eine Benennung , eine Bezeichnung zu überliefern , ist das Beste , was man tun kann . Sie fragen ohnehin früh genug nach den Ursachen . « » Es ist ihnen nicht zu verdenken « , versetzte Wilhelm . » Die Mannigfaltigkeit der Gegenstände verwirrt jeden , und es ist bequemer , anstatt sie zu entwickeln , geschwind zu fragen : woher ? und wohin ? « - » Und doch kann man « , sagte Jarno , » da Kinder die Gegenstände nur oberflächlich sehen , mit ihnen vom Werden und vom Zweck auch nur oberflächlich reden . « - » Die meisten Menschen « , erwiderte Wilhelm , » bleiben lebenslänglich in diesem Falle und erreichen nicht jene herrliche Epoche , in der uns das Faßliche gemein und albern vorkommt . « - » Man kann sie wohl herrlich nennen « , versetzte Jarno , » denn es ist ein Mittelzustand zwischen Verzweiflung und Vergötterung . « - » Laß uns bei dem Knaben verharren « , sagte Wilhelm , » der mir nun vor allem angelegen ist . Er hat nun einmal Freude an dem Gestein gewonnen , seitdem wir auf der Reise sind . Kannst du mir nicht so viel mitteilen , daß ich ihm , wenigstens auf eine Zeit , genugtue ? « - » Das geht nicht an « , sagte Jarno . » In einem jeden neuen Kreise muß man zuerst wieder als Kind anfangen , leidenschaftliches Interesse auf die Sache werfen , sich erst an der Schale freuen , bis man zu dem Kerne zu gelangen das Glück hat . « » So sage mir denn « , versetzte Wilhelm , » wie bist du zu diesen Kenntnissen und Einsichten gelangt ? denn es ist doch so lange noch nicht her , daß wir auseinandergingen ! « - » Mein Freund « , versetzte Jarno , » wir mußten uns resignieren , wo nicht für immer , doch für eine gute Zeit . Das erste , was einem tüchtigen Menschen unter solchen Umständen einfällt , ist , ein neues Leben zu beginnen . Neue Gegenstände sind ihm nicht genug : diese taugen nur zur Zerstreuung ; er fordert ein neues Ganze und stellt sich gleich in dessen Mitte . « - » Warum denn aber « , fiel Wilhelm ihm ein , » gerade dieses Allerseltsamste , diese einsamste aller Neigungen ? « - » Eben deshalb « , rief Jarno , » weil sie einsiedlerisch ist . Die Menschen wollt ' ich meiden . Ihnen ist nicht zu helfen , und sie hindern uns , daß man sich selbst hilft . Sind sie glücklich , so soll man sie in ihren Albernheiten gewähren lassen ; sind sie unglücklich , so soll man sie retten , ohne diese Albernheiten anzutasten ; und niemand fragt jemals , ob du glücklich oder unglücklich bist . « - » Es steht noch nicht so ganz schlimm mit ihnen « , versetzte Wilhelm lächelnd . - » Ich will dir dein Glück nicht absprechen « , sagte Jarno . » Wandre nur hin , du zweiter Diogenes ! Laß dein Lämpchen am hellen Tage nicht verlöschen ! Dort hinabwärts liegt eine neue Welt vor dir ; aber ich will wetten , es geht darin zu wie in der alten hinter uns . Wenn du nicht kuppeln und Schulden bezahlen kannst , so bist du unter ihnen nichts nütze . « - » Unterhaltender scheinen sie mir doch « , versetzte Wilhelm , » als deine starren Felsen . « - » Keineswegs « , versetzte Jarno , » denn diese sind wenigstens nicht zu begreifen . « - » Du suchst eine Ausrede « , versetzte Wilhelm , » denn es ist nicht in deiner Art , dich mit Dingen abzugeben , die keine Hoffnung übriglassen , sie zu begreifen . Sei aufrichtig und sage mir , was du an diesen kalten und starren Liebhabereien gefunden