recht , wie er sich dazu stelle . Er hörte aufmerksam , was man ihm erzählte , und er seufzte , wenn es recht dick daherkam und die Worte des Schuller ein schlechtes Gepräge trugen . Wer das für Sanftmut hielt , war grob im Irrtum ; der hochwürdige Herr hatte ein zorniges Gemüt und verzieh keine Beleidigung . Jedoch er wußte , daß man dem Feind am meisten schadet , wenn man die günstige Stunde abwartet . Unter den Vertrauten des Pfarrers führte der Hierangl das lauteste Wort . Seit vielen Jahren lebte er in Feindschaft mit dem Schuller ; er hatte einen Prozeß gegen ihn verloren , und in der Wut darüber hatte er gesagt , daß der Schuller seine Zeugen zum Meineid verleitet habe . Deswegen wurde er wegen Beleidigung acht Tage lang eingesperrt und mußte obendrein sehen , daß ihm die achtbaren Männer in der Gemeinde nicht recht gaben . Sie wählten seinen Feind zum Beigeordneten . Seit der Zeit trat er ihm in den Weg , wo er konnte ; und wie der Schuller gegen den Pfarrer anstritt , war der Hierangl von selber auf der geistlichen Seite . Sein Zorn wuchs , weil er nichts ausrichten konnte , und er ließ sich ein paarmal hinreißen , daß er dem Beigeordneten schlechte Dinge nachsagte . Hinterdrein mußte er sie vor dem Bürgermeister abbitten und froh sein , wenn ihn der Schuller nicht wieder verklagte . Jetzt , meinte der Hierangl , wäre die Zeit gekommen , daß man die alte Schuld heimzahlen könnte , und der Pfarrer sollte mit Gericht und Advokaten über den Schuller einrücken . Aber der hochwürdige Herr verwies ihm seine Heftigkeit und sagte , daß er mitnichten so verfahren wolle ; jedoch , wenn der Schuller in seinem schlechten Sinne beharre , werde er auf andere Weise gegen ihn einschreiten und als Seelsorger bedacht sein , daß nicht die Gemeinde zu Schaden käme . Da merkte der Hierangl gut , daß seinem Feinde nichts geschenkt bleibe . Auch andere glaubten das , und der Haberlschneider warnte den Schuller mehr als einmal . » Du sollst di nit a so auslassen , « sagte er , » du kennst insern Pfarrer z ' weni . Hör ' n tuat er alles , und vagessen gar nix , und bal ' st as amal gar it moanst , werst ' as mit Schaden inne wer ' n. « » Der ko mi gar nix macha ; auf den paß ' i scho lang nimma auf . « » Ja , mei Liaba , dös sagst du a so ; aba du derfst it vagessen . Helfer hat er grad ' g ' nua , und schlauch is er aa . « » Dös derf er scho sei . Woaßt , Haberlschneider , daß er mi it mog , dös woaß i guat g ' nua , aba i fürcht eahm it , und seine Helfer scho gar it . « Das sagte der Schuller , weil er tat , was recht war . Aber er mußte bald sehen , daß man nicht Herr ist über alles , was geschieht . Eines Abends , wie er daheim saß , rückte seine Bäuerin mit der Neuigkeit heraus . Die Ursula sei in der Hoffnung vom Hierangl Xaver . Das erste war zuwider genug . Eine Bauerntochter soll mehr auf sich halten wie eine Dienstmagd , aber das zweite machte die Sache schlecht . Wäre es ein anderer gewesen , der hätte geheiratet oder gezahlt , und weil die Ursula sonst ein arbeitsames Weibsbild war , hätte sie wegen dem Kind noch einen jeden heiraten können . Aber der Hierangl hängte ihr Schande an , das war einmal gewiß . Den Jungen hetzte der Alte auf , wenn es das noch brauchte . » Hätt ' st besser aufpaßt ! « schrie der Schuller , » jetzt werst ' sehg ' n wia ' s geht . Der Tropf , der ziagt ins aa no eini ins