, Schmäderfräßigkeit , Unzufriedenheit haben als es selbst ? Es müsse sie tragen und alle ihre Folgen , Not und Jammer , bis ins Grab , durch das Grab , bis vor Gottes Richterstuhl . Man solle doch nur sehen , wie viele tausend Menschen den Menschen zur Last seien und Gott zum Ärgernis und sich als widerwärtige Geschöpfe herumschleppten , den Denkenden als sichtbare Zeugnisse , wie die Untreue sich selbsten strafe . Aber so , wie man durch sein Tun sich inwendig eine Gewohnheit bereite , so mache man sich auswendig einen Namen . An diesem Namen , an dem Ruf , der Geltung unter den Menschen arbeite ein jeder von Kindsbeinen an bis zum Grabe , jede kleine Ausübung , ja jedes einzelne Wort trage zu diesem Namen bei . Dieser Name öffnet oder versperrt uns Herzen , macht uns wert oder unwert , gesucht oder verstoßen . Wie gering ein Mensch sein mag , so hat er doch einen Namen ; auch ihn betrachten die Augen seiner Mitmenschen und urteilen , was er ihnen wert sei . So macht auch jedes Knechtlein und jedes Jungfräulein an seinem Namen unwillkürlich , und nach diesem Namen kriegen sie Lohn , dieser Name bricht ihnen Bahn oder verschließt sie ihnen . Da kann eins lange reden und über frühere Meisterleute schimpfen , es macht damit seinen Namen nicht gut , sein Tun hat ihn längst gemacht . Ein solcher Name werde stundenweit bekannt , man könne nicht begreifen wie . Es sei eine wunderbare Sache um diesen Namen , und doch betrachteten ihn die Menschen viel zu wenig und namentlich die , welchen er das zweite Gut sei , mit dem sie , verbunden mit der inwendigen Gewohnheit , ein drittes , ein gutes Auskommen in der Welt , Vermögen , ein viertes , den Himmel und seine Schätze , erwerben wollten . Er frage nun : wie ein elender Tropf einer sei , wenn er schlechte Gewohnheit habe , einen schlechten Namen und um Himmel und Erde komme ! « Daher soll , habe der Pfarrer gesagt , jeder , der in Dienst trete , den Dienst nicht betrachten als eine Sklavenzeit , den Meister als den Feind , sondern als eine Lehrzeit und den Meister als eine Wohltat Gottes , denn was sollten die Armen , das heißt die , welche nur Zeit und Kräfte , also doch eigentlich viel hätten , anfangen , wenn ihnen niemand Arbeit und Lohn gäbte ? Sie sollten die Dienstzeit betrachten als eine Gelegenheit , sich an Arbeit und Emsigkeit zu gewöhnen und sich einen recht guten Namen zu machen unter den Menschen . In dem Maße , als sie dem Meister treu wären , wären sie es auch an ihnen , und wie der Meister an ihnen gewinne , gewönnen sie selbst auch . Sie sollten ja nie meinen , daß nur der Meister Nutzen zöge aus ihrem Fleiß ; sie gewönnen wenigstens ebenso viel dabei . Wenn sie daher auch zu einem schlechten Meister kämen , sie sollten ja nie meinen , ihn zu strafen durch schlechte Aufführung ; sie täten damit sich nur selbst ein Leid an und schadeten sich innerlich und äußerlich . Wenn nun so ein Dienstbote immer besser arbeite , immer treuer und geschickter sei , so sei das sein Eigentum , und das könne niemand von ihm nehmen , und dazu besäße er einen guten Namen , die Leute hätten ihn gerne , vertrauten ihm viel an , und die Welt stehe ihm offen . Er möchte vornehmen , was er wollte , so fände er gute Leute , die ihm hülfen , weil sein guter Name der beste Bürge für ihn sei . Man solle doch nur achten , welche Dienstboten man rühme , die treuen oder die untreuen , solle sich achten , welche unter ihnen zu Eigentum und Ansehen kämen . » Dann hat der Pfarrer noch ein Drittes gesagt , und das geht dich besonders an . Er hat gesagt , der Mensch wolle Freude haben und müsse Freude haben , besonders in der Jugendzeit . Hasse nun ein Dienst seinen Dienst