uns her ; wir können es aber auch so . Sie schlagen sich , plündern , brennen , verwüsten , und wir kultiviren unser Land , protegiren unsere Fabriken . Dann halten wir Markt und machen auch die Preise . Wie steigen jetzt schon unsre Güter mit den Friedensaussichten ! Wissen Sie , was man mir für Schöneichen geboten hat ? - Der Herr van Asten in der Spandauerstraße möchte es gern . Will das Holz schlagen lassen , Brettermühlen anlegen ; aber ich lasse es ihm nicht . A propos « - der Minister zog den Geheimrath bei Seite und sprach leiser - » kennen Sie den van Asten ? « » Er gilt für einen sehr respektablen Mann . « » Ja , ja , aber das intus ! Er hat viel in französischen Weinen gemacht . Seit dem Lager von Boulogne ist das Holz in Frankreich theuer . Will nun in Brettern hinmachen und in Wein retour . Entre nous soit dit , warum soll man den Vortheil nicht mitnehmen ! Warum soll ich nicht selbst mein Holz zu Brettern und die Bretter zu Geld machen , oder auch zu Wein . Wein im Keller ist baares Geld . « » Und der Wein aus Excellenz Kellern unter Freunden doppeltes Geld werth . « » Also Sie meinen , man kann ihm trauen ? Aber Schöneichen laß ich ihm jetzt nicht . Wissen Sie , wie hoch es der Legationsrath taxirt ? « » Herr von Wandel ist ein Kenner . « » Hat mir Mergellagerungen nachgewiesen , an die kein Mensch gedacht . Hat sich auch sehr nobel bewiesen gegen Ihren Sohn , seine sogenannte diplomatische Qualité ganz desavouirt . « » Von einem so edel gesinnten Manne konnte ich es erwarten . « » Er meinte , ob man Ihren Sohn nicht auf eine schonende Weise , etwa durch einen Courierritt nach Petersburg oder Madrid entfernen könnte ? Was meinen Sie dazu ? Können ' s ja mit Lombard abmachen . « » Ich will darüber nachdenken . « » Reiten ist sehr gut . Treibt auch das finstre Blut aus . Sollten auch reiten , Geheimrath , Ihr Embonpoint - aber besser , wie gesagt , ist Karlsbad . - Haben Sie solche Eile ? « » Zu Herrn von Wandel , dem ich noch meinen Dank schulde . Man trifft ihn so selten zu Hause . « » Verschließt sich auch viel in seinem Laboratoire . « » Oder bei der Lupinus , « lächelte Bovillard . » Inklination ! « » Wer hätte das denken sollen ! « » De gustibus - wissen Sie . Ueberhaupt was der Mann prästiren kann ! Sagt mir der Präsident vom Pupillenkollegium , tagelang sitzt er in der Registratur ohne Refraichement . « » Was macht er denn da ? « » Liest die Akten durch . Ich habe ihn empfohlen . « » Wozu die Pupillenakten ? « » Was der Mann sich für Agrikultur interessirt ! « » Der Grund und Boden der märkischen Güter ist doch nicht in den Pupillenakten verzeichnet . « » Er findet Ihnen im kleinsten Umstand Renseignements . Sie glauben nicht , wie merveillös er im Diviniren ist . Aus einer Gutsrechnung , was an Gerste , Korn , Weizen gewonnen ist , zu welchen Preisen das Holz fortging , wie viel Torf gestochen ist , daraus macht er Schlüsse , zum Etonnement . Sein Kopf ist voll Verbesserungspläne für unsere Landwirthschaft . « » Um so mehr zu bedauern , daß Haugwitz einen Degout gegen ihn hat . Was könnte er im Staatsdienst nützen ! « » Hat er den Gout dafür ? « » Der kommt von selbst , wenn man unter Ministern wie Excellenz arbeitet . « » Ich ästimire ihn sehr . Hat geniale Gedanken , zum Beispiel über Schafzüchterei . Wie ich mich mit meinen Bauern separirt habe , das möchte er allen Gutsbesitzern zum Exempel hinstellen . Hat mir eine Rechnung aufgemacht , wie viel der Gutsherr eigentlich Schaden hat bei den Frohndiensten . Ich versichere Sie , die Augen gingen mir über - « » Vor Freude , daß Ihr Genie ein so glückliches Arrangement getroffen . Die Bauern sind gewiß auch zufrieden . - « » Sie wissen , wie Bauern sind . « » Aber das Publikum verehrt Excellenz als einen Wohlthäter der unterdrückten Menschenklasse , und als der Staat für Ihre Verdienste Ihnen Schöneichen schenkte , hat er nicht daran gedacht , daß es so viel mehr werth war , als Excellenz daraus gemacht . In der Taxe , die Seiner Majestät damals vorgelegt wurde , war es ja wohl nur geschätzt auf - « Der Minister unterbrach ihn : » Ich ästimire , wie gesagt , Herrn von Wandel sehr , indessen - « » Seine Relationen mit der französischen Ambassade ? « » Was kümmert mich das ! Möchte er den Türken dienen oder wem draußen . Aber - « » Haugwitzs Abneigung - « » Kümmere ich mich um Haugwitzs äußere Affairen ! Was braucht er von meinen inneren zu wissen ! Auch solche modernen Ideen ! Jeder Minister trägt Seiner Majestät vor , oder lässt vortragen , was er für nöthig hält , im übrigen Herr in seinem Departement , und kümmert sich nicht , was ein anderer Minister will und denkt , oder nicht will und nicht denkt , und wenn ich Jemand anstelle , der Haugwitzs Pläne kontrekarriren oder Lucchesini vergiften wollte , das ginge doch nur mich an , ob ich einen solchen Menschen behalten will oder nicht . Also ' s nicht um Haugwitz noch um irgend Jemand . « » Dann wüsste ich in der That nichts , was man Herrn von Wandel vorwerfen kann , als daß er keine Diners giebt . Gewisse Personen choquirt das allerdings . « » Er hat nicht von unten auf avancirt . Verstehen Sie mich wohl , was ich damit meine . Kann das Hereingeblasene nicht leiden . Der Pli muß durch die Schule kommen . Es ist mir nicht sowohl um die Examina , denn wäre er von guter , ich meine von sicherer Extraktion , so - aber - die Familie Wandel , sie mag sehr respektabel sein , je n ' en doute pas , indessen im Rüxner und in Kaiser Caroli Landbuch finden wir keinen Wandel . Comprenez-vous ? Wie gesagt , ein genialischer Mann , sehr unterrichtet , generös - ich werde ihn morgen zu Tisch einladen . « Die Einladung war die Entlassung , oder der Wink zum Gehen für Bovillard . An der Thüre winkte ihn noch ein A propos zurück . Der Minister ging dem Rückkehrenden noch um einige Schritte entgegen , und mit einem faunischen Augenblinzeln flüsterte er in einem Tone , zwischen Herablassung und Kordialität : » A propos , Herr Geheimrath haben ja wohl interessante Staatskonferenzen jetzt bei St. Real ? « » Verstandesspiele , Rekreations in der Gewitterschwüle , « entgegnete Bovillard und war hinaus . » Wer war denn das im Vorzimmer ? « fragte er , als Fuchsius ihn noch im Flur des Hotels einholte . » Die Physiognomie muß ich schon gesehen haben . « » Der Sohn des reichen Kaufmanns van Asten . « » Der ! - Ist ja ein Genie . Was will der beim Minister ? « Fuchsius zuckte die Achseln : » Was eigentlich , weiß ich nicht . Vielleicht eine Anstellung . « Im Weitergehen begegnete er dem Rittmeister , der in Gedanken versunken ihn nicht sah . Der Rath blickte ihm nach : » Ob es nicht Pflicht wäre , dieser Puppe den Staar zu stechen , daß er