sonst schwer fallen oder gar unmöglich sein würde ? Es ist das für mich ja eine Kleinigkeit , grad so , wie wenn ein Pferd beim Füttern einige Körner verliert , die von einem Sperling aufgetippt werden . « » Danke herzlich für diesen vortrefflichen Vergleich ! « lachte ich . » War nicht so , sondern anders gemeint ! Sehe ein , daß ich auch ein aufrichtiges Wort bringen muß . Hört mich ruhig an ! « » Sehr gern ! « » Wenn ich in meine volle Tasche greife , um einige armselige Piaster für Euch auszugeben , so wollt Ihr mir das nicht gestatten . Ich aber soll es mir ruhig gefallen lassen , daß Ihr in Euern Kopf , in Eure Kenntnisse , in Eure reichen Erfahrungen greift und für mich mit Eurer geistigen , intellektuellen Münze nur so um Euch werft ! Münze ist Münze ; ob aus den Schätzen Eures Verstandes oder aus unserer Bank von England entnommen , das bleibt sich gleich . Soll ich welche von Euch einnehmen , so muß auch ich von der meinigen ausgeben dürfen , wenn ich mich nicht als armer Almosenempfänger fühlen soll ; das müßt Ihr doch einsehen ! Oder nicht ? « » Ich will zugeben , daß das , was Ihr da gesagt habt , nicht ohne einige Berechtigung ist , und will , so wie ich es früher nicht war , auch jetzt nicht dagegen sein , daß Ihr zuweilen einmal in Eure wohlgefüllte Tasche greift ; aber Ihr dürft damit nicht die Ansicht verbinden , daß dies ohne unser Wissen geschehen kann und gar vielleicht Euch die Berechtigung verleiht , uns wie heut , mit vollendeten Thatsachen , denen wir nicht zugestimmt hätten , zu überraschen . Für diesesmal sollt Ihr unsere nachträgliche Zustimmung erhalten ; bei einer Wiederholung dieses Falles aber würdet Ihr nur den Erfolg haben , ohne unsere Gesellschaft auf Eurer Thatsache sitzen zu bleiben . So , nun mag diese heikle Angelegenheit abgethan sein . Ihr habt es gut gemeint und ich meine es mit meinem Tadel auch nicht schlecht , denn ich habe ihn nur ausgesprochen , um späteren Unannehmlichkeiten zu begegnen . Wo habt Ihr denn eigentlich Eure überraschende Kenntnis der arabischen Sprache her ? « Da hellte sich sein verdüstertes Gesicht schnell auf ; die Nase machte einen frohen Seitensprung , und er antwortete : » Nicht wahr , das hat Euch überrascht ? « » Außerordentlich ! « » Habt mir ' s gar nicht zugetraut ? « » Aufrichtig gesagt , nein . « » Well ! Habe mich auch riesig auf Eure Verwunderung gefreut ! Meine Reise damals mit Euch war die schönste und interessanteste von allen , die ich unternommen habe . Ist mir nie aus der Erinnerung gekommen . Sehnte mich förmlich , alle die Orte einmal wiederzusehen . Nahm mir also vor , den ganzen Weg noch einmal zu machen . Dazu gehörte aber die Sprache , die ich nicht verstand . Beschloß darum , sie zu erlernen . Wandte mich nach Oxford , Universität ; verschrieb mir einen Lehrer . Mußte mich begleiten , auch während der Reise unterrichten . War ein tüchtiger Kerl und hat sich viel Mühe gegeben . Habe aber auch gearbeitet wie ein Stier , Tag und Nacht ! Wundere mich , daß mein Kopf noch ganz ist , keine Löcher und Sprünge bekommen hat ! Ist eine heidenmäßig schwere Sache , diese arabische Sprache . Bin sehr oft ganz konfus gewesen ; habe Flinte tausendmal wegwerfen und ausreißen wollen . Bin in Wut geraten , ganz verzweifelt gewesen , habe nicht essen , nicht schlafen können . Riesige Kopfschmerzen , schlechte Verdauung , Augenflimmern , Ohrensausen ; habe mich ganz elend gefühlt , unendlich jämmerlich . Dachte aber an Euch , an Eure Ausdauer , Energie ; malte mir aus , Ihr säßet bei mir und nicktet mir aufmunternd zu . Das half . Bin mit jedem Tag arabischer geworden , bis mir sogar einmal träumte , ich