es war : die Beweise , Handschriften , Briefe und Dokumente , welche mir über das Treiben unserer Gegner von ihm versprochen worden waren . Ich erstaunte zunächst über die Menge dieser Sachen , sollte aber später , als ich sie las , über ihren Inhalt noch viel mehr erstaunen ! Jetzt zu lesen , war keine Zeit , denn heut war Sonntag , und ich sah schon einzelne Dschamikun nach dem Beith-y-Chodeh steigen . Ich tat also diese Beweise an einen sichern Ort und ging dann hinten hinab , um mich zunächst den Pferden zu zeigen . Assil kam auf mich zugesprungen . Syrr blieb zwar stehen , wieherte aber kurz und freudig auf und erwiderte meine Liebkosungen . Ich holte ihm einige Aepfel und seine Gerste , nahm hierauf mein Frühstück ein und suchte hernach Dschafar Mirza auf , um ihn zu fragen , ob er mit nach dem Tempelberge gehen wolle . Er war mit großem Interesse bereit dazu , und so schlossen wir uns dem Pedehr an , welcher in gleicher Absicht im Hofe mit uns zusammentraf . Welch ein gottesdienstlicher Sinn unter diesen Dschamikun ! Es gab noch keinen Priester , und doch stieg Alles , was nicht unbedingt im Duar bleiben mußte , den Berg hinauf , zur Laienandacht , die erst später , bei gesicherteren Zuständen , von berufenerer Hand geleitet werden sollte . Sie verlief unter zweimaligem Glockenklang derjenigen ähnlich , welcher ich am vorigen Sonntage beigewohnt hatte , nur unterblieb heut alles Weitere . Auf dem Rückwege blieben wir an derselben Stelle stehen , von welcher aus mir Tifl die jenseits liegenden Ruinen gezeigt hatte . Heut waren sie mir bekannter noch als ihm . Ich erklärte Dschafar , wie man sich die Entstehung und den Zweck dieser Bauten zu denken habe , und freute mich darüber , daß er mich leicht begriff . Da fragte mich der Pedehr : » Hat der Ustad schon von unserer Kirche zu dir gesprochen ? « » Von einer Kirche ? Nein , « antwortete ich . » Das muß noch in weitem Felde liegen , sonst hätte er mir sicher Etwas davon gesagt . Wohin soll sie zu stehen kommen ? « » Eben dort hinüber in die Ruinen . Grad in der senkrechten Linie des Alabasterzeltes . « » Woher aber der Platz ! Ah , ich verstehe . Die Ruinen sollen ja abgetragen werden ! Die frommen Herren aus Chorremabad sträuben sich dagegen . Aber dann auch welch ein großartiges Material zum Kirchenbau ! Nur müßte auch der Plan dieses Materiales würdig sein ! « » Das ist er auch ; Effendi , das ist er auch ! Der Ustad hat ihn selbst entworfen und jahrelang daran gezeichnet . Es wurde längst dazu gesammelt und gesteuert . Wir haben weit mehr zusammengebracht , als wir erwarten konnten , aber es reicht noch nicht einmal zum Beginn , viel weniger zur Vollendung . Die Bewältigung solchen Materials erfordert viel Zeit und sehr bedeutende Mittel . « Da sagte Dschafar schnell : » Mittel ? Darf ich tausend Tuman beitragen ? « » Du ? Als Moslem ? « fragte der Pedehr erstaunt und erfreut zugleich . » Warum nicht ? Wäre das ein Hindernis ? Wir sagen Allah , und Ihr sagt Chodeh . Der Engländer sagt God und der Franzose Dieu . Aber es ist doch ganz gewiß derselbe Gott gemeint ! Ich habe schon oft meine Hand geöffnet , um den Bau einer Moschee zu ermöglichen , denn sie ist ein Gotteshaus . Ich gab auch schon zum Baue einer Synagoge . Warum soll ich nicht auch für eine Kirche geben , in der man doch keinem andern Gotte dient ? Oder würde meine Gabe Eure Kirche entweihen , weil Eure Verehrung eine etwas andere ist , als die unserige ? Würdet Ihr Euch weigern , einen Beitrag des Schah-in-Schah anzunehmen ? « » Des Landesherrn ? Auf keinen Fall ! « » So ! Er ist Moslem , und ich bin auch einer , habe also das gleiche Recht ! Es bleibt