Veit : » ' s macht helle Augen , und Euer einziges wird nachgerade schadhaft , wie Eure Nase stumpf , denn Ihr seht und riecht nicht , daß unser Linsengericht in der Pfanne anbrennt . « - » Ei potz Velten ! « schrie die Muhme erschrocken , und hob die Pfanne vom Feuer : » Ich muß auch die Augen überall haben , weil Du Dich um nichts kümmerst . « » Komm , Veitchen , komm , setz ' Dich zu Tische ; komm , iß mein armer Junge . « - Sie schob mit dem Ermel alles Hinderliche von dem morschen Rundtische , warf eine geblumte Schürze darauf , und setzte das unlieblich dampfende Gerücht auf das unreinliche Pfannenholz . Von Tellern war keine Rede , und die rostigen Gabeln und Messer gaben eben keinen sonderlichen Begriff von dem Hauswesen des Edelmanns . Veit setzte sich wankend zum Essen und lachte spöttisch über das Endchen Wurst , das die Muhme triumphirend aus den Linsen fischte , und gewissenhaft mit dem Neffen theilte . » Ein feiner Braten in der Osterwoche ! « sprach er verdrüßlich , und schnitt ein Stück Gerstenbrod der Muhme ab : » Ich sag ' s Euch , Base ; wenn dieses Leben noch lange dauert , so hänge ich mich am nächsten Nagel auf . Diese unaufhörliche Armuth bei so vielen Gefahren halte ich nicht länger aus . Seitdem der verdammte Schwager zu Frankfurt mir den Brodkorb höher hängte , ist es zum Teufelholen . « - » Du haderst immer mit dem Schicksale , statt es zu verbessern ; « predigte die Alte , tapfer die Schüssel angreifend : » Drei Landstraßen stehen Dir offen ; warum passest Du nicht auf , wie Andere ? « - » Warum bin ich ein ärmerer Schlucker als andere ? « fragte Veit höhnisch entgegen : » Der Eppsteiner und die Käseberger und All ' die Brüder in der Runde haben Rosse wie Stahl und Eisen , die achtzehn Stunden in einem weg trappen , ohne daß ihnen ein Huf wehe thut . Meinem Klepper kann ich kaum mehr einen Ritt von hier gen Frankfurt in einem Tage zumuthen , und wenn ich ihn in den Sprung bringe , so bekommt er gleich das Keuchen . Die obige Sippschaft hat Geld , um die Kundschafter tüchtig zu bezahlen ; mir verrathrn die Bursche kaum einen wandernden Schuhflicker , weil ich ihre Klauen nicht versilbern kann . Das Schlechteste kommt an mich , und , theil ich mit Andern , habe ich sicher den kleinsten Theil . Bring ich etwas heim , so geht ' s in Rauch auf , wie ' s gewonnen wurde , und Schmalhaus zählt uns immer die Brocken zu . Pest und rother Hase ! Ich hab ' s satt , und dreimal satt . Ich habe Wind und Wetter ausgehalten , verstehe mein Gewerbe , wie ein Alter , und soll Leben aus , Leben ein , am Hungertuche nagen , während andere im Wohlleben schwimmen , und kein Haar besser sind als ich ? Gott verdammne mich , wenn ich ' s länger mit ansehe ! « - » Du bist ein trotziger ungenügsamer Mensch , ein fauler Bärenhäuter oben drein ! « versetzte die Muhme : » Schau einmal unsere Nachbarn unter den Burgleuten an . Betrachte den Jost , der just unter unserm Gemache haußt , und dessen Kinder uns den Kopf toll machen mit ihrem Geschrei . Die Stube voll Würmchen , und die ewig kranke Frau , und den lahmen Vater ; und bei alle dem auch nichts als den Grauschimmel und Sattel und Stegreif . Da heißt es , die Ohren steif halten . Gedenke nur des Henne von Riedlingen , der im andern Flügel wohnt , dicht am Hundezwinger . Eine Stube , wie ein Stall , und darinnen eingepfercht zu seyn mit Kind und Kegel , und gezwungen zu seyn , für die vielen Mäuler Tag aus Tag ein , die Kost aus dem Forste , oder vom Vogelherde , oder aus dem verbotenen Teiche zu holen ! Um wie viel glücklicher bist Du , ein unbeweibter Mann , dem eine sorgfältige und regsame Base das Hauswesen führt ! Du gehst , wenn Du willst , Du kömmst , wenn Dir ' s einfällt , und findest immer etwas für den Schnabel , bald wenig bald viel , bald vollauf bald knapp , je nachdem Dein Gewerbe geht oder stockt . Daheim kannst Du Deinen Leib pflegen , Falken abrichten , die Fenster verkleben , wenn es Noth thut , und auf Deinem wohlgefüllten Strohsacke lungern , so lange Dir ' s gefällt . Ich wette darauf , Deine ungerathene Schwester , die uns vergißt , wie alle Reiche zu thun pflegen , hat in ihrem Überflusse der Sorgen mehr als Du . « - » Möglich ! « antwortete Veit : » Ich würde dennoch gleich mit ihr tauschen . Schaut einmal mein Wamms an , Muhme . Der Ellbogen des rechten Ärmels ist geplatzt . « - » Ei , so gib her ! « versetzte die Muhme geschäftig ; » und lange mir vom Fenstergesims Nadel und Faden . Das muß auf der Stelle ausgebessert werden , denn die Katze hat sich heute gar oft hinter den Ohren gekratzt , und mir juckt die Stirne beständig . « » Beides bedeutet aber einen Besuch , der heute nicht ausbleibt . Ach , möchte es doch ein Guter seyn ! « murrte Veit , unruhig auf und abgehend : » nicht der Junker von Hagen , dem ich noch sechs Schillinge vom Brettspiel schulde , und nicht der Landschaden , dem ich vor acht Tagen das Heu mit Gewalt dem Schober nahm und nicht der Jude Nathan , von dem ich ein Pfund Heller entlehnte auf meinen nächsten Fang . « - » Du wirst doch all die Leute nicht fürchten , Neffe ? « sprach Petronella : » Den von Hagen vertröste , den Landschaden fahre nur grob an , und den Juden wirf die Wendelstiege hinunter , daß er den Hals bricht , wenn er sich untersteht ; denn der Hund ist Dir nicht ebenbürtig , und darf Dich in der adlichen Ganerbschaft nicht beleidigen . « » Sey indessen unbesorgt . Es kribbelt mir in Einem fort an der linken Hand , und das bedeutet allemal ein Stück Geld , das man einnimmt , oder ein Glück , das Einem bevorsteht . « - » Wollte Gott , Ihr hättet Recht , Base ! « rief der Junker , und stellte sich an den in der Ecke des Gemachs stehenden Schleifstein , um seinen Dolch und sein Jagdmesser abzuziehen : » Wenn ich nur der Kaiser wäre , Frankfurt müßte ich im Sturme gewinnen , und alle Bürger niedersäbeln lassen , .... die hochfahrenden Hunde , - und in ihre Häuser würde ich lauter Adliche setzen , die in Teutschland ein unverdientes ungünstiges Schicksal tragen . « - » Du bist noch immer ein kindischer Gesell , « lächelte die Muhme beifällig , .. » Obschon nicht mehr der Jüngste . Ach , wie Dich Deine gute Muhme liebhaben würde , könntest Du ihr ein sorgenfreies Ende bereiten ! « - » Das glaube ich ; « versetzte Veit , wacker drauf los schleifend : » Käm ' s auf ein Wort an , oder eine Handvoll Stahls , wir würden bald reicher seyn , als der alte Frosch , den neulich der ungeschickte Tölpel so schlecht getroffen hat . « - » Ich möchte wissen , wer wohl eigentlich dem Altbürger an die Kehle wollte ; « brummte die Alte nachsinnend . - » Mag ' s gewesen seyn , wer da will , « erwiederte