, kaum ausgestoßen und schon wieder verhallt . Hans Jürgen kannte die Stimme ; im nächsten Augenblick war er auf dem Hügelrand , der dort die Aussicht auf das obere Fließ scharf abschnitt . Eine der kleinen Waschbänke hatte sich losgerissen , sie trieb in dem Wasser und es war nicht ganz ohne Gefahr für das junge Mädchen , das ängstlich darauf stand , denn die Strömung war hier stark und trieb auf das Eck drüben los , wo sie leicht an den großen Steinen umschlagen konnte . Die Waschbank war selbst nur ein kleines morsches Gefäß , welches unter seiner Last hin und her schwankte . Ohne den Gedanken an eine Gefahr wäre es ein hübsch anzuschauendes Bild gewesen . Das liebliche Mädchen im rothen Mieder mit den aufgekrämpten Hemdsärmeln und den bloßen Füßen , wie es ein Stück feiner Wäsche in der Hand , mit Armen und Füßen das Gleichgewicht zu halten unbewußt bemüht war . Ihr ängstlicher Blick , der sich noch nicht von dem Boden , auf dem sie stand , forttraute , ihre halbgeöffneten Lippen , die eine Reihe feiner Perlenzähne zeigten , ihr erstes Erbleichen , das jetzt schon einer Röthe Platz gemacht , und dann wieder ein neuer Schreck , als sie auf den großen Granitblock schielte , auf den die Waschbank lostrieb . Sie war sichtlich im Zweifel , was zu thun . Sie steckte die goldene Dukatenkette , die allzufrei um ihren Hals spielte und beim Anstreifen an Gebüsch und Schilf eine gefährliche Schlinge werden konnte , mit der einen Hand in das Mieder und schien mit dem einen Arm im Voraus zu prüfen , ob sie die Weide erreichen könne , die ihre Zweige von dem Steine über das Wasser streckte , um vor dem gefährlichen Anstoß sich zu schützen . Aber die Schifferin erreichte weder die hülfreiche Weide , noch den gefürchteten Granitblock . Es rauschte im Wasser und bald hatte ein kräftiger Arm die Waschbank gefaßt . » Du wirfst mich um , « rief das Mädchen , denn von der plötzlichen Berührung aus seiner ebenmäßigen Bewegung gekommen , schwankte das Gefäß . » Dafür laß mich sorgen , « rief der Retter und hielt ihr den rechten Arm in die Höh ' , während er mit dem linken die Bank regierte . » Nun faß mich an und dann ist ' s gar nichts . « Sie reichte ihm ihre zitternde Hand . Er watete etwa bis an die Brust im Wasser , und der Grund schien fest . Aber die Bank mit ihrer schönen Last durch die Strömung nach dem andern Ufer wieder zurückzuziehen , schien eine schwierige Aufgabe . Er strengte sich sichtlich an ; er zitterte jetzt , während sie immer ruhiger wurde . » Fürchte Dich nicht , Eva , « sprach er , als er keuchend einen Augenblick anhielt . » Was soll ich mich fürchten , « erwiederte sie , » Du siehst ja , ich stehe fest . Ich brauche Deine Hand nicht mehr . « Er kämpfte und überwand . Er stieß die Bank an ' s Land . Das Schilf niedertretend , arbeitete er sich mit einem Fuß an ' s Ufer und wollte ihr den Arm reichen ; aber mit einem leichten Satz war sie schon herüber gesprungen . Die Bank schnellte weit zurück . » Da wären wir ja , « sprach er . Aber der arme Hans Jürgen mußte gar zu possirliche Bewegungen machen , als er das Wasser von sich schüttelte , denn das junge Mädchen schien die Angst und Fährlichkeit ihrer Lage ganz zu vergessen , und statt zu danken , lachte sie aus vollem Halse : » Wie ein Pudel , Hans Jürgen ! « rief sie . » Der Pudel springt auch in ' s Wasser , « murmelte er , und leiser setzte er hinzu : » Aber , er holt nur was man ihm befiehlt . « » Nur nicht bös , Hans , « sprach das Mädchen . » Dank Dir auch . « Hans Jürgen schüttelte sich und murmelte etwas , was