die Komödienhäuser von damals den unserer Theater . Der Vergleich geht vielleicht noch weiter . Die Kleiderstoffe und Geschirre waren kostbarer , gediegener und dauerhaltiger , aber im künstlichen Ausbeuten und geschickten Zerlegen des Stoffes , damit jeder Theil seine Wirkung , erhalte , haben wir es weiter gebracht . Trifft das vielleicht auch auf die Unterhaltung zu ? - Aber gar keinen Vergleich duldeten die Räumlichkeiten . Unsere Bürgerhäuser werden Paläste . Diese hohen Räume , die gewaltigen Fenster und Flügelthüren , welche den Zimmern die Wände stehlen , fand man zu Anfang dieses Jahrhunderts nur in den wenigen aristokratischen Häusern der nenen Stadt . Die vornehmen Bürgerhäuser in den Vierteln der Friedrichsstadt aus Friedrichs Zeit haben zum Theil anspruchsvolle Façaden , im Innern ist alles klein und zugemessen . Die niedrigen Zimmer liefen eines in das andere ; dennoch blieb der Wohnung etwas wohnliches , weil Flügelthüren und Fenster nicht die Räume unnatürlich verkürzten und der Mensch Platz für sich und seine Sachen an den Wänden fand , und trauliche Winkel , sich zu verlieren . Wovon man sich unterhielt ? - Wer fasst die zückenden Irrlichter zusammen , die von Mund zu Munde hüpfen . Und in einer gemischten Gesellschaft ! Hier politisch , dort poetisch , Regelrecht wie ein Lineal , Philosophisch und Aesthetisch Krümmend hier sich wie der Aal , Sprudelnd wie der Dampf vom Theetisch , Aber überall trivial . hat ein späterer Dichter sie beschrieben . Ob die Geheimräthin sie auch so fand ? Sie wechselte oft die Gruppen . Hier der ewige Streit , ob Goethe oder Schiller ein größerer Dichter , sei ? In diesen Kreisen war es längst entschieden . Welcher Mann von Bildung hätte zarten Lippen widersprochen , welche dem Dichter , der gesungen : Ehret die Frauen , sie flechten und weben Himmlische Rosen ins irdische Leben . den Preis zuerkannten ! Es war nur seltsam , daß der Streit trotz der Entscheidung , immer wieder von Neuem aufgeworfen werden konnte . Eine Geheimräthin - es war aber eine dritte Geheimräthin - stellte sogar die Behauptung auf , während jede Seite in Schiller wenigstens ein nobles Sentiment enthalte , wisse sie keine einzige Sentenz in Goethe , welche die Seele rührt und erhebt . Dies fand doch Widerspruch , und man citirte aus der Iphigenie die Verse : Wehe dem , der fern von Eltern und Geschwistern , Ein einsam Leben führt , ihm zehrt der Gram Das nächste Glück von seinen Lippen weg . Ihm schwärmen abwärts immer die Gedanken Nach seines Vaters Hallen , wo die Sonne Zuerst den Himmel vor ihm aufschloß , wo Sich Mitgeborne spielend fest und fester Mit sanften Banden aneinander knüpften . Ein junger Mann mit blassem , ernstem aber etwas eingefallenem Gesicht recitirte die Verse mit Ausdruck . Man schwieg eine Weile . Als die Geheimräthin sie schön fand , drückten Alle ihre Bewunderung aus . Eine Dame hatte bis da geglaubt , sie rührten von Schiller her , sie hatte die Erhabenheit des Gefühls Goethe nicht zugetraut . Doch bemerkte sie , die Verse ründeten sich nicht so wie bei Schiller , und bei aller Schönheit fehle ihnen der schmeichelhafte Klang des Gefühls . » Aber er liegt in unserer Seele , und fühlt das Weh , das uns in der einsamen Brust verzehrt , « hatte die Geheimräthin gesagt , als sie sich abwandte . Man schien sich zu fragen , was sie damit