heiligen Ehestand , zündete ihnen mit hochgehaltenem Lichte der Pfarrer selbst hin , aus und gab ihnen einen guten Abend mit für die Base und für den Vetter auch . Draußen hatte der Schneesturm aufgehört , zerrissene Wolken jagten durch den Himmel , einzelne Sterne flimmerten in den lichten Zwischenräumen , in ein weißes Schneegewand war die Erde gehüllt . Stillschweigend wanderten sie durch das Dorf , wo die Bewohner hinter ihren kleinen runden Scheiben um düstere Lampen saßen , die Spinnräder lustig schnurrten , lang ausgestreckt das Bein von manchem Hans Joggi um den Ofen blampete . Hie und da bellte ein Ringgi sie an , sonst nahm sie niemand wahr , überflüssig war ihre Vorsicht , schweigend und leise durchs Dorf zu eilen . Zum Schweigen trugen auch ihre vollen Herzen bei , in denen gar manches ernst und heiter sich wälzte , während rasche Wolken vorübertrieben , zwischen denen heiterere Sterne funkelten in immer größerer Menge , bis die letzte Wolke entschwunden war , in heiterem Blau Stern an Stern sich reihte , in heiterer Pracht ein funkelnder Himmel sie überstrahlte , die düstern Lämplein zurückblieben unter des Dorfes düstern Dächern . Da umfaßte schweigend Vreneli seinen Uli , blickte hell und strahlend ihm ins Auge , strahlende Augen hoben sich auf zum strahlenden Himmel . Die verschwiegenen Sternlein hörten heilige Gelübde , horchten lautlos den heiligen Gedanken , welche leise und wonnereich die Herzen der seligen Brautleute füllten , die still und leise ihren Heimweg gingen , den ihnen Gottes eigene Hand mit des Himmels Blüten , mit reinem , unbeflecktem Schnee bestreut hatte . Näher und näher rückte der verhängnisvolle Hochzeittag . Schon waren des Vetters ins Stöckli gezügelt ; die Base ließ das Haus von oben bis unten fegen und ribeln , wie sehr auch Vreneli wehrte , daß in dieser kühlen Jahreszeit solche Arbeit nicht viel abtrage , aber ungesund sei . Sie wolle das Haus nicht übergeben wie einen Schweinstall , sagte sie , und die Leute sollten ihr nicht nach ihrem Tode nachreden , wie sie ihr Haus übergeben . Aber man sinne nicht , daß wenn so viel draußen zu tun sei und man so viel Land habe , man im Hause nicht machen könne , was man wolle , und nicht alle Freitage fegen wie die Herrenfrauen . Der Tischmacher hatte seine Arbeit gebracht , Schneider , Näherin waren endlich unter Schweiß und Angst zu Ende getrieben worden , aber der Schuhmacher wollte nicht rücken , der kam nicht und kam immer nicht , der hatte seine Freude daran , warten zu lassen , sein Wahlspruch war : Ihr wartet wohl , bis ich komme . Vreneli verredete sich , der habe ihm die letzten Schuhe gemacht , und sollte es fürder barfuß laufen , und es hielt sein Gelübde . Wie an einem Samstag vor einem heiligen Sonntag , der fast unwiderstehlich feierliche Gefühle den Herzen aufdringt , fast wie am Vorabend seiner Admission war es ihm am Tage vor der Hochzeit zumute . Sinnig und ernst waltete es im Hause , vielleicht hatte es noch nie so wenig geredet als an diesem Tage . Es war ihm manchmal , als ob es weinen sollte , und doch hatte es ein freundlich Lächeln für alle , die ihm begegneten . Es versank zuweilen in ein Sinnen , wo es sich , Ort und Zeit , alles , alles vergaß ; es wußte nichts von sich selbst , wußte nichts von seinem Sinnen . Wenn dann jemand es anredete , so fuhr es auf wie aus tiefem Schlafe , es war ihm , als ob es erst jetzt wieder Ohren und Augen bekäme , als ob es aus einer andern Welt wieder auf Erden fiele . Als sie am Nachtessen saßen , knallte es unerwartet auf dem Hügel neben dem Hause , daß alle hoch auffuhren . Es waren die Knechte und einige Tagelöhner , die die Ehre der neuen Meisterleute der Welt