habe sie gehalten . Was ich nachher getan , davon habt Ihr nicht Rechenschafe zu fordern , weil ich Euch nicht mehr verpflichtet war , und was meine Gefangennehmung mit den Waffen in der Hand betrifft , so frage ich euch , edle Herren , welcher Ritter wird , wenn er von sechs oder acht angegriffen wird , sich nicht seines Lebens wehren ? Ich verlange von euch ritterliche Haft , und erbiete mich Urfehde zu schwören auf sechs Wochen ; mehr könnet ihr nicht von mir verlangen . « » Wollt Ihr uns Gesetze vorschreiben ? Ihr habt gut gelernt bei dem übermütigen Herzog ; ich höre ihn aus Euch sprechen ; doch keinen Schritt sollt Ihr zu Eurer Sippschaft tun , bis Ihr gesteht , wo der alte Fuchs , Euer Schwiegervater , sich aufhält , und welchen Weg der Herzog genommen hat . « » Der Ritter von Lichtenstein wurde von Euren Reitern gefangengenommen , welchen Weg der Herzog nahm , weiß ich nicht , und kann es mit meinem Wort bekräftigen . « » Ritterliche Haft ? « rief der Truchseß bitter lachend . » Da irrt Ihr Euch gewaltig ; zeiget vorher , wo Ihr die goldenen Sporen verdient habt ! Nein , solches Gelichter wird bei uns ins tiefste Verlies geworfen , und mit Euch will ich den Anfang machen . « » Ich denke dies ist unnötig « , fiel ihm Frondsberg ins Wort ; » ich weiß , daß Georg von Sturmfeder zum Ritter geschlagen wurde ; überdies hat er einem bündischen Edlen das Leben gerettet , Ihr werdet Euch wohl an die Aussage des Dieterich von Kraft erinnern . Auf Verwenden dieses Ritters wurde er von einem schmählichen Tod befreit , und sogar in Freiheit gesetzt . Er kann dieselbe Behandlung von uns verlangen . « » Ich weiß , daß Ihr ihm immer das Wort geredet ; daß er Euer Schoßkind war , aber diesmal hilft es ihm nicht , er muß nach Eßlingen in den Turm , und jetzt den Augenblick - « » Ich leiste Bürgschaft für ihn « , rief Frondsberg , » und habe hier so gut mitzusprechen wie Ihr . Wir wollen abstimmen über den Gefangenen , man führe ihn einstweilen in mein Zelt . « Einen Blick des Dankes warf Georg auf die ehrwürdigen Züge des Mannes , der ihn auch jetzt wieder aus der drohenden Gefahr rettete . Der Truchseß aber winkte mürrisch den Knechten , dem Befehl des Oberfeldhauptmanns zu folgen ; und Georg folgte ihnen durch die Straßen des Lagers nach Frondsbergs Zelt . Nicht lange nachher stand der Mann vor ihm , dem er so unendlich viel zu danken hatte . Er wollte ihm danken , er wußte nicht wie er ihm seine Ehrfurcht bezeugen sollte ; doch Frondsberg sah ihn lächelnd an und zog ihn in seine Arme . » Keinen Dank , keine Entschuldigung ! « sprach er , » sah ich doch alles dies voraus , als ich in Ulm von dir Abschied nahm , doch du wolltest es nicht glauben , wolltest dich vergraben in die Burg deiner Väter . Ich kann dich nicht schelten ; glaube mir , das Feldlager und die Stürme so vieler Kriege haben mein Herz nicht so verhärtet , daß ich vergessen könnte wie mächtig die Liebe zieht ! « » Mein Freund , mein Vater ! « rief Georg , indem er freudig errötete . » Ja , das bin ich ; der Freund deines Vaters , dein Vater ; drum war ich oft stolz auf dich , wenn du auch in den feindlichen Reihen standest ; dein Name wurde so jung du bist , mit Ehrfurcht genannt , denn Treue und Mut ehrt ein Mann , auch an dem Feinde . Und glaube mir , es kam den meisten von uns erwünscht , daß der Herzog entkam ; was konnten wir mit ihm beginnen ; der Truchseß hätte vielleicht einen übereilten Streich gemacht , den wir alle zu büßen gehabt hätten . « » Und was wird mein Schicksal sein ? « fragte Georg . » Werde ich lange in Haft gehalten werden ? wo ist der Ritter von Lichtenstein ? O mein Weib ! darf sie mich nicht besuchen ? « Frondsberg lächelte geheimnisvoll . » Das wird schwer halten « , sagte er , » du wirst unter sicherer Bedeckung auf eine Feste geführt , und einem Wächter übergeben werden , der dich streng bewachen und nicht so bald entlassen wird ! Doch sei nicht ängstlich , der Ritter von Lichtenstein wird mit dir dorthin abgeführt werden , und ihr beide müsset auf ein Jahr Urfehde schwören . « Frondsberg wurde hier durch drei Männer unterbrochen , die in das Zelt stürmten ; es war der Feldhauptmann von Breitenstein und Dieterich von Kraft , die den Ritter von Lichtenstein in ihrer Mitte führten . » Hab ich dich wieder , wackerer Junge « , rief Breitenstein , indem er Georgs Hand drückte . » Du machst mir schöne Streiche ; dein alter Oheim hat dich mir auf die Seele gebunden , ich solle einen tüchtigen Kämpen aus dir ziehen , der dem Bunde Ehre mache , und nun laufst du zu dem Feind , und haust und stichst auf uns , und hättest gestern beinahe die Schlacht gewonnen , durch dein tollkühnes Stückchen auf unsere Geschütze . « » Jeder nach seiner Art « , entgegnete Frondsberg , » er hat uns aber auch in Feindes Reihen Ehre gemacht . « Der Ritter von Lichtenstein umarmte seinen Sohn . » Er ist in Sicherheit « , flüsterte er ihm zu , und beider Augen glänzten von Freude , zu der Rettung des unglücklichen Fürsten beigetragen zu haben . Da fielen die Blicke des alten Ritters auf den grünen Mantel , der noch immer um Georgs Schultern hing ; er erstaunte , er sah ihn näher an . » Ha ! jetzt erst verstehe ich ganz , wie alles so kommen konnte « , sprach er bewegt , und eine Träne der Freude hing in seinen grauen Wimpern ; » sie nahmen dich für ihn ; was wäre aus ihm geworden , wenn dich der Mut nur einen Augenblick verlassen hätte ? Du hast mehr getan als wir alle , du hast gesiegt , wenn wir jetzt auch Besiegte heißen ; komm an mein Herz , du würdiger Sohn . « » Und Marx Stumpf von Schweinsberg ? « fragte Georg ; » auch er gefangen ? « » Er hat sich durchgehauen , wer vermöchte auch seinen Hieben zu widerstehen ; meine alten Knochen sind mürbe , an mir liegt nichts mehr , aber er ist dem Herzog nachgezogen , und wird ihm eine bessere Hülfe sein als fünzig Reiter . Doch den Pfeifer sah ich nicht ; sage , wie ist er entkommen aus dem Streit ? « » Als ein Held « , erwiderte der junge Mann , von der Wehmut der Erinnerung bewegt ; » er liegt erstochen an der Brücke . « » Tot ? « rief Lichtenstein , und seine Stimme zitterte ; » die treue Seele ! doch wohl ihm , er hat getan wie ein Edler , und ist gestorben , treu wie es Männern ziemt ! « Frondsberg näherte sich ihnen und unterbrach ihre Reden . » Ihr scheint mir so niedergeschlagen « , sagte er ; » seid mutig und getrost , alter Herr ! das Kriegsglück ist wandelbar , und Euer Herzog wird wohl auch wieder zu seinem Lande kommen , wer weiß ob es nicht besser ist , daß wir ihn noch auf einige Zeit in die Fremde schickten . Leget Helm und Panzer ab ; das Gefecht zum Frühstück wird Euch die Lust zum Mittagessen nicht verdorben haben . Setzet Euch zu uns . Ich erwarte gegen Mittag den Wächter , unter dessen