bei den tausend Tuman , und mit dem Schah werde ich in Eurem Interesse sprechen , sobald ich wieder zu ihm komme ! Man nennt uns Schiiten unduldsam ; wir sind es aber nicht , wenigstens die gebildeten . Nur bitten wir um gleiche Toleranz ! « Das war sehr freundlich , aber auch sehr energisch gesprochen . Er gab sich hier überhaupt ganz anders als drüben im wilden Westen . Hier wußte man , was er war und was er wollte ; drüben hatte man das aber nicht gewußt . Daher damals das mangelnde , jetzt aber das scharf ausgeprägte Sicherheitsgefühl ! Als wir dann beim Mittagsessen saßen , hörten wir im Hofe Pferdegetrappel und schlürfende Kamelschritte , und ehe uns Jemand meldete , wer es sei , wer kam da mit schnellen Schritten zu uns herein ? Der Ustad ! Unsere Freude war umso größer , als wir ihn nicht so schnell zurückerwartet hatten . Ich hielt diese rasche Wiederkehr für ein gutes Zeichen , und es stellte sich heraus , daß ich da ganz richtig vermutet hatte . Als die frohe Begrüßung vorüber war , sagte er : » Ihr werdet wißbegierig sein . Ich will Euch antworten , ehe Ihr fragt , einstweilen nur kurz und bündig : Es steht sehr gut und sehr schlecht , sehr gut für uns und sehr schlecht für die Andern . So ! Damit habt Ihr Euch für jetzt zu begnügen , denn ich habe Hunger und setze mich gleich mit her ! « Indem er es sagte , tat er es . Seine Stimmung war eine glückliche , eine heitere . Er sah so wohl und so munter aus , als ob er einige Jahre jünger geworden sei . Es ist etwas so Köstliches um die Freude . Wollte man sie doch allen Menschen gönnen ! Den Nachmittag brachten wir auf seinem Balkon zu , von welchem aus wir das lebhafte Treiben , welches im ganzen Tale herrschte , vorzüglich beobachten konnten . Wir waren nur zu Dreien , er , Dschafar und ich . Er erzählte vom Schah , der gegen ihn sehr gütig gewesen war , in anderer Beziehung sich aber sehr streng gezeigt hatte . » Er weiß mehr , als ich dachte , « sagte er ; » ja , er scheint sogar noch mehr zu wissen als wir selbst . Ich habe von ihm erfahren , daß es sich nicht nur um unsere Existenz , sondern auch um die seinige handle . Es wird ein allgemeiner Aufstand der Babi vorbereitet . Der erste Schlag soll hier bei uns fallen . Das Volk soll glauben , daß wir ihm gefährlich sind und daß der Schah ein Verräter am Glücke seiner Untertanen ist , weil er in jeder Beziehung sich als unser Gönner zeigt . Man will sich als Retter des Vaterlandes aufspielen , indem man den ersten Hieb gegen uns richtet . Hierauf wird der Schah-in-Schah abgesetzt . Das weiß er , und zwar ganz genau . Nur hat er nicht erfahren können , wer sein Nachfolger werden soll . « Nach dieser Mitteilung sah uns der Ustad an , als ob er die höchste Ueberraschung bei uns erwarte . Dschafar aber sagte sehr ruhig : » Das wußte ich schon Alles . Der Schah hat es mir erzählt . « » Und du , Effendi ? « fragte der Ustad . » Auch du tust , als ob dir diese aufregende Nachricht höchst gleichgültig sei ! « » Sie ist mir weder gleichgültig , noch überrascht sie mich . Ich bin nämlich in die Verschwörung eingeweiht , vollständig eingeweiht . « » Du , du ? « riefen beide zugleich . » Ja , ich ! Ich weiß sogar , wer der Nachfolger des Beherrschers sein soll . « » Wer denn , wer , wer ? « » Nur langsam ! Ich weiß noch immer mehr . Wollt Ihr vielleicht auch den Namen der neuen Kaiserin hören ? « » Kaiserin - - - ? « fragten beide gleich erstaunt und wie aus einem Munde . » Nicht wahr , das klingt für Persien sonderbar , ist aber trotzdem Faktum . Wenn Euch ihr Name nicht genügt , so doch vielleicht ihr Bild . Ich besitze es nämlich . « Da sahen sie mich sprachlos an . Ich mußte lächeln und fuhr fort : » Der Schah hat zwar Recht , wenn er von einem Babiaufstande spricht , und doch ist es noch anders . Man hat nämlich die Babi nur zu dem Zwecke mit herbeigezogen , um die Schuld , falls der Aufstand mißlingen sollte , ihnen in die Schuhe schieben zu können . Auch ist man auf einige Forderungen der Babi zurückgekommen , weil sie den Zwecken der eigentlichen Macher gut entsprechen . So soll das neue Reich ein Wahlreich sein , in welchem nach 19 , der heiligen Babizahl , neunzehn Hohepriester nach Ableben des alten den neuen Herrscher zu wählen haben . Und ebenso soll die Stellung der Frau eine freiere sein , ja noch viel freier , als die Babi jemals gefordert haben . Die Haremswirtschaft hat aufzuhören , weil man Eingang in die Familie und Einfluß auf die Frauen haben will . Darum ist auch dem neuen Kaiser , wie jedem seiner Untertanen , nur eine einzige öffentliche Frau erlaubt , welche den Titel Kaiserin zu führen hat , nachdem sie von den Hohenpriestern für ihn gewählt worden ist . Die erste Kaiserin ist schon gewählt . Ich trage sie hier in meiner Tasche . « Ich legte bei diesen Worten die Hand auf die Brusttasche meiner Jacke . Dort steckte nämlich das Bild Dschafars und der Schahzadeh Khanum Gul , welches ich im Birs Nimrud zu mir genommen hatte . Als wir von dem Ustad aufgefordert worden waren , mit zu ihm zu kommen , hatte ich mir gedacht , wovon wir sprechen würden , und war hinauf zu mir gegangen , um es mit herabzunehmen . Der Ustad kannte meine damaligen Erlebnisse ganz genau und also auch dieses Bild . Er mochte ahnen , daß ich es meinte , denn er warf einen besorgten Blick auf den Mirza . Dieser aber fragte im Tone der höchsten Spannung : » In deiner Tasche , Effendi ? Darf man es sehen ? « » Ein Fremder nicht ; dir aber bin ich sogar verpflichtet , es zu zeigen . « » Verpflichtet ? Wieso ? « » Schau selbst ! « Ich nahm es aus der Tasche und reichte es ihm hin . Er zog es mir aus der Hand , sah es an und - - - sprang sofort von seinem Sitze auf , als ob er von einer Natter gestochen worden sei . Dann ließ er die Hand mit dem Bilde sinken , sah mich mit einem ganz eigenartigen Blicke an und fragte : » Effendi , bist du hierhergekommen , um mich abermals zu retten ? Aus einer noch viel , viel größern Gefahr , als alle die damaligen waren ? Woher hast du dieses Bild ? « » Aus dem Birs Nimrud , von dem ich dir ja schon erzählte . Es lag im Schatz der Sillan , und ich versteckte es , weil ich dich sogleich erkannte . « » Welch ein Glück , welch ein Glück für mich ! Dieses Weib hat es hergegeben , um mich zu verderben , weil ich nichts mehr von ihr wissen wollte ! Du lieber , lieber Freund , der du mir bist , wer mag da deine Hand geleitet haben ! Man wollte jedenfalls beweisen , daß ich an der Empörung mit beteiligt sei . Denn nun weiß ich es : sie soll die Kaiserin und Ahriman Mirza der Kaiser sein ! Ist es so oder nicht , Effendi ? « » Genau so , « nickte ich . » Aber wie hast du das erfahren können ? Du , du , der Fremde ! « » Setz dich wieder her ! Ich will es dir erzählen . Und nicht nur das allein . Du mußt nun Alles erfahren , Alles . Der Ustad wird es mir erlauben . « Nun weihte ich ihn in unsere Geheimnisse ein . Er hörte ruhig zu und zeigte selbst dann nicht die geringste Aufregung , als ich ihm mitteilte , daß und für wann sein Todestag bestimmt worden sei . Er öffnete vorn den Alkalok und das seidene Pirahen . Da sahen wir ein wunderbar gearbeitetes Panzerhemde schimmern . » Du siehst , Effendi , « sagte er , » daß Ahriman Mirza nicht der Einzige ist , der die Notwendigkeit der Vorsicht kennt . Er trachtet mir nach dem