G ' red . Dem is nix z ' schlecht . Daß du gor it aufpaßt ? Für was bischt denn du d ' Muatta ? « » Do ko ' st leicht aufpassen , wann mi nix denkt . I woaß it , wia sie so dumm g ' wen is ; da , frag s ' selm ! « sagte die Schullerin , weil die Ursula hereinkam . Sie blieb an der Türe stehen und schaute verlegen drein . » Was hat mi denn d ' Muatta g ' sagt ? « fragte der Schuller ; » daß du di mit ' n Hierangl ei ' lassen host ? Is dir der Schlechtest g ' rad recht g ' wen ? Hab i net allmal g ' sagt , ' s luschti sei verbiat i dir net , aba du muaßt wissen , bei wem d ' bist ? « » So schrei do it gar a so ! « wehrte die Schullerin ab ; » du muaßt do auf de Deanstbot ' n an Obacht hamm ! « » Hätt ' s ös z ' erscht an Obacht g ' habt ! Jetzt is scho z ' spat ; de Leut wern si bald g ' nua hör ' n ; hast du no net g ' redt mit eahm ? Hast as eahm du no net g ' sagt ? « » Jo . I ho ' s eahm scho zwissen g ' macht . « » Und was sagt er nacha ? « » Wegschwör ' n will er si ; aber dös ko er durchaus gar it . « » Ja , do werd er di frag ' n , du Lall ' n , du dappige . Geh in Stall außi , sinst schlag i dir ' s Kreuz o , du Herrgottsakrament ! « » Er hat mi ' s Heirat ' n g ' hoaßen . « » De Dumma hoaßt ma viel und lacht s ' aus . Host ' n du net kennt , den ? Host du dahoam net allawei g ' hört , was des für Leut san ? « » Wann er ihr ' s Heirat ' n g ' hoaßen hat , nacha muaß er do b ' steh drauf , « mischte sich die Schullerin ein . » Gib ' s denn do gar koa G ' setz ? « » Host ja g ' hört , daß er si wegschwör ' n will . Der werd si scho was z ' sammlüag ' n , daß sie mit Schanden dosteht . Dös hätt ' sie de Loas z ' erscht denka kinna . Jetzt geh außi in Stall ! « Ursula brummte vor sich hin und ging . » Du sollst it gar a so grob sei , « sagte die Schullerin , » dös helft jetzt aa nix mehr . « » Da host recht . Bal no was helfet , nacha tat i mi net so zürna . « » Es is andere Leut ' n aa scho passiert , vielleicht geht ' s besser außi , als d ' moanst . « » Ös Weiberleut seid ' s glei tröst . I ko dir ' s g ' nau sag ' n , wia ' s nausgeht . Der Hierangl suacht scho lang was geg ' n mi , und jetzt hat er was g ' funden . Bal si der Jung bloß weglaugna tat , dös waar no gar it des ärgst . Aba der Alt ' freut si , wenn ' s an Prozeß gibt ; der setzt oa Lug auf de ander , und des meist geht geg ' n mi , net geg ' n ' s Madel . « » Red ' n muaßt halt do mit eahm . « » Mit ' n Junga scho ; mit ' n Alten it . « Die Unterredung kam bald . Nach ein paar Tagen , als der Hierangl Xaver am Jägerbergl ackerte . Der Schuller säte nicht weit von ihm Winterroggen und ging bedächtig die Höhe hinan . Die blaue Schürze , in welcher die Saatkörner lagen , hielt er zusammengerafft und warf bei jedem zweiten Schritte eine Handvoll über die Furchen . Er gab wohl acht , daß die Würfe nicht gegen den Wind geschahen , weil sie sonst zusammengeschoben oder verweht werden . Als der Schurz geleert war , ließ ihn der Schuller fallen und stieg über die Schollen zum Xaver hinüber . » Du , i ho mit dir was z ' red ' n , « sagte er . Der Hierangl hielt an und fragte : » Was denn nacha ? « » Du woaßt , wia ' s mit der Urschula steht . Wia is denn nacha dös ? « » Do werd it viel sei , « sagte der Xaver . » So ? « » Na . Dös bekümmert mi gar nix . « » Du mögst di gern weglaugna , gel ? « » I bekümmer ' mi gar nix drum . « » Du