hast ? « - » Das ist schwer von jeder Liebhaberei zu sagen , besonders von dieser . « Dann besann er sich einen Augenblick und sprach : » Buchstaben mögen eine schöne Sache sein , und doch sind sie unzulänglich , die Töne auszudrücken ; Töne können wir nicht entbehren , und doch sind sie bei weitem nicht hinreichend , den eigentlichen Sinn verlauten zu lassen ; am Ende kleben wir am Buchstaben und am Ton und sind nicht besser dran , als wenn wir sie ganz entbehrten ; was wir mitteilen , was uns überliefert wird , ist immer nur das Gemeinste , der Mühe gar nicht wert . « » Du willst mir ausweichen « , sagte der Freund ; » denn was soll das zu diesen Felsen und Zacken ? « - » Wenn ich nun aber « , versetzte jener , » eben diese Spalten und Risse als Buchstaben behandelte , sie zu entziffern suchte , sie zu Worten bildete und sie fertig zu lesen lernte , hättest du etwas dagegen ? « - » Nein , aber es scheint mir ein weitläufiges Alphabet . « - » Enger , als du denkst ; man muß es nur kennen lernen wie ein anderes auch . Die Natur hat nur eine Schrift , und ich brauche mich nicht mit so vielen Kritzeleien herumzuschleppen . Hier darf ich nicht fürchten , wie wohl geschieht , wenn ich mich lange und liebevoll mit einem Pergament abgegeben habe , daß ein scharfer Kritikus kommt und mir versichert , das alles sei nur untergeschoben . « - Lächelnd versetzte der Freund : » Und doch wird man auch hier deine Lesarten streitig machen . « - » Eben deswegen « , sagte jener , » red ' ich mit niemenden darüber und mag auch mit dir , eben weil ich dich liebe , das schlechte Zeug von öden Worten nicht weiter wechseln und betrieglich austauschen . « Viertes Kapitel Beide Freunde waren , nicht ohne Sorgfalt und Mühe , herabgestiegen , um die Kinder zu erreichen , die sich unten an einem schattigen Orte gelagert hatten . Fast eifriger als der Mundvorrat wurden die gesammelten Steinmuster von Montan und Felix ausgepackt . Der letztere hatte viel zu fragen , der erstere viel zu benennen . Felix freute sich , daß jener die Namen von allen wisse , und behielt sie schnell im Gedächtnis . Endlich brachte er noch einen hervor und fragte : » Wie heißt denn dieser ? « Montan betrachtete ihn mit Verwunderung und sagte : » Wo habt ihr den her ? « Fitz antwortete schnell : » Ich habe ihn gefunden , er ist aus diesem Lande . « - » Er ist nicht aus dieser Gegend « , versetzte Montan . Fitz freute sich , den überlegenen Mann in einigem Zweifel zu sehen . - » Du sollst einen Dukaten haben « , sagte Montan , » wenn du mich an die Stelle bringst , wo er ansteht . « - » Der ist leicht zu verdienen « , versetzte Fitz , » aber nicht gleich . « - » So bezeichne mir den Ort genau , daß ich ihn gewiß finden kann . Das ist aber unmöglich : denn es ist ein Kreuzstein , der von St. Jakob in Compostell kommt und den ein Fremder verloren hat , wenn du ihn nicht gar entwendet hast , da er so wunderbar aussieht . « - » Gebt Euren Dukaten « , sagte Fitz , » dem Reisegefährten in Verwahrung , und ich will aufrichtig bekennen , wo ich den Stein her habe . In der verfallenen Kirche zu St. Joseph befindet sich ein gleichfalls verfallener Altar . Unter den auseinandergebrochenen obern Steinen desselben entdeckt ' ich eine Schicht von diesem Gestein , das jenen zur Grundlage diente , und schlug davon so viel herunter , als