und sei ihm die Arbeit zuwider , so müsse er eine apartige Freude suchen , und er fange daher an zu laufen , zu hudeln , mit schlechten Sachen sich abzugeben und habe daran seine Freude und sinne daran Tag und Nacht . Sei aber einem Knecht oder einer Magd das Licht aufgegangen , daß sie etwas werden möchten , und der Glaube gekommen , daß sie etwas werden könnten , so liebten sie die Arbeit , hätten Freude daran , etwas zu lernen , etwas recht zu machen , Freude , wenn ihnen etwas gelinge , wachse , was sie gesäet , fett werde , was sie gefüttert ; sie sagten nie : Was frage ich dem nach , was geht mich das an ? Ich habe so nichts davon . Ja sie hätten eine eigentliche Lust daran , etwas Ungewohntes zu verrichten , etwas Schweres zu unternehmen ; dadurch wüchsen ihre Kräfte am besten , dadurch machten sie sich den besten Namen . So haben sie auch Freude an des Meisters Sache , seinen Pferden , seinen Kühen , seinem Korn , seinem Gras , als ob es ihnen gehöre . Woran man Freude hat , daran sinnet man auch ; wo man den Schatz hat , da hat man auch das Hetz , sagte der Pfarrer . Hat nun der Knecht seinen Dienst im Kopf , erfüllt ihn der Trieb , so ein vor Gott und Menschen recht tüchtiger Mensch zu werden , so hat der Teufel wenig Macht über ihn , kann ihm nicht böse Sachen eingeben , wüste Sachen , an die er Tag und Nacht denkt , so daß er keinen Sinn für seine Arbeit hat , und die ihn noch von einem Laster zum andern ziehen und innerlich und äußerlich verderben . « » Das hat der Pfarrer gesagt , « sagte der Meister ; » es ist mir , als ob es noch heute wäre , als er uns das sagte , und ich habe schon hundertmal gesehen , daß er recht hatte . Ich habe gedacht , ich wolle es dir sagen , es passet gerade auf dich . Und wenn du nur glauben wolltest , so könntest du einen von den brävsten Burschen abgeben und es einst haben , wie du nur wolltest . « Viertes Kapitel Wie eine schlechte Dirne einem braven Meister die Ohren des Knechtes auftut Des Ulis Antwort schnitt der Kleb ab , der seine Nöten deutlicher kündete . Es gab nun Arbeit , das Gespräch konnte nicht mehr fortgesetzt werden . Es ging alles gut , und endlich war ein schönes , brandschwarzes Kälbchen da mit einem weißen Stern , wie Beide noch nie eins gesehen und das abzubrechen erkannt wurde . Uli war bei dem Geschäft noch einmal so tätig und aufmerksam gewesen als sonst , und das Kälbchen behandelte er ganz sanft , fast zärtlich , und betrachtete es mit einer eigentlichen Zuneigung . Als sie fertig waren mit dem Kleb und derselbe seine Zwiebelnsuppe hatte , dämmerte der Morgen herauf und ließ keine Zeit zur Fortsetzung ihres Gesprächs . Die anbrechenden Werktage nahmen sie mit ihren Arbeiten hart in Anspruch , auch war der Meister in Gemeindsgeschäften abwesend , so daß sie nicht miteinander weiters redeten . Aber es schien von Beiden angenommen , daß Uli bleibe , und wenn der Meister heimkam , konnte die Frau nicht genug rühmen , wie Uli sich zu der Sache gehalten und wie sie nicht gebraucht hätte , ihn etwas zu heißen ; es sei ihm alles von selbst in den Sinn gekommen , und wenn sie daran gedacht habe , so sei es schon gemacht gewesen . Das freute natürlich den Meister gar wohl und machte , daß er dem Uli immer bessere Worte gab , ihm immer mehr Zutrauen zeigte . Es ist nichts verdrießlicher für einen Meister , als wenn er abends müde oder schläfrig heimkommt und er findet alles im Ungreis und sein Weib voll Klagens , sieht nicht die halbe Arbeit getan , die hätte abgefertigt werden sollen , vieles verpfuscht und schlecht gemacht , daß es besser wäre , es wäre gar nichts getan worden , und muß über das aus die halbe Nacht sein Weib