Abschied von Etzel sich gewendet , Da glänzt aus lichtem Waldsaum im Abenddämmerschein Ein Fluß zu ihm herüber - das war der Vater Rhein , Das war der Rhein , und jenseits am fernen Ufer stand Die Königsburg von Worms , Hauptstadt in Frankenland . Ein Schiffer kam gerudert auf breitgebautem Kahn , Die letztgefangnen Fische bot ihm Walthari an , Da fuhr ihn jener über , er war zufrieden der Gabe , Und weiter flüchtend spornt Walthari das Roß zum Trabe . Der Fährmann andern Tages nach Worms gegangen war , Des Königs Leib- und Mundkoch bracht ' er die Fische dar , Der würzt ' und salzte sie und setzte sie als Mahl Dem König Gunther vor ; erstaunt sprach der im Saal : » Seit daß ich herrsche in Franken , nie sah ich einen Fisch Von solcherlei Gestalt und Schmack auf meinem Tisch , Der muß aus fremden Landen zu uns gekommen sein . Sag ' an , mein Koch , geschwinde , wer brachte den herein ? « Da wies der Koch den Fergen , der König rief ihn her , Genau verkündet ' der dem Fragenden die Mär : » Ich saß am Rheinesstrande noch gestern abend spat , Da kam ein fremder Mann geritten den Uferpfad , Als käm ' er just vom Kriege , so schaut ' er trutzig wild , Er starrte ganz in Erze und führte Speer und Schild . Schwer mocht ' die Wucht der Rüstung auf seinen Schultern lasten , Doch ritt er scharfen Schrittes und mochte nimmer rasten . Dem Mann folgt eine Maid , schön wie der Sonne Scheinen , Sie sitzt auf gleichem Gaul , schier streift ihr Fuß den seinen . Die lenket mit dem Zügel das riesig starke Roß , Von dessen Rücken hangen zwei Schreine mäßig groß . Doch wie aufbäumend es den Nacken schütteln wollte , Da hört ' ich drin ein Klingen von Edelstein und Golde . Den Mann hab ' ich gefahren . Der gab mir solche Fische . « Das Wort erlauschte Hagen . Er rief am Königstische : » Freut euch mit mir Genossen , die Sache wird klar und hell , Aus Hunnenland heimreitet Walthari , mein Gesell . « Er rief ' s , da schallte Jubel hellauf im hohen Saal , Doch übermütigen Sinnes der König Gunther befahl : » Freut euch mit mir viel lieber , der ich dies durft ' erleben : Den Schatz , den einst mein Vater den Hunnen mußte geben , Den hat ein guter Gott zurück mir jetzt gebracht ! - « Sprach ' s , und gehobenen Fußes umstieß er den Zechtisch mit Macht , Und hieß die Rosse satteln und las aus seinem Volk Erprobter Mannen zwölfe als starkes Heergefolg ' . Er wählt den Hagen auch , der bat vergeblich ihn , - Des alten Freunds gedenkend - zu ändern seinen Sinn . Doch Gunther polterte : » Frisch vorwärts ! drauf und drein ! Hüllt eure Heldenknochen in Eisenrüstung ein , Schirmt mit dem Schuppenpanzer Rücken euch und Brust , Des Frankenschatzes Räuber zu jagen ist mein Gelust ! « Da rückte aus dem Tor die Schar , die wohlbewehrte . Walthari , edel Wild - Feind ist auf deiner Fährte ! Walthari ritt indessen landeinwärts von dem Rhein , In einem schattig finstern Forste ritt er ein . Das war des Weidmanns Freude , der alte Wasichenwald , Wo zu der Hunde Bellen das Jagdhorn lustig schallt . Dort ragen dicht beisammen zwei Berge in die Luft , Es spaltet sich dazwischen anmutig eine Schluft , Umwölbt von zackigen Felsen , umschlungen von Geäst Und grünem Strauch und Grase , ein rechtes Räubernest . Er schaut ' den festen Platz . » Hier « , sprach er , » laß uns rasten , Des süßen Schlafes mußt ' ich schon allzulange fasten ; Das war seit vierzig Nächten auf hartem Rosses Rücken Über den Schild gelehnet , ein unerquicklich Nicken . « Ab tat er Wehr und Waffen und in der Jungfrau Schoß Lehnt ' er sein müdes Haupt : » Nun , teurer