ich habhaft werden konnte . Wälzte man die obern Steine weg , so würde gewiß noch viel davon zu finden sein . « » Nimm dein Goldstück « , versetzte Montan , » du verdienst es für diese Entdeckung . Sie ist artig genug . Man freut sich mit Recht , wenn die leblose Natur ein Gleichnis dessen , was wir lieben und verehren , hervorbringt . Sie erscheint uns in Gestalt einer Sibylle , die ein Zeugnis dessen , was von der Ewigkeit her beschlossen ist und erst in der Zeit wirklich werden soll , zum voraus niederlegt . Hierauf als auf eine wundervolle , heilige Schicht hatten die Priester ihren Altar gegründet . « Wilhelm , der eine Zeitlang zugehört und bemerkt hatte , daß manche Benennung , manche Bezeichnung wiederkam , wiederholte seinen schon früher geäußerten Wunsch , daß Montan ihm so viel mitteilen möge , als er zum ersten Unterricht des Knaben nötig hätte . - » Gib das auf « , versetzte Montan . » Es ist nichts schrecklicher als ein Lehrer , der nicht mehr weiß , als die Schüler allenfalls wissen sollen . Wer andere lehren will , kann wohl oft das Beste verschweigen , was er weiß , aber er darf nicht halbwissend sein . « - » Wo sind denn aber so vollkommene Lehrer zu finden ? « - » Die triffst du sehr leicht « , versetzte Montan . - » Wo denn ? « sagte Wilhelm mit einigem Unglauben . - » Da , wo die Sache zu Hause ist , die du lernen willst « , versetzte Montan . » Den besten Unterricht zieht man aus vollständiger Umgebung . Lernst du nicht fremde Sprachen in den Ländern am besten , wo sie zu Hause sind ? wo nur diese und keine andere weiter dein Ohr berührt ? « - » Und so wärst du « , fragte Wilhelm , » zwischen den Gebirgen zur Kenntnis der Gebirge gelangt ? « - » Das versteht sich . « - » Ohne mit Menschen umzugehen ? « fragte Wilhelm . - » Wenigstens nur mit Menschen « , versetzte jener , » die bergartig waren . Da , wo Pygmäen , angereizt durch Metalladern , den Fels durchwühlen , das Innere der Erde zugänglich machen und auf alle Weise die schwersten Aufgaben zu lösen suchen , da ist der Ort , wo der wißbegierige Denkende seinen Platz nehmen soll . Er sieht handeln , tun , läßt geschehen und erfreut sich des Geglückten und Mißglückten . Was nützt , ist nur ein Teil des Bedeutenden . Um einen Gegenstand ganz zu besitzen , zu beherrschen , muß man ihn um sein selbst willen studieren . Indem ich aber vom Höchsten und Letzten spreche , wozu man sich erst spät durch vieles und reiches Gewahrwerden emporhebt , seh ' ich die Knaben vor uns , bei denen klingt es ganz anders . Jede Art von Tätigkeit möchte das Kind ergreifen , weil alles leicht aussieht , was vortrefflich ausgeübt wird . Aller Anfang ist schwer ! Das mag in einem gewissen Sinne wahr sein ; allgemeiner aber kann man sagen : aller Anfang ist leicht , und die letzten Stufen werden am schwersten und seltensten erstiegen . « Wilhelm , der indessen nachgedacht hatte , sagte zu Montan : » Solltest du wirklich zu der Überzeugung gegriffen haben , daß die sämtlichen Tätigkeiten , wie in der Ausübung , so auch im Unterricht zu sondern seien ? « - » Ich weiß mir nichts anderes noch Besseres « , erwiderte jener . » Was der Mensch leisten soll , muß sich als ein zweites Selbst von ihm ablösen , und wie könnte das möglich sein , wäre sein erstes Selbst nicht ganz davon durchdrungen ? « - » Man hat aber doch