jammern hören , wie die Diensten sich gegen ihns unbärdig eingestellt , unverschämten Bescheid gegeben und jedes gemacht habe , was ihm gefallen , und wie es ihr erleidet sei , so dabeizusein , und wenn er ein andermal fortgehe , so laufe sie auch fort . Es ist gräßlich für einen Mann , der fort muß ( und das muß der Mann ) , wenn ihm auf dem Heimwege , sobald er sein Haus von weitem sieht , die schweren Seufzer kommen : » Was hat es wohl aber gegeben ? Was muß ich sehen , was muß ich hören ? « und er so fast nicht zum Hause herzu darf , wenn er mit Liebe und Freude heimkommen möchte und mit Donner und Blitz einziehen muß in sein aufrührerisch gewordenes Reich . Bei Uli war etwas Neues erwacht und in die Glieder gefahren , ohne daß er es selbst noch recht wußte . Er mußte der Rede des Meisters je länger je mehr nachsinnen , und es dünkte ihn immer mehr , der Meister hätte doch etwas recht . Es tat ihm wohl , zu denken , er sei nicht dazu erschaffen , ein arm , verachtet Bürschli zu bleiben , sondern er könnte noch ein Mann werden . Er sah ein , daß man dieses nicht mit Wüsttun werde und daß , je mehr man wüst tue , man um so mehr Boden verliere unter den Füßen . Es dünkte ihn gar seltsam , was der Meister gesagt von der Gewohnheit und dem guten Namen , die man neben dem Lohn sich erarbeiten könne und so auch immer mehr für sich verdiene , je treuer man einem Meister sei , und wie man nicht besser für sich selber sehen könne , als wenn man recht treu zu des Meisters Sache luege . Er konnte je länger je weniger ableugnen , daß es also sei . Es kamen ihm immer mehr Beispiele in den Sinn von schlechten Diensten , die unglücklich geworden , arm geblieben , und hinwiederum wie er andere von ihren alten Meisterleuten habe rühmen hören , wie sie einen guten Knecht , eine gute Magd gehabt und die jetzt recht wohl zweg und gut im Stande seien . Nur eines konnte er nicht begreifen : wie er , Uli , je zu Geld , zu Vermögen kommen sollte ; das dünkte ihn rein unmöglich . Er hatte dreißig Kronen , also fünfundsiebzig Pfund , bar , zwei Hemden und ein Paar Schuhe zu Lohn . Nun hatte er noch fast vier Kronen Schulden , bereits viel eingezogen . Er hatte es bisher nicht machen können mit seinem Einkommen , nun sollte er Schulden zahlen , vorschlagen , das kam ihm unmöglich vor . Dem natürlichen Gang der Dinge nach war er darauf gefaßt , seine Schuld jährlich größer zu machen . Von den dreißig Kronen brauchte er doch wenigstens zehn für Kleider und konnte dabei noch nicht hoffärtig sein ; für Strümpfe , Schuhe , Hemden , deren er nur drei gute und vier böse hatte , Waschen usw. gingen doch wenigstens auch acht Kronen darauf ; alle Wochen ein Päcklein Tubak ( und er brauchte meistens mehr ) , war wieder zwei Kronen : es blieben noch zehn Kronen . Nun waren fünfzig Samstagsnächte , fünfzig Sonntagsnachmittage , von denen noch sechs extra Tanzsonntage , Märkte , es wußte kein Mensch wieviel , war eine Musterung , vielleicht gar noch eine Garnison , die zufällig sich ergebenden Gelegenheiten zum Hudeln nicht einmal gerechnet , wie Niedersingeten , An- und Aussaufeten , Schießeten , Kegelten und das wieder einreißende Tschämeln , Abendsitze , die gefährlichste aller Unsitten , Springeten usw. Der Verfassungsabend , der in eine der ärgsten Schweinereien ausartet , wo fünfzigjährige Weibsstücke am Boden sich wälzen auf die unflätigste Weise , war damals noch nicht im Schwange . Rechnete er nun fürs Ordinäre alle Wochen nur zwei Batzen für Brönz oder Wein , so machte das wieder vier Kronen . Übersprang er drei Tanzsonntage , so brauchte er doch , wenn er mit dem Geiger abschaffen mußte , ein Mädchen haben und , wie es der