noch gar kein deutsches Reich gegeben hat , da in dem Lande der Franken , das sehr groß war , die tapfern Hausmeier der alten Könige geherrscht haben , ist ein Mann aus dem Stamme der Fürsten Ursini in Rom , der auch Witiko wie ich geheißen hat , wegen Verfolgung eingedrungener Feinde mit seinem Weibe , mit seinen Kindern , mit seinen Anverwandten und mit einem kriegerischen Gefolge in das Land gegen Mitternacht gegangen , und bis an die Donau gekommen . Von dort wollte er in das Land Böhmen einbrechen . Aber Woyen , der Herzog Böhmens , der erstgeborne Sohn des Herzogs Mnata , der noch heidnisch war , und die Christen haßte , zog ihm mit einem Heere entgegen , und tötete in einer Niederlage , die Witiko erlitt , fast alle seine Leute . Da trug Witiko dem Herzoge Woyen ein Bündnis an , er wollte sich ihm unterwerfen , und die Marken Böhmens gegen die Fremden verteidigen , wenn ihm der Herzog in den waldigen Bergen , in welche er eingedrungen war , eine Wohnung geben wolle . Der Herzog gab sie ihm , und nun wohnte er an einem Berge in dem Walde . Sie breiteten sich aus , wurden mächtig , und gründeten das Christentum , daß sich vierzehn Lechen vom Mittage Böhmens lange vor der Zeit , da Boriwoy der erste christliche Herzog Böhmens war , in Regensburg taufen ließen . Dann nahm das Geschlecht wieder ab , wurde unbekannt , und ich bin der letzte davon . Witiko hatte auf dem Berge an seiner Wohnung Waldrosen gepflanzt , wie auf einem Berge neben seiner Wohnung in Rom Waldrosen gestanden sind . Alle Vorgänger des alten Witiko , welche in die Zeiten hinauf reichten , da noch gar kein Christ auf der ganzen Welt war , hatten Waldrosen gepflanzt , weil noch keine anderen waren , und alle Nachfolger haben Waldrosen gepflanzt . « » Es wird doch eine Eingebung gewesen sein , daß ich die Rosen genommen habe « , sagte Bertha . » Nimmst du oft Rosen ? « fragte Witiko . » Ich nehme sie zuweilen « , sagte Bertha . » Und daß es in dieser Jahreszeit noch Rosen gibt , ist schon ein Wunder « , sagte Witiko . » Ich habe diese auch nur heute im Waldschatten gefunden , und in meinen Ring gesteckt « , entgegnete Bertha . » Siehst du « , sagte Witiko . » So mögen sie Euch ein Zeichen sein « , erwiderte Bertha , » und möget Ihr recht viel Glück haben . Ich werde Euch zu meinem Vater führen , daß er Euch einen Mann zu den drei Sesseln mitgibt , der Euch den kürzesten Pfad weist . « » So führe mich zu deinem Vater , Bertha « , sagte Witiko . » Wollt Ihr ? « fragte sie . » Ich will « , antwortete er . » So kommt « , sagte sie . Bei diesen Worten erhob sie sich , der Reiter setzte seine Lederhaube auf den Kopf , und stand gleichfalls auf . Sie gingen nun an dem Waldsaume bis zu der Stelle , an welcher die Mädchen herausgekommen waren . Dort traten sie unter die Stämme , und in kleiner Tiefe des Waldes stand das andere Mädchen , das mit Bertha gesungen hatte . Als Bertha und Witiko sich ihr näherten , nahm sie die Flucht , und lief vor ihnen her . Witiko sah nun , daß ihre Zöpfe , die auf das dunkle Kleid hinab gingen , eine lichte fast weißgelbe Farbe hatten , während die Berthas braun wären . Sie lief aber so , daß sie bald nicht mehr gesehen werden konnte . Witiko und Bertha gingen unter den hohen Tannen des Waldes und zwischen bemoosten Steinen dahin . Sie gingen aufwärts . Nach einer Weile hörten sie ein Wasser rauschen , welches in der Gegend zu ihrer linken Hand fließen mußte . Bertha wendete sich nun links , und ging zu dem Wasser , das man fast durch die Stämme aber tief unten in einer Schlucht sehen konnte . Bertha ging an dem Wasser