meine ? Ein alter Hofrath antwortete seiner etwas schwerhörigen Nachbarin : » Sie ist eine Adlige von Geburt , und mag ' s nun doch nicht recht verschnupfen , daß sie einen Bürgerlichen geheirathet hat . Darum hält sie wohl das von seines Vaters Hallen auf sich anzüglich . Aber Schloß Wustenau stand schon 1762 sub hasta und sie ist auch gar nicht mal drin geboren ; sie bildet sich ' s nur ein . « - Die Dame , vor Kurzem erst nach Berlin gekommen , war zufällig selbst eine adlige Offiziersdame , was der Hofrath vermuthlich nicht gewusst . » Wenn er ihr ein Sort gemacht hätte , « erwiderte sie , » das passirt wohl , aber wie ich höre , ist das Vermögen von ihr , et voilà qui est bien curieux . « - » Ja meine gnädige Frau , « erklärte der Hofrath , » als sie ihn heirathete , war sie ein blutarmes Fräulein , man hielt ' s für ein großes Glück , daß sie ihn kriegte . Erst nachher machte sie die große Erbschaft . « - » Ah ! c ' est ça , « sagte die gnädige Frau , und sagte nichts weiter . » Wie kommt es , daß man den Einsiedler einmal in Gesellschaft sieht , « sagte die Geheimräthin im Vorübergehen zu dem jungen Manne der die Verse gesprochen . » Und noch mehr , wie kommt es , daß Sie Goethe noch für werth achten , ihn auswendig zu lernen ? Wer so in transcendentalen Regionen der neuen Poesie schwebt , gäbe auf die alten Dichter , dachte ich , nichts mehr . Aber nehmen Sie sich in Acht , daß mein Mann nichts davon erfährt , Herr van Asten ! Für ihn , wie Sie wissen , sind ja schon Goethe und Schiller Neuerer . « Ohne eine Antwort abzuwarten , war sie vorübergeschwebt . In einem Kreise , wo man über Politik sprach , stritten sie sich , wer ein größerer Feldherr gewesen ; Moreau oder Napoleon Bonaparte ? Die Parteien standen scharf gesondert . Der Geheimräthin kam das sonderbar vor ; den Grund wusste sie sich nicht recht anzugeben . Das Gespräch ward ihr langweilig . Es gab aber noch einen andern Gegenstand . Man berührte ihn nicht in ihrer Gegenwart . Die Geheimräthin sah nicht allein in die Ferne , sie konnte auch dahin hören . Sie wusste genau , was gesprochen wurde , und daß sie , ihr Mann , dessen Bruder , das fatale Ereigniß der vorigen Nacht , den Stoff abgab . Vielleicht , daß sie eben darum die Gesellschaft besucht hatte , um zu zeigen , daß sie ohne Besorgniß war , oder - darüber hinweg . Aber es gefiel ihr nicht länger , daß das Gespräch verstummte , wo sie sich näherte . Wer spielt gern die Vogelscheuche ! Bei einer Whistpartie fehlte durch einen Zufall der vierte Mann . Sie zeigte sich bereitwillig , die Karte zu übernehmen . Man erkannte das ganze Opfer , welches sie brachte . Sie versicherte , wenn sie durch ihr schlechtes Spiel das Vergnügen ihrer Mitspieler störe , so sei ihre Schuld doch nicht so groß als ihre Genugthuung , in so angenehmer Gesellschaft eine Stunde zu verbringen . Das Spiel prosperirte in der That nicht durch ihren Eintritt , aber wie die Mücken um den hellsten Lichtschein , sammelte sich um diesen Tisch die ambulirende Gesellschaft . Wer fühlte sich nicht geehrt der Geheimräthin Rath zu geben , die bei ihren Fragen vielleicht mehr Unschlüssigkeit verrieth , als in ihrem Charakter lag . Und wie liebenswürdig nahm sie ihn hin . » Sie ist die charmanteste Frau ! « flüsterten die Andern . Die Geheimräthin zankte auch nicht um die Points . » So aufgeräumt , Herr v. Dohleneck ? « sagte sie , die Karten prämelirend , zu einem Kavallerieoffizier , der sich neben ihr etwas brüsk auf einen Stuhl warf , den ein Civilist eben für eine junge Frau hingestellt zu haben schien . Die Dame warf dem Offizier einen bösen Blick zu , den er aber nicht bemerkte , oder bemerken wollte , und der Civilist beeilte sich , ihr einen andern Stuhl hinzusetzen , den sie aber nicht annahm , sondern ins Nebenzimmer eilte . » Sie irrten sich , « sagte die Dame , » ich wollte mich gar nicht setzen , ich suchte meinen Mann . « Möglich , daß nur zwei Augen , vermittelst einer vorgehaltenen Lorgnette , diesen Auftritt bemerkt , der wie ein Lüftchen über den Wasserspiegel der Societät hinkräuselte , um am Ufer zu verschwinden . Aber am Ufer trieb und wühlte das Lüftchen weiter im aufgelockerten Sande . Der ihn bemerkte , war ein Herr etwas über die mittleren Jahre hinaus , welcher eben eingetreten war und mit der Lorgnette die Gesellschaft erst zu mustern schien , ehe er sich ihr zeigte . Wir werden ihn näher kennen lernen . Der sich auf den Stuhl warf , war - nur ein Abdruck von Hunderten oder von Tausenden . Das wohlgeformte , volle Modell eines Kriegsgottes , den man vielleicht hätte schön nennen können , wenn die Ueberfülle der Gesundheit und Kraft in dem beinahe sechsfüßigen Körper etwas mehr Elasticität , und das volle rothe Gesicht unter den blonden Haaren und dem blonden Stutzbart weniger Sorglosigkeit und weniger Gutmüthigkeit verrathen hätte . Er war ein Mann , der seinen Mann stand , aber der militärische Grimm , der auch den Mann herausfordert , welcher Miene macht , nicht stehen zu wollen , fehlte ihm . » ' S ist um sich todt zu lachen , wenn Federfuchser über Dinge schwatzen , die nicht in ihren Büchern stehn . « » Besser todt lachen , als todt ärgern , lieber Rittmeister ! « bemerkte die Geheimräthin . » Was hat Sie denn in die Rage gebracht ? « Der Offizier kam aus der politisirenden Ecke . » Stellen Sie sich vor , schöne Frau , der Professor da , oder was er ist , Sie kennen ihn ja wohl « - er zeigte auf den jungen Mann von vorhin , jedoch mehr durch ein Augenblinzeln , indem er sich den Schnurrbart strich - » der junge Herr meint , wenn ' s mit den Franzosen los geht , wäre es doch sehr zweifelhaft , wer Sieger bleibt . « Man blickte verwundert und halb erschrocken auf den Redner oder auf die glücklicherweise entfernte Gestalt des Mannes in Rede . » Na , auf Ehre , ' s ist wahr , « setzte der Offizier hinzu . » Er raisonnirt von Bonaparte ' s Genie als Feldherr ; nun , das mag er haben , wir lassen ' s ihm . Und ' s wäre auch zweifelhaft , ob selbst Friedrichs Genie im Stande wäre , ihm überall zu pariren , wie er Daun und Laudon gethan . Nu , darüber kann man nur lachen . Aber als ich ihn fragte , was er denn zu unserer Armee meinte , wissen Sie , was er sagte - « » Es ist mir etwas ganz Neues , daß Herr van Asten sich mit Politik beschäftigt . « » Ich dachte , er würde nach der Rheincampagne retiriren , da hätte ich ihm mit ' ner Antwort gedient . Nein , er sagte , hören Sie , ich hab ' s des Spaßes wegen behalten : uns stehe ein Heer gegenüber , das aus dem jugendlichen Volksbewusstsein stets neue Kräfte schöpft , wie der heidnische Riese , ich weiß nicht , wie der Kerl heißt , der zu jedem neuen Kampfe seine Mutter Erde küsste . Ob wir