, wenn sie meiner Hilfe bedarf ? « » Gewiß ! Das ist grad der große Vorteil , den unsere Frauen und Töchter während der Reise genießen , daß sie von jedem Mitreisenden unterstützt und beschützt werden ! « » Du , Sihdi , das finde ich reizend , sehr reizend ! Du weißt , wie gern ich meine Nebenmenschen beschütze . Es ist das schon bei Männern schön ; wie schön muß es da erst bei Frauen sein ! Denke dir , wenn ich als Dank ein freundliches Lächeln dafür bekäme ! « » Das wäre dir gewiß ! « » Wirklich ? Sie würde lächeln ? « » Aber ja ! Wenn du ihr einen freundlichen Dienst erweisest , lächelt sie dich auch freundlich an . « » Sihdi , ich bitte dich , von diesem freundlichen Lächeln des Dankes mußt du gegen Hanneh schweigen , sonst bekommt sie einen ganz falschen Begriff von eurer Eisenbahn , und das sollte mir leid thun ! « » Leid ? Dir ? Ich denke , du magst nichts von der Eisenbahn wissen ? « » Ganz richtig ! Eigentlich mag ich sie nicht leiden , ja ; aber wenn die Frauen nur bei braven , dienstbereiten Männern sitzen , welche mit einem Lächeln der freundlichen Anerkennung belohnt werden , so sehe ich keinen vernünftigen Grund , warum es grad mir verboten sein soll , auf der Eisenbahn zu fahren . Ich sage dir , wenn so eine Eisenbahn von hier nach Mekka ginge , ich würde wahrscheinlich nicht auf dem Kamele sitzen bleiben . « » Sondern fahren ? « » Ja . Was kann mir das Lächeln eines Kameles nützen , selbst wenn es nämlich lächeln könnte ! Dürfte ich denn einer solchen Frau auch von unseren Reisen , von unseren weiten und gefährlichen Ritten und von den Thaten des Mutes und der Tapferkeit erzählen , welche wir vollbracht haben ? « » Ja . Sie würde dir sogar dankbar dafür sein , denn durch diese Erzählungen würdest du die Langeweile von ihr fernhalten . « » Nicht nur das , sondern ich würde sogar ganz bedeutend zu ihrer Bereicherung in den Kenntnissen der Dschigrafia und Tarih29 beitragen , wofür ich wahrscheinlich auch ein freundliches Lächeln zu sehen bekäme ! Du , Effendi , das mit euern Eisenbahnen ist ganz anders , ganz anders , als ich dachte ! Warum hast du mir das von dem Lächeln nicht sogleich gesagt ? Du pflegst aber immer grad die Hauptsache zu vergessen ; das ist es , was ich an dir auszusetzen habe . Und wenn ich dadurch zu einer irrigen Ansicht verleitet werde , so wirfst du die Schuld nicht auf dich , sondern auf mich , der ich doch gar nichts dafür kann ! Jetzt sehe ich ein , daß eure Einrichtungen doch nicht so verwerflich sind , wie ich bisher gedacht habe , und - - - Da , schau empor , Sihdi ! Siehst du die beiden Nusura30 ? « » Ja , « antwortete ich . » Ich habe sie schon eine ganze Weile beobachtet . « » Sie schweben jetzt grad über uns ; sie scheinen uns also zu beobachten . « » Ja , das thun sie . Sie wollen sehen , ob sie von uns irgend eine Beute erwarten dürfen . Wenn sie über uns bleiben und uns begleiten , können wir überzeugt sein , daß wir uns ganz allein in dieser Gegend befinden . Uebrigens hast du dich in diesen Vögeln geirrt ; es sind keine Nusura . Unter Nisr versteht man den weißköpfigen Geier ; aber der mit seinem Weibchen da über uns schwebt , ist ein Bartgeier , el Büdsch genannt . Man sieht ihn häufiger in Aegypten und den Moghrebländern ; hier aber ist er sehr selten . Ich sah diese beiden vorhin