! aber den Wein , nein ! Den fordre ich für meine Goten , die trinken schon lang Zisternenwasser , pfui Teufel ! « - » Gut , durstiger Held , ihr sollt den Wein für euch haben . « - » Nun ? Und noch keine Botschaft von Ravenna ? von Rom ? « - » Keine ! Mein fünfter Bote ist gestern fort . « - » Gott hau ' ihn nieder , unsern König . « » Höre Totila , ich glaube nicht , daß wir lebendig aus diesen wurmstichigen Mauern kommen ! « » Ich auch nicht ! « sagte Totila ruhig und bot seinem Gast einen Becher Wein . Uliaris sah ihn an : dann trank er und sagte : » Goldjunge , du bist echt und dein Cäkuber auch . Und muß ich hier umkommen , wie ein alter Bär unter vierzig Hunden , mich freut ' s doch , daß ich dich dabei so gut kennengelernt : dich und deinen Cäkuber . « Mit dieser rauhen Freundlichkeit stieg der graue Gote vom Verdeck . Totila schickte den Leuten im Kastell Wein und Korn , und sie labten sich herzlich daran . Als aber Uliaris am andern Morgen aus dem Turm des Kastells lugte , rieb er sich die Augen . Denn auf der Hügelschanze wehte die blaue gotische Fahne . Totila war in der Nacht im Rücken der Feinde gelandet und hatte das Werk in kühnem Anlauf genommen . Aber diese neue Keckheit reizte den ganzen Zorn Belisars . Er schwur , den verwegnen Planken ein Ende zu machen um jeden Preis . Höchst erwünscht trafen ihm zur Stunde die vier Kriegsschiffe von Sizilien her auf der Höhe von Neapolis ein . Er befahl , sie sollten sofort in den Hafen von Neapolis dringen und den Seeräubern das Handwerk legen . Stolz rauschten noch am Abend des gleichen Tages die vier mächtigen Trieren heran und legten sich an der Einfahrt des Hafens vor Anker . Belisar selbst eilte mit seinem Gefolge an die Küste und freute sich , die Segel von der Abendsonne vergoldet zu sehen : » Die aufgehende Sonne sieht sie in den Hafen der Stadt fahren trotz jenem Tollkopf , « sprach er zu Antonina , die ihn begleitete , und wandte seinen Schecken zurück nach dem Lager . Noch hatte er am andern Morgen das Feldbett nicht verlassen - Prokopius , sein Rechtsrat , stand vor ihm und las ihm den entworfnen Bericht an Justinian - da erschien in seinem Zelt Chanaranges , der Perser , der Führer der Leibwächter , und rief : » Die Schiffe , Feldherr , die Schiffe sind genommen . « Wütend sprang Belisar aus den Decken und rief : » Der soll sterben , der das sagt . « » Besser wäre es , « meinte Prokopius , » der stürbe , der es getan . « - » Wer war es ? « - » Ach Herr , der junge Gote mit blitzenden Augen und dem leuchtenden Haar . « - » Totila ! « sprach Belisar , » schon wieder Totila . « » Die Bemannung lag zum Teil am Strand , bei meinen Vorposten , zum Teil schlaftrunken unter Deck . Plötzlich , um Mitternacht , wird ' s lebendig ringsum , als wären hundert Schiffe aus der Tiefe des Meeres getaucht . « - » Hundert Schiffe ! Zehn Nußschalen hat er ! « - » Im Augenblick und lang , eh ' wir vom Strand zu Hilfe kommen können , sind die Schiffe geentert , die Leute gefangen , eine der Trieren , deren Ankertau nicht rasch zu kappen war , in Brand gesteckt , die andern drei nach Neapolis geführt . « » Sie sind noch früher in den Hafen gekommen , als du dachtest , o Belisar « , sprach Prokopius . Aber Belisar hatte sich jetzt wieder ganz in der Gewalt . » Nun hat der kecke Knabe Kriegsschiffe ! nun wird er unerträglich werden . Jetzt muß ein Ende werden . « Er drückte den prächtigen Helm auf das majestätische Haupt : » Ich wollte der Stadt , der römischen Einwohner schonen : es geht nicht länger . Prokopius , geh und entbiete hierher die Feldherren Magnus , Demetrius und Constantianus , Bessas und Ennes , und Martinus , den Geschützmeister ; ich will ihnen zu tun geben vollauf . Sie sollen ihres Sieges nicht froh werden , die Barbaren , sie sollen Belisar kennenlernen . « Alsbald erschien im Zelte des Oberfeldherrn ein Mann , der trotz des Brustpanzers , den er trug , mehr einem Gelehrten als einem Krieger glich . Martinus , der große Mathematiker , war eine friedliche , sanfte Natur , die lange im stillen Studium des Euklid ihre Seligkeit gefunden . Er konnte kein Blut sehen und keine Blume knicken . Aber seine mathematischen und mechanischen Studien hatten ihn eines Tages dahin geführt , eine neue Wurfmaschine von furchtbarer Schleuderkraft , wie im Vorbeigehn , zu erfinden ; er legte den Plan Belisar vor und dieser , entzückt , ließ ihn gar nicht mehr in sein Studierzimmer zurück , sondern schleppte ihn sofort zum Kaiser und zwang ihn , » Geschützmeister des Magister Militum per Orientem « , d.h. eben Belisars , zu werden ; er erhielt einen glänzenden Sold und war kontraktlich verpflichtet , jedes Jahr eine neue Kriegsmaschine herzustellen . Mit Seufzen ersann nun der sanfte Mathematiker jene gräßlichen Zerstörungswerkzeuge , welche die Wälle der Festen , die Tore der Burgen niederschmetterten , unlöschbares Feuer in die Städte der Feinde Justinians schleuderten und Menschen zu vielen Tausenden niederrafften . Er hatte wohl jedes Jahr seine Freude an der mathematischen Aufgabe , die er in unermüdlichem Fleiß sich stellte : aber war nun die Aufgabe gelöst , so dachte er mit Schaudern an die Wirkungen seiner Gedanken . Mit trauriger Miene erschien er deshalb vor Belisar . » Martine , Zirkeldreher , « rief dieser ihm zu , » jetzt zeige deine Kunst ! Wie viele Katapulten , Ballisten , Wurfmaschinen im ganzen haben wir ? « - » Dreihundertfünfzig , Herr ! « - » Gut ! Verteile sie um unsre ganze Belagerungslinie ! Oben im Norden , bei der Porta Capuana und bei dem Kastell , die Mauerbrecher gegen die Wälle ! Sie müssen nieder und wären sie Diamant . Vom Mittellager aus richte die Geschosse von oben , im Bogenwurf , in die Straßen der Stadt . Biete alle Kraft auf , setze keinen Augenblick aus , vierundzwanzig Stunden lang ! Laß die Truppen sich ablösen . Laß alle Werkzeuge spielen . « » Alle , Herr ? « sprach Martinus . » Auch die neuen ? Die Pyroballisten , die Brandgeschosse ? « - » Auch die ! die zumeist ! « - » Herr , sie sind gräßlich ! du kennst noch ihre Wirkung nicht . « - » Wohlan ! Ich will sie kennenlernen und erproben . « - » An dieser herrlichen Stadt ? An des Kaisers Stadt ? Willst du Justinian einen Schutthaufen erobern ? « Die Seele Belisars war edel und groß . Er war unwillig über sich , über Martinus , über die Goten . » Kann ich denn anders ? « zürnte er , » diese eisenköpfigen Barbaren , dieser tolldreiste Totila zwingen mich ja . Fünfmal hab ' ich ihnen Ergebung angeboten . Es ist Wahnsinn ! Nicht dreitausend Mann stecken in den Wällen . Beim Haupte Justinians ! warum stehen die dreißigtausend Neapolitaner nicht auf und entwaffnen die Barbaren ? « » Sie fürchten wohl deine Hunnen ärger als ihre Goten , « meinte Prokop . » Schlechte Patrioten sind sie ! Vorwärts Martinus ! In einer Stunde muß es brennen in Neapolis . « » In kürzerer Zeit , « seufzte der Geschützmeister , » wenn es denn doch sein muß . Ich habe einen kundigen Mann mitgebracht , der uns viel helfen kann und die Arbeit vereinfachen : er ist ein lebendiger Plan der Stadt . Darf ich ihn bringen ? « Belisar winkte und die Wache rief einen kleinen , jüdisch aussehenden Mann herein . » Ah , Jochem , der Baumeister ! « sprach Belisar . » Ich kenne dich wohl , von Byzanz her . Du wolltest ja die Sophienkirche bauen . Was ward daraus ? « - » Mit