ab , aber unter vielen Drohungen : Wie man erfahren solle , was man an ihnen getan , und wie man sie nicht mehr sehen werde an einem Orte , wo man sie so behandelt . Es leichtete allen ordentlich , als sie fort waren , und Johannes versprach dem Vreneli ein Stück Hausrat zur Ehesteuer , es könne auslesen , was es wolle , weil es den Schwager so tüchtig abgeklopft . Er wollte gerne eine Dublone geben , wenn er klagen würde ; dem wollte er Sünden einbrocken , daß er daran ersticken sollte . Sechsundzwanzigstes Kapitel Wie Vreneli und Uli auf hochzeitlichen Wegen gehen und endlich Hochzeit halten Von da an ging die Sache vonstatten , viel besser , als Uli gedacht hatte , und er mußte manchmal denken , es gehe ihm besser , als er verdient , und mußte denken , was sein alter Meister gesagt : der gute Name sei ein eigenes Kapital und mehr wert als Geld und Gut . Der Lehenzins war billig , was aber die Hauptsache ausmachte , das waren die Zugaben . Einiges , was ihm besonders gefiel , nahm zwar der Johannes zuhanden . Es sei nichts als billig , sagte er , daß er auch etwas hätte gegen das Korn und Kirschenwasser , das der Schwager ihnen abgeläschlet . Die Zugaben erstreckten sich nicht nur auf den ganzen Viehstand , Schiff und Geschirr , sondern auch auf den Hausrat und die Dienstenbetten . Die Schatzung über alles war billig , so daß sie den Empfänger , wenn die Sachen ein , mal zurückgegeben werden mußten , nicht über Nichts bringen konnte . Es waren einige tüchtige Vorbehälte , die indessen bei dem billigen Zins zu übersehen waren . Uli mußte ihnen eine Kuh füttern , zwei Schweine mästen , Erdäpfel genug geben , ein Mäß Flachssamen , zwei Mäß Hanfsamen säen , ein Pferd geben , so oft sie fahren wollten . Wenn man einig ist , so ist selten ein Vorbehalt zu schwer , gerät man aber in Mißverhältnisse , so wird jeder Vorbehalt ein Stein des Anstoßes . Uli und Vreneli konnten ihr meistes Geld sparen und brauchten sehr wenig anzuschaffen ; der versprochene Trossel blieb ihnen auch nicht aus , ein Bett und einen Schaft erhielten sie , wie man sie selten schöner sieht . Johannes sandte ihnen , ohne ihre Auswahl zu erwarten , eine schöne Wiege , die Vreneli lange nicht ins Haus lassen wollte , behauptend , die sei verirret . Aber was das dem Uli zu sinnen und zu denken gab , wie er alles anzustellen hätte in Feld , Stall und Haus ; wie es ihm angst machte bald um das Korn , bald um den Lewat , bald ums Gras ; wie er schon vor Fasnacht , wenn der Bysluft ging , jammerte , es gebe in diesem Jahr nicht Heu ; wie hundertmal er rechnete , aus was er den Lehenzins schlagen , wieviel er verspielen , wieviel gewinnen könne , das kann nicht wohl erzählt werden . Es ist aber auch begreiflich , daß es einem jungen Anfänger im ersten Jahr , das ihm den Boden unter den Füßen wegnehmen oder einen Boden darunter gründen kann , etwas bange wird ; ein alter , reicher Bauer nimmt es schon kaltblütiger . Da tut es ihm wohl , wenn er oft zu dem auf , sieht , der in seinen geheimen Kammern den Bysluft macht und den Schnee , der Heuschrecken sendet und den Tau fallen läßt . Wenn er aufblickt zu dem da oben , so kommt ihm der Trost ins Herz , daß der den jungen Anfänger so wenig vergessen werde als den Sperling auf dem Dache , als die Lilie auf dem Felde , sobald derselbe seiner nicht vergißt . Allgemach wird er es lernen , aber nur allgemach , fleißig sein und treu und alles auf das beste tun , dann aber dem Herrn getrost es überlassen , was daraus werde , und kummerlos das Gedeihen erwarten oder das Fehlschlagen ; wird mit ergebenem Herzen zusehen können , wie der Hagel die Felder zerschlägt , die Flammen das Haus