aus Südwesten kommen . Sieh , da entfernen sie sich wieder , und zwar in dieser Richtung . Das ist mir interessant , höchst interessant ! « » Warum , Effendi ? « » Weil sie glauben , dort leichter Fraß zu finden als hier bei uns . « » Woher weißt du das ? « » Ich schließe es aus ihrem Verhalten . Diese Vögel sehen außerordentlich weit . Sie haben uns aus großer Entfernung gesehen und sind gekommen , uns zu betrachten . Da sie sich jetzt wieder entfernen , dürfen wir annehmen , daß es dort , woher sie kamen und wohin sie nun wieder fliegen , mehr Beute zu erwarten giebt als bei uns . Unsere Tiere sind gesund und kräftig ; darum bewegen wir uns rasch und energisch ; das wissen diese Vögel wohl zu beurteilen . Ich würde jede Wette darauf eingehen , daß es dort im Südwesten von uns leidende Wesen giebt , Menschen oder Tiere , wohl auch beides zugleich , deren Haltung und Bewegungen den Geiern Ursache zur Hoffnung auf baldigen , reichlichen Fraß geben . « Wir verfolgten die Vögel mit unseren Augen . Als Halef sie nicht mehr erkennen konnte , sah ich sie noch als kleine Punkte , welche sich nicht mehr weiter entfernten , sondern über einer bestimmten Stelle schwebten , die sicher sehr weit von uns entfernt war , obgleich die Geier nicht mehr als zwei Minuten gebraucht hatten , dorthin zu kommen . » Siehst du sie noch ? « fragte Halef . » Ja , « antwortete ich . » Sie stehen über einer bestimmten Stelle und gehen nicht von ihr fort . Es muß dort irgend ein gebrechliches Geschöpf oder auch mehrere geben « . » Vielleicht gar Leichen ! « » Möglich ; dann befinden sich aber lebende Personen dabei , vor denen die Geier sich fürchten , denn sonst würden sie schon längst niedergestoßen sein . « » Du sprichst von einem gebrechlichen Geschöpfe . Wäre es da nicht unsere Pflicht , Hilfe zu bringen ? « » Allerdings . « » Vielleicht aber handelt es sich bloß um Tiere ! « » Das ist möglich ; dann aber müßten es große Raubtiere , Löwen oder Panther sein , die ja in den Felsen Innerarabiens auch vorkommen ; aber die laufen doch nicht jetzt am hellen Tage auf der Ebene herum ! Wären es nicht Raubtiere , so hätten sich die Geier niedergelassen und säßen , ruhig wartend , in der Nähe ihrer Beute . Ich bin daher der Ansicht , daß es Menschen sind , müde , hinfällige Menschen , die aus irgend einem Grunde nicht mehr fort können . Wir sind verpflichtet , ihnen Hilfe zu bringen , werden das aber nicht in unvorsichtiger Weise thun . Erkundigen wir uns also bei dem Ben Harb , ob es hier in dieser Gegend vielleicht einen Weideplatz irgend eines Beduinenstammes giebt ! « Als wir den schon erwähnten Führer fragten , teilte er uns mit , daß wir uns mitten in der Sandwüste befänden , in welcher es keinen einzigen Brunnen , also auch keine Weide gebe ; das nächste Wasser liege so weit von hier , daß sich sein Einfluß bis hierher gar nicht geltend machen könne . Da es nicht geraten war , unsere ganze Karawane ihre Richtung verändern zu lassen , ritten wir langsam weiter und beauftragten Omar Ben Sadek und einen Haddedihn , nach der Stelle zu reiten , über welcher die Geier standen . Um , wenn nötig , gleich Hilfe bringen zu können , nahmen sie einen vollen Wasserschlauch mit . Die Wüstenebene war nur scheinbar glatt , in Wirklichkeit aber so gewellt , daß wir die beiden