» verstehe mich recht , nicht wie ehedem begehre ich es zu machen , dies wird kein vernünftiger Mensch uns zumuten . Man kann die Schnitten ungleich groß abschneiden , sie ungleich backen , kann das Pack abweisen . Ich kenne seit Jahren die Leute , welche kommen , glaube , mit Wenigem will ich weit reichen , zudem sieh , die Base hat mir vier Taler gegeben ; sie hätte es ungern , hat sie gesagt , wenn die Leute alle umsonst kämen und z ' leerem wie , der fort müßten . « » Das wäre wohl gut , wenn es mit dem gemacht wäre ; aber denk , was wir noch alles kaufen müssen für die eigenen Leute und denen dann auch noch jedem ein Tuch voll heimgeben . Die Weiber der Tagelöhner werden wir noch einladen müssen , und einige davon sind imstande , sie bringen uns noch die Kinder mit . Schlachte ich ein Schaf , so braucht man kein anderes Fleisch , mit dem Weine mache ich es kurz . Wenn ich auf zwei Personen eine Maß rechne , die Maß vier Batzen höchstens , so kostet mich das schon ein Sündengeld . « » Das tue nicht , « sagte Vreneli , » es wäre unser eigener Schade . Vergiß nie , wie es uns war , als wir noch dienten , was wir gesagt hätten , wenn man uns die Sichelten so spärlich zugemessen hätte . Die Arbeiter haben , solange Joggeli lebt , nie so angestrengt gearbeitet , können nichts dafür , daß wir nur Pächter sind , und eine Mahlzeit ist immer eine Mahlzeit , macht auf Fromme und Nichtfromme , auf Reiche und Arme einen seltsamen Eindruck . Der Arme , welcher Monate lang weder Fleisch noch Wein sieht , freut sich darauf wie ein Kind auf Weihnacht , und warum sollte er nicht ? An einer Mahlzeit will man genug haben , von allem satt werden ; was man noch möchte und nicht bekömmt , das kömmt viel höher in Anschlag als das , was man erhält . Mahlzeiten sind im Leben , was Sterne am Himmel in mondloser Nacht , und nicht bloß wegen Essen und Trinken . Es tauen auch die Herzen auf , es wird einmal wieder Sonntag darin , es bricht die Liebe einmal wieder hervor ; wie aus den Wolken die Sonne und wie aus Holland der Nebel , flieht aus mancher Seele der böse Kummer , das Elend wird vergessen , sie wird einmal wieder froh , faßt frischen Mut und danket einmal wieder Gott von Herzen . Nein , lieber Uli , zu mager mach es nicht , mach es um der Menschen willen nicht ! Gott hat uns so große Ursache zu Lob und Dank gegeben , gib du jetzt deinen Leuten nicht Ursache zu Groll und Widerwillen , sondern zu Lob und Dank , zu Mut und Freude . Vielfältig bringen wir dieses ein , denn wenn bei allen guter Wille ist , so wird rasch viel wieder eingebracht , während bei bösem Willen unendlich viel zuschanden geht . Das hat Joggeli viele tausend Gulden gekostet , bei ihm habe ich gesehen , wie das gehen kann . Schlechten Wein nimm nicht , er freut niemand , wird getrunken wie Wasser und ist also der teuerste . Nimm guten Wein , der er , freut die Herzen , sie rechnen ihn dir hoch an und trinken weniger als vom Wein , der keine Tugend hat , als die Köpfe bös zu machen . Denke doch , es ist mir so gut daran gelegen , daß wir mit Ehren bestehen , als dir ; es geht auch mich was an , denn gewöhnlich soll die Frau daran schuld sein , wenn der Mann zugrunde geht , aber Sparen und Sparen sind zwei . An einer Kuh , welche Milch geben soll , das Heu , an einem Pferde , welches springen soll , den Hafer sparen wollen , hat noch niemand großen Nutzen gebracht , wie man Beispiele von Exempeln an manchem Bauer sehen kann . « Uli begriff Vreneli und hatte sogar Glauben zu ihm , aber gegen Glauben und Verstand stritten Geld und Angst , trieben Uli vielen Schweiß und manches Aber aus . Indessen siegten doch die Erstern , denn Vreneli half ihnen mit all seiner Liebenswürdigkeit . Uli