Bist Du morgen bey Ms ? Er . Das versteht sich ! Sie wissen , daß ich niemahls fehle . » Halte dich in meiner Nähe « - erwiederte ich - » das Uebrige wird sich finden « Ungeduldig eilte ich am folgenden Tage meinem bevorstehenden Siege entgegen , und zürnte schon , daß Sophie so lange verweilte . Endlich erschien sie , und von dem Augenblicke an , war es mein unablässiges Bestreben , ihre Geduld durch tausend Unarten , eine immer kränkender als die andre , zu ermüden . Aber mit himmlischer Sanftmuth und bewundernswürdiger Feinheit , wußte sie sie alle so zu mildern , und den Augen der Gesellschaft zu entziehn , daß ich beynahe verzweifelte , meinen Zweck zu erreichen . Doch als sie sich eben mit Heinrich in einem interessanten Gespräche befand , glaubte ich etwas Entscheidendes wagen zu müssen . Sophie ! - sagte ich ; und drängte Heinrich zur Seite ! - machen Sie mir doch einmal die Schnalle fest ! Eine hohe Nöthe überflog ihre Wangen ; aber ohne weiter auf mich zu achten , setzte sie ihr Gespräch mit Heinrich fort . Nun Sophie ? haben Sie mich nicht verstanden ? - sagte ich trotzig ; indem ich den Fuß auf einem Stuhle ruhen ließ . Sehr gut Herr v. S. - antwortete sie , mitleidig lächelnd - ich bedaure , daß Sie sich nicht recht wohl befinden ; und in dem Augenblicke nahm sie Heinrichs Arm und entfernte sich in das Nebenzimmer . Da stand ich , und war ungewiß : ob ich träumte oder wachte . - Den ganzen Abend würdigte sie mich keines Blickes mehr ; und eine traurige Ahnung von dem was meiner warte , durchdrang mein Herz . Den andern Morgen eilte ich in ihre Wohnung ; aber man sagte mir : sie sey zu einer Freundin aufs Land gereist , und diesen Morgen sey ein Zettel an Heinrich abgegangen . Was ist es ? - rief ich diesem entgegen - um Gottes willen was ist es ? was hat sie dir geschrieben ? Daß sie Ihnen ein für alle Mal ihr Haus verbietet ; und daß sie während Ihres hiesigen Aufenthalts , einen andern Wohnort wählen würde . Heinrich ! - rief ich ; und warf mich an seine Brust - wirst Du mich auch .... vor Schmerz konnte ich nicht weiter sprechen ; aber er errieth mich . Nein ! - sagte er - dafür sey Gott ! wie könnte ich dich jetzt verlassen da du die Hölle in deinem Herzen haben mußt ! - Drittes Buch Erstes Kapitel Als Marie mich verließ ; haßte ich jede Zerstreuung . Jetzt aber floh ich die Einsamkeit eben so sehr , wie ich sie damals gesucht hatte . Ach Mariens Verlust hatte nur mein Herz , nicht mein Gewissen verwundet . Jene Wunden heilt die Einsamkeit , diese macht sie tödtlich . Das empfand auch ich ; und so stürzte ich mich ohne Rückhalt in den Strudel der gesellschaftlichen Vergnügungen . Lange suchte ich einen Gegenstand um die schreckliche Leere in meinem Busen auszufüllen ; aber da war nichts Marien , nichts Sophien ähnliches zu finden . Man wollte mit aller Gewalt von mir bemerkt seyn , und ich war noch zu sehr verwöhnt , um nicht durch eben dieses Bestreben zurückgeschreckt zu werden . Schon fing die Langeweile an , sich meiner in den großen Zirkeln zu bemächtigen ; als der Zufall mir entgegenführte , was ich so lange vergeblich gesucht hatte . Einst da ich mich im Schauspielhause meinen gewöhnlichen Träumereyen überließ ; ward meine Aufmerksamkeit durch zwey weibliche Stimmen angezogen , welche aus der benachbarten Loge zu kommen schienen . Noch waren die Lichter nicht angezündet , und das Geräusch der Kommenden ließ mich nur einige Worte erhaschen ; doch begriff ich , daß die Rede von den Männern war . Die Kommenden machten eine Pause - ich horchte - » Ach ich dächte gar ! - sagte die eine Stimme - zum Auslachen sind sie gut ; und dazu habe ich sie