d ' Säubrigkeit von andere verstehst dich halt nit . Dös sieht man . « Alle Bursche lachten und , zum Ärger der Dirne , Muckerl mit . Da saß sie nun , wie sie es gewollt , unter Leuten und wünschte sich weit weg . Hätte sie lieber die dumme Geschichte mit dem Muckerl , wo doch noch nichts dahinter war , geheimgehalten ! Was brauchte sie die durchs ganze Ort zu tragen und von morgen an sein Schatz zu heißen ? Dafür haben sie auch die Bursche genommen , als sie vorerst Muckerl ansprachen , als ob sie gar nicht da wäre , aber statt nur ihre Ansprach zu suchen und dadurch zu zeigen , hier säßen zwei , die kein Drittes neben sich leiden , hat er sie wie allein sitzen lassen , und da haben denn die andern getan , als ob er nicht da wäre , und die Hände nach ihr ausgereckt , wie nach einem Ding , das man nur aufzugreifen braucht , etwa wie die junge Katz beim Fell , und er ist daneben gesessen , hat keinem auf die Finger geklopft , er hat sich nicht um sie gewehrt , nein , er hat sie sich um ihn wehren lassen , als wär er ihrer so ganz sicher und sie müßte sich in allem , lieb oder leid , in ihn schicken . Lachen mag er , statt in den Tisch zu schlagen , als man ihr ins Gesicht bietet , sie vergäb sich was , wenn sie mit ihm ging ! Diese Gedanken schossen ihr durch den Kopf , während sie die fortdauernden Stichelreden der Burschen zungenfertig zurückgab . In augenfälligem Unbehagen saß sie da , zwischen den Händen , die sie vor sich auf den Tisch gestemmt hielt , ihr Taschentuch zerrend und zerknüllend ; mit klarer Stimme , die aber etwas höher klang als sonst , schnellte sie ihre Gegenreden heraus und schielte dabei unter den zusammengezogenen Brauen nach einer leeren Tischplatte neben , nur manchmal warf sie Muckerl , der an ihrer Seite duchste , einen zornigen Blick zu , wenn der gutmütige Bursche in das allgemeine Gelächter einstimmte und dadurch die Heiterkeit auf ihrer beider Kosten auf das bedenklichste erhöhte . Der Klang einer Zither am Nebentische machte sie zusammenschrecken . Sie wußte , was nun kommen werde . Gegen alle Red glaubte sie aufkommen zu können und keine schuldig bleiben zu müssen , aber singen konnte sie nicht , dazu war ihre Stimme zu schrill , und dafür fehlte ihr das Gehör , das wußte sie vom Kirchengesange her , auch aufs Wortreimen versteht sie sich nicht und hat nie auf solche Alfanzerei etwas gegeben ; gegen Trutzliedeln ist sie wehrlos . Da hob schon einer damit an . » Beim Herrgottlmachen , Bein Heiligenschnitzen Tu ich mich d ' ganz Wochen Krump und bucklet sitzen . « Darauf sang ein anderer : » Ich kenn ein jeds Fladerl , Jeds Maserl im Holz - Und ' s allerschönst Maderl , Dös wär halt mei Stolz ! « Nun kam der Stämmige an die Reihe . » Spannst du dich mit der Schönsten zsamm , Gib , Herrgottsschnitzer , acht , Am End , da hättst damit erst dann Ein Herrgotts-Schnitzer gmacht ! « Das zündete . Aber ehe noch das stürmische Gelächter sich beruhigen konnte , hatte Helen den Muckerl an der Hand gefaßt , emporgezogen und war mit ihm dem Ausgange zugeschritten . » Oh ! Hoho ! « schrien die Bursche . » Schon fortgehn , wo ' s erst lustig wird , und ' s schönste Paar dazu ? ! « Obwohl es nun auch dem Muckerl für ausgemacht galt , daß er just nicht unter Freunden gesessen habe , wofür er ihnen , ohne » Behüt Gott « zu sagen , den Rücken kehrte , so konnte ihn doch der Spott über das schönste Paar , den er auf sich gemünzt und vom Neide eingegeben glaubte , nur schmunzeln machen . Die Dirne aber fühlte nur eine Spitze gegen sich heraus , weil sie mit einem so gar Ungleichen gehe , der