sie nicht verstand . » Trockne Dich , Hans , daß die Anderen es nicht merken . Sonst lachen sie über Dich und über mich auch . « » Ueber mich , Eva ? Was thut ' s ! Sie lachen ohnedem . Ich hab ' nen tüchtigen Pelz . « Eva Bredow sah sich um : » Ach , die Bank , die Bank ! Hans , sie schwimmt fort . Dann merken sie ' s. Die Bank wieder , Vetter Hans . Die muß wieder an ihre Stelle . « Die Bank war schon um ein gutes Stück weiter getrieben und schwamm drüben am Ufer hin ; aber Hans Jürgen machte keine Anstalt , ihr nachzustürzen . » Um Dich , Eva , hab ' ich ' s gethan , und thät ' s noch mal , wenn Du mir auch nicht so viel danken wolltest ; ja Du möchtest mich auch noch mal auslachen ; aber um das alte Stück Holz spring ich nicht rein . « » Ein Brummbär bist Du , aber kein gefälliger Vetter , Hans . « » Hans Jürgen heiß ich , « sprach der Bursch verdrießlich . » Du hast ja andere Vettern , die heißen auch Hans . Ruf den Hans Jochem . Wenn du ihn bittest , schwimmt er wohl dem Brette nach . « Ein böser Zug streifte um die Lippen des hübschen Kindes , ja es schien , als zerdrücke sie mit ihren Sammtwimpern ein Etwas , das sie sich schämte sehen zu lassen . » Ich konnt ' s von Dir erwarten . « » Hans Jürgen taugt zu nichts , hast ' s ja oft genug von Deiner Mutter gehört . « » Wenn Du nur anders wärst . « » Bin wie ich bin . Mach Dich nur auf die Beine , Eva , daß Dich Keiner bei mir sieht . Um die Waschbank brauchst Du nicht angst zu sein . Die Waschbank plaudert nicht . Da kann der Strick gerissen sein , als Du an ' s Ufer sprangst , und der Wind trieb sie fort . Keiner sah ' s ; da ist ja Alles gut . « » Alles ist nicht gut . Du zitterst , Hans Jürgen , Du frierst . « » Ich zittere nicht , ich friere auch nicht , das bilde Dir nur ja nicht ein . « » Hans Jürgen , « sprach das Mädchen mit sanftem Ton und streckte ihm ihre kleine Hand entgegen . » Du wirst zu Niemand was davon sagen , das weiß ich - « » Da habe ich wohl mehr zu thun . Und bis da hab ich ' s auch vergessen . « » Aber so gehe ich nicht von Dir . Es ist nicht recht von Dir - « » Daß ich Dir die Meise haschte und lebendig brachte , und den Käfig wollte ich Dir von Rohr binden , Du hättest den ganzen Winter durch Spaß gehabt , und vorher konntest Du nicht genug sagen , wie Du solche Meise liebtest , und als Du sie hattest , ließest Du sie fliegen , rein mir zum Possen . Und mit dem jungen Fuchs war ' s auch so . Alles was ich thun mag und aufstellen , Du thust , als wenn ' s gar nichts wäre , und nur mir zum Schabernack . Und als Du Dich verspätet hattest drüben im Kloster , ach was Furcht hattest Du vor dem Knecht Ruprecht , der mit langen Schritten hinter Dir kam und die Fichten auseinanderbog , und aus jeder Wurzel schoß die Frau Harke auf . Und wenn ' s in den Büschen lispelte , da drücktest Du Dich an mich , und hast ' s so gern geduldet , daß ich meinen Mantel um Dich schlang und Du konntest die Augen zumachen . Da war ich Dein lieber Hans Jürgen , und Du streicheltest mich mit den Fingern auf die Backe , und was klopfte Dein kleines Herz . Aber als der Wald lichter ward , da ward ' s Dir zu warm an meiner Seite , und als die Hunde bellten , da waren Dir die Hunde lieber als Hans Jürgen , Du hast sie geherzt als wär es Bruder und Schwester . Ueber die Zugbrücke sprangst Du mit ihnen um die Wette , als wäre Feuer hinter Dir . Die Knechte hätten sie aufziehen mögen : ob ich draußen blieb , Dich kümmerte es nicht . « Man sah , es war ein verhaltener Unmuth , der aus ihm sprach ; was in ihm lange gekocht , brach , von einem Funken entzündet , mit einem Male heraus . Eva hätte kein Weib sein müssen , wenn nicht auch ihr Gefühl verletzt worden wäre und der bittere Angriff eine eben so bittere Vertheidigung vorgelockt hätte . Die hübschen Lippen kniffen sich zusammen , aber man sah auch , daß sie einen Kampf mit sich kämpfte , aus dem sie wenigstens zum Theil als Siegerin hervorging . » Hans Jürgen , was hast Du denn gethan , das Dir ein Recht giebt , so zu sprechen , « sagte sie nach einer Pause mit einer Stimme , aus der die Leidenschaftlichkeit , aber auch die Wärme fort war . » Ich , ich habe gar nichts gethan . Nichts thue ich , ich kann ja nichts thun . « » Was Du thatest , hätte jeder Andere auch gethan . Ich danke es Dir . Aber der Martin , der Wenzel , auch der verdrießliche Ruprecht , die wären alle auch in ' s Wasser gesprungen . Was war denn für große Gefahr dabei ? das Fließ ist nicht tief . « » Und darum solchen unnützen Mund ! Nicht wahr ? Hätte ich nur mehr Wasser geschluckt , dann müßte ich das Maul halten . « » Das ist böse Rede , Vetter . « » Wär ' es Hans Jochem gewesen , der wäre gleich fortgelaufen , er hätte sich nicht geschüttelt , daß die Tropfen spritzten . Aber Du hättest auch nicht lachen können , wie über einen Pudel . Den Spaß habe ich Dir doch gemacht . « » Hans Jürgen , nun höre auf . Hans Jochem ist auch ein guter Junge , aber er hätte sich wohl erst bedacht , ob er sein neu Wams naß machen dürfe . « » Meinst Du das , Eva ? « Sie hielt ihm wieder ihre Hand hin : » Vetter , lauf an ' s Feuer und trockne Dich , dann wirst Du nicht so wirsch sprechen . Daß ich die Meise fliegen ließ , das war nicht recht von mir . Es überkam mich gerade so . Ich wollte es Dir auch abbitten , aber ich hab ' s nicht gethan . Und damals , wie ich von der Muhme kam , da schämte ich mich nur , daß ich mich so gegrault hatte , und da sprangen die Hunde mich an . Ich hab ' s Dir aber wohl im Herzen behalten , wie Du mich durch den Wald führtest , der gar zu grauslich war und so lieb zu mir sprachst , daß ich mich nicht fürchten sollte . Bis ich einschlief , hab ich zur Mutter Gottes gebetet - für Dich auch , Hans Jürgen . « » Hast Du das ! - « der Bursch sah finster vor sich hin . » Das ist hübsch von Dir . Und weißt Du , Eva , ich hab ' s mir auch gedacht , daß Du so thätest . Freilich , was die Mutter Gottes hört , das hört kein anderer Mensch . « Eva Bredow senkte auch die Augen . Sie verstanden sich . Beide schwiegen . Es thut nicht gut , Alles auszusprechen . Hans Jürgen hub zuerst wieder an : » Nun geh nur schnell fort , daß sie Dich nicht vermissen und nichts merken . Du kannst auch über mich lachen vor den Andern , so viel Du willst , ich will Dir drum nicht bös sein und es nicht vergessen , was Du mir hier gesagt hast . Aber es wird auch mal eine Zeit kommen , wo sie mich nicht hänseln sollen , wo sie mich nicht in den April schicken sollen und nicht hinstellen , vor den alten Büchsen Wache stehen . Und dann , und dann - « » Hans , wo willst du hin ? « » Geh nur , ich komme nach . « » Aber Du hast mir noch nicht die Hand geschüttelt , daß Du mir wieder gut bist . « » Ach was , es könnt Einer sehen . « » Daß Du weinst , Hans Jürgen , das schickt sich nicht . « » Ich weine nicht , « sagte er barsch , und wollte fort . » Wohin ? « » Die Bank holen . Sie schwimmt zu weit . Geh du nur zu Deinen Krausen und Tüchlein . Ich habe sie Dir wieder hingebracht , eh ' s Einer merkt . « Aber sie rief ihn mit einem solchen Ton zurück , daß er folgen mußte . » Die Waschbank ist ein