gebraucht « . Die andre Stimme wandte etwas ein ; aber es ging für mich verloren , so wie alles was sie nachher zum Gespräche beytrug . » Glaubst Du « - fuhr die erste Stimme fort - » daß es jemahls Einer von ihnen redlich mit uns gemeynt habe ? - Die andre Stimme - - - Die Erste . Ja so lange wir ihre Sinnlichkeit beschäftigen . Die Andre - - - Die Erste . Komödie ! nichts als Komödie ! so bald es gegen uns geht , sind sie alle Freunde ! Abermahls das Geräusch der Kommenden . - - Die Lichter wurden angezündet ; aber noch blieben meine Frauenzimmer im Hintergrunde der Loge . Hätte ich mich hervorgewagt ; so würde es hell genug gewesen seyn um sie beobachten zu können : aber für jetzt interessirte mich ihr Gespräch mehr als ihre Gestalt , und ich beschloß ruhig in meinen Winkel zu verharren . Ziemlich klug berechnet - doch jetzt begann das Orchester zu stimmen , und von nun an war es unmöglich etwas zu verstehen . Zweytes Kapitel Sehen willst du sie wenigstens ! - dachte ich ; und trat vorn in die Loge . Auch meine Sprecherin näherte sich jetzt ; doch so , daß sie mir den Rücken zuwandte . Aber das Gesicht der andern Stimme konnte ich ziemlich genau beobachten . Es war halb in eine schwarze Florkappe gehüllt ; und schien nicht zu den jüngsten zu gehören . Doch war es nichts weniger als unangenehm ; und ein Zug von sanfter Melancolie erhob es sogar bis zum Interessanten . Aber ich hatte nicht lange Zeit ; diesen Beobachtungen nachzuhängen . Die außerordentliche Lebhaftigkeit meiner Sprecherin machte mir so viel zu schaffen , daß ich bald nichts mehr sah und hörte als sie . Mit unbeschreiblichem Muthwillen fiel sie jetzt noch immer über die Männer her ; ein Einfall jagte den andern , und es lag so viel wahrer Witz in dem was sie sagte : daß es mehrmals der äußersten Ueberwindung bedurfte , um nicht , auf Kosten meines eigenen Geschlechts , in ein lautes Lachen auszubrechen . Dabey war der niedliche Körper in unaufhörlicher Bewegung ; die schwarzen Locken flogen hin und her auf dem blendenden Halse , und die runden Aermchen gesticulirten so lebhaft ; daß ich mich häufig genöthigt sah , ihnen auszuweichen . Doch vergebens ! - indem ich mich , um ein abermahliges Lachen zu verbeißen , auf den Rand der Loge bückte , bekam ich einen so heftigen Stoß in meine Frisur , daß die Sprecherinn und ich , plötzlich in eine kleine Wolke von Puder gehüllt wurde . Ein so anhaltendes , so sonderbar abwechselndes , aber auch zugleich so unbeschreiblich reizendes Lachen , als worin sie jetzt ausbrach , erinnere ich mich wirklich nicht in meinem Leben gehört zu haben . Vergebens winkte , ermahnte ihre Begleiterin , vergebens bat ich , ohngeachtet meiner Unschuld , tausendmahl um Verzeihung - es half alles nichts . - Jedes Mahl wenn sie mich wieder ansah , begann es von neuem , und weckte meine Sehnsucht , das reizende Geschöpf in meine Arme zu schließen so sehr , daß ich sie zuletzt äußerst ernsthaft bitten mußte , mich zu verschonen . Wußte sie was in mir vorging - oder was war es sonst , was sie plötzlich so rührte ? mich dünkte , als steige eine Thräne in ihr großes funkelndes Auge , und als zitterte ihre schöne Hand in der Meinigen . Eben so unbekümmert wie vorhin bey ihrem Lachen , war sie es jetzt bey unsrer gewiß sehr auffallenden Attitude . Schon zweymahl hatte ich ihre Hand geküßt ; aber noch immer zog sie sie nicht zurück , und sah mich dabey an , als wolle sie mich bis auf das Innerste der Seele erforschen . Meine Verwirrung war aufs höchste gestiegen , als der Vorhang aufflog , und sie , wie aus einem Traume erwachend , und mit einem Tone , der eine abschlägige Antwort