sei ein Beduinenscheik und zähle meinen Schafen und Kamelen das große Einmaleins arabisch vor . Da schriebt Ihr mir , Ihr wolltet hierher . War natürlich sofort fest entschlossen , mitzumachen , und lernte nun mit doppelter Wut , wie eine Windmühle im Sturme oder eine Maus , hinter der die Katze ist . War riesenhaft stolz auf den Erfolg . Habe mir tausendmal Euer Gesicht ausgemalt , wenn Ihr hören würdet , was ich leiste . Fand Euch leider nicht daheim , bin also hierher . Habe Euch hier getroffen ; aber anstatt mich an Eurem Staunen weiden zu können , habe ich Vorwürfe zu hören bekommen . Ganze Freude ist in das Wasser gefallen und total ertrunken ! Sehe aber ein , daß ich selbst schuld bin . Hätte Euch erst fragen sollen , welchen Weg Ihr nehmen wolltet . Wird nicht wieder vorkommen ; gebe Euch mein Wort darauf ! « Da reichte ich ihm die Hand und sagte : » Diese Freude habe ich Euch natürlich nicht verderben wollen . Ich war außerordentlich überrascht und wollte meinen Ohren nicht trauen , als ich Euch so fließend arabisch sprechen hörte . Ich weiß am besten , wie groß die Mühe gewesen ist , die Ihr darauf verwendet haben müßt , und es kann mir nicht einfallen , Euch die wohlverdiente Anerkennung vorzuenthalten . Ihr müßt ja geradezu wie ein Pferd gearbeitet haben ! « » Pferd ? Ist viel zu wenig gesagt ! « verbesserte er , indem infolge meines Lobes sein ganzes Gesicht vor Wonne strahlte und seine Nase eine vergnügt horchende Lage einnahm . » Habe mit dem Kopfe gearbeitet . Muß also nicht Pferd sondern Ochse heißen ! Darf also annehmen , daß Ihr zufrieden mit mir seid ? « » Sehr zufrieden ! « » Gute Leistung von mir ? « » Großartige Leistung sogar ! « » Well ! Damit ist alles gut , alles wieder gutgemacht ! Wenn Kara Ben Nemsi meine Leistung großartig nennt , so ist das die beste Belohnung , die ich finden kann . Möchte diese Heidenarbeit aber auch nicht zum zweitenmal machen . Würde ganz gewiß überschnappen ! Habe meinen armen Kopf sehr oft für eine alte Pauke gehalten . Was hat da alles hineingemußt ! Sukuhn , Hamza , Teschdid , Madd , Singular , Dual , äußerer Plural , innerer Plural , ana , inte , huwa , ihna , intu , huma , wahid , marra , auwal , dreiradikaliges Verbum , vierradikaliges Verbum , massives Verbum , konkaves Verbum , defektes Verbum - - - wer da den Verstand nicht verliert , der hat entweder sehr viel oder gar keinen Geist ! Fühle mich aber auch wie neugeboren , daß ich das alles glücklich überwunden habe . Nun sagt mir doch auch einmal , ob ich gut oder fehlerhaft spreche ! « » Welcher Meinung war Euer Lehrer über diesen Punkt ? « » Dummer Kerl ! Lachte mich aus ! « » Ihr habt ihn vorhin aber doch einen sehr tüchtigen Kerl genannt ! « » War er auch ; nur in dieser Beziehung nicht ! Sagte immer , ich spräche englisch mit schlecht gewählten arabischen Worten . Behauptete auch , ich würfe zu viel englische Partikel hinein . Was soll ich aber denn mit meinen Partikeln machen , wenn ich sie einmal habe ? Das war doch unrecht von ihm . Nicht ? « » Recht wird wohl der haben , der da weiß , daß kein Meister vom Himmel gefallen ist . Man darf nicht denken , daß man fertig sei , sondern man muß sich üben , immerfort weiterüben . « » Das thue ich auch ! Habe mich sogar heut geübt , mit dem Wirte da draußen . Wollte einmal hören , wie die Sprache des Arabers klingt , wenn er betrunken ist . « » Außerordentlich löbliches Unternehmen ! « » Mag sein ! Nehmt Ihr es mir übel ? « » Nein . Vielleicht ist es sogar vorteilhaft für mich , daß Ihr ihm einen Haarbeutel aufgesetzt habt . « » Wieso ? « » Davon werden wir später sprechen ; es gehört eine lange , aber sehr