eine vielseitige Bildung für vorteilhaft und notwendig gehalten . « - » Sie kann es auch sein zu ihrer Zeit « , versetzte jener ; » Vielseitigkeit bereitet eigentlich nur das Element vor , worin der Einseitige wirken kann , dem eben jetzt genug Raum gegeben ist . Ja , es ist jetzo die Zeit der Einseitigkeiten ; wohl dem , der es begreift , für sich und andere in diesem Sinne wirkt . Bei gewissen Dingen versteht sich ' s durchaus und sogleich . Übe dich zum tüchtigen Violinisten und sei versichert , der Kapellmeister wird dir deinen Platz im Orchester mit Gunst anweisen . Mache ein Organ aus dir und erwarte , was für eine Stelle dir die Menschheit im allgemeinen Leben wohlmeinend zugestehen werde . Laß uns abbrechen ! Wer es nicht glauben will , der gehe seinen Weg , auch der gelingt zuweilen ; ich aber sage : von unten hinauf zu dienen , ist überall nötig . Sich auf ein Handwerk zu beschränken , ist das Beste . Für den geringsten Kopf wird es immer ein Handwerk , für den besseren eine Kunst , und der beste , wenn er eins tut , tut er alles , oder , um weniger paradox zu sein , in dem einen , was er recht tut , sieht er das Gleichnis von allem , was recht getan wird . « Dieses Gespräch , das wir nur skizzenhaft wiederliefern , verzog sich bis gegen Sonnenuntergang , der , so herrlich er war , doch die Gesellschaft nachdenken ließ , wo man die Nacht zubringen wollte . » Unter Dach wüßte ich euch nicht zu führen « , sagte Fitz ; » wollt ihr aber bei einem guten alten Köhler , an warmer Stätte die Nacht versitzen oder verliegen , so seid ihr willkommen . « Und so folgten sie ihm alle durch wundersame Pfade zum stillen Ort , wo sich ein jeder bald einheimisch fühlen sollte . In der Mitte eines beschränkten Waldraums lag dampfend und wärmend der wohlgewölbte Kohlenmeiler , an der Seite die Hütte von Tannenreisern , ein helles Feuerchen daneben . Man setzte sich , man richtete sich ein . Die Kinder waren sogleich um die Köhlersfrau geschäftig , welche , gastfreundlich bemüht , erhitzte Brotschnitten mit Butter zu tränken und durchziehen zu lassen , köstlich fette Bissen den hungrig Lüsternen bereitete . Indes nun darauf die Knaben durch die kaum erhellten Fichtenstämme Versteckens spielten , wie Wölfe heulten , wie Hunde bellten , so daß auch wohl ein herzhafter Wanderer darüber hätte erschrecken mögen , besprachen sich die Freunde vertraulich über ihre Zustände . Nun aber gehörte zu den sonderbaren Verpflichtungen der Entsagenden auch die : daß sie , zusammentreffend , weder vom Vergangenen noch Künftigen sprechen durften , nur das Gegenwärtige sollte sie beschäftigen . Jarno , der von bergmännischen Unternehmungen und den dazu erforderlichen Kenntnissen und Tatfähigkeiten den Sinn voll hatte , trug Wilhelmen auf das genaueste und vollständigste mit Leidenschaft vor , was er sich alles in beiden Weltteilen von solchen Kunsteinsichten und Fertigkeiten verspreche ; wovon sich jedoch der Freund , der immer nur im menschlichen Herzen den wahren Schatz gesucht , kaum einen Begriff machen konnte , vielmehr zuletzt lächelnd erwiderte : » So stehst du ja mit dir selbst im Widerspruch , indem du erst in deinen ältern Tagen dasjenige zu treiben anfängst , wozu man von Jugend auf sollte eingeleitet sein . « - » Keineswegs ! « erwiderte jener ; » denn eben daß ich in meiner Kindheit