Schlichte Ehre wohn ' in treuer Brust . Das Geschwätz der Städte soll er flieh ' n , Ohne Not von seinem Herd nicht zieh ' n , So gedeiht sein wachsendes Geschlecht , Das ist Adels Sitt ' und altes Recht . Karwe II Karwe II Eine Revue vorm alten Fritz Es war im Frühjahr 1783 , so erzählt der Feldmarschall von dem Knesebeck in seinen Memoiren , und die Truppen , die zur Magdeburgischen Inspektion unter General von Saldern gehörten , hatten unweit der Dörfer Pietzpuhl und Körbelitz , auf der sogenannten Pietzpuhler Heide , anderthalb Meilen von Magdeburg , ein Lager bezogen . Es war gegen Mittag und der König konnte jeden Augenblick eintreffen , da er sehr früh am Morgen von Sanssouci aufzubrechen pflegte . Bekanntlich fuhr er mit Bauerpferde-Relais . Die Reise ging trotz des gräulichen Sandes fortwährend in einer Karriere ; was fiel , fiel und wurde nur mäßig vergütigt . Sein Quartier nahm er in einem kleinen Häuschen am Nordwestende des Dorfes Körbelitz . Sobald er ankam , dies wiederholte sich alljährlich , stieg er zu Pferde und ritt gleich zur Abnahme der Spezialrevue zu den Truppen . Die Regimenter , nach der Anciennetät gelagert , standen dann jedes in folgender Ordnung aufmarschiert . Vor dem ersten Zuge des ersten Bataillons zuerst der Kommandeur des Regiments , zu Fuß mit Esponton ( nur die Generale waren zu Pferde ) , hinter dem Kommandeur die Junker des Regiments , die dem Könige noch nicht vorgestellt waren , hinter den Junkern die Rekruten des Jahres nach der Größe in drei Gliedern aufmarschiert . So erwarteten wir ihn jetzt . Der schönste Frühlingstag glänzte zu unseren Häupten , die weite Heide war mit Zuschauern zu Wagen und zu Pferde überdeckt und der Kräuterduft des Thymian würzte die Luft . Da sah man eine dicke Staubwolke in der Ferne , die sich uns nahte , und stiller und stiller ward es – je näher sie kam . Es war Friedrichs Wagen ; bei Körbelitz angelangt , hielt er . Der König stieg zu Pferde . Es war ein ungeheuer großer Schimmel , ein Engländer , den er dies Jahr noch ritt . Im nächsten Jahre , oder vielleicht auch erst 1785 , kam er auf einem kleinen Litauer-Schimmel , Langschwanz . Sowie er zu Pferde war , setzte er es gleich in Galopp , so daß bei dem weit ausgreifenden großen Tiere das ganze Gefolge hinter ihm Karriere ritt . So kam der siebzigjährige königliche Greis . Ungefähr dreißig Schritt vor der Linie parierte er zum Schritt , nahm das Augenglas , sah die Linie von weitem hinunter , ob alles gut gerichtet war , und nun hielt er dicht vor uns Junkern , ein kleiner alter Mann mit ungeheuren großen Augen und durchdringendem Blick . Er sah uns an , wandte sich zu Saldern , der unweit von ihm zu Pferde war , und sagte : » Saldern , was sollen die vielen Boucles da ? eine Boucle ist genug ! « – ( Es waren ihm nämlich unsere vier mit Talg und Puder eingespritzten steifen Haarlocken aufgefallen , die wir an jeder Seite des Vorderkopfes trugen . Eine große Haarlocke zur Seite war damals gerade Mode , und jeder von uns dachte daher still bei sich : das ist unser Mann ! Von diesem Augenblick an verschwanden denn auch diese vier Perücken-Plagelocken und eine trat an deren Stelle . ) Den Krückstock auf den rechten Fuß im Steigbügel gestemmt , fragte er nun die Fahnenjunker , und es kam zu folgendem Gespräch , mit jedem der Reihe nach . » Wie heißt er ? « » Hilitan , Ew . Majestät . « – » Wie heißt er ? « und ohne die Antwort abzuwarten , mit immer steigendem ungnädigen Ton ihm folgende Namen gebend : » Kilian , Pelikan , Er ist nicht von Adel ? « hob er schon den Stock , um ihn auszustoßen , als dieser ihm zurief : » Ew . Majestät haben mich von den Kadetts hergeschickt ; ich bin ein Westpreuße . « – » So ! « – Und sei es nun , daß er sich kein Dementi geben wollte , da er ihm dort gut getan hatte , genug , der Stock ward wieder auf die Steigbügel gesetzt . Hilitan aber ward von uns jungen Leuten von jetzt an nie mehr anders als Pelikan oder Kilian gerufen , und behielt diesen Namen , womit ihn Friedrich getauft hatte . – Er nahm übrigens später ein schlechtes Ende und verscholl . Der zweite hieß Hauteville . Er war aus Sardinien ; sein Vater hatte ihn , nachdem er seine Studien vollendet , an Friedrich empfohlen und anvertraut , um in dessen Armee sein Glück zu machen . Als er in Potsdam angekommen war , hatte der König ihn , um deutsch zu lernen , zu den Kadetts geschickt und später zu unserm Regiment . So war er bereits einige zwanzig Jahre alt geworden . Bei uns hieß er » der Papa « und wir fragten ihn wohl zuweilen : wann seine Frau und Kinder nachkommen würden ? Er hatte Erlaubnis erhalten , den König zu bitten , ihn bald zu avancieren . Als Friedrich auf die Frage : » Wie heißt er ? « seinen Namen hörte , sprach er zu ihm ein paar Worte italienisch , dann französisch , und als Hauteville mit seiner Bitte herausrückte und immer dringender ward , fragte er ihn etwas unwillig in deutscher Sprache : » Ob er denn auch deutsch könne ? « und als Hauteville deutsch replizierte : » Kann jetzt alles kommandiere , Ihro Majestät , und bitte untertänigst « , so fiel er ihm in die Rede : » Nun Herr , beruhige er sich doch , ich werd ihn ja nicht vergessen « , und in sechs Wochen war Hauteville Leutnant beim Grenadierbataillon Meusel . Später hat er ein Füsilierbataillon in Schlesien gehabt . Der dritte hieß Brösicke . Als der König seinen Namen hörte , sagte er bloß : » Er ist aus der Mark « und gleich zum Folgenden : » Wie heißt er ? « – » Suhm , Ew . Majestät . « – Der König : » Sein Vater ist der Postmeister ? « – » Ja , Ew . Majestät . « – Der König : » Wenn sein Vater nicht 4000 Taler hat , soll er an mich schreiben . « – Der Vater des Suhm war nämlich schwer blessiert ( wenn ich nicht irre , hatte er beide Beine verloren ) , und hatte die Stelle als Versorgung erhalten . Er war ein Bruder des Suhm , mit dem Friedrich in Korrespondenz war , die gedruckt ist . Nun kam die Reihe an mich . » Wie heißt er ? « – » Knesebeck , Ew . Majestät . « – » Was ist sein Vater gewesen ? « – » Leutnant bei Ew . Majestät Garde . « – Der König : » Ach , der Knesebeck ! « und mit ganz veränderter , teilnehmender Stimme gleich zwei Fragen hintereinander an mich richtend , fuhr er fort : » Wie geht es denn seinem Vater ? Schmerzen ihn seine Blessuren noch ? « Mein Vater war nämlich bei Kolin schwer blessiert und quer durch den Leib und Arm geschossen . » Grüß Er doch seinen Vater von mir ! « Und als er sich schon wenden wollte , noch einmal sich umsehend und den Zeigefinger der rechten Hand , an welcher der Stock baumelte , emporhebend und mich noch einmal ansehend , sagte er mit gnädiger Stimme : » Vergeß Er es mir auch nicht ! « – Ach , seitdem sind fünfundsechzig Jahre verflossen ( so schließt Knesebeck ) , und ich habe diesen Gruß , der gleich bestellt wurde , da ich Urlaub dazu erhielt , und noch weniger den Ton der Stimme vergessen , mit welchem er gesprochen wurde . Lob des Krieges 5 Es leb ' der Krieg ! Im wilden Kriegerleben Da stählet sich