sehr wenige Pallasianer wohnten ; wer dort am Tage zu finden war , pflegte sich mehr mit den anderen Sternen des Himmels zu beschäftigen ; man pflegte bei den auf der Außenseite des Pallas Lebenden immer sehr viele Anregungen zu finden - besonders solche , die auch für die weitere Ausbildung des Sterns Pallas verwertet werden konnten . Um auf die Außenseite zu gelangen , konnte man nur ein paar schmale enge Tunnels benutzen , die sich nur mit Magnetschlitten befahren ließen - wenn man nicht über den Nord- oder Südtrichterrand springend und fliegend ans Ziel kommen wollte . Peka benutzte einen Magnetschlitten , der nicht sehr schnell durch einen spärlich beleuchteten , engen und niedrigen Tunnel fuhr ; die Magnetsteine der Endstation wurden elektrisch auf der Anfangsstation gestellt - und umgekehrt - und die Schlitten , die sich auf spiegelglatter gradliniger Bahn ganz leicht bewegten , standen auf allen Stationen in großer Anzahl da . Auf der Endstation breitete Peka seine Flügel aus und stieß dabei mit dem Saugfuß auf den Boden mehrmals auf und kam so in die offene Grotte des Biba , der mit seinen Teleskopaugen die grünen Sterne im violetten Himmel betrachtete . Biba freute sich , als ihn der Peka begrüßte . Und die Beiden sprachen gleich über Lesabéndios Nordtrichterturm . » Lesabéndio « , sagte der Biba , » hat mich noch gestern auf einen Asteroïd aufmerksam gemacht , der ein Doppelstern ist . Sieh ihn Dir da drüben an ; er ist heute schon ziemlich nahe der Pallasbahn - oben ist ein innerlich leuchtender Trichter und unten ein Kugelstern , dessen Pole rechts und links sind ; der Kugelstern dreht sich mit erheblicher Geschwindigkeit . Möglich ist es nun , daß auf der Außenseite des Trichters Wesen leben , die von der Existenz der Kugel unten gar keine Ahnung haben , denn die Trichteröffnung ist viel größer als die Kugel unten . Da das Innere des Trichters glüht , während das Äußere ganz dunkel und runzelig ist , so ist es mehr als wahrscheinlich , daß kein Bewohner durch die Trichterwand durchkommt . Und der untere Trichterrand ist nach oben aufgeklappt , sodaß da keiner rüberkommen wird . Kurzum : etwas Ähnliches kann bei uns auf dem Pallas auch vorhanden sein , denn unsre Spinngewebewolke ist doch etwas allzu merkwürdig . « » Du meinst also « , versetzte Peka , der seine Teleskopaugen sehr anstrengte , » der Pallas hätte auch noch oben einen Kugelstern ? « » Warum « , fuhr da der Biba fort , » sollen wir grade einen Kugelstern über uns haben ? Wie viele komplizierte Sternsysteme haben wir schon beobachtet ! Stell Dir doch nur vor , lieber Peka , daß wir über zehntausend Asteroïden entdeckt haben , die mit dem Pallas zusammen unsre Centralsonne umkreisen . Und mehr als die Hälfte von allen diesen Asteroïden bestehen immer aus mehreren Sternen . Da drüben links von der großen Sonne , die auch unsre Centralsonne umkreist und mit gradezu unheimlicher Fixigkeit sich um sich selbst dreht - siehst Du einen kleinen Asteroïd , der aus sieben Sternen besteht , die sich um einen Kreisring drehen , der in der Mitte sich auch dreht . Dieser achtteilige Asteroïd ist vor vierzehn Tagen ein Mond jener großen Drehsonne geworden . Wir können vielleicht ebenfalls mal ein Mond jener Sonne , die die Erdbewohner Jupiter nennen , werden ; sie zog schon mehrere Asteroïden in ihre Bahn hinein . Es ist überhaupt zu befürchten , daß die meisten Asteroïden in die Bahnen der anderen Sonnentrabanten hineingezogen werden . Selbst die Erde zieht uns zuweilen