interessante Erzählung dazu . Wir haben nämlich schon sehr viel erlebt , und zwar Dinge , welche wahrscheinlich noch gar nicht zu Ende sind . Halef wird Euch alles berichten , und ich glaube , daß Ihr den Faden dann mit uns weiterspinnen werdet . Für jetzt ist es notwendig , zu wissen , ob Ihr wirklich die Absicht habt , Euch erst drüben in Persien ein Pferd anzuschaffen ? « » Ja ; eher nicht . « » Wo ? « » Vielleicht Schiras . « » Aber wir müssen doch von Buschehr bis Schiras reiten ! « » Nehme ein Mietspferd . « » Das ist für uns unbequem ; aber da Ihr es einmal wollt , müssen wir Euch Euern Willen lassen . « » Wenn ich hier eins kaufte , müßte ich es per Schiff hinübertransportieren lassen wie Ihr die eurigen . Das kann ich umgehen . « » Das ist freilich wahr . Hoffentlich bekommt Ihr dort etwas Preiswürdiges . Da wir echtes Blut reiten , dürft auch Ihr nicht schlecht beritten sein , sonst kommt Ihr nicht mit uns fort . « » Habt keine Sorge ! Kaufe nichts Schlechtes . Geld ist da ! Wer ist der Kerl ? « Diese Frage galt dem Fährmann , welcher jetzt endlich kam , um uns zu benachrichtigen , daß er nun bereit sei . Wir hatten ihm gesagt , daß er uns im Kahwe finden werde . Nun brauchten wir ihn nicht . Es war vorauszusehen , daß er in echt orientalischer Weise eine Entschädigung dafür verlangen werde ; darum antwortete ich , als er seine Aufforderung , jetzt mitzukommen , ausgesprochen hatte : » Hast du dich denn schon ausgeruht ? « » Ja , « nickte er . » Aber wir noch nicht . Wir waren noch viel müder als du und müssen also noch länger sitzen bleiben . « » Aber ich habe grad jetzt Zeit ! « » Wir noch nicht ! « » Ihr könnt auf der Fähre ebenso ruhig sitzen wie hier ! « » Ganz dasselbe haben wir dir vorhin auch gesagt . Wir wollten rudern , und du solltest dich pflegen ; das beliebte dir aber nicht . Jetzt sind wir es , denen es nicht paßt . « » Später fahre ich Euch nicht ! « » So lässest du es bleiben ! « » Ihr habt mir ein Bakschisch für das Warten zu zahlen ! « » Sehr gern ! Wieviel verlangst du ? « » Fünf Piaster . Ich denke , daß Ihr das sehr billig finden werdet ! « » Es ist billig ; ich hätte mehr verlangt . Gieb also die fünf Piaster her ! « » Ich ? « fragte er erstaunt . » Ja . « » Euch ? « » Natürlich ! « » Du sprichst ja ganz verkehrt ! Wer ist es denn , der zu bezahlen , und wer , der zu bekommen hat ? « » Zu bezahlen hast du . Wer sonst ? « » Doch Ihr ! « » Wenn du das behauptest , bist du es , der verkehrt redet . Du bist eine einzelne Person und hast auf uns gewartet . Dafür verlangst du von uns eine Entschädigung von fünf Piastern ? « » Ja . « » Schön ! Wir sind zwei Personen , die du hinüberfahren solltest ; wir haben auf dich gewartet ; das macht zehn Piaster ; folglich hast du uns fünf herauszuzahlen . « » Allah w ' Allah ! « rief er erstaunt . » Sollte man so etwas für möglich halten ? Ich höre , daß du mich um mein wohlverdientes Geld betrügen willst ! « Ich kam nicht dazu , ihm auf diese Worte eine Antwort zu geben , denn Halef that dies an meiner Stelle . Seine Unterredung mit dem Wirte war zu Ende . Er war hinter dem Fährmann hergekommen , stand nun in seinem Rücken an der Thür und hatte seine Forderung und meine Antwort gehört . Jetzt schob er ihn schnell zur Seite , trat vor und sprach ihn zornig an : » Betrügen ? Mensch , wie darfst du es wagen , diesen weltberühmten und mächtigen Emir einen Betrüger zu nennen ! Er ist so gnädig gewesen , mit deinen armseligen fünf Piastern einverstanden zu sein ; er hat dir deutlich und bis zur vollsten Ueberzeugung bewiesen , daß du dieses Geld für deine Faulheit herauszugeben hast , und nun du uns darum betrügen