verkünden wollten . Es liegt in diesem Schießen und Knallen bei Hochzeiten ein tiefer Sinn , schade nur , daß so manches Menschenleben dabei gefährdet wird ; Kein widriges Horngeheul klang dazwischen , keine gräßliche Trosselfuhr , wie Neid oder Feindschaft sie Brautleuten bringen , störte den friedlichen Abend . Die Base gab allerlei Ermahnungen , hatte mitunter auch allerlei Späße , brachte Finkenschuhe , Handschuhe und was sie auftreiben konnte , um am frostigen Morgen vor Kälte sie zu schützen . Früh wollten sie fort . Uli wollte in seiner Heimat Hochzeit halten , wo Vetter Johannes wohnte . Er sagte , es koste dort weniger . Aber inwendig in ihm war etwas anderes , das ihn heimtrieb . Seine schöne Braut , das stattliche Fuhrwerk zeigte er gerne daheim . Man sollte daheim doch auch wissen , daß er aus einem Hudelbub ein Mann geworden , und er wollte es gerne erzählen zu Nutz und Frommen von Vielen , wer ihn dazu gemacht und wie . Unerwartet rief Joggeli ihn noch ins Stübchen und sagte ihm : Rühmen und Flattieren sei nicht seine Art , so lange er dagewesen , habe er ihm nicht viel gesagt ; aber daß er zufrieden sei mit ihm , das hätte er sehen und daraus abnehmen können , daß er ihm das Gut so gegeben , ein Fremder hätte es nicht so erhalten . Der Tochtermann habe ihm noch gestern geschrieben , er solle , statt so viel in die Schatzung zu geben , eine Steigerung darüber halten ; er löse ein großes Kapital , das er ihm zu fünf oder sechs verzinsen wolle . Aber er wolle seine Sachen nicht versteigern , und was er geschrieben habe , das habe er geschrieben . Zum Zeichen der Zufriedenheit wolle er ihm aber noch etwas tun . Er solle das Päckchen nehmen , es sei etwas an die Kosten des morndrigen Tages . Er wisse , Uli sei huslich und halte jetzt besonders sein Geld zusammen , aber morgen solle er nicht sparen und sich gehen lassen . Huslichkeit sei eine schöne Sache , aber am Hochzeittage dürfe man nicht auf den Kreuzer sehen ; wo es geschehe , sei es meist eine böse Vorbedeutung ; wenn die junge Frau halb hungrig heimkomme und pläre , so komme das selten gut . Uli weigerte sich erst , dankte vielmals für alle schon erhaltenen Vergünstigungen , versprach noch einmal alles Gute und nahm es endlich doch , obgleich er es nicht bedürfe und dafür Geld gerüstet hätte . Da lachte die Mutter : Das werde ein Haufen sein , sie könne es sich schon denken ; sie wisse , wie er es habe . Was er Ungerades zu einem Neutaler habe , das werde gerüstet sein , aber wechseln werde er kaum etwas lassen wollen . Ei , sagte Uli , wenn man das Geld genug verdienen müsse , so zähle man die Batzen , ehe man sie ausgebe , und jetzt könne er gar nicht begreifen , wie man an einem Tage so mir nichts dir nichts verhudeln könne , was man mit saurer Mühe während sechs Tagen an Wind und Wetter verdient habe . Ehedem hätte er es auch nicht so gehabt . Aber für morgen hätte er nicht sparen wollen und möchte gerne noch seinen alten Meister und dessen Frau einladen . Zwei Kronen oder sechzig Batzen sollten ihn nicht reuen . Da lachte das alte Ehepaar gar herzlich , selbst Joggeli , der es sonst selten tat . » Nu nu , « sagte er , » es ist nicht Gefahr , daß du um deine Sache kömmst , wenn du nie mehr brauchst und noch Leute zu Gast haben willst . Es ist gut , daß ich noch etwas nachgebessert , sonst hätte Kohli Hunger haben müssen , und du hättest noch manchen Tag ein saures Gesicht gemacht über das zu viel gebrauchte Geld , und ds Vreni , weil du ihm Hunger und Durst gelassen . Gute Nacht ! « Uli aber hatte keine gute Nacht . Früh um drei wollten sie fort . Der Stunden waren also wenige bis dahin , aber sie wollten nicht vorbei . Er konnte nicht