schaffte guten Wein an und so viel daß er nicht bei jeder Flasche , welche er aus dem Fäßlein zog . Kummer haben mußte , es möchte die letzte sein , und in Versuchung kam , Käsmilch aufzustellen in Ermangelung des Weines , ein bös und dünn Surrogat desselben . Ein Schaf wurde geschlachtet , indessen auch dem Rind- und Schweinefleisch die landesüblichen Stellen angewiesen . Nun war Vreneli hellauf , es glaubte alles gewonnen , aber die Angst kam ihm wieder und zwar am Tage der Sichelten selbst und nicht von Uli her . Als das Sieden und Braten an , ging , die Feuer prasselten , die Butter brodelte und zischte , die Bettler kamen , als schneie es sie vom Himmel herunter , die Pfannen zu alles verschlingenden Ungeheuern wurden , Vreneli , wie viel es auch hineinwarf , immer frisch wieder angähnten mit weitem , ödem , schwarzem Schlund , da kam die Angst über ihns , aber sie half ihm halt nichts ; wie die Sperlinge den Kirschbaum wittern , welcher frühe Kirschen trägt , weither gezogen kommen mit ihren raschen Schnäbeln und nimmersatten Bäuchlein , so kamen die Bettler daher , vom Duft der brodelnden Butter gezogen , schrieen heißhungrig von weitem schon : » Ein Almosen dr tusig Gottswille « und trippelten ungeduldig an der Tür herum , weil sie vor süßer Erwartung die Beine nicht stillehalten konnten . Vreneli begann Schnittchen zu backen , daß es sich fast schämte , so klein und so dünn die Kruste , und alles half nichts ; es war , als ob sie Beine kriegten und selbst zuliefen einem Schreihals vor der Tür . Es ward ihm immer himmelängster , für die eignen Leute konnte es gar nicht sorgen . In der größten Not erschien die Base unter der Kuchentüre , wahrhaftig wie ein Engel und zwar einer von den schwereren , denn sie wog wenig unter zwei Zentnern . » Es dünkt mich , es sei noch nie so gegangen mit Betteln , « sagte der dicke Engel , » es ward mir himmelangst für dich ; die Leute haben doch je länger je weniger Verstand , und wenn es nicht die Halben versprengt vom Küchlifressen , so meinen sie , es sei ihnen übel gegangen . Da habe ich dir eine kleine Steuer , denn Viele werden meinen , wir seien noch auf dem Hofe , und kommen unsertwegen , und vielleicht kann ich dir sonst noch helfen . « Sie stellte einen bedeutenden Butterkübel , den sie hinter Joggelis Rücken aus ihrem Keller stibitzt hatte , dem besten Schmuggler zum Trotz , auf den Küchentisch . » Aber Base , Base , nein , das hat doch wirklich keine Art , jetzt noch so viel Butter ! Ihr seid doch gewiß die beste Base unter der Sonne ! Was kann ich Euch dagegen tun , Vergelts Euch Gott zu hunderttausend Malen ! « » Tue nicht so nötlich , « sagte die Base , » und sag , wo ich dir helfen soll . Es wäre ja unsere Pflicht , auszurichten , was üblich und bräuchlich ist , und daß ihr schon zum erstenmal aufgefressen werdet wie das Kraut von den Heuschrecken , selb meinte sicher selbst Joggeli nicht . Bloß daß ihr scharf gebürstet werdet , das wohl , das möchte er euch gönnen . « » Base , glaubt nur , geben tue ich gar gerne ; ich fühle es recht , daß Geben seliger ist als Nehmen . Es kommt mir dabei immer vor , als sei ich Gottes selbsteigne Hand , welche er öffnet zur Stunde , damit sich sättigt , was da lebt . Aber wenn es dahergeflogen kömmt wie Krähen im Winter über einen spät gesäeten Acker , dann wird es einem doch angst ums Herz , man kömmt in Versuchung und versündigt sich fast , wird ungeduldig , wenn die Zeit verrinnt , der Abend kommt und unsre Leute hungrig kommen und nichts finden . « » Allweg , « sagte die Base , » aber wart , ich will dir helfen . « Nun half die Base , sie machte die Schaffnerin und Spenderin nun wirklich so , daß Vreneli Zeit und Stoff für seine Leute die