in der früheren Richtung wieder fort , aber immer oben am Rande der Senkung . Sie gingen immer aufwärts . Nach einer Zeit wurde der Wald dünner , und sie traten endlich in das Freie . Da lag eine Wiese vor ihnen , hinter der Wiese waren Felder , und dann stand ein großes weißes Haus . Hinter dem Hause stieg der Wald empor , und war ein breites mächtiges Band . Seinen Sesselfels konnte man wegen der Nähe nicht sehen , gegen Morgen aber waren andere starke Steinrippen im Bande . Die Wiese war von Gestrippe und Steinen gereinigt . Bertha lenkte nun auf einen Pfad ein , der in der Wiese auf das Haus zuging . Der Pfad war geordnet und so breit , daß selbst ein Wagen auf ihm hätte fahren können . Als sie auf dem Pfade so weit fortgegangen waren , daß sie noch einige hundert Schritte zu dem Hause gehabt hätten , kamen sie zu der Betstelle des roten Hüttchens . Es stand an dem Wege , mit seiner Öffnung gegen Morgen dem Pfade zugekehrt . Unten war es geschlossen , oben hatte es eine Öffnung , in welcher das Bild der heiligen Mutter stand , es war in Gold in roten blauen und anderen Farben . Vier Ebereschenbäume hinter dem Hüttchen waren hoch empor gewachsen . Bertha kniete an einem Bänklein nieder , und tat ein Gebet . Witiko kniete neben sie , und betete auch . Dann standen sie auf , und gingen weiter . Das Rauschen des Wassers tönte aus der Schlucht herauf , und auch nicht weit vor dem Hüttchen kam ein Wasser aus dem Grase der Wiese , und schoß flüchtig nach abwärts . » Ihr habt hier klare fröhliche Quellen « , sagte Witiko . » Es sind noch mehrere , rechts und links « , antwortete Bertha , » sie kommen von den drei Sesseln und von dem Blöckensteine . « » Und das ist euer Bild , von dem Ihr mir gesagt habt ? « fragte er . » Das ist das Bild « , antwortete sie . » Und dort ist euer Haus ? « sagte er . » Dort ist das Haus « , erwiderte sie . Nach kurzem Wandeln an den Reihen der Ebereschen kamen sie an das Haus . An demselben war gegen Morgen ein Sandplatz , gegen Mittag ein Garten . Das Haus war sehr lang . Es war aus Stein gebaut , und weiß übertüncht . Die Fenster , welche in einer geordneten Reihe hingingen , waren mit eisernen Stäben verwahrt . Es hatte nur ein Erdgeschoß , welches aber hoch war , und auf welchem sich ein flaches Dach befand , das viele und große Steine deckten . Die schmale Seite des Hauses , welche dem Sandplatze zugekehrt war , hatte eine eisenbeschlagene Tür . Durch die Tür , welche nicht geschlossen war , sondern einem leichten Drucke wich , führte Bertha Witiko in das Haus . Sie kamen hinter der Tür in einen geräumigen Vorsaal , von dem ein Gang durch die Länge des Hauses fort lief , und von dem Vorsaale traten sie links wieder in einen Saal . Derselbe war groß , und hatte gegen die Schmalseite des Hauses vier , gegen dessen Langseite sechs Fenster . Der Fußboden war von Tannenbrettern , die Wände waren weiß getüncht , und die Decke war eine starkbalkige Diele von braungebeiztem Tannenholze , an den Wänden hingen Waffen , und in den Ecken lehnten auch einige . In der Mitte des Saales stand ein sehr langer Buchentisch . An dem oberen Ende des Buchentisches saß ein Mann von etwa vierzig bis fünfzig Jahren . Er hatte ein weitfaltiges schwarzes Oberkleid an , von dem die lichtbraune Unterbekleidung hinab ging . Auf das Oberkleid fielen lange braune Locken hinab . Vor ihm standen zwei andere Männer , mit denen er sprach . » In die Glurwiese geht ihr um fünf Uhr « , sagte er , » dann könnt ihr mit der Hälfte fertig werden . « » Ja « , sagte einer der Männer . » Ihr müßt im Scherholze an der Sonnenseite