Reiter schon nach kurzer Zeit nicht mehr sehen konnten . Es dauerte weit über eine Stunde , bis sie zurückkehrten . Es mußte sich um etwas doch nicht Gewöhnliches handeln , denn Omar Ben Sadek wartete mit seinem Berichte nicht , bis er uns erreicht hatte , sondern rief uns schon von weitem zu : » Effendi , ihr müßt abschwenken und mit uns kommen ! Es gilt , fünf Menschen zu retten . « » Wer sind sie ? « fragte ich . » Wahrscheinlich Leute aus Mekka . « » Wahrscheinlich ? Haben sie nichts Bestimmtes gesagt ? « » Nein . Du weißt ja auch , daß hier in der Wüste jedermann vorsichtig ist . Wir könnten ja zu einem ihnen feindlichen Stamm gehören . « » Hast du ihnen nicht gesagt , daß wir Haddedihn sind , die so weit von hier wohnen , daß sie hier unmöglich eine Thar31 haben können ? « » Das habe ich wohl gesagt ; aber sie glaubten es nicht . Du würdest ja auch nicht sofort alles glauben , sondern vorher die Personen und das , was sie sagen , einer Prüfung unterwerfen . « » Es sind also fünf Personen ? « » Fünf Lebende und ein Toter . « » Erzähle doch lieber zusammenhängend ! « » Ich thue es . Wir ritten nach Südost und sahen bald die Geier wieder , die ganz unbeweglich in der Luft zu stehen schienen ; aber je näher wir kamen , desto deutlicher bemerkten wir , daß sie nicht standen , sondern langsame Kreise zogen . Später sahen wir dann den Gegenstand oder vielmehr die Gegenstände ihrer Aufmerksamkeit . Es waren sechs Hudschun , welche an dem Boden lagen , neben ihnen ihre Reiter , Tiere und Menschen still und unbeweglich wie Leichen . Als wir ganz nahe herankamen , hoben die Kamele die Köpfe , ließen sie aber gleich wieder sinken . Sie sahen abgetrieben aus , wie nach einem langen , angestrengten Eilritte , und waren halb verdürstet . Drei von den Männern standen in den mittleren Jahren ; einer war jung und einer war alt . Der Alte schien am wenigsten erschöpft zu sein ; er bat sogleich um Wasser , das wir ihnen auch sofort gaben . Sie tranken die Dschirbe32 fast ganz leer . « » Und die Leiche ? « » Wir konnten nicht sehen , was für eine Person es war , denn sie war mit dem Haïk zugedeckt . « » Was gab es für Fragen und Antworten ? « » Der Alte erkundigte sich , wer wir seien , und wir sagten es ihm ; er aber ließ die zweifelnden Worte Allah weiß es ! dazu hören . Als ich ihn nach seinem Namen fragte , sagte er , sie alle seien aus Mekka , wozu ich ihm nun auch ein Allah weiß es ! zu hören gab . Er bat um Wasser für Menschen und Tiere , auch um etwas Futter für die Kamele ; Mehl und Datteln für sich hätten sie noch . « » Woher kommen sie ? « » Das sagte er nicht . Er meinte , er habe uns auch keine Frage vorgelegt ; der Gläubige müsse seinem Bruder helfen , ohne nach seinem Namen und nach seinem Ausgange und Eingange zu fragen . « » Entweder hat dieser Mann kein gutes Gewissen , oder er ist ein stolzer , eingebildeter Moslem in hoher Stellung in Mekka . Vielleicht ist auch beides zu gleicher Zeit der Fall ; aber recht hat er doch gehabt : Er bedarf unserer Hilfe , und wir müssen sie ihm bringen , ohne ihn vorher nach allem ausgefragt zu haben . Glücklicherweise sind wir mit Wasser so reichlich versehen , daß diese Wohlthätigkeit uns nicht selbst in Gefahr bringen wird . Reiten wir also hin ! « Wir bogen daher von unserem Wege ab und ließen