von schlechten Menschen bedroht wird . « Da Fürst Irenäus sich für eine höchst bedeutende fürstliche Person hielt , so konnt ' es nicht fehlen , daß er manchmal von allerlei höfischen Kabalen und bösen Nachstellungen träumte . Des Jägers letzte Äußerung fiel ihm deshalb gar schwer aufs Herz , und er versank einige Augenblicke in tiefes Nachsinnen . » Jäger , « sprach er dann mit weit aufgerissenen Augen , » Jäger ! Er hat recht . Die Sache mit dem fremden Menschen , der hier herumschleicht , mit dem Licht , das sich zur Nachtzeit im Pavillon sehen läßt , ist bedenklicher , als sie im ersten Augenblick erscheint . - Mein Leben steht in Gottes Hand ! Aber mich umgeben treue Diener , und sollte einer sich für mich aufopfern , so würde ich ganz gewiß die Familie reichlich bedenken ! - Verbreit ' Er das unter meinen Leuten , guter Lebrecht ! - Er weiß , ein fürstliches Herz ist frei von jeder Bangigkeit , von jeder menschlichen Todesfurcht , aber man hat auch Pflichten gegen sein Volk , ihm muß man sich konservieren , zumal wenn der Thronerbe noch unmündig . Darum will ich das Schloß nicht eher verlassen , bis die Kabale im Pavillon zerstört ist . - Der Förster soll mit den Revierjägern und allen übrigen Forstbedienten herankommen , alle meine Leute sollen sich bewaffnen . Der Pavillon soll sogleich umstellt , das Schloß fest verschlossen werden . Besorg ' Er das , guter Lebrecht . Ich selbst schnalle meinen Hirschfänger um , lade Er meine Doppeltpistolen , aber vergesse Er nicht den Schieber vorzulassen , damit kein Unglück geschieht . - Und daß man mir Nachricht gibt , wenn etwa die Zimmer des Pavillons erstürmt und so die Verschworenen gezwungen werden sollen , sich zu ergeben , damit ich mich zurückziehen kann in die innern Gemächer . Und daß man die Gefangenen auf das sorglichste durchsucht , ehe sie vor den Thron gebracht werden , damit keiner etwa in der Verzweiflung - doch , was steht Er , was sieht Er mich an , was lächelt Er , was soll das heißen , Lebrecht ? « » Ei , « erwiderte der Leibjäger mit pfiffiger Miene , » ei , durchlauchtigster Herr , ich meine nur , daß es gar nicht vonnöten , den Förster mit seinen Leuten herzubeordern . « » Warum nicht , « fragte der Fürst erzürnt , » warum nicht ? - Ich glaube gar , Er untersteht sich , mir zu widersprechen ? - Und in jeder Sekunde steigt die Gefahr ! Tausend Sapp - Lebrecht , werf ' Er sich aufs Pferd - der Förster - seine Leute - geladene Büchsen - den Augenblick sollen sie einrücken . « - » Sie sind , « sprach der Leibjäger , » sie sind aber schon da , durchlauchtigster Herr ! « » Wie - was ! « - rief der Fürst , indem er den Mund offen behielt , um dem Erstaunen Luft zu gönnen . » Schon , « fuhr der Jäger fort , » schon als der Morgen graute , war ich draußen beim Förster . Schon ist der Pavillon so sorglich umstellt , daß keine Katze herauskann , viel weniger ein Mensch . « » Er ist , « sprach der Fürst gerührt , » Er ist ein vortrefflicher Jäger , Lebrecht , und ein treuer Diener des fürstlichen Hauses . Rettet Er mich aus dieser Gefahr , so kann Er sicher auf eine Verdienstmedaille rechnen , die ich selber erfinden und ausprägen lassen werde von Silber oder von Gold , je nachdem bei der Erstürmung des Pavillons weniger oder mehr Menschen geblieben sind . « » Erlauben , « sprach der Jäger , » erlauben Sie es , durchlauchtigster