an . « » Was könnte denn « , fragte nun der Peka neugierig , » über unserem Nordtrichter sein ? Hast Du nicht eine Vermutung ? « » Es können « , sagte Biba , » ein paar hundert Meteoriten hoch über unsrem Nordtrichter herumkreisen - vielleicht in Bahnen , die nicht einmal einen Durchmesser von fünfzig Meilen haben . Wir wissen ja , daß die Meteoriten überall im Raume zu finden sind ; Hunderte von Asteroïden sind scheinbar ganz unlöslich mit sehr vielen Meteoriten verbunden . Die Anzahl dieser Meteoriten können wir fast niemals feststellen ; so gut sind unsre guten Augen denn doch nicht - denn es gibt Meteoriten von fünf Meter Durchmesser - das wissen wir . Ob es nicht noch kleinere Meteoriten gibt , wissen wir nicht . Aber - wie gesagt - über unsrer Spinngewebewolke ist schlechterdings Alles möglich . Und deshalb ist Lesabéndios Plan , mit einem Turm von hundert Meilen Höhe ... « » Verzeih mal « , rief nun der Peka heftig , » vom Rande unsres Nordtrichters bis zum Rande unsres Südtrichters sind vierzig Meilen . Wenn wir nun hundert Meilen hoch bauen , so kann doch unser ganzer Stern ... « » Was dann kommt « , versetzte lachend der Biba , » wenn der Turm gebaut ist , das wissen wir nicht - das werden wir aber wissen , wenn wir ihn gebaut haben . Übrigens : sollte uns die Sache schädlich sein , so werden wir schon durch die Verhältnisse gezwungen werden , den Bau unvollendet zu lassen . Jedenfalls wäre aber doch eine solche Kappe , selbst wenn sie nur drei Meilen hoch gebracht würde , eine köstliche Bereicherung und Krönung unsres Sterns . Ich verstehe nicht , warum wir nicht auf Lesabéndios Plan eingehen sollen . « » Dann müßten doch « , erwiderte Peka , während er seinen Kopf traurig nach vorn überfallen ließ , » alle anderen , rein künstlerischen Pläne in die Ecke geworfen werden . « » Nein « , sagte Biba , » es wäre doch möglich , daß sich der große Turm sehr schnell aufbauen ließe . Man kann noch nicht wissen , wie viel Kaddimohnstahl der Dex in den nächsten Tagen entdeckt . Und dann : Lesabéndio ist eine Persönlichkeit , die niemals müde wird , weil sie allen Nebenausschweifungen aus dem Wege gehen kann . Lesabéndio ist keine Vergnügungs- und Genußnatur , und er kann sich ganz um einen großen Plan konzentrieren . « » Künstlerisch « , sagte nun der Peka müde , » ist er aber auch nicht sehr bedeutend - daher gehts mit der Konzentration . « » Das weiß er aber « , versetzte der Biba , » er weiß , daß er nur als Charakter groß ist . Ich aber frage Dich : ist das nicht auch etwas Großes ? « Währenddem saß Lesabéndio im Südtrichter neben Manesi und sprach mit diesem von seinem Stahlturm . » Wir kommen auf der Außenseite unsres Sterns « , sagte Lesabéndio , » sehr wohl in das Spinngewebe hinein , aber das verbrennt uns ja die Haut . Schützen wir aber die Haut durch große Ballons oder Ähnliches , so tut uns das Spinngewebe garnichts . Wir müssen also oben auf der Spitze unsres Turmes ganz , bequem so durch das Spinngewebe durchkommen , daß wir das entdecken können , was darüber ist - das was über uns ist und aller Wahrscheinlichkeit nach unsern ganzen Stern regiert . « » Dein Turm « , versetzte da der Manesi , » ist also eigentlich nur zu Entdeckungszwecken da und nicht zu künstlerischen Verschönerungszwecken . Da tu ich nicht mit . Ich sags Dir ganz deutlich . So gern ich auch jedem Pallasianer einen Gefallen tue - allen kann man nicht zugleich dienen . Meine Rankenvegetation braucht den Turm nicht . Ich kann hier im Südtrichter