aber heulte Elisi drinnen das Haus voll , und Trinette heulte draußen ums Haus herum wie ein Hund unter einem Baum , auf den eine Katze sich geflüchtet . Vreneli mußte seine ganze Tapferkeit aufbieten , um vor dem Ärgsten zu sein . Es mußte für Joggeli in Riß stehen und gegen die Kinder den Vater schützen , über den das ganze Wetter losbrach , den selbst Elisi verwünschte auf eine schauerliche Weise . Vreneli war vielleicht der einzige Mensch auf der Welt , vor dem Johannes noch einigen Respekt hatte , und von Jugend auf mit ihm bekannt , kannte es auch , was auf ihn Eindruck machte . Freilich mußte es sich von ihm bittere Sachen sagen lassen , wie sie mit unter der Decke gesteckt und wie man endlich sehen werde , wie sie den Vater beschummelt und was man an ihnen verlieren müßte . Es mußte sehen , wie bei Trinette zum Zorn noch die Eifersucht kam , als sie sah , daß Vrenelis Worte Macht über Johannes hatten . » So , von der nimmst du das an , von so einer lässest du dir das sagen . So , jetzt merke ich , warum du immer hierher gefahren und mich nicht hast mitnehmen wollen . Jetzt das noch zu allem andern « , und fing an zu heulen , als ob sie hundert hungrige Hyänen im Halse hätte und gute Lust , ihre Tatzen an Vreneli zu versuchen . Dann brachte man noch Elisis Kinder samt der Nachricht , daheim hätte man ihm alles versiegelt . Johannes wollte alles mit der Peitsche fortjagen , und Trinette wollte alles , was Joggeli hatte , aufpacken und fortnehmen , und Joggeli saß da und stierte herum , wollte an nichts schuld sein , sagte , sie könnten seinethalben machen , was sie wollten . Die Frau selig habe alles auf dem Gewissen , sie hätte ihm den Spitzbub hergeschleppt , sie könne seinetwegen jetzt auch zahlen , er habe nichts mehr und werde wohl noch dem heiligen Almosen nach müssen . Er habe ihr oft gesagt , es käme so , aber sie habe es ihm nie glauben wollen . Vreneli wußte in dem greulichen Spektakel nicht anders zu helfen , als zu Uli zu sagen : » Um Gottes willen tue mir den Gefallen , nimm das beste Roß im Stalle , fahr , so schnell du kannst , zum Bodenbauer und bringe ihn her ; der alleine kann sie setzen und weiß den besten Rat , sonst gibt es wahrhaftig noch ein Unglück . Ich kann nicht allenthalben sein und alle hüten . Statt daß sie allmählich sich fassen und ergeben , werden sie nur noch zorniger , erbitterter auf einander ; es ist ein greulich Dabeisein und traurig , wie ein Mensch sein Unglück sich selbst noch unerträglich machen muß . Es ist gerade , wie wenn ein Mensch , der einen Zentner Eisen tragen soll und schwer daran zu tragen hat , denselben noch glühend macht , um ja recht doppelt Qual zu leiden unter ihm . « Uli war dieses Gedankens froh , doch bangte er um Vreneli . » Aber du bist dann alleine , « sagte er , » und selb ist nicht richtig unter solchen Menschen . « » Habe nicht Kummer , « antwortete Vreneli , » Johannes tut mir nichts und die Weibsbilder fürchte ich nicht . Aber fahre rasch , es ist mir angst um Joggeli . Wenn niemand wehrt , so plündern sie ihn vollends aus , und hintendrein , wenn die Gläubiger kommen und nichts mehr da ist , gibt es wüste Geschichten . Mit dem Johannes ist es auch nicht richtig , wie ich merken mochte , der wird auch gemacht haben , was er konnte . Die Liebe war es nicht , welche so oft ihn hergebracht . « Uli sputete sich , schonte das Pferd nicht . » Wenn die Base das hätte erleben müssen ! dachte er . Aber , dachte er wieder , wenn sie gelebt , wäre das nicht begegnet . Wie wenn man in einem Gebäude einen einzigen Stein wegnehme und dadurch dasselbe aus allen Fugen , vielleicht zum Umsturz bringen könne , so gebe es auch einzelne Personen in Familien . Auf einer einzigen Person ruhe das Ganze , sie halte