Eurer Gunst , Herr : nichts . « - » Warum nichts ? « » Mein Plan belief sich nur auf eine Million Zentenare Goldes : das war der kaiserlichen Heiligkeit zu wenig . Denn je mehr eine Christenkirche gekostet , desto heiliger und gottgefälliger ist sie . Ein Christ forderte das Doppelte und erhielt den Auftrag . « » Aber ich sah dich doch bauen in Byzanz ? « » Ja , Herr , mein Plan gefiel dem Kaiser doch ! Ich änderte ein wenig , nahm die Altarstelle heraus und baute ihm danach eine Reitschule . « » Du kennst Neapolis genau ? Von außen und innen ? « » Von außen und innen . Wie meinen Geldsack . « » Gut , du wirst dem Strategen die Geschütze richten gegen die Wälle und in die Stadt . Die Häuser der Gotenfreunde müssen zuerst nieder . Vorwärts ! mache deine Sache gut ! sonst wirst du gepfählt . Fort ! « - » Die arme Stadt ! « seufzte Martinus . » Aber du sollst sehen , Jochem , die Pyroballisten , sie sind höchst genau - und sie gehen so leicht - ein Kind kann sie loslassen ! Und sie wirken allerliebst . « Und nun begann entlang dem ganzen Lager eine ungeheure und verderbenschwangere Tätigkeit . Die Gotenwachen auf den Zinnen sahen herab , wie die schweren Kolosse , die Maschinen , mit zwanzig bis dreißig Rossen , Kamelen , Eseln , Rindern bespannt , längs den Mauern hingezogen und auf der ganzen Linie verteilt wurden . Besorgt eilten Totila und Uliaris auf die Wälle und suchten , Gegenmaßregeln zu treffen . Säcke mit Erde wurden an den von den Mauerbrechern bedrohten Stellen herabgelassen : Feuerbrände bereitgehalten , die Maschinen , wann sie nahten , in Brand zu stecken ; siedendes Wasser , Pfeile , und Steine gegen die Bespannung und die Bedienung gerichtet : und schon lachten die Goten der feigen Feinde , als sie bemerkten , wie die Maschinen , weit außer der gewohnten Schußweite und den Belagerten völlig unerreichbar , Halt machten . Aber Totila lachte nicht . Er erschrak , wie die Byzantiner ruhig die Bespannung abschirrten und ihre Maschinen spannten . Noch war kein Geschoß entsandt . » Nun ? « spottete der junge Agila neben Totila , » wollen sie uns von da aus beschießen ? Doch lieber gleich von Byzanz her übers Meer ! Es wäre noch sicherer ! « Er hatte noch nicht ausgeredet , als ein vierzigpfündiger Stein ihn und die ganze Zinne , auf der er stand , herunterschmetterte : Martinus hatte die Tragweite der Ballisten verdreifacht . Totila sah ein , daß sie völlig widerstandslos sich von den Feinden mit Geschossen überhageln lassen mußten . Entsetzt sprangen die Goten von den Wällen herab und suchten Schutz in den Straßen , den Häusern , den Kirchen . Vergebens ! Tausende und Tausende von Pfeilen , Speeren , schweren Balken , Steinen , Steinkugeln , sausten und pfiffen im sichern Bogenschuß auf ihre Köpfe : ganze Felstrümmer kamen geflogen und schlugen krachend durch Holzwerk und Getäfel der festesten Dächer , während im Norden , gegen das Kastell unaufhörlich der Sturmbock mit seinen zermürbenden Stößen donnerte . Indes der dichte Hagel der Geschosse buchstäblich die Luft verfinsterte , betäubte das prasselnde Niederfallen der Steine , das brechende Gebälk , die zerschmetterten Zinnen und der Weheschrei der Getroffenen das Ohr mit furchtbarem Lärm . Erschrocken flüchtete die zitternde Bevölkerung in die Keller und Gewölbe ihrer Häuser , Belisar und die Goten um die Wette verfluchend . Aber noch hatte die bebende Stadt das Ärgste nicht erfahren . Auf dem Marktplatz , dem Forum des Trajan , nahe dem Hafen , stand ein ungedecktes Haus , eine Art Schiffsarsenal , mit altem wohlgetrocknetem Holz , Werg , Flachs , Teer und dergleichen vollgefüllt . Da kam zischend und dampfend ein seltsames