsach bei einer solchen Brühe sei , daß sie schleimicht sei , anhänke in den Därmen , wie der Doktor gesagt habe ; eine solche Brühe wolle es selbst kochen . Dann müßten die Kinder Dokterrustig nehmen ; die Frau sage zwar , man könnte innen nichts beibringen , sie nähmten nichts . Das müsse nun sein , und wenn sie jemand etwas abnähmen , so nähmten sie es von ihm , sie seien jetzt an ihns gewöhnt , und es wolle das einmal probieren . Es gehe ihm schier leichter , jetzt hier zu bleiben , als heimzulaufen . Am Morgen könnten sie ihm dann Roß und Wägeli schicken , und wenn jemand kommen wolle , ihns abzulösen , so sei es ihm recht , daneben , wenn einmal die Sach im Gang sei , so werden sich wohl Leute aus der Nächsemi zeigen . Aber vergessen solle man nicht , noch Haberkernen zu bringen und von denen Bettdecken eine , wo im Spycher hingen . Gäb was es sich sträubte , Annelisi mußte gehen , und gäb was die arme Frau dagegen einwandte , Änneli blieb als Wärterin . Sie dürfte das nicht annehmen , sagte die Frau , sie wüßte nicht , wie es vergelten . Öppe so bei einer Kindbetti , da wollte sie nichts sagen , da sei es der Brauch , da hätte öppe eine Frau die andere nötig , und sie sei manchmal froh darüber gewesen , aber bei einer solchen Krankheit hätts afe ke Gattig . Wenn man das Trinken auf den Ofen stellen wollte , so wollte sie sehen , wie sie es mache . Sie weinte , als Änneli auf seinem Willen bestand , und meinte , sie hätte nicht geglaubt , daß so eine gute Frau auf der Welt noch lebe , und noch so eine vornehme und wo selligs nit nötig hätt auf der Welt und nit für e Himmel , weil sie sonst schon darein käme und ihn für gwüß hätt . Aber wie ihr das Erwarmen wohltäte , weil sie nicht immer auf sein müsse , sie könne es nicht sagen . Endlich kam Zeug und das Versprechen , der Doktor werde morgen früh da sein ; man solle alle Stunden von der Rustig geben und Brühe z ' trinke , so streng man möge . Vielleicht , daß dann noch müsse kristiert sein . » E aber nein « , sagte die Frau , » sövli Hung wird er doch nicht gegen uns sein wollen , sövli , daß wir schon aufmüssen , wird er uns doch nicht noch mehr kujinieren wollen ! « » Habe nicht Kummer , Frau , nimm jetzt und schlaf dann ein wenig . Lue , aufs Doktern verstehen ich und du uns nicht , und manchmal ist , was unser Gattig Lüt ds Dümmste dunkt , ds Witzigist « , sagte Änneli . Darauf machte es sich an die Kinder , die sonst keinen Zeug einnehmen wollten . Schmeichelnd fing es beim Jüngsten an , versprach gute Brühe , und das Kind nahm und sagte , das sei fry guet , es hätte nicht geglaubt , daß Dokterzüg so gut sei . » Hast du noch nie gehabt ? « fragte Änneli . » Nein , aber man hat mir oft gesagt , ih söll folge un is Bett , sust werd ih krank u de gäb me mr Dokterzüg , u das steych vom Tüfel u dräyh eim ganz zringsetum und syg yznäh öppis schröckligs . « » Jä so « , sagte Änneli . Auch die andern Kinder nahmen ein , teils weil das Jüngste es genommen hatte , teils weil sie der freundlichen fremden Frau es nicht recht weigern durften . Die Nacht war eingebrochen , die Mutter schlief ; Änneli das beständig beschäftigt war , bald mit den Kindern , bald mit Kochen und andern Dingen noch , wollte Licht machen , fand die Lampe , aber kein Öl dazu , gäb wie es suchte an allen Orten , wo man sonst das Öl zu haben pflegt ; leise fragte es eins der Kinder darnach . » Wir haben schon gestern keins mehr gehabt « , antwortete das Kind . Glücklicherweise war es Mondschein und sehr helle , indessen unbequem war es jedenfalls . Wenn Änneli zuweilen absitzen konnte , so mußte es immer und immer wieder denken : Kein Öl und vier krankne Kinder ! Unsereim weiß doch wahrhaftig nicht , wie es solche Leute haben , wir haben es viel zu gut . Wie wäre mir doch , wenn was mangelte , gäb wie leicht , in meiner Haushaltung , und nur eine Nacht lang , es legte mich schlaflos , und wenns nur kein Kaffee wäre oder kein Mehl und ich wüßte , den andern Tag könnte ich deren wieder haben , so viel ich wollte . Und hier nichts , kein Geld , kein Brot , von allem nichts , und alle krank ! Nüt ha u nit wüsse wo nah , nein , das stünde ich nicht aus ! Und doch würde ich müssen , dachte es , wenn unser Herrgott es wollte , aber ich weiß nicht , wie mir wäre . Und doch müßte ich es ertragen , wenn Gott es wollte ! Oh , wenn man geben kann man weiß nicht , wie es einem anders ist , als wenn man nehmen muß . Und wenn ich meine Kinder auch so hätte müssen liegen sehen in schlechten Hüdlene , so matt und mager , nichts als die Haut über die Beinchen , Herr Jemer , wenn ich eins von ihnen noch so sehen müßte , nein wäger , das ertrüge ich nicht ! Und wenn mir Gott die Wahl ließe zwischen dem Reichtum und den Kindern , entweder sie so sehen ohne alle Sachen , in schlechtem Bett , oder sie gar nicht zu haben : was lieber ? Ach Gott , ach Gott , dachte Änneli , wie gut ist doch der da oben , daß er einen nicht in Versuchung führt , solche Fragen nicht tut , es macht , wie ers am besten findet ! Aber wenn ich denken müßte , ich müßte alles , alles geben und hätte nichts mehr für meine Kinder , und sie lägen so da und ich könnte nicht einmal für sie betteln , es würde mir das Herz zerreißen , und doch gäbte ich sie nicht . Was hülfs mir , reich zu sein , wenn ich keine Kinder mehr hätte , da müßte ich mich ja zu Tode weinen und könnte nichts mehr sagen als : Hätt ih se doch no , hätt ih se no ! Wie doch das ein hübsches Kind ist , mußte es denken , als es das kleine Mädchen aufheben mußte und der Mond auf dessen Gesichtchen sich spiegelte , durch die Locken schimmerte , golden sie säumte . O du armes Kind , was wird aus dir werden , wie bös wirst du es einst haben und wie reich wäre manche Frau , wenn sie dich hätte ! Da lägest du in einem andern Bettchen , und wer weiß , was du für Aufwart hättest ! Gott hat es so gemacht , er wird wissen warum . Aber unsereim begreift es nicht . Ach , man begreift so manches nicht ! Warum der armen Frau nicht mehr geben , mit Minderem könnten wir es ja auch machen und müßten doch lange nicht so wohnen und hätten noch lange Geld für Öl ! Aber so hat ers gemacht , es wird gut sein so und muß gut sein , dHauptsach ist