es zusammen ; bei ihren Lebzeiten merke man es vielleicht nicht einmal so recht , erst wenn sie gestorben sei , in Trümmer das Ganze auseinandergehe , merke man , daß sie der Eckstein gewesen . Wie man doch das Gleiche verschieden nehmen könne , dachte er , und wie man erst , wenn was zu tragen sei , merke , ob einer Kraft habe oder keine . Er wisse wohl , er sei ein armer Sünder , aber um alles in der Welt möchte er nicht an ihrer Stelle sein . Er sehe wohl ein , daß er nichts davon , bringe , denn dies Unglück werde auch ihm an die Beine gehen , und jedenfalls werde ihnen noch etwas übrig bleiben , ihm aber nichts als vielleicht noch Schulden . Indessen wüßten er und Vreneli zu sparen und zu arbeiten , Angst habe er nicht , er habe sich darein ergeben , es zu nehmen , wie es komme , und damit zufrieden zu sein . Aber wie Joggelis Kinder es mit Wenigem machen würden , da es nicht mit Vielem gegangen , dazu weder arbeiten noch entbehren könnten , das begreife er nicht . Das gebe die unglücklichsten Leute , welche immer zwischen Können und Mögen hingen , an allen andern Orten den Fehler suchten , nur nicht an ihnen selbst , und da , her auch so wüst täten ohne Unterlaß , sich verfeindeten allenthalben , wo sie Freunde doch so nötig hätten . Er dankte Gott nicht , daß er nicht sei wie jene , aber er fühlte sich doch glücklich , daß er nicht in ihrer Haut war , und das ist erlaubt . Dankbar soll man sein für alle Gnadengaben Gottes , und ist das nicht eine große Gabe , wenn man die Kraft empfangen hat , dem Willen Gottes sich zu unterziehen , und das Genügen , welches übrig haben und Mangel leiden kann und bei , des unbeschwert ? Diese Gaben sind sehr zu unterscheiden von persönlichen Eigenschaften oder Vorzügen , auf die man stolz wird , um deretwillen man Andere verachtet oder verfolgt . Hier liegt eben das unterscheidende Merkmal für alle , welche auch hier den Baum nur an den Früchten zu er , kennen vermögen . Wer um eigener Vorzüge willen sich erhebt und Gott ihretwegen dankbar sein zu müssen glaubt , der verachtet Andere , beneidet sie , sucht sie zu erniedrigen . Wer um Gaben Gottes willen dankbar ist , der ist demütig ; er weiß , woher er das Beste hat , er bedauert von ganzem Herzen den , der es nicht hat , er würde von ganzem Herzen mit , teilen von seiner Gabe , um die zu erhöhen , welche sie nicht haben . « Daran eben dachte auch Uli . Nicht daß er glaubte , er könne da was machen , dazu war er zu bescheiden und allzu sehr auf dem bürgerlichen Standpunkte , als daß er daran nur gedacht hätte , er könne was machen . Das ist nämlich der bürgerliche Standpunkt , der im Christentum und namentlich im protestantischen eingerissen ist , weil der Staat die Alleinherrschaft usurpiert hat , daß es auf die äußere Stellung eines Menschen zu Andern ankömmt , ob Einer dem Andern eine Ermahnung geben darf oder nicht , ob die christlichste Ermahnung als anständig oder unanständig gewertet wird . Es ist in reformierten Ländern so weit gekommen , daß der würdigste Geistliche einem unbedeutenden weltlichen Beamten , zum Beispiel einem obrigkeitlichen Schaffner oder Statthalter oder gar Gerichtspräsidenten , welcher den unchristlichsten Wandel zur gröbsten Ärgernis der Gemeinde führt , nicht die geringste Vorstellung unter vier Augen machen darf , wenn er sich erstlich nicht den ärgsten Grobheiten aussetzen , zweitens als pfäffischer Zelot verschrieen und drittens obern Orts nicht als Jesuit denunziert sein will . So kam es Uli wirklich nicht in Sinn , daß er als Pächter und Schuldner da was machen könnte , aber er dachte daran , den Bodenbauer darum zu bitten , und hätte gerne ihm gesagt , wo die armen Leute am besten zu erfassen sein möchten . Aber er mochte denken , wie er