zerstören , und getrost und ohne Heuchelei sagen : Der Herr hats gegeben , der Herr hats genommen , der Name des Herrn sei gelobt . Uli sah viel auf zu dem , der so schön ihn geführt bis dahin , und vergaß keinen Abend seinen innigen Dank ; aber das stürmische Meer im Herzen , das Wogen der Gedanken in der Brust wollte sich nicht legen : er war zu neu aufgeregt , zu viel stürmte auf einmal auf ihn ein . Vreneli klagte gar manchmal , er sei nicht mehr sein alter Uli , habe keinen Spaß mehr , keine Worte , keine Ohren . Sie hätten noch so viel abzureden , und da sitze er , staune ; es sei , als ob die Worte ihm im Halse gefrören , und es könne manchmal eine ganze Stunde reden , ohne Antwort zu bekommen . Wenn es gewußt hätte , daß der Brautstand so langweilig sei , so hätte es ihn geschickt Band hauen . Statt zuweilen mit ihm zu schätzelen und Flausen zu haben , sinne er darüber nach , was ihm mehr abtrage , eine Füllimähre oder zwei Ferlimore , oder welche Kühe besser Milch geben , die rotschäcken oder die schwarzblöschen . Wenn Vreneli so mit Uli kifelte , so weckte das ihn wohl auf und er tändelte und lachte manchmal eine ganze Viertelstunde lang , bis ihm der Ernst und das Sinnen wieder kam . Vreneli , so leichtfertig es schien , war innerlich nicht minder ernst , konnte es aber verbergen . Es war von den Leuten , die äußerlich immer lustig und leichten Sinnes scheinen , die tiefen Gedanken aber in der Tiefe des Herzens verbergen , so daß man sie ihnen gar nicht zutraut . Es konnte auch halbe und ganze Nächte sinnen , was ihm als Hausfrau alles obliege , wie es dieses und jenes machen wolle , daß es am besten komme , konnte aus vollem Herzen seufzen , ob es wohl der Aufgabe gewachsen sei , konnte mit nassen Augen Gott bitten um seinen Beistand und seine Hülfe , seinem schweren Amte getreulich vorzustehen und Uli glücklich zu machen . Von diesem allem sieht man am Morgen nichts mehr , der feuchte Glanz in den Augen scheint von dem Rauch in der Küche zu kommen . Es fährt herum wie auf Rädern und trällert seine Liedchen wie ein harmlos Rotkehlchen , und wo es Uli erwischen kann , möchte es mit ihm spassen , ihn necken . Hinter dem Tändeln aber sitzt der ernste , innige Gedanke , Uli glücklich machen zu wollen , und wenn es leichtsinnig mit ihm zu schätzeln scheint , so ist es nur , um einen Augenblick seinen Kopf an Ulis Brust legen , sich seines Glückes reche bewußt werden zu können , eine Seele zu besitzen , ein vernünftig Wesen sein nennen zu können . » Du bist mir auch das leichtsinnigste Geschöpf von der Welt , « sagte die Base oft . » Wo ich habe Hochzeit halten sollen , da habe ich manchmal ganze Tage lang pläret , und wenn mich Joggeli hat anrühren wollen , daß es die Leute gesehen , so bin ich zur Türe aus gelaufen , und kein Mensch hätte mich wieder hineingebracht . Ich weiß nicht , wie das gehen soll . « Und wirklich schüttelte sie manchmal bei sich selbst den Kopf und dachte , sie verstehe sich nicht mehr auf die heutigen Meitschi , aber wenn das so fortgehe , so komme das nicht gut . Vreneli falle nicht gut aus , und Uli sei mit ihm geschlagen , mit dr Narre Trybe werche man keinen Hof . Diesen geheimen Kummer vermehrte Joggeli noch , der ihr alle Tage sagte : » Du kannst sehen , wie das kömmt ; das geht nicht ein Jahr , so sind sie am Haufen . Aber ich vermag mich dessen nichts , ich habe es genug gesagt , es komme nicht gut . Aber man glaubt mir nichts , man hat mir nie geglaubt , darum ist auch alles so gekommen . Ich habe es mit dem Elisi von Anfang an gesagt , aber es wollte mich damals niemand hören . « So rückte in banger Stimmung die Zeit heran , wo Uli das