denn mit unsern geschlossenen Phalangen von altem Ruhme , aber ohne den Genius , der ewig zeugt , uns getrauten eine Kraft zu werfen , die ewig neu wächst ? Ich sage Ihnen , es war zum Bersten . Gut , daß keiner meiner Kameraden es gehört . Ich sagte ihm nur : Mein lieber Herr , wer die Erde küsst , macht sich das Maul schmutzig , und hol ' mich Der und Jener , wenn wir unseren Soldaten nicht die Propreté eingefuchtelt haben . « Der Verlegenheit , über die Rede zu lächeln oder sich zu äußern , wurden die Zuhörer durch den Wirth überhoben , der plötzlich mit einer Stimme , die eher auf die Kanzel als an den Whisttisch gehörte , laut sprach : » Aber , meine verehrte Herren und Damen , Gott sei Dank , daß wir der Beantwortung dieser Frage durch die Weisheit unserer Staatsmänner überhoben sind , welche es nicht dahin kommen lassen werden , daß der Degen des großen Friedrich aus der Gruft geholt wird , um mit dem Degen des großen Mannes sich zu kreuzen , und die es nicht dulden werden , daß die beiden ruhmwürdigen und erleuchteten Nationen in andern Streit gerathen , als den , aus welchem für die Civilisation die schönsten Früchte entspringen . Wozu also dieser Dispüt , der uns nichts angeht ? Die weisen und humanen Männer , denen unsere Regierung anvertraut ist , werden immer für unser Bestes sorgen , und was sie ersinnen , ist gut und wird zu unsrer Aller Ruhe beitragen . « Fünftes Kapitel . Der vornehme Gast . Der Grund dieser seltsamen Anrede war , daß der Wirth in dem Augenblicke den Gast in der Thür bemerkt hatte , welcher vorhin mit der Lorgnette die Gesellschaft musterte und jetzt mit einer raschen Vorwärtsbewegung den nächsten Gruppen zueilte . Und doch schien er , als der Geheimrath Bovillard ihn im Vorübergehen mit einem freundlichen Händedruck begrüßte , von dieser unerwarteten Gegenwart nicht wenig überrascht und erschreckt . » Mesdames - Messieurs ! « sagte der wirkliche Geheimrath mit einer verbindlichen Neigung gegen den Spieltisch , » ich hoffe , daß sich Niemand derangiren lässt , « und war durch die nächste Gruppe , auch durch eine zweite und dritte , ohne sich um die Personen zu kümmern , geeilt , bis er die Wirthin fand , deren Hand er an die Lippen führte , und seine verspätete Erscheinung mit vielen schmeichlerischen Worten und einer höchst wichtigen Konferenz entschuldigte . Es war ein Funke in die Gesellschaft gefahren , die zu ermatten anfing ; und der Funke hatte gezündet . Einen liebenswürdigeren , einen freundlicheren Mann , als diesen vornehmen Gast , konnte man sich nicht denken . Wie wusste er Jedem , der ihm vorgestellt ward , etwas Angenehmes zu sagen , wie wandte er sich mit Theilnahme und Herablassung zu ganz unbedeutenden Personen . Für Jeden hatte er ein verbindliches Wort . Die Tasse in der einen Hand , den Biscuit in der andern , wie gerieth er plötzlich ins Feuer und erzählte mit hinreißender Lebendigkeit irgend ein gleichgültiges Ereigniß , das er am Hofe erlebt . Der subalterne Zuhörerkreis war in Entzücken über die Vertraulichkeit eines so hochgestellten Mannes . Ebenso plötzlich konnte er freilich einen Andern am Arm ergreifen , und ohne sich zu kümmern um Die , welche er eben an seine Fersen gebannt und um sich als Trabanten gezaubert , ihn mit einem : à propos wissen Sie schon ? beiseit ziehen . Er flüsterte ihm etwas ins Ohr , er setzte