anstehen , wenn ich in Zukunft aufstehe und ihr liegen bliebet , ihr habt den Schlaf nötiger als ich , und wenn es mir einmal dazu kömmt , aufstehen zu müssen , so bin ich daran gewöhnt . « » He ja « , sagte die Mutter , » das schadet dir nichts , aber wie bist du vor lauter Flausen zu diesem Sinnen gekommen ? « » He , Muetter « , sagte Annelisi , » es ist de öppe wäger nit , daß ich nicht schon manches gesinnet habe , aber ich kann es nicht so erzeigen wie Andere . Es ist wahr , ich habe viel Fehler , aber daß es mir de öppe nit ernst syg , besser z ' werde , selb ist doch dann nicht , und wenn ih werde will öppe nit glych , aber doch schier wie du , Muetterli , und das möchte ich , so habe ich noch viel zu tun und einen weiten Weg . Daran habe ich gestern gsinnet , und es ist mr angst worde , u fry recht , und ih ha mr vorgno , mih grad hüt uf e Weg z ' mache u dir nache , vo wege , ih weiß o nit , wie lang mr üse Herrgott Zyt git . Es ist so plötzlich us mit eme Mönsch , mi weiß nit wie und het mängist ume nit Zyt , dra z ' sinne . « » Du hast recht , und bsunderbar junge Wybere gehts gerne so « , sagte die Mutter , » und wenn sie erst recht glücklich sein wollen , so nimmt sie Gott weg . Darum , Kind , freut es mich , daß du daran sinnest und von selbst , ich hätte es dir nicht zugetraut . Fahr so fort , so kann ich fröhlich sterben , denn du bist doch immer das gewesen , wo mir am meisten Kummer gemacht hat . Aber eine schönere Freude hat mir auch noch Keins gemacht als du jetzt , und ich wußte wäger mich nit z ' bsinne , daß mr grad am ene Morge , wo ih ufcho bi , neuis so Fröhligs bigegnet wär als hüt . Denn woran haben die Eltern Freude als an den Kindern , und die größte ist die , daß sie gut werden und fromm , daß me öppe einist alli wieder zsämechunt . Wenn ih ume wüßt , wies mit Resli gieng u daß der noch glücklich würde , de wett ih gern sterbe . « » Öppis Dumms e so , Muetterli , ja wolle , sterbe , wo wir dich je länger je nötiger haben ! Sagst du nicht manchmal , wenn wir etwas darnach sagen : Schweiget , Kinder , versündiget euch nicht . « » Das ist nicht das Gleiche , Kind « , sagte die Mutter . » Wenn die Bäume gewachsen sind , so nimmt man ihnen die Stecken weg ; läßt man sie zu lang , so schadts ne . So tuts der liebe Gott , er weiß , wenn es Zeit ist . Aber wenn wir noch nicht essen können , so will ich mich zwegmachen , so pressiere für zChilche tue ich nicht gern , u de faht mr dr Ate a fehle « Es war ein schöner Herbsttag , klar und mild die Luft und ganz voll Glockentöne ; schwiegen sie hier , so hallten sie , bald milder , bald ernster , von anderswo her . Es war , als ob ein treu Elternpaar zuspreche seinem Kinde , und schwiege des Vaters ernste Stimme , so begönne leise , milder , aber gleich innig , die Mutter . Sonst ist allem voran immer die leichtbeinige Jugend , diesmal zogen alte Mütterchen vorauf , langsam und oft noch stille stehend , und alte Männer gingen mit ihnen , sprachen von alten Tagen und was zu ihren Zeiten gepredigt worden . Und was ist die Menschheit anders als eine große Heeressäule , die dem Grabe entgegenwandert , dort des Leibes los wird und durchs schwarze Tor den hellen Himmel sucht ! Wo an diese Wahrheit gemahnt wird und an die Heimat und über die Gräber gewandelt wird , da gehen billig die Alten voran ; sie soll es drängen dem Ziele entgegen , sie soll es freuen , Bahnen zu brechen der Jugend , die so viel schwerer sich losreißt vom heitern Sonnenlicht . Aber rührend ists doch , die alten Leutchen , die Spitze der Todessäule , zu sehen , wie sie so andächtig und gläubig dem Herrn zuwandert , so vertrauensvoll zwischen den Gräbern geht , so ergeben über die