Herr , so gehen wir nun gleich ans Werk . Das heißt , wir schlagen die Türe des Pavillons ein , nehmen das Gesindel , das darin hauset , gefangen , und alles ist vorüber . Ja , ja , den Kerl , der mir so oft entschlüpft , der solch ein verfluchter Springer ist , den verdammten Kerl , der sich dort im Pavillon als ein ungebetener Gast selbst einquartiert hat , den will ich schon fassen , den Spitzbuben den , der Fräulein Julien turbiert hat ! « - » Welcher Spitzbube , « fragte die Rätin Benzon , in das Zimmer tretend , » welcher Spitzbube hat Julien turbiert ? Wovon sprecht Ihr , guter Lebrecht ? « - Der Fürst schritt feierlich , bedeutsam , wie jemand , dem Großes , Ungeheures begegnet , das er mit aller Stärke des Geistes bemüht ist zu tragen , der Benzon entgegen . Er faßte ihre Hand , drückte sie zärtlich und sprach dann mit sehr weicher Stimme : » Benzon ! Selbst in der einsamsten , tiefsten Zurückgezogenheit folgt die Gefahr dem fürstlichen Haupt . - Es ist das Los der Fürsten , daß alle Milde , alle Güte des Herzens sie nicht schützt vor dem feindlichen Dämon , der den Neid , die Herrschsucht entflammt in der Brust verräterischer Vasallen ! - Benzon , die schwärzeste Verräterei hat ihr schlangenhaariges Medusenhaupt erhoben gegen mich , Sie finden mich in der dringendsten Gefahr ! - Aber bald ist der Augenblick der Katastrophe da , diesem Getreuen verdanke ich vielleicht bald mein Leben , meinen Thron ! - Und ist es anders beschlossen - nun , so ergebe ich mich in mein Schicksal . - Ich weiß , Benzon , Sie konservieren Ihre Gesinnungen gegen mich , und so kann ich wie jener König in dem Trauerspiel eines deutschen Dichters , mit dem Prinzessin Hedwiga mir neulich den Tee verdarb , hochsinnig rufen : Nichts ist verloren , denn Sie blieben mein ! - Küssen Sie mich , gute Benzon ! - Teures Malchen , wir sind und bleiben die Alten ! - Guter Gott , ich radotiere wohl in der Seelenangst ! - Lassen Sie uns gefaßt sein , meine Liebe , wenn die Verräter gefangen sind , werd ' ich sie mit einem Blick vernichten . - Leibjäger , es beginne der Angriff auf den Pavillon . « - Der Leibjäger wollte schnell fort . » Halt , « rief die Benzon , » was für ein Angriff ? - auf welchen Pavillon ? « Der Leibjäger mußte auf Befehl des Fürsten nochmals über den ganzen Vorfall genauen Rapport erstatten . Immer mehr und mehr schien die Benzon durch des Leibjägers Erzählung gespannt zu werden . Als er geendet , rief die Benzon lachend : » Nun , das ist das drolligste Mißverständnis , das es wohl geben mag . Ich bitte , gnädigster Herr , daß der Förster mit seinen Leuten sogleich nach Hause geschickt werde . - Es ist von gar keiner Verschwörung die Rede , Sie befinden sich nicht in der mindesten Gefahr , gnädigster Herr ! - Der unbekannte Bewohner des Pavillons ist schon Ihr Gefangener . « » Wer , « fragte der Fürst voll Erstaunen , » wer , welcher Unglückselige bewohnt den Pavillon ohne meine Erlaubnis ? « - » Es ist , « raunte die Benzon dem Fürsten ins Ohr , » es ist Prinz Hektor , der sich im Pavillon verbirgt ! « Der Fürst prallte einige Schritte zurück , als träfe ihn plötzlich ein Schlag von unsichtbarer Hand , dann rief er : » Wer ? - wie ? est-il possible ! - Benzon ! träume ich ? - Prinz Hektor ? « Des Fürsten Blicke fielen auf den Leibjäger , der ganz verblüfft den Hut in der Hand zusammenknillte . - » Jäger , « schrie der Fürst ihn an , » Jäger ! Scher ' Er sich herab , der Förster , die Leute , sie sollen fort - fort nach Hause ! kein Mensch soll sich blicken lassen ! - Benzon , « wandte er sich dann zur Rätin , » gute Benzon , können Sie es sich vorstellen , einen Kerl , einen Spitzbuben hat Lebrecht den Prinzen Hektor genannt ! - Der Unglückliche ! - Doch es bleibt unter uns , Benzon , es ist ein Staatsgeheimnis . - Sagen Sie , erklären Sie mir nur , wie es geschehen konnte , daß der Prinz vorgibt abzureisen und sich hier versteckt , als wolle er auf Abenteuer ausgehen ? « Die Benzon sah sich durch die Beobachtungen des Leibjägers aus großer Verlegenheit gerettet . Hatte sie sich vollkommen überzeugt , daß es ihrerseits nicht ratsam , dem Fürsten die Gegenwart des Prinzen in Sieghartshof , am wenigsten aber seinen Anschlag auf Julien zu entdecken , so konnte doch auch die Sache nicht in der Lage bleiben , die mit jeder Minute sich für Julien , für das ganze Verhältnis , das sie , die Benzon selbst , mit aller Mühe aufrechterhielt , bedrohlicher gestalten mußte . Jetzt , da der Leibjäger den Schlupfwinkel des Prinzen erlauscht und dieser Gefahr lief , auf nicht sehr ehrenvolle Weise hervorgezogen zu werden , konnte , durfte sie ihn verraten , ohne Julia preiszugeben . Sie erklärte also dem Fürsten , daß wahrscheinlich ein Liebeszwist mit der Prinzessin Hedwiga den Prinzen vermocht , eine schnelle Abreise vorzugeben und sich mit seinem treusten Kammerdiener ganz in der Nähe der Geliebten zu verstecken . Daß dies Beginnen etwas Romanhaftes , Abenteuerliches in sich trage , sei nicht zu leugnen , doch welcher Liebende habe nicht Hang zu dergleichen . Übrigens sei des Prinzen Kammerdiener ein sehr eifriger Liebhaber ihrer Nanni und durch diese ihr das Geheimnis verraten worden . » Ha ! « rief der Fürst , » dem Himmel sei es gedankt , so war es der Kammerdiener und nicht der Prinz selbst , der sich zu Ihnen ins Haus stahl und dann durchs Fenster sprang in die Blumentöpfe , wie der Page Cherubin . - Mir stiegen schon allerlei unangenehme Gedanken auf . Ein Prinz und durchs Fenster springen , wie könnte sich das wohl in aller Welt reimen ! « » Ei , « erwiderte die Benzon schalkisch lachend , » ich kenne doch eine fürstliche Person , die den Weg zum Fenster heraus nicht verschmähte , als - « » Sie , « unterbrach der Fürst die Rätin , » Sie alterieren mich , Benzon , Sie alterieren mich ganz ungemein ! - Schweigen wir von vergangenen Dingen , überlegen wir lieber , was jetzt mit dem Prinzen anzufangen ! Alle Diplomatie , alles Staatsrecht , alles Hofgesetz holt der Teufel in dieser verdammten Lage ! - Soll ich ihn ignorieren ? - soll ich ihn zufällig finden ? - soll ich - soll ich ? Alles dreht sich in meinem Kopfe wie ein Wirbel . Das kommt davon , wenn fürstliche Häupter sich zu wunderlichen Romanstreichen herabwürdigen ! « Die Benzon wußte in der Tat nicht , wie das weitere Verhältnis mit dem Prinzen zu formen . Doch auch dieser Verlegenheit wurde abgeholfen . Noch ehe die Rätin nämlich dem Fürsten antworten konnte , trat der alte Kastellan Rupert hinein und überreichte dem Fürsten ein klein zusammengefaltetes Billett , indem er schelmisch lächelnd versicherte , es käme von einer hohen Person , die er gar nicht weit von hier die Ehre hätte unter Schloß und Riegel zu bewahren . » Er