Lehen übernehmen sollte , das ihm das Zutrauen um seiner Anstelligkeit und Treue willen übertrug . Vorher sollte er mit Vreneli Hochzeit halten . Schon seit dem Neujahr war davon die Rede gewesen , aber das Meitschi hatte immer Gründe zum Aufschub . Bald hatte es nicht Zeit gehabt , recht daran zu sinnen , bald hatte es eben daran gesinnet und gefunden , es sei besser , noch einen Sonntag oder zwei zu warten . Dann sagte es , es wolle vom Hochzeit gleich als Meisterfrau eintreten und nicht erst noch Magd sein , oder der Schuhmacher hätte seine Sonntagsschuhe , in den Holzböden könne es doch nicht wohl zum Pfarrer gehen , das Hochzeit anzugeben . So strich ein Sonntag nach dem andern vorbei . Da saß an einem stürmischen Sonntagsnachmittag die Base hinter dem Tisch und sagte : » Vreneli , gib mir doch die Brattig , sie hanget dort auf . « Sie blätterte darin , weit von den Augen sie haltend , zählte mit dem dicken Finger die Wochen , zählte wieder und schrie endlich : » Weißt du , daß es bis zum fünfzehnten Merz , wo ihr das Leben antreten müßt , nur noch fünf Wochen sind ? Du wüests Meitli hast die Sache bis dahin verdreht ! Auf der Stelle geht mir jetzt und gebt mir das Hochzeit an ! Das ist mir eine schöne Geschichte ! Jawolle ! « Vreneli wollte es nicht glauben , zählte nach , fand es endlich noch eine Woche zu früh und meinte , wenn sie nur einen Tag oder zwei vor dem Fünfzehnten Hochzeit hielten , so wäre es lange früh genug . Aber davon wollte die Base nichts hören . Uli schlug sich auf ihre Seite , und wenn schon nicht selben Sonntag , so sollte doch in selber Woche das Hochzeit beim Pfarrer zu Üfligen angegeben und derselbe ersucht werden , in Beider Heimat zu schreiben , damit es auch dort verkündet werde . Am Montag hatte aber Vreneli seine Schuhe noch nicht vom Schuhmacher , am Dienstag schien ihm der Mond zu heiter . Alle Leute würden es ja kennen durchs Dorf ab , sagte es . Am Mittwochen war das Zeichen ihm nicht gut genug , auch sei der Mittwochen ja eigentlich kein Tag , behauptete es . Es stehe an diesem Tag ja kein Jungfräulein ein , und sei das Hochzeitangeben noch wichtiger , als einen Dienst anzutreten , wo man ja das ganze Jahr daraus könne , wann man wolle . Endlich am Donnstag gingen alle mit Ernst hinter ihns und sagten ihm , das sei kreuzdumm getan . Es hätte sich der Sache doch nicht zu schämen und einmal müsse es sein , gäb es geschehe einen Tag früher oder später , und es sollte froh sein , wenn es einmal geschehen sei . Glücklicherweise hatte der Schuhmacher die Schuhe gebracht , und der liebe Gott sandte ein gräßliches Schneegestöber , daß kein Mensch mit offenen Augen ein Dutzend Schritte gehen konnte , und eine Nacht legte sich zwischen Himmel und Erde , wie keine noch so dick und schwarz gewesen war . Als es nun so recht strub machte , Schnee und Riesel an die Fenster prätschten , fingershoch an den Rahmen hingen , der Wind schaurig durch das Dach pfiff , die Nacht dick und finster zu den Fenstern ein kam , das Lämpchen selbst sich ihrer kaum erwehren mochte , die Katzen schaudernd die Feuerplatte suchten , der Hund an der Küchentüre kratzte und mit dem Schwanz zwischen den Beinen unter den Ofen kroch , da sagte Vreneli endlich : » Jetzt , Uli , mach dich zweg , jetzt wollen wir gehen , jetzt guggen uns die Leute gewiß nicht nach . « » Du bist mir doch das wüstest Gret « , sagte die Base . » Nein , bei solchem Wetter käme ich dir auch nicht , wenn ich Uli wäre , da könntest du alleine gehen . « » Das kann er machen , wie er will « , sagte Vreneli , » aber wenn er heute nicht kömmt , so gehe ich nachher nicht mehr . Und wenn seine Liebe so groß ist , wie er sagt , so tut ein solches Wetter ihm nur wohl . « » Wohl , ich wollte dir , wenn ich Uli wäre ! « sagte die Base . » Aber so nehmt doch das Wägeli , Hans kann euch führen , ihr kommt ja um in solchem Wetter . « » Warum nicht gar , Base , auf dem Wägeli reiten , um das Hochzeit anzugeben ! Da würden die Leute ja erst recht zu reden haben , und wir kämen das andere Jahr in die Brattig , und das Wägeli käme zmitts auf die große Helge . « Nun wollte die Base Uli aufweisen , er solle nicht gehen , aber dem war es recht , wenn Vreneli nur einmal gehen wollte . Aber wunder nehme es ihn , wie Vreneli durchkommen wolle . Etwas hätte es verdient um sein wunderlich Tun , und so wollten sie es in Gottes Namen wagen , könnten sie doch jetzt zusammen gehen und brauchte Keins dem Andern hinter einem Hag oder hinter einer Scheuer zu warten , wie es sonst üblich sei . Die Base , beständig brummend über diese Narrheit , half doch , so gut sie konnte , bei der Ausrüstung zu dieser Fahrt , brachte Joggelis Mantelkragen und seine Pelzhandschuhe ; aber bei jedem Stück , das sie brachte , sagte sie : » Los , Meitschi , das kömmt gewiß nicht gut . Wenn du so wunderlich tun willst , so schlägt dir Uli vom Nest . Wenn ein Meitschi so tut , du mein Gott , was soll das für eine alte Frau werden ! Die Wunderlichkeiten nehmen mit dem Alter zu , das kann ich dir sagen . « Als sie endlich fertig waren und die Küchentüre aufmachten , mußte Vreneli dreimal ansetzen , bis es draußen war , und Uli mußte seinen Hut zuhinterst in der Küche wieder suchen . Die Base fing von neuem an zu jammern , sie zu beschwören , sie sollten doch dr tusig Gottswillen nicht gehen , sie kämen ja um ! Aber Vreneli setzte zum drittenmal an mit aller Kraft , war im Schneewirbel verschwunden , der Base Gejammer verhallte ungehört . Es war wirklich ein halb halsbrechender Gang , und Uli mußte dem Mädchen aushelfen . Den Wind gerade im Gesicht , verloren sie öfters den Weg , mußten manchmal stillestehen , sich umsehen , wo sie seien , mußten Atem schöpfen , sich umdrehen , die grellsten Stöße vorbeizulassen ; sie brauchten Dreiviertelstunden für die kleine Viertelstunde bis zum Pfarrhaus . Dort klopften sie sich erst so gut möglich vom Schnee rein , dann an die Türe . Lange klopften sie umsonst , der Schall verlor sich in des Windes Geheul , das schauerlich durch die Kamine toste . Da verging Vreneli die Geduld , statt des ehrerbietig klopfenden Uli klopfte nun es , daß sie drinnen von ihren Sitzen auffuhren , die Frau Pfarrerin sagte : » Herr Jeses , Herr Jeses , was ist das ! « Der Herr Pfarrer aber beruhigte sie und sagte : Das werde ein Kindbettimann oder ein Hochzeit sein , die schon mehrere Male geklopft ; aber Marei werde wieder nichts gehört haben , wie es es im Brauch habe . Unterdessen Marei Bescheid gab , zündete er bereits ein Licht an , damit die Leute nicht lange warten müßten , und sobald Marei zur Türe hinein sagte : » Herr Pfarrer , es sind zwei Lütli da « , trat er schon heraus . Hinter der Haustüre stunden die Beiden , Vreneli hinter Uli . Der Pfarrer , etwas klein , in eben rechtem Alter , aber bereits mit einem ehrwürdigen Haupte versehen und klugen Zügen , die sehr scharf und sehr freundlich sein konnten , hob das Licht über sein Haupt empor , sah etwas vorwärtsgebeugten Hauptes darunter durch und rief endlich : » Eh , Uli , bist du es , bei solchem Wetter ! Und hinter dir wird wohl Vreneli sein , « sagte er , mit dem Lichte herumzündend . » Nei aber , « rief er » bei solchem Wetter ? Und die gute Glunggebäurin hat euch gehen lassen ! Marei , komm , « rief er , » putz mir die Lütli ab , nimm diesen Kragen und