der Neffe unwirsch : » Den Schafskopf von Mörder sollte man aber vom Handwerk jagen . Die Galle peitscht mir das Blut durcheinander , wenn ich daran denke , wie viel wir an uns hätten ziehen können , wäre der Alte gefaßt worden , wie sich ' s gehört . Pah ! weg mit den Grillen , « fügte er schnell hinzu : » Von etwas Anderm . Erzählt mir ein Mährlein , deren Ihr so viele wißt , Muhme , oder besser : singt mir ein Lied aus der alten Zeit . Der Schleifstein wälzt sich dann hurtiger , und das verdrüßliche Geschäft geht schneller von der Hand . « - » Gern , mein guter Junge : « erwiederte Petronella ; hing das fertig gewordne Wamms an den Wandhacken , vergnügte mit dem Überrest des ärmlichen Mahls die hungrige Katze , und begann , indem sie die Pfanne säuberte und scheuerte , mit gellender Stimme ein Lied zu singen , von dem Kaiser Rothbart und der Burgmannstochter Gela , das zu jener Zeit in und um Gelnhausen , unter Bürgern und Landvolk , stark im Schwange ging . Während nun die Base sang , und das Schleifrad flog , und die Klingen lust ' ge Funken sprühten , und der Falk auf seiner Stange ungeduldig kauete und das Gefieder sträubte ob dem störenden Lärm , kam des Burgmanns und Nachbars Jost ältester Bube eilig heraufgesprungen über die dröhnende Wendelstiege , und rief in das offen stehende Gemach : » Edler Nachbar ! mein Vater läßt Euch berichten , Ihr möchtet in Wamms und Stiefel fahren , und die Mütze bürsten , denn der Hornberger Herr ist eben angekommen mit Roß und Wagen , und wird gleich bei Euch seyn . Er beschickt nur Pferde und Gefährt im Stall ! Der Bube sprang mit drei Sätzen die Treppe hinab , und schon verkündete das wohlbekannte Gebell des weit in der Wetterau gefürchteten dänischen Bullenbeißers , des Hornbergers Anwesenheit . « - » Hab ich ' s nicht gesagt ? « rief die Muhme munter und lustig : » Einkehr , freundliche Einkehr hat uns die Katze prophezeit . « - - » Ich hätte den blauen Teufel von der freundlichen Einkehr ! « maulte der Neffe , indem er die schweren Holzsohlen in die Ecke schlenderte , Stiefel und Wamms überwarf , und eine Wolke von Staub aus dem dürftigen Federstrauß seines Barets blies : » Der Hornberger ist ein armer Schlucker wie ich . Nur versteht er das Schmarotzen , trägt feinere Kleider und reitet einen bessern Gaul . « - » Und treibt sein angewiesen Gewerb besser als Du ; « entgegnete die Muhme , zusammenräumend und unter den Heerd werfend , was ihr nicht geeignet schien , vom Gast auf den ersten Blick wahrgenommen zu werden : » Der gute Herr hat Dich oft zum Theilnehmer an einträglichem Geschäft erwählt , und merke auf : aus keiner andern Absicht kömmt er heute . « - Die Muhme war mit ihrem Aufräumungsgeschäfte noch nicht zu Ende , als schon der klingende Tritt der Edelknechte , sein heller Pfiff und das ungezogene Schnauben seines Hundes hörbar wurde , und Herr und Thier zugleich in das Gemach stürmten , beide gleich übelgerathene Gesellen . » Guten Tag ! « schrie der Erstere , » schüttelte dem entgegenkommenden Namensbruder die Hand , klopfte der Muhme derb auf den gekrümmten Rücken , und brach in ein ungestümes Gelächter aus , als sein Bullenbeißer Petronella ' s Katze ansichtig wurde , mit einem Riesensprunge die Fliehende über Heerd , Tisch und Schemel verfolgte , die Paar Töpfe der Haushaltung in Staub