wollte , er fand nirgends eine Handhabe zu einem christlichen Griff . Seine Sendung setzte den Bodenbauer in große Verlegenheit . » Lieber nit , Uli , lieber nit . Kann ich dir was zu Gefallen tun , so soll es nicht Nein sein , aber da laß mich ruhig . Was soll ich da tun so unberufen ? Wenn schon du kamest , so sandte dich nur deine Frau und ebenfalls unberufen . Sie würden mir doch da wunderliche Augen machen , wenn ich hinkäme und befehlen wollte . « » Mußt doch gehen , Johannes , « sagte die Frau . » Brauchst ja nicht zu sagen , kommst du geheißen oder ungeheißen , brauchst auch nicht mit dem Rat ins Haus zu fallen . Du brauchst sie ja nur zu grüßen , und wollen sie nichts von dir , so kannst wieder gehen . Sieh , tue das der Base unter der Erde zulieb und denke , wenn unsere Kinder in einen solchen Fall kämen , wovor Gott sie bewahre , wir wären auch unterm Boden dankbar , wenn ein guter Freund ungeheißen käme und sich ihrer annehmen würde . « Kurz Johannes mußte gehen , er mochte wollen oder nicht . Auf dem ganzen Wege wand er sich als einer , der Bauchweh hat . » O Uli , « sagte er , » du weißt nicht , wie mir das zuwider ist . Wenn man mit seinen eigenen Sachen fast mehr zu tun hat , als man fertigen kann , in der Gemeinde zu tun hat , daß man oft lange Zeit durch nicht zum Sitzen kommt oder tagelang sitzen muß , daß man glaubt , man sitze auf Feuer , wenn draußen die Sonne scheint und alle Hände voll zu tun sind , und dann noch die Nase unberufen in fremde Händel stecken , unberufen und ohne einmal zu wissen , was man , um bei der Wahrheit zu bleiben , für ein Fürwort brauchen soll , daß man da ist , das ist dumm . Und zu wissen , daß das noch einen langen , langen Schwanz haben kann , und es doch tun , das ist noch viel dümmer . « » Was meint Ihr ? « fragte Uli , » was für einen Schwanz ? « » He , was für einen ? « sagte Johannes . » Wenn da so einer dazwischenkommt , so mir nichts dir nichts , so denkt man , er habe Freude an solchen Sachen und spricht ihn an , und am Ende , er mag wollen oder nicht , muß er darhalten , mitmachen , Läuf und Gänge haben und am Ende des Teufels Dank . « » Wenn Ihr das fürchtet , so habt Ihr ja eine gute Ausrede : Ihr seid mein Bürge , und leider Gott kann es beide Wege gehen , und manche Sache ist ja nicht ausgemacht . Wäre das nicht Grunds genug ? « » Uli , gibst noch einen Gemeindsvater , « sagte der Bodenbauer . » Du hast recht , daß mir dies nicht einfiel ! Aber die Sache ging mir zu rund und rasch im Kopf herum . « Nun traf es sich , daß der Bodenbauer nicht in einem ruhigen Augenblick ankam , wo man Zeit hatte zu denken : » was will der und wo kömmt er her ? « Es wurde gebrüllt , gestritten , gelärmt , und als Joggeli den Bodenbauer von weitem sah , rief er : » O Vetter , Vetter , wie gut ist doch , daß du kömmst ; da haben sie mich zwischeninne , als ob sie mich morden wollten , hilf mir , Vetter , rate mir . « Es waren nämlich Gerichtspersonen da der bekannten Schuld wegen . Da solche Formalitäten allenthalben anders sind , so enthalten wir uns aller nähern Spezialitäten . Der Sohn , welcher eben erst heimkam von einer Rundreise , auf welcher er bei Freunden Rat und Trost erst halbschoppen- , dann schoppen- , endlich flaschenweise geschöpft , wollte sie vom Hause wegprügeln , Joggeli wollte nichts unterschreiben , auch keinen Abschlag geben , kein Zeugnis , daß das Ding bei ihm verrichtet worden sei . Er rühre keine Feder mehr an , sagte er , ein Narr sei , wer es tue . Wenn er gewußt , wie man sich damit verfehlen könne , er hätte sein Lebtag keine zur Hand genommen . Trinette und Elisi gränneten einander an , erst aus der Ferne , rückten sich aber näher und näher , und wäre Vreneli nicht dazwischen gestanden , so wären