Geschoß gefahren , traf in das Holzwerk , und im Augenblick , da es niederfiel , schlug hellauflodernd die Flamme hervor und verbreitete sich , von dem Schiffsmaterial genährt , mit Windeseile . Jubelnd begrüßten draußen die Belagerer den hochaufwirbelnden Qualm und richteten eifrig die Geschosse nach der Stelle , das Löschen zu hindern . Belisar ritt zu Martinus heran . » Gut , « rief er , » Mann der Zirkel , gut ! Wer hat das Geschoß gerichtet ? « - » Ich , « sprach Jochem , » o Ihr sollt zufrieden sein mit mir . Gebt ach ! Seht Ihr da , rechts von der Brandstätte , das hohe Haus mit den Statuen auf flachem Dach ? Das ist das Haus der Valerier , der größten Freunde des Volkes von Edom . Gebt acht ! Es soll brennen . « Und sausend fuhr der Brandpfeil durch die Luft , und bald darauf schlug eine zweite Flamme aus der Stadt gen Himmel . Da sprengte Prokop heran und rief : » Belisarius , dein Feldherr Johannes läßt dich grüßen : das Kastell des Tiberius brennt , der erste Wall liegt nieder . « Und so war es , und bald standen vier , sechs , zehn Häuser in allen Teilen der Stadt in vollen Flammen . » Wasser ! « rief Totila , durch eine brennende Straße nach dem Hafen sprengend , » heraus , ihr Bürger von Neapolis ! Löscht eure Häuser . Ich kann keinen Goten von dem Wall lassen . Schafft Fässer aus dem Hafen in alle Straßen ! Die Weiber in die Häuser ! - was willst du , Mädchen ? laß mich - Du bist ' s , Miriam ? Du hier ? Unter Pfeilen und Flammen ? Fort , was suchst du ? « » Dich , « sprach das Mädchen . » Erschrick nicht . Ihr Haus brennt . Aber sie ist gerettet . « » Valeria ! um Gott , wo ist sie ? « - » Bei mir . In unserm dichtgewölbten Turm : dort ist sie sicher . Ich sah die Flammen aufsteigen . Ich eilte hin . Dein Freund mit der sanften Stimme trug sie aus dem Schutt : er wollte mit ihr in die Kirche . Ich rief ihn an und führte sie unter unser Dach . Sie blutet . Ein Stein hat sie verletzt , an der Schulter . Aber es ist ohne Gefahr . Sie will dich sehen . Ich kam , dich zu suchen ! « » Kind , Dank ! Aber komm ! komm fort von hier ! « Und rasch faßte er sie und schwang sie vor sich auf den Sattel . Zitternd schlang sie beide Arme um seinen Nacken . Er aber hielt schützend mit der Linken den breiten Schild über ihr Haupt , und im Sturm sprengte er mit ihr durch die dampfende Straße nach der Porta Capuana . » O jetzt - jetzt sterben - sterben an seiner Brust , wenn nicht mit ihm ! « betete Miriam . Im Turme traf er Valeria , auf Miriams Lager gestreckt , unter Julius ' und ihrer Sklavinnen Hut . Sie war bleich und geschwächt vom Blutverlust , aber gefaßt und ruhig . Totila flog an ihre Seite : hochklopfenden Herzens stand Miriam am Fenster und sah schweigend hinaus in die brennende Stadt . - - Kaum hatte sich Totila überzeugt , daß die Verwundung ganz leicht , als er aufsprang und rief : » Du mußt fort ! sogleich ! in dieser Stunde ! In der nächsten vielleicht erstürmt Belisar die Wälle . Ich habe alle meine Schiffe nochmals mit Flüchtenden gefüllt : sie bringen dich nach Cajeta , von da weiter nach Rom . Eile dann nach Taginä , wo ihr Güter habt . Du mußt fort ! Julius wird dich begleiten . « » Ja , « sprach dieser , » denn wir haben Einen Weg . « » Einen Weg ? wohin willst du ? « » Nach Gallien , in meine Heimat . Ich kann den furchtbaren Kampf nicht länger mit ansehen . Du weißt es selbst : ganz Italien erhebt sich gegen euch , für eure Feinde : Meine Mitbürger fechten unter Belisar : soll ich gegen sie , soll ich gegen dich meinen Arm erheben ? Ich gehe . « Schweigend wandte sich Totila zu Valeria . » Mein Freund , « sagte diese , » mir ist : der Glückstern unsrer Liebe ist