Rankengewächse in großer Zahl anpflanzen - das weißt Du . « Lesabéndio verabschiedete sich nach diesen heftig gesprochenen Worten von dem Ranken-Manesi . Aber Lesabéndio sagte beim Abschiede : » Deine Rankengewächse werden aber oben in freier Luft einfach köstlich aussehen - auch künstlerisch - und so meilenlang hängend - na - auf Wiedersehen ! « Danach fuhr der Turm-Pallasianer mit den schnellsten Seilbahnen auf Kneifzangen hoch hinauf zum Nordtrichterrande , wo der Dex den Kaddimohnstahl aus dem Pallas herauszog . Aufgeregt mit weit ausgebreiteten Rückenflügeln flog der Dex auf den Lesabéndio zu und rief gleich , als er diesen noch garnicht erreicht hatte : » Eine Entdeckung ! Eine Entdeckung ! « Und als sie nun zusammensaßen , sagte der Dex : » Was ich vermutete , ist zur Tatsache geworden . Wir haben , wie Du wohl weißt , jetzt drei Stellen , an denen wir den Kaddimohnstahl aus dem Pallaskörper rausziehen können . Diese drei Stellen befinden sich oben auf dem Rande unsres Nordtrichters . Nun denke Dir : ich habe heimlich an verschiedenen Stellen - auch auf dem Rande des Nordtrichters - Experimente mit starken Magnetsteinen gemacht , die dort , wo Kaddimohnstahl gefunden ist , eine eigentümliche Kraftsteigerung erfahren und auch noch andere Eigenschaften zeigen . Nun ist mir durch einen Zufall gelungen , an vier weiteren Stellen Kaddimohnstahl auf Grund meiner Magnetsteinexperimente zu finden . Selbstverständlich habe ich sofort meine sämtlichen Freunde veranlaßt , den ganzen Nordtrichterrand mit Magnetsteinen abzusuchen . Ich habe die Hoffnung , daß wir noch an fünfzig Stellen Kaddimohnstahl finden . Dann würden wir das Material zum Nordtrichterturm gleich zur Stelle haben , und der Bau könnte in den nächsten Tagen in Angriff genommen werden . « » Halt ein ! « rief da der Lesabéndio , » das übertrifft ja meine kühnsten Erwartungen . « » Oh « , fuhr der Dex fort , » noch mehr habe ich Dir zu sagen : ich habe Grund anzunehmen , daß der großartige Stahl ganz regelmäßig verteilt ist ; wir hätten demnach gar - nicht nötig , den Stahl mühsam weiterzuschleppen ; wir könnten vielleicht gleich dort die ersten fünfzig Stangen errichten , wo der Stahl gefunden wird . « Auf Lesabéndios Gesicht zuckten tausend Hautfalten und glitzerten , und das Glitzern zeigte sich auch auf den gelben Flecken des ganzen Körpers - selbst die braunen Stellen des Körpers kamen in Bewegung - so sehr freute sich der Lesabéndio . » Das übertrifft « , sagte er leise , » tatsächlich alle meine Erwartungen . « » Ich « , sagte nun Dex , » trete daher selbstverständlich für den Bau Deines Turmes mit allen meinen Freunden ein . Aber wir sind ja nur wenige . Wen hast Du noch außer mir ? « » Eigentlich « , erwiderte Lesabéndio , » noch gar keinen - oder nur Zusagen , die nicht viel auf sich haben . Da ist der Sofanti heute morgen ja wohl für meinen Plan interessiert worden . Aber - Du weißt ja , wie langsam sich das alles entwickelt . « » Wir müßten « , erwiderte nun der Dex zögernd , » noch etwas Anderes entdecken . Weißt Du - was ? « » Nein ! « gab der Lesabéndio still zur Antwort und sah dabei die braune Haut des Dex mit den gelben Flecken aufmerksam an und sah rechts und links neben der braunen Haut mit den gelben Flecken den violetten Himmel mit den grünen Sternen - und ringsum auf dem oberen Rande des Nordtrichters die vielen weißen Berge und darunter auch die blauen und die grauen . Dann sahen die Beiden zur weiß leuchtenden Nordwolke empor , die , wie sie wußten , aus