Fluchtgenoß Hiltgund , halt sorgsam Wacht ! und steigt vom Tal herauf Fahldunkle Staubeswolke , dann wecke leis mich auf ; Doch käm ' auch angeritten ein ganzes Heer von Recken , So sollt ' du doch , Vielteure , nicht allzu schnell mich wecken . Ich traue deinen Augen . Die sind gar scharf und rein , Die schaun weit in die Lande ... « So schlief Walthari ein . Im Sand sah König Gunther die Spur von Hufestritt , Anspornend trieb den Renner er nun zu schnellerm Schritt . » Herbei « , rief er , » ihr Mannen ! noch heute fahn wir ihn Samt den gestohlenen Schätzen , er soll uns nicht entfliehn . « Umsonst entgegnet Hagen : » Das geht so glatt nicht ab ; Manch einen tapfern Degen warf jener in das Grab . Zu oft hab ' ich erschauet Walthari in Schlachtenwut , Ich weiß , er handhabt Lanze und Schwert nur allzu gut . « Doch nimmer ließ sich warnen der vielverstockte Mann : Im Glanz des Mittags ritten sie vor der Felsburg an . Vom Bergesgipfel schaute Hiltgund zum Tal hinab , Da hub sich Staubeswirbel und ferner Rossestrab , Sie strich mit leisem Finger des Schläfers braunes Haar : » Wach ' auf , wach ' auf , Walthari ! es naht uns eine Schar . « Der rieb sich aus den Augen des süßen Schlafes Rest Und griff nach seinen Waffen und rüstete sich fest , Und durch die leeren Lüfte schwang er den Speer mit Macht , Das war ein lustig Vorspiel vor bitterernster Schlacht . Hiltgund , wie sie von weitem Lanzen blitzen sah , Warf klagend sich zu Boden : » Nun sind die Hunnen da ! Nun fleh ' ich , mein Gebieter , hau ' ab mein junges Haupt , Daß , so ich dein nicht werde , kein andrer Mann mich raubt ! - « » Gebiete deiner Furcht « , sprach mild der junge Recke , » Fern sei , daß schuldlos Blut die Klinge mir beflecke . Der in so manchen Nöten ein starker Hort mir war , Wird mich auch heute stärken , zu werfen diese Schar . Nicht Hunnen sind die Feinde , es sind nur dumme Jungen , Die hier im Lande wohnen , sind fränkische Nibelungen . « Drauf deutet er mit Lachen nach einem Helm auf dem Plan : » Das ist fürwahr der Hagen , mein alter Hunnenkumpan . « Nun trat zum Höhleneingang der Held und sprach von dort : » Vor diesem Tore künd ' ich nunmehr ein stolzes Wort : Kein Franke soll entrinnend sich rühmen seinem Weib , Er hab ' Waltharis Schätze gegriffen bei lebendem Leib , Und ... « doch die Sprache hemmt ' er und kniete zum Gebete , Gott um Verzeihung flehend für solche Frevelrede . Dann hub er sich und schaute prüfend der Feinde Reihn : » Von allen diesen Kämpen fürcht ' ich den Hagen allein , Der weiß viel böse Listen und kennt den Brauch des Streits , Doch außer ihm , o Hiltgund , tut keiner uns ein Leids . « Derweil Walthari dräuend Wacht hielt am Felsentor , Sprach Hagen zu dem König : » O Herr , noch seht Euch vor ! Schickt einen Boten ihm , und friedlich sei ' s geschlichtet . Vielleicht daß jener selber sich bittend an Euch richtet Und Euch den Schatz ausfolgt . Die Antwort zeige den Mann , Es ist noch immer Zeit , mit Waffen ihn zu fahn . « Da hieß der König ausziehn Herrn Camelo von Metz , Der dort als Frankenrichter verwaltet das Gesetz . Der flog als wie die Windsbraut zu jung Walthari hin : » Wer bist du , fremder Degen , sag ' an , woher , wohin ? « Der Held ihm drauf erwidert : » Erst künde du die Mär : Kommst du aus eignem Willen , schickt dich ein andrer her ? « Stolz sprach Herr Camelo : » Mich hat hierher entsandt Als Herold König Gunther , der Herr in Frankenland . « Walthari ihm entgegen : » Fürwahr , was ficht Euch an , Zu spähn und auszuforschen den fremden Wandersmann ? Ich bin von Aquitanien Walthari