unmöglich machte , mir sagte : » morgen kommen Sie zu mir . Mein Kammerdiener wird Ihnen meine Adresse bringen . « Drittes Kapitel Es versteht sich , daß ich nicht säumte . Mein Wagen hielt - der Adresse zufolge - vor einem Pallaste , dessen Inneres der Pracht des Aeußerem vollkommen entsprach . Eine Menge schwarzer und weißer Bedienten strömten mir entgegen , und man führte mich in einen Sallon , der mit wahrhaft asiatischer Ueppigkeit möblirt war . Endlich erschien sie selbst in ein sehr einfaches aber äußerst reizendes Morgengewand gehüllt . Die dunkeln Haare hoch auf dem niedlichen Köpfchen befestigt , so daß jede Bewegung des blendenden Halses sichtbar wurde . Ein paar schwarze , funkelnde Augen , von zwey langen Augenbraunen umkränzt , ein aufgestülptes Näschen , ein verwegnes Rosenmäulchen , das alle Augenblicke ein paar Reihen Perlenzähne verrieth , und ein rundes , aber unbeschreiblich leichtfüßiges Figürchen - das alles , mußte ich mir gestehen , machte freylich kein regelmäßig schönes , aber doch ein höchst anziehendes Ganzes aus . Sie setzte sich , und winkte mir , mich neben sie zu setzen . Jetzt wollte ich reden ; aber sie bedeutete mir Stillschweigen , und betrachtete mich fortwährend mit einer sonderbaren , gespannten Aufmerksamkeit . Aeußerst verlegen , wie ich diese Aufnahme deuten sollte , ergriff ich ihre Hand und ließ meine Blicke für mich sprechen , als zwey schwarze sehr prächtig gekleidete Mädchen , das Eine mit dem Frühstück , das andre mit einer Laute hereintraten . Die Laute begann und das schwarze Mädchen unterhielt uns , während des Frühstücks mit einigen sehr angenehmen Liedern , welche durch ihre schöne Stimme außerordentlich gehoben wurden . Aber jetzt winkte Gräfin B. , und beyde Mädchen verschwanden . Viertes Kapitel » Ich habe Sie vorhin nicht reden lassen - hub sie an - weil ich es nicht leiden kann , daß man mich unterbricht , wenn ich etwas überlege . « Sie gefallen mir und ich denke eine Ausnahme mit Ihnen zu machen . » Ich habe zwar über sie gelacht , « und habe Ihnen auf diese Weise als Mann Gerechtigkeit widerfahren lassen , aber es schmerzt mich und ich mag nun ein für alle Mahl nicht , daß mich etwas schmerzt . « - Hier hielt sie einen Augenblick inne ; aber plötzlich fuhr sie mit einer possierlichen Heftigkeit heraus : » ich kann Ihnen nicht helfen ! Sie müssen Ihre Frisur abschaffen ! « » Wie gern ! « - antwortete ich - » wenn ich Ihnen dann besser gefalle . « » O verstehn Sie doch ! « - rief sie ungeduldig - » Sie gefallen mir ja recht sehr ! aber die Erinnerung an die fatale Scene mißfällt mir . « » Es war mir unmöglich , bey ihrem komischen Ernste das Lächeln zu unterdrücken . « » Ja ja ! ich weiß es wohl ! « - fuhr sie fort - » daß man gewöhnlich das nicht so gerade heraus sagt ; aber das Leben ist zu kurz , und ich bin des Zwangs zu wenig gewohnt , als daß ich mich da bey langen Wenns und Abers aufhalten sollte . « » Die Hauptsache ist nun « - indem sie vor einen Spiegel trat , und ihre Haare noch etwas höher steckte - » ob ich Ihnen gefalle ? « - Jetzt setzte sie sich wieder , stützte den Kopf auf ihren schönen Arm , diesen auf ihr Knie , und ihre großen , brennenden Augen ruhten unverwandt auf mir . » Theure Gräfin ! « rief ich - » gebe der Himmel , daß ich Ihnen so sehr , und so lange gefalle , als Sie mir gefallen werden ! « » Wahrhaftig , Sie haben Recht ! « - antwortete sie ; und eilte das Zimmer auf und ab - » doch wenn ich bedenke « - indem sie den Finger an das Stumpfnäschen legte , und vor mir stehen blieb - » Nein ! nein ! ich kann doch sehr lange etwas lieben ! - kommen Sie ! kommen Sie ! Sie müssen