die Tasse fort , die Hand vor dem Munde sprach er noch leiser , aber mit faunischem Lächeln ; nein , er lächelte nicht mehr , er lachte , er kicherte , wenn sich das für einen wirklichen Geheimrath geschickt hätte . Der Andere natürlich lächelte auch , er lachte , er versuchte zu kichern . Die Lorgnette am Auge , und das Gesicht halb über die Schulter gewandt , konnte man glauben , daß er nach dem Gegenstande suche , den sein beißender Witz eben getroffen . Aber er lorgnettirte nur ein hübsches Gesicht und sprach seine Admiration aus , daß die Kleine , die er nannte , sich so ausgewachsen ; er hätte es nicht erwartet . Wenn man ihm bescheiden bemerkte , daß er die Personen verwechsele , fand er sich nicht in Verlegenheit , sondern stellte das Paradoxon auf : die Liebe solle zwar nicht wechseln , aber alle wahre Liebe bestände aus Verwechseln : » Unsere Phantasie schafft sich ein Ideal . Das lieben wir . Je öfter wir nun in einer beauté dies Ideal wiederzufinden glauben , um so glücklicher sind wir , und um so mehr Andere beglücken wir . Nicht wahr , Herr Geheimrath , die Fabel vom Amphitryo ist das Chef d ' Oeuvre in der Mythologie ? « Der in den Kreis getretene Geheimrath war nicht allein ein ernsthafter Mann , sondern er stand auf einer amtlichen Stufe die der eines wirklichen sehr nahe kam . Es hatte sich die Nachricht in der Gesellschaft verbreitet , daß ein Kourier , der heut Nachmittag wichtige Nachrichten gebracht , den Geheimrath so lange zurückgehalten . Er glaubte ein Recht zu haben , sich bei diesem danach zu erkundigen . » Bester Freund , « sagte letzterer in der Fensternische , wohin sie sich zurückgezogen , » wann verging ein Tag , wo nicht ein Kourier an einen Minister kam , und wenn ich ihre Wichtigkeit , nämlich unserer Minister , danach abwägen sollte , so wüsste ich wirklich nicht , wo vor Respekt bleiben . - Aber Gott weiß , mich hat nie danach gelüstet , ihre Geheimnisse früher zu erfahren , als sie an den Tag kamen . Denn was hilft mir ' s , ob der Kurfürst von Hessen seiner jüngsten Maitresse einen so kostbaren Hut geschenkt hat , daß die nächstältere darüber in einen Wuthkrampf verfallen ist . Oder wenn die Fetzen des heiligen Römischen Reichs sich darüber streiten , ob der Professor Fichte ein Deist ist oder keiner ? Und diese Bagatellen , Sie glauben nicht , wie man uns damit überschüttet . Diese Geschichte mit « .... ... er flüsterte einen Namen , » Sie kennen sie doch ? der halbe Mulatte aus Holland , - wie hieß er doch gleich ! - ließ ihm auf dem Sopha zwei Rollen , jede mit hundert Friedrichsd ' or , zurück . Als unser Freund es sah , rief er ihn zurück : Sie haben etwas vergessen ! Unterstehen Sie sich nicht , mir noch einmal vor die Augen zu treten . Konnte der Graf nobler handeln ? - Eine Woche darauf kommt der Baron , der in Batavia , wie Sie wissen , einmal Gouverneur war , zu ihm , und fragt ihn , ob er nicht seine Schimmel verkaufen wolle ! Sie erinnern sich doch der Wagenschimmel ? Blind und lahm , ein wahrer Scandal , ein Spott der Kutscher . Unser Freund sagt Nein . Wie kommen Sie darauf ? Excellenz , sagt Der , ich zahle jeden Preis . Ich muß sie haben . Ein verrückter Lord hat seinen Sinn darauf gesetzt , ein Achtgespann gerade von solchen Thieren zu besitzen . Einem Thoren und Nabob kommt es nicht aufs Geld an . Ich habe alle