Brauch war , voll heimgehen wollte , wenigstens eine Krone und manchmal einen Fünfunddreißiger für jeden der drei übrigen Sonntage . Jetzt hatte er für Märkte , Musterungen und die übrigen Hudeleien nur noch drei Kronen . Mit dem , dachte er , sei es doch wirklich nicht menschenmöglich , auszukommen . Schon zwei Märte und die Musterung brauchten mehr als das , für das Andere hatte er also gar nichts . Er rechnete immer von neuem , probierte an den Kleidern , an den andern Ausgaben abzuschränzen ; aber das Ding ging nicht . Er mußte doch gekleidet sein , mußte waschen lassen , barfuß konnte er auch nicht laufen . So brachte er , er mochte rechnen wie er wollte , immer die traurige Wahrheit heraus , daß er , statt vorzuschlagen , zu wenig hätte . Als er einst so in seine trostlose Rechnung vertieft war beim Grasen und immer von vornen anfing und hintenaus immer zu wenig hatte und eben bei sich feststellte , es müß dem Meister nicht recht im Gring sein , so ein Bauer wisse nicht , was ein Knechtlein alles brauche ; ein Bauer brauche nichts waschen zu lassen , nehme Schuhmacher und Schneider auf die Stör und hätte am Ende vom Jahr alle Schöpplein vergessen , welche er getrunken , weil er sie seinem Geld nicht anmerke ; wie er so verstaunet stund , tönte es hinter ihm : » Bist am Grase ? « Wie von einer Schlange gebissen , fuhr Uli auf , und Anne Lisi stund neben ihm . » Ich habe geglaubt « , sagte Anne Lisi , » du seiest krank , daß du nicht zu mir gekommen bist . Ich sah allenthalben auf dich und konnte dich doch nirgends erblicken . Da konnte ich es nicht mehr erleiden vor Längizyti , es hat mir fry das Essen gestellt . Ich habe schon gestern dort hinter dem Hag auf dich passet , aber du bist nie allein gewesen . Es dünkt mich , es hätte mir schon gewohlet , daß ich dich nur sehen kann . Aber Uli , mi Uli , warum bist jetzt mehr als vierzehn Tage nicht zu mir gekommen ? Das ist doch nichts gemacht von dir . Ich bin manche Nacht durch immer mit dem Kopf auf dem Ellbogen gewesen ; es het mih düecht , du müßtest kommen . Warum bist du nicht gekommen ? « So angedonnert war Uli in seinem ganzen Leben nicht gewesen . Er kannte Anne Lisi , hatte ein böses Gewissen gegen ihns und durfte ihm nicht sagen , daß er nie mehr zu kommen gedenke . Zu diesem war er fest entschlossen , es war ihm zu angst gewesen , und jetzt kam ihm die Angst in verdoppeltem Maße wieder . Er muckelte etwas von einem kranken Roß , dem er hätte abwarten müssen , von einer Kuh , zuletzt sogar von Gliedersucht . Anne Lisi trat nicht lange in die Vergangenheit ein , sondern sagte : Es könne da nicht recht mir ihm reden , es hätte ihm bsunderbar viel zu sagen ; er solle in dieser Nacht zu ihm kommen , es könne es unmöglich länger ohne ihn ausstehen . Uli wollte das nicht versprechen : Der Meister sei fort mit Roß und Wägeli ; er müsse warten , bis er heimkomme , sagte er , und dann müsse er noch füttern , und dann werde es kaum mehr der wert sein . » Was ist mit dir ? « sagte Anne Lisi ; » wenn dir neuis daran gelegen wäre , es würde sich dir öppe wohl schicken . Das sind nur Ausreden , es hat dich jemand aufgewiesen , dr Gring groß gmacht . Oh , ich weiß schon , Kuderjoggelis Annebäbi hat dich aufgestüpft . Aber wart es nur , dem rote Donner will ich die Läuse runtermachen , daß es mich nicht vergessen soll . Aber wie magst du dich auch mit einem solchen Strupf , das nicht größer ist als ein dreitägigs Kalb , abgeben ? Das ist nicht bravs von dir . Schäme dich , du wüeste Hung du ! Ich will dirs bim Dolder zeige ! Aber gell , du kömmst diese Nacht ? Bis mir ds Hergetts und komm nicht ! « Uli sagte : Es hätts schon gehört , er könne