Leben ; das habe ich schon längst gewußt , und ich werde Euch hierüber noch sehr Interessantes berichten . Neu ist mir nur , daß der Tag , an dem ich sterben soll , so genau festgesetzt worden ist . Ich bin an diesem Tage hier bei Euch , Ahriman auch , der Mörder ebenso . Das ist eine Schalkhaftigkeit des Schicksales , für welche ich herzlich dankbar bin . Wer da noch vom starrsinnigen Fatum oder vom blinden Kismet sprechen kann , der ist ein Tor , der niemals klüger werden wird . Aber das beantwortet mir doch Alles noch nicht meine Frage , woher du erfahren hast , wer Kaiser und wer Kaiserin werden soll ! « » Ich hatte dir erst das Vorangehende zu sagen . Nun kommt die eigentliche Antwort , welche auch den Ustad interessieren wird , weil er noch nicht weiß , was sich während seiner Abwesenheit hier ereignet hat . Ihr sollt es jetzt hören . « Ich gab meinen Bericht , auch über den Traum , und verschwieg nichts , als nur den einen Umstand , daß mir Syrr gleich bei dem ersten Versuche gehorsam gewesen war . Die beiden Zuhörer folgten meinen Worten mit der größten Spannung , der Ustad still , Dschafar Mirza aber mit ganz besonderer Lebhaftigkeit . Als ich fertig war , tat es der Letztere nicht anders , ich mußte sofort die Beweise holen , welche der Aschyk mir ausgeliefert hatte . Das tat ich natürlich gern ; ich hatte sie ja selbst noch nicht durchsehen können . Das taten wir nun gemeinschaftlich . Ich kann sagen , daß sie alle unsere Erwartungen weit übertrafen . Was wir über Ahriman Mirza Neues erfuhren , war zwar von ganz bedeutender Wichtigkeit für uns und mußte ihm unbedingt verderblich werden , konnte uns aber nicht verwundern . Wenn seine Mittel auch als noch so verwerflich bezeichnet werden mußten , und wenn seine Ziele auch noch so unerlaubte waren , so hatte er seinen Haß doch immer Haß genannt und war zu stolz , fast möchte ich sagen , zu ehrenhaft gewesen , zu verbergen , daß er wühle . Das hat man selbst am ärgsten , am schlimmsten Feinde anzuerkennen und wird ihn , wenn es möglich ist , hiernach behandeln . Was aber den Scheik ul Islam und seine von Allah zur Alleinseligkeit berufene Partei betrifft , so waren wir geradezu empört über das , was wir da lasen und erfuhren . Das klang Alles so mild und freundlich , so leutselig und demütig , so tiefreligiös und gottgefällig , so edel und erhaben , so hart und unerbittlich , so dünkelhaft und hochmütig , so pfauenstolz und truthahneitel , so fanatisch und bigott , so ekelhaft feierlich und weihevoll und darum so schändlich , gemein und niederträchtig , daß Dschafar sich schließlich nicht länger beherrschen konnte : Er sprang auf , spuckte dreimal aus und sagte : » Das ist schändlich , nichtswürdig und infam ! Diese Schurken geberden sich , als ob sie den Herrgott zu beschützen und seine ganze Menschheit zu behüten und zu bewahren hätten . Dabei aber retten sie nur immer sich , sich , sich und keinen andern Menschen ! Weil sie weder Geist noch Vernunft besitzen , glauben sie sich von jedem vernünftigen Worte angegriffen und schlagen ihre mißverstandenen Kuransprüche Jedem an die Backen , der besser , tiefer und höher denkt als sie ! Wehe dem , der daran zweifelt , daß sie die Einzigen sind , die Allahs Licht erleuchtet ! Sie können sich leicht bescheiden stellen , denn sie sind geistig dumm ! Und sie können ebenso leicht erhaben und unfehlbar tun , weil sie leider nicht die einzigen geistig Dummen sind ! Und diese Menschen nehmen es dem Schah-in-Schah übel , daß bei uns die Familie ein Heiligtum ist , vor dessen Tür sie mit ihren salbungsvollen Schritten innehalten müssen ! Der Hausherr soll nicht mehr Herr des Hauses