sähe , an welchem Draht er gezogen wird . Es ist doch eine Natur in ihm ! « Er hatte es unwillkürlich halb laut gesprochen . Der Major Eisenhauch , der hinter ihm gekommen , klopfte ihm auf die Schulter : » Lasst die Puppen noch eine Weile nach der Drehorgel tanzen . Der Blitz züngelt schon , der die Drähte schmelzen wird , alle mit einem Schlage . Dann lasst uns sehen , was auf dem Resonnanzboden fällt , was steht ! « » Ihre Augen glühen . « » Die Wolken rollen ; das Gewitter muß sich entladen . Abermaliger Aufschub ist unmöglich . Die zuverlässigsten Nachrichten , « sagte er leiser und sich vorsichtig umblickend , » kamen eben an . Napoleon darf , kann , wird die Oesterreicher an der Donau nicht eher angreifen , als bis Bernadotte aus Hannover zu ihm stößt . Er darf keinen Umweg nehmen , die Stunde brennt , Napoleon muß schnell zuschlagen , bevor die Oesterreicher sich verstärken ; Bernadotte muß also durch die fränkischen Lande , um zur Stunde zu kommen . Wissen Sie , was es heißt , wenn Napoleon sagt , es muß sein ? « » Wenn doch ein Mensch bei uns dies Muß ausspräche ! « stöhnte der Rath . » Wo die Menschen zu schwach sind , donnern die Umstände . Er wird die Traktaten verletzen , er wird durch preußisches Gebiet brechen und wir - « » Was werden wir thun ? « » Wenn noch ein Funke preußischen Muthes ist , zündet er und die Mine springt . Sie zweifeln noch ! - Sie glauben , auch diesen Hohn könne unsre Langmuth dulden ! Herr , ich schelte Sie einen Hochverräther an sich selbst . Ich hoffe , auch Haugwitz lässt seine L ' hombrekarten fallen ; auch Lombard blitzt es in einem lichten Momente , daß er eine dupe war . Wer nicht ! Oder wäre der Nerv schon ausgezogen diesem eisernen Volke , Glanz und Elasticität diesem Herrschergeschlechte , jene Wunderkraft , die dies Reich aus einem Nichts geschaffen , wäre lungenkrank im letzten Stadium ! « » Sei unser Genius wach ! « » Und wir auf sein Kommando ! Darauf kommt es an . « » Stein ist fest . Er wird auf Hardenbergs eben so feste Unterstützung rechnen dürfen . « » Keiner darf ruhen , wir müssen einheizen , schüren , Jeder an seiner Stelle . Brandstifter sein wird jetzt zur Tugend und Pflicht . Keine Parteimeinungen mehr , Civil und Militär , die traurige Spaltung muß verschwinden . Die Prinzen unterstützt ! Die Königin ! Vor allem Prinz Louis ! Die Regimenter angejubelt auf der Parade beim Marsch . Haben wir denn keine Kriegslieder , keine Dichter ! Auf dem Theater Stücke , die das Blut entzünden ! Wozu haben wir Federn , Papier , Druckerschwärze , Zeitungen , wenn sie nur da sind um Räthsel und Anekdoten zu drucken . Das wäre das Mittel um Blitze - « » Sie vergessen - « » Die für die Gebildeten schreiben ! Ins Volk die Blitze geschleudert ! Das gilt es . Haß , Grimm muß die Massen durchwühlen , Rachewuth zum Opfermuth werden . Erfinde man Greuelgeschichten , wenn die wirklichen noch nicht zünden , vom Franzosen-Uebermuth , von Schande und Schändungen , Erpressungen , Hohn und Höllenlust ; diese Dichtung ist heilig , es gilt ja das Volk , nicht uns . Ihm sein Alles zu retten , seine Sitte , Sprache , Geschichte , selbst sein eigenes Leben , seine Zukunft . Denn alles das steht auf dem Spiel , nicht wenn wir geschlagen werden , wenn wir nicht schlagen . Wir gehn unter in uns , und vor uns selbst . Wem dies Schrecklichste der