schlichten , und die Eckstöße fest machen « , sprach er weiter . » Ja « , sagte der andere der Männer . » So , jetzt geht , und berichtet mir , wenn es geschehen ist « , sagte er . Die Männer entfernten sich , und gingen zur Tür hinaus . Der Mann an dem Buchentische sah nun mit zwei großen blauen Augen auf Bertha und Witiko . Bertha ging einige Schritte gegen den Mann und sagte : » Vater , da ist einer in den Wald gekommen , der nach seinem Glücke geht , und sich ein Schicksal machen will . Weil heute Sonntag ist , so ruhet er , und hat in dem Walde gebetet . Ich habe auf der Sperwiese mit ihm gesprochen , und bringe ihn dir . « Der Mann mit den braunen Locken stand auf , ging gegen Witiko , und sagte : » Seid mir willkommen . « » Ich nehme das Willkommen an « , sagte Witiko , » und wollet mein Eindringen entschuldigen . « » Meine Tochter hat Euch gebracht , und Ihr seid willkommen « , sagte der Mann , » und Ihr wäret auch willkommen , wenn Ihr allein gekommen wäret ; denn mein Haus ist gastlich . « » Ich heiße Witiko von Pric « , sagte Witiko . » Ich Heinrich « , antwortete der Mann . » Der Reiter will heute auf die drei Sessel steigen « , sagte Bertha . » Weil Ihr auf dem Wege nach gutem Dienste in mein Haus gekommen seid , Witiko « , sagte Heinrich , » so nehmet ein Mittagessen bei mir , ich werde Euch dann einen Mann geben , der Euch zu den Sesseln geleiten soll . Jetzt biete ich Euch einen Stuhl , und wenn es nicht gegen Eure Sitte ist , so schnallt Euer Schwert ab , daß Ihr ungehinderter seid . « » Ich nehme die Einladung zum Mittagessen und zu einem Stuhle dankbar an , das Schwert kann ich aber nicht abschnallen , weil ich mir den Brauch auferlegt habe , es immer , wo es tunlich ist , zu tragen , daß es mir nicht einmal fehlt , wenn ich es brauche « , sagte Witiko . » Daran tut Ihr nicht unrecht « , sage Heinrich , » und wenn Ihr von den drei Sesseln zurückkommt , werdet Ihr die Nachtherberge bei uns nehmen ? « » Ich reite morgen wieder weiter « , entgegnete Witiko , » habe mein Pferd bei den Köhlern an der Mihel , und muß heute wieder dahin zurück kommen . « » So werden wir die Zeit so einrichten , daß Ihr es könnt « , sagte Heinrich . Nach diesen Worten wendete er sich gegen den Tisch , rückte zwei Stühle zurecht , wies auf einen , und er und Witiko setzten sich nieder . Dann sagte er zu Bertha : » Gehe zur Mutter , und verkündige ihr , daß wir einen Gast haben . « Bertha ging gegen einen Fensterpfeiler , und hing ihren Kranz mit Rosen an einen Nagel . » Warum hängst du denn dein Goldreiflein zu den Waffen ? « fragte der Vater . » Lasse die Rosen heute bei den Waffen hängen « , antwortete Bertha . Dann ging sie durch eine Tür in das weitere Innere des Hauses . Nach einigen Augenblicken kam sie mit der Mutter bei dieser Tür wieder heraus . Die Mutter hatte wie Bertha braune Haare und Augen . Sie hatte feine Hände und Glieder . An ihrem Körper war ein enges blaues Wams mit Silberrändern , die Vorderärmel und das weite Unterkleid waren aus blaßgelber Wolle . Die Haare deckte ein weites Netz mit Goldfädlein . » Wiulfhilt « , sagte Heinrich , » der junge Reiter Witiko von Pric , der Sohn Woks und Wentilas , ist unser Gast . « » So habt Ihr meinen Vater gekannt ? « fragte Witiko . » Ich habe Euern Vater gekannt , mein junger Reitersmann , und kenne Eure Mutter « , sagte Heinrich . » Wir kennen die feine gute Wentila « , sagte die Frau , welche eingetreten war , » und wenn Ihr der Sohn derselben seid , so heiße ich Euch in unserem Hause willkommen . « » Ich bin der Sohn derselben « , sagte Witiko , welcher