Fülle blieb . Ging jemand unzufrieden weg , so fiel der Groll auf die Bäuerin , deren bekannte Gestalt unter die Tür stund und ihn abgefertigt hatte . Wie Vreneli in der Küche , schwitzte Uli auf dem Felde . Es war ein Tag , in welchen sich fast mehr Arbeit drängte , als hinein mochte . Zweitausend Garben sollten eingeführt werden . Mit zwei Stieren führte er den Wagen auf dem Acker , war er geladen , so fuhren vier Pferde denselben heim . Eine Partie lud zu Hause die Garben ab , eine andere band Garben , die dritte lud sie . Zu dieser gehörte Uli , er gab alle Garben selbst auf den Wagen , alles griff in einander , ward in halbem Lauf getan , Uli hatte keinen Augenblick zum Verschnaufen . Aber Uli hatte zwei Augen und die sahen einen bedeutenden Teil der Bettler , welche bei dem Hause ab- und zugingen . Anfangs achtete er sich nicht so viel derselben . Erst als einer sagte : » Es geht heute aber stark , so wie noch nie , « ward er aufmerksam , wollte sie zählen ; aber zugleich sollte er die Garben zählen , welche er auf den Wagen gab , und Bettler und Garben kamen ihm untereinander , daß er nicht mehr wußte , woran er war . Dies machte ihn noch giftiger , auslassen durfte er seinen Grimm nicht , höchstens den Stieren konnte er rauhere Worte geben als sonst und unsanfter sie zerren an ihren Hörnern . Aber sie nahmen keine Notiz davon und fraßen gemütlich das vorgelegte Gras und ließen sich behaglich durch einen Knaben Fliegen und Bremsen wehren . » Wart nur bis ich heimkomme , « dachte Uli , » dann will ich sehen , was übrig geblieben . Hoffentlich gibt es Gelegenheit , die Narrheit ein für alle Male abzustellen . « Indessen bis er mit dem letzten Wagen heim konnte , stund er eine Hitze und Ungeduld aus , daß er von nun an vollkommen wußte , wie es den Menschen im Fegfeuer zumute sein muß . Auf dem Wege begegnete ihm Joggeli . » Führe nur brav ein , « sagte ihm dieser , » hast es nötig , Bettler und Mäuse bedürfen viel und das Jahr ist lang . « Uli antwortete nicht , aber wer sich auf das Knallen einer Peitsche versteht , konnte an demselben dessen Gedanken abnehmen . Es war viel , daß er den Wagen nicht umwarf oder keinen Abweisstein umfuhr , aber Gewohnheit macht viel . Aber sobald die Pferde stillestunden , übergab er das Abspannen dienstbaren Geistern und ging der Küche zu . Gewaltig nahm er sich zusammen , um nicht mit der Türe ins Haus zu fallen , sondern gemäßigt aufzutreten mit dem Anstand , welcher dem Meister ziemt . Gepolter und Aufbegehren an diesem Tage würde sein Ansehen bedenklich geschädigt haben . Das bedachte Uli . Als er unter der Küchentüre erschien , stieß er auf die Base , vor welcher er auch Respekt hatte , so daß er fast kleinlaut frug : » Wie stehts ? In einer halben oder ganzen Stunde höchstens sind wir fertig ! « Freundlich kam Vreneli aus Rauch und Qualm ihm entgegengesprungen , glühend von Schweiß und Arbeit . » Gut . « sagte es , » kommt wann ihr wollt , es ist alles zweg , und lieb ists mir gar sehr , wenn es mit der Arbeit nicht geht bis tief in die Nacht hinein ; habe es an diesem Tage sehr ungern , denn gewöhnlich geschieht noch was Ungeschicktes . Aber zu tun haben wir gehabt , du glaubst es nicht ; wäre die Base nicht gekommen und hätte mir geholfen , ich darf nicht sagen wie , du hättest mich nicht mehr gefunden , ich wäre davongelaufen , so weit mich die Beine hätten tragen wollen . Komm und sieh , was wir geschafft . « » Muß gehen und helfen . « sagte Uli , » die Pferde sind nicht ausgespannt , müssen noch geputzt und abgerieben sein . « » Wärest mir ein schöner Meister , wenn du immer dabeisein müßtest , wenn der Wagen laufen soll , und nicht einen Augenblick Zeit hättest zu sehen , was dir deine