erloschen für immer ! Kaum hat mein Vater jenen Eid mit vor Gottes Thron genommen , so fällt Neapolis , die dritte Stadt des Reichs . « » So traust du unserm Schwerte nicht ? « » Ich traue eurem Schwert , - nicht eurem Glück ! Mit den stürzenden Balken meines Vaterhauses sah ich die Pfeiler meiner Hoffnung fallen . Leb wohl , zu einem Abschied für lange . Ich gehorche dir . Ich gehe nach Taginä . « Totila und Julius eilten mit den Sklaven hinaus , Plätze in einer der Trieren zu sichern . Valeria erhob sich vom Lager : da eilte Miriam herzu , ihr die glänzenden Sandalen unter die Füße zu binden . » Laß , Mädchen ! du sollst mir nicht dienen , « sprach Valeria . - » Ich tue es gern , « sagte diese flüsternd . » Aber gönne mir eine Frage . « Und mit Macht traf ihr blitzendes Auge die ruhigen Züge Valerias . » Du bist schön und klug und stolz - aber sage mir , liebst du ihn ? - du kannst ihn jetzt verlassen ! - Liebst du ihn mit heißer , alles verzehrender , allgewaltiger Glut , liebst du ihn mit einer Liebe wie - « Da drückte Valeria das schöne , glühende Haupt des Mädchens wie verbergend an ihre Brust : » Mit einer Liebe wie du ? Nein , meine süße Schwester ! Erschrick nicht ! Ich ahnt ' es längst nach seinen Berichten über dich . Und ich sah es klar bei deinem ersten Blick auf ihn . Sorge nicht ; dein Geheimnis ist wohl gewahrt bei mir ; kein Mann soll darum erfahren . Weine nicht , bebe nicht , du süßes Kind . Ich liebe dich sehr um dieser Liebe willen . Ich fasse sie ganz . Glücklich , wer , wie du , in seinem Gefühl ganz aufgehen kann im Augenblick . Mir hat ein feindlicher Gott den vorschauenden Sinn gegeben , der stets von der Stunde nach der Ferne blickt . Und so seh ' ich vor uns dunkeln Schmerz und einen langen , finstern Pfad , der nicht in Licht endet . Ich kann dir aber den Stolz nicht lassen , daß deine Liebe edler sei als meine , weil sie hoffnungslos . Auch meine Hoffnung liegt in Schutt . Vielleicht wäre es sein Glück geworden , die duftige Rose deiner schönen Liebe zu entdecken : denn Valeria , - fürcht ' ich - wird die Seine nie . Doch leb ' wohl , Miriam ! Sie kommen . Gedenke dieser Stunde . Gedenke mein als einer Schwester und habe Dank , Dank für deine schöne Liebe . « Wie ein entdecktes Kind hatte Miriam gezittert und vor der Allesdurchschauenden fliehen wollen . Aber diese edle Sprache überwältigte die Scheu ihres Herzens : reich flossen die Tränen über die glühendroten Wangen : und heftig preßte sie , vor Scheu und Scham und Weinen bebend , das Haupt an der Freundin Brust . Da hörte man Julius kommen , Valeria abzurufen . Sie mußten sich trennen : nur einen einzigen raschen Blick aus ihren innigen Augen wagte Miriam auf der Römerin Antlitz . Dann sank sie rasch vor ihr nieder , umfaßte ihre Kniee , drückte einen brennenden Kuß auf Valerias kalte Hand und war im Nebengemach verschwunden . Valeria erhob sich wie aus einem Traum und sah um sich . Am Fenster in einer Vase duftete eine dunkelrote Rose . Sie küßte sie , barg sie an ihrer Brust , segnete mit rascher Handbewegung die trauliche Stätte , die ihr ein Asyl geboten , und folgte dann rasch entschlossen Julius in einer gedeckten Sänfte nach dem Hafen , wo sie noch von Totila kurzen Abschied nahm , ehe sie mit Julius das Schiff bestieg . Alsbald drehte sich dieses mit mächtiger Wendung und rauschte zum Hafen hinaus . Totila sah ihnen wie träumend nach . Er sah Valeriens weiße Hand noch Abschied winken : er sah und sah den fliehenden Segeln nach , nicht achtend der Geschosse , die jetzt immer dichter in den Hafen zu rasseln begannen . Er lehnte an einer Säule und vergaß einen Augenblick die brennende Stadt und sich und