schlafen , gar vieles bewegte ihn , warf ihn unruhig hin und her , und alle halbe Minuten griff er nach der Uhr . Die ganze Bedeutung , in die er treten sollte , wälzte sich in ihrer ganzen Schwere auf seine Seele . Dazwischen gaukelten liebliche Bilder , und Vreneli in seiner ganzen Holdseligkeit tanzte vor seinen geschlossenen Augen . Noch nicht lange war die Geisterstunde vorüber , als er das Bett verließ , um dem Pferde sein Futter zu geben und es gehörig zu putzen und zu striegeln . Als er mit dieser Arbeit fertig war , ging er zum Brunnen und begann das Werk auch an sich . Da umfingen ihn wieder schalkhafte Hände , und Vreneli brachte ihm den holden Morgengruß . Ein Vorgefühl hatte es zum Brunnen geführt , und sie kosten in kalter Morgenluft , als ob laue Abendwinde säuselten . Das Beängstigende , Drückende schwand ihm nun , und rasch förderte er die Vorbereitungen zur Abfahrt . Bald konnte er in die Stube zum warmen Kaffee , den Vreneli gekocht und zu dem die Base weißes Brot und Käse gerüstet hatte . Wenig Ruhe hatte das Meitschi am Tische , der Kummer , etwas zu vergessen , ließ es nicht rasten ; das Zusammengelegte wurde immer wieder besehen , ob nichts fehle , und doch wären die Finkenschuhe der Base bald zurückgeblieben . Endlich stund es fix und fertig da , holdselig und schön . Die beiden Mägde , die der Gwunder aus dem Bette getrieben , umleuchteten es mit ihren Lampen und waren so in Bewunderung vertieft , daß sie vergaßen , daß das Öl Flecken mache , daß das Feuer zünde ; bald wäre Vreneli in Öl getränkt im Feuer aufgegangen . Ach , in der armen Mägde fleischichten Herzen wogte das Verlangen : ach , wenn sie doch einmal so schöne Kleider hätten , so würden sie auch so schön sein wie Vreneli , dann könnten sie auch einmal mit einem so schönen Mann zHochzyt ryten ! Lange vor drei Uhr fuhren sie in den kalten , bereiften Morgen hinaus . Es ist seltsam , wie froh und frei es einem im Gemüte wird , wenn man des Hauses beengende Schranken verläßt , von den allenthalben einem entgegentretenden Geschäften sich wendet und hinaustritt in einen hellen Morgen Gottes . Da geht es einem weit vor den Augen auf , weit wird das Herz , und kühnen Mutes schlägt es dem Leben entgegen , dem Leben , rosenrot gefärbt durch das junge Morgenlicht . Wenn der Abend wiederkömmt , dann kehrt in die müden Glieder das Sehnen ein nach des engen Hauses Ruhe , jede kleine Mühe wird zum Berge , der seufzend bezwungen wird , und erst leuchtet das matt gewordene Auge wieder auf , wenn das düstere Häuschen sichtbar wird , wenn das dunkle Kämmerlein sich zeigt , wo Ruhe ist für die müden Glieder , wo das an Heimweh kranke Herz heilende Schranken findet . Fröhlichen Gemütes fuhren sie der Stunde entgegen , in der ihr Bund fürs Leben geheiligt werden sollte ; ein fröhliches Vertrauen zu sich und Gott hatte sich auf erbaut in ihren Herzen , sie zweifelten nicht an ihrem Glücke . Fröhlich küßte Uli sein Mädchen , er wußte , die verschwiegenen Sterne plauderten es nicht aus . Er hatte seine Freude an Vrenelis kalt angehauchten Wangen , die , sobald er sie berührte , zu schwellen und zu glühen begannen , als ob sie nur die Wölbung wären des geheimen Feuerherdes , der bei jedem männlichen Hauche zu flammen und zu sprühen beginnt . Er hatte den Mut , zu sagen : Das sei doch ein ander Küssen als auf Elisis kalte Backen , die ihm immer vorgekommen wären wie eine weseme Rübe , und es sei ihm immer gewesen , als müßte er den Pfnüsel bekommen , wenn er ihm ein Müntschi habe geben müssen . Vreneli nahm diese Rede nicht übel , fügte nur bei : Was dahinten sei , das sei gemäht , es wolle es vergessen . Aber für die Zukunft verbitte es sich das