aufgestanden war , » und so bin ich in einem Hause , in welchem meine Eltern gewesen sind . « » In diesem Hause sind sie nie gewesen « , sagte Heinrich , » wohl aber in einem andern . « » So seid Ihr uns in diesem Hause gegrüßt « , sagte Wiulfhilt . » Ich freue mich des Grußes , edle Frau « , entgegnete Witiko , » und verzeiht , wenn ich Eure Sorge mehre . « » Meine Sorgen für das Haus sind meine Freude « , sagte die Frau , » und für einen Gast doppelte Freude . « » Wenn ich es nur verdiene « , entgegnete Witiko . » Ihr verdient es , weil Ihr der Sohn Eurer Eltern seid « , antwortete Wiulfhilt , » und werdet es auch außerdem verdienen . Und wenn es auch nicht wäre , so wäret Ihr der Gast . « » Wiulfhilt « , sagte Heinrich , » der Reiter will heute noch auf den Sesselfels gehen , und abends zu den Köhlern im Klaffergrunde zurückkehren . Sorge für ein zeitiges Mahl . « » So erlaubt , daß ich mich bis zum Mittagessen beurlaube « , sagte die Frau . » Tut nach Eurem Rechte « , entgegnete Witiko . » Und ich werde der Mutter folgen « , sagte Bertha . » Dann tust du recht « , erwiderte der Vater . Und die Mutter und die Tochter verließen den Saal . » Wenn es Euch genehm ist , so suchen wir bis zum Mittage die freie Luft auf « , sagte Heinrich zu Witiko . » Es ist mir sehr genehm « , entgegnete Witiko . Der Herr des Hauses führte seinen Gast nun durch eine andere Tür in den Garten . Er schürzte sein faltiges Gewand durch einen Gürtel , den er anzog , höher , und schritt in die Beete voran . Witiko folgte . Im Garten waren Küchengewächse , duftende Kräutlein und an Mauerlatten die Birnstaude . Am Ende des Gartens erhob sich ein Hügel , von dem sie den Garten das Haus und den Wald übersehen konnten . Witiko sagte : » Ich habe nie gewußt , daß hier ein solches Haus steht , obgleich ich schon in dem Walde gewesen bin . « » Es ist sehr abgelegen « , antwortete Heinrich , » die Pfade gehen unten an der Mihel vorüber , und keiner geht herauf , der weiter in die Länder liefe , weil hinter dem Hause gleich der hohe Wald beginnt , über den kein Fußweg steigt . So ist es rückwärts umfangen von der Wand der Sessel und des Blöckensteins , und vor ihm geht der Forst bis zu der Mihel hinunter . Wenn einmal die Wälder gereutet werden , dann können es die Menschen von weitem her erblicken , da es hoch gelegen ist . Die Sesselwand und der Blöckenstein werden wohl nie gereutet werden , weil sie steil sind und nur Waldgrund haben , und dann wird es licht gegen die hintere dunkle Waldhöhe abstehen . « » Ist das Haus schon lange da ? « fragte Witiko . » Ich habe es erbaut « , entgegnete Heinrich . » Und warum habt Ihr es denn in den abgelegenen Wald gebaut ? « fragte Witiko . » Weil ich es so gewollt habe « , antwortete Heinrich , » einige bauen auf Weiden , andere auf Felsen , andere in Wälder , und wenn man einmal des Schutzes bedürfte , so ist dieses Haus sehr verborgen , und unbekannt . Ich bin öfter mit den Meinigen hier , wenn wir nicht anderswo zu sehr fest gehalten werden . « » Es muß auch sehr anmutig hier wohnen sein « , sagte Witiko . » Ja jetzt , und vielleicht auch in künftiger Zeit « , erwiderte Heinrich , » der breite Berg , der jenseits der Mihel liegt , wird einmal eine Ortschaft werden , weil er die Ursachen dazu hat , nämlich guten Boden und Verbindungen , es werden vielleicht dann auch an manchen Stellen rings herum Wohnungen ja sogar Kirchen entstehen , und dann , wenn Zeiten sind , die es weniger benötigen , daß der einzelne Mann sich um Schutz umschaue , mögen die weißen Mauern dieses Hauses weithin leuchten , und manchen