bei einem liebenden Oheim , einem hohen Bergbeamten , erzogen wurde , daß ich mit den Pochjungen groß geworden bin , auf dem Berggraben mit ihnen kleine Rindenschiffchen niederfahren ließ , das hat mich zurück in diesen Kreis geführt , wo ich mich nun wieder behaglich und verjüngt fühle . Schwerlich kann dieser Köhlerdampf dir zusagen wie mir , der ich ihn von Kindheit auf als Weihrauch einzuschlürfen gewohnt bin . Ich habe viel in der Welt versucht und immer dasselbe gefunden : in der Gewohnheit ruht das einzige Behagen des Menschen ; selbst das Unangenehme , woran wir uns gewöhnten , vermissen wir ungern . Ich quälte mich einmal gar lange mit einer Wunde , die nicht heilen wollte , und als ich endlich genas , war es mir höchst unangenehm , als der Chirurg ausblieb , sie nicht mehr verband und das Frühstück nicht mehr mit mir einnahm . « » Ich möchte aber doch « , versetzte Wilhelm , » meinem Sohn einen freieren Blick über die Welt verschaffen , als ein beschränktes Handwerk zu geben vermag . Man umgrenze den Menschen , wie man wolle , so schaut er doch zuletzt in seiner Zeit umher ; und wie kann er die begreifen , wenn er nicht einigermaßen weiß , was vorhergegangen ist . Und müßte er nicht mit Erstaunen in jeden Gewürzladen eintreten , wenn er keinen Begriff von den Ländern hätte , woher diese unentbehrlichen Seltsamkeiten bis zu ihm gekommen sind ? « » Wozu die Umstände ? « versetzte Jarno ; » lese er die Zeitungen wie jeder Philister und trinke Kaffee wie jede alte Frau . Wenn du es aber doch nicht lassen kannst und auf eine vollkommene Bildung so versessen bist , so begreif ' ich nicht , wie du so blind sein kannst , wie du noch lange suchen magst , wie du nicht siehst , daß du dich ganz in der Nähe einer vortrefflichen Erziehungsanstalt befindest . « - » In der Nähe ? « sagte Wilhelm und schüttelte den Kopf . - » Freilich ! « versetzte jener ; » was siehst du hier ? « - » Wo denn ? « - » Grad hier vor der Nase . « Jarno streckte seinen Zeigefinger aus und deutete und rief ungeduldig : » Was ist denn das ? « - » Nun denn ! « sagte Wilhelm , » ein Kohlenmeiler ; aber was soll das hierzu ? « - » Gut ! endlich ! ein Kohlenmeiler ! Wie verfährt man , um ihn anzurichten ? « - » Man stellt Scheite an-und übereinander . « - » Wenn das getan ist , was geschieht ferner ? « - » Wie mir scheint « , sagte Wilhelm , » willst du auf sokratische Weise mir die Ehre antun , mir begreiflich zu machen , mich bekennen zu lassen , daß ich äußerst absurd und dickstirnig sei . « » Keineswegs ! « versetzte Jarno ; » fahre fort , mein Freund , pünktlich zu antworten . Also ! was geschieht nun , wenn der regelmäßige Holzstoß dicht und doch luftig geschichtet worden ? « - » Nun denn ! man zündet ihn an . « - » Und wenn er nun durchaus entzündet ist , wenn die Flamme durch jede Ritze durchschlägt , wie beträgt man sich ? läßt man ' s fortbrennen ? « - » Keineswegs ! man deckt eilig mit Rasen und Erde , mit Kohlengestiebe und was man bei der Hand hat , die durch und durch dringende Flamme zu . « - » Um sie auszulöschen ? « - » Keineswegs ! um sie zu dämpfen . « - » Und also läßt man ihr so viel Luft als nötig , daß sich alles mit Glut durchziehe , damit alles recht gar werde . Alsdann verschließt man jede Ritze , verhindert jeden Ausbruch , damit ja alles nach und nach in sich selbst