hochgemut , Als Geisel gab der Vater mich in der Hunnen Hut , Dort mußt ' ich seit verweilen . Itzt wandt ' ich mich zu gehn , Ich will die süße Heimat , die Eltern wieder sehn . « Da sprach der Bote trocken : » Wohlan , so sei bereit , Den Goldschrein mir zu liefern , dein Roß auch und die Maid . Nur so du schnell dich sputest , dies alles herzugeben , Will dir mein Herr belassen die Glieder und das Leben . « Da rief Walthari kecklich : » Nie hört ' ich größern Toren ! Wie kann dein König bieten , was ich noch nicht verloren ? Ist er ein Gott denn , daß er mich also will berücken ? Noch trag ' ich nicht die Fäuste gefesselt auf dem Rücken , Noch duld ' ich nicht , gewundet , des Kerkers Herzeleid - Doch billig ist mein Denken : Und läßt er von dem Streit , Goldroter Spangen hundert will ich ihm gern gewähren , Ich weiß als fremder Mann des Königs Namen zu ehren . « Der Bote ritt hinunter und brachte den Bescheid . Da sprach zum König Hagen : » O nimm , was er dir beut , Ich ahne Unheil sonst , mir hat verwichene Nacht Ein Traum um dich , Gebieter , viel schwere Sorge gebracht . Sch sah selband uns reiten und jagen im Geheg , Da trat ein großer Bär dir , hoher Herr , in Weg ; Das war ein hitzig Streiten , es hat das Tier zuletzt Das Bein dir bis zur Hüfte zerhauen und zerfetzt . Und wie gefällten Speeres ich beisprang dir im Strauß , Riß er mir selbst ein Auge mit scharfem Zahne aus . « Stolz schalt der König : » Wahrlich , du bist des Vaters wert , Auch der focht mit der Zunge viel lieber als mit dem Schwert ! « Drob zog in Hagens Herzen ein bitter Zürnen ein : » Wohlan « , sprach er , » so mögt Ihr des Kampfes denn Euch freu ' n. Dort steht vor Euren Augen , des Euch gelustet , der Mann , Ich will des Ausgangs harren und keine Beute ha ' n. « Sprach ' s und zum nahen Hügel lenkt er sein Roß in Ruh ' , Sprang ab und sah gelassen , im Grase sitzend , zu . Der König Gunther winkte den Camelo nun her : » Zeuch aus und künde jenem : den ganzen Schatz ich gehr ' , Und so er noch sich weigert , so bist du Manns genug , Daß du ihn kampflich angehst und niederwirfst mit Fug . « Von Metz , der Bischofstadt , Herr Camelo zog ab , Fahl nickt ' vom blauen Helme sein gelber Busch herab . Von fern schon rief er laut : » Heda ! mein Freund - heraus ! Dem Frankenkönig liefre den ganzen Goldschatz aus ! « Walthari hört ' s und schwieg . Da ritt er näher bei : » Den ganzen Goldschatz liefre ! « so rief er ihm aufs neu ' . Dem riß jetzt die Geduld : » Laß ab dein Schrei ' n und Johlen , Hab ' ich dem König Gunther den Schatz etwann gestohlen , Hat er ein Darlehn mir geliehn habgier ' gen Sinns , Daß er mir jetzo heischet so schnöden Wucherzins ? Hab ' ich das Land geschädigt und Häuser weggebrannt , Daß Ihr mir Buße fordert mit übermüt ' ger Hand ? Das muß ein schäbig Volk sein , das mir den Durchgang neidet Und keinen fremden Mann auf seinem Boden leidet . Ich will ums Wegrecht markten : Zweihundert Spangen wohlan Biet ' ich jetzt deinem König . Vernimm ' s und zeig ' s ihm an ! « » Du sollt noch mehr uns bieten ! « rief Camelo in Wut , » Des Redens bin ich satt . Itzt gilt ' s dein Gut und Blut . « Er deckte seinen Arm mit dem dreifältigen Schild Und raffte seinen Speer und schüttelte ihn wild Und zielte genau und warf . Ihm bog Walthari aus , Er fuhr in grünen Rasen mit schneidigem Gesaus . » Wohlan denn ! « rief Walthari , - » es sei , wie ' s euch gefällt ! « Und seine dunkle Lanze schoß der junge Held . Die fuhr zur linken Seite durch den Schildesrand Und nagelt ' an die Hüfte Camelos rechte Hand Und