altes Brett , die Fischer werden sie schon auffangen , daß sie nicht in die Havel läuft . Auch ist die Wäsche nun vorüber und die Sonne geht zur Rüste . Hilf mir lieber meine Bleichstücke zählen und zur Mutter tragen , die anderen Mädchen sind zu wirrig , und Jede denkt nur an ihren Part . « » Ich , Eva ? « » Böses ist ' s doch nicht , Hans Jürgen . Da greift ja ein Jeder mit an . « » Ich will Dir die Stücke zählen und zusammenlegen und bis an den Busch tragen , dann will ich mich schon fortschleichen , daß Keiner es sehen soll . « » Was denn , Hans Jürgen ? « » Nun , ich meine nur , daß Keiner Dich drum auslacht , weil Du ' s mit mir hältst . « » Komm ! « rief Eva , und als er noch zauderte , ergriff sie ihn bei der Hand . Sie rannten Hand in Hand den Hügel hinab , und grad dahin , wo ihre Schwestern und die anderen Mädchen beschäftigt waren , die Stücke von der Bleiche aufzurollen und von den Seilen abzunehmen . Lachend rief sie : » Hier bring ich Einen , der uns helfen soll . Der Faulpelz meinte , er thäte genug , wenn er Maulaffen feil hätte vor einer Eselshaut . Aber ich habe ihm bedeutet , daß es damit nicht gethan ist . Hans Jürgen ist heut mein Knappe und ich lasse nichts auf ihn kommen . Ohne ihn , wo wären meine Tüchlein und Krausen ! « Sie erzählte mit Zungenfertigkeit eine glaubwürdige Geschichte , wie die Bank sich vom Ufer losgerissen . Diesmal war aber nicht sie darauf ins Weite geschwommen , sondern nur alle ihre schöne , feine Wäsche , die in Schilf , Moor und Wasser vielleicht zerstreut , vielleicht verloren wäre , wenn Hans Jürgen nicht zur Stelle und kein so guter Schwimmer gewesen wäre . Dafür belud sie ihm auch Schultern und Arme mit so viel er nur tragen konnte ; ja der vorige Uebermuth schien wieder anzuklopfen , als sie ihm sogar eine Flügelhaube , für die sie keinen andern Ort fand , auf den Kopf setzte . Als er ein ernsthaftes Gesicht dazu machte , sah sie ihren lieben Vetter so freundlich an , daß ihm wohl ward . Aber kaum näherten sie sich dem Hauptlager , als sie ihm unversehens die Haube wieder abgerissen hatte und selbst das Pack , das er auf den Schultern trug , unter ihre Arme nahm . Viertes Kapitel . Der Krämer und der Sturm . Hans Jürgen und Eva hätten nicht nöthig gehabt , sich zu fürchten , weil sie der Edelfrau begegneten . Die Frau von Bredow sah nach andren Dingen . Ein Wunder daß sie nicht früher das Kichern , Schreien und Händeklatschen gehört , ein Lärm , den eine Hausfrau nimmer dulden durfte . Sie standen , ihr den Rücken zugekehrt . Die schlugen in die Hände , die sprangen vor Lust . » Haidi mit ihm ! So ist ' s ihm Recht ! « schrieen sie und hörten darüber nicht , daß die Herrin zürnend fragte : wer denn schon Feierabend geboten ? Es war nicht der Feierabend , es war ein Reiter , der auf seinem athemlosen Gaule einen sehr unfreiwilligen Ritt machte . Muthwillige Buben hatten ihm das Geleit gegeben mit Ruthen und Stricken ; aber mehr als ihre Streiche scheuchte das arme Thier der trockne Dornenbusch , den sie ihm an den Schweif gebunden . Der alte schwerfällige Gaul schoß über Stock und Block ; unbekümmert , ob der Mann , der auf seinem Rücken saß und sich mit vorgestrecktem Leibe in seinen Mähnen festhielt , einen Willen hatte oder keinen ; unbekümmert , ob er noch hing oder schon herabfiel . Der Mann , der jetzt nur noch ein schwarzer Punkt war , war vorhin hier der Mittelpunkt . Es war viel vorgegangen . Als er noch auf seinem Karren stand , wie hatten die Mägde Maul und Nase aufgesperrt . Litzen und Seidenbänder , Gespänge , Ketten und Ohringe , und die feuerrothen und schreiend gelben Tüchlein , wie hatten sie in der Sonne geflimmert . Solche Schätze , die ein ganzes Leben glücklich machen konnten , besaß ein Mann . Dann hatten sie mit ihrem Schatz verhandelt , und der Schatz zog endlich sein ledern Beutelein hervor und zählte die Pfennige , ob es reichen würde , und dann war gehandelt und gefeilscht worden , und der Krämer hatte Stein und Bein geschworen , daß das Bändchen und der Ring ihm selber mehr koste , als er fordere , aber um die Hälfte hätte er ' s doch gelassen , nur der Kundschaft wegen . Hans Jochem , der Junker , der doch immer obenauf war , wo es was Lustiges galt und Schelmenstreiche , was war er mit einem Male ernst geworden und schaute auf ein Etwas , das der große Handelsmann vor ihm hinhielt . Zuerst sah es aus wie eine große Wurst , etwa zwei Schuh lang und gut einen dick ; dann als der Kaufmann die Schnüre löste und es auseinanderlegte und immer weiter und weiter , da hätte Einer denken mögen , es wäre ein Sack , um einen Eber darin zu fangen . Aber nun steckte er beide Arme hinein und gar den Kopf auch , und so weit er auch mit den Armen fuhr , er erreichte nicht das Ende , denn ein Fältchen faltete sich nach dem andern , und es war pures schönes Tuch , ausgeschlitzt und gesäumt und gefuttert mit Seiden . Dann gab er ' s dem Junker zu halten , daß er es gegen die Sonne hielte , und als Hans Jochem es hielt , zitterte fast der Junker vor Freude . » Ihre kurfürstlichen Gnaden haben selbst nicht bessere , « sagte der Krämer . » Dann ist ' s nichts für mich , « sagte der Junker leise und wollte zögernd das Prachtstück dem Kaufmann zurückreichen . » Was , « rief der , » nichts für meinen Junker von Retzow . Für wen denn sonst ? Braucht ein havelländischer Junker sich zu scheuen , um den Leib zu gürten , was der Markgraf umthut ? Der Wichard von Rochow , gnädiger Junker , hatte schon bei Lebzeiten Kurfürst Johann Ciceros ein Paar Hosen um , wenn man sie auspuffte , war er in der Breite so lang als groß , und er maß doch an sechs Fuß . Das kümmerte ihn gar nicht , als der Kurfürst hochseliger ihn fragte , ob die Ernte von Golzow im einen und die von Rekahne im andern Beine Platz hätte ? Kurfürstliche Gnaden , erwiderte Herr Wichard , auch die von Potsdam , so mir das wiedergegeben würde , was meine Väter mit Recht besitzen thaten . Da wandte ihm der Kurfürst den Rücken und sprach kein Wort , aber die andern Edelleute lachten für sich und drückten Eurem Vetter die Hand , daß er ' s ihm so gut gegeben hatte . « » Kriegen Potsdam doch nicht wieder , « sagte Junker Melchior . » Probirt sie nur an , « fuhr der Handelsmann fort , der sich um das Prachtstück nicht viel mehr zu kümmern schien , indem er schon in neuen Schubläden nach neuen Schätzen suchte . » Nehmt Ihr sie nicht , nimmt sie ein Anderer . So was verkauft sich von selbst . Bloß probiren , Junker , weiter nichts , damit die Frölein sehen , wie es sitzt . - Ei der Tausend , und wie angegossen , wie zugeschnitten für Euch . Nun häckeln wir ' s nur ein bischen fest und dann die Knieschnallen . « Junker Hans Jochem hatte probirt . Ueber die knappen Drilchhosen waren die weitgebauschten Tuchhosen mit Leichtigkeit gefahren , und der Handelsmann hatte sie mit fertigen Händen zugenestelt . » Nein so schön und fürnehm sahen wir unseren Junker doch noch niemals , « sagten die Mägde , und Alles trat zurück , ihm Platz zu machen , und seine Wangen glühten einen Augenblick im Abendroth , wie der Saum der Purpurschlitzen , die sich öffneten