trockne ihn . « Marei kam mit seiner Lampe sehr gerne her . Da tat die Frau Pfarrerin auch die Türe auf mit dem Lichte in der Hand und sagte : » Führe doch die Lütli hier herein , es ist wärmer als bei dir , und Vreneli und ich kennen einander gar wohl . « Da stand nun Vreneli im Glanz von drei Lichtern noch immer zwischen Uli und der Türe und wußte nicht recht , was für ein Gesicht es vornehmen solle . Endlich machte es gute Miene zum bösen Spiel , kam hervor , grüßte sittig den Pfarrer und dessen Frau und sagte , die Base lasse ihnen guten Abend wünschen , der Vetter auch . Das sagte Vreneli mit der unschuldigsten Miene von der Welt . » Aber , « sagte drinnen der Pfarrer , » warum kommt ihr bei solchem Wetter ? Es ist ja für darin umzukommen ! « » Es hat sich nicht wohl anders geschickt « , sagte Uli , der die Mannespflicht , den Eigenwillen seiner Frau auf seine Schultern zu nehmen , zu fühlen begann , eine Pflicht , die man am Ende notgezwungen üben muß , entweder um nicht unter dem Pantoffel zu scheinen oder die Schwachheiten der Frau nicht auszubringen . » Wir durften nicht länger warten , « fuhr er fort , » da wir den Herrn Pfarrer bitten möchten , die Sache noch da und dort anzuzeigen , damit es auf den nächsten Sonntag verkündet werden könne . « Dafür seien sie wohl spät , sagte der Pfarrer , er wisse nicht , ob die Post vor dem Sonntag käme an beide Orte . Es sei ihm leid , sagte Uli , daran hätten sie nicht gedacht ; Vreneli tat , als ob ihns die Sache nichts anginge , und redete recht eifrig mit der Frau Pfarrerin über den Flachs , der so schön geschienen und doch beim Hecheln gar nicht ausgeben wolle . Als die Formalitäten zu Ende waren , sagte der Pfarrer zu Uli : » Und Ihr werdet Lehenmann in der Glungge ? Das freut mich . Ihr seid nicht wie so viele Knechte , denen man kaum ansieht , daß sie Menschen , geschweige daß sie Christen sind , Ihr stellt Euch wie ein Mann dar und tut auch wie ein Christ . « » Ja , « sagte Uli , » warum sollte ich Gottes vergessen ? Ich habe ihn nötiger als er mich , und wenn ich ihn vergesse , darf ich dann hoffen , daß er an mich denkt , wenn er seine Gaben und Gnaden austeilt ? « » Ja , Uli , das ist schön , « sagte der Pfarrer , » und ich glaube , auch er habe Euch nicht vergessen . Ihr habt ein gutes Lehen , und ich glaube , Ihr bekommt eine gute Frau . Ich rede nicht vom Arbeiten und Haushasten , da wird Vreneli gerühmt , ich weiß es wohl ; Arbeiten und Haushasten ist gut , aber doch nur eine Nebensache . Vreneli scheint leichtsinnig und flüchtig , aber ich weiß , es sinnet auch tiefer und hat ein gutes Herz . « Vreneli hatte seine Ohren bei diesem Gespräche , wie eifrig es vom Flachs redete . So wenig es früher dieses merken ließ , so wenig konnte es sich jetzt enthalten , zu sagen : » Aber Herr Pfarrer , Ihr könntet nur auch zu viel zutrauen . « » Nein , Vreneli , « sagte der Pfarrer , » ich sehe in der Unterweisung in gar manches Herz hinein , man weiß es nicht , ich höre gar manches , man glaubt es nicht , und dazu errate ich noch vieles . Bist du nicht auch schuld , daß Ihr bei diesem gräßlichen Wetter hereingekommen ? Sieh , ich wünsche von ganzem Herzen , daß dieses der strübste Gang ist , den ihr mit einander während Eurer Ehe geht . Doch was Gott verhängt , weiß niemand , wenn nur alles zur Seligkeit dienet . Aber das kann ich wohl wünschen , daß Ihr keinen so struben Gang mehr tun müßt durch des Einen oder Andern Schuld . Was von Gott kömmt , das läßt sich alles tragen , wenn Zwei in Gott eins sind ; aber wenn der Eigensinn oder die Wunderlichkeit oder die Leidenschaft von Mann oder Weib Unglück über eine Ehe bringen , Ärgernis