und Scherben legte , und ein fürchterliches Gebell erhob , als die Katze durch das Gitter des Vorsprungs einen Ausweg gefunden hatte . « - » Mein Packan ist ein kreuztolles Thier ! « jubelte der Hornberger die Fäuste in die Seite stemmend : » ein Hund ohne Gleichen ; ich lieb ' ihn wie einen Bruder . Laßt Euch den Plunder nicht kümmern , Fräulein Hinkebein . Eure Töpfe mögen immer beim Teufel seyn . Ich bezahle sie . « - Er warf vornehm eine Handvoll von Weißpfenningen auf den Tisch , und klimperte obendrein mit dem Geldvorrath in seiner Tasche . - Die Muhme machte urplötzlich ein freundlich Gesicht , und ihr Neffe fragte halb neugierig , halb neidisch : » Du thust ja dicke und groß , wie der Schatzmeister des römischen Reichs ? Welcher Kaufherr oder Müller hat Dir seine Kisten oder Sparhafen öffnen müssen ? « - » Bruder ! « rief Hornberg vergnügt : » Bruder ! ein Fang , wie er nicht alle Wochen vorkömmt ; ich schwör ' s bei meinem Schutzpatron ! Das Wichtigste aber muß ich jetzt gleich vom Herzen drücken . Base , Peterlein , und Du mürrische Rauchschwalbe ! Angezogen , aufgeputzt , aufgesessen ; ich bringe Euch die Aussicht auf eine Schlemmerei von vierzehn Tagen wenigstens . « - » Eine Schlemmerei ? « fragte Veit mit gespitztem Ohre , » von vierzehn Tagen ? « wiederholte die Muhme , deren Antlitz die frohste Hoffnung auf eine Frist des Wohllebens abspiegelte . - » So ist ' s , « versetzte der Hornberger ; » ich bin geritten wie ein Dieb , und ehe es noch zwölfe schlägt , müssen wir aufbrechen . Unser guter alter Degen , der ehrliche Bechtram von Vilbel ladet Euch beide schönstens zu Gaste auf seine Veste . « - » Bechtram von Vilbel ? « begann die Muhme staunend . - » Ei , wie kömmt denn der geizige Hellerfuchs dazu , uns einzuladen ? « setzte Veit mißtraurisch bei : » Seitdem er aufgehört hat , der Feldhauptmann der Frankfurter Spießburger zu seyn , und wieder adlich Handwerk treibt , hat er sich nie um mich bekümmert , obgleich er mir das Raufen lehrte ; um die Muhme noch weniger . « - » Wie soll ich denn die Einladung verstehen ? « - » Redlich und annehmbar ; « antwortete Hornberg : » Mein adlich Wort darauf . Jetzt aber , Gott verdamme mich , mag die Base sich zum Aufbruch rüsten ; denn in diesem Aufzug einer Küchenhexe nehm ' ich sie nicht mit . « - » Aber Du liebes junges Blut , « entgegnete die Alte , verlegen umher trippelnd : » wenn ich nur erst wüßte .... ist es Ernst ? .... und wie werde ich fortkommen , ohne Pferd noch Esel ..... ? « - » Dafür ist gesorgt , « fuhr Hornberg fort : » Aber , potz Kreuz und Dorn ! So sputet Euch doch einmal . Während Ihr Euch in den Staat werft , will ich Eure Neugierde befriedigen . « - » In ' s Himmels-Namen denn ! « seufzte die Alte , suchte aus ihren Taschen , den selten gebrauchten Schlüssel zur Truhe des Hauses , und hinkte in eine Ecke des Gemachs , wo der über einen ausgespannten Strick gehängte , abgetragene und hie und da durchlöcherte Reitmantel des Leuenberger ' s , Petronellen ' s Lagerstätte und ihre wenigen Habseligkeiten dem unbescheidnen Auge des Besuchers spärlich und nothbedürftig verbarg . Der Hornberger setzte sich indessen auf den Spreusack , der mit Kalbfellen bedeckt , das Bett seines Freundes vorstellte , kratzte dem Bullenbeißer gnädig den Kopf , und hob an zu erzählen , wobei