verlösche , verkohle , verkühle , zuletzt auseinandergezogen als verkäufliche Ware an Schmied und Schlosser , an Bäcker und Koch abgelassen und , wenn es zu Nutzen und Frommen der lieben Christenheit genugsam gedient , als Asche von Wäscherinnen und Seifensiedern verbraucht werde . « » Nun « , versetzte Wilhelm lachend , » in Bezug auf dieses Gleichnis , wie siehst du dich denn an ? « - » Das ist nicht schwer zu sagen « , erwiderte Jarno , » ich halte mich für einen alten Kohlenkorb tüchtig büchener Kohlen , dabei aber erlaub ' ich mir die Eigenheit , mich nur um mein selbst willen zu verbrennen , deswegen ich denn den Leuten gar wunderlich vorkomme . « - » Und mich ? « sagte Wilhelm , » wie wirst du mich behandeln ? « - » Jetzt besonders « , sagte Jarno , » seh ' ich dich an wie einen Wanderstab , der die wunderliche Eigenschaft hat , in jeder Ecke zu grünen , wo man ihn hinstellt , nirgends aber Wurzel zu fassen . Nun male dir das Gleichnis weiter aus und lerne begreifen , wenn weder Förster noch Gärtner , weder Köhler noch Tischer , noch irgendein Handwerker aus dir etwas zu machen weiß . « Unter solchem Gespräch nun zog Wilhelm , ich weiß nicht zu welchem Gebrauch , etwas aus dem Busen , das halb wie eine Brieftasche , halb wie ein Besteck aussah und von Montan als ein Altbekanntes angesprochen wurde . Unser Freund leugnete nicht , daß er es als eine Art von Fetisch bei sich trage , in dem Aberglauben , sein Schicksal hange gewissermaßen von dessen Besitz ab . Was es aber gewesen , dürfen wir an dieser Stelle dem Leser noch nicht vertrauen , so viel aber müssen wir sagen , daß hieran sich ein Gespräch anknüpfte , dessen Resultate sich endlich dahin ergaben , daß Wilhelm bekannte : wie er schon längst geneigt sei , einem gewissen besondern Geschäft , einer ganz eigentlich nützlichen Kunst sich zu widmen , vorausgesetzt , Montan werde sich bei den Verbündeten dahin verwenden , daß die lästigste aller Lebensbedingungen , nicht länger als drei Tage an einem Orte zu verweilen , baldigst aufgehoben und ihm vergönnt werde , sich zu Erreichung seines Zweckes da oder dort , wie es ihm belieben möge , aufzuhalten . Dies versprach Montan zu bewirken , nachdem jener feierlich angelobt hatte , die vertraulich ausgesprochene Absicht unablässig zu verfolgen und den einmal gefaßten Vorsatz auf das treulichste festzuhalten . Dieses alles ernstlich durchsprechend und einander unablässig erwidernd , waren sie von ihrer Nachtstätte , wo sich eine wunderlich verdächtige Gesellschaft nach und nach versammelt hatte , bei Tagesanbruch aus dem Wald auf eine Blöße gekommen , an der sie einiges Wild antrafen , das besonders dem fröhlich auffassenden Felix viel Freude machte . Man bereitete sich zum Scheiden , denn hier deuteten die Pfade nach verschiedenen Himmelsgegenden . Fitz ward nun über die verschiedenen Richtungen befragt , der aber zerstreut schien und gegen seine Gewohnheit verworrene Antworten gab . » Du bist überhaupt ein Schelm « , sagte Jarno ; » diese Männer heute nacht , die sich um uns herum setzten , kanntest du alle . Es waren Holzhauer und Bergleute , das mochte hingehen , aber die letzten halt ' ich für Schmuggler , für Wilddiebe , und der lange , ganz letzte , der immer Zeichen in den Sand schrieb und den die andern mit einiger Achtung behandelten , war gewiß ein