sogenannten Spinngeweben bestand . Und die Beiden seufzten . » Es ist doch eigentümlich « , sagte Dex , » daß wir die Gewebe noch immer nicht näher untersuchen können , in der Nähe sind sie nicht zu ertragen - sie brennen schon auf unsrer gefleckten Haut , wenn man sich fünfzig Meter von dem Gewebe entfernt hält . Wenn wir durch Ballonhüllen geschützt sind , brennt das Gewebe nicht - aber - es weicht zurück . Und wir brauchen nur den Arm aus der Ballonhülle rauszustrecken , so brennt gleich wieder unsre gefleckte Haut . Und so kommen wir nie an das Gewebe ran , und wir wissen nicht , wer es gesponnen hat - und wozu es gesponnen wurde . « » Warum « , fragte nun Lesabéndio , » erzählst Du mir das ? Ich weiß es doch . Und Du weißt , daß ich es weiß . Du weißt , daß das jeder Pallasianer weiß . Wo willst Du hinaus ? « » Hm ! « sagte der Dex , » ich will nur sagen : das Gewebe ist nur ein einziges Geheimnis auf unsrem Stern . Aber es gibt deren noch mehr . Die großen Nüsse , die sich in den Bleiadern unsres Sterns finden , haben doch noch mehr Geheimnisse in sich . « » Ach so ! « rief da der Lesabéndio , » Du meinst - wir müßten noch mehr solche großen Nüsse finden - nicht wahr ? « » Ja « , sagte der Dex , » dann hätten wir so viele Arbeiter , wie wir brauchen . « Mit den Nüssen hatte es nun eine ganz besondere Bewandtnis : da staken nämlich die zukünftigen Pallasianer drin . Das Geschlecht der Pallasianer zu vergrößern oder zu verkleinern - das hing ganz allein von den bereits lebenden Pallasianern ab ; wollte man mehr Pallasianer haben , so brauchte man nur die in den Bleiadern gefundenen Nüsse aufzuknacken - dann sprang aus jeder Nuß ein neuer Pallasianer heraus . Der Labu beschäftigte sich viel mit der Aufsuchung der großen Nüsse ; zu ihm begaben sich nun die beiden Turmfreunde ; sie wollten von ihm gerne wissen , ob man nicht eine größere Anzahl von Nüssen irgendwo entdecken könnte . Für die Ernährung der frischgeknackten neuen Pallasianer mußte der Manesi sorgen ; der wußte mit allen Vegetationsangelegenheiten wohl Bescheid . In einer freien weißen Grotte oben am Rande des Nordtrichters fanden die Turmfreunde den Labu ; er stand grade mit sechs Freunden zusammen ; jeder von diesen sieben Pallasianern hatte einen schweren Bleihammer mit langem Stiel in der Hand . Mit diesen Hammern schlugen die Sieben mit voller Kraft auf die Nuß los - und da gabs plötzlich einen lauten Knall - und die Sieben sprangen zurück . Und dann platzte die Nuß plötzlich - die Stücke der Schale flogen zur Seite - und heraus schoß wie eine Rakete - ein junger Pallasianer , der sich gleich ganz heftig mit allen seinen Fingern das ganze Gesicht und besonders die Augen rieb . Sechstes Kapitel Es wird erst geschildert , was der frisch geknackte Pallasianer von dem Leben erzählt , das er vor seiner Knackung gelebt hat . Dann fahren Dex und Lesabéndio mit dem Labu in dessen kleinstes Atelier und lassen sich dort erklären , mit welchen Mitteln für die Folge die berühmten Knacknüsse aufgefunden werden können . Nachdem die beiden Turmfreunde in zwei Tagen dem Labu neue Arbeiter besorgt haben , fahren sie zum Manesi , der erklären soll , ob für die neu geknackten Pallasianer auch die genügende Anzahl von neuen Schwamm- und Pilzwiesen hergestellt werden kann . Manesi gibt befriedigende Aufklärung , ist anfänglich traurig , doch zum Schluß sehr vergnügt und zeigt seine neuen künstlichen Sonnen . Nachdem sich der kleine Pallasianer , der erst nach einigen Tagen die ganze