einladen , zu kommen , und sich in ihnen zu vergnügen . « » Möge das Haus viele hundert Jahre dauern « , sagte Witiko . » Wenn die , welche nach mir kommen , so denken , wie ich « , antwortete Heinrich , » so wird es dauern . Es können Tage erscheinen , da die Macht und das Ansehen eines Stammes schwinden ; aber sie können wieder auferstehen , wenn nur der Stamm selber nicht ausgelöscht ist . Eines Tages kann dieses Haus zerstört und dem Erdboden gleichgemacht werden ; aber ein anderes kann an der Stelle sich erheben , und wenn einer meiner Nachkommen hier lebt , und wenn er Freude am Walten in Mitte seines Besitztumes hat , so wird hier eine Wohnung sein , die den Besitzern behaglich , und den Fremden , die mit offenen Herzen kommen , freundlich ist . « » Ich denke wie Ihr « , sagte Witiko , » kein Stamm kann untergehen , wenn seine Glieder recht sind , er sinkt und steigt , außer wenn Gott im Tode seines letzten Gliedes ihm ein Ende macht . « » So ist es , wie es ist « , sagte Heinrich , » lasset uns weiter gehen . « Sie gingen von dem Hügel durch ein Pförtlein des Gartens weiter dahin , und zwar ungefähr in einer Richtung , in der Witiko mit Bertha gekommen war . » Da ist meine Wiese , die die Rinder nährt « , sagte Heinrich , indem er die Hand erhob , und herum wies . » Sie geht bis zu dem Walde , durch den Ihr gekommen seid . « Sie schritten auf einem Wege der Wiese gegen Morgen zu . » Und dort sind meine Felder « , sagte Heinrich , indem er auf den Strich wies , der hinter dem Hause dem Walde zu ging . » sie bringen , was das Haus bedarf und erheischt . Und die Quellen geben uns freigebig ihr Wasser und der Wald seinen Reichtum . « Sie gingen in einem Bogen wieder gegen das Haus , und kamen an dessen Morgenseite , an die auch Witiko mit Bertha gekommen war . Er sah jetzt , daß neben der Tür , durch die er mit Bertha hineingegangen war , auch ein eisernes Tor in einer Mauer war , die von dem Hause hinweg ging . Heinrich führte ihn durch das Tor hinein . Sie gelangten in einen Hof . » Hier sind Pferde « , sagte Heinrich , indem er Witiko gegen einen Stall führte , der rechts von dem Eingange war . Witiko trat in den Stall , und betrachtete die sechs Pferde , welche da standen , sehr genau . » Hier sind Rinder « , sagte Heinrich , indem er Witiko zum Stalle daneben führte . Witiko sah hier zehn Kühe stehen , die gut und schön gebaut waren . » Hier sind Zugtiere « , sagte Heinrich , da er Witiko zu einem weitern Stalle geleitet hatte . Drei Paare schwerer Ochsen standen in dem Stalle . » Und dort sind Kälber und kleine Tiere und Geflügel « , sagte Heinrich , indem er auf weitere Gelasse nur so oberflächlich hinwies , ohne Miene zu machen , hinzugeben . Er führte Witiko quer über den Hof in das Haus , und im Hause durch den Gang in den Saal , in welchem er ihn empfangen hatte . In dem Saale waren indessen Veränderungen vor sich gegangen . Der Tisch war mit Linnen bedeckt , es standen Gefäße auf ihm , und Teller und Eßgeräte waren auf ihn gelegt . Nachdem die Männer eine Weile in dem Saale gewesen waren , ertönte eine Schelle . Sehr bald öffnete sich die Tür von dem Gange herein , und mehrere Leute traten in den Saal . Es waren Knechte und Mägde . Sie stellten sich an den Tisch . Darauf kamen die Mutter und Bertha aus der Tür , die in das innere Haus führte . Sie hatten dieselben Gewänder an wie früher . Jetzt tat Heinrich ein kurzes lautes Gebet , in das Antworten der Leute einfielen . Dann setzten sich alle an den Tisch . Heinrich saß obenan , Witiko wurde zu seiner Linken gewiesen , rechts saß die Mutter und