drang dem Gaul in Rücken - ausschlagend bäumt sich der Und hätt ' ihn abgeschüttelt , doch fest hielt ihn der Speer . Indes ließ Camelo den Schild zu Boden sinken , Und strebte sich des Speeres zu ledigen mit der Linken . Doch jener stürzt ' heran und stemmt den Fuß und tief Stieß er ihm in den Leib das Schlachtschwert bis zum Griff . Zog ' s dann zusamt der Lanze aus der Todeswunde , - Da sanken Roß und Reiter wohl in derselben Stunde . So mußt ' ins grüne Gras Herr Camelo dort beißen . Ihn sah sein Neffe Kimo , auch Scaramund geheißen . » Ha ! das traf mich ! « so rief er , » zurück , ihr andern all ' , Jetzt sterb ' ich oder sühne des teuern Blutsfreunds Fall . « Weinend sprang er hinauf , der Weg war hohl und enge , Daß ihm kein andrer konnt ' beistehn im Handgemenge . Er knirschte mit den Zähnen : » Nicht will ich Schatz und Gut , Ich komme als ein Rächer für meines Oheims Blut . « Zwei Speere schwang er hoch , am Helm die Mähne zittert ; Doch fest stand dort Walthari und sagte unerschüttert : » War ich des Kampfs Beginner , geb ' ich mich gern verloren , Es soll mich noch zur Stunde dein Lanzenwurf durchbohren ! « Da warf in rascher Folge die Lanzen Scaramund , Die eine traf den Schild nur , die andre flog in Grund . Dann mit gezücktem Schwerte ritt er Walthari an , Doch bracht ' er ' s nicht zuwege , die Stirn ihm durchzuschla ' n. Der Hieb saß auf dem Helme , das dröhnte und das klang , Und Feuerfunken sprühten den dunkeln Wald entlang . Jetzt fuhr ihm wie ein Blitz Waltharis Speer in Hals Und hob ihn aus dem Sattel , da fiel er dumpfen Falls . Nichts half ihm mehr die Bitte , sein Haupt hieb jener ab , So sank bei seinem Ohme der Neffe früh ins Grab . » Vorwärts ! « rief König Gunther , » und laßt ihm keinen Frieden , Bis daß wir Schatz und Leben geraubt dem Kampfesmüden . « Da kam als dritter Kämpe Werinhard gezogen , Des Speerwurfs ein Verächter trug er nur Pfeil und Bogen . Er richtet ' auf Walthari von ferne manch Geschoß , Gedeckt vom riesigen Schilde gab der sich nirgends bloß . Und eh ' der Schütz ihm beikam , war schon sein Köcher leer , Des zürnend stürmt er jetzo mit blankem Schwert einher : » Und sind dir meine Pfeile zu luftig und zu leicht , Paß auf , ob nicht mein Hieb dir vollgewichtig deucht ! « » Schon lange wart ' ich , daß dem Kampf sein Recht geschehe « , Walthari rief ' s entgegen - und schleudert aus der Nähe Den Speer . Der traf das Roß . Hufschlagend bäumt sich ' s auf , Warf in den Staub den Reiter und stürzte oben drauf . Dem Fallenden entriß der Held sein Schwert in Hast , Löst ihm den Helm - am blonden Gelock er stark ihn faßt ' : » Zu spät kommt itzt dein Jammern , den Bitten bin ich taub ! « Und abgeschlagnen Hauptes lag Werinhard im Staub . Drei Leichen lagen schon . Des Streitens noch nicht müd , Entsandt ' als vierten Kämpen Gunther den Ekkefrid . Der hatt ' im Sachsenlande den Herzog einst erschlagen Und der Verbannung Leid am Frankenhof getragen . Der trabte stolz einher auf rötlichbraunem Schecken , Den kampfbereiten Mann tat er erst spöttisch necken : » Bist du gefestet , Unhold ? trügst du durch Luft und Wind ? Bist ein Waldteufel du ? bist du ein Menschenkind ? « - Hohnlachend rief Walthari : » Ich kenne solches Welschen , Ihr seid das rechte Volk zum Trügen und zum Fälschen - Heran denn ! Deinen Sachsen sollt du erzählen bald , Was du dereinst für Teufel erschaut im Wasichenwald ! « » Wir wollen es erproben « , sprach Ekkefrid , und scharf Schwang er die Eisenlanze am Riemen , holt ' aus und warf , Doch sie zerbrach am Schilde , der Schild war allzu