willst , bist du so frech , den Betrug ihm in das Gesicht zu werfen . Ich frage dich , ob du sie sofort bezahlen willst oder nicht ? « Er griff mit der Hand nach seiner im Gürtel steckenden Peitsche . » Ich habe nicht zu bezahlen , sondern zu bekommen , « behauptete der Mann , der die Schnellfertigkeit Halefs nicht kannte und also gar nicht ahnte , was für ein Gewitter drohend über ihm stand . » Zu bekommen ? Schön ! Du sollst erhalten , was du verdienst , und zwar sogleich ! Hier hast du es , hier - - hier - - da - - da und da ! « Die Peitsche flog heraus und knallte dem Manne so kräftig auf den Rücken , daß er sich mit einem Schrei des Schmerzes zur Flucht wendete . Halef eilte hinter ihm drein und versetzte ihm Hieb auf Hieb , bis er ihn zur vorderen Thür hinausgetrieben hatte ; dann kehrte er zu uns zurück und sagte , vor Vergnügen strahlend : » Das ist die einzig richtige Sprache , in welcher man mit solchen Menschen zu reden hat ! Fünf Piaster für seinen Schlaf und unser Warten verlangen und auch noch vom Betruge sprechen ! Sihdi , deine Berechnung war sehr schlau ; aber meine Bezahlung war noch besser ! « » Wie aber , wenn er sich bei der Behörde über dich beschwert ? « warf Lindsay ein . » Bei der Behörde ? Wie würde ich mich freuen , wenn sie käme ! Sie würde die Fortsetzung des Anfanges bekommen , den ich ihm zu schmecken gegeben habe . Sihdi , bist du mit mir einverstanden ? « » In diesem Falle , ja . Die Hiebe waren ganz gut angebracht . « » Hamdulillah ! Endlich giebst du dich einmal als wahren Freund meiner Nilpferdhaut zu erkennen . Das bringt dir den Glanz meiner Achtung und die Fülle meiner Ehrerbietung ein . Deine Zufriedenheit ist mir eine wahre Wonne ! « » Hoffentlich brauche ich sie dir auch in Beziehung auf dein Gespräch mit dem Wirte nicht vorzuenthalten ? « fragte ich mit gedämpfter Stimme . » Du brauchst nicht zu flüstern , sondern kannst so laut sprechen , wie es dir beliebt , Sihdi . « » Wo ist er jetzt ? « » Er ruht in den Armen des heißen Zuckerwassers und hat den hineingegossenen Raki als Kissen unter den Kopf genommen . « » Und sein Gehilfe , der Somali ? « » Bei dem ist ' s umgekehrt : Er liegt im Raki und hat das Zuckerwasser als Ruhekissen . Ihre Seelen lustwandeln in dem Lande der Träume , und aus ihren Kehlen erschallt die Musik aller Himmel Muhammeds . Horch ! « Als wir still waren , hörten wir ein kräftiges , sägeartiges Schnarchen . » Das ist der Somali , « erklärte Halef . » Er liegt mit dem Kopfe in der Holzkohlenasche und schneidet mit dem Minschar15 seines Gaumens Baumstämme auseinander . « » Und der Kahwedschi ? « » Der ruht am Ufer des Flusses und war um keinen Preis dazu zu bewegen , herunter in das Wasser zu steigen ; dann schlief er ein . « » Am Flusse ? Er hat das Haus verlassen ? « » Nein . Er stieg mit mir , um mir dort etwas zu geben , die unter das Dach führende Leiter hinan . Bei der Rückkehr sank er in Frieden neben der Leiter hin und sagte , wenn ich ertrinken wolle , möge ich allein hinunterspringen , er aber werde vorsichtig auf dem Trockenen bleiben . Wenn du ihn sehen willst , will ich dir ihn zeigen . « » Was hat er dir gegeben ? « » Einen Brief . « » An wen ? « » Das weiß ich nicht . « » Wer hat ihn geschrieben ? « » Auch das ist mir unbekannt . « » Ist er nicht mit einer Adresse versehen ? « » Es stehen die Zeichen des Ringes darauf . Hier ist er . « Er zog ein viereckig zusammengefaltetes und mehrfach versiegeltes Papier aus der Tasche und gab es mir . Man hatte sich eines gewöhnlichen Geldstückes als Petschaft bedient . Auf der Adreßseite sah ich ein mit Tinte geschriebenes Sa , welches mit einem Lam verbunden