dann Bertha . Weiter unten waren die Leute . Hierauf trugen zwei Mägde Speisen auf den Tisch . Auf das obere Ende wurden ein Rindsbraten Geflügel Fische und Kuchen gestellt , auf das untere der Lendenbraten eines jungen Schweines Sauerkohl und Brod . Am oberen Ende wurde in kleine feine Silberbecher Wein eingeschenkt , am unteren aus einem großen Eimer Bier in graue blaublumige Steinkrüge . Am untersten Ende des Tisches erblickte Witiko den Krauskopf , der ihm mit lachenden Augen zuwinkte . Heinrich munterte die , welche bei ihm saßen , zum Essen auf , und am untern Ende zerlegte einer den Lendbraten . » Unser Gast hat gesagt , daß er nach Böhmen reiten werde « , sprach Bertha . » Hast du ihn darum gefragt ? « sagte Heinrich . » Wir haben allerlei gesprochen , und gefragt , und da werde ich ihn auch wohl um dieses gefragt haben « , entgegnete Bertha . » Einen Gast forscht man nicht aus , meine Bertha « , sagte Heinrich . » Damals war er noch nicht unser Gast « , antwortete Bertha , » und er hat es mir gerne gesagt . « » Ich habe es sehr gerne gesagt « , sprach Witiko . » Wenn ich von dem Steine der drei Sesseln oder von dem Blöckensteine gegen das Land von Böhmen blickte « , sagte Bertha , » so war es immer , als sei es in jenen Gegenden nicht so licht als auf unserer Seite der Berge . « » Von dort blickt man in unser Land nach Mittag « , antwortete Heinrich , » und nach Mittag ist der Ausblick in allen Ländern freundlicher . « » Ich weiß nicht , ob ich in Böhmen wohnen möchte « , sagte Bertha . » Am freiesten und hellsten wohnte es sich wohl auf der Höhe des Waldes « , sagte Witiko . » Die alten Böhmen haben ihre Burgen oder die Verbalkungen ihrer Zupen , in welche sie sich bargen , wenn ein übermächtiger Feind das offene Land durchstreifte , stets in der Ebene angelegt « , entgegnete Heinrich , » sie bauten diese Vesten an Orten , wo Sümpfe waren , oder zwei Wässer zusammengingen , so daß nur auf einer Seite ein Eingang war , den sie durch starke Gräben wahrten . Gegen unsere Tage her wird sich wohl auch bei ihnen einiges geändert haben , wie ja die neuen Zeiten neue Sitten bringen . « » Ich habe immer geglaubt , wo ein steiler Fels gegen Wasser vorgeht , das um ihn herum fließt , oder sich um ihn ausbreitet , daß er rückwärts nur mit einer schmalen Zunge an dem Lande hängt « , sagte Witiko , » das wird eine gute Wohnung sein , die leicht zu verteidigen ist . Ein großer Wald , der einem zahlreichen Feindeshaufen den Zugang wehrt , und ihm Nahrung versagt , könnte auch als Schutz dienen . « » So ist ja dieses Haus gebaut « , entgegnete Heinrich . » Mein Kind « , sagte Wiulfhilt , » wir Frauen , die wir abhängig sind , wissen nie , wo wir wohnen werden , und wo wir dann mit den Unsrigen wohnen , wird es uns doch gefallen . « Das Mahl dauerte nicht lange , und als es aus war , und man sich erhoben hatte , tat Heinrich wieder ein Gebet , wie bei dem Beginne desselben , dann sagte er : » Wolfram , der junge Reitersmann , unser Gast , will die drei Sessel sehen , du wirst ihn zu denselben führen , und ihn , wenn er es wünscht , zu dem Blöckensteine , zum See , und wieder zu uns zurück bringen . « Auf diese Worte antwortete der Krauskopf : » Ich werde es tun , Herr ! « Als das Geräusch , welches das Fortgehen der Knechte und Mägde verursacht hatte , geendet war , und der Hauswirt sein Gast und seine Angehörigen noch eine Weile bei einander gestanden waren , kam der Krauskopf , der sich entfernt hatte , wieder herzu , und sagte , daß er gerüstet sei . Er hatte jetzt das graue Mäntelchen um das braune Gewand , das er