uns von Omar Ben Sadek nach der betreffenden Stelle führen , die wir nach vielleicht drei Viertelstunden erreichten . Da lagen die Kamele noch so , wie sie sich vor Erschöpfung niedergeworfen hatten ; die Höcker waren abgezehrt ; man sah nicht die geringste Lippenbewegung des Wiederkauens . Die fünf Männer hockten in einem engen Kreise , in dessen Mitte man den noch immer verhüllten Toten in sitzende Stellung aufgerichtet hatte , in welcher er durch die tief in den Sand gesteckten , langläufigen Gewehre unterstützt und gehalten wurde . Sie beteten laut . Als wir bis ganz nahe herangekommen waren , unterbrachen sie sich , und der Vorbeter , dem die andern Satz um Satz nachsprachen , sagte in mehr befehlendem als bittendem Tone : » Ich sehe , daß ihr Wasser und trockenes Maisstroh habt . Gebt den Kamelen zu saufen und zu fressen , und laßt uns einige volle Schläuche hier . Dann aber stört uns nicht weiter im Gebete für den , den Allah abgerufen hat ! « Das war ja außerordentlich bescheiden von diesem Manne ! Hier , wo das Futter und noch viel mehr das Wasser so kostbar war , sollten wir zunächst seine Tiere tränken und sättigen und dann gleich mehrere volle Schläuche hergeben , und zwar ohne ein Wort des Dankes abzuwarten , da er uns ja die Weisung gab , sie dann nicht zu stören , also wieder fortzureiten ! Halefs Hand zuckte nach der Peitsche aus Nilpferdhaut , die er stets im Gürtel hängen hatte und gern öfter in Bewegung setzte , als ich ihm erlauben durfte . Ich winkte ihm aber ab . » Ich soll ihm nicht die Peitsche geben ? « fragte er leise aber zornig . » Ist es nicht die größte aller Unverschämtheiten von diesem Menschen , das von uns zu verlangen , was er soeben gefordert hat ? « » Allerdings ; aber das ist noch kein Grund , um gleich zuzuschlagen . Du befindest dich hier unter stolzen , rachsüchtigen Arabern und nicht bei geknechteten Fellachen , bei denen man die Peitsche schwingen kann , ohne dies später blutig bezahlen zu müssen ! « » So sag , was wirst du thun ? « » Wir geben den Pferden Wasser und Stroh ; diese armen Tiere sollen nicht unter der Unverschämtheit ihrer Besitzer leiden . « » Und diese ? « » Bekommen weiter kein Wasser , außer sie bitten uns sehr höflich darum . Wir bleiben hier lagern . « » Hier ? Bei diesen Kerls ? Hamdulillah ! Preis sei Allah , der dir diesen kostbaren Gedanken eingegeben hat ! Denn wenn wir hier bei ihnen bleiben , werden wir wahrscheinlich etwas erleben , sie aber auch ! « » Wir hätten überhaupt nicht viel weiter reiten können , denn dann wird es Nacht , und da wir hier doch einmal einige Zeit versäumen , halte ich es für das beste , wir bleiben gleich da . Gieb also deinen Leuten die nötigen Befehle ! « Da wir dieses Mal die Haddedihn bei uns hatten , brauchte ich mich um nichts zu bekümmern ; es wurde mir jede Handreichung sehr gern und mit Liebe geleistet . Ich stieg also vom Hedschihn , gab die Stelle an , wohin ich meinen Teppich gelegt wünschte , und ging dann zu meinem Hengste , um ihn zu liebkosen und dabei einige Datteln knuspern zu lassen . Er war diese Aufmerksamkeit von mir gewohnt und dankbar dafür . Hierauf machte ich es mir auf meinem Teppiche bequem . Ich saß , wie ich gewollt hatte , ganz in der Nähe der Fremden , dem Vorbeter gegenüber , den Omar Ben Sadek » den Alten « genannt hatte . Er hatte ein echtes , listiges , rücksichtsloses , gewaltthätiges Mekkanergesicht und trotz seines Alters noch keine grauen Haare ; vielmehr besaßen diese diejenige Färbung , welche man » Salz und Kümmel « zu nennen pflegt , also Grau und Dunkel gemischt . Der » Junge « saß an seiner Seite und war ihm so ähnlich , daß ich ihn gleich für seinen Sohn halten mußte . Er hatte etwas Unstätes , Ruheloses , Unzuverlässiges in seinen sich stets in Bewegung befindenden Augen . Die andern drei hatten nichts an sich , wodurch sie eine besondere Erwähnung verdienten . Gemein war ihnen allen die große Hinfälligkeit ; wahrscheinlich waren wir grad zur rechten Zeit gekommen , sie vor dem Tode des Verschmachtens zu erretten . Ich glaubte , ihnen anzuhören , daß ihnen das laute , lange Beten schwer wurde . Warum schwiegen sie da nicht , zumal sie diese Litanei doch ganz und gar nicht nötig hatten ? Die Stimme des Alten klang dumpf und mit müdem Zittern : » O du , den unter sämtlichen Geschöpfen der Schöpfer am meisten ehrt33 . Bei dem Eintritte des Ereignisses , welches alle trifft34 , habe ich keinen , zu dem ich meine Zuflucht nehmen kann , als zu dir allein ! « Die andern beteten es ihm nach ; dann fuhr er fort : » Und wenn der Gnädige sich als strafender Vergelter offenbaren wird , wird es deiner Macht , du Gesandter Gottes , nicht unmöglich sein , mir zu helfen . Denn zu der Fülle , welche du gespendet hast , gehört diese Welt und jene Welt , und du weißt alles , was auf der Tafel des Jenseits geschrieben steht und was die Feder geschrieben hat . O meine Seele , keines schweren Fehltrittes wegen verzweifle an Allahs Gnade ; denn wo es sich um die Vergebung handelt , da sind die schweren den leichten Sünden gleich ! Das Erbarmen meines Herrn , so hoffe ich , wird zu der Zeit , wo er es verteilen wird , in den einzelnen Spenden sich nach dem Maße der Sünde gestalten . O , mein Herr , gieb , daß meine Hoffnung bei dir bestehe und meine Rechnung sich als richtig erweise ! Und verfahre in dieser und in jener Welt gelinde und gnädig mit deinem Knechte , denn ihm ist eine Festigkeit verliehen , welche fliehend davoneilt , wenn die grausigen Schrecknisse ihn herausfordern ! Und laß die Wolken deiner Erbarmung für und für Güsse jeder Art auf den Propheten herabsenden - - - ! « Als er so weit gekommen war , hatten unsere Haddedihn seinen Kamelen Wasser und Maisstroh gegeben und begannen nun , sich mit der Vorbereitung des Lagers zu beschäftigen . Da unterbrach er sich , indem er die hastigen Worte an mich , den er für den Anführer halten zu müssen glaubte , richtete : » Was sehe ich ? Ihr sattelt eure Kamele ab ! Das sieht ja so aus , als ob ihr hier bleiben wolltet ! « » Es sieht nicht bloß so aus , sondern es ist wirklich so : Wir bleiben da , « antwortete ich ruhig . » Dazu habt ihr kein Recht . « » Warum ? Die Wüste ist nur Allahs Eigentum ; hier diese Stelle auch . Wir haben niemanden zu fragen ! « » Auch uns nicht ? « » Nein . « » Wir waren eher da als ihr ! « » So bleiben wir um grad so viel länger hier ; dann sind die beiden Zeiten gleich ! « » Wir wünschen aber , allein zu sein ! « » Wir werden so thun , als ob ihr gar nicht vorhanden wäret , und kein Wort mit euch sprechen ! « » Aber , ihr seht , daß wir einen Toten hier haben . Leichen aber verunreinigen ! « » Uns nicht , denn wir werden ihn nicht berühren ! « » Allah gebe mir die Beherrschung meines Zornes ! Du siehst und hörst doch , daß wir euch nicht bei uns haben wollen , sondern eure Entfernung wünschen ! « » Und du siehst , daß unsere Wünsche das Gegenteil erstreben ; darum kann Allah nur die Erfüllung der Wünsche für die eine Partei im Buche des Lebens verzeichnet haben , und diese Partei sind wir . In das aber , was in dem Buche des Lebens verzeichnet worden ist , habt ihr euch zu fügen ! « Ich hatte immerfort in meinem freundlichsten , er aber zuletzt in einem sehr zornigen Tone gesprochen . Ich war neugierig , was sich aus diesem sehr unerquicklichen Verhältnisse entwickeln werde . Halef ging es ebenso wie mir ; er hatte die Herunternahme des Tachtirwahn und die bequeme Unterbringung seiner Hanneh unter ihr kleines , schnell aufgeschlagenes Frauenzelt beaufsichtigt und kam nun , anstatt sich zu ihr zu setzen , was er bisher unterwegs stets gethan hatte , zu mir , ließ einen Teppich neben dem meinigen ausbreiten und setzte sich auf demselben nieder . Dann sagte er leise : » Warst du auf einen solchen Empfang vorbereitet , Sihdi ? « » Nein , « antwortete ich . » Ich auch nicht . Eine solche Undankbarkeit ist geradezu beispiellos . Was wirst du thun ? « » Zunächst ruhig abwarten . Ihr Verhalten zu uns interessiert mich außerordentlich , und ihre Leichenceremonien auch . Sei jetzt still ! Ich möchte hören , was sie beten . « Der Vorbeter begann nämlich jetzt wieder : » Das ist Muhammed , der Herr dieser und jener Welt , der Herr der Menschen und der Dschinnen35 , der Herr der beiden großen , von einander gesonderten Scharen der Menschenkinder : der Araber und der Barbaren . Unser Prophet , den , wenn er gebietet oder wenn er verbietet , im Neinsagen wie im Jasagen niemand an Wahrhaftigkeit übertrifft . Er ist der Geliebte , auf dessen Fürsprache wir hoffen bei jedwedem grauen Schrecknisse , dessen Gewalt wir anheimgefallen sind . Wer sich an ihn anklammert , klammert sich an ein Seil , welches nimmer reißt . Er übertraf die Propheten sowohl an Körpergestalt wie auch an Seelenadel , und sie kamen ihm weder an Wissen noch auch an Tugend oder Edelsinn nahe . Sie , die alle von dem Gesandten Allahs bittend die Erlaubnis begehrten , aus dem Meere mit der Hand zu schöpfen oder das Wasser der anhaltenden Regengüsse schlürfen zu dürfen . Und neben ihm den unterscheidenden Punkt seines Wissens oder die tonangebende Bezeichnung seiner Weisheit zur äußersten Grenze hatten , an welcher sie dastanden , ohne sie überschreiten zu können . Ihn erkor der Schöpfer der Menschen sich zum Geliebten , nachdem Inneres und Aeußeres bei ihm zur vollendeten Vollkommenheit gediehen war . Er hat keinen neben sich , der an seinen Vorzügen teilhat , und das Wesen seiner Schönheit ist ein ungeteiltes . Was die Christen von ihrem Propheten behaupten , das behaupte du ja nicht , sondern erkenne getrost an Lob ihm zu , was ihm anzuerkennen dir nur immer beliebt . Und leg seiner Person jeden Adel bei , den ihr beizulegen dir in den Sinn kommt , und lege seiner Würde jede Größe bei , die ihr beizulegen du das Verlangen hast . Denn die Vortrefflichkeit des Gesandten Gottes hat keine Grenze , so daß irgend ein mit dem Munde Redender