Roßtäuscher in der Provinz in Acquisition gesetzt ; sie können mir nur fünf auftreiben , und mir geht dadurch ein großer Gewinn verloren . Ich sähe es daher als eine große Gefälligkeit von Ew . Exellenz an , wenn Sie mir zu Hülfe kämen . - Ich bin kein Kaufmann , sagte unser Freund , weiß keinen Preis zu setzen , lassen wir die Sache fallen . - Der Baron überschlägt sich : Hundertfünfzig Friedrichsd ' or für jedes kann ich geben , Summa dreihundert , Zug um Zug . Mein Kutscher wartet unten . Unser Freund sah ihn ernst an : Man soll auch zuweilen den Narren gefällig sein ; aber Ihnen soll der Reukauf frei bleiben . - Nun gesteh ' ich Ihnen zu , der Schinder gab nicht zwanzig Thaler für beide Bestien , - nun , wir haben es Alle verstanden , es war ein Witz , nichts als ein Witz ! Aber können sie glauben , liebster Geheimrath , wie man uns bombardirt mit anonymen Denunciationen . Wir sollten Lärm schlagen , dem Könige die Sache hinterbringen . Soll man sich um solche Bagatellen die Finger verbrennen ! Beyme schmunzelte neulich : Ich hätte die Pferde wohl nicht verkauft , aber Sie wissen doch , der Pferdehandel unterliegt andern Gesetzen , als die im Landrecht stehen . Darin soll der Bruder dem Bruder nicht trauen . Und , ich bitte Sie , der König hat für andre Dinge zu sorgen . Haugwitz sagte : sollen wir etwa darum Einen verlieren , der sich nicht um Politik kümmert . Sehen Sie , liebster Geheimrath , je weniger wir sind , die sich um die Dinge nach außen kümmern , um so besser wird alles gehen . « Der Geheimrath wusste nun wenigstens , daß Bovillard ihm nicht sagen wollte , was er wusste . Doch wusste er darum noch nicht , ob er etwas wusste . Seltsam derselbe vornehme Mann ging gleich darauf mit einem angesehenen Kaufmann aus der Brüderstraße Arm in Arm durch die Zimmer , und wenn wir recht gehört , vertraute er demselben , was er dem Geheimrath nicht für gut gefunden , mitzutheilen : » Sie kennen meine Amtspflicht , aber einem Freunde , wie Ihnen , kann ich die Versicherung geben , unsere Sachen stehen gut . Phantasten , unpraktische Köpfe , Schwärmer , die an Krieg denken ! Idealisten , liebster Splittgerber ! Vor denen müssen wir uns vor allem hüten . Es taucht jetzt hier solche Klasse von jungen Strudelköpfen auf , die von Deutschland , deutschem Wesen , deutscher Sprache , Art , sprechen . Man kann darüber lachen , aber man muß Achtung geben . Die Ideen können viel Unheil in der Welt anrichten . Erinnern Sie sich an Frankreich ! Da ist hier der junge Professor Fichte ! O , es sind ihrer mehrere . Ein sublimer Kopf - aber sie sehen den Wald vor den Bäumen nicht . Auf das Praktische , auf das , was uns Noth thut , den Sinn gerichtet ! Das Hemde ist uns näher als der Rock . Der Kaufmann ist eigentlich der wahre Philosoph für die Welt . Er weiß , was uns Noth thut . Sie geben mir Recht , lieber Splittgerber . Wenn wir ein Trauerjahr vor uns haben , werden Sie nicht Cochenille verschreiben . Das heilige Römische Reich , als es existirte , brauchte freilich vielerlei Nürnberger Waare , unter anderm auch einen Kaiser . Brauchen wir das ? Wir sind das Reich du grand Frédéric ! Sie werden mir darin Recht geben . Eine Weltkatastrophe hat alle Verhältnisse umgeworfen . Was sind Nationalitäten ? - Irrlichter ! Laterna-Magicabilder ! Wenn man eine anders gefärbte Glasscheibe vorschiebt , sehen sie anders aus . Wie Preußen sich selbst gefunden hat in seinem großen Könige , so haben die Franzosen sich in Bonaparte gefunden . Wie Friedrich das Genie der Franzosen erkannte , erkennt Napoleon den Genius der in unserer Monarchie lebt . Sie glauben garnicht , wie man uns erkannt ! Wir sind , wie bestimmt von dem Geist über dem Sternenzelt , brüderlich , Hand in Hand im Völkerbunde neben einander zu schreiten . Und da wollen Querköpfe eine tudesque Idee dazwischen schieben . Ich bitte Sie , ich wiederhole es , was sind Nationalitäten ? Fragen Sie , wenn Sie Pfeffer kaufen , von wem Sie ihn kaufen ? Der billigste Verkäufer ist der beste , Und wenn Sie verkaufen , wer den höchsten Preis dafür zahlt , der ist der beste Käufer : nicht , ob er Italiener ist , Franzos oder Russe . « Dem Kaufmann aus der Brüderstraße schien der Ideengang des Staatsmannes denn doch nicht ganz geläufig . Er handelte nicht mit Pfeffer : » Herr Geheimrath beliebten von einem Kourier zu sprechen - « Bovillard legte die Hand auf seinen Arm und mäßigte die Stimme : » Nur Ihnen , und unter dem Siegel des tiefsten Geheimnisses . « Bovillards Gesicht glänzte - » alle Mißverständnisse gehoben , alle Schwierigkeiten ausgeglichen , der König und unser Vaterland können sich glücklich schätzen , daß sie Diplomaten haben , welche es verstehen , Krieg zu führen ohne den Degen zu ziehen . « An der Thürpfoste gelehnt , lorgnettirte der Geheimrath noch einmal ins Zimmer , nur stand neben ihm nicht mehr der Kaufmann aus der Brüderstraße , sondern ein Herr mit dem Kammerherrnschlüssel und einem Krückstock . » Parbleu , comme elle est belle - et bête ! N ' est-ce pas ? « Die Bemerkung galt der Dame , welcher der Rittmeister vorher den Stuhl vor der Nase fortgenommen . Eine fast junonische Gestalt , aber mit ausdruckslosem Gesicht , stand sie in der Mitte des andern Zimmers - zufällig allein . » Ist denn Niemand da , ihr die Cour zu machen ? « » Hier ! « sagte der Kammerherr , mit verächtlichem Blick sich umsehend . » Wir befinden uns allerdings in einer etwas gemischten Gesellschaft . N ' en parlons pas ! Wer ist denn sonst ihr Amoroso ? « » Wissen Sie denn nicht , Bovillard , « sagte der Kammerherr verwundert , » sie ist ohne Passionen . « » Tant mieux ! so müsste man sie ihr einjagen . Ich bitte Sie , Kammerherr , sehen Sie diese Formen an ! Vielleicht ein Tugenddrache ! Liebt sie ihren Mann ? « » Sie sind sechs oder acht Jahre verheirathet . « » Der Baron spielt , sie stellt sich neben ihn ! « » Um eine Position zu haben . « » Wie sie den Arm aufhebt ! Sehen Sie - sehen Sie , ganz die Attitüde der Lichtenau ! Die Lichtenau war auch nicht immer , was sie ist - « » Sie wollten sagen , was sie war . « » Wäre die Lichtenau nicht in Paris erzogen worden - Sehen Sie jetzt wieder - täuschend ! Aus der Baronin kann etwas werden . « » Nur keine Lichtenau , « seufzte der Kammerherr . » Diese Zeiten sind vorüber . « » Les temps changent , mais pas les hommes . Mon cher baron , die Welt ist rund , et tout ça reviendra . Aber das Leben entflieht , die Jugend verblüht , es wäre wirklich ein mildthätiges Werk , die schöne Frau verliebt zu machen . Schaffen Sie mir einen Gegenstand , ich unternehme es . « » Ich will Prinz Louis noch einmal aufmerksam machen ; er scheint aber nicht darauf zu reflectiren . « » Was , Prinzen ! Den