überzeugt werden ! « Fünftes Kapitel Wir traten in eine Gallerie , welche mit Gemälden von den besten italiänischen Meistern geziert war . » Sehen Sie ! « sagte sie ; indem sie mich auf einige der vorzüglichsten aufmerksam machte - » das hat mich ein ganzes Jahr lang beschäftigt . Hier saß ich und zeichnete vom Morgen bis in die Nacht , vergaß Essen und Trinken , Schauspiel , Spaziergänge , Bekannte und Freunde darüber . « » Aber endlich - nun ja endlich ward ich es müde . - Ach es war doch alles todt ! konnte mir nicht antworten , konnte mich nicht verstehen ! « - » Nun warf ich mich auf die Musik . Mich dünkte die Töne nannten das was mir fehlte . - Ja sie nannten es wohl ; aber das machte mir schmerzhafte Empfindungen ; und die hasse ich nun ein für alle Mahl . Können Sie es mir verdenken , daß ich die Musik verließ ? « » Hinaus in die schöne große Natur - dachte ich ; und ging auf meine Güter . Stellen Sie sich um Gotteswillen vor ! ich hielt es ganzer zwey Jahre aus , und brachte eine Menge Pflanzen , Steine und andere Kramereyen mit , die mich noch volle sechs Monate beschäftigten . « » Hierauf legte ich eine kleine Menagerie von Federvieh an ; und ich versichere Sie , das war wirklich amüsant ! « » Aber endlich « - sagte ich lächelnd . » Nun ja ! « - antwortete Sie - » endlich ward es mir langweilig . Aber bedenken Sie auch ! es war immer das ewige Einerley . Die Dinger legten Eier , brüteten , pflegten ihre Jungen ; und jedes Frühjahr ging die ganze Geschichte von vorn wieder an ! « » Aber jetzt « - fuhr sie fort - » will ich Sie überzeugen : daß ich wirklich einer dauernden Anhänglichkeit fähig bin . » Milly ! Milly ! « - rief sie zur Thüre hinaus - » wo ist Hannibal ? laß ihn geschwinde einmal herkommen ! « » Hannibal ! « - dachte ich - » was Henker ! « - Indem trat Milly , eine hübsche Blondine , mit einem ungeheuren , aber sehr schön gezeichneten Hunde herein . Hannibal machte anfangs Miene nicht viel von mir übrig zu lassen ; aber auf einen Wink seiner Gebieterin lag er zu ihren Füßen . » Sehen Sie « - sagte sie - » diesen Hund habe ich nun schon fünf Jahre , und halte noch außerordentlich viel auf ihm . Es ist ein Landsmann von Milly , ich habe ihn mit aus England gebracht , nachher hat er mit uns die Reise nach Westindien , und durch den südlichen Theil von Europa gemacht . » Nach Westindien ? « - wiederholte ich . » Ach es ist ja wahr ! « - fuhr sie fort - » das habe ich Ihnen noch nicht gesagt . Nun , morgen sehen wir uns wieder . « - Jetzt reichte sie mir die Hand zum Kusse , Hannibal sah mich sehr tückisch an , und Milly begleitete mich wehmüthig lächelnd bis zur Thüre . Sechstes Kapitel » Warum lächelte Milly so wehmüthig ? « - sagte ich zu mir selbst , als ich von der sonderbaren Scene betäubt zu Hause kam . » Wie ! sollte Gräfin B. wohl gar ihre Leute auf westindisch behandeln ? und solltest du vielleicht nichts als ein Sclave mehr für sie seyn ? - Dem muß man auf die Spur kommen , und zwar morgenden Tages ! « - Sie selbst führte die Gelegenheit herbey . » Sie haben eine Eroberung gemacht ! « - rief sie mir am folgenden Morgen entgegen - » Milly ist mit ganzer Seele die Ihrige ! - Sie hält ordentliche Reden zu Ihrem Lobe , und bemüht sich darin , das Unbegreifliche begreiflich zu machen . « Ich . Das Unbegreifliche ! - 4Sie . Ja , denn sie behauptet : Sie wären ein Mann , und doch zugleich auch keiner . - Ich . Sonderbar ! und das soll zu meinem Lobe gereichen ? - Sie . Allerdings ! Daß Sie das Aeussere eines Mannes haben , läugnet sie zwar nicht ; aber doch will sie , ich weiß nicht , was , in Ihren Zügen entdeckt haben . - Sie sollen sanft , treu , außerordentlich zärtlich , nichts weniger als ungerecht , auffahrend , tyrannisch oder etwas dem Aehnliches seyn . - » Nun frage ich Sie aber : ob dies , sobald Sie für einen Mann gelten wollen , nicht der baareste Unsinn ist ? « - Ich . Theure Gräfin ! was haben Ihnen doch die Männer gethan ? - Sie . Warten Sie ! warten Sie ! das muß Ihnen Milly beantworten ! Jetzt sprang sie zur Klingel , und Milly erschien . » Milly ! « - sagte sie - » erzähle dem Herrn doch ein wenig von meinem Manne . » Ach der Lord « - begann Milly im gebrochnen Teutsch - » war der bravste Herr von der Welt ! er liebte seine Leute wie ein Vater , und betete Mylady an . « » Freylich war er nahe an 60 und Mylady kaum 17. - Er hatte das Podagra , und das machte ihn manchmal ein wenig mürrisch ; aber « .... » Kleine Hexe ! « - rief die Gräfin - » was ist das für ein albernes Erzählen ? - Ruf mir Robert , ich sehe schon , was da herauskommen wird ! « - Jetzt stand Robert vor uns ; ein hübscher , rothwangiger Junge , mit hochgelben Locken . » Mein Haushofmeister « - sagte die Gräfin zu mir . - » Höre , Robert ! « - fuhr sie , sich zu ihm wendend , fort . - » Milly wollte sich da eben in das Lob meines Mannes vertiefen ; du , hoffe ich , wirst ein bessers Gedächtniß haben . Nicht wahr ? du hast es noch nicht vergessen : wie ich von ihm gepeinigt worden bin ? « Robert . Nun ja , das ist wahr ! Mylady hat viel ausgestanden ! - Die Gräfin . Den ganzen Tag eingesperrt ! - Rob . Und die immerwährenden Klagen ! - Die Gräf . Ja , und Vorwürfe oben drein ! wenn ich einmal ausgehen wollte - Rob . Und ein ganzes Heer Wächter ! - Die Gräf . Als ob ich gleich davon laufen würde ! - Rob . Ach Gott ja ! Mylord war sehr wunderlich ! aber er liebte Mylady von ganzer Seele . - Die Gräf . Ja , so sehr , daß er mir beynahe die Luft zugemessen hätte ! - Rob . Freilich ! Freilich ! - aber nun sollte Mylady das doch endlich einmal vergessen , und Unsereinen .... Die Gräf . Nun ? - was Unsereinen ? - heurathen und auch ein Mädchen unglücklich machen lassen ? - Rob . Großer Gott ! würde ich dann Milly unglücklich machen ? Die Gräf . Nun ! nun ! macht mir den Kopf nicht zu warm ! sonst könnt ihr ' s noch erleben , daß ich euch zusammenkuppeln lasse ! wenn ihr ' s denn schlechterdings nicht besser haben wollt . Aber das sage ich euch ! kommt mir nachher nicht mit Klagen ! - » Nimmermehr ! nimmermehr Mylady ! « - rief Robert , und küßte ihr mit Inbrunst die Hand . Milly hatte gehorcht , und stürzte sich jetzt auf die andre Hand ihrer Gebietherin . » Schon gut ! schon gut ! « - sagte die Gräfin - » eßt mich nur nicht ganz auf ! Jetzt geht an Eure Arbeit , und daß ich euch heute nicht wieder zusammen erblicke ! Siebentes Kapitel » Aber das war doch hart ! liebe Gräfin ! « - sagte ich , als Milly und Robert uns verlassen hatten . - » Nichts weniger ! « - antwortete sie - » hätte ich nicht aus allen Kräften dagegen gearbeitet , so wären sie seit zwey Jahren verheurathet , und einander schon so überdrüßig , daß sie sich kaum mehr sehen möchten . « » Dieß ist die schönste Zeit ihres Lebens . Ich habe sie so viel als möglich zu verlängern gesucht ; aber die kleine Gans hat mich den ganzen Tag mit ihrem Geschnatter verfolgt . Sie meynt : daß wenn ich nur erst einmal ordentlich liebe , ich ganz anders von der Ehe denken , und minder streng gegen Robert seyn würde . « Ich . Sollte sie so ganz unrecht haben ? liebe Gräfin . - Sie . Ach wie kann ich denn das wissen ! ich habe ja niemals ordentlich geliebt . Ich . Niemals ! - Sie . Nun ja ! manchmal kam es mir freilich so vor , aber in kurzer Zeit sah ich , daß ich mich geirrt