Untersuchen , ob andere Backen heiß oder kalt seien . Wenn er ihm ds Herrgetts wäre , so etwas zu machen , es wüßte nicht , was es anfinge , aber gut ginge es nicht . Unter solcher Rede und Gegenrede erbleichten die flimmernden Sterne und suchten ihre himmelblauen Bettlein , und die gute Mutter Sonne begann ihnen den goldenen Umhang darum aus funkelnden Lichtesstrahlen zu weben , damit ihr keusches Niedergehn , ihren unschuldigen Schlaf neugieriger Sünder Augen nicht beflecken möchten . Der Reif schüttelte seine Locken mächtiger ; durch die Sonne von den Sternlein weg , dem dunkeln Schoß der Erde zu getrieben und von den himmlischen Liebchen verjagt , versuchte er mit irdischen zu kosen , wollte um Vreneli sich legen , seine kalten Arme schlingen um das warme Mädchen , sein weißer Hauch spielte schon in den Spitzen von Vrenelis Kappe . Das Mädchen schauderte zusammen und bat Uli , sich flüchten zu dürfen in ein warmes Stübchen nur einen Augenblick ; es schüttle ihns durch und durch , sie kämen immer noch früh genug . Uli lenkte alsobald unter einen Herberge darbietenden Schild , und Vreneli suchte Schutz vor dem kalten Liebhaber in einer Gaststube . Dort ist des Morgens gewöhnlich ein wüstes Sein , sie mahnt an eines Trunkenen Erwachen und Katzenjammer ; indessen wenn es draußen kalt ist , so nimmt man vorlieb , auch wenn der Ofen nur verglimmende Wärme hat . Das Pferd war bald eingestallet , desto schwerer aber das Stubenmädchen zu wecken , welches das Aufstehen vor hellem Tage nicht liebte , nicht gerne sein abgeschossenes Angesicht zeigte , ehe die Sonne darauf scheinen konnte . Endlich kam es verstrupft dahergeschlarpet . Es war , als ob es bei jedem Schritt ein Bein oder gar beide verlieren müßte , und vor Gähnen konnte es lange , lange nicht fragen , was ihnen lieb wäre . Lange , lange gings , bis endlich der bestellte warme Wein kam , den man fast siedend trinken mußte , wenn man sich nicht verspäten wollte . Schon acht Batzen , dachte Uli , als er die Ürti hörte , und ein Batzen dem Stallknecht , macht neun . Es ist gut , daß mir Joggeli etwas beigeschossen , ich käme sonst mit fünfzig Batzen nicht aus ! Somit zog er das Päckchen , das er für ein neutaleriges Münzpäckchen eingesteckt , hervor , klaubte es auf und wollte abschaffen . Als er es endlich offen hatte , waren lauter Fünfbätzler darin und fünfzig an der Zahl . Er war eigentlich erschrocken , als sie ihm so unverhüllt auf der Hand lagen , und sagte immer : » Lue doch , Vreneli , lue doch , was mir Joggeli gegeben ! Wenn ich das gewußt hätte , ich hätte ihm nötlicher gedankt . « » Das kannst du ja immer noch « , sagte Vreneli , » das Beste ist , daß du es hast . Ich hätte das aber von Joggeli nicht erwartet . Mir hätte er auch etwas geben können . Er hat mich nicht einmal gefragt , ob ich einen Kreuzer Geld habe , und doch weiß er wohl , wie bös das Zeichen ist , wenn eine Hochzeiterin kein Geld im Sack hat . Aber ich glaube , er möchte mir es gönnen , wenn ich mein Lebtag keinen Heller zum Brauchen hätte . « » Da , « sagte Uli , » nimm die Hälfte , es gehört dir wie mir . « » Nein , Uli , « sagte Vreneli , » was sinnest doch ? Ich habe Geld genug , und wenn ich keines hätte heute , so wollte ich doch , Zeichen hin , Zeichen her , Geld haben , so lange als du welches hast . Zähle darauf , ich will ein freines Fraueli werden , wenn du ein Mann bist , wie es sich gehört ; aber wenn du mich unterntun wolltest und vogten , daß ich nichts sagen , nichts haben sollte , so will ichs mit dir probieren , wer Meister werden soll . Du weißt nicht , wie bös ich sein kann . Ich habe mich mein Lebtag wehren müssen , es hat mich immer alles unterntun wollen , und niemand hat es gekonnt . Da kann ich das Wehren , und ich glaube immer , du brächtest so wenig ab als die Andern , ds Cunträri . « » Aber wir wollen nicht probieren « , sagte Uli , » ich glaubs , ich käme zu kurz mit dir . Du kannst ja alle um einen Finger wickeln und sie merkens nicht einmal . Ja nicht einmal spaßen wollen wir darüber , liebs Meitschi , sonst hörts der Böse und sucht beim Einen oder beim Andern aus dem Spaße Ernst zu machen . Ich habe einmal meine Großmutter sagen hören , es sei von gar schwerer Bedeutung , was man am Hochzeitmorgen rede , und je näher man der Kirche komme , um so schwerer werde die Bedeutung . Da sollte man eigentlich an nichts anderes denken als an den lieben Gott und seine Engelein , wie die in Friede und Freude mit einander lebten und den Menschen alles Gute brächten und gönnten , und sollte nichts anderes reden als mit dem lieben Gott , daß er bei einem bleiben möchte am Abend und am Morgen , im Hause und auf dem Felde , im Herzen und im Wandel , und daß seine Engelein über einem wachen möchten jahraus jahrein , damit kein böser Geist Gewalt über einem bekäme und keiner zwischen Beide hineinkäme . Sie hat manchmal gesagt , wie es ihr angst geworden sei , als mein Vater und meine Mutter mit einander gelacht und im Spaß gestritten und viel Weltliches geredet . Da sei es nicht lange gegangen , so seien die bösen Geister gekommen , Beide seien früh in der Welt untergegangen , und wir seien arme Kinder geworden , allen Leuten im Weg und zweg zum Verderben , wenn sich nicht Gott ganz apart unserer erbarme . Gottlob , er hat es getan , aber der Großmutter Wort kann ich nicht vergessen , und je näher wir jetzt kommen , desto ernsthafter wird es mir im Herzen . Es ist mir fast und doch nicht ganz wie beim Sterben : da geht man auch so einem Tor entgegen und weiß nicht , was dahinter ist , und dahinter kann die Seligkeit sein oder die Hölle . Und wenn man schon mehr oder minder glaubt , es sei die Hölle oder die Seligkeit , die einem wartet , so weiß man doch nicht , wie die Seligkeit ist und wie die Hölle ist , und beide sind sicher viel anders , als man glaubt , die Seligkeit viel süßer , die Hölle viel bitterer . Da klopft mir das Herz immer mehr , ich muß mich fast schämen , und doch kann ich es nicht verbergen . « » Meine Eltern sind nie zusammen z ' Kilche gegangen , « sagte Vreneli , » und ich habe es entgelten müssen . Während Beide noch gelebt , bin ich doch ein arm , verstoßen Waischen gewesen und alle bösen Geister haben mir aufgelauert , aber Einer hat mich behütet . Wer weiß , ob nicht auch ein frommes Großmütti für mich gebetet oder gar mich behütet und beschützt hat , vom lieben Gott verordnet . Nein , Uli , ich begehre nicht zu spaßen ; ich möchte nicht , daß einmal wieder arme Kinder unsere Sünde entgelten müßten . Und wer weiß , wenn wir recht fromm sind und unsere Kinder dem Herrn zuführen , ob dann nicht Gott um unsertwillen unsern Eltern ihre Sünden vergibt . Nein , Uli , glaub , es ist mir nicht ums Spaßen , es ist mir gar ernst im Gemüt ; aber ich habe gar oft spaßen müssen , um den Leuten nicht zu zeigen , wie es mir im Herzen ist , und mit dem Lachen habe ich das Weinen vertrieben , um nicht ausgelacht zu werden . Und um die Meisterschaft wollen wir nicht streiten , da behüte mich Gott davor . Ich habe mich dir ergeben und will dir auch gehorchen , solange du mich lieb hast , und will tun , daß du mich alle Tage lieb haben kannst , will keine Zyberligränne werden . Nicht daß ich mich nicht auch wehren würde , wenn du mich quälen , zu deinem Hund machen wolltest ; ich glaube , ich würde ein böser Tüfel , ich könnte weiß Gott nicht anders . Aber das