nicht . » Was , du willst nicht ? Du wirst doch nit öppe welle wüest tue wie die andere Schyßhüng ? Du wirst doch nicht wollen vergessen , was du mir gesagt hast ? « Er wisse nichts Apartigs , das er ihm gesagt habe , sagte Uli . » Was , du dolderschießige Grännihung , du weißt nicht mehr , was du mir gesagt hast ? Hast du nicht gesagt , daß du , wenn du eine zKilche führen wollest , mich zKilche führen wollest ? « Er wisse nichts mehr davon , sagte Uli , das sei ihm etwas Neues . » So , du besinnst dich nicht mehr daran , du verfluchte Lumpenhung , was du bist ! Soll ich dir dBsinnig mache umezcho ? Aber es ist mir sich nicht der wert deinetwegen ! Einen solchen Zyberligränni finde ich hinter jedem Zaunstecken , und wenn ich einen haben muß , so will ich nicht einen solchen Fötzel , der nie drei Kreuzer beieinander hat und der Meisterfrau alli Wäschlumpe stiehlt , um seine Sonntagskutte zu plätzen . Nei , beim Dolder , eine so leidi More bin ich denn nadisch nicht , daß ich mich bei keinem Bräveren und Reicheren weiß z ' kündte als bei einem solchen verrebleten Baurenknechtli . Zu dir käme ich zuletzt , wenn ich einen haben müßte , häb nit öppe Kummer , ich well dih ! Sellig wett ih zehn an jeden Finger kriegen , ich müßt nicht eine Sellige sein , wie ich bin . Aber wart ume , ds Kuderjoggis Annebäbi , dem will ich sagen was es für eine ist , und ich will nicht lebig dadänne cho , wenn ich dem nicht sein Maul auftue , daß man es zu Merligen für ein Tennstor brauchen könnte . Das verflucht Mönsch dich so gegen mich aufzureisen ! Aber du kannst es noch machen , wie du willst ; kömmst du hinecht , wohl und gut , so will ich dirs vergessen und dir auftun ! Kommst du aber nicht , so lueg de , was geht , und ich will keine gesunde Stund mehr haben , wenn ich dir noch einmal auftue ! Jawolle , so wüst zu tun und so dr Gring z ' machen ! « Uli wohlete es bedenklich , und er ward ganz trotzig und sagte : Seinetwegen brauch es hinecht nicht auf dem Ellbogen zu schlafen , er bleibe lieber daheim , als daß er Andern ihre Suppe ausessen wolle , und mit einer Selligen wolle er sich nicht mehr bschyßen . Es solle jetzt seiner Wege gehn und ihn ruhig lassen , er hätte genug von ihm . Da fing Anne Lisi aufs neue an wüst zu tun : bald sagte es ihm alle Schande , dann heulte es über die Schlechtigkeit des Mannenvolks , dann rühmte es sein gutes Herz , das so schändlich angeführt werde seiner Güte wegen und weil es so einem Schyßhung getraut habe . Dann flattierte es dem Uli wieder auf das zärtlichste und sagte : Es sei ihm noch Keiner so lieb gewesen von denen , die es an sein Herz gelassen ; es hätte sich für ihn können lassen lebig schinden , und es dünke ihns , es well ihm ds Herz zerschryßen . Aber Uli blieb unbeweglich , und als er genug hatte , fuhr er mit seiner Grasbähre nach Hause und ließ Anne Lisi im Klee stehen . Aber bei sich setzte er hoch ein , dasmal sei er entronnen , und das wolle er sich als Warnung dienen lassen und so müß ihm Keine mehr kommen aus einem Haselhag hervor . Und seiner gesprengten Fesseln sich freuend , ließ er ein Jodeln ertönen , daß seine Kühe in den Bahren fuhren , die Pferde in die Zügel schossen , die Katze ab dem Ofen sprang , der Hund aus seinem Stalle kroch und die Jungfrau sagte : » Was kömmt wohl den Uli an , den Göhl , daß er so abläßt ? Man hat ihn fry lang nicht gehört . « Bald darauf führten Meister und Knecht Steine zu einem neuen Stubenofen . Auf dem Heimweg kehrten sie ein , da sie einen weiten und bergichten Weg hatten . Da der Meister nicht hundshärig war und vom schlechtesten Wein befahl , wenn der Knecht bei ihm war , und für zwei Personen nur um einen halben