Obhut Ihr auf eine Burg gebracht werden sollet . Bis dahin lasset uns noch zusammen fröhlich sein ! « » Das ist ein Vorschlag der sich hören läßt « , rief Breitenstein . » Zu Tisch ihr Herren ; wahrlich Georg , mit dir habe ich nicht mehr gespeist , seit dem Imbiß im Ulmer Rathaussaal . Komm , wir wollen redlich nachholen was wir versäumten . « Hans von Breitenstein zog Georg zu sich nieder , die anderen folgten seinem Beispiel ; die Knechte trugen auf , und der edle Wein machte den Ritter von Lichtenstein und seinen Sohn vergessen , daß sie in mißlichen Verhältnissen , im feindlichen Lager seien , daß sie vielleicht einem ungewissen Geschick , und wenn sie die Reden Frondsbergs recht deuteten , einer langen Gefangenschaft entgegengehen . Gegen das Ende der Tafel wurde Frondsberg hinausgerufen ; bald kam er zurück und sprach mit ernster Miene : » So gerne ich noch länger eure Gesellschaft genossen hätte , liebe Freunde , so tut es jetzt not aufzubrechen . Der Wächter ist da , dem ich euch übergeben muß , und ihr müßt euch sputen , wollet ihr heute noch die Feste erreichen . « » Ist er ein Ritter , dieser Wächter ? « fragte Lichtenstein , indem sich seine Stirne in finstere Falten zog ; » ich hoffe man wird auf unseren Stand Rücksicht genommen haben , und uns ein anständiges Geleite geben ? « » Ein Ritter ist er nicht « , antwortete Frondsberg lächelnd , » doch ist er ein anständiges Geleite ; ihr werdet euch selbst davon überzeugen . « Er lüftete bei diesen Worten den Vorhang des Zeltes , und es erschienen die holden Züge Mariens ; mit dem Weinen der Freude stürzte sie an die Brust ihres Gatten , und der alte Vater stand stumm von Überraschung und Rührung , küßte sein Kind auf die schöne Stirne , und drückte die Hand des biedern Frondsberg . » Das ist euer Wächter « , sprach dieser , » und der Lichtenstein die Feste wo sie euch gefangenhalten soll . Ich sehe es ihren Augen an , sie wird den jungen Herrn nicht zu strenge halten , und der alte wird sich nicht über sie beklagen können ; doch rate ich Euch , Töchterchen , habet ein wachsames Auge auf die Gefangenen , lasset sie nicht wieder von der Burg , gestattet nicht , daß sie wieder Verbindungen mit gewissen Leuten anknüpfen , Ihr haftet mit Eurem Kopf dafür ! « » Aber lieber Herr « , entgegnete Marie , indem sie den Geliebten inniger an sich drückte und lächelnd zu dem strengen Herrn aufblickte ; » bedenket , er ist ja mein Haupt , wie kann ich ihm etwas befehlen ? « » Eben deswegen hütet Euch , daß Ihr dieses Haupt nicht wieder verlieret ; bindet ihn mit einem Liebesknoten recht fest , daß er Euch nicht entlaufe , er ändert nur gar zu leicht die Farbe ; wir haben Beispiele ! « » Ich trug nur eine Farbe , mein väterlicher Freund ! « entgegnete der junge Mann , indem er in die Augen seiner schönen Frau und auf die Feldbinde niedersah , die seine Brust umzog ; » nur eine , und dieser blieb ich treu - « » Wohlan ! so halte ferner nur zu ihr , « sagte Frondsberg , und reichte ihm die Hand zum Abschied . » Lebe wohl ! Die Pferde harren vor dem Zelt ; bringet Eure Gefangenen sicher auf die Feste , schöne Frau , und gedenket huldreich des alten Frondsberg . « Marie schied von diesem Edeln mit Tränen in den Augen , auch die Männer nahmen bewegt seine Hand , denn sie wußten wohl , daß ohne seine Hülfe ihr Geschick sich nicht so freundlich gewendet hätte . Noch