war ; darüber stand das Verdoppelungszeichen . » Er muß dir aber doch gesagt haben , für wen dieser Brief bestimmt ist , « sagte ich . » Das hat er auch gethan . « » Nun ? « » Der Mann , der ihn bekommen soll , heißt Ghulam . « » Was ist er ? « » Das weiß ich nicht . « » Wo wohnt er ? « » Auch das weiß ich nicht . « » Höre , lieber Halef , du scheinst in dieser Angelegenheit nichts weniger als allwissend zu sein ! « » Dafür kann ich nicht , Sihdi , sondern das heiße Zuckerwasser mit Raki ist schuld . Der Kahwedschi wollte mir so sehr viel sagen , konnte sich aber auf nichts besinnen , weil sein ganzes Gedächtnis in dieser süßen Flüssigkeit ertrunken war und alle meine Wiederbelebungsversuche nichts mehr fruchteten . « » So hast du dich ganz vergeblich bemüht ; dieser Brief , der uns vielleicht von großem Vorteile sein könnte , wird uns keinen Nutzen bringen . Oder hast du es daran mangeln lassen , den Kahwedschi in der richtigen Weise auszufragen ? « » Nein , gewiß nicht , ganz gewiß nicht , Sihdi . Du kennst mich da nur zu wohl und weißt , daß ich den Mund auf der Stelle habe , wo er sitzen muß , wenn man jemandem ein Geheimnis abzulocken hat ; aber die Geheimnisse dieses Mannes waren infolge seiner Betrunkenheit so außerordentlich geheim , daß er sie selbst nicht mehr kannte . Da war alle meine Mühe umsonst . Wenigstens glaube ich nicht , daß du , wenn du an meiner Stelle gewesen wärest , mehr als ich erfahren hättest . « » Möglich ! Erzähle mir richtig der Reihe nach , was du mit ihm gesprochen hast ! Wir sind in Bagdad übereingekommen , daß du einen Ring der Sillan stets bei dir haben sollst . Ich brauchte dir ihn heut ' also nicht erst zu geben . Als du hier von uns fortgingst , saß der Kahwedschi da draußen im Vorraume auf seinem Kissen . Der Somali war bei ihm , schnarchte aber schon . Wir haben uns hier absichtlich laut und angelegentlich unterhalten , als ob wir gar keine Zeit hätten , zu bemerken , daß du so lange Zeit nicht bei uns warst . Nun weiter ! « » Weiter , Sihdi ? Ich habe ja noch gar nicht angefangen ! Ich steckte den Ring an den Finger und schlenderte hinaus zu dem Kahwedschi hin . Ich war ihm sehr willkommen , und er fing sofort selbst mit mir an , denn er war sehr neugierig , zu erfahren , wer Ihr seid . « » Jedenfalls hast du da den Mund sehr voll genommen ! « » Warum soll ich das nicht ? Wenn ich einmal etwas in den Mund nehme , so muß es etwas Ordentliches sein , damit ich auch wirklich einen Genuß davon habe . Ich gab dich für den ersten Minister des Sultans von Sitschilia16 und Mr. Lindsay für den obersten Sterndeuter des Kaisers von Antakijeh17 aus . Von mir selbst sagte ich , daß ich ein Montefik-Beduine bin und von Euch gemietet sei , Euch nach Buschir und Schiras zu begleiten . Sobald mir dies über die Lippen gegangen war , glaubte ich , einen Fehler gemacht zu haben , denn der Kahwedschi brauchte doch nicht zu wissen , wohin wir wollen . Aber es waren mir nicht gleich andere Namen in den Mund und andere Gegenden in den Kopf gekommen , und es stellte sich nachher heraus , daß grad diese beiden Städte mir sein Herz geöffnet hatten . Er lud mich ein , mich zu ihm zu setzen , und als ich das gethan hatte , sprachen wir zunächst von den unendlichen Vorzügen des heißen Zuckerwassers , welches die eigentliche und richtige Weihe seines Vorhandenseins erst durch einen Zuguß von Araki bekommt . Dabei hielt und bewegte ich die Hand in der Weise , daß er den Ring sehen mußte . Es dauerte das zwar ziemlich lange , denn der Araki hatte die Zahl seiner Augen so vermehrt , daß er , wie er mir gestand , mich fünfzigmal sah und meine Hände sogar über