Frau zeigen will . Komm . « rief Vreneli schalkhaft , » Base , seht zur Pfanne ! « und sprang die Kellertreppe hinab , daß Uli folgen mußte , er mochte wollen oder nicht . Weit sperrte Vreneli die Kellertüre auf , und drinnen auf dem üblichen Tische sah er mit großem Erstaunen Berge von Küchlein von allen Sorten . » Sieh , hier diese sind für diesen Abend , diese für morgen mittag , jene dort für nach Hause zu geben , und für Unbestimmtes backen wir noch , man weiß nie , was es geben kann . Was meinst , haben wir genug ? « Ganz verstaunet stund Uli vor den hohen Türmen , machte Augen wie Pflugsräder , und doch konnten sie das Wunder nicht fassen ; fast wäre er davongelaufen , weil er dachte , dieser Segen könne nur durch den Rauchfang heruntergekommen sein , endlich sagte er : » Gott behüt uns davor ! Woher dies alles und so viel Bettler ! « » Bst ! Bst ! « sagte Vreneli schalkhaft » das frägt man nicht und darfs nicht sagen ; wenn es die Erdmännchen hörten , sie zürnten es , denke , wie kommod , wenn man nur ein Küchlein auf eine Schüssel zu legen braucht , um handkehrum noch sieben andere darauf zu haben . « » He ja , kommod wärs , « sagte Uli , » aber vielleicht , daß du das Hexli warest , « machte aber dabei doch ein Gesicht , dem man es ansah , daß er nicht wußte , was er glauben sollte , wandte sich und wollte wieder die Treppe auf : » Nit , nit , « sagte Vreneli und faßte ihn am Arm , » es ist noch was anders da , welches du auch sehen mußt , es wartet dir schon lange . « Hinter einer Schüssel voll Küchli holte es eine Flasche und ein Glas her , vor , schenkte ihm ein und sagte : » Weißt nicht , daß es Brauch ist , daß der Meister an heißen Erntetagen zuweilen selbst ein Fuder nach Hause fährt und dann was Kühles im Keller findet ? Ein andermal vergiß es nicht ; aber nicht wahr , du wolltest kommen und sehen , ob ich noch was hätte , hattest Angst , die Bettler hätten alles vorweggegessen , wolltest mörderlich aufbegehren und hättest fast Freude daran gehabt , wenn ich in Schmach und Schande gekommen wäre . Da , du wüster Kerli du , da nimm noch eines und schäme dich ; nicht wahr , bist halb böse , daß alles anders ist , als du dachtest und du nicht Freude haben kannst an meiner Schmach ? Komm und gib mir ein Müntschi , aber nur leise , daß es die Base nicht hört , und denke daran , du hättest dich an mir versündigt und wollest nicht mehr so tun und so sein . « » Sagte ja kein Wort , « meinte Uli , » kam nur , zu sehen , ob du fertig seiest . « » Meinst , « erwiderte Vreneli , » ich kenne dein Gesicht nicht und wisse nicht am Trappen deiner Füße , wie das Herz dir schlägt , und am Ton der Worte , was hinter denselben steckt ? Arme Weiber sind wir , aber schlauer , als ihr denkt , und was euch durch den Kopffahrt und was ihr brütet im Herzen , das merken wir von weitem ; jetzt weißt es , kannst dich hüten , und in einer halben Stunde ist das Essen fertig , mach , daß wir nicht warten müssen , « und husch war es die Treppe auf und schon mitten in der Küche . Uli war guten Mutes geworden . Er zog die Kellertüre zu mit lachendem Gesichte , und lustig pfeifend ging er den Ställen zu . Er dachte , ein solch Weibchen sei doch kommod und rar , fleißig und lustig , immer mehr gemacht , als man gedacht , und immer gute Worte und ein hell Gesicht , daß man auch ein solches machen müsse , man möge wollen oder nicht . » Was hat er gesagt ? « frug droben die Base . » Augen hat er gemacht wie Pflugsräder und weiß noch jetzt nicht , ists mit rechten Dingen zugegangen oder nicht . Aber Gottlob zufrieden ist er , und das ist die Hauptsache , « antwortete Vreneli . Es steht einem Bauernhause nichts schlechter an , als wenn abends , wenn Feierabend