lange sah ihnen Georg von Frondsberg nach , bis sie an der äußersten Zeltgasse um die Ecke bogen . » Er ist in guten Händen « , sagte er dann , indem er sich zu Breitenstein wandte , » wahrlich , der Segen seines Vaters ruht auf ihm . Ein gutes schönes Weib und ein Erbe , wie wenige sind im Schwabenland . « » Ja , ja ! « erwiderte Hans von Breitenstein , » seiner Klugheit und Vorsicht hat er es nicht zu danken ; doch wer das Glück hat führt die Braut heim ; ich bin fünfzig alt geworden , und gehe noch auf Freiersfüßen ; Ihr auch , Herr Dieterich von Kraft , nicht wahr ? « » Mitnichten und im Gegenteil « , sagte dieser wie aus einem Traum erwachend ; » wenn man ein solches Paar sieht , weiß man was man zu tun hat . In dieser Stunde noch setze ich mich in meine Sänfte , reise nach Ulm und führe meine Base heim ; lebt wohl ihr Herren ! « Als der Schwäbische Bund Württemberg wiedererobert hatte , richtete er seine Regierung wieder ein und beherrschte das Land wieder wie im Sommer 1519 . Die Anhänger des vertriebenen Herzogs mußten Urfehde schwören und wurden auf ihre Burgen verwiesen . Georg von Sturmfeder und seine Lieben , die dieses Schicksal mit betraf , lebten zurückgezogen auf Lichtenstein , und Marien und ihrem Gatten ging in ihrem stillen häuslichen Glück ein neues Leben auf . Noch oft wenn sie am Fenster des Schlosses standen , und hinabschauten auf Württembergs schöne Fluren , gedachten sie des unglücklichen Fürsten , der einst hier mit ihnen auf sein Land hinabgeblickt hatte ; und dann dachten sie nach über die Verkettung seiner Schicksale , und wie durch eine sonderbare Fügung auch ihr eigenes Geschick mit dem seinigen verbunden war ; und wenn sie sich auch gestanden , daß ihr Glück vielleicht nicht so frühe , nicht so schön aufgeblüht wäre ohne diese Verknüpfung , so wurde doch ihre Freude durch den Gedanken getrübt , daß der Stifter ihres Glückes noch immer ferne von seinem Lande , im Elend der Verbannung lebe . Erst viele Jahre nachher gelang es dem Herzog , Württemberg wieder zu erobern . Doch als er geläutert durch Unglück als ein weiser Fürst zurückkehrte , als er die alten Rechte ehrte und die Herzen seiner Bürger für sich gewann , als er jene heiligen Lehren , die er in fernem Lande gehört , die so oft sein Trost in einem langen Unglück geworden waren , seinem Volke predigen ließ , und einen geläuterteren Glauben mit den Grundgesetzen seines Reiches verband , da erkannten Georg und Marie den Finger einer gütigen Gottheit in den Schicksalen Ulerichs von Württemberg , und sie segneten den , der dem Auge des Sterblichen die Zukunft verhüllt , und auch hier wie immer durch Nacht zum Lichte führte . Der Name der Lichtenstein im Württemberger Land , ging mit dem alten Ritter zu Grabe ; doch erlebte er noch in hohem Alter die Freude , seine blühenden Enkel waffenfähig zu sehen . So geht Geschlecht um Geschlecht über die Erde hin ; das Neue verdrängt das Alte , und nach dem kurzen Zeitraum von fünfzig oder hundert Jahren sind biedere Männer , treue Herzen vergessen ; ihr Gedächtnis übertönt der rauschende Strom der Zeiten , und nur wenige glänzende Namen tauchen auf , aus diesen Fluten des Lethe , und spielen in ihrem ungewissen Schimmer auf den Wellen . Doch wohl dem , dessen Taten jene stille Größe in sich tragen , die den Lohn in sich selbst findet , und ohne Dank bei der Mitwelt , ohne Ansprüche