obendrein weder Maul noch Hand zu brauchen wußte , der sie reden und sich von ihr leiten ließ . Mit einem trotzenden Blick in all die spöttischen Gesichter wandte sie sich unter der Schwelle ab und schritt Hand in Hand mit dem Burschen hinweg . Bis sie das Wirtshaus außer Sicht hatten , gingen sie so , dann gab ihn das Mädchen frei und trat von ihm zurück . » Aber warum denn , warum denn ? « fragte der Bursche , der den kräftigen Druck ihrer Hand nicht ungerne weiter empfunden hätte . » Es war nit deshalb « , sagte sie . Sie sprach es nicht aus , weshalb sie nach seiner Hand hätte fassen können , noch , was anderes sie veranlaßte , es zu tun , aber der Bursche verstand sie und schritt , vor sich hinblickend , neben ihr her . Sie sprachen kein Wort und gingen mit raschen , hallenden Schritten durch das Dorf . Bei seiner Hütte angelangt , bot ihm die Dirne kurz : » Gute Nacht ! « Sie übersah wohl in der Dunkelheit des Burschen dargereichte Hand und war ihm rasch aus den Augen . Ihre Türe hörte er knarren , ein paar keifende Worte der Alten , dann war alles ringsum stille . Die Sterne brannten hoch oben am Himmel , die Mondsichel glänzte . Fern bellte ein Hund , und nun hörte er auch den Bach leise gurgeln . Seufzend wandte er sich ab und schritt nach seinem Häuschen . IV Als Muckerl in die Schlafkammer trat , richtete sich die Kleebinderin im Bette auf . » Noch wach , Mutter ? « » Ja . « » Aber wie kommt denn , daß d ' so spät noch auf bist ? « » Ich denk , wohl daher , weil ich nit schlafen kann . « » Ei , mein . « » Hast dich gut unterhalten ? « » So , so . « » Warst allein ? « Muckerl blieb die Antwort schuldig . » Ob d ' allein warst , frag ich . Druckt dich doch ' s Gewissen , du falscher , hinterhälterischer Bub du , weil d ' dich mit der Sprach nit heraustraust ? Meinst , die Sach bessert , wenn mir ' s fremde Leut zutragn ? « » Ah , mischen sich schon welche ein ? « » Mit der Zinshofer Helen bist gwesen . « » Na , so war ich halt mit ihr . « » Ja , leider Gotts , wär ' s ein andere - « » Mir steht kein andere an . « » Kein Wort verlieret ich , aber grad die ! « » Ich weiß , du kannst s ' nit leiden , und so verlierst mehr als ein Wort drüber und hebst nachtschlafender Zeit zun streiten an . Ich aber hab kein Lust , mit dir z ' warteln , und ' n Schlaf versäumen taugt mer auch nit , wo ich morgen fruh an die Arbeit will . Gute Nacht ! « » Schön ! Der Mutter ' s Maul verbieten und ausm Gsicht gehn , das hast also schon abglernt von ihr und glaubst , daß dabei ein Segen sein kann ? « » Jesses ! Was du dir einbildst ! Gott soll mich strafen , wann von dir a Red war . Nix als mein Ruh will ich , weil da drüber doch nit ruhig mit dir z ' reden is . « » Weil d ' nit ruhig zuhören magst , so sag . Ich glaub dir ja recht gern , daß sie über mich kein Wort verloren hat , sie wird ' s schon so zustand bringen , dich deiner Mutter abwendig zu machen , wie sie ' s ja auch ohne ein Wort zustand gebracht hat , daß du dir ihr z ' lieb über deine Kräften Auslagen machst . « » Selb war mein freier Willen . « » Du hast noch einen freien Willen ! « » Und über meine Kräfte war ' s nit . « » So ? Hast du ' s so überflüssig ? Hast du ' s scheffelweis stehn , daß du nur zuzgreifen und nit zu rechnen brauchst ? Na , is mir lieb , aber ' s ist auch ' s erstemal , daß ich davon hör ! Doch laß dir sagen , wenn d ' dich schon aufn Guttäter hnausspielen willst , so gib dein Almosen an Bedürftigere und an Leut , die ' s verdienen . « » Es war kein Almosen . « » Freilich nit , glaub ' s wohl , ein Präsent war ' s , wo du noch hast schön