ersten besten , es gilt ja nur die Gaben der schönen Frau an den Mann bringen . Wir wollen sie etwas ins Gebet nehmen , und sehen , wo in der Conversation der Stahl den Feuerstein berührt . « Als sie sich der Thür näherten , schwenkte indeß der Geheimrath , den Kammerherrn unterfassend , schnell wieder zurück . Die Dame in Rede stand hinter dem Stuhle ihres Gatten , und diesem gegenüber saß unsere Bekannte , welche uns in diese Gesellschaft geführt . » Ein Andermal ! « sagte Bovillard leis ' zu seinem Begleiter . » Da sitzt die Geheimräthin . « » Die Lupinus ! - Sind Sie Feinde , oder - es ist doch keine alte Liaison ? « » Bewahre mich der Gottseibeiuns . Ich weiß nicht , die Frau hat für mich etwas - je ne sais quoi . Lombard lacht mich immer aus . Aber wer kann für Sympathieen und Antipathieen ? « » Sie ist eine gescheidte Frau . « » Gewiß , aber heut muß ich doppelt ihre Distance wünschen . Habe mich zwei Mal vor ihrem Schwager verleugnen lassen . Was diese verdammten Kindesmörderinnen für Anhängsel haben ! « Sechstes Kapitel . Der späte Gast . Zwei Sonnen vertragen sich nicht am Himmel . Der Spieltisch , an dem die Geheimräthin Lupinus saß , war sehr einsam geworden ! die Vögel , die nach dem Licht flackerten , blieben aus , seit das Licht des wirklichen Geheimrathes durch die Zimmer flackerte . » Aber meine beste Frau Geheimräthin ! « rief ihr Partner , der Ehemann der schönen Frau , » wir hätten die Trics gewiß gemacht , wenn - « » Die schönen Augen der Frau Baronin haben mich geblendet , - Sie haben da eine Hülfe bei sich , Baron , die eigentlich unerlaubt ist . « Die Geheimräthin war am Geben . Sie vergab sich . Es war der Augenblick , wo sie den wirklichen zur Thür hereinblicken und sich rasch wieder entfernen sah . » Die Frau Geheimräthin sind wohl unpässlich , « bemerkte die schöne Frau . » Ich ! meine liebe Baronin ? - Ach nein . Die Seele muß immer Herr sein über den Körper . Das sagt mein guter Lupinus so oft . Dadurch erhält er sich in seinen anstrengenden Arbeiten . Und ich - « Sie hatte sich wieder vergeben . Die andern Partner sahen sich verlegen an . Der Baron zeigte die Karten seiner Frau : » Jammerschade , daß man solches Spiel fortwerfen muß . « Die Lupinus hielt sich das Taschentuch aus Gesicht : » Es ist nichts , nur ein heftiges Herzklopfen , es wird gleich vorüber sein . Wirklich , liebe Baronin , « sagte sie zu dieser , welche von Hoffmannstropfen gesprochen - » der Schmerz ist gar nichts , wenn nur der Verdruß nicht wäre , daß mein Unwohlsein die Gesellschaft stört . - Sehen Sie , jetzt habe ich nicht vergeben . Was ist Atout , wenn ich fragen darf ? Coeur oder Pique ? Es flimmert mir nur vor den Augen . « - » Frau Geheimräthin haben kein Atout mehr . « Sechs Augen starrten die Spielerin in gläserner Verwirrung an . Die schöne Baronin öffnete ihre Lippen weiter als nöthig war , um ihre Perlenzähne bewundern zu lassen . Die Spielerin hatte noch eine Hand voll Trumpf . Stumm hatte die Geheimräthin die Karten niedergelegt . » Sie sind ein Engel voll Güte , « sagte sie zur Baronin , als diese die Karten nahm . » Und nun um Gotteswillen kein Derangement . « Sie entschlüpfte - nur um einen Augenblick sich zu erholen . » Ein Glas Wasser wird es thun . « Aber die Wirthin betraf sie , als sie ihr Umschlagetuch nahm , um fortzugehen . » Liebste Geheimräthin ,