hatte . Sie schwieg , und ich war zu empfindlich , um antworten zu können . » Mit Ihnen « - hub sie endlich wieder an - » dünkt es mich nun freilich etwas Anderes ; aber eine Heurath möchte ich doch um alles in der Welt nicht darauf wagen ! - Ich . Und das sagen Sie mir so ohne alle Schonung ! - Sie . Warum nicht ? - Möchten Sie lieber , daß ich Sie betröge ? - Ich . Um des Himmels Willen nicht ! Sie . Nun sehen Sie wohl ! - Glauben Sie mir ! überlassen Sie das alles der Zeit . Nur sie kann uns lehren , wie viel wir uns werden können . » Aber mit dem Grafen « - sagte ich ziemlich unmuthig - » waren Sie nicht so vorsichtig . « - » Nein , wahrhaftig nicht ! « - antwortete sie - » aber ich war ein Kind , und mein Vater , ein westindischer Pflanzer , glaubte mich und sein ungeheures Vermögen keinen bessern Händen anvertrauen zu können . Aber die Trennung von mir kostete ihm das Leben ; während ich von nichts als von Bällen , Assembleen und neuen Moden träumte , und die Reise nach England so leicht wie eine Spatzierfahrt machte . « Jetzt meldete Milly einen sehr vornehmen Besuch , und ich war froh , unter diesem Vorwande mich entfernen , und meine üble Laune den Augen der Gräfin entziehen zu können . Achtes Kapitel » Wie ist es denn ? « dachte ich , als ich zu Hause kam - » liebst du dieses sonderbare Wesen ? oder liebst du es nicht ? - Willst du dich der Gefahr aussetzen , wie ihre Vögel und Hühner verabschiedet zu werden , oder kannst du dir mit Hannibals glücklichem Schicksale schmeicheln ? « - » Poßierlich ! « - rief ich lachend - » Hannibals Nebenbuhler ! - müssen doch sehen : ob wir ihm den Rang abgewinnen können ! « Jetzt erwachte meine Eitelkeit , und nun dachte ich nicht mehr daran , mir Rechenschaft von meinen Empfindungen zu geben . Meine Besuche bey der Gräfin wurden häufiger , und mit jedem fühlte ich mein Herz , oder vielmehr meine Sinnlichkeit , mehr angezogen . Sie war zu lebhaft , und ich zu jung , als daß wir nicht bald alle mögliche Arten , uns unsre sogenannte Liebe zu beweisen , versucht haben sollten . Muß ich der Neuheit des Vergnügens , der Jugendkraft meines Körpers , oder der reizenden Zauberin allein , den unaussprechlichen Wonnetaumel danken , in den ich versank ? - ich weiß es nicht ! - aber , mit einer Art von Dankbarkeit bekenne ich noch jetzt : daß ich den höchsten sinnlichen Genuß nur in ihren Armen gefunden habe . Alles um mich her war verwandelt ! - es war eine andere Sonne , die mir jetzt leuchtete ! - es war eine andere Luft , die meine Brust belebte ! - so hatten die Blumen niemals geduftet ! - so hatten die Vögel niemals gesungen ! - ach ! und die Nacht ! - sie war zu kurz - aber wie beseligend war sie ! - Doch bald hatte ich keinen Sinn mehr für das , was mich umgab . Nur durch Amalia dacht ich , empfand ich - nur in ihr , nur mit ihr wollt ich leben - alles Andre war todt für mich . Meine Anhänglichkeit war Leidenschaft , meine Leidenschaft war ein schnell um sich greifendes verzehrendes Feuer geworden . Auch sie fühlte es in ihrem Busen - eine Trennung von wenigen Augenblicken , und wir wollten beyde verzweifeln . - Ach ! wir glaubten ewig nur ein Wesen ausmachen zu müssen . - - Neuntes Kapitel Weckte sie Leichtsinn , oder Vernunft ? - genug sie erwachte zuerst aus dem schönsten der Träume , und wollte auch mich daraus wecken . Die Grausame ! fühlte sie nicht daß es mein Leben galt ? - fühlte sie nicht , daß die erbärmliche Wirklichkeit die sie mir anprieß , mich elend machte ! - jetzt da ich sie mit der namenlosen Womne , die mein ganzes Wesen durchströmte , und die sie Täuschung nannte , vergleichen konnte ! - Ach die Kalte ! Treulose ! ich suchte sie wieder an meinem brennenden Herzen zu erwärmen - aber das göttliche Feuer drang nicht bis zu dem ihrigen ! - sie war und blieb todt in meinen Armen . Da schäumte ich vor Wuth - da lief ich hinaus in Sturm und Regen und wußte nicht wo ich war , und kannte mich selbst nicht mehr . Das Herz wollt ' ich mit eignen Händen mir zerfleischen , in die Fluth wollt ' ich mich stürzen , um den verzehrenden Brand in meinem Innern zu löschen . Ach Gott ! da zog es mich wieder gewaltsam zu ihr hin - da fühlte ich , daß ich noch lebte , und nur lebend sie noch sehen , sie noch umarmen konnte . - Da gingen die wonnevollen Stunden noch einmal wehmüthig lächelnd vor mir vorüber . - » Flieht nicht ! flieht nicht auf ewig « ! - rief ich ; und breitete meine Arme weit aus , als wollte ich meine ganze scheidende Glückseligkeit noch einmal umfangen . Aber es war nur die Luft die ich umarmte - und das Wesen was in diesen Armen sonst vor Wonne erbebte - das Wesen war fern - vergaß mich vielleicht - dieser Gedanke öffnete eine Hölle ! - ich stürzte zurück , und fand mich an ihrer Thüre , ohne zu wissen , wie ich dahin gekommen war . Zehntes Kapitel Ich hörte ihre Stimme ! - es waren schmeichelnde Worte die sie sprach - meine Hand zitterte an der Thüre - sie sprang auf . - Da lag das verhaßte Thier an ihrer Seite , und sein Kopf ruhte auf ihrem Schooße . Sie gab ihm die zärtlichsten Namen ; mehr als ein Mal beugte sie sich zu ihm nieder ; und kaum athmete ich vor Angst : ihre Lippen würden es berühren . Hölle und Tod ! jetzt wirklich ! - » Den Hund weg ! « - schrie ich - » habe ich Ihnen das nicht hundertmal verboten ! - Verboten ! - sagte sie ; spöttisch lächelnd - so was verbietet sich auch ! - Den Hund weg ! - schrie ich noch einmal ; und sah sie vor meiner Stimme erblassen : aber das Thier blieb auf seiner Stelle . Zum dritten Male wollte ich ihr zurufen , aber die Wuth verschloß mir den Mund . Noch war ich in meiner Jagdkleidung ; ein Griff an das Messer , und der Hund lag blutend zu meinen Füssen . Jetzt erst fühlte ich mein Unrecht ; und hoffte noch er sey nicht tödtlich verwundet : aber als ich das Messer aus seiner Seite zog ; starb er unter meinen Händen . Schon so manches Thier hatte ich erlegt ; aber das hatte ich nie dabey empfunden . In der That , es war das Vorgefühl von der Angst eines Mörders . Ich stand da wie ein Verurtheilter und hatte nicht den Muth die Augen zu ihr aufzuschlagen . Aber als ich es endlich wagte - o Gott ! da lag sie blaß , entstellt und ohne Bewußtseyn auf der Lehne des Sopha ' s. Um Hülfe konnt ' ich , durft ' ich nicht rufen . - Alles triefte von Blut . - Mit unaussprechlicher Bangigkeit schloß ich sie in meine Arme , bedeckte ihren Mund mit tausend brennenden Küssen , beschwor sie zu erwachen , mich nicht so fürchterlich zu bestrafen . Endlich schlug sie die Augen auf ; und ich athmete wieder . Eilftes Kapitel Aber wie schlug sie sie auf ! - ich dachte sie würde mit dem ersten Blicke mich tödten . - Jetzt sah sie auf den Hund ; und stieß ein durchdringendes Geschrey aus . Milly stürzte erschrocken herein ; und blieb wie versteinert als sie ihre Gebieterin mich laut als einen Mörder anklagen hörte . » Ein Mörder ! « - rief sie - o Gott ! wen hat er denn ermordet ? - Statt aller Antwort zeigte Amalia auf den Hund ; und warf sich wimmernd neben ihn hin . Ich wollte sie aufrichten , aber wüthend stieß sie mich von sich . » Aus meinen Augen ! « - schrie sie - » und daß ich dich niemahls wieder erblicke ! « Ich bat , ich flehte , - vergebens ! - auch Milly sah jetzt mit Abscheu auf mich . » Milly « - rief ich - » bey Gott ! ich