wußte , « sprach der Fürst sehr gnädig zu dem Alten , » Er wußte also , Rupert , daß ? - Nun , ich habe Ihn immer für einen ehrlichen treuen Diener meines Hauses gehalten , und Er hat sich auch jetzt als einen solchen bewährt , da Er , wie es Seine Pflicht war , dem Befehl meines erhabenen Eidams gehorchet . - Ich werde an Seine Belohnung denken . « Rupert dankte in den demütigsten Ausdrücken und entfernte sich aus dem Zimmer . Es begibt sich gar oft im Leben , daß einer für besonders ehrlich und tugendhaft gehalten wird gerade in dem Augenblick , wenn er einen Spitzbubenstreich begangen . Daran dachte die Benzon , die von des Prinzen bösem Anschlage besser unterrichtet und überzeugt war , daß der alte heuchlerische Rupert in das böse Geheimnis eingeweiht . Der Fürst erbrach das Billett und las : » Che dolce più , che più giocondo stato Saria , di quel d ' un amoroso core ? Che viver più felice e più beato , Che ritrovarsi in servitù d ' Amore Se non fosse l ' huom sempre stimulato Da quel sospetto rio , da quel timore , Da quel martir , da quella frenesia , Da quella rabbia , detta gelosia . In diesen Versen eines großen Dichters finden Sie , mein Fürst , die Ursache meines geheimnisvollen Beginnens . Ich glaubte mich nicht geliebt von der , die ich anbete , die mein Leben ist , all mein Sehnen und Hoffen , für die alle brünstige Glut lodert in der entflammten Brust . Wohl mir ! - ich habe mich eines bessern überzeugt , ich weiß seit wenigen Stunden , daß ich geliebt bin , und trete aus meinem Schlupfwinkel hervor . - Liebe und Glück , das sei das Losungswort , das mich ankündigt . - Bald begrüße ich Sie , mein Fürst , mit der Ehrfurcht des Sohnes . Hektor . « Vielleicht ist es dem geneigten Leser nicht ganz unlieb , wenn der Biograph hier auf zwei Sekunden die Geschichte ruhen läßt und den Versuch einer Übersetzung jener italienischen Verse einschiebt . - Sie könnten ungefähr also lauten : » Gäb ' s süßres noch , gäb ' s höheres Entzücken , Als wenn das Herz entbrannt in brünst ' ger Liebe ? Könnt ' den ein sel ' gres Himmelslos beglücken , Der in des mächt ' gen Gottes Fesseln bliebe ? Vermöchte nicht den Menschen zu berücken Der finstre Geist , Verdacht , der Furcht Getriebe , Trostlose Qual , Wahnsinns wuchernder Samen , Der Hölle Furie , Eifersucht ihr Namen ! « Der Fürst las das Billett zwei- , dreimal sehr aufmerksam durch , und je öfter er es las , desto finstrer zogen sich die Falten auf seiner Stirne zusammen . » Benzon , « sprach er endlich , » Benzon ! was ist das mit dem Prinzen ? Verse , italienische Verse an ein fürstliches Haupt , an einen gekrönten Schwiegervater , statt deutlicher , vernünftiger Erklärung ? - Was soll das ! - Es ist kein Verstand darin . Der Prinz scheint überspannt zu sein auf ganz ungebührliche Weise . Die Verse sprechen , soviel ich davon verstehe , von dem Glück der Liebe und von den Qualen der Eifersucht . Was will der Prinz mit der Eifersucht , auf wen um tausend Himmels willen kann er hier eifersüchtig sein ? - Sagen Sie mir , gute Benzon , finden Sie in diesem Billett des Prinzen auch nur ein Fünkchen gesunden Menschenverstand ? « Die Benzon entsetzte sich über den tiefern Sinn , der in den Worten des Prinzen lag , und den sie nach dem , was sich gestern in ihrem Hause begeben , leicht erraten konnte . Zugleich mußte sie aber die feine Wendung