Rennen den Kiss-y-Darr80 reite , werde er sofort unter die Aeltesten der Taki-Kurden aufgenommen ; in einem Jahre könne er schon Scheik geworden sein , und dann werde sich kein Ustad mehr weigern , die Dschamikun durch einen Bund mit den Taki-Nachbarn so mächtig zu machen , daß sich kein Feind mehr an sie wagen könne . « » Ah , so ! Das , das ist die Leimrute gewesen , an welcher Tifl hängen geblieben ist ! Er glaubte , es gut mit uns zu meinen ? « » Wie denn anders , Effendi ? Denkst du etwa , daß Tifl im stande sei , jemals unsern Schaden zu wollen ? Das Kind ist eben noch dumm . Ich habe es zu erziehen . Später , wenn diese Erziehung vollendet ist , wird es keinem Scheik ul Islam mehr gelingen , ihm Sand in die Augen zu streuen . Und das Kind ist nicht bloß dumm , sondern auch gescheidt und klug . Es wird sich drüben bei den Taki-Kurden umschauen und sehr bald einsehen , daß man es dort nur an der Nase führen will . Dann kommt es wieder . Darauf kannst du dich verlassen , Effendi . Ich freue mich schon darauf ! « » Wie hieß das Pferd , welches er gegen uns reiten soll ? « » Kiss-y-Darr . « » Sonderbarer Name ! Was ist das für ein Pferd ? « » Das weiß ich nicht . Tifl hat mir weiter nichts gesagt , als daß es eigentlich das Eigentum des Ustad sei . Nun aber muß ich in die Küche , Effendi , weil es heut eine große Sukdscha81 mit Zucker und Zitrone gibt . Die hat der Ustad mich gelehrt , zu machen . Sie ist eines seiner Leibgerichte in der warmen Jahreszeit , und so soll er sie heut bei seiner Heimkehr haben . « » So hüte dich , wieder Salz anstatt Zucker zu nehmen ! « » Allah verhüte es ! Aber mein Aerger ist noch nicht heraus , und so wäre es wohl kein Wunder , wenn ich es täte ! « Sie kehrte in ihr Reich zurück , und ich setzte meinen unterbrochenen Weg nach der Pferdeweide fort , wobei ich mich mit einigen Aepfeln versah , nicht nur für Syrr , sondern auch für Assil . Denn , so lächerlich es auch klingen mag , weil es sich doch nur um Tiere handelt , es erschien mir ungerecht , dem einen , wohlverdienten , Etwas vorzuenthalten , was das andere bekam , ohne schon auch nur Aehnliches geleistet zu haben . Sie standen bei einander , fast zärtlich Kopf an Kopf . Ich gab ihnen die Aepfel nicht direkt , sondern ich legte sie vor sie hin in das Gras . Beide senkten die Köpfe zu gleicher Zeit , hoben sie aber auch zugleich wieder in die Höhe . Warum ? Aus Neidlosigkeit . Edles Blut ! Keine Spur von Habgier . Jedes von ihnen sah , daß das andere die Früchte haben wollte und zog darum den Kopf bereitwillig zurück . Keines langte wieder nieder . Syrr aber rieb sein Maul an Assils Hals . War das eine Aufforderung , zu nehmen und zu fressen ? Ich hob die Aepfel auf und gab jedem das Seinige . Da langten beide zu - - - Tiere ! Von jetzt an versorgte ich auch Assil wieder mit eigener Hand . Er war das so gewohnt und hatte es verdient . Eben als ich beiden Pferden ihre Abendgerste gab , sah ich drüben jenseits der Ruinen einen Reiter kommen , den Duar vermeidend , über Stock und Stein , aus dem hintern Tal herauf quer auf die Brüche zu . Das war fast wagehalsig ! Als er den obern Steinbruch erreichte , erkannte ich ihn ; es war - - - Tifl . Als ob das Wort seiner Pekala ihn herbeigezogen hätte ! Er lenkte nach dem Glockenwege und dann linksab zu mir . Der Schritt seines Pferdes wurde immer langsamer und zögernder , je näher er mir kam . Endlich hielt er ganz an , wohl über zehn Pferdelängen von mir entfernt . » Effendi , darf ich wiederkommen ? « fragte er . Ich antwortete nicht . Er wartete eine kleine Weile und fuhr dann verlegen fort : » Da drüben ist die Hölle ! Ich mag