beim Essen angehabt hatte , trug eine Armbrust nebst Bolzenbeutel , und reichte Witiko einen Lanzenstock dar . Dieser empfing ihn , und sagte : » Ich danke für das Mahl , ich danke für die Sorge um meine Wanderung , und nehme den Antrag an . « » Geht mit Gott , und kommt bald in meine Wohnung zurück « , sagte Heinrich . » Benimm dich gut , Wolf « , sagte die Frau . » Ihr dürft ihm schon trauen « , sagte Bertha zu Witiko , » er kennt den Wald und die Wege . « » Es wird schon recht werden « , sagte Wolf . Und so gingen alle bei der Tür des Vorsaales und bei der Eisentür auf den Sandplatz hinaus . Dort verabschiedete man sich , und die zwei Männer betraten ihren Weg . Sie gingen vom Hause gegen Mitternacht . Hinter dem Hause war der Raum der Felder . Auf diesem Raume gingen die Männer fort . Der Krauskopf ging gegen Witiko herzu , und sagte : » Ich gehe recht gerne mit Euch . « » Du gehst gerne mit mir ? « fragte Witiko . » Ja « , antwortete Wolf , » weil Ihr ein so schönes Pferd habt , und gut seid . « » Du hast ja gesagt , wie du dir auch einmal eins erwerben wirst « , antwortete Witiko . » Ja , wenn nur Krieg wäre « , antwortete Wolf . » Krieg ist ja schier immer « , entgegnete Witiko . » Und da ich gestern dem Wirte im Hauzenberg eine Wohltat erwiesen hatte , wenn ich nur hätte ahnen können , daß Ihr zu unserem Herrn reitet , ich wäre mit Euch gegangen , und hätte Euch den Weg gezeigt . Aber Euer Pferd ist ja gar nicht in unserm Stalle « , sagte Wolf . » Ich bin nicht zu deinem Herrn geritten « , entgegnete Witiko , » und mein Pferd steht an der Mihel bei den Köhlern . « » Bei den Köhlern ist ein schlechter Platz für Euer Pferd « , antwortete Wolf . » Weil ich alle Botschaften meines Herrn verrichte , so kenne ich viele Männer und ihre Pferde , aber keines der Pferde hat einen so schlechten Platz . « » Ich bin für mein Pferd zufrieden , und habe selber Herberge bei den Köhlern genommen « , sagte Witiko . » Weil Ihr so gut seid « , entgegnete Wolf . Sie waren am Saume der Tannen angekommen , und gingen nun gegen Sonnenuntergang . Sie gingen hier wieder an mehreren solchen großen Steinen vorüber , die so ohne Zusammenhang auf dem Grunde lagen , als wären sie von Menschenhänden hergelegt worden . An einem dieser ungeheuren Steine lag ein Häuschen , das winzig gegen den Stein war . » Hier wohnt Trude , die Singgespanin unsers Fräuleins « , sagte Wolf , » ihr Vater ist ein sehr armer Mann . « Sie gingen an dem Häuschen vorüber , traten dann in den Wald , und gingen im Walde weiter . Es tosete wieder ein Wasser zwischen Steinen und Felsen hernieder . Ein mäßiger Baumstamm war über dasselbe gelegt . Wolf lief hinüber , und sah auf Witiko zurück . Dieser ging über den Stamm . » Ach , Ihr könnt das schon ! « rief Wolf , » da wird alles gut werden . Seht , dieser Bach hadert in die Tiefe . Aber unten fast an der Mihel legt sich ihm eine Querwulst entgegen , und er muß halten , und macht einen mächtigen Teich , ehe er hinüber klettern , und jenseits in die Wiese hinab springen kann . Ich bin in ihm geschwommen . Einmal bin ich auch in der Donau hinüber und herüber geschwommen . Der Teich wird einmal entwischen . Er wird in der Lehmwand ein Loch bohren , und über die Wiese in die Mihel rinnen . Einstmals wird kein Mensch etwas von ihm wissen . « Sie gingen nun in der Richtung zwischen Mitternacht und Abend unter großen Buchen und dann unter hohen Tannen in dem Walde fort . Nach einer Wanderung von einer und einer halben Stunde gelangten sie auf die Schneide des Waldes hinan zu dem Fels der drei Sessel , der aus dem Grase des