der Mut ! Frei kann die Kraft im Kriege nur sich heben , Der Krieg , der Krieg ist gut . Den falschen Freund , der listig Treue heuchelt , Krieg macht ihn offenbar . In offner Schlacht das blanke Schwert nicht schmeichelt , Und jeder Hieb spricht wahr . Der Krieg ist gut ! Er weckt die Kraft der Jugend Und zieht in seinem Schoß So manchen Sinn für hohe , wahre Tugend Zu schönen Taten groß . Der Krieg ist gut ! Er ruft aus feigem Schlummer Den trägen Weichling auf , Er lohnt Verdienst , und schafft er manchen Kummer , Löst er auch manchen auf . Der Krieg ist gut ! Im Reiben seiner Kräfte Ist für die Welt Gewinn . Der Krieg macht froh , im Wechsel der Geschäfte Nimmt er die Grillen hin . Er lehrt die Kunst , das Leben zu verachten , Wenn es die Pflicht gebeut , Und immer nur es als ein Gut betrachten , Das man der Tugend weiht . Er lehret uns entbehren und genießen , Er würzt auch schwarzes Brot – Und wenn durch ihn auch manche Tränen fließen , Er gibt den schönsten Tod . Es leb ' der Krieg ! Wo hohe Kraft nur sieget , Nicht Trägheit Lorbeern flicht , Es leb ' der Krieg ! Unsterblichkeit erflieget , Wer durch ihn Palmen bricht . Es leb ' der Krieg ! Nur dem geb ' er Verderben , Der frech den Frieden bricht . Zur Schlacht , zur Schlacht ! Wir alle lernten sterben Für Vaterland und Pflicht . Radensleben I Radensleben I Es ist so still ; die Heide liegt Im warmen Mittagssonnenstrahle . Th . Storm Erst hab ' ich weniger auf dich geachtet , Jetzt siehst du mich vor deiner Größe beben , Seit ich » Mariä Himmelfahrt « betrachtet . Platen Nicht unmittelbar am Ruppiner See , vielmehr eine halbe Meile landeinwärts , liegt Radensleben , seit über zweihundert Jahren ein Quastsches Gut . Der ursprüngliche Besitz der Quaste oder » Quäste « lag und liegt noch im Westen des Ruppiner Sees , am fruchtbaren Rande des Rhinluches hin . Garz , Vichel , Rohrlack , sind alt-Quastsche Güter , von denen ich in einem spätern Abschnitt erzählen werde , aber über das am Ostufer des Sees gelegene Radensleben sei schon an dieser Stelle berichtet . Alexander Ludolf von Quast erstand es bald nach Schluß des Dreißigjährigen Krieges und gründete neben der Garzer Linie die Linie Radensleben . Sie blüht bis diesen Tag . In einem Zimmer des Herrenhauses , auf dunkelrotem Hintergrunde , hängt streng und ernst das Bildnis Alexander Ludolfs . Radensleben , das wir in wenig mehr als viertelstündiger Fahrt von Karwe aus erreichen , gilt als eines der schönsten Güter der Grafschaft , und zu seinen weiten Acker- und Wiesenflächen gesellen sich große Forstbestände , die sich zum Teil bis in die Rheinsberger Gegend hin ausdehnen . Aber was unser Interesse weckt , das ist ein anderes , ist die poetische , beinah absolute Stille , die ihren Zauberkreis um dies Stück Erde zieht . Das Ruppiner Land ist überhaupt eins von den stillen in unserer Provinz , die Eisenbahn streift es kaum und die großen Fahrstraßen laufen nur eben an seiner Grenze hin ; aber die stillste Stelle dieses stillen Landes ist doch das Ostufer des schönen Sees , der den Mittelpunkt unserer Grafschaft bildet und von ihr den Namen trägt . Durchreisende gibt es hier nicht , und jeder , dem man begegnet , der ist hier zu Haus ; kein anderer Verkehr als der der Dörfer untereinander , und es bleibt selbst fraglich , ob das Handwerksburschentum in anderen als in verschlagenen Exemplaren an dieser Stelle betroffen wird . Noch einmal also , keine » Passanten « . Es legt hier nur an , wer landen will . * Wir sind unter