sie einander sicher bis auf Nagelweite nahegerückt . Weiber liefern ihre Gefechte gern in nahen Distanzen , je näher je lieber . Männer haben es bisweilen umgekehrt . Die Gerichtspersonen begehrten ebenfalls auf . Hinter dem Mist krähte der Hahn , und zwei feindselige Hunde gingen zähnefletschend um einander herum . Auch Vreneli verließ seinen Posten unbedacht , grüßte den Bodenbauer freundlich ; da , risch , die Trinette auf das Elisi , dann , ermutigt durch das Beispiel , ein Hund auf den andern , und ein Brüllen , Wälzen , Spektakel entstand von Hunden , Trinetten , Elisi bunt durcheinander , daß niemand wußte , war man ganz im Tierreich oder noch halb und halb unter Menschen . Man riß Weiber und Hunde auseinander , nahm es aber nicht so genau , ob die Fußtritte Weiber oder Hunde trafen . Bekanntlich streckt man auch die Hände nicht gern zwischen streitende Weiber oder beißende Hunde , man kriegt gern Zähne drein . Nun , am Ende stoben die zusammengebissenen Parteien heulend auseinander , und die andere Partei , welche eigentlich nicht beißen wollte , sondern bloß reden , konnte ihre Verhandlungen wieder eröffnen . Die Gerichtspersonen beklagten sich bitterlich und sprachen des Bodenbauers Vermittlung dringlichst an . Sie trügen ja keine Schuld an der Sache , sagten sie , täten nichts als ihre Pflicht , begehrten nichts , als was gesetzlich sei ; da ließen sie sich nicht persönlich beleidigen , dafür sei ein Richter . Die Leute ins Unglück zu bringen , begehrten sie nicht , sie seien bereits tief genug darin ; das sollten die Leute begreifen , dünke sie . » Ja aber , Vetter Johannes , Vetter Johannes ! Der Lumpenhund , der Spitzbube hat mich betrogen , ists dann recht , daß ich bezahle ? Soll ich allein darunter leiden , daß der Spitzbube mich betrogen hat ? « Der Vetter Johannes sagte , das könne er begreiflich nicht entscheiden , da er nicht wisse , worum es sich eigentlich handle und was die Vorgänge seien . Nun erzählen es ihm alle , aber das Ding war noch schwerer zu fassen als eine neubarbarische , das heißt philosophische Vorlesung . Endlich brachte der Bodenbauer Ordnung in das Chaos , begriff , und endlich sagte er , das sei eine fatale Sache , sie bekümmere ihn sehr . Er könne nicht begreifen , daß man da so mir nichts dir nichts mit den Gerichten komme , ehe man gütlichen Weg versucht , das sei sonst Sitte . Da mußte auf die Einrede der Gerichtspersonen Joggeli endlich sagen , es seien ihm zwei Briefe gekommen mit allerlei Redensarten , die er nicht begriffen . Er habe nicht gedacht , daß das was zu bedeuten hätte , und das Papier abseits gelegt ; es könnte ihm jeder Narr schreiben und in den Brieftun , was ihm gefalle . » Ja so , « sagte der Bodenbauer , » also geschrieben hatten sie ; aber angefragt vorher , wie die Sache sich verhalten , das wird nicht geschehen sein . Das wäre jedenfalls anständig gewesen , aber die Sache ist , wie sie ist , mit Prügeln macht sich das allweg nicht . Gebt eine Antwort , daß eine Einigung Zeit und Platz hat , eines Tages macht sich das allweg nicht . « So geschah es endlich , das Gerichtspersonal entfernte sich und der Bodenbauer wollte ebenfalls gehen . Aber er mußte bleiben und sollte raten . » Ja , « sagte er , » die Sache ist schlimm . Da wird wenig anders zu machen sein als Zahlen . « Die Unterschrift ableugnen täte er nicht , von wegen es möge gegangen sein , wie es wolle , unterschrieben sei unterschrieben ; ein Dritter vermöge sich dessen nichts , und wenn er auch unter der Decke sein sollte , so sei es noch nicht bewiesen . Elisis arme Kinder könnten ihn dauern , denen sei es abgestohlen ; daneben , wie er Vetter Joggelis Vermögen kenne , schade das weiter niemanden etwas . Vielleicht daß , was Joggeli dem