sein , sondern sie , sie , sie wollen es regieren ! Besonders aber haben alle Frauen durch das geheimnisdüstre und verschwiegene Bab 77 zu gehen , von welchem diese Babi ihren Namen herleiten ! Oh , ich kenne diesen Scheik ul Islam von Feraghan aus ! Dieser Schwachkopf ist überzeugt , daß er zur Belohnung von dort nach Chorremabad versetzt worden sei . Er ahnt nicht , daß sein treues Luristan das Bab sein soll , aus dem man ihn mit einem gänzlich unerwarteten Fußtritt werfen wird ! Er ist so tölpelhaft , es sich selbst zu öffnen , jetzt eben , jetzt , und wir sind es , wir , von denen er den Fußtritt zu bekommen hat ! Es werden noch viele , viele Andre mit ihm fliegen ! « Nun setzte er sich wieder nieder , hatte sich aber seines Zornes noch nicht ganz entledigt . Er fuhr fort : » Wie gut , daß ich durch dich , Effendi , diesen tiefen und klaren Einblick gewinne ! Es gehen also eigentlich zwei Empörungen gegen den Schah neben einander her . Die eine leitet der Fürst der Schatten , die andere der Scheik ul Islam , welcher aber nicht weiß , wer dieser Fürst der Schatten ist . Der Aschyk sollte es erspähen . Für beide ist Ahriman Mirza als zukünftiger Herrscher in Aussicht genommen . Auf welche Weise dieser Prinz den Scheik ul Islam für sich gewonnen hat , das ist für uns jetzt Nebensache . Beide Heerlager wollen sich vereinigen und hier bei uns beginnen . Welch eine Vereinigung ! Die Frommen mit den Gottesleugnern , die Grundehrlichen mit den Fälschern und Betrügern , die Auserwählten Gottes mit den Auserkorenen des Teufels ! Die Einen haben sich stets als die Aristokraten des Glaubens und der Religiosität und die Andern als Farmasonha78 , als niedrige Demokraten , als ketzerisches Gesindel bezeichnet ; nun aber schließen sie mit ihnen Bruderbund , um sie zum Dank dann anzuspein und wieder wegzuwerfen ! Effendi , ich bitte dich , mir diese Beweise anzuvertrauen , nicht für immer , sondern nur für einige Stunden . Ich weiß , wie wertvoll sie Euch zur Entlarvung Eurer persönlichen Gegner werden können ; aber ich muß sofort einen Bericht für den Schah-in-Schah anfertigen und dabei ihren Inhalt vor mir liegen haben . Wirst du mir diese Bitte gewähren ? Sie sind in meinen Händen sicher , und du bekommst sie dann sogleich zurück . « » Nimm sie mit , « antwortete ich . » Dir und dem Ustad kann ich sie gern anvertrauen ; ein Andrer aber bekäme sie wohl nicht . Wann willst du diesen Bericht schreiben ? Du sagst , sofort . Hältst du das für nötig ? « » Allerdings . Es eilt . Darum werde ich ihn , sobald er fertig ist , durch einen zuverlässigen Boten nach Mihribani senden . Aber - - freilich - - ich habe nur Reitknechte mit . Ich konnte nicht an die Notwendigkeit einer solchen Botschaft denken und muß darum Euch um einen Mann ersuchen , der sich eher totschlagen läßt und meinen Bericht vorher verschlingt , ehe er ihn in falsche Hände kommen läßt . « Der Ustad sah mich fragend an . Es gab unter den Dschamikun wohl Manchen , der geeignet war , aber er kam dennoch nicht sogleich auf einen bestimmten Namen . Da sagte ich : » Unser Kara Ben Halef ! Er besitzt alle Eigenschaften , welche hierzu erforderlich sind . Trotz seiner Jugend können wir ihm wohl am meisten vertrauen . Außerdem stehen ihm die echten Eilkamele der Hadeddihn zur Verfügung . Es giebt also für ihn nicht die geringste Gefahr , denn kein Mensch würde ihn einholen können . Er braucht nicht mehr als zwei Tage hin und zwei her . Wenn Ihr ihm einen Mann mitgebt , der den Weg nach Mihiribani kennt , so kann er am Donnerstag Abend wieder hier sein . Muß er aber auf Antwort warten , dann allerdings erst am Freitag . « Dieser Vorschlag