diesen , fahren eben in die breite , mit prächtigen Bäumen besetzte Dorfstraße ein , und halten vor dem alten Herrenhause , einem geräumigen , aber anspruchslosen Bau , dessen Fachwerkwände die schlichte Art des vorigen Jahrhunderts zeigen . Ein traulich-wohnlicher Zug ist um das Ganze her , und im selben Augenblick , wo wir eintreten , erkennen wir auch , daß das Haus nach gut märkischer Art tüchtiger ist , als es von außen her erschien , und daß seine Fachwerkwände nur eine Hülle sind , hinter der sich ein massiver älterer Bau verbirgt . Zugleich bemerken wir eine doppelarmige Treppe , die breit und mit niedrigen Stufen ansteigend , nach rechts und links hin auf die oberen Korridore mündet . Es ist warm , und so nehmen wir in der Vorhalle Platz , um die Wohltat von Luft und Licht und den vollen Blick in die Anlagen des Gartens zu haben . Eine künstlerische Hand hat hier unverkennbar die Linien gezogen , und die Frage tritt an uns heran : wer war hier tätig ? wer schuf diese Durchsichten ? wer richtete diese Statuen auf ? wer gab ihnen die malerischste Stelle ? Und nun verlassen wir die Vorhalle wieder , um erst im Erdgeschoß und dann im oberen Stock eine lange Zimmerreihe zu passieren , und siehe da , im reichen Anblick aller hier angesammelten Schätze wird uns zugleich Antwort auf unsere Frage . Kunst , echte Kunst überall . Das gut Märkische schwindet und der Zauber italischer Ferne steigt vor uns auf . Erst eine Landschaft Blechens , hell , prächtig , fremdländisch . Der heiße Sonnenschein liegt auf dem schattenlosen Marktplatz und blau dehnt sich das eingebuchtete Meer , an dessen Horizont ein Kuppelturm emporsteigt . Wie schön ! Und indem wir weiterschreiten , tun sich die goldenen Tore des Südens immer herrlicher vor uns auf . Alle Namen , die vor Perugino und Raphael geglänzt , die Schöpfer moderner Malerei , hier sprechen sie zu uns . Giotto und Giottino , Fiesole und Orcagna , Fra Bartolomeo und Pietro Spinello Aretino , die beiden Lippis , vor allem der mächtige Mantegna – alle , die groß waren , ehe die größeren kamen , sie sind hier um uns versammelt . Die Welt der Madonnen erschließt sich uns , und aus ihren Rahmen auf uns niederblickend , tun sie , was sie immer taten , und lächeln Freudigkeit und Hoffnung in unser Herz . Da ist eine » Mutter Gottes anbetend vor dem Kinde « , ein Terracottarelief von Luca della Robbia , und da ist eine zweite ( mit einem Stieglitz auf dem Händchen des Christkinds ) in der lieblich naiven Art Filippino Lippis . Hier fällt das faltenreiche , lang herabwallende Kopftuch über die ernsten , hoheitkündenden Züge der » Himmelskönigin « , wie Fra Bartolomeo die Jungfrau gemalt , und hier breitet eine Madonna Giovannis da Milano ihren schwarzen , mit rot und Goldbrokat gefütterten Mantel um Päpste , Mönche und Heilige aus und erhebt sich mit ihnen , um ihre Schützlinge mit gen Himmel zu tragen . Selbst das große Bild in der Kirche » Annunziata « zu Florenz , das alljährlich dem anbetenden Volke nur einmal gezeigt wird – künstlerische Begeisterung hat nach flüchtigem Schauen die schönsten Köpfe desselben festzuhalten gewußt , und die hinweggelauschten Bildnisse Marias und des verkündenden Engels , sie haben jetzt eine Stätte hier , in dem stillen Herrenhause der stillen Grafschaft . Manches Kunstwerk wohl , von dem die Welt nicht weiß , verbirgt sich in märkischen Dörfern . Grabdenkmälern von Rauch und Schadow , von Canova und Thorwaldsen bin ich begegnet , Bilder aller Länder und