nichts von ihr wissen ! « Natürlich blieb ich still . » Und heut kam der Sonntag ! Am Freitag plärrten sie den ganzen Tag . Das klang so kindisch . Fast habe ich mich an ihrer Stelle geschämt ! Nun betete ich heut . Sie sahen es . Ich tat es still ; ich plärrte , plapperte und murmelte nicht wie sie . Da lachten sie mich aus und schimpften mich einen Kafir82 . Ich dachte an unsere Glocken , an unsern Sonntagsgesang , an unser Beit-y-Chodeh , an meine gute Pekala , an den Ustad , an dich , Effendi , an Alles , Alles , Alles ! Da hielt ich es nicht länger aus . Ich mußte fort , nur fort ! Ich kann die Gesichter da drüben nicht leiden . Sie sind so sanft , so fromm und doch so unverschämt ! Als ob sie lauter heilige Engel seien und ich ein ganz verlorenes , von Gott verstoßenes Subjekt ! Sie wollten mir meinen Chodeh nehmen , den ich verehre . Sie sprachen schlecht von meinem Ustad , den ich liebe . Und sie sprachen von den Dschamikun wie von ganz albernen Geschöpfen , denen man ihren Ustad verbieten müsse , wenn man brauchbare Menschen aus ihnen machen wolle . Das ergrimmte mich so , daß ich sie hätte erwürgen mögen , diese Dummköpfe . Aber ich kämpfte meinen Zorn nieder , ging heimlich aus dem Duar , holte mir mein Pferd von der Weide und - - - - - - nun bin ich wieder da , Effendi ! « Das war eine lange Rede . Er hatte sie nicht etwa fließend gehalten , sondern seine Sätze von Pause zu Pause wie mit Gewalt herausgestoßen . Nun wartete er , ob ich endlich Antwort geben werde . Ich tat es nicht . Da trieb er sein Pferd etwas näher heran , stieg ab , kam auf mich zu und sagte : » Sprich doch , Effendi , sonst fange ich an , zu weinen ! Es war falsch und dumm von mir , daß ich ging . Sei gut wie immer , und verzeihe mir ! Was willst du denn auch anders mit mir machen ; ich bin doch Euer alter , treuer Tifl ! « Ich war im Stillen gerührt , zeigte ihm dies aber nicht , sondern deutete nach dem Hause und sagte : » Der Ustad ist wieder da ; er mag entscheiden . Geh zu ihm ! « Da holte er sein Pferd . Indem er es an mir vorüberführte , hingen seine Augen an Syrr , mit einer Bewunderung , als ob er etwas Ueberirdisches sehe . Er getraute sich aber nicht , noch Etwas zu sagen . Ich schaute ihm nicht nach , hörte aber gleich darauf eine weibliche Stimme jubeln . Die Festjungfrau nahm ihr Herzens- und Schmerzenskind wieder in Empfang . Das war eine neue Aufregung für sie , infolge deren die ebenso bedenkliche wie berechtigte Frage in mir auftauchte : Was wird nun wohl aus der Kalteschale werden ? ! Als ich dann wieder vor auf den Hof kam , stand Kara mit den Kamelen zum Aufbruche bereit . Er war gut bewaffnet . Einer von Dschafars Reitknechten sollte ihn begleiten . Der Bericht an den Herrscher war aber noch nicht fertig . Der Ustad stand auf seinem Balkon ; er winkte mir , hinaufzukommen . Tifl lehnte an einer der Säulen vor der Halle . Als ich an ihm vorüberwollte , sagte er : » Effendi , unser Ustad hat mir verziehen ; ich darf hierbleiben . Willst du nicht auch so gütig sein wie er ? « » Hat er vergeben , so habe auch ich es getan , « antwortete ich . » Wie du über den Scheik ul Islam denkst , das hast du mir gesagt , und ich hoffe , daß du nicht wieder anderer Ansicht wirst . Wie aber steht es mit Ahriman Mirza ? Wer hatte ihm damals Alles über mein Lager hier in der Halle mitgeteilt ? « » Ich war es , « gestand er aufrichtig . » Der Aschyk hatte uns gesagt , daß Ahriman ein großer Freund der Dschamikun sei ; er dürfe es sich jetzt nur noch nicht merken lassen . Darum beantwortete ich alle seine Fragen . Ich hielt mich für klüger und unterrichteter , als Ihr alle seid . Ich