Größe der alten Pallasianer bekam , längere Zeit die Augen gerieben hatte , versuchte er zu sprechen , und er sagte mühsam : » Bom-bim-ba-ri-zapa-zulli-as-as ! « Danach sprachen nun die alten Pallasianer zu dem Kleinen und setzten ihm auseinander , daß er auf dem Stern Pallas sei - und daß er doch Pallasianisch sprechen könnte und nicht in einer Sprache , die kein Pallasianer verstünde - er kenne doch die pallasianische Sprache - er solle sich doch nicht verstellen . Der Kleine hörte das eine Weile aufmerksam an , spannte die Kopfhaut wie einen Regenschirm auf und sagte langsam : » Ich verstehe schon , was Ihr sagt . Aber Ihr müßt mir Zeit lassen . Ich war in andern Welten . Wenn ich Euch die beschreiben könnte ! Eure Sprache versteh ich . « Danach rieb sich der Kleine wieder die Augen , machte sie lang zu Fernrohren und blickte ganz erstaunt umher . So ungefähr benahmen sich alle kleinen , frisch geknackten Pallasianer , und sie konnten wunderbarerweise alle gleich in den ersten Stunden die pallasianische Sprache verstehen und sprechen - es ging anfänglich nur ein bißchen langsam , und manche Ausdrücke fielen ihnen nicht sofort ein , sodaß man ihnen helfen mußte . Der Kleine , dem jetzt Lesabéndio , Dex und Labu und viele andre Pallasianer zuhörten , wurde nach seinen ersten Worten Bombimba genannt ; nach ihren ersten Worten wurden alle Pallasianer genannt . Bombimba sprach langsam das Folgende : » Es war mir so in letzter Zeit , als flögen viele Millionen flockenartige Gebilde , die so groß wie meine Kopfhaut sind , mit mir zusammen durch eine warme Luft . Diese flockenartigen Gebilde sprachen zu mir - so wie Ihr sprecht - so wie ich jetzt auch spreche . Sie sprachen sehr lange mit mir , aber ich konnte nicht sehen , wie sie aussahen - ich hörte sie nur und fühlte sie nur . Wir sahen aber sehr große Sterne , die unzählige Arme nach allen Seiten ausreckten - Arme mit vielen langen feinen Fingern . Wir haben auch solche Finger - ich auch . « Und der Kleine sah sich seine feinen Finger an - dann sah er sich auch seine groben starken Finger an und sagte lächelnd : » Solche groben Finger hatten die Sterne nicht . Aber jene Kopfhautwesen haben mir unsäglich viel von den großen und von den kleinen Sternen erzählt . Ich habe auch viel vom Pallas gehört , und die Sprache , die man auf dem Pallas spricht , die hat man mir beigebracht . Doch ich lernte auch Dinge kennen , für die man mir keine Worte gesagt hat - das waren große Gluten und Dinge darin , die so flatterten . Da flog vieles mit furchtbarem Krachen auseinander - und danach zog sich wieder alles so zusammen wie eine weiche bewegliche Haut - und da gabs auch Dinge , die Farbe hatten - aber die Farbe war ganz anders , als alle die Farben sind , die wir hier sehen . Es klangen auch Töne an mein Ohr , die ganz anders klangen als Eure Worte und meine Worte . Und ich schwebte dabei so auf der Seite und hörte durch alle Dinge durch - das , was in weiter Ferne lag . Aber ich kann nicht beschreiben , wies klang . Die Worte fehlen mir dafür . Die Kopfhautwesen waren auch bald fort , und ich konnte sie nicht mehr hören . Und dann kam immer wieder das furchtbare Krachen , und so viele Dinge gingen auseinander - blitzschnell ; die Teile sausten nur so durch den Raum . Und dann fühlte ich einen Stich in meinem Körper , und ich flog hoch empor . Und dann sah ich Euch . « Da erzählten die alten Pallasianer dem jungen , wie sie ihn geknackt hätten . Und darüber lachte der junge , machte sich