sie nicht in ihrer ganzen Grenze aussprechen könnte . Wenn seine Wunderzeichen der Größe seiner Würde entsprechen , so wird sein Name , wenn man ihn nennt , die hingeschwundenen Totengebeine beleben . Mit Dingen , welche der Verstand nicht begreifen kann , hat er , getrieben vom Eifer für unsere Wohlfahrt , uns verschont , und so sind wir weder dem Zweifel noch dem Wahne anheimgefallen . Sein inneres Wesen aufzufassen , ist eine Aufgabe , welche das Vergnügen der Sterblichen übersteigt , und weder in der Nähe noch in der Ferne siehst du einen , der nicht ratlos dasteht , wenn es gilt , diese Aufgabe zu lösen . Sein inneres Wesen gleicht der Sonne , die in der Ferne sich dem Auge in verschiedener Kleinheit zeigt und in der Nähe aber das Auge blendet . Jede Reihe von Wunderzeichen , welche die hohen Gesandten Allahs zu Tage treten ließen , ist nur von seinem Lichte her zu ihnen gelangt . Denn er ist eine große Vortrefflichkeitssonne ; sie aber sind die Sterne dieser Sonne und strahlen nur als seine Sterne ihr Licht den Menschen in die Finsternissen - - - - - - - - . « Obgleich ich befürchten mußte , den Leser zu langweilen , habe ich dieses Gebet doch hierhergesetzt , weil es aus Stellen der Burda , eines der berühmtesten muhammedanischen Gedichte , besteht , welches zum Lobe Muhammeds verfaßt ist und bei Begräbnissen recitiert wird . Es ist vielleicht für manchen interessant , ein berühmtes islamitisches Gedicht , wenn auch nur einen Teil desselben , kennen zu lernen , mit dessen Schönheiten sich , wie die Muhammedaner behaupten , kein Erzeugnis irgend eines andersgläubigen Dichters jemals vergleichen lassen dürfe ! Der » Alte « schien die Burda auswendig zu können , denn er recitierte diese Stellen ohne Hilfe eines Buches ; er war also kein gewöhnlicher Araber ; er machte während des Betens überhaupt den Eindruck eines fanatischen Moslem , welcher mit den Obliegenheiten eines Geistlichen wohlvertraut ist . Dabei schweiften seine Blicke sehr oft zu uns herüber , und zwar mit einem Ausdrucke , welcher nichts weniger als freundlich genannt werden konnte . In den Augen seines Sohnes aber wohnte gar der offenbare , vor uns nicht im geringsten verheimlichte Haß . Auch jetzt wieder hatte das Gebet auf mich den Eindruck gemacht , als ob es nicht aus innerem Bedürfnisse , aus der Seele heraus , sondern aus einem andern Grunde gesprochen werde . Es klang so müd , so abgespannt ; die Leute sprachen langsam , als ob es ihnen schwer werde ; sie ließen Stellen aus , welche der Vorbeter nicht ausgelassen hatte , und nun , da er eine Pause machte , legten sie sich nieder , was er als Veranlassung nahm , nicht wieder anzufangen . Ich dachte mir , daß sie nur beteten , um uns keine Zeit zu lassen , mit ihnen zu sprechen . Sie waren wahrscheinlich gesonnen , uns keine Auskunft über sich zu geben , und da dies doch einen Grund haben mußte , glaubte ich annehmen zu dürfen , daß es kein für ihre Beurteilung vorteilhafter sei . Während sie nun , bewegungslos wie Tote , dalagen , brach die Dunkelheit herein , und von unsern Haddedihn wurde das Moghreb gebetet , welches für kurze Zeit nach dem Untergange der Sonne vorgeschrieben ist . Als es dann vollständig Nacht geworden war , wurde das Aschiah oder Nachtgebet gesprochen . Bei beiden Fällen richteten sich