war überzeugt , daß Ihr mir später rechtgeben und meine Umsicht bewundern würdet . Ich bin aber ein Schaf , Effendi , das allergrößte Schaf , das es gibt , so weit das Gras hier auf den Bergen wächst ! « » Da hast du Recht , Tifl ! Du solltest bei den Takikurden geschoren werden . Sei froh , daß du mit dem Felle davongekommen bist ! « Als ich hinauf zum Ustad kam , empfing er mich mit den Worten : » Du wirst mich nach Tifl fragen wollen . Mir liegt aber zunächst etwas Anderes auf dem Herzen , wovon du in Dschafars Gegenwart nicht gesprochen hast , nämlich Syrr . Er zeigte mir das Pferd , als ich ihn unterwegs traf , und auch der Schah sprach sogleich mit mir davon . Als wir in jener Nacht hier bei mir von Syrr sprachen , konnten wir nicht ahnen , daß er sich eine Woche später bei uns befinden werde . Ich sehe unserm Rennen mit Zuversicht entgegen ; aber diese Zuversicht würde sich verzehnfachen , ja verhundertfachen , wenn Jemand hier wäre , der ihn reiten könnte . Der Schah ist sehr gespannt darauf , ob du es fertig bringst . Er hält es sogar für nicht unwahrscheinlich , daß es dir gelingen werde . Aber die Tatsache , daß er dich aufsitzen läßt und dich trägt , wohin du willst , genügt doch für so ein Rennen nicht . Du hättest ihn erst wochen- , vielleicht sogar monatelang zu studieren , um seine Schule zu entdecken . Sodann bist du ja noch krank . Es müßte also ein Anderer sein , und den gibt es nicht . « » Was du da sagst , ist Alles , Alles Nebensache , mein Freund , « antwortete ich . » Die Hauptsache ist doch wohl , ob wir uns anmaßen dürften , Syrr zum Rennen zu benützen . « » Unbedingt , unbedingt ! « » Du meinst , daß der Schah nichts dagegen hätte ? « » Dagegen ? Er würde sich sogar freuen , herzlich freuen , zeigen zu können , daß seine Schule alle andern Schulen schlägt . Der Kampf würde aber ein heißer , sogar ein entscheidender werden , denn wisse , der Teufel wird gegen uns geritten , und Ahriman reitet ihn selbst ! « » Der Teufel ? Was ist das für ein Pferd ? « » Eine Khorassan-Schecke von wunderbarer Schnelligkeit und Ausdauer . Sie gewann noch jedes Rennen , und zwar spielend , selbst gegen die berühmtesten Pferde . Man hält sie für unbesiegbar und wagt es schon seit Jahren nicht mehr , gegen sie zu setzen . Es heißt Teufel und ist ein Teufel , der oberste aller Teufel . Darum heißt die Schecke nicht bloß Schetan oder Scheitan , sondern Iblis . Und bezeichnender Weise ist dieser Iblis nicht im Besitze eines Mannes , sondern eines Weibes . Du wirst staunen . Seine Herrin ist nämlich jene Schahsadeh Khanum Gul , die sich Rose von Schiras nennen läßt und , wie wir jetzt wissen , Kaiserin von Persien werden will . « » Höchst kurios ! Aber wundervoll ! « » Wundervoll ? Das klingt ja , als freutest du dich darüber ? « » Natürlich freue ich mich ! Mir ist nur bange , ob man diesen Iblis auch wirklich bringen wird . Von Schiras bis hierher ist ein weiter Weg ! « » Schiras ? Ah , ich vergesse , daß du ja noch nicht weißt , was ich von Tifl erfahren habe . Ahriman Mirza und die Khanum Gul sind jetzt nämlich in Chorremabad , als Gäste des Scheik ul Islam . « » Das würde für uns erstaunlich sein , wenn uns ihre Zwecke unbekannt wären . Aber er und sie mögen stecken , wo sie wollen ; das ist mir in diesem Augenblicke unendlich gleichgültig . Ich frage nur nach dem Teufel ! « » Der ist auch in Chorremabad . Die Gul reist stets mit Hofstaat und trennt sich nie von ihrem Lieblingspferde . « » So kommt der Iblis also sicher ? « » Ganz gewiß ! Er soll uns unser ganzes Vollblut abgewinnen , uns vollständig zuschanden machen ! « » So bin ich zufriedengestellt . Ich