tust du nicht , und wo mich jemand lieb hat , da gehe ich für ihn durchs Feuer , Uli , weiß Gott , noch heute , wenn es sein muß . Sieh , ich verspreche es dir schon hier , und der liebe Gott wird es auch hören , ich will immer Gott vor Augen haben und mit dir zu Gott beten , wann du willst . Aber zürnen mußt mir auch nicht , wenn ich zuweilen lache , singe und springe . Glaub mir , ich habe schon manchmal dar , über nachgedacht , wenn eine alte Frau mit mir gekifelt hat , wie ich immer lachen und springen möge und so leichtsinnig sei ; aber ich fand mich sicher nie frömmer , als wenn ich so recht fröhlich im Gemüte war , da ists mir oft , ich möchte über alle Berge aus und dem lieben Gott um den Hals fallen oder möchte für jemand sterben , möchte allen Leuten Gutes tun . « » Bhüetis , « sagte Uli , » das Lachen und Lustigsein habe ich gar gerne ; aber steh , dort ist der Kirchturm schon , und da ist mir die Rede der Großmutter in Sinn gekommen und ich habe gedacht : wie man auch nicht lache und spaße , wenn man das Nachtmahl nehmen will , so solle man auf jedem Gange , den man eigentlich zu Gott tut , an Gott denken und ihn bitten , daß er einem dazu verhelfe , zu halten , was man ihm versprechen wolle . Sieh , da fliegen uns Tauben entgegen , eine ganze Schar , und sieh , die zwei weißen darunter , wo dort zusammen fliegen , das ist eine gute Vorbedeutung für Frieden und Eintracht . Es ist mir fast , wie wenn der liebe Gott unseretwegen ein Zeichen getan , daß es gut kommen werde . Meinst du nicht auch ? « Und Vreneli drückte Uli die Hand , und in stiller Andacht weilten sie , bis der Stallknecht des Pferdes Zügel nahm und sagte : » Es ist gut frisch diesen Morgen . « Es war da eins der guten alten Wirtshäuser , in denen die Leute nicht alle Jahre wechseln , sondern eine Generation die andere ablöst . Diese saßen eben an ihrem Kaffee , als die Brautleute hereinkamen , und erkannten alsobald Uli . Nun eine recht freundliche Begrüßung , und sie mußten , sie mochten wollen oder nicht , zu ihnen sitzen und mithalten . Sie sollten doch nicht Umstände machen , hieß es , das sei ja zweg , und an einem so kalten Morgen tue einem nichts wöhler als ein Kacheli warmer Kaffee . Vreneli tat etwas zimperlich : Es sei uverschant für ihns , da zuechezhocke , als ob es da daheim wär . Die Wirtin aber musterte es , bis es saß , gschauete es dann und begann dem Uli zu rühmen , wie er eine hübsche Frau habe ; lange Zeit sei keine brävere dagewesen . Es freue sie , daß er seine Sache so gut mache , er hätte sie alle gereut , als er fortgekommen . Es freue einen immer , wenn einer zwegkomme . Nit , sie wolle nicht sagen , es gebe auch Leute , die das nicht leiden mögen , aber deren seien doch nicht recht viel . Ob der Pfarrer wohl auf sei , fragte Uli , er sollte vorher noch zu ihm . Er werde wohl , hieß es , bsunderbar an einem Freitag , wo gewöhnlich Leute kämen . Nit , sie wollten sonst nicht sagen , daß er von den Frühsten sei , er möge das Liegen wohl erleiden ; aber er sei afe von den Alten , und da sei es ihm wohl zu gönnen . Aber er hätte einen Winter einen Vikari gehabt , den hätte man vor den achten nie sehen können , und das habe alle Leute geärgert , daß sie so einen faulen Vikari haben müßten . Darauf fragte Uli : Ob es wohl der Brauch sei , daß er ihns gleich mitnehme ? Nein , hieß es , selten warte man im Pfarrhaus . Nachher gingen wohl Viele zusammen hin , den Schein zu holen . Was aber so die Scheuen seien oder die , welche glaubten , der Pfarrer hätte Ursache , ihnen etwas zu sagen , die kämen gleich wieder ins Wirtshaus , und nur die Kerleni gingen hin . Nachdem Vreneli das Mitkommen von der Hand gewiesen und