Batzen Brot aufstellen ließ , so wurde Uli auf dem Rest des Weges gesprächig . Er erzählte dem Meister die Begegnung mit Anne Lisi und wie er froh sei , daß er nun des Kummers und dem Mensch ein für alle Male los sei . Es hätte ihm gewohlet , er könne es niemand sagen wie . Er begreife erst jetzt , was man mit dem Sprüchwort sagen wolle : Es sind mir Zentnersteine ab dem Herzen gefallen . Der Meister freute sich der Nachricht , aber warnte , er solle es nicht machen wie gar Viele , die , solange sie die Folgen ihres Lasters fühlen , reuig seien , dann aber wiederum um die Sünde herumfahren wie die Fliege um ein Licht , bis sie sich die Flügel verbrannt und vielleicht ein für alle Male . So kenne er manchen Trunkenbold , der allemal , wenn er sein Geld ver- und einen sturmen Kopf ertrunken , sich vornehme , sich nie mehr so zuzuputzen - und das nächstemal , wenn er zum Wein komme , sei er wieder ein volles Kalb . So gehe es Manchem mit dem Weibervolk : die , welche meinen , die Listigsten geworden zu sein , die gebe es oft am wüstesten . » Nein , Uli , halt dich jetzt , so kannst du noch einen Mann abgeben , wie ich es dir ausgelegt habe , « sagte der Meister . » Los , Meister , « sagte Uli , » ich habe der Sache nachgesinnet , und der Pfarrer , wo dich unterwiesen hat , ist nicht ganz ein Narr gewesen ; aber was ein Baurenknechtli für Lohn hat und was er braucht , davon hat er nichts gewußt ; er wird gemeint haben , ungefähr so viel als ein Vikari . Aber du solltest es besser wissen und solltest es wissen , daß es aus sei mit Fürhusen und Reichwerden . Ich habe manchen Tag lang gerechnet , daß es mir fast den Kopf obenabgesprengt hat ; aber ich habe immer das Gleiche herausgebracht : aus Nichts wird Nichts , und nüt von nüt geht auf . « » Wie hast du denn gerechnet ? « sagte der Meister . Uli machte ihm die ganze Rechnung punktum wieder durch , und als er fertig war , fragte er spöttisch den Meister : » Und jetzt , was sagst du dazu , ists nicht so ? « Der Meister sagte : » Deiner Rechnung nach macht es allerdings so viel ; aber man kann noch ganz anders rechnen , Bürschli . Los einmal , ich will dir jetzt auch eine Rechnung machen auf meine Art ; es nimmt mich wunder , was du zu dieser sagen wirst . « An dem , was du für deine Kleidung angesetzt hast , will ich nicht viel ändern . Es ist möglich , daß du , wenn du dich ordentlich instand stellen und namentlich Hemder haben willst , um den Wascherlohn zu ersparen , und überhaupt da , herkommen Sonntag und Werktag , wie es einem braven Burschen wohl ansteht , in der ersten Zeit noch mehr brauchst . Für Tubak hingegen hast du zwei Kronen angesetzt , das ist zu viel . Ein Knecht , der in den Stall und auf die Bühne muß , soll den ganzen Tag nicht rauchen , niemals nach dem Feierabend . Um den Hunger zu vertreiben , brauchst du bei mir nicht zu rauchen , und wenn du es dir ganz abgewöhnen könntest , so würde es dir als Knecht viel nutzen . Wenn einer nicht tubaket , so macht er allenthalben mehr Lohn . Die andern zehn Kronen , welche du für Lustbarkeiten aller Art rechnest , die tue ich dir ganz durch , vom ersten Kreuzer bis zum letzten . Ja , tue nur das Maul auf und sieh mich an wie dStorche ein neues Dach . Willst du dich kurieren und etwas werden , so mußt du dir einmal auf etwas Rechtes vornehmen , vornehmen , von deinem Lohn keinen Kreuzer zu verhudeln , auf keine Weise . Nimmst du dir vor , nur etwas weniger als früher zu laufen , etwas weniger zu vertun als sonst , so ist das nur den Mäusen gepfiffen . Bist du einmal im Wirtshaus , so bist du deiner nicht mehr Meister , die alte Kameradschaft , die alte Gewohnheit reißt dich hin , und