reite also den Syrr ! Aber kein Mensch darf es vorher ahnen , ausgenommen du und Schakara ! « » Effendi ! « rief er aus , indem er einige Schritte von mir zurückwich . » Ja , ich reite ihn ! « versicherte ich . » Das war bis jetzt noch ungewiß ; nun aber ist es fest bestimmt . « » Duldet er dich denn ? « » Mit Vergnügen ! « » Aber du kennst doch seine Schule nicht und kein einziges seiner Geheimnisse ! « » Er hat weder das Eine noch das Andere . Er hat nie zu Diensten einer Schule oder Wissenschaft gestanden , welche zwar alte Mähren reitet und mißratenes Voll- und Halbblut dressiert , aber niemals ein wirklich edles Pferd gehorsam machen wird , weil sie beharrlich seine Seele leugnet . Und Geheimnis ? Ich behandle Syrr nach dem großen und liebevollen Geheimnisse der Natur . Er hat sich gleich beim ersten Versuche einverstanden gezeigt . Ich habe mich nur mit ihm zusammenzuleben . Das Fest beginnt Sonntag . Der Montag ist für die Vorrennen bestimmt . Der Hauptwettlauf folgt Dienstag . Das sind noch neun Tage , also genug Zeit , mich körperlich vollends zu erholen und Syrr ganz für mich zu gewinnen . Ich kenne den Teufel dieser Khanum Gul noch nicht . Wer weiß , auf welche Kniffe und Finessen er läuft . Aber wenn ich dir sage , daß ich ihn selbst mit Assil nicht fürchten würde , viel weniger mit Syrr , so kannst du ruhig sein ! « Da lächelte er mir fröhlich ins Gesicht , gab mir die Hand und antwortete : » Da steht für uns ja Alles , Alles gut , sogar vortrefflich ! Ich reite meine Sahm und du den Syrr - - - « » Vielleicht auch noch den Assil ! « fiel ich ein . » Kara soll ihn bekommen . Aber wenn ich es für nötig halte , setze ich mich selbst auf . « » Dann iß nur , iß , und pflege dich mein Freund ! Denn ich merke , du wirst es sein , der den Ausschlag zu geben hat . « » Nicht essen , sondern üben ist die Hauptsache . Ich werde damit gleich heute noch beginnen . « » Dafür ist es zu spät ! « » Nein , denn ich übe nur des Nachts . Es soll Niemand den Syrr eher sehen , als bis zum letzten Augenblick . Man wird uns den Teufel nur erst zum letzten , Alles entscheidenden Rennen stellen und meinen , uns damit perplex zu machen . Dann bringe ich meinen Glanzrappen , nicht eher ! Bist du deiner Stute sicher ? « » Ein halber Tag im Sattel , so ist sie wieder mein ! « » Schön ! Was aber hat es für eine Bewandtnis mit dem sogenannten Kiss-y-Darr , von welchem Pekala gesprochen hat ? « » Das ist eine Gemeinheit , eine Infamie sondergleichen gegen mich von Seiten des Scheik ul Islam . Dieses Pferd ist eigentlich mein , ja , ohne allen Zweifel mein ; man hat mich darum betrogen , und nun es vollständig niedergeritten worden ist , will man mich mit ihm beschimpfen und blamieren . Laß dir erzählen , Effendi ! « Sein bisher heiteres Gesicht beschattete sich , als er begann : » Der Name lautet eigentlich nur Kiss , bekanntlich das arabische Wort für Roman . Warum ich das Pferd , als es geboren wurde , grad so und nicht anders genannt habe , brauche ich nicht dir zu erklären , der du auch Bücher schreibst . Das y-Darr , den Schund , hat man erst jetzt hinzugefügt ! Kiss stammte von edeln Eltern . Er war ein Hellbrauner von besten Eigenschaften und versprach , diesen Eltern und auch mir Ehre zu machen . Eben , als er sich zu einem reitbaren Pferde entwickelt hatte , traf ich mit einem Scheik der Kutubikurden zusammen , der mich bat , ihm dieses Pferd zu seiner Auszucht gegen eine zu vereinbarende Gebühr zu leihen . Er wolle gern seine Rasse veredeln und sei überzeugt , daß Kiss sich am Besten hierzu eigne . Dieser Mann sprach so rechtschaffen , so ehrlich , so bieder , daß ich ihm