muaßt it moan , daß i di ums Heirat ' n bitt ' . Du müaßt erscht sehg ' n , ob ' s mir recht waar . « » Auf dös brauchst it wart ' n , daß i um a deinige Tochta kimm . « Der Schuller wurde zornig , wie er den frechen Burschen ansah . Der getraute sich , den gestandenen Mann zu verhöhnen , und zog die Mundwinkel hinauf , als wollte er lachen . » Du schamst di gor it ? « fragte der Bauer . » Du tatst di no prahl ' n damit , ha ? Aber paß auf , ob ' s dir so nausgeht , wia ' s d ' moanst . « » Dös wer ' n mi ja sehg ' n. « » Dös werst aa sehg ' n , bal ' s zum Zahl ' n kimmt . « » Dös scheuch i gor it ; es teilen sie grad ' gnua drei , da trifft auf an jed ' n nit viel . « » Sagst du dös ? Derfst du dös sag ' n ? « Der Schuller packte den Burschen an der Brust und schüttelte ihn heftig . » Laß aus ! « schrie Xaver . » I laß mi vo dir it beuteln . « » Du ... du Lausbua , du ganz schlechta ... derschmeißen tat i di allaweil , wann ' st ma net z ' weni waarst . « » Laß aus ! sag ' i. « » Da ... Rotzbua ! « Der Xaver bekam einen Stoß , daß er ein paar Schritte nach rückwärts stolperte , und war wieder frei . Seine heimtückischen Augen funkelten vor Wut , aber er sagte bloß : » Dös werd si aufweisen , ob du mi auf insern Grund o ' packen derfst . « Er trieb seine Pferde an , und der Schuller kehrte um , ohne ihm eine Antwort zu geben . Wie er auf seinem Acker stand und den Schurz wieder mit Saatkörnern füllte , hörte er laut schreien . Der Xaver schimpfte gegen ihn herunter und drohte ihm mit der Faust . Er konnte die Worte nicht hören , aber er wußte wohl , daß sie nicht freundlich waren . » Jetzt schimpfst , « sagte er vor sich hin , » weil ' st weit g ' nua weg bist , du Haderlump ! Geh hoam , du paßt zu dein Vatern . « Er schritt an und säte . Aber die Körner flogen ihm weiter , als er wollte , und zuweilen blieben sie ihm in der geballten Faust . Es verdroß ihn , daß der halbgewachsene Bursche sich so frech gegen ihn gestellt hatte und beinah mit ihm gerauft hätte . Was sich der traute gegen ihn ! Daß man deutlich merkte , wie sein Ansehen nichts war gegen den Rotzlöffel . Der Schuller ging zornig vom Felde heim und setzte sich zornig an den Tisch . Die Ursula hatte keine schönen Tage , und sie tat gut daran , wenn sie dem Vater aus dem Wege ging . Der Schullerin half es wenig , daß sie beschwichtigen wollte . Es war dummes Zeug , was sie redete . » Du muaßt halt denken , jetzt is scho , wia ' s is , und mit dein ganzen Vadruß kannst ' as nimma anderst macha , und jetz is schon vorbei . « Es war nicht vorbei . Freilich , die Bäuerin sah das nicht . Aber der Schuller wußte gut , daß die Unordnung im eigenen Haus einen Mann schädigt , der für andere hinstehen will , und daß der geringste Gegner im Vorteil ist , wenn er einen wunden Fleck zum Angriff erwischt . Er bekam schon den Sonntag darauf recht mit seiner Befürchtung . Da predigte der Pfarrer über das Evangelium des heiligen Matthäus vom bösen Knecht . » In derselben Zeit trug Jesus seinen Jüngern dieses Gleichnis vor . Im Himmelreich ist es wie mit einem Könige , der mit seinen Knechten abrechnen wollte . Da er zu rechnen anfing , brachte man ihm einen , der ihm zehntausend Talente schuldig war . Als dieser nichts hatte , wovon er bezahlen konnte , befahl sein Herr , ihn und sein Weib und seine Kinder und alles , was er hatte , zu verkaufen . « Hier knüpfte der hochwürdige Herr an und sagte : » Warum befahl der König , nicht nur den Schuldner , sondern auch sein Weib und seine Kinder zu verkaufen ? Ihr-Leute , das will ich euch erklären . Wo es in einem Hause schlecht geht , hat selten eines allein die Schuld . Von den anderen wird häufig dazu Anlaß gegeben durch Einwilligung , Stillschweigen , Übersehung . Da gibt es Leute , welche der Meinung sind , sie wären so gescheit , daß sie überall darein reden dürfen . Sie widersprechen der weltlichen Obrigkeit und geben Ratschläge , wie man es besser macht ; ja sogar die geistliche Obrigkeit muß es sich gefallen lassen , daß so ein Siebengescheiter seinen Willen durchsetzen will . Aber wie sieht es oft aus bei einem solchen in Dingen , die ihn mehr angehen ? In seiner Familie , in seinem Hause ? Da merkt man nichts von der großen Gescheitheit und vom guten Regiment . Einer , der Herr sein will über den Staat und die Kirche , vermag seine Dienstboten nicht in Ordnung zu halten , ja nicht einmal seine Kinder . Wäre es nicht besser , er hätte seinen Willen darauf gerichtet , daß man ihn als rechtschaffenen Hausvater betrachten , kann , als daß er sich um fremde Dinge bekümmert ? Das ist auch eine sichtbare Warnung für alle , die einem solchen anhängen . Diese sollten sich fragen , ob sie dem Rate eines Mannes folgen dürfen , der in seinem eigenen Hause das Schlechte duldet oder nicht unterdrücken kann . Und sie müßten sagen : Nein ! Dieser Mann kann uns kein Beispiel sein . Denn wie sagt Jesus zu seinen Jüngern ? Hütet euch vor den falschen Propheten , und an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen . Jeder gute Baum bringt gute Früchte , aber ein schlechter Baum bringt schlechte Früchte . Darum , wenn man sieht , daß in dem Hauswesen eines Mannes unziemliche Dinge vorkommen , so wissen wir , daß man seinen Worten nicht folgen darf . Seine Früchte sind schlecht , und er selbst kann nicht als gut erfunden werden . Amen . « In der Kirche saß keiner , der den Pfarrer nicht verstand . Der Hierangl hatte überall erzählt , daß sein Sohn vom Schuller angepackt worden war , weil er sich nicht dazu hergeben wollte , den Vater von der Ursula ihrem Kinde zu machen . Eine Dienstmagd , die der Schuller davongejagt hatte , erzählte auch , daß die Ursula in andern Umständen sei , und so war es leicht zu sehen , wen der Pfarrer meinte . Der Schuller war nicht in der Kirche , aber seine Bäuerin kam mit brennrotem Kopfe heim und erzählte ihm , was sie hätte anhören müssen . » I hätt ' mi am liabern vaschloffa , so hon i mi g ' schamt , « sagte sie . » Do brauchst di du gor it vaschliaffen . « » Ja , was moanst denn ? In de vordern Bänk ' hamm sie si alle umdraht nach meiner , und de Bäcker Ulrich Marie hat d ' Pratz ' n vors Mäu g ' habt und hat recht eini g ' lacht , daß ' s ja alle Leut ' sehg ' n. « » Da brauchst du di gor it vaschliaffen , « wiederholte der Schuller , » de Schand ' trifft an andern , der wo so schlecht is und nimmt d ' Kanzel her zu seiner Feindschaft . « » An den Früchten werdet ihr es erkennen , wo es in einem Hause schlecht ist , hat er g ' sagt , und einem Manne dürfet ihr nicht trauen , der wo die Schlechtigkeit duldet . Mi hamm do ' s Deandl mit Rechten aufzog ' n , und für dös kinna mir ' s aa it derschlag ' n. « Die Schullerin weinte . » Z ' weg ' n dem brauchst