auf die Nachwelt entsteht , ins Leben tritt- verschwindet . So ist auch der Name des Spielmanns von Hardt verklungen , und nur leise Nachklänge von seinem Wirken wehen uns an , wenn die Hirten der Gegend die Ulerichshöhle zeigen und von dem Mann sprechen , der seinen unglücklichen Herzog hier verbarg ; so sind selbst jene romantischen Züge aus Ulerichs Leben zur Fabel geworden , der Geschichtschreiber verschmäht sie als unwesentliche Außendinge , und sie erscheinen uns nur , wenn man auf den Höhen von Lichtenstein von dem Herzog erzählt , der allnächtlich vor das Schloß kam , und wenn man uns auf der Brücke von Köngen die Stelle zeigt , wo jener » Unerschrockene « den Sprung auf Leben und Tod in die Tiefe wagte . Und sie erscheinen uns da , diese Sagen , wie ungewisse Schatten , die eine große Gestalt vom Berge in die Nebel des Tales wirft , und der kältere Beobachter lächelt , wenn man ihnen wirkliches Leben und jene Farben verleihen will , die ihr unsicheres Grau zu einem Bild des Lebens umwandeln . Auch Lichtensteins alte Feste ist längst zerfallen , und auf den Grundmauern der Burg erhebt sich ein freundliches Jägerhaus , fast so luftig und leicht wie jene spanischen Schlösser , die man in unseren Tagen auf die Grundpfeiler des Altertums erbaut . Noch immer breiten sich Württembergs Gefilde so reich und blühend wie damals vor dem entzückten Auge aus , als Marie an des Geliebten Seite hinabsah , und der unglücklichste seiner Herzoge den letzten Scheideblick von Lichtensteins Fenstern auf sein Land warf . Noch prangen jene unterirdischen Gemächer , die den Geächteten aufnahmen , in ihrer alten Pracht und Herrlichkeit , und die murmelnden Wasser , die sich in eine geheimnisvolle Tiefe stürzen , scheinen längst verklungene Sagen noch einmal wiedererzählen zu wollen . Es ist eine schöne Sitte , daß die Bewohner dieses Landes auch aus entfernteren Gegenden , um die Zeit des Pfingstfestes sich aufmachen , um Lichtenstein und die Höhle zu besuchen . Viele hundert schöne Schwabenkinder und holde Frauen , begleitet von Jünglingen und Männern ziehen herauf in diese Berge ; sie steigen nieder in den Schoß der Erde , der an seinen kristallenen Wänden den Schein der Lichter tausendfach wiedergibt , sie füllen die Höhle mit Gesang , und lauschen auf ihr Echo , welches die murmelnden Bäche der Tiefe melodisch begleiten , sie bewundern die Werke der Natur , die sich auch ohne das milde Licht der Sonne , ohne das fröhliche Grün der Felder , so herrlich zeigt . Dann steigen sie herauf zum Lichte , und die Erde will ihnen noch schöner bedünken als zuvor ; ihr Weg führt immer aufwärts zu den Höhen von Lichtenstein , und wenn dort die Männer im Kreise schöner Frauen , die Becher in der Hand , auf die weiten Fluren hinabschauen , wie sie bestrahlt von einer milden Sonne im lieblichsten Schmelz der Farben sich ausbreiten , dann preisen sie diese lichten Höhen , dann preisen sie ihr gesegnetes Vaterland . Dann kehrt , wie in den alten Tagen , Gesang und Jubel , und der fröhliche Klang der Pokale auf den Lichtenstein zurück , und weckt das Echo seiner Felsen , und weckt mit ihm die Geister dieser Burg , daß sie die fröhlichen Gäste umschweben , und mit ihnen hinabschauen auf das alte Württemberg . Ob auch das holde Fräulein vom Lichtenstein , ob Georg und der alte Ritter mit ihnen heraufschwebt , ob jener treue Spielmann in