mein Vertrauen schenkte . Ich lieh ihm Kiss ; er ging auf alle meine Bedingungen ein , gab mir Handschlag und Wort und zahlte auch die erste Rate der Leihgebühr . Die übrigen Gratifikationen aber blieben aus . Das war vor zwanzig Jahren . Seit dieser Zeit habe ich trotz aller Fragen und Mahnungen weder eine Gebühr erhalten noch mein Pferd zurückbekommen können . Der Mann ist gestorben . Seine Erben haben Kiss verkauft . Sie und der Käufer behaupten , das Pferd gehöre nicht mir , obwohl sie wissen , daß man solche Rasse überhaupt niemals verkauft . Es ist jedem Kutubikurden bekannt , daß man derartige Pferde höchstens nur gegen eine fortgesetzte und langjährige Rente aus den Händen gibt . Ich habe Kiss nur ein einziges Mal wiedergesehen , vor gar nicht langer Zeit . Er war über zwanzig Jahre alt , abgetrieben , entstellt , verletzt , verhunzt , besudelt , beinahe zur Karrikatur gemacht , und nun hat ihn der Scheik ul Islam sich von dem Käufer schicken lassen , um ihn in dieser Heruntergekommenheit öffentlich gegen mich auszuspielen . Die Karrikatur eines Pferdes sollte von der Karrikatur eines Menschen , nämlich Tifl , hier vorgeritten werden , um vor Aller Augen den Beweis zu liefern , welchen verderblichen Einfluß ich auf die Erziehung von Mensch und Tier besitze ! Vor allen Dingen aber soll das arme , absichtlich mißhandelte Tier vor dem Rennen nicht als Kiss , sondern als Kiss-y-Darr , also nicht als Roman , sondern als Schundroman ausgerufen werden . Du siehst , mit welchen Mitteln diese Ebenbilder Gottes gegen mich kämpfen ! « » So ist es also , so ! « sagte ich . » Nun ist ihnen aber Tifl entgangen . Vielleicht verzichten sie aus diesem Grunde auf den beabsichtigten Streich ? « » Das denke nicht ! Es wird sich schon ein feiler Taki finden , dem es eine Wonne ist , sich auf dem Schundroman vor aller Welt zu brüsten , weil ihn ein andres Pferd sofort vom Sattel werfen würde ! Nicht etwa , daß ich mich hierüber ärgere , o nein ; ich freue mich sogar auf diese Hanswurstiade , denn , denn - - - ich habe Etwas vor ! « » Was ? « » Kiss war edel und ist noch heute edel , trotz seines Alters und trotz seiner Entstellung . Der Kenner sieht sofort , was ursprüngliche Natur und was Verhunzung ist . Ich werde aus diesem Humbug einen Ernst zu machen wissen , an den zu denken , ihnen Geist und Grütze fehlen ! Du wirst es wohl erraten ? « » Allerdings . Wenn sie sich einbilden , uns mit ihrem Schund schlagen zu können , so werden sie es sein , die beschämt abziehen müssen . Du oder ich , ganz gleich ; wir haben uns beide nicht zu schämen ! « » Ich höre , du hast mich verstanden . Uebrigens scheint dieser Plan mit Kiss-y-Darr in demselben Gehirn entsprungen zu sein , aus welchem die famose Karawane des Pischkhidmet Baschi83 stammt . Sie sind einander so ähnlich . Mit dem Pferde wollen sie mich blamieren ; mit jener Karawane , die auch nur Humbug war , sollte die Ehre des Schah-in-Schah an den heiligen Orten untergraben werden . « » Woher weißt du das ? « fragte ich verwundert , weil auch ich mir schon so etwas Aehnliches gedacht hatte . » Der Herrscher hat es mir selbst erzählt . Es ist ihm über diese Karawane berichtet worden . Er hat nicht das Geringste von ihr gewußt , und unter seinen Kammerherren befindet sich nicht ein einziger solcher Dummkopf , wie jener sogenannte Pischkhidmet gewesen ist . Darum hat er nachforschen lassen . Die Spuren führten zum Scheik ul Islam , und es stellte sich auch wirklich heraus , daß dieser der Unternehmer des ganzen Schwindels gewesen ist . « » Und ich habe den Pseudo-Kammerherrn beschützt ! « » Trotz seiner Frechheit und Undankbarkeit ! Laß