bitten müssen , daß ' s ja möcht freundlich angnommen werden ; denn ein Almosen z ' nehmen , sind d ' Zinshoferschen viel z ' stolz , obwohl nit eins im Ort is , das so nix hätt , wie die nix haben . « » Aber , Mutter « , schrie Muckerl , vor Ärger lachend , » das is schon hellauf zum Verzweifeln , wie du daherredst , erst soll ich ' s an Bedürftigere gebn , und dann weißt selber niemand , der weniger hätt wie die ! ' s is ja ein Unsinn ! « » Immer besser , Muckerl , immer besser ! Heiß du deiner Mutter Reden unsinnig , aber Unsinn oder nit , ich hab nit nur von Bedürftigere gredt , sondern auch von solche , die ' s verdienen . « » Na ja , du redest so fort , ' s eine ins andere , und drüber würd der Morgen grau . Ich hab schon gsagt , Almosen war ' s keins , daß ich nachm Bedürfen oder Verdienen fragen müßt , mir war ums Schenken , und von dem Meinm werd ich wohl weggeben dürfen , was ich entbehren mag ! « » Sag lieber , was andere nit entbehren mögen ! « » Mein Geld is ' s aber doch « , sagte der Bursche trotzig , » und um das bissel , was ich mir von mein Verdienst zruckbhalten hab und wovon du gar nix wüßtst , wenn dir nit fremde Leut davon gsagt hätten , brauchtest du kein so gwaltig Aufheben z ' machen ! Unsere Kastenladeln hast stürzen können , wie d ' willst , ' s wär kein luketer Sechser hrausgfallen , bis ich zun schnitzen anghobn hab ; alls Geld , was jetzt im Haus is , rührt von meiner Arbeit her , von dem hab ich dir nix gnommen und nimm dir nix , so kannst dich wohl zufriedengebn ! « Die Kleebinderin schlug die Hände zusammen und blickte zur Stubendecke auf , wie über eine ganz unerhört unbillige Zumutung . » Zufriedengebn ? ! « sagte sie mit weinerlicher Stimme . » Bin ich denn a schlechte Mutter , die ihrm Kind kein Freud gönnt und verlangt , dasselbe soll sich z ' Tod arbeiten , daß du mir ' s Geld vorwerfen magst ? ! Hast du mich je klagen ghört die lange Zeit über , wo ich allein hab schaffen und sorgen müssen , daß wir uns ehrlich fortbringen ? Ich hab kein Müh und kein Plag gscheut , uns ' n Mangel fernzhalten , und dabei nie keine andere Meinung ghabt , als daß ich tät , wie einer rechtschaffenen Mutter zukäm ! Wenn alleinige Weiberarbeit was zu erübrigen vermöcht , so hätt der Kasten nit erst auf dein Geld zu warten brauchen , womit du jetzt großtust und mit dem ich mich zufriedengeben sollt , auch für die Kränkung , daß zwischen uns , die wir noch kein Tag geschieden waren , jetzt mit einmal ein Fremde stehen soll , mir just die Allerwildfremdeste , die du hast finden mögen ! Nein , Muckerl , gegen das kommst du mit deinm Geld nit auf , und wenn du sagst , daß du mir nix davon nähmst , so sag ich , sei ohne Sorg , ich nimm dir nix davon , kein Groschen ! Bin ich dir im Weg , so geh ich . Konnt ich die Jahr her ' n Unterhalt für zwei bestreiten , werd ich mit Gotts Hilf wohl noch so viel arbeiten können , daß ich mich allein fortfristen mag . « Sie drückte schluchzend den Kopf in die Kissen . Der Bursche streckte ratlos die Arme gegen die Alte aus . » Mutter ! Ich bitt dich , tu doch gscheit ! Verfall nit af Gedanken und sinn Sachen aus , womit d ' ein frei verzagt machen könnst ! Laß dir sagn , was kann denn ich dafür , daß mir grad die Dirn gfallt ? Aber schau dir nur die andern dagegen an ! D ' mehrsten tun ' n Augen weh , wenig vertragen ein näher Zusehn , und keine is ihr gleich . Noch bevor ich gwußt hab , was die zweierlei Leut auf der Welt bedeuten , hat mir schon keine andere gefallen und jetzt erst recht nit ! Kein größer Unglück könnt ich mir denken , als wann die nit mein