bewundern , die der Prinz ersonnen , um ohne weitern Anstoß aus seinem Versteck hervortreten zu dürfen . Weit entfernt , sich auch nur leise darüber gegen den Fürsten zu äußern , mühte sie sich aber , aus der Lage der Dinge soviel Vorteil zu ziehen , als nur möglich . Kreisler und Meister Abraham , das waren die Personen , von denen sie Verwirrung ihrer geheimen Pläne befürchtete , und gegen diese glaubte sie jede Waffe brauchen zu müssen , die ihr der Zufall in die Hand spielte . Sie erinnerte den Fürsten daran , was sie ihm über die Leidenschaft gesagt hatte , die in der Prinzessin Brust emporgelodert . Dem Scharfblick des Prinzen , führte sie ferner an , könne die Stimmung der Prinzessin ebensowenig entgangen sein , als Kreislers seltsames überspanntes Betragen ihm Anlaß genug gegeben haben müsse , irgendein wahnsinniges Verhältnis zwischen beiden zu vermuten . So sei hinlänglich erklärt , warum der Prinz den Kreisler auf den Tod verfolgt , warum er , da er den Kreisler getötet zu haben geglaubt , dem Schmerz , der Verzweiflung der Prinzessin aus dem Wege gegangen , dann aber , als er von Kreislers Leben unterrichtet , von Liebe und Sehnsucht getrieben , zurückgekehrt sei und die Prinzessin heimlich beobachtet habe . Niemanden anders als Kreislern habe daher die Eifersucht gegolten , von der die Verse des Prinzen sprächen , und es sei um so nötiger und ratsamer , dem Kreisler forthin keinen Aufenthalt in Sieghartshof zu gestatten , als er mit dem Meister Abraham ein gegen alle Verhältnisse des Hofes gerichtetes Komplott geschmiedet zu haben scheine . » Benzon , « sprach der Fürst sehr ernsthaft , » Benzon , ich habe darüber nachgedacht , was Sie mir über die unwürdige Neigung der Prinzessin gesagt haben , und glaube jetzt von allem auch nicht ein Wort . Fürstliches Blut wallt in den Adern der Prinzessin . « - » Glauben Sie , « fuhr die Benzon heftig auf , indem sie bis unter die Augen errötete , » glauben Sie , gnädigster Herr , daß das fürstliche Weib über den Pulsschlag , über die innere Ader des Lebens gebieten könne wie kein anderes ? « » Sie sind , « sprach der Fürst verdrießlich , » Sie sind heute in sehr seltsamer Stimmung , Rätin ! - Ich wiederhole es , entstand in dem Herzen der Prinzessin irgendeine abgeschmackte Leidenschaft , so war das nur ein krankhafter Zufall - ein Krampf sozusagen - sie leidet ja an Spasmen - von dem sie sich sehr bald ganz erholt haben würde . Was aber den Kreisler betrifft , so ist das ein ganz amüsanter Mensch , dem nur gehörige Kultur fehlt . Ich kann ihm gar nicht solche übermütige Keckheit zutrauen , sich der Prinzessin annähern zu wollen . Keck ist er , aber auf ganz andere Weise . Glauben Sie wohl , Benzon , daß nach seiner wunderlichen Art gerade eine Prinzessin bei ihm gar kein Glück machen würde , sollt ' es denkbar sein , daß eine dergleichen hohe Person sich herablassen könnte , in ihn verliebt zu werden ? Denn - Benzon , entre nous soit dit , - er macht sich gar nicht sonderlich viel aus uns hohen Häuptern , und das ist eben die lächerliche abgeschmackte Torheit , die ihn unfähig macht , am Hofe zu verweilen . Mag er daher entfernt bleiben ; kehrt er aber zurück , so sei er mir herzlich willkommen . Denn nicht genug , daß er denn doch , wie ich vom Meister Abraham - ja , den Meister Abraham , den lassen Sie mir aus dem Spiele , Benzon , die Komplotte , die er geschmiedet , haben immer zum Wohl des fürstlichen Hauses gereicht . - Wie ich doch sagen wollte ! Ja ! - Nicht genug , daß der Kapellmeister , wie mir Meister Abraham gesagt , fliehen müssen auf ungebührliche Weise , unerachtet er von mir freundlich aufgenommen , so ist und bleibt er ein ganz gescheiter Mensch , der mich amüsiert trotz seines närrischen Wesens , et cela suffit ! « Die Rätin erstarrte vor innerer Wut , sich so kalt abgefertigt zu sehen . Ohne es zu ahnen , war sie , als sie fröhlich den Strom hinabschwimmen wollte , auf eine verborgene Klippe gestoßen . - Es entstand auf dem Schloßhofe ein großes Geräusch . Eine lange Reihe Wagen rasselte heran , begleitet von einem starken Kommando großherzoglicher Husaren . Der Oberhofmarschall , der Präsident , die Räte des Fürsten , mehrere von der vornehmen Welt aus Sieghartsweiler stiegen aus . Dorthin war die Nachricht gekommen , daß in Sieghartshof eine wider das Leben des Fürsten gerichtete Revolution ausgebrochen , und nun kamen die Getreuen nebst andern Verehrern des Hofes , sich um die Person des Fürsten zu stellen , und brachten die Verteidiger des Vaterlandes mit , die sie sich vom Gouverneur mit vieler Mühe erbeten . Vor lauter Beteurungen der Versammelten , daß sie Leib und Leben für den gnädigsten Herrn zu opfern bereit wären , kam der Fürst gar nicht zu Worte . Eben wollt ' er endlich beginnen , als der Offizier , der das Kommando führte , hineintrat und den Fürsten nach dem Operationsplan fragte . Es liegt in der menschlichen Natur , daß , wenn die Gefahr , die uns Furcht einjagte , sich vor unsern Augen auflöst in einen eitlen nichtigen Popanz , uns dies immer mit großem Unmut erfüllt . Der Gedanke , der wirklichen Gefahr glücklich entgangen zu sein , nicht , daß gar keine vorhanden , erregt uns Freude . So geschah es denn auch , daß der Fürst seinen Unmut , seinen Verdruß über den unnötigen Tumult kaum unterdrücken konnte . Daß der ganze Lärm über ein Stelldichein eines Kammerdieners mit einer Zofe , über die romanhafte Eifersüchtelei eines verliebten Prinzen entstanden , sollte , konnte er das sagen ? Er sann hin und her ; die ahnungsvolle Stille im Saal , nur unterbrochen von dem mutigen , Sieg versprechenden Wiehern der Husarenpferde , die draußen hielten , drückte ihn bleiern nieder . Endlich räusperte er sich und begann sehr pathetisch : » Meine Herren ! Die wunderbare Fügung des Himmels - Was wollen Sie , mon ami ? « Mit dieser an den Hofmarschall gerichteten Frage unterbrach der Fürst sich selbst . Wirklich hatte der Hofmarschall sich mehrmals gebückt und durch Blicke zu verstehen gegeben , daß er was Wichtiges zu hinterbringen . Es kam heraus , daß soeben sich Prinz Hektor melden lassen . Des Fürsten Gesicht heiterte sich auf , er sah , daß er über die vermeintliche Gefahr , in der sein Thron geschwebt , sehr kurz sein und die ehrwürdige Versammlung wie mit einem Zauberschlage in eine Bewillkommnungscour umsetzen könne . Er tat dies ! - Nicht lange dauerte es , so trat Prinz Hektor hinein , in Galauniform glänzend gekleidet , schön , kräftig , stolz wie der fernhintreffende Götterjüngling . Der Fürst machte ein paar Schritte vorwärts ihm entgegen , fuhr aber auch gleich zurück , als träfe ihn der Blitz . Dicht hinter dem Prinzen Hektor her sprang Prinz Ignatius in den Saal . Der