und schlossen . Als er schüchtern gefragt , was sie wohl gelten thaten , hatte der Krämer : Pah ! gerufen , sie würden auch nicht das römische Reich kosten . Unversehens , meinte Hans Jochem , war er an ' s Fließ getreten und hatte sich unversehens im Wasser beschaut . So hatte ihm nie ein Kleid gestanden . Und er dachte : Ei , und wenn ' s auch eine Mark ist ! » Frag ' ihn aber genau , Hans Jochem , der Hedderich ist ein Schelm , « hatte Mühmchen Agnes ihm besorglich zugeflüstert . Und das Wort war nun ausgesprochen , das alle Freude vergällte , und eiskalt und schwer bauschten sie ihm um die Hüften und schienen den armen Thor auszulachen . » Fünfzig Ellen Zeug verschnitten ! « fuhr der Krämer fort . » Und Flamländisches , vom Feinsten , wie es nur in ' s Land gekommen , und die Schlitzen von mailändischer Seide und die Schnallen von Venedig . Ein Paar Mark ist gar kein Geld dafür ! « - » Ach armer Hans Jochem ! « hatte Agnes leise geklagt . Der ist mir sicher , hatte Klaus Hedderich gedacht . » Wer wird von jungen Leuten baar bezahlt nehmen . Im Stock zu Havelberg , da liegt mein Schilling gut aufgehoben , und nur ein Wort vom gnädigen Vormund , so zahlt er auch drei Mark für ' s Warten . « Wie sollte Junker Gottfried zahlen wollen für ein Paar Pluderhosen , er , der - Welche niederschlagenden Wetterwolken zückten da um Alle . Wär ' s doch für ganz Hohen-Ziatz eine Ehre , so dachte der Meier , so dachte der Knecht . Und der unterste leibeigene wendische Mann , der mit den Schweinen unter einem Dache verkehrte , der nie sich unterstehen dürfte , mit seinen Bastschuhen über die Schwelle zu treten , wo die Herrschaft saß , er dachte auch so . Er hätte sich auch freuen müssen und hätte sich gefreut , wenn das hübsche Ziehkind von Hohen-Ziatz das Leibstück gewann . Was hatte er vom Junker ? Der sah ihn nicht an , wenn er auf ' s Roß stieg . Einmal , als er nicht schnell genug bei Seite sprang , hatte er ihm mit der Gerte einen Riß gegeben , der durch die Schwielenhaut drang , und viel fehlte nicht , hätte er ihn übergeritten , aber der Junker gehörte doch zum Haus . Des Hauses Ehre war auch des armen Leibeigenen Ehre . Eigene hatte er nicht . Das dachten die Andern , Hans Jochem aber nestelte an dem Bund , und ihm zur Qual hatte der Krämer den Riemen so fest verhakt , daß er ' s gar nicht loskriegen konnte . Bald darauf hatte es aber ganz anders ausgesehen . Da stand der Krämer nicht mehr auf seinem Wagen , wie ein Herr der Herrlichkeit . Sie hatten ihn heruntergerissen und schrieen ihn an , und er hob umsonst die Hände und betheuerte umsonst seine Unschuld . Die Mägde hatten am Fließ an einem der bunten Tücher , die er als echt verkauft , die Probe gemacht , und : » es ist falsch ! « schrieen die wüthenden Dirnen und die Knechte wiederholten : » er verkauft falsche Waare ! « Das nasse Tuch schlug ihm um ' s Gesicht , daß es gelb und roth wurde . Vor Schrecken war der Anne Susanne der Silberring , den der Großknecht Christoph für sie gekauft , aus der Hand gefallen , und der ein Brautring werden sollte , zersprang am Stein , auf den er fiel ; und das Silber war zusammengelöthet Blei . Nun schien es um den Krämer Klaus Hedderich gethan . Vergebens lag er auf seinen Knien und versprach Buße , vergebens rief er , er selbst sei von den Nürnberger Herren betrogen ' worden , vergebens versprach er , schöne bessere Waare dafür , ein Goldringlein , das des Kurfürsten Goldschmidt selbst prüfen solle , für das Wollentuch eins von echter Seide . Vergebens rief er den Junker Melchior