Tochtermann geschwitzt , als Weibergut könne geltend gemacht werden , und was später noch auf diese Seite fallen werde , solle er alsbald durch ein Testament bestimmen und regeln , daß der flüchtige Vater nichts mehr dazu zu sagen habe . Ein Wort gab das andere , und endlich sah der Bodenbauer mit Schrecken zwei Dinge : daß Joggelis Vermögen nicht mehr das war , was es gewesen , und Joggeli statt ein Mann ein Kind sei , das nicht wußte , was es machte , nicht zurechnungsfähig war . » Wißt Ihr was , Vetter , « sagte er endlich , » wißt Ihr was : geht vor Eure Gemeinde und begehrt einen Beistand , der in diesen verwickelten Dingen mit Verstand Euch beistehe . Ihr seiet alt , Euer Sohn weit , und was es koste , zahltet Ihr gern . « Potz Himmel , wie fuhr da Johannes , der Sohn , auf ! Ehe daß er dulde , daß der Vater gevogtet werde , schlage er Himmel und Erde entzwei , brüllte er . » Da würdest du zu tun haben , « sagte der Bodenbauer ruhig . » Mache was du willst , aber wäre ich an deiner Stelle , ich besönne mich nicht zweimal ; daneben mach , was du willst , die Sache ist nicht meine , sondern ganz hauptsächlich deine . So wie ich merken mag , hast du deinen Teil auch erhalten , und den guten Vater habt ihr beerbt bei Lebzeiten . Es scheint da allweg viel weggegangen zu sein . Kommt nun deiner Schwester Vormundschaftsbehörde dahinter , so trittet sie klagend auf , beschuldigt den Vater unverständiger Handlungen usw. Dann sieh , wie es geht . Begehrt ihr es aber selbst , so behaltet ihr die Sache in Händen , könnt euch mit eurer Gemeinde verständigen , und die Sache läuft so böse nicht . Wenigstens friedlich , soviel an euch . « Da wolle er lieber den Teufel fressen samt dem Stiel und die Großmutter als Dessert , als daß er seinen Vater wolle bevogten lassen . Wer es gut meine , könne so nicht raten aber wer was Unsauberes in der Wäsche habe , kriegte es vielleicht auf diese Weise am leichtesten ohne Wascherlohn wieder , brüllte der brüllhafte Wirt . » Ja so , « sagte der Bodenbauer , » ist das so gemeint . Sieh , dir sagt man nur Rubigenstrub , aber doch hielt ich dich für witziger . Ich meinte es gut , dein Vater dauert mich , du aber nicht . Dir bessert es nicht , bis du von der tauben Kuh gefressen hast , und dann vielleicht noch nicht . Ich habe da allerdings etwas in der Wäsche , aber ich vermag den Wäscherlohn zu bezahlen , und wäre er noch einmal so groß ; ich bin kein Wirt , der am Verlumpen ist . Und weißt , ich zahle den Wascherlohn noch dazu gerne , ich weiß , ich erhalte ihn wieder ; ich würde für Uli lieber zehntausend Gulden zahlen als für dich tausend , weißt ! Und jetzt behüt euch Gott und lebet wohl ; wem nicht zu raten ist , ist auch nicht zu helfen ! « So sprach der Bodenbauer hochaufgerichtet und im Zorn . Denn in solchen Punkten verstand er nicht Spaß . Sie hätten ihm nicht gesagt , daß er helfen solle ; wenn sie dann seine Hülfe begehrten , so wollten sie es ihm sagen lassen , sagte Johannes , der Rubigenstrub , halblaut . Die Frau selig habe viel auf dem gehabt , jetzt sehe man , was er sei , sagte Joggeli , der von der ganzen Sache wenig oder nichts mehr begriff . » Fraueli , « sagte der Bodenbauer zu Vreneli , » wenn du mir nicht so lieb wärest , so wäre ich mein Lebtag böse über dich , daß du mich da hineingezogen . Aber so habt ihr Weiber es , ihr meint , es müsse allenthalben geholfen sein , und wo eure Arme zu kurz sind , Stoßt ihr die Männer hinein . Da ist nicht mehr zu helfen , das ist , was ich euch sagen wollte . Macht euch gefaßt auf alles , wo ich wohne , wißt ihr , wenn ihr was nötig habt ; und solltet ihr rasch fort müssen , so hat mein Tochtermann ein klein Heimwesen , welches für den Aufenthalt euch vielleicht anständig wäre . So