zweihundertmal erblickte . Er schien also zweitausend Finger vor sich zu haben , was ihn so in Anspruch nahm , daß er für den Ring zunächst keine Spur von Aufmerksamkeit besitzen konnte . Aber als er ihn erst einmal entdeckt hatte , war der Eindruck , den er von ihm bekam , auch um so größer . Er bat mich , ihn betrachten zu dürfen . Natürlich erlaubte ich es ihm . Er gab mir die Hand und begrüßte mich als Sill , als Schatten , als Verbündeten , als heimlichen Kameraden . Er hielt mir eine große Rede , die aber so wenig Sinn hatte , daß sie nicht einmal als Unsinn bezeichnet werden kann . Ich konnte von hundert Worten , welche er sprach , kaum zehn verstehen , denn sein Mund glich einer mit Riri18 gefüllten Tandschara19 , in welcher sich die Zunge wie ein Quirl bewegte . Er erkundigte sich immer wieder , ob ich wirklich nach Buschehr und Schiras gehen werde , und als ich dies oft genug bejaht hatte , fragte er mich , ob ich da wohl der Sill sei , der den Brief abholen solle , welcher an Ghulam abzugeben sei . Es versteht sich ganz von selbst , daß ich vorgab , dieser Mann zu sein und die beiden Fremden , den Minister und den Sterndeuter , nur aus dem Grunde in dieses Kaffeehaus geführt zu haben , um die Gelegenheit zu finden , den Brief in Empfang zu nehmen . « » Das war richtig , lieber Halef . Aber hast du denn nicht herausbringen können , wer und was dieser Ghulam ist ? « » Nein . Ich sage dir , ich habe meinen ganzen Scharfsinn zusammengenommen ; aber erstens war der Kahwedschi so betrunken , daß er alles vergessen hatte und sich auf nichts besinnen konnte , und zweitens mußte er doch annehmen , daß ich diesen Ghulam wenigstens ebenso gut kenne wie er . Eine unvorsichtige Frage hätte mich verraten ; sie wäre das Eingeständnis gewesen , daß ich der Sill nicht sei , für den ich gelten wollte . Du siehst ein , daß ich mich sehr in acht zu nehmen hatte und keine Erkundigung , die ihm auffallen mußte , aussprechen durfte . Ich setzte zwar die Worte so , daß sie ihn eigentlich hätten zwingen müssen , sich über Ghulam auszusprechen , aber der Raki hatte ihm nur den hundertsten Teil seines an und für sich schon armselig kleinen Verstandes übrig gelassen , und so redete er alles herüber und hinüber , herunter und hinauf , und brachte aber grad das nicht , was ich haben wollte . « » Das ist fatal ! « » Vielleicht erfahren wir es unterwegs ! « » Schwerlich . Die Mißlichkeit liegt in dem Umstande , daß Ghulam zwar ein Name ist , aber auch einen Stand bedeutet . Ghulam kann jeder Mensch heißen ; dieses Wort kommt im Persischen ebenso oft vor wie der Name Halef im Arabischen . Ghulam ist aber auch ein Diener ; besonders werden berittene Diener so genannt , und unter Ghulam Pätschä versteht man den Pagen , den jungen Leibdiener eines hohen Herrn . Du siehst also , daß wir uns in einer Ungewißheit befinden , die uns in Verlegenheiten bringen kann . « » Vielleicht könnte uns der Inhalt des Briefes Aufschluß geben ? « » Möglich ! « » So öffne ihn doch ! « » Ich gehöre nicht zu den Leuten , denen das Briefgeheimnis nicht heilig ist . « » Briefgeheimnis ? Erlaube , Sihdi , daß jeder Brief geschrieben wird , um gelesen zu werden . Dieser ist an Ghulam gerichtet , der ihn lesen soll . Weil wir aber nicht wissen , wer , was und wo dieser Ghulam ist , wird er ihn nicht bekommen , außer wir öffnen das Schreiben , um zu erfahren , wo und an wen wir es abzugeben haben . Das Oeffnen des Briefes ist also keine verbotene Handlung , sondern eine Notwendigkeit , und wenn wir ihr Gehorsam leisten , muß uns Ghulam dafür dankbar sein . « » Wie schön du das zu sagen weißt , lieber Halef ! Du bist immer der