Schrecken klar ist , der kennt keine Rücksichten mehr . « Während Fuchsius auf der Straße seinen Freund bitten musste , sich zu mäßigen , um keine Aufmerksamkeit zu erregen , stand Walter van Asten vor dem Minister . Wenn er mit Feuer gekommen war , verloderte es vor dem aufrechten Mann , der ohne eine Miene zu verziehen seine Anrede angehört hatte . Er war ins Stocken gerathen , er hatte wenigstens nicht das gesagt , nicht alles , was noch auf der Schwelle zum Hotel , noch im Vorzimmer in seiner Brust , ein wohlgeordneter Strom der Ueberzeugung , fertig lag . » Was wollen Sie eigentlich ? « sagte der Minister . » Ich habe es in der Druckschrift , welche ich meiner ehrfurchtsvollen Bitte um diese Audienz beilegte , dargelegt . « » Ich lese nichts Gedrucktes , « sagte der Minister . Es war ein kalter Blitzschlag . Aber er zündete in Walters Brust . Eine Pause , dann verbeugte er sich : » So bitte ich um Verzeihung , daß ich an die unrechte Stelle mich wandte . « Walter hatte übersehen , daß der Olymp , aus dessen Wolken der Blitz kam , seine Stirn nicht kräuselte . Auch nach dieser Antwort blieb er unbeweglich . Er gab nicht das Zeichen zur Entfernung . Nach einer neuen Pause kam aus denselben Lippen dieselbe Frage : » Was wollen Sie eigentlich ? « » Jetzt nur meine Dreistigkeit bereuen . « » Sie sind der Sohn von van Asten und Compagnie ? « » Zur Compagnie gehöre ich nicht . « » Ein respektables Haus . Macht nur in Geschäften , die es versteht . « Abermals eine Pause , und noch kein Zeichen der Entlassung . Aber der Olymp bewegte sich . Die Hände auf dem Rücken , ging der Minister einige Mal auf und ab : » Der Tausend noch mal , wie kommen Sie denn zu dem Zeug ! « Also hatte er sich doch vortragen lassen , von Jemand , der Gedrucktes las . Der Schluß war richtig , und Waltern , ich sage nicht der Muth , aber die Lust zurückgekehrt : » Weil ich in Euer Excellenz den Mann erkannte , welcher durch die That dem , was nothwendig wird , vorausgekommen ist . Sie sind es , der mit seinen Bauern sich gesetzt hat , der ihnen Freiheit , Eigenthum zurückgab , Sie der erste , der dies glänzende Beispiel - « » Ach also darum ! « unterbrach der Minister . » Ich glaubte von wegen Ihres Vaters - « » Nein , weil Excellenz erkannt , wo uns der Schuh drückt , weil Excellenz erkannt , daß diese Säule , auf welcher der germanische Staat ruht , der Bauernstand , kein Helotenstand länger bleiben darf - « » Ja , ja , ja , also darum ! « wiederholte der Minister ihn unterbrechend , und nahm eine Prise , vielleicht ein Zeichen der Zufriedenheit , jedenfalls eines , daß er fürs erste nichts weiter hören wollte . - » Was geht Sie denn der Bauernstand an ? Sie haben doch keine Güter . « » Erlauben Sie mir zu fragen , was ging er Excellenz an - « » Weil meine Bauern faules Volk sind , weil der Meier sie aus dem Kruge treiben musste , weil mein Inspektor gut rechnen kann , und mir wie ' s Ein mal Eins bewies , daß die Frohnarbeit uns theurer zu stehen kam , als der Tagelohn , weil ich meine Aecker durch die Bauernäcker arrondirte , die sie mir als Abkaufssumme hergaben , weil ich ein guter Landwirth bin , und sie zweimal besser nutze als sie , weil ein großer Complex sich besser bewirthschaftet als ein kleiner . Darum mein junger Herr - « » Und wenn auch nur diese , gelten diese Gründe nicht für Alle ! « » Was gehn mich die Andern an ! Fege Jeder vor seiner Thür , und wer sich im Mist betten will , warum soll ich ' s hindern ! « Walters Brust hob , seine Lippen öffneten sich , der vorhin unterdrückte Strom der Rede floß heraus in kurzen , schlagenden Sätzen , und die Excellenz hatte die Güte ihn nicht zu unterbrechen . Sie beschäftigte sich , einen Fleck auf ihrer Emaildose abzuwischen . Er hatte gesprochen ; das Was wissen wir schon , oder wir erfahren es noch . Da war der Fleck wirklich gereinigt und der Minister sagte recht freundlich : » Eine hübsche Elaboration . Wenn Sie das geschrieben hätten , könnte man ' s ad acta nehmen . Aber Drucksachen , das ist nichts ; es schickt sich nicht für einen Geschäftsmann . - Was wollen Sie nun eigentlich , ich meine Sie für sich ? « » Ich leugne nicht , Excellenz , wenn diese Ansichten vor unsern Staatsmännern Eingang finden , und man an die Ausführung ginge , daß ich mich wohl befähigt fühlte , mit Hand anzulegen . Ich würde eine Freiheit opfern , die ich mir lange als ein köstliches Gut bewahrt , und würde gern eine Anstellung annehmen . « » Sehn Sie , das lieb ich , das ist vernünftig gesprochen . Sie gehn auf eine Anstellung aus , um das Uebrige kümmern Sie sich nicht . « » Dies dürfte doch von meiner Ansicht differiren . « » Drauf kommt es nicht an . Wird Ihren Vater sehr freuen . Ist ein braver Mann , und wird es Ihnen an Unterstützung nicht fehlen lassen , wenn ich ein Wort einlege . Denn Unterstützung werden Sie noch eine ganze Weile brauchen . Die große Karriere , die geben Sie natürlich auf , haben ja nicht Cameralia studirt . Und die Examina ! Schadet nichts . Das von unten Anfangen ist das solideste . Erst in der Kanzlei ein Jahr , höchstens ein paar als Kopist . Dann machen wir einen Versuch mit dem Expediren , Sekretair ! An Konnexionen wird es Ihnen ja wohl bei guter Conduite nicht fehlen « - lächelte der Minister - » dann Geheimsekretär , Kanzleiinspektor ! « Der junge Mann stand sprachlos da . » Der Kriegsrath Alltag , sehn Sie dessen Karriere ! Noch nicht voll sechszig und war schon Kanzleidirektor mit dem Titel Kriegsrath , und Sie wissen noch nicht , was er noch wird . Aber nun etwas , mein junger Herr , die Flausen lassen Sie aus dem Kopf . Nie etwas besser wissen wollen als Ihre Vorgesetzten . Wenn ' s auch mal falsch wäre , nie den Mund aufgethan . Sie wissen nicht , warum sie ' s falsch machen . Keine Sylbe mehr gedruckt , das versteht sich von selbst . Wenn Sie Bücher lesen müssen , thun Sie ' s für sich . Nöthig ist ' s nicht . Stört immer im Dienst . Gelehrte sind schlechte Officianten . Und « - der Minister fasste mit holdseliger Miene den Knopf seines Rockes - » und am Kopistentisch sollen Sie nicht zu lange sitzen , Sie schreiben ja eine saubere , präzise Hand , habe mich wirklich gefreut , die Grundstriche so grade und voll . Daran sieht man den Charakter . Da dispensiren wir Sie wohl schon nach einem halben Jahre ! « Walter hatte die volle Sprache und Ruhe wieder gewonnen : » Gerührten Herzens habe ich Ew . Excellenz gütige Intentionen vernommen , die ich wohl nur der guten Meinung verdanke , welche Excellenz für meinen Vater hegen . Da aber meine Ansichten von der Art , wie der Staat die Kräfte seiner Bürger nutzen muß , von der Ansicht Deroselben abweichen , so glaubte ich unrecht zu thun , wenn ich Dero wohlwollende Gesinnung Solchen entzöge , welche williger und befähigter zu den Diensten sind , für die ich meinen Willen und meine Kraft unausreichend bekennen muß . « Der Minister sah ihn weder verwundert , noch erzürnt an . Er liebte wohlgesetzte Kanzleiphrasen . Dann nickte er ihm freundlich Abschied . » Also Sie wollen nicht . Grüßen Sie Ihren Vater von mir und gehn Sie nach Karlsbad , lieber Herr van Asten . Nach Karlsbad sage ich Ihnen . Wenn wir alle Staatsverbesserer dahin schicken könnten , würde es mit unserem Staate besser . Nicht nach der Festung , dafür bin ich nicht . Simpel nach Karlsbad , drei Becher täglich am Sprudel , die gehörige Promenade darauf , drei Monat und wir hätten Ruhe im Lande . « Sechsunddreißigstes Kapitel . Eine wichtige Konferenz in Staatsgeschäften . » Der Herr Geheimrath sind nicht zu Hause - « » Der Herr Geheimrath ertheilen heute keine Audienz « - lauteten die verschiedenen Antworten , mit denen der Kammerdiener die verschiedenen Personen , welche in der Wohnung des Geheimraths Bovillard nach ihm fragten , abgewiesen hatte . Auch Herrn von Fuchsius war dasselbe begegnet , » wegen einer wichtigen Konferenz in Staatsgeschäften . « Bei Konferenzen in wichtigen Staatsgeschäften war der Rath immer zugezogen . Der Diener zuckte lächelnd die Achseln : » Herr Geheimrath haben heut expreß befohlen keine Ausnahme zu machen - « Fuchsius sah aus dem Thorweg den Wagen des Ministers fahren : » Wenn die entsetzlichste Rathlosigkeit wirklich zum Rath - und wenn sie zur That führte ! « sprach er aufseufzend . » Es ist spät , aber doch vielleicht noch nicht zu spät ! « » Excellenz waren nicht aufgelegt , « bemerkte der Kammerherr von St. Real in der kleinen Hinterstube , wo sich die Konferenz versammelt hatte . » Leidet am Magen , « sagte Bovillard mit dem moquanten Lächeln , das seine Freunde kannten , wenn er die Worte eines nicht gegenwärtigen Freundes citirte . » Am Magen ? « » Excellenz halten nicht Diät . Mischen zuviel , Trüffelwürste und Rhabarber , Sonnenaufgänge und nächtliche Promenaden , Tugend und Tänzerinnen - « » Die auswärtigen Angelegenheiten liegen in seinem Magen wie Kraut und Rüben . « » Wir sind indeß , meines Wissens , nicht hier wegen der affaires éntrangères , « bemerkte der Kammerherr . » Mais qu ' est-ce qu ' on peut faire , mon ami , wenn der Leiermann vor der Thür von Morgen bis Abend sie abgeorgelt , Hardenberg mit so schönem Discant singt und Lombard und Beyme und Voß , und dazwischen brummt der Baß des Herrn von Stein , und Johannes Müller zwitschert , und Herr von Massenbach giebt seine unmaßgebliche Meinung , und Luchesini räuspert sich , und Rüchel trommelt und Prinz Louis schmettert mit Trompeten , und seine Schwester und die Prinzeß Mariane accompagniren mit Jeremiä Klagegesang . Da bleibe ein vernünftiger Mensch unafficirt ! Ich will in allem Respekt noch gar nichts sagen von der Venus Urania , die in der Stille vor ihrem Spiegel die Haube der Bellona probirt , und wie ihrem himmlischen Gesichte der Blick des Zornes und der Entrüstung steht , den sie auf den Monstrepilz bei Gelegenheit werfen will . « » Monsieur de Bovillard braucht uns nicht zu versichern , daß er nie ein Admirateur der Venus Urania war . « » Offenherzig , ich halte es mit dem edlen Schiller , - der ist nun auch todt , alles Edle