Schulen seit Papst Julius ' Tagen hab ich gesehen – aber Bilder aus den Tagen der Kindheit und Keuschheit aller modernen Kunst , solche Bilder hat nur das Herrenhaus zu Radensleben . Kein anderes märkisches Dorf kennt Fiesole und Mantegna , am wenigsten hat es sie . Da sind wir wieder in der Halle . Kühle weht , und wir blicken noch einmal hinunter in den Park , hinter dessen Bäumen die Abendröte verglüht . Seine feingezogenen Linien überraschen uns nicht länger mehr . Wo Madonna weilt , da weilt auch die Schönheit . Radensleben II 1. Altitalienische Bilder 1. Altitalienische Bilder 1. Madonna hält mit beiden Händen das auf ihrem Schoße sitzende Christuskind . Im Hintergrunde drei Cherubimköpfe . Gewand der Madonna mit reichem Muster modelliert , und sodann vergoldet und bemalt . Flaches Relief aus gebrannter Erde ( Terracotta ) , in reich vergoldetem Rahmen . Dieser hat die Inschrift Ave Maria gratia plena , Dominus tecum . Wahrscheinlich eine Arbeit von Mino da Fiesole . Ein Exemplar , nach derselben Form gegossen , befindet sich im Berliner Museum . 2. Madonna , halbe Figur , anbetend vor dem Kinde ; zur Rechten drei Engel , links Johannes . Madonna und Christkind sehr schön . Terracottarelief von etwa zweieinhalb Fuß Durchmesser . Von der Bemalung und Vergoldung sind nur noch schwache Reste vorhanden . Trotzdem ein Prachtstück der Sammlung . Nach der Ansicht Metzgers , eines Kunsthändlers in Rom , durch dessen Vermittlung Herr von Rumohr viele Sachen fürs Berliner Museum ankaufen ließ , von Luca della Robbia . Der einzige Zweifel , den Metzger unterhielt , war der , daß ihm kein Werk des Luca von ähnlicher Schönheit vorgekommen sei . 3. Madonna mit dem Kinde , Johannes und Engeln . Von Fra Filippo Lippi . Wie fast alle folgenden Bilder auf Holz gemalt . 4. Vermählung der heiligen Katharina . Die sitzende Madonna hält auf dem Schoße das Christuskind und neigt sich mit demselben der vor ihr zur Linken knienden heiligen Katharina entgegen , welche vom Christuskinde den Ring empfängt . Eine vorzügliche Arbeit von Sandro Botticelli , einem Schüler des Fra Filippo Lippi . 5. Madonna mit dem Kinde , welches einen Stieglitz in den Händen hält . Ein weißer Schleier fällt unter der Krone der Madonna auf den dunkel schwarzblauen Mantel herab , welcher auf der Brust durch eine Agraffe gehalten , sich seitwärts öffnet und das rote Gewand sehen läßt . Höchst wahrscheinlich von Fra Filippo Lippi , doch in mancher Beziehung an seinen Sohn Filippino Lippi erinnernd . 6. Madonna mit dem Kinde . Wahrscheinlich von Filippino Lippi . 7. Madonna ; auf Goldgrund . Sie trägt einen schwarzen Mantel mit rot-goldnem Brokat gefüttert . Unter dem Mantel birgt sie Päpste , Mönche , Heilige . Sehr altes Bild von Giovanni da Milano . 8. Krönung Mariä . Ausgezeichnetes Bild ; der Maria in Santa Croce zu Florenz ( von Giotto ) und ebenso der heiligen Jungfrau in der Brera zu Mailand so nahe stehend , daß es Kenner mehrfach für ein Originalbild von Giotto gehalten haben . Die später erfolgte Reinigung ließ die Jahreszahl 1338 hervortreten , wonach es also zwei Jahre nach Giottos Tode gemalt wurde . Doch zählt es immer zu den ältesten und besten Schulbildern . ( Dies Bild befindet sich zur Zeit in Berlin , in der Wohnung der Frau von Hengstenberg . ) 9. Maria und der verkündende Engel . Zwei Köpfe , nach dem großen und berühmten Bilde in der Kirche Annunziata in Florenz gemalt . Das große Bild wird alljährlich nur einmal dem Volke gezeigt ; der Maler hat diese beiden Köpfe , nach einmaligem Sehen , aus dem Gedächtnis auf die Leinwand gebracht . 