Schlaue ! « » Ja , der bin ich ! wenn die Länge deines Verstandes nicht ausreicht , so muß ich dir mit der Breite des meinigen zu Hilfe kommen . Das weißt du doch schon längst . « » Leider aber gilt hier diese ganze Breite mit allen ihren Finessen nichts . Wenn wir den Adressaten des Briefes nicht kennen , haben wir uns bei dem , der dir das Schreiben übergeben hat , nach ihm zu erkundigen , also beim Kahwedschi . So ist die Sache . « » Das dürfen wir aber doch nicht ! « » So müssen wir den Brief zurückgeben . « » Das fällt uns gar nicht ein ! Sihdi , ich würde den Brief öffnen , ohne zu denken , daß ich dadurch einen Platz in der Hölle bekomme . Dein Gewissen aber ist nicht so kräftig wie das meinige , sondern im höchsten Grade tschapuk kydschyklanyr20 , was unter Umständen , wie der jetzige , tief zu beklagen ist . Gieb mir den Brief wieder ! Ich werde ihn aufmachen , und dann kannst du ihn lesen , ohne dir Vorwürfe darüber machen zu müssen . « » Ich halte das noch nicht für notwendig ; wir haben ja Zeit zum Ueberlegen . Erzähle weiter ! « » Der Kahwedschi war bereit , mir den Brief anzuvertrauen , und da dies aber niemand sehen sollte , wollte er dies heimlich thun , denn auch der Somali durfte nichts davon wissen . Er bat mich darum , mit ihm hinauf unter das Dach zu steigen , wo er ihn versteckt hatte . « » Vielleicht befindet sich da oben überhaupt ein Versteck für Dinge , welche sich auf die geheime Verbrüderung der Sillan beziehen ? « » Das ist möglich , Sihdi . « » Hast du nichts bemerkt ? « » Nein . « » Der Kahwedschi scheint als Postbeamter dieser Verbindung thätig zu sein ; da ist es denkbar , daß man außer Briefen auch andere Dinge bei ihm niederlegt . Wo hatte er das Schreiben versteckt ? « » Das werde ich dir gleich sagen , sobald ich an die betreffende Stelle komme . Wir gingen in den Hof , wo die Leiter steht . Ich mußte ihn führen , denn er wankte unausgesetzt zwischen dem Orient und dem Occident herüber und hinüber und knickte bei jedem Schritte zusammen , als ob er zehn übermäßige Kamellasten auf dem Rücken trage . Wie ich mit ihm die vielen Sprossen hinaufgekommen bin , das kann ich dir gar nicht sagen . Endlich oben angekommen , setzte er sich gleich nieder und wollte schlafen ; er hatte alles , auch den Brief , vollständig vergessen , und ich mußte sehr lange in ihn hineinsprechen , ehe er sich besann , in welcher Absicht wir so mühsam heraufgeklettert waren . « » Wie war der Raum beschaffen ? « » Er war so lang und breit wie das an vielen Stellen offene Rohrdach , aber so niedrig , daß man nicht aufrecht stehen konnte . Es lag da überall altes , wertloses Gerümpel herum , für welches ich nicht einen einzigen Piaster geboten hätte . Der Brief war in einen Lappen eingeschlagen und steckte in einer Ritze der Wand . « » War diese Ritze groß ? « » Nein . « » Steckte er allein darin ? « » Ja . « » So bildete sie kein Sammelversteck und war bestimmt , nur ihn zu verbergen . Es ist mir das ein Beweis , daß es da oben überhaupt keine heimliche Stelle giebt , welche dem Sillan als Aufbewahrungsstätte dient . Es wird also wohl so sein , daß dem Kahwedschi nur zuweilen ein Brief zur Uebergabe an den Boten anvertraut wird . Wäre ein geheimes und regelmäßig benutztes Versteck vorhanden , so hätte der Wirt den Brief dahinein und nicht in die Wandritze gethan . Was hat er gesagt , als er dir ihn gab ? « » Auch wieder allerlei unverständliches Zeug . Als ich ihn eingesteckt hatte und wir wieder an die Leiter kamen , um herabzusteigen , weigerte er sich , dies zu thun . Er glaubte plötzlich , am Flusse zu sein ; er sah die Wogen fließen und hörte ihr Rauschen ; darum