viel im Vorbeigang , damit ihr euch nicht etwa ängstigt und nach dem ersten Besten faßt . Sie haben den Alten ausgesogen auf eine heillose Weise , wie Spinnen eine Fliege . Vielleicht daß noch Ordnung zu machen , etwas zu retten wäre , aber Ordnung zu rechter Zeit will der dicke Büffel nicht , er weiß warum . Nun wird alles drüber und drunter gehen , vielleicht gibt es Prozesse , vielleicht Gott weiß was , kurz zählt darauf , innerhalb Jahresfrist ist das Gut verkauft und der Alte , wenn Gott sich seiner nicht erbarmt , im Spital , oder der reiche Glunggenbauer kann von Türe zu Türe sein Essen suchen . « » Nein , Gevattersmann , nein , das geschieht nicht ; eher tue ich es für ihn , aber solange ich sonst noch ein Stück Brot habe , hat er auch , « sagte Vreneli . » Er war nie gut gegen mich , aber auch nicht böser als gegen andere Leute . Ich aß sein Brot , als mir niemand welches gab , so soll er es nun auch bei mir haben . « » Das ist brav , « sagte der Bodenbauer . » Es ist schade , daß du nicht eine große Bäuerin bist , du hättest den Sinn dafür und könntest Vielen Gutes tun , daneben ist noch alles möglich . « Trotz ihrer Fassung und des Bodenbauers Anerbieten erschreckte sie die Lage der Dinge doch , so arg hatten sie dieselbe nicht gedacht , so nahe den Wendepunkt nicht geglaubt . Ein oder zwei günstige Jahre noch , und sie hätten sich erholt gehabt . Uli hätte gerne die Richtigkeit von Bodenbauers Ansicht in Zweifel gezogen . Aber Vreneli sagte : Je mehr es darüber nachdenke , desto überzeugter werde es von derselben . Die Schlingel seien nicht umsonst so oft dagewesen und sicher nicht bloß wegen der Kurzweil . Die Beiden hätten was gebraucht . Bei einem einfachen Bauernwesen habe man keinen Begriff , was zwei solche Bursche in einer Wirtschaft oder im Handel durchzubringen vermöchten . Das gehe zweispännig oder vierspännig , wenn die Weiber helfen und nichts nutz seien , wie an beiden Orten der Fall sei . Uli meinte , wenn man nie viel gehabt , so könne man sich noch drein schicken , nichts mehr zu haben , und es liege die Hoffnung nahe , wieder zu gewinnen , was man verloren . Wenn aber so große Vermögen , mit denen man es nicht hätte machen können , dahingingen , so komme ihm das Totgrämen sehr begreiflich vor . » Da ist keine Hoffnung , wieder zu Vermögen zu kommen , und das Leben mit Nichts , wo man an so viel gewöhnt war , muß eine wahre Hölle sein . Es muß einem zumute sein , als sei man eingenäht in einen Gallensack . Die Hauptsache für uns ist nun die , daß wir mit Ehren davonkommen , wenn schon mit sonst nichts als vielleicht noch mit Schulden . « Sie wollten machen , was möglich , und daneben das Beste hoffen , bis hieher hätten Gott und gute Leute sie nicht verlassen und würden es wohl auch ferner nicht . Und wenn es sein , die Prüfung bis dahin gehen sollte , daß sie in Pfändung fielen , so müßten sie sich auch darein schicken , sie hätten dabei doch den Trost , daß es weder mutwillig noch verschuldet sei , sondern hervorgebracht durch Unglück von höherer Hand , dachten sie . Ihr Schicksal lag allerdings in der Schwebe , hing von Gottes Segen und des Bodenbauers gutem Willen hauptsächlich ab . Diesem waren sie dreihundert Taler schuldig , ihr Geld , welches sie auf Zins gehabt , war eingezogen . Dagegen hatten sie freilich eine Schrift vom Wirt von fast vierhundert Talern auf dem Papier . Aber ob sie nicht mehr wert sei als etwa österreichisches Papier oder gar nichts , das wußten sie noch nicht . Ein ganzer Zins von achthundert Talern war nächstens fällig , dazu noch der Zins für die Effekten . Nun hatten sie freilich etwas Geld vorrätig , etwas konnten sie noch machen , aber achthundert Taler sind eine Summe . Bis zur Ernte mußten sie auch leben , und ob ihnen am Zins etwas geschenkt werde , das war unter obwaltenden Umständen mehr als zweifelhaft . Freigebig war Joggeli sein Lebtag nie gewesen , dazu besaß er eine zu kleinliche Natur . Eine solche Natur kann bei großem Vermögen und einer guten Frau noch so quasi mit Ehren durchkommen , ohne als ein Geizhals verschrieen zu werden . Genau genommen ist es eigentlich gar keine große Kunst , bei großem Vermögen nicht schmutzig und ungerecht zu sein . Aber wenn das Vermögen geschwunden oder sonst klein ist , das Geld nirgends reicht , immer neue Forderungen kommen und dazu immer neue Verluste : da nicht zu machen , was man kann , die Schere ins Fleisch gehen zu lassen , wo man was zu scheren hat , nicht den letzten Tropfen auszupressen , wo man das Recht zum Pressen zu haben glaubt , das ist schwer . Darüber können so Viele sich nicht erheben , sondern halten sich an dem Spruche : Mache jeder , was er kann . Sie mußten dieses auch von Joggeli erwarten , der dazu alle Tage kindischer , fast ganz regiert wurde von dem Sohne , der ganz erwildet war und im Lande herumfuhr wie der Teufel im Buche Hiob . Dazu kam noch die Abschatzung der Effekten , welche Uli zur Nutzung hatte . Beim Abtreten des Gutes mußten die wieder geschätzt werden . Den Minderwert mußte er ersetzen , etwaiger Mehrwert ward ihm vergütet . Hier konnte es einige hundert Gulden auf- oder niedergehen ohne eigentliche Ungerechtigkeit , aber doch je nachdem man ihm wohl oder übel wollte . Dann kam es wie gesagt hauptsächlich darauf an , ob er die Pacht ausmachen oder früher davongestoßen werde , was bei Verkauf des Gutes oder Tod des Besitzers gegen eine billige Entschädnis freilich der Fall sein konnte , und ob die Jahre gesegnet oder ungesegnet seien . Er überzeugte sich immer mehr , daß der Bodenbauer richtig gesehen und richtig geraten hatte . So wie der Fall mit dem Tochtermann bekannt war , schneite es von allen Seiten Forderungen und Abkündigungen , wie es geht in solchen Fällen . Es hatten gar Viele Ursache zur Angst , wenn der Glunggenbauer noch mehr solche Stücklein gemacht hätte , so könnte es ihnen fehlen . Joggeli stand noch mancher Schuld als Bürge zu Gevatter und ganz besonders bei seinem Sohne . Diesem wurden nun alle Schulden , welche ablöslich waren und von den unablöslichen die ausstehenden Zinse eingefordert ; das lief zu großen Summen auf , den Forderungen konnte auf keine Weise begegnet werden . Da machte es Johannes wie Viele , er wehrte sich mit Prozessen ; das ist aber akkurat , wie wenn man , um dem Fegfeuer zu entrinnen , in die Hölle springt . Er verflocht auch seinen Vater in diese Prozesse , und namentlich verführte er ihn , wegen den fünfzehntausend Talern einen Rechtshandel zu beginnen . Das war ein Geflecht von Prozessen , Forderungen aller Art , daß es einem vernünftigen Menschen die Haare zu Berge gestellt hätte . Dies ward bekannt . Allgemein hieß es , wenn der Tochtermann am Schwiegervater den Schelm gemacht , so sei es sich nicht zu verwundern , denn der Sohn sei noch der viel ärgere Schelm an ihm gewesen . Elisi , das nirgends anders zu sein wußte als in der Glungge , heulte und lärmte , bis endlich der Gemeindebehörde seiner Heimat , welche eben nicht zu den erleuchteten gehörte , die Augen aufgingen , so daß sie auf Bevormundung von Joggeli drang . Nun erst gab es Spektakel . Dieser Antrag kam Joggeli vor wie ein Majestätsverbrechen , und hätte er die Macht gehabt , er hätte die Antragsteller erst köpfen lassen . Begreiflich gab das einen neuen Prozeß auf die andern alle . Diese Prozesse sind die allerangreiflichsten für die Person , welche bevogtet werden soll und es nicht annehmen will . Die Antragsteller sind also genötigt , ihr Begehren gehörig zu begründen .