du vertust wieder zwei bis drei Wochenlöhne . Dann kömmt der Nachdurst , und du mußt andere Abende nachbessern und verlierst immer mehr allen Glauben , daß du dir je auf , helfen könnest , wirst alle Tage liederlicher und verzweifelst immer mehr an dir selbst . Das ist übrigens nicht so schrecklich , als du ein Gesicht machst . Sieh doch , wie Viele jahraus jahrein nie einen Schoppen trinken und in kein Wirtshaus gehen . Es sind nicht nur arme Tagelöhner , welche genug zu tun haben , der Gemeinde sich zu erwehren , sondern es sind darunter auch vermögliche , ja reiche Leute , welchen es zur Gewohnheit geworden ist , nichts unnütz zu vertun , und sie sind nicht nur wohl dabei , sondern die können noch viel weniger begreifen , wie einem vernünftigen Menschen wohl beim Hudeln sein könne , als du mich jetzt begreifen willst , daß ein Mensch , ohne zu hudeln , leben könne . Ich bin einmal mit einem Mannli vom Langentalermärit zeitlich heimgegangen . Es verwunderte sich , mich schon auf dem Heimweg zu finden , es müsse sonst gewöhnlich alleine heim , sagte dasselbe . Ich antwortete ihm , ich hätte apartig nichts mehr zu tun gehabt , und im Wirtshaus sitzen bis am Abend sei mir auch zuwider gewesen . Das Geld gehe drauf , die Zeit damit , und am Ende wisse man nicht , wann und wie man heimkomme . Ja , sagte er , ihm sei es auch so . Er hätte mit nichts angefangen und gar kaum tun müssen . Lange hätte er Vater und Mutter alleine erhalten , aber doch jetzt ein zahltes Heimat und jahraus und jahrein zwei Kühe , von denen keine minder als sechs Zentner mache . Aber er habe auch von Anfang an keinen Kreuzer zUnnutz vertan . Ein einziges Mal erinnere er sich , daß er in Burgdorf ein halbbatziges Mütschi gekauft habe , das er hätte können sein lassen . Er hätte es auch erleiden mögen bis heim und dort wohlfeileres Essen gefunden . Ja , sagte ich , so viel könne ich nicht sagen , es sei mir mancher Batzen entronnen ; aber man könne es auch zu weit treiben , der Mensch müsse doch auch gelebt haben . » Ja freilich , « sagte er . Ich lebe auch und bin froh dabei . Ein Kreuzer , den ich erspare , tut mir wöhler als ein Neutaler einem , der ihn verhudelt . Wenn ich es nicht so angefangen hätte , so wäre ich wohl zu nichts gekommen . Ein armes Bürschli hat nicht den Verstand , wenn er einmal angefangen hat , aufzuhören zu rechter Zeit ; hat er einen Batzen verschlengget , so zieht der zehn andere nach . Du mußt aber nicht etwa glauben , daß ich dabei ein wüster Gythung sei . Es ist schon Mancher z ' leerem von großen Baurenhäusern weggegangen und hat bei mir erhalten , was er nötig hatte . Ich habe nadisch dann nicht vergessen , wer mir den Segen zu meiner Arbeit gegeben hat und wem ich bald Rechnung ablegen muß . Auf diese Rede hin habe ich das Mannli von oben bis unten angesehen mit großem Respekt ; es hätte ihm kein Mensch angesehen , was hinter ihm stecke . Ehe wir voneinander gingen , wollte ich ihm noch eine Halbe zahlen für seine gute Lehre . Allein er wollte nicht und sagte , er hätte gar nichts nötig , und ob er mein Geld oder seines zUnnutz vertäte , das käme ja einst bei der Rechnung auf das Gleiche heraus . Seither habe ich das Mannli nicht mehr gesehen ; es hat wahrscheinlich seine Rechnung schon abgelegt , und wenn niemand eine schwerere hätte als der , so käme es Vielen wohl . Siehe , so meine ich , sei jeder Kreuzer , den du von deinem Lohn für solche unnütze Sachen brauchst , durchaus ein schlecht gebrauchter . Bleibe zu Hause , und damit ersparst du nicht nur zehn Kronen , sondern noch gar viel dazu . Es klagen alle Knechtlein , wie viel Schuhe , wie viel Kleider sie brauchen , wie sie in Wald und