Petronella und ihr Neffe , der mittlerweile , über eine Schüssel voll Wasser gebückt , das Geschäft des Bartscherens vornahm , eifrig zuhörten . » Ich war über Land geritten , « sprach er , » dieweil ich zu Hause nicht Holz hatte , um mich zu wärmen , noch Wein , mich zu erquicken ; und das fiel in die heilige Woche . Ich wollte den Reiffensteiner heimsuchen , fand ihn aber nicht , und die Frau schien nicht Lust zu haben , mich den Mann , der nach Franken geritten war , erwarten zu lassen . Ich schnallte daher meinem Gaul den Gurt fester , wie auch mir , und trabte gen Neufalkenstein , wo auch der Eppsteiner seyn sollte , wie ich vernommen . Der alte Bechtram ist zwar nicht freigebig , aber seine Hausehre , Frau Else , läßt einen wackern Rittersmann nicht Noth leiden , wenn er Gründe halber die Feiertage in ihres Herrn Hause zuzubringen verlangt . Die Anstalten zu dem Feste waren auch richtig schon gemacht . Frau Else handthierte am Backtroge , und die Knechte im Hofe brachen ein Paar Rehe auf , bei deren Anblick mir das Wasser im Munde zusammenlief . Es war Morgens um die neunte Stunde etwa , und der Ritter saß schon mit dem Eppsteiner und dem Wernher von Hyrzenhorn bei einem Trunke Weins und einigen in Essig gesottnen Fischen . Die Herren empfingen mich auch gar fröhlich und guter Dinge . « » Absonderlich , « sagte der Hausherr : » Da kömmt der Hornberger ; ein grober , aber ausgepichter Ostergast . « - Hierauf mußte ich mich zu ihnen setzen , und der alte Bechtram schenkte so fleißig ein , als ich es noch nie an ihm gewohnt gewesen . Der Becher ging tapfer in der Runde umher , bis dem langen Wernher der Kopf schwer wurde , und er entschlief . Nun begann Bechtram erst mir zu reden : » Er hätte nicht zu gelegenerer Zeit kommen können , ungeschlachter Hornberger . Wir haben etwas vor , der Eppenstein und ich ; so dies und jenes , und eins und das andere , wobei wir Euch brauchen können . « - » Ich war dessen bereitwillig , und wunderte mich nur , daß sie den Hyrzenhorn nicht angeworben , der doch ein schier noch rüstigerer Kämpe sey , denn ich . « Da verzog der Eppsteiner das Gesicht , und Bechtram sagte : » Der Teufel hole alle Frankfurter , und die , die es aus Feigheit mit ihnen halten ; « womit er des Hyrzenhorners spottete , der sich der Stadt zu eigen verschrieben . » Ich habe lange genug den Schwefelkrämern das Panner getragen ; « fuhr Bechtram fort : » Wie haben sie mir ' s vergolten ? Dafür will ich ihnen jetzt auch das Licht halten , daß ihnen die Haut schauern soll . « - Nun verabredeten wir ein Paar Ritte gen Peterweil und Erlebach ; vorzunehmen nach der heiligen Zeit . Alsdann nahm mich aber Bechtram bei Seite und redete zu mir : » Wollt Ihr Eure Osterfladen in meinem Hause und ein brav Stück Geld nebenbei verdienen , so mögt Ihr Euch morgen mit mir zu Gaule setzen , und auf das Wiesbad zureiten . Der Eppstein hat ein Gelöbniß gethan , nicht eher zu satteln , als bis die Glocken von Rom zurückkommen . « » Dasselbe Gelübde habe ich zwar auch gethan , mit dem Eppenstein zu gleicher Zeit , als uns die Erzbischöflichen von Mainz schier beim Kragen gepackt hatten , und die Heiligen haben uns darum auch durchgeholfen . Jedoch hab ' ich nicht Noth , mein Gelöbniß zu halten , weil mich vor drei Wochen der Pfarrherr zu Offenbach in Bann gethan ; und