Uli noch befohlen hatte , daß man seinem Meister Bescheid mache , er und seine Frau sollten doch kommen , machte er sich auf . In seiner stattlichen Kleidung und in dem düstern Stübchen erkannte ihn der Pfarrer nicht gleich , hatte dann aber eine rechte Freude . » Ich habe gehört , « sagte derselbe , » du seiest zweg , bekommest ein gutes Lehen , eine gute Frau und habest schön Geld erspart . Das tut mir gar wohl , wenn ich eine Ehe einsegnen kann , von der ich hoffe , daß sie in dem Herren bleibt . Daß du etwas erspart , ist nicht die Hauptsache , aber du hättest es nicht und man hätte dir nicht so viel anvertraut , wenn du nicht brav und fromm wärest , und das ists , was mich eigentlich recht freut . Das Weltliche und das rechte Geistliche sind viel näher bei einander , als die meisten Leute glauben . Sie meinen , um recht wohl zu sein auf der Welt , müsse man das Christentum an den Nagel hängen , und das ist gerade das Gegenteil ; daher das beständige Klagen in der Welt , daher betten sich die meisten Menschen so , daß sie liegen wie in Nesseln . Frage dich nur selbst , ob es dir so wohl wäre , wenn du ein Hudel geblieben , verachtet von allen Leuten . Was meinst du wohl , was für einen Hochzeittag hättest du erlebt ? Denke dir recht , was du für Eine erhalten und was für Aussichten du gehabt und was die Leute gesagt hätten , wenn sie euch hätten zur Kirche gehen sehen , und stelle dagegen , wie es heute ist , dann ermiß den großen Unter , schied . Oder was meinst du , ist das blinde Glück , der Zufall , das sogenannte Gfell schuld daran ? Die Leute sagen immer : Ich habe das Gfell nicht , es ist heutzutage nichts mehr zu machen . Was glaubst du , Uli , ist es bloß das Gfell ? Hättest du dieses Gfell auch gehabt , wenn du ein Hudel geblieben ? Aber eben das ist das Unglück , daß die Leute durch das Gfell glücklich werden wollen und nicht durch ein frommes Leben , bei dem der Segen Gottes ist . Da ists nun ganz recht , daß die , welche nur auf das Gfell warten , vom Gfell betrogen werden , bis sie wieder zur Erkenntnis kommen , daß am Gfell nichts , aber an Gottes Segen alles gelegen sei . « » Ja , Herr Pfarrer , « sagte Uli , » ich kann Euch nicht sagen , wie wohl es mir ist gegen damals , wo ich einer von den Schlechtern gewesen bin , die auf der Gasse herumgelaufen . Aber es kömmt doch auch etwas auf das Gfell an , denn wäre ich nicht zu so einem guten Meister gekommen , so wäre auch nichts aus mir geworden . « » Uli , Uli , « sagte der Pfarrer , » war das Gfell oder Gottes Fügung ? « » Das ist das Gleiche , meine ich « , antwortete Uli . » Ja , « sagte der Pfarrer , » es ist das Gleiche , aber gleichgültig ists nicht , wie man sagt , darin liegt eben der Unterschied . Wer vom Gfell redet , denkt nicht an Gott , dankt ihm nicht , sucht seine Gnade nicht , er sucht das Gfell von und in der Welt . Wer von Gottes Fügung redet , denkt an Gott , danket ihm , sucht sein Wohlgefallen , sieht in allem Gottes Leitung ; er kennt weder Gfell noch Ungfell , sondern alles ist ihm Gottes gütige Leitung , die ihn zur Seligkeit führen will . Die verschiedene Redensart ist der Ausdruck einer verschiedenen Gesinnung , einer verschiedenen Ansicht des Lebens ; darum liegt ein so großer Unterschied in den Worten , und es ist wichtig , welche man braucht . Und meint man es auch gut , so macht es einen , wenn man nur von Gfell redet , leichtsinnig oder mißmutig ; redet man aber von Gottes Fügung , so wecken diese Worte schon Gedanken in uns und richten unsere Augen auf Gott . « » Ja , so , Herr Pfarrer , habt Ihr etwas recht , « sagte Uli , » und ich will es mir lassen gesagt sein . « » Du kommst doch mit deiner Braut nach dem