10. Madonna . Von Fra Bartolomeo . Aus der Gipfelzeit der Malerei ; an Schönheit vielleicht allen Bildern der Sammlung voranstehend . Ein großes dunkles Kopftuch , unter dessen Falten das rote Kleid nur wenig hervorsieht , wallt tief herab . Der Kopf selbst zeigt einen leidenden Ausdruck . Die Formen sind edel , das Ganze voll technischer Vollendung . 11. Christus auf Goldgrund , unter einem Baldachin . In sienesischer Kunstweise , mit grünuntermalten Fleischtönen und aufgesetztem Rot . 12. und 13. Zwei Sepiazeichnungen von Mantegna . Es ist ein Pergamentblatt von ungefähr ein Fuß Höhe und sieben bis acht Zoll Breite , das auf beiden Seiten bemalt ist . Auf der einen Seite erblickt man einen Märtyrer ( wahrscheinlich Sankt Jakobus ) , der von den Seinen Abschied nimmt und sie segnet . Die Zeichnung auf der anderen Seite ist von noch größerer Schönheit . Sie stellt dar : » Der tote Christus von Engeln beklagt . « Das Bild zeigt eine gewisse Verwandtschaft des Ausdrucks und der Behandlung mit dem entsprechenden Mantegnabilde im Berliner Museum . Die erste Seite ( Sankt Jakobus , der Abschied nimmt und segnet ) ist wahrscheinlich eine Skizze zu dem bekannten Deckengemälde von Mantegna : » Gang zum Richtplatz und Heilung des Gichtbrüchigen « in der Kirche degli Eremitani in Padua . – Beide Bilder zeigen eine reiche Renaissancearchitektur ; was die Art des Vortrags angeht , so ist die eine mehr in gemalter , die andere mehr in gestrichelter Manier . Das Pergamentblatt selbst ist sehr wahr scheinlich aus einem Mantegnaschen Studienbuch genommen . 14. und 15. Zwei Heilige ( fast Lebensgröße ) , halbe Figur , unter Spitzbogeneinrahmung . Wahrscheinlich früher ganze Figur und später abgesägt . In giottesker Manier ; vielleicht von Giottino . 16. Ein Apostel ( dreiviertel Lebensgröße ) , halbe Figur . Abgesägt wie das vorige . Nach Metzgers Ansicht mutmaßlich von Orcagna herrührend . Auf der unteren Hälfte des Bildes , aber ebenfalls auf der Vorderseite , befindet sich eine mit weiß konturierte Skizze zu einer Madonna . Diese Skizze ist wenig mehr als fünfzig Jahre alt und hat der Maler derselben das alte Bild lediglich als Untermalung benutzt . 17. Das Gastmahl des heiligen Dominikus . Dominikus setzt sich , mit seinen Mönchen , im Refektorium zu Tisch und erhebt die Hände bittend gen Himmel , während der Bruder Schaffner den leeren Korb umstülpt . Engel erscheinen und bringen Brote . Das sehr beschädigte Bild enthält noch Spuren von großer Schönheit und zierlichster Malerei , namentlich in der Behandlung der Köpfe . Es ist ein Bild von Fiesole . Metzger hat es auf das Bestimmteste dafür erklärt . 18. Ein kleiner Altar mit Vorgängen aus dem Leben des heiligen Laurentius . 19. Die Begegnung des Paulus und Petrus von Pietro Spinello-Aretino . 20. Verschiedene Madonnen des vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderts , teils aus gotischer , teils aus früher Renaissancezeit . 2. Anderweitige Bilder und Kunstschätze 2. Anderweitige Bilder und Kunstschätze 1. Eine Handzeichnung von Dürer . Der dornengekrönte Christus vor dem Tode auf dem Kreuze sitzend . Auf grauem Papier angetuscht und meisterlich mit weiß aufgehöht . Mit Dürers Monogramm und der groß in Weiß aufgesetzten Jahreszahl 1519 . Aus der ehemalig Crennerschen Sammlung erstanden ( siehe Waagens Reisen durch Deutschland ) . Soll früher in Besitz des letzten Fürstabts von St. Emmeran gewesen sein . 