und Elend , und das Unschuldige muß mit aus dem bittern Kelch trinken , muß bei jedem Zuge denken : Daran ist mein Gatte schuld , wenn er nicht wäre oder anders wäre , so wäre das auch nicht , da wird das Leben ein Wermutstrank und der Gang durchs Leben ist noch viel ungestümer als euer heutige Gang . Und wenn man am Ende ist und es gehen einem die Augen auf und man sieht , daß man das Unwetter selbst war auf dem Lebensweg , das einem Gatten die ganze Lebenszeit verfinstert , getrübt hat , daß er unsertwegen einen so schweren Gang hätte , während er bei etwas weniger Eigensinn oder Wunderlichkeit einen recht schönen , heitern hätte haben können : denk , Vreneli , was muß man sich da für ein Gewissen machen ! « Vreneli war ganz rot geworden , das Wasser trat ihm in die Augen , und die Frau Pfarrerin sagte : » Aber Mannli , du machst ja dem Meitschi ganz angst , kommst so ernsthaft , daß es mir selbst den Rücken auf geht , und du weißt doch nicht , ob die Sache so ist , wie du meinst . « » Ich kann mich irren , « antwortete der Pfarrer , » aber ein ernstes Wort gehört zu diesem ernsten Gange . Ihr werdet Euch Euer Lebtag erinnern an das gräßliche Wetter und das mühselige Gehen , da kömmt dann auch die freundliche Mahnung Euch in Sinn , auch wenn Vreneli diesmal nicht schuld war , daß jedes sich hüten solle , daß das Andere nicht durch seine Schuld beschwert werde , leiden müsse , daß wir daseien , einander das Leben zu erleichtern und zu versüßen und nicht zu verbittern und mühselig zu machen . Paulus sagt , die Ehe sei ein Geheimnis ; er hat recht , aber die Liebe , die er im dreizehnten Kapitel im ersten Brief an die Korinther beschreibt , ist der Schlüssel dazu . Habe ich dir unrecht getan , Vreneli , so zürne mir nicht ; du sollst wissen , daß ich es doch gut mit dir meine . « Da begannen die Wasser aus den Augen zu rollen , und Vreneli bot dem Pfarrer die Hand und sagte : » Ihr habt mehr als recht , ich bin schuld daran , bin ein wüst und wunderlich Meitschi gewesen . Was Ihr mir gesagt , will ich nicht vergessen , es soll nur eine Warnung sein für mein Lebtag . Ich habe es nicht bös gemeint , habe nicht daran gedacht , daß es so kommen werde ; es ist mir zuwider gewesen , zu kommen , und da habe ich alles hervorgesucht , um es zu verschieben . Aber es soll mir eine Warnung sein ! « Nun , nun , sagte der Pfarrer , » gräme dich nicht . Es ist allerdings ein schwerer Gang , zum Pfarrer , das Hochzeit anzugeben . Ich begreife , daß es einem Mädchen bange werden muß dabei , und daß man das Schwere so weit von sich wegschiebt als möglich , ist menschlich , und es tun das noch viel andere Leute als nur junge Meitscheni . Es ist eben die schwerste Lebensaufgabe , das Schwere auf sich zu nehmen , vor dem Schwersten nicht zu zagen und zu zittern . Das meiste Unglück der Menschen besteht eigentlich nur darin , daß sie sich mit Händen und Füßen gegen das Kreuz , das sie tragen sollen und tragen müssen , stemmen und wehren . Es ist ganz recht , wenns den jungen Leuten eng ums Herz wird , wenn sie zum Pfarrer gehen , ist dieser Gang doch der entscheidende für ihr ganzes Lebensglück ; darum rede ich gewöhnlich ein ernstes Wort dazu , denn dieses Wort wird viel weniger vergessen als hunderte , die ich in der Kirche sage . Wie heute geben die Umstände sie mir in den Mund , und wenn der Herr so mächtig auf den Flügeln des Sturmes daherfährt , so müssen die Worte ernsthaft werden . Und wie das äußere Leben ein Bild des geistigen Lebens ist , so ward mir Euer Gang daher zum Bilde mancher , mancher Ehe , zum warnenden Worte , vor solcher Ehe und den Ursachen dazu Euch zu hüten . Es muß auch niemand