würd . Wahrhaftig , ich will nit davon sagen , obwohl ich mir ' s oftmal schon ausgedacht hab , was für ein Segen das sein wird für die Arbeit , wenn mir vom frühn Morgen bis Feierabend so was Schöns im Haus untern Augen h ' rumgeht , das is just , als ob einm beim Schnitzen und Pinseln was geschickt die Hand führet ; aber nit , wie ich denk , mit ihr meins Lebens froh z ' werden , muß ich dir sagen , daß d ' mich recht verstehst , sondern daß ' s ohne ihr weiter für mich kein Freud auf der Welt gäb ! Gegen ' s selbe Einsehn hab ich mich a Zeit hart gnug gwehrt , denn nit nur deiner Warnung bin ich eingedenk gwest ; soviel eins bei einm solchen Blindekuhspiel noch z ' sehn vermag , hab ich auch gsehn , zerst an mir hrunter , daß ich mich in der Säubrigkeit nit ihr an d ' Seit stellen kann , dann ein wenig z ' nebenher an ihr hin , wo ich manchs gmerkt hab , was mir nit hat gfallen mögn und noch nit gfallen mag , aber trotzdem kenn ich kein andern Wunsch und Willn , als sie zu haschen und zu halten . Ja , sie is eitel , unwirtschäftlich und trutz , wie viel sind das aber auch , um die sich nit d ' Müh lohnen möcht , es ihnen abzgwöhnen ? Sie aber - das war gleich mein Denken - könnt wohl noch recht , ganz recht werdn , wann sie allweil um dich wär , wann s ' von dir zulernet ! Drum hab ich ghofft , weil ich nit von ihr lassen kann und sie mir doch auch gut is , daß du sie doch einmal , mir zlieb , leiden kannst ! « » Ja , weil du das eine nit kannst , soll ich ' s himmelweit andere können « , murmelte die Kleebinderin . » So sein die Kinder ! Von ihrm ersten Schrei an müssen sich die Eltern in sie schicken . Dös klein bissel Folgsamkeit , was grad nur die Zeit , von wo s ' d ' Kinderschuh antun , bis wo sie s ' vertreten haben , nebenherlauft , is gar nit der Red wert . Na , wolln ' s einmal überschlafen . Gute Nacht ! « » Gute Nacht , Mutter « , sagte Muckerl und zog , tief einatmend , die Decke an sich . Die Kleebinderin begann nun eine ernste Selbstschau zu halten . Wozu war auch das leidige Gezänk ? - rückte sie sich vor . Bin doch nit gar so alt , daß ich mir nimmer vorstelln könnt , wie einm jung z ' mut is . Warum will ich Heu gegen ' n Wind häufeln und meinm Bubn die Dirn verleiden , ohne der er nit sein mag , statt mich z ' freun , daß sie ihm gut is ? Weil ich nit will , daß einm andern gfallt , was mir nit , und eigentlich hab ich ' s doch nur gegen die alte Zinshoferin , die hat nie was taugt , aber was kann die Junge für ihr Mutter ? Muß s ' just derselben nacharten ? Kreuzbrave Eltern habn oft schlecht geratene Kinder ; ' s kann doch auch einmal umgekehrt der Fall sein . Wenn d ' Helen erst da im Haus sein wird , wo s ' nix Unrechts sieht noch hört , und sie laßt sich bedeuten , gar so unlenksam wird sie ja nit sein , warum sollt sie nit a brav Weib abgeben , fürn Muckerl schon gar , der gwiß a braver Mann wird ? ! Eher , als nit ! Aber all dös hätt ich vorhin bedenken solln , statt daß ich unvernünftig mich in d ' Hitz red , bis ich vor Gift und Gall nimmer aus weiß . Bin doch wahrhaftig recht a bösartig , eigensinnig alt Weib ! - - » Muckerl « , rief sie halblaut , » schlafst schon ? « » Nein , Mutter . « » Ich denk just , daß mer der Leut Gred und Zwischentragerei ein End macht und die Sach fein schicksam einfädelt , dürft wohl graten sein , die Zinshoferischen zu uns z ' laden . Taugt dir ' s , so hätt ich nix dagegen , wann du s ' am nächsten Sonntag herüberbittst . « » Ja , Mutter . « Mehr sagte er nicht , aber darüber , wie er es sagte , war die alte Frau recht vergnügt . So fanden sich