ganz klein und schnellte sich dann hoch empor in die violette Himmelsluft . Die ersten Erzählungen der frisch geknackten Pallasianer wurden immer aufgeschrieben ; jeder der kleinen Pallasianer hatte immer etwas ganz Neues zu erzählen , was sich mit dem der andern kleinen nicht vergleichen ließ . Viele Pallasianer beschäftigten sich nur mit diesen ersten Erzählungen , die sehr viel zur Kenntnis der wesentlichen Natur der Pallasianer beitrugen - aber auch unzählige neue Rätsel aufgaben ; keiner der Frischgeknackten hatte so die Sprache der Pallasianer kennen gelernt wie der andre - und Alle faßten das Krachen der Hammerschläge als etwas Andres auf . Und dann schilderten die Kleinen die Welten , in denen sie gelebt hatten , immer so , daß die alten Zuhörer die Empfindung bekamen jeder von diesen Kleinen wäre ganz wo anders gewesen als der nächste . Der eine hatte unendlich lange Zeiten in langen Röhren gelebt und sprach immerzu von den weiten Perspektiven in diesen Röhren - der nächste kannte nur Wolken , die sich feucht anfühlten - dann sprach wieder ein andrer von flackernden Flammen , die man auf dem Pallas garnicht kannte , wohl aber auf anderen Sternen sah . Auch behaupteten viele Kleine , sie hätten in Wassermassen gelebt , die man auch nicht auf dem Pallas sehen konnte - die Vorstellung von Flüssigkeiten in größeren Massen erhielten die Pallasianer nur durch die Betrachtung einiger in der Nähe befindlichen Asteroïden , auf denen Alles anders war als auf dem Pallas . Labu wurde nun von Dex und Lesabéndio gebeten , Näheres über die Auffindbarkeit der berühmten Knacknüsse mitzuteilen . Und der Labu führte die Beiden in sein kleinstes Atelier ; er hatte zehn Ateliers - fünf in den Wänden des Nordtrichters und fünf in den Wänden des Südtrichters . Das kleinste Atelier befand sich im Nordtrichter und war nur eine Viertelmeile hoch und ebenso breit - und nur eine einzige Meile lang . Hier war die wichtigste Arbeitskammer des Labu ; hier stellte er hauptsächlich neue Flüssigkeitsmischungen her . Aber der Stern Pallas war ein sehr fester , harter - trockner Stern , auf dem es garnicht so leicht war , die Stoffe in die Flüssigkeitsform hinüberzuführen . Und so befanden sich die Flüssigkeitsquantitäten im schreiendsten Gegensatz zu der kolossalen Größe der Apparate , mit denen die Flüssigkeiten hergestellt wurden . In diesen Apparaten spielten nur elektrische und magnetische Kräfte und diejenigen Kräfte , die mit diesen beiden eng verwandt waren , eine Rolle ; das flackernde Feuer , das auf andern Sternen so vielfach in die Entwicklung eingriff , konnte auf dem Pallas nicht erzeugt werden ; das lag an der eigentümlichen Komposition der Atmosphäre . Als nun der Labu gefragt wurde , mit welchen neuen Mitteln er eine Entdeckung der berühmten Knacknüsse herbeiführen könnte , äußerte er sich folgendermaßen : » Unser Stern Pallas ist sehr hart , und wir können seinen harten Gliedmaßen nur sehr schwer beikommen . Auf andern Asteroïden ist es dem Rindenbewohner zuweilen viel leichter , ins Innere der Sterngliedmaßen zu gelangen - besonders dann , wenn es möglich ist , das freie , hell flackernde Feuer zu erzeugen , das wir nicht erzeugen können auf unserm Stern , da ja die Komposition unsrer Atmosphäre dieses ganz unmöglich macht . Und das Schlimmste in unsrer Feuerlosigkeit ist , daß wir durch diese auch verhindert werden , Sprengstoffe herzustellen . Wir können wohl alles Mögliche zum Glühen und Leuchten bringen - aber die helle Flamme ist uns