gemacht ist , oder Sonntag mittags oder an einer Sichelten die Leute stundenlang herumlungern müssen , ehe sie zum Essen gerufen werden . Es gibt Häuser , in welchen dieses Verspäten regelmäßig ist . Die Weiber in diesen Häusern müssen eine wahre Hausplage sein , es nimmt einem recht wunder , was die für ein Eingericht in ihrem Kopf haben und was sie auch denken ? Wahrscheinlich werden sie erst das Roß beim Schwanz zäumen , dann lange es betrachten hinten und vornen , endlich wird es ihnen langsam kommen : eigentlich zäume man ein Roß beim Kopf und nicht beim Schwanz , und dann wird es ihnen kommen und wiederum langsam , das Beste wäre , sie täten den Zaum hinten wegnehmen und brächten ihn nach vornen , dann endlich schreiten sie zur Ausführung dieser Einsicht , aber langsam , begreiflich . Was während dieser Zeit in den Magen und Köpfen der hungrig Harrenden vorgeht und zwar nicht langsam , daran zu denken haben sie nicht Zeit , begreiflich . Eigentlich wäre es interessant zu untersuchen , ob solche Weiber wirklich denken ? Wir glauben , sie bringen es höchstens nur zu einem Quasidenken und auch dieses nur ein-oder zweimal des Jahres , etwa wenn sie den Schneider ins Haus kriegen oder Schweine zu ringen sind . In der Glunggen ging es aber nicht so , in Kopf und Beinen hatte Vreneli ein ander Eingericht . Kaum hatten die Leute die Arbeit beendigt , Staub und Schweiß sich abgewaschen , erscholl der willkommene Ruf zum Essen . Dieser Ruf kommt nicht vom Himmel her noch ruft er in den Himmel , aber am Wohllaut desselben mag der arme Sterbliche abnehmen , wie herrlich und süß einmal der Ruf dorthin klingen wird . Diesmal zögerten die Leute nicht so unerträglich , wie es sonst der Fall ist , es war etwas , welches sie schneller in Bewegung setzte . Sie hatten alle ein gutes Vorurteil für Vreneli , es war allen lieb , ein solcher Verstand bei einer so Jungen sei selten , hieß es . Uli schien ihnen dagegen wohl streng und allzusehr den Meister zu machen . Sie meinten , einer , der selbst Knecht gewesen sei , sollte Verstand haben und begreifen , daß man sich nicht gerne zu Tode arbeite , das heißt nichts darnach frage , in einem Tage zu schaffen , woran man füglich zwei Tage trödeln könne . Es nahm sie nun aber doch sehr wunder , und darüber war die ganze Ernte durch gesprochen worden , wie Vreneli aufwarten und aufstellen werde : ob gehörig , daß man dabeisein könne , oder Speise und Trank apothekermäßig ihnen zugeteilt werden würden ? Als so rasch gerufen wurde , dachten sie : Von zweien ist eins ; entweder geht es verdammt mager zu , oder verdammt brav hat Vreneli sich gestellt , denn fast die ganze Last lag ihm alleine ob . Die Neugierde , welches von den zweien der Fall sei , machte ihnen so rasche Beine . Sie kamen fast in die Stube wie Kinder ins Zimmer , wo zu Weihnachten ihnen beschert wird , bemerkten aber nichts Besonderes , es schien alles akkurat wie ehedem , so daß es ihnen ganz traulich und heimelig ward ums Herz und Einer zum Andern sagte : Er hätte geglaubt , das ändere hier , von wegen was einem recht und gut sei , das ändere , das Schlechte könne man behalten . Es sei aber nichts als billig , daß es einmal umgekehrt gehe . Das Beste und Schönste , was zu sehen war , war Vreneli , welches mit Freundlichkeit und Sicherheit alles ordnete , für jeden ein gutes Wort hatte , jeden mit dem Hauche der Heiterkeit berührte , welches ein wunderbar Ding ist , aber die allerbeste Würze , ohne welche das reichste Mahl nichts ist als eine schädliche , gefährliche Abfütterüng . Uli war es eigen zumute , es war das erstemal , daß er so gleichsam präsidierte und als Gastgeber eine Gesellschaft bewirtete und mit selbsteigenen Speisen ; wer es