an , seiner sich anzunehmen , vergebens den Burgfrieden von Hohen-Ziatz und die Gerechtigkeit der edlen Herren von Bredow , vergebens den Junker Hans Jochem , er wolle ihm die Hosen lassen um den halben Preis . Er war ein ganz verlorener Mann . Zum Galgen mit ihm ! schrie es . Da waren die Pferde ausgespannt , da war sein Karren umgestürzt , die Riemen gesprengt und die Päcke und Kasten und Kisten rollten . Sie zerrten und stießen ihn , und die Peitschenschnüre der Knechte konnten gar noch nicht an ihn kommen vor den ergrimmten Mädchen , die mit ihren Fäusten und Nägeln gegen den gottvergessenen Betrüger eiferten . Daß sie ihn gehängt hätten , will ich nicht meinen , aber schlimm wär ' s ihm ergangen , wenn nicht der Junker Peter Melchior sein Wort darein gesprochen . Er meinte , was es ihnen hülfe , so sie dem Mann die Haut gerbten oder ihn aufhingen mit den Händen an die Kiefer , oder in den Sumpf steckten bis an ' s Kinn ; dann kämen doch Andere und zögen ihn raus , und man wisse nicht , was danach käme , wobei der Junker nach dem Waldweg zwinkerte , den die Burgfrau gegangen . Sie sollten ihn laufen lassen oder zum Teufel jagen . Ja , je eher man solchen falschen Kerl los würde , desto besser ; dann könne man sich an seine Sachen halten und zusehen , ob in dem Plunder was sei , um den Schaden gut zu machen . Ehe er sich ' s versah , saß nun der arme Krämer auf dem Gaul , ehe er noch ein Valet sagen konnte seinem Kram , sah er ihn nicht mehr . So war es geschehen , und der Junker Hans Jochem sah auf seine schönen Hosen nieder , in deren Carmoisinpuffen die Abendsonne mit Wohlgefallen sich zu fangen schien , und er dachte , die hat der Mann nun vergessen , und zugleich dachte er , wie mag der Mann nun zu seinem Gelde kommen , und dann kam noch ein Gedanke , der machte sein Gesicht so roth wie die Puffen . Es klang ihm mit einem Male wie des Dechanten Stimme aus dem Dornbusch : » Da sieht man abermals Gottes Fingerzeig und sichtliche Fügung , er hat dich betrügen wollen , und nun ist er betrogen . Wollte den doppelten Preis , was sie kosten , und nun hat er nichts ! « So lispelte es ihm zu , oder der Junker glaubte es , aus dem Dornstrauch , durch den ein gelbes Licht von der untergehenden Sonne streifte , und es ging ein seltsam Zittern und Knistern darin um , wie wohl zuweilen der Wind thut . Aber derselbe Wind schüttelte in den Wipfeln des Baumes , daran Hans Jochems Spieß stand , und der Spieß , der nicht fest stand , rüttelte . Da schien es ihm , als ob der Spieß flüstere : » Schäme Dich , Hans Jochem . Du bist ein Edelmann und kein Dieb . Ja , wenn Du ihn geworfen hättest , den schlechten Kerl , in den Graben mit ihm und einen blutigen Kopf , wenn er raisonnirte , dann hättest du ' s ehrlich nehmen mögen , mit guter Sitte , und kein guter Mann hätte zu dir sagen können , du seist ein Dieb . Aber so du sie behältst und hast nichts für gegeben , nicht Streiche , nicht Geld , das kann das Bettelmensch auch und der Zigeunerbub , die hängt man , und die Hand wird unehrlich , die sie anrührt ! « So sprach ' s im Busch und so im Baum zu Hans Jochem , und er stand wie eingewurzelt und hörte noch nichts von dem Donnerwetter . Mit der einen Hand nestelte er am Gurt und mit der andern streichelte er die schönen Carmoisinpuffen . Da flüsterte ihm wieder etwas in ' s Ohr : » Thu sie los , lieber Hans Jochem , thu sie los , es thut nicht gut . Ach , heilige Agnes , da ist sie , schon , « seufzte die kleine blasse Agnes . Es frommt nicht , zu viele Ungewitter zu malen , nicht für den