stirbt , meine Freunde , - als er sang : Ach , da euer Wonnedienst noch glänzte , Wie ganz anders , anders war es da ! Da man deine Tempel noch bekränzte Venus Amathusia ! « Der Dritte im Bunde , der kein anderer war als der Legationsrath Wandel , meinte , er könne die Besorgniß nicht theilen , so viel er wisse , sei doch gestern beschlossen : der König wolle , die besondere Lage seiner fränkischen Lande erwägend , jeder der kriegführenden Mächte den Durchzug gewähren . Damit schiene denn doch alles ausgeglichen , und die äußeren Angelegenheiten dürften dem excellenten Freunde seines edlen Freundes kein Kopfbrechen mehr verursachen . » Gestern , Theuerster ! Aber heute nicht mehr . Man hat angeführt , das verrathe Schwäche . Darum wollen wir heute Stärke verrathen , und erklären , daß wir Niemand durchlassen . Brauchen uns aber darum nicht zu änstigen , morgen haben wir uns wieder anders besonnen , und lassen durch . Dieser Durchlaß nun liegt Christian im Magen , ein Aderlaß an seinem Humor , und darum lief er fort , ehe wir anfingen . « Wandel hatte sich an den kleinen Tisch gesetzt , auf dem , wie zum Spott , für vier Personen vier Aktenhefte , Papier und Federn lagen ; das wichtigere Aktenstück oder Corpus delicti stand unter dem Tische , der Champagnerkorb . » Von nun an wird Niemand wer es sei , eingelassen , « rief Bovillard , als der Kammerdiener die Leuchter auf den Tisch gesetzt . » Also , meine Herren , wir standen bei Artikel zwei - « rief er noch mit einer Stimme , welche der abtretende Diener im Nebenzimmer hören konnte . Als die äußere Thür zuklang , erhob sich der Flaschenkorb , ein Pfropfen knallte gegen die Decke und drei Gläser stießen gegen einander : » Auf guten Fortgang ! « » Der scheint gesichert , « sagte Wandel . » Und wir verdanken ihn , was ich als Präsident hier auszusprechen mich für verpflichtet halte , insbesondere der unermüdlichen Thätigkeit unseres theuren Kollegen . Herr Legationsrath von Wandel , wiewohl gleichsam als Experter zugezogen , hat sich doch der Sache als Amateur angenommen . Gehen wir demnächst zur Sache über . Wir standen also - « » Ich erlaube mir , ehe wir fortfahren , eine präjudicielle Bemerkung , « hub der Kammerherr an . » Ich weiß für gewiß , daß der französische Gesandte von unseren Verhandlungen Kenntniß hat . Sollte durch die unverzeihliche Indiskretion eines Kanzleibeamten demselben ein Aktenstück in die Hände gespielt sein ? Wenn dem so wäre , erlaube ich mir , bei unsern würdigen Herrn Präsidenten den Antrag auf strengste Recherche deshalb . « » Das Kollegium hat den Antrag vernommen , « sagte Bovillard . » Ich muß präjudiziell bemerken , daß ich dagegen stimmen werde . Wenn das Kollegium erlaubt , erkläre ich meine Gründe . Pro primo haben wir keine Aktenstücke , denn es ward nichts geschrieben , logischer Schluß : sie können nicht abgeschrieben werden . Pro secundo haben wir keine Kanzlei , was nicht ist kann keine Indiskretion begehen , pro tertio würde eine solche Untersuchung den Verdacht der Indiskretion auf ein oder das andere Mitglied unsres hochverehrten Kollegii werfen , was wir aus besonderen und höheren Rücksichten vermeiden müssen . Herr Kollege von Wandel wünscht uns seine Ansicht mitzutheilen . « » Was das Faktum anlangt , « sagte der Legationsrath , » so muß ich dem geehrten Kollegen von St. Real