ich bin nicht gesonnen , einen Hauptgewinn von der Hand zu weisen . Ein vornehmer Mann hat mir aufgetragen , ein gewisses Fräulein aufzufangen und fest zu halten , das von Frankfurt nach dem Thüringer Walde zu ziehen vor hat , und dessen Kostbarkeiten und Geld mein seyn sollen , ohne Ausnahme , benebst einem reichlichen Lohngelde und Atzungsvorschuß , so mir der biedre Edelmann zu zahlen verspricht . Seit länger denn einer Woche hat mein guter Geselle Kunz Doring das Fräulein zu Frankfurt belauert , und mir gestern gemeldet , daß es sich plötzlich entschlossen , gen Wiesbaden zu ziehen ; zwar nur auf einen Tag oder anderthalb , wie man aus dem Geplauder ihres Knechts vernommen . So hab ' ich denn beschlossen , das Weib , wenn es von Wiesbaden von dannen fährt , aufzufischen , und bedarf eines rüstigen Beistands , denn der Reiffenberger und der von Wiede , meine Freunde und Helfer , sind den Rhein hinab , um einen Zöllner leicht zu machen , und Doring ' s Arm ist mir nicht hinreichend , im Fall die Frau mit starkem Geleite daher käme . « - Es versteht sich , daß ich ohne Bedenken einschlug , und am stillen Freitage lagerten wir schon auf der Heerstraße zwischen dem Wiesbad und Frankfurt , weil unser Fräulein nach der Stadt zurück wollte . Die Sache verzog sich indessen bis zum Sonnabend , weil ein Aberglaube ist , daß man am Charfreitage Unglück hat , zu reisen . Die Sonne war gerade aufgegangen , als sich der Wagen sehen ließ ; und wir , drauf und dran und drüber her , und ich machte die Arbeit ganz allein , schlug den Knecht vom Gaule , schnitt die Stränge los , warf die Zofe vom Wagen , knebelte die Gebieterin , obgleich sie sich wehrte , als wäre sie ein verkappter Mann , räumte den Karren aus , und band das Fräulein auf ' s Sattelpferd . Während nun Doring einem Bäuerlein vergebens nachsprengte , das hinten auf den Wagen gesessen , und sich beim Überfall schnell auf und davon und nach dem Wiesbad zurückgemacht hatte , Bechtram die Habseligkeiten der Gefangnen seinem Pferde aufpackte , und sein Knecht die Dienstleute derselben an Knebel und Leine legte , trabte ich mit dem Fräulein , einem saubern , ja man möchte sagen , schönen Weibsbilde , die Kreuz und die Quer , über Acker und Hecken und Bach davon , auf Neufalkenstein zu . Dem armen Geschöpfe wurde der harte Trab bald zu viel , und es hätte wenig gefehlt , so hätte die Arme den Geist im Sattel aufgegeben . Bisher hatte ich dazu gelacht , denn der vornehme Herr hatte sich ausbedungen , daß man ohne Schonung mit ihr verführe ; da sie aber schwankte und den Kopf sinken ließ , und bleich wurde , wie der Tod , hatte ich Mitleid , löste ihr den Knebel vom Munde , nachdem ich sie mit dem Erwürgen bedroht , wofern sie schreien würde , und vergönnte ihr , an einem einsamen Waldrande ein wenig zu rasten . Ich bot ihr sogar einen Bissen von dem Brode und dem Knoblauch an , das ich im Sattelbeutel bei mir führte . Sie schlug die Labung zwar aus ; betrug sich aber so friedlich , klug und stille , daß ich meine Freude daran hatte , und ihr alle Erleichterung angedeihen ließ , bis wir in der Dämmerung nach dem Schlosse gelangten , wo wir denn auch die Übrigen versammelt fanden . Die Dienstleute ließ man am andern Morgen , ohne ihnen zu sagen , wo sie gewesen , laufen , und die schöne Gefangne blieb allein