den Tagen des Frühlings seinem Grab entsteigt , und wie er im Leben zu tun pflegte , hinaufzieht nach der Burg , das Fest mit Gesang und Spiel zu schmücken - ? Wir wissen es nicht ; doch wenn wir im Abendscheine auf den Felsen gelagert , die Landschaft überschauten , wenn wir von den alten guten Zeiten und ihren Sagen sprachen , wenn sich die Sonne allmählich senkte , und nur das Schlößchen noch selig und freundlich in seiner Einsamkeit , von den letzten Strahlen mit einem rötlichen Schein umgossen , auf seinem Felsen ruhte - da glaubten wir im Wehen der Nachtluft , im Rauschen der Bäume , im Säuseln der Blätter bekannte Stimmen zu vernehmen , es war uns , als flüstern sie uns ihre Grüße zu , als erzählen sie uns alte Sagen von ihrem Leben und Treiben . Manches haben wir an solchen Abenden erfahren , manches Bild stieg in uns auf , und schien sich vor unseren Blicken zu verwirklichen , und die es uns woben und malten , die uns ihre romantischen Sagen zuflüsterten , wir glauben es waren - die » Geister von Lichtenstein . « Fußnoten 1 Ulrich von Württemberg , geb . 1487 , wurde 1498 in seinem eilften Jahre als Herzog belehnt mit einer Mitregentschaft , welche in seinem sechszehnten Jahr aufgehoben wurde und Ulerich von 1503 an allein regierte . Er starb im Jahr 1550 . 2 Es ist hier Eberhard im Bart gemeint , der , geb . 1445 , gest . 1496 , sehr weise regierte . Er war der erste Herzog von Württemberg . Christoph , geb . 1515 , gest . 1568 , ein Fürst , dessen Andenken nicht nur in Württemberg , sondern in ganz Teutschland gesegnet wird . Er ist der Stifter der württembergischen Konstitution . 3 Christ . Tubingii Chron . Blabur ad annum 1516 : Maximilianus Caesar ex suggestione Ducis Bavariae et sororis uxoris Udalrici aliorumque non multum Udalrico deinceps favere cepit . 4 Das Nähere über diese Einnahme ist in der trefflichen Geschichte Württembergs von C. Pfaff I. 291 , und Sattler , Geschichte der Herzoge von Württemberg . II 5 , hauptsächlich aber bei Pedius Tethinger in comment . de reb . Würtemb . sub Ulrico Lib . I. in fine und ap . Schradii script . rerum germ . Tom . II. pag . 885 zu lesen . 5 Der Herzog hatte mit Landgraf Philipp von Hessen ein Bündnis errichtet auf zweihundert Reiter und sechshundert zu Fuß , ebenso mit Markgraf Ernst von Baden , aber sie entschuldigen sich beide , daß sie selbst mit einem Einfall bedroht seien . 6 Georg von Frondsberg , geb . 1475 , gest . 1528 , einer der berühmtesten Feldherren seiner Zeit , der in Teutschland , Frankreich , Italien , den Niederlanden sich mit Ruhm bedeckte . Er ist derselbe , der 1521 zu Luther , der auf den Reichstag zu Worms geladen war , jene denkwürdigen Worte sagte : » Munchlein , Munchlein , du gehst jetzt einen gefährlichen Gang usw. « 7 So nennt ihn Sattler , Geschichte der Herzoge II. 8. 8 Ulerich von Hutten , geb . 1488 , starb 1523 in Ufnau am Zürchersee . Er ist berühmt durch eine große Anzahl Schriften und als kühner Beförderer der Reformation . Er griff Ulerich von Württemberg in Gedichten , Briefen und Reden an , die der gelehrte Nicolaus Barbatus zu Marburg in sehr geläufigem Latein mit triftigen Gründen widerlegt . Vergl . Schradius II. 385 . Bekannt ist sein Wahlspruch : » Jacta alea esto . « 9 Franz von Sickingen , ein berühmter Zeitgenosse des letzteren ; er wird in diesem Krieg von Sattler als österreichischer Rat aufgeführt . 