dich das nicht reuen ! Dank kennt nur der Gute , aber so ein Mensch doch nicht ! Uebrigens kam während dieses Gespräches mit dem Beherrscher noch eine andere Episode vor . Ich war nämlich zweimal bei ihm . Beim ersten Male erzählte ich ihm Alles und zeigte ihm auch den Brief des Aemir-i-Sillan an den Henker und las ihm die Zeilen vor . Da sagte er , daß dieser Henker uns jetzt ganz nahe sei , denn er befinde sich auch hier , habe um eine Audienz gebeten und sei für die jetzige Zeit herbeibefohlen worden . Als ich dann ging , stand der Multasim auch wirklich im Vorzimmer und mußte sofort eintreten . Er hatte seinen Balapuschi84 abgelegt , und der günstige Augenblick erlaubte mir , den Brief in eine Tasche desselben zu schieben , in welcher schon ein Notizbuch steckte ; er ist also ganz sicher gefunden worden . Bei der Abschiedsaudienz erfuhr ich vom Schah , daß dieser Mensch die Stirn gehabt habe , mich wegen Mordanschlages und widerrechtlicher Gefangennahme bei ihm anzuklagen und um strengste Bestrafung zu bitten . Der Herrscher hätte ihn am liebsten sofort festnehmen und aufhängen lassen mögen , war aber in Anbetracht unserer Pläne so bedacht gewesen , ihm den ruhigen Bescheid zu erteilen , daß er das Resultat seiner Zeit erfahren werde . Hierauf hatte Ghulam el Multasim angenommen , daß er seinen nächsten Aufenthaltsort nennen müsse , und gesagt , daß er jetzt nach Chorremabad gehe , um dort der Gast des Scheik ul Islam zu sein . Hätte er geahnt , was der Schah über diesen Würdenträger wußte und dachte ! « » So haben wir also die lieben Freunde jetzt in unserer Nähe , und wahrscheinlich kommen noch immer mehr hinzu ! « » Ja ; es drängt nun Alles auf die Entscheidung hin , und unser Rennen wird der Anfang vom schnellen Ende sein . « » Dann los ! Heut Abend , wenn mir Niemand mehr begegnen kann , reite ich zum ersten Male mit Syrr aus . « » Wohin ? Zur Rennbahn ? « » Jetzt das noch nicht . Ich muß ihm zunächst Freiheit geben , weiten Spielraum . Vielleicht wähle ich den Weg nach den Pässen hin . « » Da müßtest du durch den Duar , den du doch wohl besser vermeidest . Wende dich lieber nach Norden . Drüben den Steinbruchweg hinab , links um den Berg herum und dann über die breite , grasige Talsenkung rechts . Da kommst du bald auf eine Ebene , wo man sogar in finstrer Nacht gefahrlos galoppieren kann , weil der Boden so glatt und sicher ist wie hier die Bretterdiele . « Hier mußte unsere Unterredung ein Ende nehmen , denn wir sahen Dschafar aus dem Wartturme kommen , den Brief an den Schah in der Hand . Da gingen wir hinab , um Kara noch einige Worte und Wünsche mitzugeben . Sein Vater hatte sich das Bett ganz vor an den Rand des Daches schaffen lassen , um den Sohn fortreiten zu sehen . » Allah begleite dich , mein Liebling ! « rief er herab . » Sag dem Schah-in-Schah unsern Dank . Den nächsten Brief werde ich ihm selber bringen ! Nun geh , und komm zurück , wie du gegangen bist : gesund und mit einem Schreiben ! « Nur wenige Minuten später stand ich hinten bei den Pferden . Ich schaute zum See hinab . Da sah ich Kara und seinen Begleiter schon weit über demselben draußen . Es ist fast unglaublich , was so ein ächtes , gutgezogenes Bischarikamel zu leisten vermag ! Hierauf ging es zur Kalteschale . Sie war vortrefflich . Wenigstens hatte sie nichts von der Aufregung an sich , in welcher ich mir ihre festjungfräuliche Zubereiterin noch immer dachte . Dann pflegte ich der Ruhe , bis es oben und unten still geworden war und ich kein Licht mehr brennen sah . Da holte ich mein Sattelzeug und ging zu Syrr hinab . Er lag mit Assil abseits von den andern Pferden . Der