wunder nehmen und auch dich nicht , liebe Frau , die du jetzt vielleicht zum erstenmal bei der Abnahme einer solchen Angabe gewesen und zum erstenmal einen solchen Zuspruch gehört hast , daß ich so ernsthaft werde . Es ist fürchterlich , welcher Leichtsinn einreißt und wie schauderhaft unwürdig so Viele ihre Ehe angeben . Ein Freund hat mir geschrieben , daß ihm letzthin an einem Samstag zwei Paare zur Hochzeitangabe gekommen seien , beide Bräute hochschwanger und alle Viere voll Branntwein , so daß sie kaum reden , kaum gehen konnten . Wären wir in einem christlichen Staate und nicht in einer Agentenwirtschaft , so würde man solche Tiere zurück , weisen , bis sie in einem menschlichen Zustande wären . Täte man es jetzt , so riskierte man Anschicksmänner , Rechtsverwahrungen , Zitationen , und die Richter würden mühselig in der Gerichtssatzung oder im Personenrecht einen Paragraphen suchen , der sich auf diesen Fall beziehen ließe , und würden ganz sicher gegen den Pfarrer auch einen finden . Vom eigentlichen Regieren löscht der Begriff immer mehr aus , wie auch das Licht immer düsterer brennt , je mehr Rauch und Staub um dasselbe gemacht wird . Aber was muß das für Ehen geben , wo die Leute in solchem Zustande den wichtigen Gang tun , und was für ein Bild ihres zukünftigen Zustandes wird da dem Pfarrer auf die Zunge gelegt ! und doch darf er es vielleicht nicht einmal aussprechen diesen trunkenen Leuten , besonders wenn sie etwa Bürger einer Stadt oder sogenannte Fötzelherren sind . Bei solchen läuft er Gefahr , daß sie ihm wüst sagen , ihn in eine Zeitung tun oder gar verklagen . So wie es bei solchen Erscheinungen einem recht eigentliche Stiche ins Herz gibt , so tut es einem auch wohl , wenn man Zwei zur Ehe schreiten sieht , von denen man weiß , daß Gott bei ihnen ist und daß sie trachten werden , ihre Leiber und ihr Haus zu einem Tempel zu machen , darin Gott wohnen mag . Nicht nur muß der Pfarrer über jede solche Ehe sich freuen , ich weiß , es ist Freude darüber im Himmel . Wenn nun zwei Solche zu einem kommen , wo man sich freuen kann über sie , da darf man ein ernsthaft Wort zu ihnen reden ; man weiß , sie nehmen es einem nicht übel , sondern es fällt auf gutes Erdreich , wo es dreißig- , sechzig- , hundertfältige Früchte bringt . « » Ja , Herr Pfarrer , « sagte Vreneli , » ich werde es nie vergessen , was Ihr gesagt , und Uli soll es Euch zu danken haben . Oh , ich habe noch manches Wort von der Unterweisung her , das ich nie vergessen werde . Und wenn es mich schon manch- mal dünkt , ich hätte alles vergessen , so steigt bei diesem Anlaß oder einem andern ein Wort aus der Unterweisung in mir auf , fast als ob mir jemand den Finger aufhöbe und sagte : Eh , eh ! « Es gehe ihm auch so , sagte Uli , doch jetzt mehr als früher . Es sei eine Zeit gewesen , wo er wenig an die Unterweisung gesinnet habe . Es komme viel darauf an , was man im Kopf habe , je nachdem komme einem etwas in Sinn . Er hätte es nicht geglaubt , wenn er es nicht selbst erfahren hätte . Da kam die Magd mit den Tellern herein , um Tisch zu decken . Vreneli merkte es und stund zum Abschied auf , obgleich die Frau Pfarrerin sagte : Man solle nicht pressieren , oder sie sollten mithalten . Aber Vreneli sagte , sie müßten gehen , die Base meine sonst , sie seien umgekommen , dankte recht innig dem Pfarrer noch einmal für sein Wort und bar ihn , zu versprechen , daß er auch zu ihnen komme , wenn sie schon nur Lehenleute seien . Ein Kaffee vermöchten sie doch immer , wenn sie vorlieb nehmen wollten . Es lache ihm alle , mal das Herz im Leibe , wenn es ihn nur von weitem sehe . Glück und Segen wünschend zum