denn am Sonntagnachmittag die vier Leute im Kleebinderhäusel zusammen . Die beiden Bäuerinnen saßen sich gegenüber und sagten sich weder Liebes noch Leides , sondern sprachen vom Wetter und vom Wirtschaften ; die Kleebinderin , ihrer Überlegenheit bewußt , redete ein langes und breites , und die Zinshoferin , öfter verstohlen gähnend , warf Kurzes und Schmales dazwischen . Helene bezeigte sich mehr respektvoll als freundlich , sie sah meist vor sich nieder , selten blickte sie nach Muckerl , der ihr gegenübersaß und kein Auge wandte . Er war der einzige , den die Langweile nicht anfocht , weil er sich ganz rückhaltlos zufrieden und glücklich fühlte . Vom nächsten Tage an galt es im Dorfe für ausgemacht , daß nunmehr alles zwischen dem Kleebinder-Muckerl und der Zinshofer-Helen in Richtigkeit sei . Die Dirne blieb sich übrigens in ihrem Verhalten ganz gleich , was die alte Kleebinderin veranlaßte , immer nachdrucksamer mit dem Kopfe zu schütteln . Es eilte der Helen gar nicht , sich bei der Mutter Muckerls einzuschmeicheln , sie suchte deren Umgang nicht und hielt ihr bei Begegnungen gleichmütig stand , so wie sie auch die Neigung des Burschen weder ermutigte noch ablehnte ; ja , einem weniger Gutmütigen hätte sie sicher das Schenken verleidet , sie verstand sich zu keiner Bitte und zu keinem Danke . Hatte sie Kleider oder Schuhzeug abgetragen , so sagte sie zu Muckerl : » Nun , schau einmal , wie schnell das ruiniert ! Sein doch recht betrügerische Leut , die so was verkaufen mögen , und du laßt dir auch alle schlechte War aufhängen . « Oder wenn es sie nach irgend etwas verlangte , einem Schmuckgegenstande und derlei , so fragte sie : » Meinst nit auch , daß das schön wär und mich kleiden möcht ? « Er suchte dann bessere Ware und auch das Schöne und Kleidsame herbeizuschaffen . Sie schlug es dem Muckerl rundweg ab , sich von ihm noch mal in das Wirtshaus führen zu lassen . Er tauge eben nicht unter Leute und darum sei es schwer , mit ihm unter ihnen zu sitzen . Am Kirchtag aber - das verspricht sie - geht sie mit ihm auf den Tanzboden . » O du mein Gott « , klagte die Kleebinderin , » die Dirn hat ein Stolz , wie ich nie glaubt hab , und je mehr der Bub unterduckt , je stolzer tut sie , und mit allem stellt er sich zufrieden . « Er stellte sich nicht zufrieden , er war es wirklich . Lieber wie eine , die sich z ' gring acht , muß ihm doch die Dirn sein , die sich vielleicht ein bissel z ' hoch halt , aber doch nit zu gut für ihn . Nein , das tut sie nit . Er weiß ja , was ihm auf nächste Kirchweih bevorsteht ! Es war noch ziemlich lange bis dahin . V Daß schöne Mädchen gerne unscheinbare neben sich dulden , dürfte nicht schwer zu erklären sein , und daß letztere sich den ersteren aufdrängen , hat seinen Grund wohl darin , weil im Umgange mit einer so viel Umworbenen vielseitigere Aufschlüsse über das zu erwarten stehen , was nun einmal der großen Mehrheit der Menschen das Interessanteste im Leben ist und bleibt , über das Lieben und Geliebtwerden . Daß sich die minder hübschen dabei auch mit der Hoffnung trügen , gelegentlich einen der herzwunden Abgewiesenen für sich in Beschlag zu nehmen , mag im allgemeinen wohl nur eine boshafte , durch nichts begründete Anschuldigung sein . Unter den Dirnen , die sich zu Helen gesellten , war auch die Matzner-Sepherl . Die Harthändige mit den wundernden Augen wußte sich einzuschmeicheln , sie pries so rückhaltlos die Schönheit der Kameradin und andernteils wußte sie den Muckerl nicht genug zu loben , so daß sie es nur rechtschaffen recht fand , daß die Schönste nicht