fand solchen Anklang , daß ich mich gleich aufmachte , um mit Kara zu sprechen . Dschafar begleitete mich nach unten . Die Dokumente in der Hand , ging er nach seinem Turme . Kara befand sich bei seinen Eltern . Als ich hinaufkam , saß Halef aufrecht im Bette , nur ganz leicht gestützt . » Willkommen , Sihdi ! « rief er mir mit ziemlich kräftiger Stimme entgegen . » Du schaust so eilig aus ? « » Es ist auch eilig , mein lieber Halef . Ich komme , um dir den Sohn für mehrere Tage zu nehmen . Er muß eine Botschaft übernehmen , welche ich nur dem Zuverlässigsten , den ich hier kenne , anvertrauen kann . « » Dem Zuverlässigsten ? Hältst du unseren Kara dafür ? « » Ja . « » Allah segne dich ! Das ist wieder Arznei ! Das hilft ; das stärkt ! Das macht mich schnell gesund ! Wo soll er hin ? « » Zum Schah-in-Schah . « » Zum - - - ! « Das Wort blieb ihm vor Freude und Staunen im Munde stecken . » Ja , zum Schah-in-Schah ! « wiederholte ich . » Mit höchst wichtigen Depeschen ! « » Zum Schah - - - in - - - Schah - - ! « brachte er jetzt hervor , indem er die Hände selig zusammenschlug . » Mit höchst wichtigen Depeschen ! « fügte Hanneh hinzu , die vor Wonne strahlte , denn das war wieder Etwas , was noch nicht dagewesen war , eine Ehrung sondergleichen . Kara aber war still . Er sagte nichts . Das war so seine Art ! Ich erklärte ihnen die Angelegenheit . Da ging Kara , um die Eilhedschihn zu füttern und zu tränken . Halef aber hielt mir seine Hand hin und sagte : » Sihdi , das kommt von dir . Ich weiß es , daß du ihn vorgeschlagen hast , denn ich kenne dich . Du weißt allerdings , daß Kara der richtige Bote ist , aber du hast dabei auch an uns , seine Eltern gedacht . Das ist abermals Arznei ! Wenn das so fortgeht mit den frohen Botschaften , so springe ich noch heut von meinem Lager auf und laufe in einer Tour den ganzen Berg hinunter ! Seit ich hier oben im Freien liege , werde ich wie im Galopp gesund ! « Von hier aus ging ich zu den Pferden . Schon war ich an der Küchentür vorüber , da hörte ich mich hinter mir rufen . Ich drehte mich um . Pekala kam mir nach . Sie tat sehr heimlich . » Effendi , weißt du , daß heute Sonntag ist ? « fragte sie halblaut . » Natürlich ! « » Und daß da mein Aschyk kommen wollte ? « » Ja . « » Er kommt aber nicht ! « » So ? Warum nicht ? « » Er hat sich anders besonnen und läßt dich bitten , nicht auf ihn zu warten . « » So war er aber doch wohl da ? Denn du hast mit ihm gesprochen ? « » Ja , er war da . « » Wann ? « » Heut früh . Des Sonntags stehe ich immer eher auf als sonst , weil ich , wenn die Glocken läuten , mit der Arbeit fertig sein will . Heut war es nun noch zeitiger als gewöhnlich . Ich ging in den Garten , um Soghanlar79 zu holen ; da stand mein Aschyk plötzlich vor mir und sagte , daß er schon jetzt gekommen sei , weil er heut Abend nicht dasein werde . « » Wo will er da wohl hin ? « » Das weiß ich nicht . Ich konnte ihn nach gar nichts fragen , weil er keine Zeit hatte , mir zu antworten . Aber es war sehr rührend , als er ging , sehr ! « » Wieso ? « » Er ergriff meine Hand und streichelte mir mit seiner andern Hand über den Kopf , so - - so - - « Sie zeigte mir , wie er es gemacht hatte , und fuhr dann fort : » Und dazu sagte er : Pekala , sagte er , wir haben im letzten Jahre viele , sehr viele Lügen gemacht , und der Ustad und der Effendi sind doch so liebe und so gute Menschen , die man auf keinen Fall belügen oder gar betrügen sollte . Versprich mir , daß du ihnen von heute an die volle Wahrheit sagen willst , wenn sie dich nach mir fragen ! Da habe ich es ihm versprochen und ihm auch die Hand darauf gegeben , daß ich es halten