Schatzgräber , mit dem du unter der Decke spielst . « » Es sind alles gute Leute « , ließ Fitz sich darauf vernehmen ; » sie nähren sich kümmerlich , und wenn sie manchmal etwas tun , was die andern verbieten , so sind es arme Teufel , die sich selbst etwas erlauben müssen , nur um zu leben . « Eigentlich aber war der kleine , schelmische Junge , da er Vorbereitungen der Freunde , sich zu trennen , bemerkte , nachdenklich ; er überlegte sich etwas im stillen , denn er stand zweifelhaft , welchem von beiden Teilen er folgen sollte . Er berechnete seinen Vorteil : Vater und Sohn gingen leichtsinnig mit dem Silber um , Jarno aber gar mit dem Golde ; diesen nicht loszulassen , hielt er fürs beste . Daher ergriff er sogleich eine dargebotene Gelegenheit , und als im Scheiden Jarno zu ihm sagte : » Nun , wenn ich nach St. Joseph komme , will ich sehen , ob du ehrlich bist , ich werde den Kreuzstein und den verfallenen Altar suchen « - » Ihr werdet nichts finden « , sagte Fitz , » und ich werde doch ehrlich bleiben ; der Stein ist dorther , aber ich habe sämtliche Stücke weggeschafft und sie hier oben verwahrt . Es ist ein kostbares Gestein , ohne dasselbe läßt sich kein Schatz heben ; man bezahlt mir ein kleines Stück gar teuer . Ihr hattet ganz recht , daher kam meine Bekanntschaft mit dem hagern Manne . « Nun gab es neue Verhandlungen , Fitz verpflichtete sich an Jarno , gegen einen nochmaligen Dukaten , in mäßiger Entfernung ein tüchtiges Stück dieses seltenen Minerals zu verschaffen , wogegen er den Gang nach dem Riesenschloß abriet ; weil aber dennoch Felix darauf bestand , dem Boten einschärfte , die Reisenden nicht zu tief hineinzulassen , denn niemand finde sich aus diesen Höhlen und Klüften jemals wieder heraus . Man schied , und Fitz versprach , zu guter Zeit in den Hallen des Riesenschlosses wieder einzutreffen . Der Bote schritt voran , die beiden folgten ; jener war aber kaum den Berg eine Strecke hinaufgestiegen , als Felix bemerkte , man gehe nicht den Weg , auf welchen Fitz gedeutet habe . Der Bote versetzte jedoch : » Ich muß es besser wissen ! Denn erst in diesen Tagen hat ein gewaltiger Sturm die nächste Waldstrecke niedergestürzt ; die kreuzweis übereinandergeworfenen Bäume versperren diesen Weg : folgt mir , ich bring ' euch an Ort und Stelle . « Felix verkürzte sich den beschwerlichen Pfad durch lebhaften Schritt und Sprung von Fels zu Fels und freute sich über sein erworbenes Wissen , daß er nun von Granit zu Granit hüpfe . Und so ging es aufwärts , bis er endlich auf zusammengestürzten schwarzen Säulen stehenblieb und auf einmal das Riesenschloß vor Augen sah . Wände von Säulen ragten auf einem einsamen Gipfel hervor , geschlossene Säulenwände bildeten Pforten an Pforten , Gänge nach Gängen . Ernstlich warnte der Bote , sich nicht hineinzuverlieren , und an einem sonnigen , über weite Aussicht gebietenden Flecke , die Aschenspur seiner Vorgänger bemerkend , war er geschäftig , ein prasselndes Feuer zu unterhalten . Indem er nun an solchen Stellen eine frugale Kost zu bereiten schon gewohnt war und Wilhelm in der himmelweiten Aussicht von der Gegend näher Erkundigung einzog , durch die er zu wandern gedachte , war Felix verschwunden ; er mußte sich in die Höhle verloren haben , auf Rufen und Pfeifen antwortete er nicht und kam nicht wieder zum