mit einem der gmein Bauersleut , sondern mit einem so Kunstfertigen und Ausbündigen hausen wolle ; was ganz angenehm zu hören war . Sepherl teilte auch mit Helene die neidische Bewunderung des Sternsteinhofes , während alle anderen da unten am Fuße des Hügels sich mit dem gotteingesetzten Unterschiede zwischen reich und arm zufriedengaben und von keinem Wünschhütchen träumten , das sie auf den Gipfel versetzen könnte . Sepherl war schon zu öfteren Malen auf dem reichen Hofe gewesen , sie hatte dort eine alte Base , die seit dem vor Jahren erfolgten Tode der Bäuerin dem Hauswesen vorstand ; diese brave Schaffnerin tat sich nicht wenig auf ihre Bedeutung zugute , schätzte aber ganz richtig , daß sie selbe nur dem mächtig großen Anwesen verdanke , und ließ sich bei günstiger Gelegenheit gerne dazu herbei , ein oder das andere Dorfkind darauf herumzuführen und zu verblüffen . Ein paarmal hatten die beiden Dirnen die Alte aufgesucht , ohne mehr als deren allerdings recht wohnliches Stübchen vom ganzen großen Sternsteinhof gesehen zu haben , dann aber wurden sie auf den nächsten Sonntagnachmittag geladen , wo die Herrenleute » aus « sein würden und auch wenig Gesinde sich daheim verhalten werde . Es war ein sonniger Herbstnachmittag , an dem die beiden Dirnen in Begleitung Muckerls längs des Baches durch das Dorf schritten , bis wo in Mitte desselben , der Kirche gegenüber , die Brücke über das Wasser und auf den Weg führte , der zum Sternsteinhof hinanstieg . » Bhüt dich Gott , Muckerl « , sagten die beiden , denn der war nicht geladen worden , und ihn mitbringen wäre eine Unhöflichkeit gewesen . » Bhüt dich Gott , und laß dir unterdes die Zeit nit lang werden . « » Habt derwegen kein Sorg « , sagte er , indem er sich auf das Brückengeländer stützte . » Unterhaltet euch gut . « Helen war boshaft genug , ihm ein » Auch soviel « zuzurufen , dann eilten die Dirnen mit flinken Füßen den Hügel hinan . » Wirst sehen , Helen « , keuchte Sepherl , der es nicht gelingen wollte , den halben Schritt , den sie gegen die Kameradin zurückblieb , einzubringen , » wirst sehen , wieviel und was ' s alls da oben gibt ; ganz weg wirst sein darüber . « Helene lächelte mit den geöffneten Lippen , zwischen denen sie im raschen Gehen die Luft einsog . Sie nahm sich vor , nicht » ganz weg « zu sein . Aber was sind menschliche Vorsätze ungekannten und ungeahnten Eindrücken gegenüber ? Die alte Schaffnerin empfing die beiden Mädchen mit herablassender Freundlichkeit , bewirtete sie mit einer Schale Kaffee , ein seltenes Getränk für Leute von da unten , das sollte die richtige Stimmung hervorrufen , denn leerer Magen macht trübe Augen , dann ging es ans » Umsehen « . Für Sepherl war dabei nichts Neues zu sehen , sie schenkte all dem Aufgezeigten und Vorgewiesenen einen flüchtigen Blick - wobei ihre Augen immer noch verwundert genug taten , um die ehrgeizige Frau Bas bei guter Laune zu erhalten - und machte sich das Vergnügen , auf Helenens Gesicht zu achten ; diese brauchte sich anfangs gar nicht Gewalt anzutun , um das gleichgültigste von der Welt beizubehalten , denn als es im Erdgeschosse durch die Gesindestuben ging , fand sie eben nur mehr Stuben und mehr Hausrat auf einem Flecke , als sie sonst Gelegenheit hatte , beisammen zu sehen , indes weder die einen noch der andere vom Gewohnten sich unterschieden . Als sie aber über den Hof nach den Wirtschaftsgebäuden folgte , die mit den blanken , handlichsten Geräten , ja mit Maschinen voll bestellt waren , zu deren Gebrauchserklärung sie allerdings noch stolz mit dem Kopfe nickte und ein