10 Götz von Berlichingen erzählt in seinem Leben ( Ausgabe von Franck von Steigerwald , Nürnberg 1731 ) weitläuftig wie es sich zugetragen , daß er zum Herzog Ulerich gehalten habe . Seite 142 fährt er fort : » Da zog der Herzog vor Reutlingen und gewann es auch , darum sich auch Ihre fürstliche Gnaden und mein Unglück anheben tat , daß Ihre fürstliche Gnaden verjagt worden , und ich darob zu scheitern ging . « Denn der Schwäbische Bund nahm nicht Rücksicht darauf , daß Götz kurz vorher dem Herzog seine Dienste aufgesagt hatte , sondern belagerte ihn in Möckmühl und nahm ihn gefangen . 11 Die Herren von Spät waren der Herzogin auf ihrer Flucht aus dem Lande behülflich gewesen . Der Herzog hatte bittere Rache an ihren Gütern genommen . 12 Siehe C. Pfaffs Geschichte . I. 278 . 13 Es sind dies Frondsbergs eigene Worte , die er zu Götz von Berlichingen sprach , und die dieser in seiner Geschichte , Seite 83 , anführt . 14 Die Eidgenossen verboten zuerst nur die Werbungen des Herzogs in ihren Landen , wie aus Sattler , Beilage Nr. 8 zum zweiten Teil der Herzoge erhellt . Nachher riefen sie ihre Leute ganz zurück , und zwar auf die Vorstellungen des Schwäbischen Bundes . 15 Ein gedrucktes Schreiben » des Bundes zu Schwaben an gemeine Landschaft zu Württemberg « dieses Inhaltes vom 24. Mart . 1519 findet sich in der Beilage Nr. 12 bei Sattler . 16 Sie zogen den 17. März ab . Der Herzog reiste sogleich nach Kirchheim um sie aufzuhalten , allein hier kam eine zweite Ordre unter Bedrohung des Verlustes ihrer Güter und der Leib- und Lebensstrafe nach Haus zu eilen . Sattler II. § . 6. Tethinger pag . 66. Interim cum Helvetiorum primoribus agunt foederati , missis in urbes eorum legatis , ne Ducis Huldrichi negotio belloque se nunc immisceant suos abscedere jubeant . 17 Sattler § . 6. Ausführlich führt diese Rede an : Tethinger comment . de reb . Würtemb . p. 66. 18 Diese Ergebenheit und Treue der Württemberger beschreibt am angeführten Ort Tethinger . Als einen sehr wichtigen Grund gegen die Angriffe Huttens führt sie auch Nicolaus Barbatus in seiner zu Marburg gehaltenen Rede auf . Vergl . Schradius II. 386 . Wir machen auf diesen Umstand besonders aufmerksam , weil man gewöhnlich annimmt , es sei den Württembergern recht gewesen , daß man Ulerich verjagte ; Tethingers Worte sind : » Als dies die Württemberger hörten , beklagten sie ihr Schicksal heftig , das ihnen nicht vergönne zu fechten . - Magno fremitu fortunam suam questi . « - Noch merkwürdiger sind die Worte Nicolai Barbati ; er sucht die Beschuldigungen Ulerichs von Hutten zu widerlegen : » Welcher Tyrann war den Seinigen wert ? Ulerich lieben die Seinigen . Welcher Tyrann wird , wenn er verjagt ist , von seinen Untergebenen zurückgewünscht ? Mit Bitten und Gebet wünschen sich seine Untergebenen den Herzog zurück und bitten die Götter , sie möchten ihnen den Herrn zurückgeben usw. « 19 Ulerich beklagt sich mehreremal über die Nachstellungen seiner Feinde . Im Jahr I534 soll ein für ihn von Dieterich Spät gedungener Meuchelmörder gefangen worden sein . Sattler , Gesch . d. Herzoge , 3 , Seite 47. Im Jahr I536 wurde im Amt Dornstätten ein Zigeuner verhaftet , welcher aussagte , von Herzog Wilhelm in Bayern für Ermordung des Herzogs drei Gulden bekommen zu haben . C. Pfaff , Geschichte I. 288 . Ein Beweis , daß solche Versuche vorkamen . 