hart , Zurück warf sie Walthari und lachte in den Bart : » Schau ' an , wie dir der Waldgeist heimgibt , was du geschenkt , Sie mag wohl tiefer fahren , wenn meine Faust sie lenkt . « Gespalten von dem Wurf des Schildes Stierhaut klafft ' , Der Rock zerriß - es fuhr tief in die Lunge der Schaft , Todwund sank Ekkefrid , ein Blutstrom sich ergoß , Als Beute nahm Walthari mit sich des Toten Roß . Der fünfte Kämpe war Hadwart . Er ließ zurück Den Speer und hofft ' allein vom scharfen Schwert sein Glück . Erst sprach er zu dem König : » So ich den Sieg gewinne , Belaß des Feindes Schild mir , nach diesem steht mein Sinne . « Zu Rosse drang er vor , doch seinen Pfad versperrten Die Leichen der Erschlagenen . Da sprang er zu der Erden . Des lobt Walthari ihn . Doch Hadwart rief und schalt : » Du liegst wie eine Natter im Kreis zusammengeballt Und denkst , o schlaue Schlange , Pfeil und Geschoß zu meiden - Des sollt von meiner Rechten du herbe Schläge leiden . Den schönbemalten Schild leg ' ab jetzt unverweilt , Als Kampfpreis ist er mir vom König zugeteilt , Er soll nicht Schaden nehmen , gar wohl gefällt er mir . Und wollt ' sich ' s anders wenden , und unterläg ' ich dir : Dort stehen die Genossen . Du fristest nicht dein Leben , Und wollt ' st du auch als Vogel befiedert uns umschweben . « Furchtlos sprach da Walthari : » Den Schild , den lass ' ich nicht ! Dem bin ich als ein Schuldner zu großem Dank verpflicht ' t. Der schirmte mich vorm Feinde gar oft in heißen Tagen , Die Wunden , die mir galten , ließ er sich willig schlagen ; Du sollt noch heut erkennen , wie nützlich dieser mir , So ich den Schild nicht hätte , ich stünde nimmer hier . « Drauf Hadwart : » Unfreiwillig sollt du ihn balde missen Und Roß und Gold und Jungfrau in unsern Handen wissen . Noch einmal rat ' ich dir : leg ' ab , leg ' ab die Last , Die du so weiten Weges bis heut getragen hast . « Sprach ' s und vom Leder zog er . Das war ein Fechten schwer , Er kämpfte mit dem Schwerte , Walthari mit dem Speer , Im Wasichenwalde nimmer solche Blitze sprühten , Staunend sahn die Franken auf den Nimmermüden . Das hat von Helm und Schilden geklungen und gegellt , Wie wenn mit scharfem Beile ein Mann die Eiche fällt . Aufsprang der Wormser Kämpe und schwang des Schwertes Schneide , Auf daß mit einem Hieb der Zweikampf sich entscheide . Walthari fing den Streich und zwang ihm aus der Faust Die Klinge , daß sie weit seitab ins Buschwerk saust . Dahin floh Hadawart . Doch Alphers Sohn , der schnelle , Ihm nach : » Wo fleuchst du hin ? da , nimm den Schild , Geselle ! « Sprach ' s und mit beiden Händen hob er den Speer und stach , Da ging der Kampf zu Ende . Der sank mit dumpfem Krach , Ihm setzte auf den Nacken den Fuß Walthari und dann Spießt ' an den Boden er zusamt dem Schilde den Mann . Als sechster in den Kampf ging jetzo Patafrid , Des Hagen Schwestersohn . Wie den sein Oheim sieht , Gedachte er mit Bitten zu wenden ihm den Sinn : » Schau , wie der Tod dich anlacht ! laß ab , wo eilst du hin ? Laß ab , laß ab , o Neffe , dich täuscht dein Jugendmut , Zu zwingen den Walthari , braucht ' s andere Kraft und Glut . Des Zuspruchs ungerührt , der Jüngling ging von hinnen , Sein einzig Trachten war , sich Ehre zu gewinnen . Bekümmert saß drum Hagen und seufzte tief und grollte : O nimmersatte Habgier , o schnöder Durst nach Golde , O schlänge doch die Hölle das güldne Erz in Rachen , Und gäb ' es statt den Menschen zur Hut den alten Drachen ! Niemand hat mehr genug . Sie schaffen und sie scharren Sich täglich mehr zusammen und sind doch arme