alles . Da weckte ihn der treue Thorismuth aus seinen Träumen . » Komm , Feldherr , « rief ihm dieser zu , » überall such ' ich dich : Uliaris will dich sprechen . - Komm , was starrst du hier in die See unter klirrenden Pfeilen ? « Totila raffte sich langsam auf : » Siehst du , « sagte er , » siehst du das Schiff ? - Da fahren sie hin ! - « » Wer ? « fragte Thorismuth . » Mein Glück und meine Jugend , « sprach Totila und wandte sich , Uliaris zu suchen . Dieser teilte ihm mit , daß er , Zeit zu gewinnen , soeben einen Waffenstillstand auf drei Stunden , den Belisar , um Unterhandlungen zu führen , angetragen , angenommen habe . » Ich werde nie übergeben ! Aber wir müssen Ruhe haben , unsre Wälle zu flicken und zu stützen . Kömmt denn nirgends Entsatz ? hast du noch keine Nachricht auf dem Seeweg vom König ? « » Keine . « » Verflucht ! Über sechshundert von meinen Goten sind vor den höllischen Geschossen gefallen . Ich kann gar die wichtigsten Posten nicht mehr besetzen ! Wenn ich nur wenigstens noch vierhundert Mann hätte ! « » Nun , « sprach Totila nachsinnend , » die kann ich dir schaffen , denk ' ich . In dem Castellum Aurelians , auf der Straße nach Rom , liegen vierhundertfünfzig Mann Goten . Sie haben bisher erklärt , vom König Theodahad den unsinnigen , aber strengen Befehl zu haben , nicht Neapolis zu verstärken . Aber jetzt in dieser höchsten Not ! - Ich selbst will hin , während des Waffenstillstandes , und alles aufbieten , sie zu holen . « » Geh nicht ! du kommst erst nach Ablauf des Stillstandes zurück , und die Straße ist dann nicht mehr frei . Du kommst nicht durch . « » Ich komme durch , mit Gewalt oder mit List : halte dich nur , bis ich zurück bin ! Auf , Thorismuth , zu Pferd . « Während Totila mit Thorismuth und wenigen Reitern zur Porta Capuana hinausjagte , war der alte Isak , der unermüdlich auf den Wällen ausgeharrt hatte , die Pause des Waffenstillstands benutzend , in seine Turmklause zurückgekehrt , die Tochter wiederzusehen und sich an Trank und Speise zu laben . Als Miriam Wein und Brot gebracht hatte und ängstlich dem Bericht Isaks von den Fortschritten der Feinde lauschte , erscholl ein hastiger , unsteter Schritt auf der Treppe und Jochem stand vor dem erstaunten Paar . » Sohn Rachels , wo kommst du her zu übler Stunde , wie der Rabe vor dem Unglück ? Wie kommst du herein ? zu welchem Tor ? « - » Das laß du meine Sorge sein . Ich komme , Vater Isak , noch einmal zu fordern deiner Tochter Hand : - zum letztenmal in diesem Leben . « » Ist jetzt Zeit zu freien und Hochzeit zu machen ? « fragte Isak unwillig , » die Stadt brennt , und die Straßen liegen voll Leichen . « » Warum brennt die Stadt ? warum liegen voll Leichen die Straßen ? Weil die Männer von Neapolis halten zu dem Volk von Edom . Ja , jetzt ist Zeit zu freien . Gib mir dein Kind , Vater Isak , und ich rette dich und sie . Ich allein kann ' s. « Und er griff nach Miriams Arm . » Du mich retten ? « rief diese , mit Ekel zurücktretend . » Lieber sterben ! « » Ha , Stolze ! « knirschte der grimmige Freier , » du ließest dich wohl lieber retten von dem blondgelockten Christen ? Laß sehen , ob er dich retten wird , der Verfluchte , vor Belisar und mir . Ha , bei den langen , gelben Haaren will ich ihn durch die Straßen schleifen und spucken in sein bleich Gesicht . « » Hebe dich hinweg , Sohn Rachels , « rief Isak , aufstehend und den Spieß fassend . » Ich merke , du hältst zu denen , die da draußen liegen ! Aber das Horn ruft , ich muß hinab ; das jedoch sag ' ich dir : noch mancher unter euch wird rücklings fallen , eh ' ihr steigt über diese morschen Mauern . « » Vielleicht , « grinste Jochem , » fliegen wir drüber wie die Vögel der Luft . Zum letztenmal , Miriam , ich frage dich : laß diesen Alten , laß den verfluchten Christen : - ich sage dir , der Schutt dieser Wälle wird sie bald bedecken . Ich weiß , du hast ihn getragen im Herzen : - ich will dir ' s verzeihen , nur werde jetzt mein Weib . « Und wieder griff er nach ihrer Hand . - » Du mir meine Liebe verzeihn ? Verzeihn , was so hoch über dir wie die leuchtende Sonne über dem schleichenden Wurm ? Wär ich ' s wert , daß ihn je mein Auge gesehen , wenn ich dein Weib würde ? Hinweg ; hinweg von mir ! « » Ha , « rief Jochem , » zu viel , zu viel ! Mein Weib - du sollst es nimmer werden ! Aber winden sollst du dich in diesen Armen , und den Christen will ich dir aus dem blutenden Herzen reißen , daß es zucken soll in Verzweiflung . Auf Wiedersehen . « Und er war aus dem Hause und alsbald aus der Stadt verschwunden . Miriam , von bangen Gefühlen bedrängt , eilte ins Freie : es trieb sie zu beten : aber nicht in der dumpfen Synagoge : sie betete ja für ihn : und es drängte sie , zu seinem Gott zu beten . Sie wagte sich scheuen Fußes in die nahe Basilika Sankt Mariä , aus der man an Friedenstagen oft die Jüdin mit Flüchen verscheucht hatte . Aber jetzt hatten die Christen keine Zeit , zu fluchen . Sie kauerte sich in eine dunkle Ecke des Säulenganges und vergaß in heißem Gebet bald sich selbst und die Stadt und die Welt : sie war bei ihm und bei Gott . - Inzwischen verlief die letzte Stunde der Waffenruhe ; schon neigte sich die Sonne dem Meeresspiegel zu . Die Goten flickten und stopften nach Kräften die zertrümmerten Mauerstellen , räumten den Schutt und die Toten aus dem Wege und löschten die Brände . Da lief die Sanduhr zum drittenmal ab , während Belisar vor seinem Zelte seine Heerführer versammelt hielt , des Zeichens der Übergabe auf dem Kastell des Tiberius harrend . » Ich glaub ' es nicht ! « flüsterte Johannes zu Prokop . » Wer solche Streiche tut , wie ich von jenem Alten gesehen , gibt die Waffen nicht ab . Es ist auch besser so : da gibt ' s einen tüchtigen Sturm und dann eine tüchtige Plünderung . « Und auf der Zinne des Kastells erschien Graf Uliaris und schleuderte trotzig seinen Speer unter die harrenden Vorposten . Belisar sprang auf . » Sie wollen ihr Verderben , die Trotzigen ; wohlan , sie sollen ' s haben . Auf , meine Feldherrn , zum Sturm . Wer mir zuerst unsre Fahne auf den Wall pflanzt , dem geb ' ich ein Zehntel der Beute . « Nach allen Seiten eilten die Anführer auseinander : Ehrgeiz und Habsucht spornten sie . Eben bog Johannes um die zerstörten Bogen des Aquädukts , welchen Belisar durchbrochen , den Belagerten das Wasser zu entziehen , da rief ihn eine leise Stimme . Schon dämmerte es so stark , daß er nur mit Mühe den Rufenden erkannte . » Was willst du , Jude ? « rief Johannes eilig . » Ich habe keine Zeit ! Es gilt harte Arbeit ! Ich muß der erste sein in der Stadt . « » Das sollt Ihr , Herr , ohne Arbeit , wenn Ihr mir folgt . « » Dir folgen ? weißt du einen Weg über die Mauer durch die Luft ? « » Nein ! Aber unter der Mauer , durch die Erde . Und ich will ihn Euch zeigen , wenn Ihr mir tausend Solidi schenkt und ein Mädchen zur Beute zusprecht , das ich fordre . « Johannes blieb stehen : » Was du willst , sei dein . Wo ist der Weg ? « - » Hier ! « sagte Jochem und schlug mit der Hand auf die Steine . - » Wie ? die Wasserleitung ? woher weißt du ? « - » Ich habe sie gebaut . Ein Mann kann , gebückt , durchschleichen ; es ist kein Wasser mehr drin . Eben komme ich auf diesem Wege aus der Stadt . Die Leitung mündet in einem alten Tempelhaus an der Porta Capuana ; nimm dreißig Mann und folge mir . «