nicht gegeben . Und so können wir nichts in einfacher Art vernichten , um hinter dem Vernichteten in andre Sphären zu dringen . « » Daß « , meinte nun Dex , » wir nichts vernichten können , ist auch ein Vorzug unsres Sterns ; wir müssen unsern Stern sehr hochschätzen , daß er uns nicht gestattet , etwas in seinen Gliedern zu vernichten . Könnten wir das , so müßten wir annehmen , daß diese Glieder noch keine abgeschlossene , vollendete Form erhalten haben . « Lesabéndio schüttelte erregt die Finger eines seiner rechten Arme in der Luft herum und sagte ungeduldig : » Wir wollen aber nicht vom Thema abkommen ; Labu will uns doch nur sagen , ob es ihm gelungen ist , mehr Knacknüsse zu entdecken als bisher . « Der Labu wies mit allen Armen seiner rechten Körperseite auf seine vielen großen Maschinen und Apparate und sagte langsam : » Wenn Ihr wüßtet , wieviel ich in den letzten Tagen gearbeitet habe , so würdet Ihr nicht so ungeduldig sein . Jawohl , es ist mir gelungen , fünfundachtzig verschiedene Flüssigkeiten herzustellen , und von diesen ist eine einzige so beschaffen , daß sie auf Pallasblei reagiert . Wenn ich nun mehr von dieser Flüssigkeit herstelle - und das wird mir gelingen , so ' können wir an allen Wänden gleich feststellen , ob wir da auf eine Bleiader stoßen werden . « » Das ist ja großartig ! « rief Lesabéndio . Aber der Labu sagte lächelnd : » Und außerdem weiß ich jetzt , daß meine Flüssigkeit , die sonst immer rot aussieht , bläuliche Flocken erhält , wenn - « » Nun sprich doch ! « rief der Lesabéndio . » Das tu ich « , erwiderte Labu lächelnd , » erst dann , wenn Du Dir die Ungeduld abgewöhnt hast . « Da lächelten alle Drei , und sie schwiegen ein paar Augenblicke . Und dann sagte der Labu : » Wenn die bläulichen Flocken kommen , dann sind auch Nüsse im Blei ; das weiß ich jetzt ganz genau ; dreimal hats gestimmt ; es wird auch öfter stimmen - immer stimmen . « Da reckten Lesabéndio und Dex ihre Körper hoch auf - und dann beglückwünschten sie den Labu - und erzählten ihm nun , wie nötig es wäre , mehr Nüsse zu finden , um Arbeiter für den großen Nordtrichterturm herbeizuschaffen . Da rief aber der Labu in all die Begeisterung hinein : » Langsam müssen wir fahren ; ich habe erst anderthalb Liter von meiner neuen Flüssigkeit hergestellt . Besorgt mir Arbeiter , daß ich mehr herstellen kann - denn mit anderthalb Litern ist nicht viel zu machen . « Und darauf erklärte er die Arbeiten an seinen neuen Apparaten , und Dex und Lesabéndio hatten danach zwei Tage und zwei Nächte zu tun , um eine größere Anzahl von Pallasianern zu veranlassen , das Laboratorium des Labu aufzusuchen und dort an dessen neuen Apparaten zu arbeiten . Nachdem das die beiden Turmfreunde getan hatten , begaben sie sich zum Manesi . Der Manesi war ganz allein auf dem Pallas imstande , darüber zu entscheiden , ob die neuen Knacknüsse , die man in größerer Anzahl zu finden hoffte , geknackt werden durften - oder nicht . Wars dem Manesi möglich , die Pilz- und Schwammwiesen zu verzehnfachen , so konnten auch zehnmal soviel Pallasianer als bisher sich auf dem Pallas ernähren . Konnten die nahrhaften Wiesen nur verfünffacht werden , so konnten nur fünfmal soviel Pallasianer als bisher auf dem Stern Pallas leben . Manesi empfing den Dex und Lesabéndio mit ganz traurigen Worten . » Ja « , sagte er , » ich weiß schon , warum Ihr zu mir kommt . Ich soll Euch helfen . Und ich will Euch natürlich auch helfen . Wir helfen ja immer einander ; alle Pallasianer tun