Narren ! Wie reitest in den Tod auch du mein Neffe so blind , Was soll ich deiner Mutter für Kunde bringen vom Kind ? Und was dem jungen Weibe , das traurig deiner harrt , Dem noch zu schwachem Troste der erste Sproß nicht ward ? « Sprach ' s , und die Träne rollt ' ihm langsam in Schoß hinab : » Fahr ' wohl auf lange ! « seufzt ' er , » fahr ' wohl , du schöner Knab ' ! « Aus weiter Fern ' Walthari des Freundes Klage vernahm , Gerührt sprach er zum Kämpen , der itzt gestürmet kam : » Steh ' ab , mein tapfrer Junge , ich mag dir ' s redlich raten , Aufspare deine Kraft zu anderweiten Taten , Schau ' auf ! hier liegt erschlagen manch ein gewalt ' ger Held , Ich müßte Leides tragen , wenn du dich beigesellt . « » Was kümmert dich mein Sterben ? « rief jener , » steh ' und ficht ! Zum Streit bin ich gekommen , zu losem Schwatzen nicht . « Und mit dem Worte flog auch die knorrige Lanze einher , Zur Seite schlug Walthari sie mit dem eignen Speer ; Von Wurfs Gewalt getragen und von des Windes Kraft Flog bis zur Felsenhöhle zu Hiltgunds Füßen der Schaft . Aufschrie vor Furcht die Jungfrau ; dann aus der Felsenspalte Lugt ' sie fürsichtig , ob Walthari sich noch halte . Noch einmal warnte dieser den ungestümen Mann , Doch er , bedachtlos wütend , stürmt mit dem Schwerte an . Da schirmte sich Walthari und schwieg , doch mocht sein Schweigen Dem Zähneknirschen des gehetzten Keulers gleichen . Zu mächtigem Schwertstreich holte Patavrid itzt aus , Da duckte sich Walthari ins Knie und bog ihm aus , Daß ihn des leeren Streiches Wucht zu Boden riß . Auf sprang der Held mit Macht . Da war der Sieg gewiß . Zwar wollt ' zu neuem Fechten auch Patavrid sich heben , Umsonst . In Bauch getroffen ließ er das süße Leben , Die Seele flog von dannen , es ward sein junger Leib Dem wilden Waldgetiere ein Fraß und Zeitvertreib . Des Toten Fall zu rächen kam Gerwig itzt gesprengt , Er sprengte über die Leichen , die dort den Steg geengt ! Derweil des Toten Haupt vom Rumpf Walthari fällt , Warf er die doppelschneidige Streitaxt nach dem Held , - Die war in jenen Zeiten der Franken liebst Gewaffen . - Schnell hob den Schild Walthari , sich Deckung zu verschaffen , Rückspringend nach der Lanze , an sich die teure riß er , Die blutige Schwertesklinge ins grüne Riedgras stieß er Und stellte sich dem Angriff . Da fiel kein unnütz Wort , So grimmig nach dem Kampfe lechzten die beiden dort . Der focht den Freund zu rächen , der schirmte Leib und Leben , Viel schwere Hiebe wurden gehauen und rückgegeben . Waltharis Speer war länger , doch tummelte sein Pferd Der Franke rings im Kreis , daß jener müde werd ' . Zuletzt ersah Walthari , daß er den Schild ihm hob , Durch Gerwigs Weichen itzt das grimme Eisen schnob . Hinsank er auf den Rücken , ein Schrei entfuhr dem Mund , Des Todes unfroh stampfte er den durchfurchten Grund . Auch diesem tät der Held das Haupt vom Rumpfe lösen , - Er war ein stolzer Graf im Wormser Gau gewesen . Nun stutzten erst die Franken und baten ihren Herrn , Vom Streite abzustehen . Doch dem war Gunther fern , » He ! « zürnte er , » ihr tapfre , ihr vielerprobte Seelen , Schafft euch das Unglück Furcht , anstatt zum Zorn zu stählen ? Soll aus dem Wasichenwalde ich so mich werfen lassen , Und als geschlagner Mann durchziehn die Wormser Gassen ? Erst wollt ' ich jenen Fremden des Goldes sehn verlurstig , Jetzt dürst ' ich seines Blutes . Und ihr , seid ihr nicht durstig ? Den Tod sühnt nur der Tod . Blut heischet wieder Blut ! « Er sprach ' s , da wurden alle entflammt zu neuem Mut . Als ging ' s zu lust ' gem