Mond schien . Als sie den Sattel sahen , standen sie beide auf . Sobald ich aber Syrr zu zäumen begann , legte Assil sich wieder nieder . Er war so sehr verständig ! Ich war natürlich neugierig auf das nun Folgende . Würde es gelingen ? Ich stieg auf . Die Füße in die Bügel . Eben wollte ich die Unterschenkel anlegen ; da ging der Rappe auch schon vorwärts . Es gab bis in die Ruinen mehrere Biegungen . Kaum dachte ich an die Schwenkung , so war sie schon gemacht . Welch ein feines Empfinden ! Und dieser ruhige , sichere Schritt ! Leichter , hochgraziöser Rhytmus auf fester Baßunterlage ! Drüben ging es am Turm vorüber , auf die Steinbrüche zu . Da stand rechts dichtes Strauchwerk . Bei demselben angekommen , blieb Syrr stehen , ohne angehalten worden zu sein . » Wer ist hier ? « fragte ich , den Blick scharf auf die Büsche richtend . » Du bist es , du , Effendi , « antwortete es . » Da darf ich hervorkommen . Ich glaubte nicht , daß du schon wieder reiten könntest , und hielt dich darum für einen Andern . « Es war der Aschyk . » Hattest du hier zu tun ? « fragte ich . » Ja , « antwortete er . » Ich wache ! Hast du mein Paket gefunden ? Kannst du es verwerten ? « » Sehr gut . Ich danke dir ! « » So bitte ich dich , mich still gewähren zu lassen ! Du sollst nicht herabgezogen werden , in das Gemeine , wo du nicht hingehörst . Laß das mir lieber über ; mir schadet der Schmutz nicht so wie dir ! Ich bin ihn ja gewöhnt . Ich vermute , daß du morgen die Päderan belauschen willst . Auch das ist Schmutz , vielleicht der allergrößte . Wirst du trotzdem kommen ? « » Ganz bestimmt ! « » So beschwere dich mit nichts . Ich bin sicher da und helfe dir herauf in das Versteck . « » Verkehrst du noch mit unsern Gegnern ? « » Laß mich hierüber schweigen , Effendi ! Ich darf dein Gewissen nicht beschweren . Aber wenn ich dir einen Wink gebe , so folge ihm mit Vertrauen . Es nahen schwere Zeiten . Ich will sie dir erleichtern . Und dann , dann geht mir vielleicht der größte Wunsch in Erfüllung , den ich in meinem Herzen trage . « » Welcher ? « » Bei uns ist der Hund verachtet . Bei euch im Abendlande aber wird er geschätzt . Da ist er der Freund , der Wächter , der Beschützer der Menschen . Effendi , prüfe mich jetzt , und wenn du mich als treu befunden hast , so laß mich dein Wächter sein , dein Hund , der dich begleitet , so lange du in diesen Gegenden bist ! Der mit dir hungert und dürstet , im Regen und im Sonnenbrande vor deinem Zelte liegt , jeden Feind zerreißt , der sich an dich drängen will , und lieber stirbt , als daß er dir ein Leid zufügen läßt ! Willst du ? « » Da du es wünschest , werde ich dich - - nicht prüfen , denn das ist nicht mehr nötig ; ich vertraue dir - - aber meinen Freunden Zeit geben , dasselbe Vertrauen wie ich zu dir zu fassen . Dann - - doch hierüber später ! « » Das ist mehr , als ich erwartete . Allah vergelte es dir ! « Bei diesen Worten entfernte er sich , nicht hinter das Gesträuch zurück , sondern nach dem Steinbruche hin , an welchem ich dann vorüberritt , um hinab auf den Weg nach Nordwest zu kommen . Ich folgte ihm genau so , wie der Ustad mich bedeutet hatte und war nach einer Viertelstunde oben auf der Ebene , die wie ganz besonders für meinen Zweck gebildet war . Und nun ging ich an die Arbeit . Arbeit ? Falsch , grundfalsch ! Ein Vergnügen ist es , ein hochdankbares Studium , die Gedanken eines edlen Pferdes zu erraten und sie mit ihm auszuführen ! Ich habe wohl viele , viele Reiter kennen gelernt , gute und schlechte , unter ihnen aber nur einen einzigen , der mit mir darin einig war , daß das Pferd auch einmal Etwas selbstwollen dürfen muß