fürstliche Herr wurde leider mit jedem Tage dämischer und abgeschmackter . Die Husaren auf dem Schloßhofe mußten ihm ganz ausnehmend gefallen haben , denn er hatte einen Husaren vermocht , ihm Säbel , Tasche und Tschako zu geben , und sich in diese Herrlichkeiten geputzt . - So kurbettierte er , als säße er zu Pferde , in kurzen Sprüngen mit dem blanken Säbel in der Faust im Saal umher , indem er die eiserne Scheide tüchtig auf dem Boden nachklirren ließ , und lachte und kicherte dabei ganz ungemein anmutig . » Partez - décampez ! - Allez-vous-en - tout de suite . « So rief der Fürst mit glühenden Augen und donnernder Stimme dem erschrockenen Ignaz entgegen , der sich ganz geschwind davonmachte . Keiner von den Anwesenden hatte so wenig Takt , den Prinzen Ignaz , die ganze Szene zu bemerken . - Der Fürst , im vollsten Sonnenglanz der vorigen Milde und Freundlichkeit , sprach nun mit dem Prinzen einige Worte , und dann gingen beide , der Fürst und der Prinz , im Kreise der Versammelten umher und redeten mit diesem , jenem ein paar Worte . Die Cour war beendigt , d.h. die geistreichen , tiefsinnigen Redensarten , deren man sich bei solcher Gelegenheit zu bedienen pflegt , waren gehörig verspendet , und der Fürst begab sich mit dem Prinzen in die Gemächer der Fürstin , dann aber , da der Prinz darauf bestand , die geliebte Braut zu überraschen , in das Gemach der Prinzessin . Sie fanden Julia bei ihr . - Mit der Hast des feurigsten Liebhabers flog der Prinz hin zur Prinzessin , drückte ihre Hand hundertmal zärtlich an die Lippen , schwur , daß er nur in dem Gedanken an sie gelebt , daß ein unglückliches Mißverständnis ihm die Qualen der Hölle bereitet , daß er die Trennung von der , die er anbete , nicht länger ertragen könne , daß nun ihm alle Seligkeit des Himmels aufgegangen . - Hedwiga empfing den Prinzen mit unbefangener Heiterkeit , die ihr sonst eben nicht eigen . Sie begegnete den zärtlichen Liebkosungen des Prinzen geradeso , wie es eine Braut wohl tun mag , ohne sich im voraus zuviel zu vergeben ; ja , sie verschmähte es nicht , den Prinzen mit seinem Versteck ein wenig aufzuziehn und zu versichern , daß sie keine Verwandlung hübscher und anmutiger sich denken könne , als die eines Haubenstocks in einen Prinzenkopf . Denn für einen Haubenstock habe sie den Kopf gehalten , der sich in dem Giebelfenster des Pavillons blicken lassen . Dies gab Anlaß zu allerlei artigen Neckereien des glücklichen Paars , die selbst den Fürsten zu ergötzen schienen . Nun glaubte er den großen Irrtum der Benzon rücksichts des Kreisler erst recht einzusehen , da nach seiner Meinung Hedwigas Liebe zu dem schönsten der Männer sich deutlich genug aussprach . Geist und Körper der Prinzessin schienen in der seltenen hohen Blüte zu stehen , wie sie glücklichen Bräuten ganz besonders eigen . - Gerade entgegengesetzt verhielt es sich mit Julien . Sowie sie den Prinzen erblickte , bebte sie zusammen , von innerm Schauer erfaßt . Blaß wie der Tod , stand sie da mit tief zu Boden gesenkten Augen , keiner Bewegung mächtig , kaum fähig , sich aufrecht zu erhalten . - Nach einer guten Weile wandte sich der Prinz zu Julien mit den Worten : » Fräulein Benzon , wenn ich nicht irre ? « » Eine Freundin der Prinzessin von der frühsten Kindheit her , gleichsam ein Schwesternpaar ! « - Während der Fürst diese Worte sprach , hatte