werde , denn - - - « Sie hielt inne , weil ihr die Tränen kamen . Da wischte sie sich die Aeuglein und auch das kleine Näslein an die Schürze und fuhr hierauf fort : » Denn mit dem Lügen ist es - - - verzeihe mir , Effendi ! Ich nehme dann nachher zum Kochen gleich eine andere , eine neue Schürze - - - denn mit dem Lügen ist es eine schlimme Sache . Man kann nämlich nicht schlafen , wenn man dich oder den Ustad belogen hat , und so will ich dir denn jetzt ganz offen sagen - - - « Sie wischte sich jetzt abermals , und zwar sehr nachhaltig , was sie jetzt nun doch wohl durfte , weil sie ja nachher eine neue Schürze nehmen wollte , und sprach weiter : » - - - will dir ganz offen sagen , daß die Sache anders gewesen ist , als ich dir erzählt habe . Es muß vom Herzen herunter , sonst halte ich es nicht aus ! Mein Aschyk ist nämlich nicht nur alle Monate gekommen , sondern - - - « Da unterbrach ich sie : » Laß das jetzt , Pekala ! Ich wünsche nicht , daß du dir wehe tust . « » Ich soll es dir nicht erzählen ? « » Nein . « » Aber da bringe ich es doch nicht herunter und kann heute Nacht wieder nicht schlafen ! « » Doch , doch ! Es ist nämlich genau so gut , als ob du es erzählt hättest . Der Ustad und ich verzeihen es dir . Wenn wir es einmal wissen wollen , werden wir dich schon selbst fragen . Dann aber mußt du uns freilich die volle Wahrheit sagen , keine Lüge mehr ! « Da wurden ihre Aeuglein wieder klar ; das Näslein verlor die Lust , sich kummerfeucht zu zeigen , und sie antwortete schnell : » Lüge ? Nie wieder , nie , niemals ! Wir sind wahrscheinlich selbst auch belogen worden , besonders vom Scheik ul Islam , der gesagt hat , daß er bloß sein Schreiber sei ! Von ihm hat mir mein Aschyk eine Schlechtigkeit mitgeteilt , die ganz unerhört ist ! « » Ich denke , er hat gar nicht viel mit dir gesprochen ! « » Das ist auch wahr , aber dieses doch ! Denke dir , dieser armselige Scheik des Islam hat behauptet , meine Nase sei zu klein , mein Maul zu groß und mein Gang wie Elefantentrab ! Der soll mir einmal wiederkommen ! Ich warte schon darauf ! Was so eine Lüge anrichtet , das glaubst du gar nicht , Effendi ! Ich habe diesen ganzen Tag daran denken müssen und mich vor Aerger wenigstens hundertmal vergriffen . Dem Pedehr habe ich seinen Kaffee nicht von Bohnen , sondern von Pfefferkörnern gekocht . Denke dir sein Gesicht , als er trank ! Den Leuten habe ich Salz anstatt Zucker an die Limonada geschüttet ! Und in dem Eierkuchen , den ich für mich selbst gebacken habe , fand ich einen Strang schwarzen Nähzwirn , vier Knöpfe und eine bleierne Flintenkugel . Ist das nicht geradezu fürchterlich , was solche Lügen für schreckliche Folgen haben ? Meine Nase zu klein ! Wenn dieser Mensch sich wiedersehen läßt , bekommt er den ganzen Eierkuchen ins Gesicht , den ganzen , gleich auf einmal ! Ich hebe ihn mir auf ! Der liegt bereit , alle Tage , und schwapp , da hat er ihn ! « Sie machte mir mit den Händen die betreffende Bewegung vor . Ich mußte lachen ; sie aber meinte es ernst . Der Aschyk schien seine Pekala zu kennen . Er hatte dem Scheik ul Islam diese Sünden gegen die weibliche Schönheit in den Mund gelegt und damit mehr erreicht , als er durch alle möglichen Warnungen und Ermahnungen hätte erreichen können . Ich durfte überzeugt sein , daß sie den frommen Herrn niemals wieder um eine Naddara bitten werde ! Sie fuhr fort : » Nur den Lügen dieses Scheik ul Islam ist es zuzuschreiben , daß mein Tifl fortgegangen ist , obgleich ich ihm so gute Worte gab , bei uns zu bleiben . Er hatte ihm weißgemacht , hier bei uns werde er es doch zu nichts bringen ; wenn er aber mit ihm gehe und beim