Vorschein . Wilhelm aber , der , wie es einem Pilger ziemt , auf manche Fälle vorbereitet war , brachte aus seiner Jagdtasche einen Knaul Bindfaden hervor , band ihn sorgfältig fest und vertraute sich dem leitenden Zeichen , an dem er seinen Sohn hineinzuführen schon die Absicht gehabt hatte . So ging er vorwärts und ließ von Zeit zu Zeit sein Pfeifchen erschallen , lange vergebens . Endlich aber erklang aus der Tiefe ein schneidender Pfiff , und bald darauf schaute Felix am Boden aus einer Kluft des schwarzen Gesteines hervor . » Bist du allein ? « lispelte bedenklich der Knabe . - » Ganz allein ! « versetzte der Vater . - » Reiche mir Scheite ! reiche mir Knüttel ! « sagte der Knabe , empfing sie und verschwand , nachdem er ängstlich gerufen hatte : » Laß niemand in die Höhle ! « Nach einiger Zeit aber tauchte er wieder auf , forderte noch längeres und stärkeres Holz . Der Vater harrte sehnlich auf die Lösung dieses Rätsels . Endlich erhub sich der Verwegene schnell aus der Spalte und brachte ein Kästchen mit , nicht größer als ein kleiner Oktavband , von prächtigem altem Ansehn , es schien von Gold zu sein , mit Schmelz geziert . » Stecke es zu dir , Vater , und laß es niemand sehn ! « Er erzählte darauf mit Hast , wie er , aus innerem geheimem Antrieb , in jene Spalte gekrochen sei und unten einen dämmerhellen Raum gefunden habe . In demselben stand , wie er sagte , ein großer eiserner Kasten , zwar nicht verschlossen , dessen Deckel jedoch nicht zu erheben , kaum zu lüften war . Um nun darüber Herr zu werden , habe er die Knüttel verlangt , sie teils als Stützen unter den Deckel gestellt , teils als Keile dazwischengeschoben , zuletzt habe er den Kasten zwar leer , in einer Ecke desselben jedoch das Prachtbüchlein gefunden . Sie versprachen sich beiderseits deshalb ein tiefes Geheimnis . Mittag war vorüber , etwas hatte man genossen , Fitz war noch nicht , wie er versprochen , gekommen ; Felix aber , besonders unruhig , sehnte sich von dem Orte weg , wo der Schatz irdischer oder unterirdischer Wiederforderung ausgesetzt schien . Die Säulen kamen ihm schwärzer , die Höhlen tiefer vor . Ein Geheimnis war ihm aufgeladen , ein Besitz , rechtmäßig oder unrechtmäßig ? sicher oder unsicher ? Die Ungeduld trieb ihn von der Stelle , er glaubte die Sorge loszuwerden , wenn er den Platz veränderte . Sie schlugen den Weg ein nach jenen ausgedehnten Gütern des großen Landbesitzers , von dessen Reichtum und Sonderbarkeiten man ihnen so viel erzählt hatte . Felix sprang nicht mehr wie am Morgen , und alle drei gingen stundenlang vor sich hin . Einigemal wollt ' er das Kästchen sehn , der Vater , auf den Boten hindeutend , wies ihn zur Ruhe . Nun war er voll Verlangen , Fitz möge kommen . Dann scheute er sich wieder vor dem Schelmen ; bald pfiff er , um ein Zeichen zu geben , dann reute ihn schon , es getan zu haben , und so dauerte das Schwanken immerfort bis Fitz endlich sein Pfeifchen aus der Ferne hören ließ . Er entschuldigte sein Außenbleiben vom Riesenschlosse , er habe sich mit Jarno verspätet , der Windbruch habe ihn gehindert ; dann forschte er genau , wie es ihnen zwischen Säulen und Höhlen gegangen sei ? Wie tief sie vorgedrungen ? Felix erzählte ihm ein Märchen über das andere , halb übermütig , halb verlegen ; er sah den Vater lächelnd an , zupfte ihn verstohlen