erheucheltes Verständnis murmelte , als sie an den Scheuern mit den aufgehäuften Vorräten vorbeikam und im Geflügelhofe Hunderte von girrend , krähend , quackend und kollernd sich brüstenden Tieren sie wirre machten und als sie endlich in den übergroßen Ställen vor einer ganzen Herde Vieh stand , ein Stück immer schöner wie das andere , da waren ihre Augen denn doch allmählich größer geworden , und befangen schlich sie nebenher , als es zurück nach dem Wohnhause ging , dessen Oberstock nun erstiegen ward . Was sie da sah , als sie mit eingehaltenem Atem von Stube zu Stube ging , an Notwendigem in ausgesuchter Form und an Entbehrlichem , das breit , wie hier nicht zu entraten , an seinem Orte stand , der reiche Vorrat an Wäsche und Kleidern , der ihr einen halblauten Schrei der Verwunderung erpreßte , als die Schaffnerin die Schränke aufschloß , der große versperrte Schrank , dem sie einen scheuen Blick zuwarf , als sie hörte , er wäre bis ans oberste Fach mit reichem Geschirr und Silbergeräte angefüllt , endlich die eiserne Kasse , der weder ein Dieb noch das Feuer ankonnte , worin der Bauer bar mehr liegen hatte , als alle Dörfler da unten zusammen mit Häusern und Gründen schwer waren , und vor der sie fast andächtig die Hände faltete , all das verschmolz in ihr zu einem Bilde der Macht und Herrlichkeit des Reichtums . Gedrückt und verschüchtert verließ sie das Haus und atmete froh auf , als es nach dem Garten ging . Die beiden Dirnen wurden übrigens von der Alten auch nur dahin geführt , weil sich dort , von einer großen Rebenlaube aus , am schönsten weisen ließ , was für Liegenschaften zum Sternsteinhofe gehörten . Es war viel Grund und Boden , aber den Eindruck ausschließlichen Besitzes machte er doch nicht , er reichte nicht , bis wo Himmel und Erde in eins verschwammen , und rings lag doch auch viel fremdes Eigentum . Die Schaffnerin setzte den Dirnen noch ein Gläschen Wein vor , damit diese , wie sie wohlwollend bemerkte , wieder zu Leben kämen , dann entließ sie die beiden , sehr zufrieden darüber , ihnen Anlaß gegeben zu haben , das weniger als je zu sein . Eine gute Strecke legten die Mädchen schweigend zurück , dann blieb Helene stehen und sah nach dem Hofe . » Hast recht ghabt , Sepherl « , sagte sie , » man kann wirklich ganz weg sein . « » Gelt ja ? « sagte die . » Denk nur « , fuhr Helene fort , » die , welche mal den Bubn vom Sternsteinhofbauer kriegt ... er hat ja wohl nur den ein ? « » Wie d ' fragen magst ? Freilich , nur ' n Toni . « » Die den einmal kriegt und da oben hinauf zu sitzen kommt , die muß ' s schon so gut haben , wie ' s kein Prinzessin auch nit besser haben kann ! « » Pah , was d ' redst ! Einer Prinzessin , die gwohnt is , vom goldenen Geschirr zu essen und daß die Soldaten vor ihr ' Gwehr hraus ' schreien , der fehlet noch viel ! Meinst denn , so a recht a reiche Bauerstochter bekäm da sonderlich mehr unter d ' Händ , als s ' von ihrs Vaters Hof her gwöhnt is ? So arme Menscher , wie wir , glaubeten sich dort freilich wie im Himmelreich , aber von uns kommt keine hnauf . « » Schwerlich « , seufzte Helen . » Gar nit , sag ich dir ! Du denkst nit , wie stolz die allzwei sein , der Alte wie der Junge . Kein Dirn im Ort , soviel wir ihrer auch sein , halt der Toni auch nur des Danks fürs Grüßen wert . « » Da gschieht nur denen recht , die ihn anreden « , rief Helen , » ich grüß ihn nit ! « » Und wenn er sich ja unterstünd « , fuhr Sepherl fort , » auf unsereine ein Aug z ' werfen , sein Vater schlüg ihm allzwei ausm Kopf . « » Gschäh ihm so wegen mir - Gott verzeih mir d ' Sünd