2. und 3. Zwei schöne kleine Landschaften von Huysmans ; in Poussinscher Art komponiert . Dunkel , viel Braun und tiefes Blau des Himmels . In Saftigkeit und Frische an dunklere Bilder Claude Lorrains erinnernd . 4. Friedrich II. Die inkorrekte Inschrift lautet : L ' auriginal a Eté fait d ' après le Roy , par Amadée van Loo . Anno 1766 . 5. Porträt Blüchers . Wahrscheinlich von Weitsch . 6. Marktplatz von Ravello bei Amalfi . Von Blechen . Links eine hohe Mauer mit einem rundbogigen Eingang in eine Kirche . Auf dem Markt eine schöne Fontäne und in einiger Entfernung ein einzelner Baum , in dessen Schatten Lazaronis lagern . Rechts der Blick auf das dunkelblaue Meer . Der Kontrast zwischen der glühenden Sonne und der kleinen Schattenpartie am Brunnen ist sehr schön . 7. Zwei Arbeiten von Bouterweck . a ) Eine Sibylle . ( Ölbild , sehr dunkel . ) Ein Herd mit geheimnisvollen Zeichen und allerhand Zauberhölzern . Die Sibylle selbst liest in einem geheimnisvollen Buch , während es auf dem Herde braut und kocht . Krieger kommen , um sie gefangen zu nehmen . b ) Die Furien tragen die Leiche der Klytemnästra zum Orkus . Orest , Pylades und Iphigenia blicken dem finstren Zuge nach . Sepiaskizze , aufgehöht mit weiß ; eine sehr ausgezeichnete Arbeit . 8. Der Daumen ( von Marmor ) einer übermenschlich großen Figur . Die letztere , auf Sizilien gefunden , gehörte dem südlichsten Teile der Ostreihe der Tempel in Selinus an , deren übrige , im Museum zu Palermo befindlichen Skulpturen , der Blütezeit der griechischen Kunst ( fünftes Jahrhundert ) angehören . Damals wurden vielfach die unbedeckt bleibenden Teile des Körpers : Kopf , Hände , Füße , an die Figur angesetzt , und zwar waren Kopf , Hände , Füße von Marmor , während die Figur selber von bloßem Kalkstein war . Es läßt sich annehmen – um so mehr , als man deutlich erkennt , daß dieser Daumen nicht etwa abgebrochen ist – , daß er ebenfalls einer solchen Figur angesetzt war . Ob diese Figur die Tempelstatue selber oder eine der Statuen der Giebelfelder war , ist natürlich nicht mehr festzustellen . Rauch konnte die vollendete Schönheit und Natürlichkeit dieses Fragments nicht genug bewundern . 3. Schinkelsche Jugendarbeiten 3. Schinkelsche Jugendarbeiten aus der Zeit von 1796 bis 1803 Diese von Schinkel aus der Zeit von seinem fünfzehnten bis zu seinem zweiundzwanzigsten Jahre herrührenden Arbeiten waren früher in Berlin und über die Grafschaft Ruppin hin zerstreut ( einen Hauptteil besaß Herr von Rathenow in Berlin ) und wurden durch den verstorbenen Geheimrat von Quast auf Radensleben allmählich gesammelt . Sie bilden eine Kollektion von relativ hervorragendem Wert . Ihre künstlerische Bedeutung , einige Blätter abgerechnet , ist nicht groß , desto größer aber ist ihre kunsthistorische . Den Entwicklungsgang Schinkels von frühauf zeigend , ergänzen sie das , was das Schinkelmuseum an Arbeiten des Meisters bietet , in einer nicht leicht zu überschätzenden Weise . Es sind Federzeichnungen , sowie Bilder und Skizzen in Tusche und Gouache . Federzeichnungen : 1. Kopie nach Rembrandt . 1796 . 2. Medaillonkopf Friedrichs des Großen . 3. Juno . Wahrscheinlich aus 1796 oder 1797 . 4. Pallas Athene . Wahrscheinlich aus 1796 oder 1797 . 5. Porträt . Wahrscheinlich aus 1796 oder 1797 . 6. Zwei Köpfe . Wahrscheinlich aus 1796 oder 1797 . 7. Säulenkapitäle , dorische , ionische , korinthische . 8. Rousseau-Grotte . 9. Die Kränzliner Kirche . 