die Fremden in die Kniee auf und beteten mit , was sie als Muhammedaner trotz ihres sonstigen Verhaltens zu uns unbedingt thun mußten , doch thaten sie es leise , ohne uns ihre Stimmen hören zu lassen , ein Zeichen von Mißachtung , welches wir aber so ruhig hinnahmen , als ob wir es gar nicht bemerkten . Dann ging ich mit Halef zum Zelte seiner Hanneh , um ein Feuer zu machen , zu welchem wir heut unterwegs gelegentlich dürres Gezweig geschnitten hatten . Die » lieblichste und wohlschmeckendste unter allen Köchinnen des Erdkreises « , wie Halef sein Weibchen nannte , wenn von ihrer Kochkunst die Rede war , wollte uns Kaffee kochen und dann in der heißen Asche Kurß tari backen , das ist frisches Brot in kleiner Kuchenform . Wir hatten zum edlen Werke des Kaffeekochens einen Kessel mitgenommen , und die Haddedihn hielten alle ihre auch für heiße Flüssigkeiten haltbaren Lederbecher bereit , um sich ihre Portion des duftigen Getränkes geben zu lassen . Als der Wohlgeruch desselben sich vom Feuer aus nach allen Richtungen verbreitete , wurden die Fremden wieder lebendig . Sie hielten eine kurze , leise Beratung , nach welcher der » Junge « aufstand und zu uns kam . » Wir wollen auch Kaffee ! « sagte er , indem er uns ein ja nicht zu kleines Kürbisgefäß hinhielt . Er hatte das nicht etwa bittend gesagt , sondern in einem Tone , als ob er nur zu fordern brauche . Halef machte sofort Miene , aufzuspringen und ihn zornig zurechtzuweisen ; ich hielt ihn aber am Arm nieder und übernahm die Beantwortung selbst , die sehr kurz und bestimmt klang : » Der ist nur für uns . « » Für uns auch ! « behauptete der Mensch . Ich zuckte die Achsel und sagte nichts weiter ; auch Halef schwieg . » Bekomme ich welchen ? « fuhr der Unverschämte mich an . » Nein , nein , nein , und zum vierten , fünften , zehnten und hundertsten , tausendsten Male nein ! « krachte jetzt der kleine Hadschi los , der seinen Zorn nun nicht länger beherrschen konnte . Da drehte sich der Mann scharf auf der Ferse um und ging fort . Seine Leute hatten jedes Wort gehört ; sie steckten die Köpfe zusammen . Was sie da sagten , konnte uns sehr gleichgültig sein . » Sihdi , meinst du , daß wir uns vor diesen Leuten in acht nehmen müssen ? « fragte Halef . » Nein , « antwortete ich ; » gar nicht ! « » Ich auch nicht . Wir sind zweiundfünfzig wohlbewaffnete Männer und sie nur fünf verschmachtete Personen . Trotzdem aber denke ich , daß wir während der Nacht nicht alle schlafen dürfen . « » Das ist natürlich auch meine Meinung . Bestimme also von deinen Leuten einige , welche einander bis früh ablösen , um munter zu bleiben ! « Später , als der Duft des Brotes sich bemerkbar machte , wurde der » Junge « wieder her zu uns geschickt . » Gebt uns auch Brot ! « forderte er in demselben Tone , in welchem er vorhin Kaffee verlangt hatte . » Das ist auch nur für uns , « antwortete ich wieder . » Wir wollen auch essen ! « » So eßt das , was ihr habt ! « Er mußte ohne Respektierung seines Befehles wieder fortgehen , kehrte aber bald mit einem neuen Verlangen zurück : » So gebt uns Wasser , einen vollen Schlauch ! « » Es ist alle geworden . « » Ich sehe doch da die Dschirab36 liegen ! « » Die sind nur noch für uns . Was wir übrig hatten , habt ihr schon bekommen . « » Kennt ihr die Gesetze und Gebote