beistimmen . Laforest weiß es ; aber was folgt daraus ? - Laforest weiß Alles . Warum sollte er dies nicht wissen . Wer es ihm zuträgt , - « » Vermuthlich der Champagnergeist , « rief Bovillard , sein Glas füllend , daß der Schaum über den Rand stieg . » Landsleute plaudern gern weiter ! « » Aber es schadet unserer Sache nichts . Diplomatische Berichte bleiben versiegelte Geheimnisse , und wenn die Archive sich für Historiker lüften , kümmert es keinen Lebendigen mehr . Ferner was Laforest weiß , weiß er nur für Napoleon oder Talleyrand . Beide werden unsre Pläne nicht kontrecarriren . Endlich wenn das Geheimniß auf dem Wege nach Paris auch hier durchgeschwitzt hätte , was ich nicht in Abrede stellen will , ist die Sache doch zu pikant , als daß der ehrliche Finder den Verräther spielen sollte . Aus diesen Gründen , meine Herrn , erblicke ich in dem hingestellten Faktum weder Gefahr , noch etwas Hinderliches , und stimme , salve meliori , unmaßgeblich über den Einwand hinweg zu gehen . « Der Präsident blickte , die Feder in der Hand , sich um . Es war einstimmiges Conclusum . Der Wein fing an die Zunge zu lösen , und man warf den Curialstyl mit den Akten in den Winkel . » Sie also tout à fait ébloui ? « rief Bovillard nach dem Bericht des Legationsraths . Der Kammerherr anerkannte mit gebührenden Lobsprüchen die Diligenz , welche Herr von Wandel bewiesen , bestand indeß darauf , daß die Baronin , wenn die Schwadron vorübermaschirte , sich jetzt ostensibler am Fenster zeige . Es sei zuviel gefordert , wenn sein Pflegebefohlener , der Amandus , sich jedes Mal einbilden solle , daß der Kopf der Amanda hinter Balsaminentöpfen versteckt sei . Die Imaginationskraft eines Kavallerieoffiziers sei aber nicht die eines Poeten ; er müsste ihn also dann und wann leibhaftig sehen , um im Glauben zu verharren . » Unser Operationsplan aber forderte Bedacht , « entgegnete Wandel . » Wir mussten als Psychologen zu Werke gehen . Wer ist schwerer zu erobern ? Sie oder Er ? Das war die Frage . Es galt eine Bildsäule zur Galathee zu erweichen , und aus der Galathee eine Potiphar zu machen . Haben wir nur erst eine Madame Potiphar , so ist doch keine Sorge darum , daß ein Gardekavallerie-Offizier den Joseph spielen sollte . Diese zweite Eroberung machte sich vielmehr dann von selbst - A propos , warum ich Herrn Kammerhern so oft ersucht , der Amandus , Ihr Client , darf nicht mehr den Knebelbart streichen . « Der Kammerherr versprach , daß es unterbleiben solle . » Sie haben auch gewiß schon eine kleine Entrevue in petto ? « sagte Bovillard . » Sie etwa im Negligee von ihm überrascht ! « » Wer setzt auf eine Karte sein Ganzes , wenn er im Gewinnen ist ! Wer spielt überhaupt ein gewagtes Spiel , wenn er durch arithmetische Progressionen zum Ziele kommen muß ! Der beste Zauber , meine Herren , ist , der sich selbst wirkt , auf organischem Wege . Neugier und Eitelkeit operiren wunderbar in der Psyche des Weibes . Die gespannte Erwartung entzündet die Phantasie . Um zu erfahren , ob es so sei , wie ich angab , gab sie sich alle Mühe , den Amandus zu beobachten , und entdeckte nun mit weiblichem Scharfsinn weit mehr , als ein Mann mit seiner roheren Wahrnehmungsgabe nur erfinden kann . « » Und die Uhr geht fort ? « » Eine schlechte , die man jede Stunde anstoßen muß . Sie geht so normal , daß