it trentzen , « sagte der Bauer , » was der red ' t , is gar nix . Des sell acht i gar it . « » Warum hat er nacha nix predigt , wia ' r an Schreiber sei Zenzl a Kind kriagt hat ? Da hat ma nix g ' hört von einem schlechten Haus . Grad ' ins tat er de Schand ' o vor allsamt Leuten . « Der Schuller gab ihr keine Antwort ; er sah zum Fenster hinaus auf die Straße . Schräg gegenüber beim Schuhsteffel standen noch einige Kirchgängerinnen und steckten die Köpfe zusammen . Hie und da drehte sich eine herum und warf einen geschwinden Blick herüber . Da sagte der Schuller : » Bäurin , tua mir an Rock außa . I geh ' ins Wirtshaus . « » Geh , bleib dahoam ! De red ' n heut ' do nix anders , als wia vo dera Predigt . « » Grad ' desz ' weg ' n geh ' n i. Sinscht moana d ' Leut ' , i vasteck ' mi . « Er legte den dunkelblauen Feiertagsrock an und ging durch das Dorf . Die Bäcker Ulrich Marie , welche sich hinter ihre Haustüre stellte und ihm lange nachsah , wunderte sich über seine ruhige Miene und sagte zu der Zwergerin : » Er muaß ' s no it wissen . « Die Zwergerin kannte die Menschen besser . » Do bist irr ' , « sagte sie , » wenn ' st moanst , der Schuller loßt si was mirk ' n. Der woaß ' s scho lang ' . « Beim Wirt saßen viele Leute ; man hörte ihre Unterhaltung schon im Hausgange . Aber wie der Schuller eintrat , war es mit einem Male still , und alle drehten sich nach ihm um . Er grüßte kurz und setzte sich wie immer an den Ofentisch , wo die größeren Bauern saßen . Der Haberlschneider rückte ein wenig hinein und machte ihm Platz . » Wo kimmst denn her ? « fragte ihn der alte Lochmann . » I ? Von dahoam . « » I ho mir denkt , du bist z ' Webling g ' wen . « - » Na . « Es trat wieder eine Pause ein , und der Webergütler , der ein oft gesehener Gast im Pfarrhofe war , zahlte sein Bier und ging . Der Haberlschneider unterbrach die Stille und fragte : » Bist scho bald firti mit ' n bau ' n , Schuller ? « » No nit völli . D ' Schaffelbroat ' n hab ' i no , nacha is g ' schehg ' n. « » Was baust denn ? « » An Woatz . « » Hast z ' letzt an Raps dort g ' habt ? « » Ja . « » Er waar scho recht , da Raps , wann ma no net gar so weni löset dafür . « Das Gespräch war in Gang gekommen , und der Schuller konnte seine Sachkenntnis zeigen . Aber wie der alte Lochmann aufstand , rückte der Geitner um einen Platz herauf . Er war als ein Mann bekannt , der gerne herumhorchte . Niemand traute ihm , aber da er jedem schön tat und offene Feindseligkeit vermied , kam keiner dazu , daß er ihm die Wahrheit gründlich sagte . Der Geitner rückte herauf und sagte plötzlich , indem er mit der Hand auf den Tisch schlug : » Und dös glaub ' i amal net , daß der Schuller a schlecht ' s Hauswesen führt . Dös glaub ' i durchaus gar net . « Obwohl niemand widersprach , steigerte er seinen Eifer und schrie so laut , daß ihn alle Leute hören mußten : » Dös glaub ' i net . Und bal ' s oana anderst sagt , nacha bin i scho do ! Der Schuller wirtschaft ' it schlecht . Dös gibt ' gor it . « » Geh , sei staad ! « sagte der Haberlschneider . » Na , do bin i it staad . Dös glaub ' i amal net . Siehg ' st , Schuller , i woaß , daß di dös verdriaßen muaß , was heut ' über di g ' red ' t worn is . Aba bei mir , host g ' hört , do find dös koan Glaub ' n. Du vastehst mi scho . « In der Stube wurde es still , und alle schauten neugierig , was der Schuller