zurück . - - » Aber , Gotts Marter ! « rief Veit , der sich indessen in seinen besten Putz geworfen : » Was kümmert uns denn die verdammt lange Historie ? Dergleichen Begebenheiten an Kreuz- und Hohlwegen sind mir doch , bei Gott ! bekannt genug . « - » Was Euch die Historie kümmert ? « lachte der Hornberger : » Sehr viel ; denn Ihr verdankt Ihr ein Paar zehr- und zechfreie Wochen , und die Bekanntschaft mit einer liebenswerthen Base , denn keine andre ist Bechtram ' s Gefangne , als Eurer Margarethe Stieftochter Wallrade . « - » Wallrade ? « kreischte die Base hinter dem Mantel hervor ; Veit sah aber den Hornberger mit ungläubigem Lächeln an . - » So wahr ich , wie ein ächter Christ , meine österliche Zeit gehalten habe , « betheuerte der Hornberger , » so völlig hat mein Wort seine Richtigkeit . Das Fräulein von Baldergrün ist ' s , und ihre Klugheit und Besonnenheit hat mir viel Freude gemacht . Sie benimmt sich so gleichgültig , als ob sie ein Rittersmann wäre , dem das Glück der Fehde untreu geworden . Aber im Innern scheint ' s dennoch unheimlich zu stürmen , und damit sie nicht krank werde , und etwa sterbe , bevor die Atzungskosten angewachsen , und das Fanggeld bezahlt , haben Bechtram und Frau Else den Entschluß gefaßt , Euch , dem Fräulein zur Erheiterung , einladen zu lassen . Wallrade soll durch den Besuch ihrer Blutsfreunde überrascht werden , und sich an den Mährlein Petronellens ergötzen . « - » Ich zweifle , daß unser Besuch die hochmüthige Dirne erheitern werde ; « entgegnete Veit schadenfroh grinsend : » aber mir wird ' s ein Fest seyn , das Krämerfräulein in seiner Erniedrigung zu sehen . « - » Ja wahrlich ; Du hast Recht , guter Neffe ! « fiel Petronella ein , die in ihrem Staats- und Abendmahlsrocke aus ihrem Winkel rauschte : » Mich gelüstet sehr , meine eitle Verwandte zu begrüßen , die es für einen Schimpf gehalten , daß das Leuenberg ' sche Wappen zu ihres Vaters Hause herabgestiegen ist . Sage doch , guter Veit , ob mein Gewand in den gehörigen Falten liegt , und noch im Stande ist , die Stiefnichte zu ärgern , und dem Hause der Leuenberger , wie dem Hause meiner alten Freundin , der Frau Else von Vilbel , Ehre zu machen . « - Veit musterte aufmerksam und wichtig das veraltete Prachtgewand , das sich schon seit einem Jahrhundert beiläufig von einer Leuenbergerin auf die andre vererbt hatte , und der Hornberger biß sich in die Lippen , daß sie schier bluteten , um nicht beim Anblick des greisen Fräuleins in ein allzubeleidigendes Gelächter herauszuplatzen . Der wunderliche , mit Figuren seltsamer Art gezierte Zeug des Gewandes von gelb und blaßrother Farbe , war von Veit ' s Urgroßvater , der eine Fahrt nach Wälschland gemacht hatte , aus Venedig heimgebracht worden , in der Absicht , daraus zwei Meßgewänder fertigen zu lassen , die er , während eines Meersturms , in seine Taufkirche verlobt hatte . Wie es nun aber sich öfters trifft , daß die eifrigsten Gelober , - ist die Noth vorüber - die saumseligsten Bezahler werden , so traf sich ' s auch hier . Das Ehgemahl des Heimkehrenden schnitt sich aus dem schweren Zeuge ein Gewand mit ungeheuer bauschigen Ärmeln und ausgesteiften , mit Draht unterlegten Falten , in welchem die gelbe , unaussprechlich hagre und kleine Muhme kaum zum Vorschein kommen , kaum sich bewegen konnte . Der gewichtige Besatz von Sammetstreifen und wollenen Zotteln fiel so tief herab , daß kaum der leinwandne Strumpf und der halbe Schuh des rechten Fußes sichtbar werden konnte ; des linken , verkürzten , gar nicht zu gedenken . Ein ungeheurer Wetscher an einem breiten Lendengürtel mit einst versilbert gewesenen Buckeln beschlagen , hinderte die Geputzte stark im Gehen ; die vergilbte , aber auf die Dauer von einer Ewigkeit berechnete Halskrause faßte das vertrocknete einäugige Antlitz wie in einen Korb , und der Hauptschmuck von gesteiftem Schleiertuche , zwischen welchem die ergrauten Haarflechten der adelichen Jungfrau zu sehen waren , schien in seiner ungefälligen Gestalt keineswegs geeignet , das nicht gefälligere Angesicht der Geschmückten im Geringsten zu verschönern . Petronella hatte ein kleines Bündelchen zusammengewürfelt , das sie unter ' m Arme trug . An Veit ' s Seite stolzirte der Raufdegen , auf seinem Kopfe prangte der befliederte Hut . Des Hornberger ' s Weißpfenninge klapperten in einem weitschimmernden Beutel an Veit ' s Gürtel , und somit waren alle zum Aufbruch fertig . » Macht ein Ende , « drängte Hornberg mit einem seiner kräftigen Hausflüche . » Eh ' es Zwölfe brummt , müssen wir auf und davon seyn , und doch wird ' s hart halten , vor stockfinstrer Nacht Neufalkenstein zu erreichen , wenn auch Räder und Hufe Feuer geben . Für einen Wagen nämlich ist gesorgt . Die Muhme möchte einen Ritt , selbander auf dem Rosse , nicht allzuwohl aushalten . « Petronella verneigte sich geschmeichelt , und nahm nun , mit einemmale erheitert , die Katze , die sich heimlich wieder herbeigeschlichen , unter ' m Arm . - » Donner und Wetter ! « rief aber Veit : » Dem alten Bechtram ist gewiß sein Stündlein nahe , da er uns sogar einen Wagen schickt . « - » Meine Vorsorge , « lachte der Hornberger : » zwei Stunden von hier fällt mir plötzlich ein , wie ich denn wohl die Base vom Platze bringen werde , und ich bin schon halb und halb entschlossen , sie als höflicher Rittersmann vor mich auf ' s Pferd zu nehmen , als mir , gerade wie gerufen , ein Bauer begegnet , der gen Frankfurt und Höchst zu fahren gedenkt mit einem Wägelein voll des besten Stroh ' s , auf dem ein Bettelmönch sitzt , schmutzig , wie sie alle sind , aber nicht so feist , wie sie gewöhnlich zu seyn pflegen . Den Bauer anhalten , ihm befehlen , mit mir umzukehren , und dann mit einer neuen Ladung hinzufahren , wo es mir belieben würde , war eins , und schnell abgethan . Der Hund wollte sich weigern . Da hieb ich einem von seinen beiden Gäulen die Sehne am linken Hinterfuße durch , und drohte , den andern eben so zu zeichnen , falls er nicht gehorsam seyn wolle . Die Lehre half , und er fuhr mit zurück . Den Pfaffen , der nach Frankfurt gedenkt , wollte ich vom Wagen jagen ; der Mensch wies mir aber seine wunden Füße , und so ließ ich ihn denn in Ruhe , weil ich mit dem Gesindel barmherzig bin , da man nicht weiß , wo man einmal eine Kutte brauchen kann . Bauer , Mönch und Fuhrwerk hab ' ich unten im Stalle eingesperrt , und meinen Knecht als Wache zurückgelassen , damit die Geschichte nicht in der Stadt verträtscht wird . Den wunden Gaul mach ich Dir zum Geschenk , Veit , und dem Bauer wollen wir unterwegs schon wieder ein andres Pferd schaffen . « Die Muhme versicherte , daß sie