1804 . ( 1804 war er noch in Italien . Die Jahreszahl ist also entweder nicht richtig , oder das Blatt rührt von jemand anderem her . ) In Tusche : 1. Kopie nach Hogarth . 2. Seelandschaft . 3. Seelandschaft . Berlin 1797 . 4. Landschaft mit Pyramide . 20. August 1797 . 5. bis 8. Vier kleine Landschaften , alle aus dem Jahre 1797 . 9. Größere Landschaft . 10. Ruinen des alten Theben . 1798 . 11. Felsenhöhle . In bunter Tusche . 12. Remter in Marienburg . In bunter Tusche . 13. Saal der Fünfhundert in Paris . In bunter Tusche . 14. bis 20. Landschaften in schwarzer Tusche . Aus den Jahren 1798 und 1799 . 21. Landschaft in bunter Tusche . 22. und 23. Grabdenkmäler in schwarzer Tusche 6 . 24. Landschaft in rotbrauner Sepia . In Gouache : 1. , 2. und 3. Kleine Landschaften . 1797 . Sehr sauber ausgeführt . 4. Neapel . 1798 . 5. Potsdam bei Sonnenaufgang von Babelsberg aus . 1798 . 6. Landschaft . Albumblatt . 1799 . 7. dito . 1799 . 8. Entwurf einer Gartenpartie . 1800 . Zu diesen Bildern gesellen sich schöne Sammlungen von Münzen und Gemmen , vor allem zahlreiche Wappen mit Handzeichnungen und Skizzen interessanter Architekturen in Deutschland , Frankreich und Italien . In bezug auf Preußen ist diese Sammlung höchstwahrscheinlich die vollständigste , die existiert ; sie umfaßt alle Provinzen , besonders Rheinland , Mark , Ost- und Westpreußen . Neu-Ruppin 1. Ein Gang durch die Stadt . Die Klosterkirche 1. Ein Gang durch die Stadt . Die Klosterkirche Lieblich weht ' s vom See herüber , Leise , langsam , wie verdrossen Ziehen still die Wolken drüber , Gleichen Schritts mit unsern Rossen ... Drüben liegt im Sonnenscheine So ein alt und sauber Örtchen , Kirch ' und Turm von rotem Steine , In der Mauer Ausfallpförtchen . George Hesekiel Wir kennen jetzt das Süd- und Ostufer des Ruppiner Sees , haben Wustrau und Karwe und Radensleben durchstreift und schicken uns nun an , der alten Hauptstadt dieses Landesteiles unseren Besuch zu machen , der Stadt Ruppin selbst , die dem See , woran sie liegt , wie der ganzen Grafschaft den Namen gegeben hat . In schräger Linie kreuzen wir , nachdem wir Karwe und seine Uferstation wieder erreicht haben , die an dieser Stelle ziemlich breite Fläche , laben uns , die Julisonne zu unseren Häupten , an der feuchten Kühle des Wassers und traben endlich , nach glücklicher Landung , in offenem Wagen die kahle , staubige Chaussee entlang , unsere Regenschirme als Schutz- und Schattendächer über uns . Grau wie die Müllertiere erreichen wir die Stadt , sehen mit geblendeten Augen anfänglich wenig oder nichts und atmen erst auf , als wir vor dem Gasthofe zum Deutschen Hause halten und freundlich bewillkommt in die Kühle des Flures treten . Moselwein und Selterwasser stellen hier unsere Lebensgeister wieder her und geben uns Mut und Kraft , eine erste Promenade zu machen und dem Pflaster der Stadt zu trotzen . In unseren dünnsohligen Stiefeln werden wir freilich mehr denn einmal an jenen mecklenburgischen Gutsbesitzer erinnert , den seine revoltierenden Hintersassen auf spitzen Steinen hatten tanzen lassen . Ruppin hat eine schöne Lage – See , Gärten und der sogenannte » Wall « schließen es ein . Nach dem großen Feuer , das nur zwei Stückchen am Ost- und Westrande übrigließ ( als wären von einem runden Brote die beiden Kanten übriggeblieben ) , wurde die Stadt in einer Art Residenzstil wieder aufgebaut . Lange , breite Straßen durchschneiden sie , nur unterbrochen durch stattliche Plätze , auf deren Areal unsere Vorvordern selbst wieder kleine Städte