letzte Reihe blickt , ob wohl das nächste zum eigenen Kämmerlein sich gestalten werde . Unter den Ersten war auch Änneli , und wie tat das manchem armen Mütterchen so wohl , daß es mit der guten Bäurin zu Liebiwyl zur Kirche gehen konnte , die so freundlich fragte und sprach , und gar manches Mütterchen ging grader auf , als es seit zehn Jahren gegangen war . Oh , es ist seltsam , wie freundliches Wesen wohl tut und armen Herzen erquicklich ist , wie Kranken der Sonne Licht ! Und wenn ein Armer am Sterben ist , sein himmlischer Vater zunächst ihm ist , wenn ein Reicher und Hoher als freundlicher Bruder an seine Seite trittet , es erquickt und stärket den Armen , belebenden Tropfen gleich ; er richtet sich empor , es ist ihm als wenn es ihn erst jetzt recht freute , zu sterben , er weiß , wie unbeschreiblich süß der Hauch der Liebe durch die Seele fährt . Oh , wenn man wüßte , was in freundlicher Liebe für eine Kraft läge , es würde nicht nur Mancher seine aufrichtige Liebe freundlich zu machen suchen , es würden Juden , alte und junge , sie nachahmen , der Prozente wegen . Sie drängten sich um Änneli , und als sie in die Kirche kamen , wollte jede wissen , wo man den Herrn am besten verstehe , und ordneten es in eine Bank mit Rücklehne und an die Wand , wo es öppe am bequemsten sei und hingefer u nebefer anliegen könne , vo wege , dr Herr mach mängist wohl lang , u de werd me grusam müed , bsungerbar im Krüz . Nach und nach füllte sich die Kirche an , die Glocken riefen , der Schulmeister las , und fry herzhaft , er wollte noch über die Glocken übere , und auf einmal verstummte alles , oben auf der Kanzel erschien der Pfarrer , blaß und angegriffen , und nachdem er sein Gebet verrichtet , verlas er leise das zu singende Lied . Ernst schwollen die Töne auf , ernste Andacht ließen sie in den Herzen zurück , und demütig beteten sie um segensreiche Empfängnis des segensreichen Wortes . Begierig horchten sie auf das Grundwort , welches der Herr der Schrift entnommen , und hörten folgende Worte : » Gefällt es euch nicht , daß ihr dem Herrn dienet , so erwählet euch heute , welchem ihr dienen wollt , es seie den Göttern , denen eure Väter gedient haben , welche jenseits des Flusses waren , oder den Göttern der Ammoniter , in welcher Land ihr wohnet . Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen . « Es war ein schwer Wort , aber Viele dünkte es doch seltsam , daß der Pfarrer jetzt noch davon sprechen könne , daß man wählen solle , wem man dienen wolle ; es sei ja längst ausgemacht , daß sie alle Christen seien , meinten sie . Der Pfarrer begann mit der Bemerkung , daß er auf eines aufmerksam machen müsse , was alle Völker , welche ihrem Untergange entgegengegangen , mehr und mehr außer acht gelassen hätten , was aber ganz eigentümlich im Alten Testament bezeichnet sei und dessen Eckstein das fünfte Gebot sei : » Halt in hohen Ehren Vater und Mutter , auf daß du lange lebest im Lande , das dir der Herr , dein Gott , geben wird . « Aufmerksam machen müsse er auf das Haus und dessen Bedeutung . » Daß unter Haus die Familienglieder , welche in einem Gebäude wohnen , zu verstehen sind , so wie unter Kirche nicht bloß der Tempel , sondern alle , welche sich darin versammeln , das brauche ich wohl nicht zu bemerken . Das Haus ist der erste Tempel Gottes gewesen , der Hausvater der erste Priester , der dem Herrn das Liebste geopfert , den einigen Sohn . Die Frömmigkeit des Hauses ist vom Herrn belohnt , des Hauses Irrungen sind gezüchtigt worden . Lest die Geschichten von Isaak und seiner Söhne Zwiespalt , von Jakob und seines Hauses Greuel , von Eli , Samuel und ihren Söhnen , von David und dem Lieblingssohne Absalon , der