wohl tun werde . Der stand langsam auf und sagte : » I vasteh ' di guat , Geitner , aba i sag ' dir bloß dös . Der schlechtest Mensch is der Ehrabschneider , und wann oaner de Kircha dazua hernimmt , nacha is er zwoamal schlecht . Und dös derfst überall verzähl ' n , wo ' st magst . « » I ? Was glaabst denn ? I steh ' ja durchaus bei dir ! Da gibt ' s gar nix . « Der Schuller gab ihm keine Antwort und ging mit dem Haberlschneider aus der Stube . Sie nahmen nicht den Weg durch das Dorf , sondern bogen hinter dem Wirtshaus in einen Feldweg ein . Der Schuller fragte kurz : » Was sagst denn du dazua ? « » Daß da Geitner a Tropf is . « » Und de Predigt ? « » Dös hat mi gar it g ' wundert , Schuller . I hab ' das g ' sagt , der Pfarra paßt dir an Weg ab . Hoaß is er scho lang auf di , und jetzt erst recht , weil er woaß , daß mir di zum Bürgermoasta hamm woll ' n. « Der Schuller blieb stehen . » Wia ' st mi vor acht Täg g ' fragt hast , hon i dir mit Wahrheit g ' sagt , daß i net gern Bürgermoasta wer . Aber jetzt , Haberlschneider , sieh ' gst , jetzt möcht ' i ' s wer ' n. Und wenn ' s bloß desz ' weg ' n waar , daß mi der ander it ganz veracht ' n derf . « Fünftes Kapitel Es war ein frischer Herbstmorgen in Nußbach . Aus den großen Schornsteinen der Bierbrauerei zum Stern stieg der Rauch gerade in die Höhe , und der Gockel auf dem Kirchturme drehte den Kopf nach Westen . Die eine Hälfte des Marktplatzes lag in hellem Sonnenscheine , und aus allen Häusern liefen die Hunde auf die warme Seite hinüber . Der Buchdrucker Schüchel verließ seinen dunklen Laden und ging zum Melber Wimmer , der mit anderen Bürgern in der Sonne stand . Denn um diese Jahreszeit freuten sich Menschen und Tiere an ihren Strahlen . Ein offener Einspänner kam die Ingolstädter Straße herauf . Ein kräftiger Schimmel zog ihn , und die Hufeisen klapperten in langsamem Takte auf dem Steinpflaster . Neben dem Kutscher saß ein Mann in geistlicher Tracht , und der Wagen hing stark auf seine Seite hinüber . Vor dem Sternbräu hielt das Fuhrwerk . Der Dicke stieg schwerfällig herunter , und die Bürger grüßten ihn . Er spreizte die Beine von sich , wie einer , dem langes Sitzen sauer gefallen ist , und schritt bedächtig den Marktplatz hinunter . Der Schuster Prantl sah ihn von seinem Drehstuhle aus . Er legte Nadel und Pfriemen weg und ging auf die Straße zu seinen Mitbürgern . » Habt ' s an Pfarra vo Giabing g ' sehg ' n ? « fragte er . » Der werd halt wieder zu unsern Großkopfeten geh ' , « sagte Wimmer . Und er meinte damit den königlichen Bezirksamtmann Otteneder , welcher gerade am Fenster stand und mürrisch heruntersah . Seine Untertanen gefielen ihm nicht ; er warf verächtlich die Lippe auf und sagte vor sich hin : » Faules Pack ! Steht auf der Straße herum und stiehlt dem lieben Herrgott den Tag . « Abneigung von oben wie von unten . Es war eine schlimme Zeit . Diese Bürger gewährten wohl ein friedliches Bild ; aber wer ihre Reden hörte , als sie später beim Frühschoppen saßen , der gewann einen anderen Eindruck . Der Buchdrucker Schüchel vermaß sich , daß er in seinem Wochenblatt einen unerbittlichen Kampf gegen Beamte und Geistlichkeit führen wolle ; und der Melber Wimmer schlug auf den Tisch und sagte , daß die Regierung mit Absicht den Mittelstand zugrunde richte . Welcher Geist war in diese Leute gefahren , die sich früher