gewohnt ist , tut es mit einem eigenen Behagen und einem gewissen Selbstgefühl , welches wir nicht Stolz nennen möchten . Uli tat noch linkisch , das Behagen kam erst später , aber er zeigte Geschick dazu , die Leute waren mit ihm zufrieden . Sie freuten sich auch der alten Frau , welche mit einer großen Schüssel Fleisch erschien und dann zu ihnen sich setzte . Besonders erquickte ihr Anblick die alten Tagelöhner , welche seit Jahren auf dem Hofe gearbeitet und in gesunden und kranken Tagen ihre milde Hand erfahren hatten . Da war keiner , der ihr sein Glas nicht brachte , wollte , daß sie ihm Bescheid tue . Wenn sie jedem seinen Willen hätte tun wollen , so wäre sie nicht bloß zwei Zentner schwer geblieben , sondern so schwer geworden , daß wenigstens zweimal vierundzwanzig Stunden lang ihre Beine sie nicht mehr hätten tragen können . Da kam in die Herrlichkeit hinein die Botschaft , die Base solle heimkommen , Joggeli lasse es sagen . Diese Botschaft machte ungefähr den Eindruck , wie wenn in eine prächtig dampfende Fleischsuppe , nach welcher alle Löffel sich ausstrecken , plötzlich eine Kröte plumpsen würde . Nach Joggeli war schon mehreremal gesandt worden , aber Joggeli liebte es , Pfeffer in die Milch zu rühren ; hintendrein hätte er ihn wohl wieder herausgefischt , aber dies ist nicht allemal mehr möglich . Als die Base aufstehen wollte , kam Vreneli und sagte : » Nit , nit , Base , was denket Ihr doch . Ich will hinüber zum Vetter und ihm die Mucken ausklopfen . Was gilts , in wenig Minuten bin ich mit ihm da . « » Bist immer die gleiche Hexe , « sagte die Base und lachte herzlich , und ein alter Tagelöhner sagte : » Frau , nicht für ungut , aber dem Alten wäre zu gönnen gewesen , Ihr wäret vor ein paar Jahren gestorben und er hätte Vreneli geheiratet . Wohl , die hätte ihn tanzen lassen , bis er gelernt hätte nach Gott schreien und es ihm verleidet wäre , andere Leute zu plagen und ihnen die Freude zu verderben . « Es war wirklich sonderbar , wie Joggeli Vreneli so wenig leiden mochte und doch durch niemand so regiert werden konnte wie durch Vreneli . Es ging wirklich lange nicht zehn Minuten , so hatte das Fraueli den Alten knurrend und brummend auf den Beinen . » Warte , « sagte er , als er zur Türe des Stöckleins aus war , und ging in den Keller , welcher unter demselben war , kam mit einer großen Strohflasche herauf , welche mehrere Maß faßte , gab sie Vreneli und sagte : » Nimm die und schenke mir davon ein , habt heute Schmarotzer genug , möchte nicht auch noch euch in den Kosten sein . « » O Vetter , « sagte Vreneli , unwillkürlich oft von Mutwillen gestachelt , » das laßt euch nicht kümmern ; der Hof mag das alles ertragen , und Vetter Joggeli kann einen Pächter erhalten , welcher alles auszurichten vermag , was einem stolzen Bauernorte wohl ansteht . Wenn der Pachtzins verfallen ist und das Geld ist nicht da , so vermag Vetter Joggeli zu warten oder gar zu schenken . Indessen , den Wein nehme ich doch gerne und mit gar großem Danke , allweg ist er viel besser als der unsere und es hat mir Kummer gemacht , wir könnten dem Vetter nicht recht aufwarten . Uli hat zwar angewendet und meint , er habe recht guten Wein , aber aufwarten könnten wir Euch doch nicht so recht damit . Johannes hat Euch allzusehr verwöhnt . « » Du hast immer das gleiche Schlangenmaul , « sagte Joggeli . » Aber warte du nur , dir wird es schwer werden , wenn du abweinen mußt , was du gelacht hast , und vergehen werden dir deine Flausen vor der letzten Weihnacht . « » Nehmts nicht für ungut , Vetter , « sagte Vreneli , » weiß wohl , daß die Flausen vergehen werden , aber vertreiben soll man sie nicht , so wenig als die Muttermäler , sonst gehen Haut