Spiele , zu Wettkampf und Turney ' n , So wollte jetzt ein jeder im Tod der erste sein . Den Felspfad aufwärts ritten sie nacheinand ' im Trab , Indessen nahm Walthari den Helm vom Haupte ab Und hing ihn an den Baum . Den würz ' gen Waldesduft Sog er mit vollen Zügen und kühlt ' sich an der Luft . Da rannt auf schnellem Rosse Herr Randolf jach heran , Mit schwerer Eisenstange stürmt ' er Walthari an Und hätt ' ihn schier durchbohrt . Doch auf der Brust zum Glück Trug er ein schwer Geschmeide , Schmied Welands Meisterstück . Leicht faßte sich der Held und hielt den Schild bereit , Den Helm sich aufzusetzen hatt ' er nimmer Zeit . Schon sauste Randolfs Klinge um Waltharis Ohren , Da wurden dem Barhäupt ' gen zwei Locken abgeschoren . Doch unverwundet blieb er . Es fuhr der zweite Hieb So mächtig in den Schildrand , daß er drin steckenblieb . Dem Blitz gleich sprang Walthari zurück und wieder vor , Und riß ihn von dem Gaule , daß er das Schwert verlor , Und preßt ' ihn auf den Boden , trat ihm die Brust mit Füßen : » Jetzt sollt du für die Glatze mir mit dem Scheitel büßen Und dieses Stückleins nimmer prahlen deinem Weibe ! « Sprach ' s und hieb den Kopf von des Besiegten Leibe . Als Neunter in den Kampf sprang Helmnod vor in Eile , Er schleppte einen Dreizack an vielgewundnem Seile , Das hielt zu seinem Rücken der Freunde kleiner Rest . Sie dachten , wenn die Haken im Schilde säßen fest , Das Seil dann anzuziehen mit so gewaltiger Macht , Daß drob Walthari leicht zu Falle werd ' gebracht . Den Arm reckt Helmnod aus und warf den Zack im Bogen : » Paß auf , du kahler Mann ! da kommt dein Tod geflogen ! « Stolz durch die Lüfte kam das Wurfgeschoß gesaust , Als wie die Schlange zischend vom Baum herunter braust . Gespalten ward der Nagel am Schild . Er war getroffen . Scharf zerrten an dem Seil die Franken schweißumtroffen , Im Waldgebirg ' erscholl ihr siegesfroher Schrei . Der König selbst gesellte den Ziehenden sich bei . Doch festgewurzelt stund , als wie die Riesenesche , Des Lärmens unbekümmert Walthari in der Bresche , Er stund und wankte nicht . Da dachte dort der Schwarm , Zum mind ' sten ihm den Schild zu reißen von dem Arm . Von zwölf Gesellen so die letzten viere kamen Zu ungestümem Streit . Der Sang nennt ihre Namen : Der neunte war Herr Helmnod , Eleuther auch benannt , Der zehnte Mann war Trogus , von Straßburg hergesandt . Von Speier an dem Rhein Herr Tannast war der elfte , Und König Gunther war an Hagens Statt der zwölfte . Solch eiteln Streitens ward Walthari endlich wild . Barhäuptig war er schon . Jetzt ließ er auch den Schild Und auf die Rüstung nur und seinen Speer vertrauend , Sprang er in Feind , zuerst nach dem Eleuther hauend . Er spaltet ' ihm den Helm und Haupt und Nacken zugleich , Zerspaltet ' auch die Brust mit einem einz ' gen Streich . Dann stürmt ' er auf den Trogus . Verwickelt in dem Seil Hing der , ihm brachte nimmer das Flüchten Glück und Heil , Sie hatten bei dem Seilzug sich abgetan der Waffen ; Vergebens sprang er itzt , sich diese zu erraffen , Walthari holt ' ihn ein , und tiefe Wunde schlug er In beide Waden ihm , und seinen Schild wegtrug er , Bevor ihn Trogus griff . - In Wut ersah der Wunde Sich einen riesigen Feldstein . Den hob er von dem Grunde Und stemmte sich und warf ihn so sicher auf den Held , Daß er den eignen Schild inmitten ihm zerschellt ' . Im Grase kriechend Trogus sein Schwert dann wieder ' fand , Er nahm ' s , und durch die Lüfte schwang er ' s mit starker Hand . Zwar konnt ' er seine Mannheit nicht mehr durch Taten weisen , Doch kündet Herz