das ; und ich wäre kein echter Pallasianer , wenn ich nicht auch Euch helfen wollte . Aber wenn ich Euch helfe , zerstöre ich meine Lieblingsgedanken . Und das werdet Ihr nicht so ohne Weiteres wollen . Ihr werdet Rücksicht nehmen auf das , was mir das Teuerste ist . « Dex und Lesabéndio beteuerten natürlich , daß sie keineswegs die Lieblingsgedanken des Manesi zerstören möchten . Das klang aber nicht so , daß der Manesi dadurch beruhigt wurde . Die Drei saßen in Manesis größtem Atelier ; Manesi hatte zwanzig Ateliers ; das größte lag tief unten in den Wänden des Südkraters . In dem Atelier waren sehr viele neue Pflanzen zu sehen . Die Pflanzen hatten nicht alle rundliche Ballons an Stelle der Blüten - es gab auch Pflanzen mit ganz dünnen scheibenförmigen Ballons , und diese hatten an den Rändern der Scheiben lange spitze Stacheln . Alle diese Ballons konnte der Manesi durch ein künstliches Mittel jederzeit aufblasen und im Innern phosphoreszierend machen , daß es im Innern flackerte und flirrte in unzähligen Farben . Das künstliche Mittel , mit dem das hergestellt wurde , was draußen im Trichter nur während der Nacht möglich wurde - bestand in einer besonders gedämpften Beleuchtung von allen Seiten . » Pilze und Schwämme « , sagte der Manesi , » kann ich in andrer Weise zum intensivsten Leben künstlich reizen : durch eine kolossale Lichtfülle ! Und so ist es mir möglich , die Ballonblumen , die sonst nur nachts wachsen , auch am Tage wachsen zu lassen - durch ein besonders gedämpftes Licht . Und andrerseits kann ich die Pilze und Schwämme auch in der Nacht wachsen lassen - durch ein außerordentlich helles Licht . « » Das ist ja großartig « , rief der Lesabéndio , » dann können wir ja Pilze und Schwämme in allen Höhlen und Ateliers wachsen lassen - dann können wir ja die Zahl der Pallasianer verzwanzigfachen . « » Ich weiß , wie Ihr seid « , sagte der Manesi , » Ihr bedenkt aber nicht , daß unser Stern wahrhaftig nicht interessanter wird , wenn wir überall nur Pilz- und Schwammwiesen anlegen . Ihr zerdrückt mit Eurem großen Turm alle künstlerischen Errungenschaften der Pallasianer . Wo soll ich denn meine neuesten Ballonpflanzen hinbringen ? « » In die Gerippe unseres Turms ! « rief da der Lesabéndio stürmisch und reckte sich hoch auf . Da sah der Manesi plötzlich ganz lustig ins Weite und rief lachend : » Das geht allerdings ; es sind alles Rankengewächse . « Und dann führte Manesi die beiden Turmfreunde in seine Lichthöhle und ließ dort alle seine neuen Sonnen auf einmal aufleuchten . Dex und Lesabéndio schlugen schnell die Kopfhaut vorn zusammen ; so blendete das Licht der neuen Sonnen . Siebentes Kapitel Lesabéndio begibt sich zum Biba , der sehr viel von der Konzentration und von der Ergiebigkeit erzählt . Biba veranstaltet danach eine Buchausgabe , um über die Natur der Doppelasteroïden aufzuklären . Es werden nun viele neue Knacknüsse gefunden , und Manesi pflanzt viele neue Pilz- und Schwammwiesen . Der Bau des Nordtrichterturms wird aber dadurch keineswegs gefördert , da die Pallasianer das ganze Unternehmen für zu waghalsig halten ; besonders wird die Größe der Atmosphäre bezweifelt . Lesabéndio läßt sich danach mit Biba vom Südtrichter aus in die Südatmosphäre hineinschnellen , um die Dicke dieser Atmosphäre kennen zu lernen . Als nun Lesabéndio einsah , daß Manesi schon für die Ernährung der neuen Pallasianer sorgen würde - da atmete er erleichtert auf . » Alles wird besser gehen , als wir dachten ! « sagte der Dex . Und