und Knochen damit weg . Aber kommt , alle verlangen nach Euch , alle fragen , wo der Bauer sei , ob krank oder sonst nicht recht im Strumpf , daß man ihn nicht sehe ? « Was Joggeli hinter Vreneli her brummte , verstand es nicht , machte die Türe auf und sagte : » Seht , da hab ich ihn ! « Nun entstand Lärm und Lachen , sehr fröhlich wurde Joggeli empfangen und von allen Seiten begrüßt und mit Gläsern bestürmt , daß er fast nicht wußte , wo wehren . Anfangs wußte er nicht recht , wie er das Lachen deuten solle , als aber alle so freundlich blieben und ihn als eine Respektsperson bewillkommneten , da ward ihm auch wohl ; er fühlte sich als der Glunggenbauer , ließ sich obenansetzen und hart nötigen , bis er nach Speise griff , und wenig war , was er aß ; er ließ es bei jedem Bissen durchblicken , daß er sie doch nicht in zu große Kosten bringen möchte . Die Leute hatten tapfer gearbeitet , aßen nun auch tapfer und nicht mit der angebornen Gemächlichkeit , nicht viel anders als das Klappern der Löffel und Teller ward gehört . Doch nicht lange , so kam ihnen die Besonnenheit ; sie gedachten , daß sie die ganze Nacht zum Essen hatten , und je langsamer sie es täten , desto mehr möchten sie und desto länger könnten sie . Da begann das Reden , und zwischendurch scholl Gelächter . Die Jüngern wechselten Witze , trieben Neckereien , die Alten erzählten die Heldentaten ihrer Jugend : wie Viele sie geprügelt und wie manchen Bauer , der gemeint , er sehe das Gras wachsen und höre die Flöhe husten , sie angeschmiert , und was der Dinge mehr waren . Dann schwatzten auch die Honoratioren unter einander , doch so laut wie drüben ging es nicht her . Lange machte hier Joggeli den Hauptredner und erzählte eine Menge Geschichten , wie es Pächtern ergingen , ungesühnt Seuchen ihnen die Ställe geleert , Hagel die Ernte zerschlagen , daß ihnen nichts übrig geblieben sei , als in den Wald zu gehen und sich zu hängen an den ersten besten Baum . Er erzählte von andern , welche den Pachtherren bestohlen , die Milch von der Kuh , welche sie ihm futtern sollten , nicht halb gegeben , alles auf das Aller , schlechteste ausgerichtet , hinterrücks Holz aus dem Walde verkauft , bis ihnen endlich der Bauer über die Schelmerei gekommen und sie mit Schimpf und Schande weggejagt , und wie sie Bettelleute geworden und ihr Brot vor den Türen hätten suchen müssen , da ihnen niemand mehr eine Pacht habe anvertrauen wollen . So erzählte Joggeli , legte ein Gedächtnis an den Tag wie eine Heuscheuer , bis ihm endlich seine Frau sagte : » Jetzt schweig mir bald mit deinen Lausgeschichten , du könntest einen zu furchten machen , daß sie einem im Traum vorkämen . « Vreneli aber , welches dem Vetter , seit er in der Stube war , auch nicht eine witzige Antwort gegeben hatte , sondern die artige Wirtin machte , als ob es in einer sechshunderttalerigen Pension gewesen , sagte : » Laßt den Vetter reden , Base , ich habe ihn lange nicht so kurzweilig gesehen , ich könnte ihm zuhören bis am Morgen , es schläferte mich nicht . « Jä , so hatte es Joggeli nicht gemeint , an Vrenelis Kurzweil war ihm wenig gelegen ; er brach daher mit seinen Höllengeschichten ab und machte sich zu den ältern Tagelöhnern . Hier hörte er eine Zeitlang zu , gab selbst Einiges zum Besten , freilich keine Heldentaten , denn von einem Helden hatte Joggeli kein Haar an sich , aber pfiffige Streiche : wie er sich aus der Patsche gezogen und Andere hineingestoßen . Er erregte viel Gelächter , daß selbst die Jüngern ihre Ohren ihm zuwandten , denn Fuchsenstreiche sind leider eine beliebte Speise für alte und junge Ohren von je gewesen und werden es bleiben , leider . » Ach ja , « sagte er endlich , » selbe Zeit war eine