als ruhige Männer und besorgte Familienväter gezeigt hatten ? Es war der Geist der Auflehnung , der zuerst die Bauern ergriff , und dem sich die Bürger nicht verschließen konnten . Die Kaufleute spürten , daß es den Bauern an Geld fehlte , die Handwerker klagten über das nämliche ; alle billigten eine Bewegung , von der sie Besserung hofften . Treue Untertanen wurden irre an ihrer Pflicht und an ihrem Glauben . Die Bauern verloren zuerst den festen Halt . Es war auch früher vorgekommen , daß einer jammerte über schlechte Preise und hohe Steuern . Aber er tat es bei den Behörden und mit ehrerbietigen Worten . Er bat nur für sich um einen kleinen Vorteil und war zufrieden , wenn sein Nachbar weniger erhielt . Jetzt kamen die Leute mit ungestümen Forderungen und verlangten Rechenschaft von der Obrigkeit . Und was das Schlimmste war , sie kehrten sich gegen ihre Priester . Man sagte , die Geistlichkeit habe Schuld daran , weil sie zuerst den Glauben mit der Politik vermischt habe . Aber die ließ es nicht gelten und jammerte von den Kanzeln herunter , wie der Glaube der Väter dahinschwinde , und wie die Kirche in Bedrängnis komme . Die Bauern ließen sie reden und zählten grimmig das Geld , welches sie auf den Schrannen lösten . Siebzehn Mark für den Scheffel Korn , zweiundzwanzig für den Weizen . Und sie erinnerten sich noch gut an die Zeit , wo die Frucht mehr wie das Doppelte galt . Das ließen die Leute zu , denen sie ihr Vertrauen schenkten , die sie nach Berlin in den Reichstag schickten , damit sie frei hinstünden und sagten , was den Bauern not tue . Es kam eine arge Wut über die Leute . In Niederbayern fing es an . Da rührten sie sich zuerst und fanden unter sich Männer , die sagen konnten , was alle meinten . Es war grob und heftig ; aber Leute , die lange den Zorn in sich hineinfressen , hauen über die Schnur , wenn sie das Reden anfangen . Und wird die Ehrfurcht locker , dann schlägt sie leicht in das Gegenteil um . Es fielen böse Worte , und der Kampf verschärfte sich von einem Tag zum andern . Das Feuer schlug nach Oberbayern herüber ; es flackerte da und dort auf . Es wurden Markgenossenschaften gegründet , ein Waldbauernbund tat sich zusammen ; der Hutzenauer von Ruhpolding probierte das Reden , und es ging ihm gut genug . Andere machten es ihm nach , und jeder hatte Erfolg , wenn er sagte , daß der Bauer obenauf kommen müsse . Die bündlerischen Zeitungen fanden Eingang in die Gemeinden ; überall gärte es , überall war der Boden bereitet . Es fehlte nur am rechten Zusammenhalten ; und es fehlte an der Agitation . » Versammlungen müssen her , « sagte der Melber Wimmer , » und Vertrauensmänner . Sonst woaß ma ' r überhaupt net , wer zu oan steht . « » Vor allem a Versammlung , « meinte Prantl , » und de Versammlung muaß in Nußbach sei ' . De Leut ' müassen sehg ' n , daß si was rührt . « » Das ist auch meine Ansicht sozusagen , « pflichtete Schüchel bei ; » Nußbach ist der Mittelpunkt . Sozusagen die Zentrale . Von da aus muß die Bewegung sozusagen strahlenförmig auseinandergehen . Also net wahr , wenn ich zum Beispiel hier einen Kreis ziehe . Geh , Anna , bringen S ' mir eine Kreiden ! « » Dös braucht ' s net , « sagte Prantl , » lassen S ' uns aus mit eahnern Kreis und eahnere Strahlen ! « » Ja , wenn die Herren meinen , aber das kann man doch auch mit Ruhe sagen , net wahr ? Übrigens