20 Diese Sage erzählt G. Schwab , der treue , freundliche Wegweiser über die Schwäbische Alb . Er hat sie in einer Romanze : » Der Bau des Reißensteins « der Nachwelt aufbehalten . 21 Ausführlicher beschreibt diese Operationen des Bundes Sattler in seiner Gesch . d. Herz . v. W. II. § . 6 usw. Man vergleiche hierüber auch die Geschichte des Herrn von Frondsberg . 2. Buch und Friedrich Stumphardt von Cannstatt , Chronik der gewaltsamen Verjagung des Herzogs Ulerich . 1534. und Spener , Histor . Germ . univers . L. III. C. 4. 23. 22 Dieser Verrat von Teck fand wirklich also statt . Vergl . z.B. Sattler II. § . 7. 23 Lebensbeschreibung Götzens von Berlichingen . ( von ihm selbst geschrieben ) , edit . Pistorius . Nürnberg . 1731 . 24 Sattler II. § . 9. Hierüber ist vorzüglich zu vergleichen Fried . Stumphardt , Chron . § . III. Die Geschichte der Herren v. Frondsberg . Frankfurt a. M. 2. Buch , und Tethinger , Commentarius de Würt . reb . gest . Lib . II. 25 Bei dieser Belagerung wurde Georg von Frondsberg das Barett vom Kopf geschossen . So erzählen Sattler , Stumphardt , Tethinger u.a. 26 Diese Griechen sind eine sonderbare Erscheinung bei der Belagerung von Tübingen : man hieß sie Stratioten ; ihr Hauptmann war Georg Samaras aus Corona in Albanien . Er ist in der Stiftskirche in Tübingen begraben . Ausführlich beschreibt sie Tethinger , Comment . de Würt . gest . 931 . Crusius nennt sie vorzüglich berühmt im Lanzenschwingen . kontario poroysin 27 Man vergleiche über diesen Volkswitz des Freiherrn von Aretin Beiträge zur Geschichte und Literatur 1805 . 5. Stück , Seite 438 . 28 In der Chronik des Georg Stumphardt über die gewaltsame Verjagung des Herzogs Ulerich , findet sich als eigener Artikel ein : » gereimter Spruch also lautend « , wo in einer großen Menge Knittelversen das Unglück des Herzogs und des Landes beschrieben ist . Aus diesem Gedicht sind jene Verse im Text entlehnt . 29 Drei Hirschgeweihe , wovon die zwei obersten vier , das untere aber drei Eulen hat , sind das alte Wappen von Württemberg . 30 Diese merkwürdige Höhle haben wir nach der Natur zu zeichnen versucht . Es bleibt noch übrig hier einige Notizen über ihre inneren Verhältnisse zu geben . Die Vorhöhle beträgt etwas über 150 Fuß im Umfange , von hier aus laufen zwei Gänge nach verschiedenen Richtungen , die aber nach einer Länge von beinahe 200 Fuß , wieder zusammentreffen . Auf diesen Wegen trifft man zwei Felsensäle , den einen von 100 , den andern von 82 Fuß Länge . Wo diese Gänge sich vereinigen , bilden sie wieder eine Grotte ; von hier aus rechts gegen Norden , mehr in der Höhe , liegt wieder eine kleinere Kammer , es ist die , in welche wir den Leser zu dem vertriebenen Mann geführt haben . Die weiteste Entfernung vom Eingang der Höhle bis zu ihrem Ende , beträgt 577 Fuß . Man vergleiche hierüber die so interessante als getreue Beschreibung der Schwäb . Alb von G. Schwab . ( Metzler . Buchhdlg . 1823 ) 31 Crusius beschreibt in seiner Chronik das Schlößchen Lichtenstein , wie wir es hier nacherzählen . Er sah es zu Ende des sechzehnten Jahrhunderts , also etwa siebzig Jahre nach dem Jahr 1519 . Dort findet sich auch die hieher gehörige Stelle : » Im oberen Stockwerk ist ein überaus schöner Saal , ringsum mit Fenstern , aus welchen man bis an den Asperg sehen kann : darin hat der vertriebene Fürst Ulerich , v. Württemberg öfter gewohnt , der des