den größten Jammer über den Vater gebracht : aus dem schlecht geleiteten Hause ist den Vätern das Leid erwachsen . Als die Familie zum Volke geworden , hat man ein gemeinsames Haus gebaut , damit man nie vergesse in allgemeinen Zusammenkünften , daß man eigentlich nur eine Familie sei ; ein jedes Haus ist der Tempel geblieben einer jeglichen Haushaltung , das Leben des Hauses der tägliche Gottesdienst , das Walten des Hausvaters des Priesters Amt und Verrichtung . Darum haben die Juden nur einen Tempel gehabt , den zu Jerusalem , der das ganze Volk als eine Familie faßte ; in der Zwischenzeit war jedes Haus der heilige Ort , wo der Hausvater mit all den Seinigen Gott diente , jeder andere Tempel , jedes Errichten eines Altars auf Höhen oder in Wäldern war Abfall , war Götzendienst , ein Zeichen , daß sie ihre häuslichen Tempel verließen , nicht mehr zu heiligen wußten , sie und ihr Haus nicht mehr dem Herrn dienen wollten . Dieses Verhältnis hat im neuen Bunde sich nicht geändert , ist nur verklärt und ganz besonders geheiliget worden . Unter vielen Stellen will ich nur die anführen , wo es heißt : Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht , das königliche Priestertum , das heilige Volk , das eigentümliche Volk , das ihr verkünden sollt die Tugenden des , der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht . So ist jeder Christ ein Priester , sein Haus sein Tempel , seine Familie sein Altar , auf welchem er als Weihrauch dem Herrn soll aufsteigen lassen die Tugenden des , der ihn berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht ; unsere Kirche ist nichts als das allgemeine große Haus , wo wir uns bewußt bleiben sollen , daß wenn auch die Notwendigkeit es gebietet , in besondern Häusern zu wohnen , wir doch alle nur eine Familie seien , und daß wenn die Umstände uns auch verschiedene Häuser geben , Paläste den Einen , Hütten den Andern , wir darum doch nicht größer werden oder kleiner , sondern daß es bei jeglichem auf die Treue ankömmt und was für einen Haushalt er mitbringt und was für eine Rechnung er davon abzulegen vermag . Es ist also jetzt noch jedes Haus ein eigener Tempel Gottes , gleichsam eine Zelle im Reiche Gottes , ist die Pflanzstätte des wahren Gottesdienstes und hat die Verheißung von Gottes Huld und Gnade , denn wo Vater und Mutter verehrt werden als Stellvertreter Gottes , sich aber auch als solche betragen , da soll Gottes Segen wohnen , da gibt Gott Bestand dem Hause , er heiliget es zu seinem Tempel . So soll es sein im Christentum , und da wir uns Christen nennen , so soll es so unter uns sein . » Liebe Andächtige , heute haben wir einen Bußtag , unseres Elendes sollen wir uns bewußt werden , sollen jammern und klagen darüber . Wenn jeder unter euch reden wollte , an Jammer und Klage würde es nicht fehlen , und wirkliches Elend wäre der Klage Gegenstand . Aber wie selten einer würde des Elendes Grund und Wurzel da suchen , wo sie ist . Es ist des Menschen Art , über alles zu klagen , nur nicht über den eigenen Abfall , die eigene Verkehrtheit . Liebe Andächtige , ich will euch Hauptklagen anführen , die man hört , wenn man nur einige Worte mit Menschen spricht , nur einige Augenblicke an einem Orte steht und hört , was Andere reden . Alle Klagen , welche ich gehört , führe ich nicht an , aber die , welche ich auslasse oder vergesse , die nehmt und macht es so , wie ich mit den angeführten , so werdet ihr auch über diese ins Klare kommen . » Ihr klagt , nicht jeder über sich , nein , es klagt der Mann über das Weib , das Weib über den Mann ; der Mann klagt , das Weib sei nicht mehr des Hauses Mutter , nicht mehr seine sichtbare Vorsehung , nicht mehr dessen Amme , von der die gesunde Speise kömmt für Leib und Seele allen , die im Hause wohnen . Das Weib klagt über den Mann , daß er außer dem Hause des Hauses Mark verzehre , des Hauses Dienst versäume , daß er ob Sammeln oder Verzehren des Geldes vergesse die Menschen , die um ihn wohnten , das Weib , das seine Hälfte sein sollte , die Kinder , die seine Zeugen vor Gott sein werden . Die Eltern klagen über die Kinder , über Mangel an Treue , an Gehorsam , über den hochmütigen Sinn , der alles , was nicht jung ist und nagelneu , verachtet , der meint , es sei mit allen Dingen , allen Menschen wie mit schlechtem Zeuge , welches nur ganz neu schön sei und zu gebrauchen . Ihr klagt über die Dienstboten , wie sie störrisch seien und begehrlich , unzuverlässig und treulos , kein Gewissen hätten und nichts im Auge als den Lohn und daß der Tag umgehe so ring als möglich . Ihr klagt über die Armen im Allgemeinen , daß sie an die Stelle der Barmherzigkeit das Recht gesetzt , daß sie meinen , es heiße beten und betteln , statt beten und arbeiten , daß sie giftigen Neid im Herzen trügen , von Christus sich immer mehr entfernten , dem Tiere sich immer mehr näherten . Ihr klagt über Lehrer und Schulen , daß die Kinder immer weniger nutz wären , je mehr sie lernten , und doch am Ende von der Hauptsache nichts wüßten . Ja ihr klagt über Regierung und Regenten , klagt über ihr Tun und euere Täuschung , über ihr Nichttun und euere Zweifel , klagt so manches , das ihr wohl wißt , hier aber nicht auszusprechen ist . So klaget ihr , oder ists nicht so ? Aber auf wen fallen die Klagen zurück ? Auf euch , ihr Hausväter , auf euch , ihr Hausmütter ! Wo bilden sich die Ursachen zu diesen Klagen ? In euerm Hause , in euerm Sinn , ihr Hausväter , ihr Hausmütter ! Ist euch euer Haus noch der heilige Tempel , steht in ihm noch der heilige Altar , auf dem ihr dem Gott , der im alten und neuen Bunde sich so herrlich geoffenbaret hat , alles , was er begehrt , und vor allem das Liebste opfert ? Oder habt ihr den Tempel verlassen , eigene Höhen euch auserwählet , weilet dort , bauet Altäre dort und opfert dort selbsterwählten Göttern alles , Leib und Seele , Heil und Seligkeit , Knechte und Mägde , Söhne und Töchter , Eigentum und Vaterland , kurz alles , was unter abgöttisch gewordene Hände kömmt ? » Liebe Andächtige , ihr wißt , daß meine Sitte es nicht ist , Verdammungsurteile auszusprechen , von denen ich niemand ausnehme als mich selbst ; aber wo durch die Zeit eine Krankheit geht , da bleibt selten jemand von ihr unberührt , am wenigsten ich , es schwebt über Jeglichem der Zeitgeist , der die Krankheit mit sich führt oder die Krankheit selbst ist , gerade wie wenn in der äußern Luft ein Krankheitsstoff getragen wird , zum Beispiel der rote Schaden , sehr selten jemand unberührt bleibt , sondern die Meisten davon berührt werden , wenn auch die Krankheit nicht ausbricht , auch der Tod nicht droht , so doch durch ein Unbehagen , das durch unsere Glieder schwebt , von dem wir nicht wissen , woher es kömmt , und zumeist auch nicht , was es eigentlich ist . Ich bin der Meinung , daß es eben niemand zieme , zu sagen : Ich danke dir , Gott , daß ich nicht bin wie jener arme Zöllner ! Darum werdet ihr auch nicht zürnen , wenn ich keine Ausnahme mache , nicht rede von absonderlich braven Leuten , die keinen Fehl hätten , von Häusern , die nichts als heilige Tempel wären ; zu anmaßlichen Sektierern will ich euch nicht stempeln , und als Esra betete : Ich schäme mich , mein Antlitz aufzuheben zu dir , denn unsere Schuld ist groß geworden bis an den Himmel , wen nahm er da aus ? Die Priester , die Regenten , die Reichen ? Er nahm niemand aus . Wen man vom allgemeinen