der Prinz Julias Hand gefaßt und ihr leise , leise zugehaucht : » Nur du bist ' s , die ich meine ! « - Julia schwankte , Tränen der bittersten Angst drängten sich unter den Wimpern hervor ; sie wäre niedergestürzt , hätte die Prinzessin nicht schnell einen Sessel herbeigeschoben . » Julia , « sprach die Prinzessin leise , indem sie sich über die Ärmste hinüberbeugte , » Julia , fasse dich doch nur ! - Ahnest du denn nicht den harten Kampf , den ich kämpfe ? « - Der Fürst öffnete die Türe und rief nach Eau de Luce . » Solches , « sprach der ihm entgegentretende Meister Abraham , » solches führe ich nicht bei mir , aber guten Äther . Ist jemand ohnmächtig geworden ? - Äther hilft auch ! « » So kommt , « erwiderte der Fürst , » so kommt schnell hinein , Meister Abraham , und helft Fräulein Julien . « Doch sowie Meister Abraham in den Saal trat , sollte sich das Unerwartete begeben . Geisterbleich starrte Prinz Hektor den Meister an , sein Haar schien sich zu sträuben , kalter Angstschweiß ihm auf der Stirne zu stehen . Einen Schritt vorwärts , den Leib zurückgebogen , die Arme dem Meister entgegengestreckt , war er dem Macbeth zu vergleichen , wenn plötzlich Bankos entsetzliches blutiges Gespenst den leeren Platz der Tafel füllt . - Ruhig holte der Meister sein Fläschchen hervor und wollte sich Julien nahen . Da war es , als ermanne sich der Prinz wieder zum Leben . » Severino , seid Ihr ' s selbst ? « - So rief der Prinz mit dem dumpfen Ton des tiefsten Entsetzens . » Allerdings , « erwiderte Meister Abraham , ohne im mindesten aus seiner Ruhe zu kommen , oder nur die Miene zu verändern , » allerdings . Es ist mir lieb , daß Ihr Euch meiner erinnert , gnädigster Herr ; ich hatte die Ehre , Euch vor etlichen Jahren in Neapel einen kleinen Dienst zu erzeigen . « Der Meister trat noch einen Schritt vorwärts , da faßte ihn der Prinz beim Arm , zog ihn mit Gewalt auf die Seite , und nun erfolgte ein kurzes Gespräch , von dem niemand der im Saal Befindlichen etwas verstand , da es zu schnell und im neapolitanischen Dialekt geführt wurde . » Severino ! - Wie kam der Mensch zu dem Bildnis ? « » Ich gab es ihm zur Schutzwehr gegen Euch . « » Weiß er ? « » Nein ! « » Werdet Ihr schweigen ? « » Zurzeit - ja ! « » Severino ! - Alle Teufel sind mir auf den Hals gehetzt ! - Was nennt Ihr zurzeit ? « » Solange Ihr artig seid und den Kreisler in Ruhe laßt und auch jene da ! « - - Nun ließ der Prinz den Meister los und trat an ein Fenster . - Julia hatte sich indessen erholt . Mit dem unbeschreiblichen Ausdruck herzzerreißender Wehmut den Meister Abraham anschauend , lispelte sie mehr , als daß sie sprach : » O mein guter lieber Meister , Ihr könnt mich wohl retten ! - Nicht wahr , Ihr gebietet über so manches ? - Eure Wissenschaft kann noch alles zum Guten lenken ! « - Der Meister gewahrte in Julias Worten den wunderbarsten Zusammenhang mit jenem Gespräch , als habe sie in der höhern Erkenntnis des Traums alles verstanden und wisse um das ganze Geheimnis ! » Du bist , « sprach der Meister Julien leise ins Ohr , » du bist ein frommer Engel , und darum hat der finstre Höllengeist der Sünde keine Macht über dich . Vertraue dich mir ganz ; fürchte nichts und fasse dich mit aller Kraft des Geistes . - Denke auch an unsern Johannes . « » Ach , « rief Julia schmerzlich , » ach , Johannes ! - er kehrt zurück