Bekenntnis der Sündhaftigkeit , der Sündenschuld ausschließt , den stößt man damit aus der Gemeinschaft der Gläubigen . Daß je reicher , je mächtiger einer sei , er auch ein desto größerer Sünder sein müsse , wollen wir nicht sagen , aber lebendiger soll das Schuldbewußtsein in ihm sein , denn ihm sind zehn Pfund anvertraut und nicht nur ein Pfund , und wie schwer es einem Kamel sein muß , durch ein Nadelöhr zu gehen , das soll er fühlen im eigenen Gewissen . Wer sich ausnehmen will , und ich zweifle nicht , daß es Solche gibt , es gab und gibt und wird immer Solche geben , die sich zu den Andern nicht zählen , dazu bedarf man weder apart geboren noch apart weise zu sein , die mögen es selbsten tun , aber dann Sorge tragen , daß in ihrer Ausscheidung sie nicht sich selbsten richten , und zwar mit einem harten Gerichte . » Alle die vorgebrachten Klagen sind richtig , aber ihr , ihr Hausväter , ihr Hausmütter , die ihr klagt , ihr seid zumeist die Schuldigen , und aus dem verwahrlosten Hause herauf wachsen , wie im Moraste Schwämme und Giftpflanzen , die Dinge auf , über die ihr klaget . » Wenn Mann und Weib über einander klagen , was klagen sie eigentlich ? Daß das Haus nicht mehr ihr Tempel sei , daß Gott nicht mehr zwischen ihnen sei , daß jedes dem eigenen Götzen sich zugewandt , daß eins vom Andern fordere , daß es ihm als seinem Götzen diene , daß er auswärts opfere , was das Haus selbst bedürfe ; was klagen sie eigentlich , als es sei der Friede fort zwischen ihnen , der Friede , der nur von Gott kömmt und der nur in seinen Tempeln wohnt ! Das Eine oder das Andere , zumeist Beide , stehen nicht als Priester am Hausaltare , warten des heiligen Feuers nicht , das die Herzen rein glüht von irdischen Schlacken ; daher die Klagen , daher das Weh , das durch zerrissene Glieder fahrt . Ihr klagt über die Kinder und wundert euch darüber . In der Taufe habt ihr versprochen , sie dem Herrn zuzuführen , tut ihr es ? Vater , zeigst du deinem Kinde Gott , des zeitlichen Lebens ewige Bedeutung ? Und du , Mutter , nährst du in frommem Sinne der Kinder geistigen Hunger und Durst und öffnest ihnen die Augen , daß sie im Sichtbaren das Unsichtbare sehen und die Quelle des Leides über jegliche Sünde , jegliche Befleckung ? Gewöhnt ihr sie , euch als Priester nicht nur , sondern als Engel Gottes zu betrachten , die ihnen der Herr auf Erden vorausgesandt , um an erfahrner Hand sie zu geleiten aufrechter Bahn zum ewigen Ziele ? Gewöhnt ihr sie , das Haus zu betrachten als eine Freistätte des Guten ; Tut ihr das ? Oder was meint ihr , wenn die Kinder euern Abfall von Gott sehen , dem Allmächtigen , dem Allwissenden , und euern Ungehorsam gegen ihn , sollen sie dann euch gehorchen , euch , den Schwachen und Gebrechlichen ; Und wenn ihr selbst mit der Muttermilch sie einsaugen laßt Fleischeslust , Augenlust , Hoffart des Lebens , was wollt ihr euch da der Früchte weigern , die aus solchem Samen entstehen ? » Oder wollt ihr sagen , Religion zu lehren sei der Lehrer Sache , Religion lehrt sich eben nicht wie ein Rechnungsexempel , und ließe sie sich auch lehren , wie soll sie da gelehrt werden , wo ihr mit Wort und Tat das Gegenteil von dem tut , was der Lehrer lehrt ' Was würdet ihr von einem Acker erwarten , den man ansäet und alsobald nach der Aussaat wilde Schweine und andere Tiere hineinläßt ? Wenn ihr von den Lehrern fordert , daß sie die Kinder zu Christen machen , so müßt ihr erstlich Lehrer wählen , welche selbst Christen sind und nicht etwa dem Christentum den Krieg angekündigt haben , und wenn ihr Christen zu Lehrern habt , so müßt ihr sie weder verhöhnen noch verdächtigen noch gar ihre Arbeit und ihren Fleiß verwünschen , oder dann suchet nicht Trauben an den Dornen ; müßt nicht von der Torheit besessen sein , nicht christliche Kinder zu begehren , sondern bloß gute , so allgemein gute , ohne Glauben , ohne Christus , ohne Gott . » Man klagt über die Hausgenossen , über die Dienstboten . Aber woher die Klagen , als weil jedes christliche Band zwischen Herren und Dienern zerschnitten ist , das Verhältnis nur auf dem hohlen Recht beruht , wo jedes das Seine sucht und nicht das , was des Andern ist ! Woher anders , als weil zu wenig christlicher Ernst in den Hausern ist , um die Seelen man sich nicht kümmert , sein eigen Haus geduldig zum Schlupfwinkel der Sünde machen läßt und zufrieden ist , wenn der Leib seine Pflicht tut . In so vielen Häusern hält man die Dienstboten nie zur Kirche an , ja man ist froh , wenn sie nicht gehen , gibt ihnen weder Platz noch Buch zum Lesen , läßt sie fast absichtlich verwildern . Ich will niemand schuld geben , daß gerade er schuld an diesen Klagen sei , aber ursprünglich liegt der Grund des Verderbens der Dienstboten nicht in ihnen selbst , sondern in den Häusern , in den Häusern , denen sie entwuchsen , in den Häusern , in die sie gerieten . Es trifft dieser Vorwurf arme und reiche Häuser . Es sind leider sehr viele Arme , welche bloß noch leiblich leben , geistig aber tot sind , deren Hütten nichts viel Besseres sind als die Höhlen , in welchen die Tiere des Waldes wohnen . Aber auch viele arme Kinder wurden in reichen Häusern erzogen , und viele wurden nicht besser als die Kinder in jenen Höhlen ; geschieht es ja , daß man sie in den Stall hinaus zum Vieh verstößt und Kälber es besser hätten als Kinder . Aus diesem Grunde auch , weil des Hauses Dienst fehlt , weil die Kirche nicht mehr das gemeinsame Vater- Familienhaus ist , das bindende Band zerrissen wird , entsteht der Haß zwischen Reich und Arm , den die Bruderliebe nicht mehr mittelt ; der versöhnende Geist entschwindet , es verschwindet der Geist , der alles , was der Vater gibt , als gut nimmt , der Geist , der sich freut , dem Herrn dienen zu können , wenn auch an kleinerem Altare ; hängt doch des Feuers Glanz und Größe nicht vom Altare ab , auf dem es brennt , sondern von der Treue und dem Eifer dessen , der des Feuers wartet . » Torrecht aber auch ist das Klagen über Regenten , denn aus eurer Mitte , aus euern Hausvätern sind sie nicht nur hervorgewachsen , sondern von euch selbst auserkoren ; haben die Hausväter den rechten Sinn , so werden sie auch die Rechten sehen , die da wüßten , worauf es ankommt , wenn es das Heil eures Volkes giltet . Dürftet ihr euch bekennen zu dem , der bekennt sein will , wenn auch er euch bekennen und erkennen soll , so hättet ihr weder über Regenten noch über Regierung zu klagen . Die Gründe eurer Klagen wachsen also aus den Häusern heraus , und ihr wißt es nicht ; ihr sehnt euch nach bessern Zeiten , nach freundlichem Morgen , und schafft doch Finsternis , webet selbst das Böse in die Zeit hinein . » Darum lege ich auch euch die Frage vor wie Josua , der auch seinen guten Grund gehabt , doch keinen bessern als ich heute : Wem wollt ihr dienen , irgend einem Götzen oder dem Herrn , dem ich und mein Haus dienen wollen ? Ihr werdet meinen , das sei eine müßige Frage , aber das ist sie eben nicht ; ihr werdet sagen , das verstehe sich von selbst , daß ihr Christen seiet und mit euerm Hause dem Herrn dienet , aber das versteht sich eben nicht von selbst . » Ein Haus will man machen , ein Haus will man bauen , ein Haus möchte man besitzen , aber alles das in Beziehung auf die Welt , auf den äußern Schein ; man will ein braver Mann sein , eine berühmte Frau , aber an das recht christliche Haus , ans christliche Priestertum denkt man nicht ; bedenkliche Verlegenheit würde über so manchem Gesichte sich lagern , wenn man manchen Hausbesitzer , manche sogenannte Hausfrau nach ihrem christlichen Priestertum fragen würde ; man heißt sich Christ und dient der Welt , man hat ein Haus , darin zieht die Welt ein und aus , aber dem Herrn ist es nicht geweiht , man meint es nicht bös , aber was man eigentlich will und ist , weiß man nicht , man hat eben nicht daran gedacht . Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen , so sprach Josua , und wir , was wollen wir ? » Es ist , ihr mögt wollen oder nicht , das Haus der Spiegel euerer selbst , eueres Inwendigen ; ist euer Herz zerrissen oder hoffärtig oder zuchtlos , so wird alles dieses auch euer Haus sein , wird als Zeuge und Spiegel täglich euch vor Augen stehn . Seht , darum ists auch , warum so oft Menschen nicht daheim sein mögen , warum es dem Manne wird im eigenen Hause , als ob er im Gefängnis wäre , der Frau wie einem Vogel , der in eine Stube sich verirrt , daß ihnen wind und bange wird innerhalb der eigenen Schwelle ; was sie im Spiegel sehen , vor dem grauet ihnen , des Hauses Predigt , die ohne Worte , aber wie ein zweischneidend Schwert durch ihre Seele fährt , möchten sie nicht hören , aber wo wollen sie hinfliehen ? Das Herz , so öde und ohne Trost , aber voll Stürme Wind und Graus , das folgt ihnen überall , dem entrinnen sie nicht , das sitzt ihnen nicht bloß auf der Ferse , das sitzt mitten in ihnen . Und das Haus sollte doch eben sein der süße friedselige Zufluchtsort des Pilgerims nach vollbrachtem Tagewerk , der freundliche Hafen , den der Schiffer sehnsuchtsvoll sucht , wenn hart des Lebens Wellen ihn geschaukelt ; im Hause findet er den Frieden , der aus der Liebe wächst , die süßeste Frucht eines Gott ergebenen Herzens . Und laßt euch nicht irren durch ödes Geschwätz unseliger Toren , es ist nicht der Staat , nicht die Schule , nicht irgend etwas anderes des Lebens Fundament , sondern das Haus ist es . Nicht die Regenten regieren das Land , nicht die Lehrer bilden das Leben , sondern Hausväter und Hausmütter tun es ; nicht das öffentliche Leben in einem Lande ist die Hauptsache , sondern das häusliche Leben ist die Wurzel von allem , und je nachdem die Wurzel ist , gestaltet sich das Andere . Täuschet euch nicht , es mag zuweilen die Krone des Baumes noch grün scheinen , während schon die Wurzel welket ; aber lange bleibt die Krone nicht grün , dürre wird es bald in ihren Ästen , und wenn ein Sturm übers Land kömmt , so wird sie einen großen Fall tun , die Wurzel hielt den Baum nicht mehr : so wird es dem Vaterland ergehen , wenn man es bauen will auf öden Wüsten statt auf gottseligen Häusern . » Darum , so kehret , wenn ihr klaget , die Augen in euere Häuser , betrachtet sie : sind sie Tempel Gottes , brennt darin als ewig Feuer die Liebe und die Treue , wartet ihr als treue Priester eueres Gottes heiligen Dienst Tag und Nacht ? Seid ihr euch bewußt , daß was ihr auch seid unter den Menschen , euer höchst Amt und Beruf eben das Priesteramt , eben das Warten von Gottes heiligem Dienste ist im Tempel , den ihr euer nennt , im Tempel , in dem ihr mit euerer Familie wohnt , im Tempel , wo ihr selbst die heiligen Opfer sein sollt ? Und wenn ihr und euer Haus dem Herrn fürder dienen wollt , so meine ich eben diesen heiligen Dienst und nicht ein kühles Halten irgend eines Gebotes hie und da , wenn es die Leute sehen oder es sonst eben nicht unbequem ist oder nicht schwer fällt . Ich meine eben den Dienst , den auch Paulus meint , wenn er sagt : So ermahne ich euch nun , lieben Brüder , durch das Erbarmen Gottes , daß ihr euere Leiber darstellet zum Opfer