wuchs mein Interesse für diese meine innere Welt von Tag zu Tag , und es thaten sich mir Ausblicke auf , die mich zum Weiterforschen förmlich begeisterten . Es begann zunächst eine große , leider so unendlich schwierige Reinigung , daß ich gar wohl einsehe , mit ihr in diesem kurzen Erdenleben nicht fertig werden zu können ; aber es wurde doch wenigstens soviel Erdenschmutz überwunden , daß mir jetzt , wo ich fast sechzig Jahre zähle , das Weiterlernen und Weiterüben als die schönste Aufgabe der mir noch beschiedenen , abendroten Tage erscheint . Wie herzlich , aber wie so von ganzem Herzen wünsche ich , daß jeder meiner Mitmenschen ein so beseligendes Abendrot haben möge ! Könntest du , meine Freundin oder mein Freund , deine Seele in die Hand nehmen und beobachten wie eine Uhr , welch ein wunderbares , wohlgeordnetes Ineinandergreifen sämtlicher Regungen würdest du da bemerken ! Du würdest sehen , wie reingehalten sie werden muß , wieviel hinderlicher Erdenstaub stets zu entfernen ist . Du würdest erkennen , daß jedes einzelne Tick und Tack darauf berechnet ist , den Zeiger nach der mitternächtlichen , letzten Zwölf zu leiten , nach welcher dir die Eins des Jenseits schlägt . Das hängt alles , alles so innig zusammen , das kommt wie ganz von selbst ; da kannst du dir nicht eine einzige Sekunde ohne die vorhergehenden denken ; da kann nicht eine einzige Minute als überflüssig weggelassen und zur zeitleeren Lücke werden . Genau so steht die leiseste Seelenvibration im Zusammenhange mit dem Ganzen , und ob dein Leben ein Streben nach dem Himmel oder ein Sträuben gegen den Himmel sei , es ist nicht das kleinste seelische Stäubchen in dir zu finden , welches unbeteiligt an diesem Streben oder Sträuben ist . Und wie in deinem Seelenmikrokosmos die treibenden Kräfte nur nach ganz bestimmten Regeln und Geboten thätig sind , so herrschen auch im Seelenmakrokosmos , also auf dem Gebiete der Zusammen- , der Aufeinanderwirkung menschlicher Seelen , Vorschriften und Gesetze , welche selbst die geringste Ordnungslosigkeit , also auch den Zufall , vollständig ausschließen . Es können zwei Seelen nicht , wenn auch noch so kurz , aneinander vorüberstreifen , ohne aufeinander zu wirken . Und wenn eine Seele die deinige nur einen Augenblick berührt , so wird diese Berührung einen Punkt in deinem innern Leben schaffen , der sich zur für dich vielleicht nicht bemerkbaren Linie weiterbildet . So entstehen Beziehungen , für dich einstweilen geheimnisvolle Fäden , welche dich mit andern unsichtbar aber doch für immer vereinen und als einen nicht zu missenden , sondern notwendigen Teil des Ganzen mit der großen , unendlichen Welt der Seelen verbinden . Du gehörst notwendig zu ihr , wie die einzelne Minute zur Stunde , zum Tag , zum Jahr , zur Ewigkeit ; sie würde ohne dich nicht vollständig sein . Und wie sie auf dich und deinen Einfluß , mag er auch noch so winzig und unbedeutend sein , nicht verzichten kann , so stehst auch du und so steht auch jede andere Seele in fortwährender , unabweisbarer Beziehung zu ihr und ihren Gesetzen , welche weit , weit entfernt liegende Ursachen an dir oder durch dich zur Thätigkeit bringen , so daß scheinbar plötzliche Handlungen entstehen oder vermeintlich zusammenhanglose Ereignisse eintreten , welche man sich nicht erklären kann . Dieses Herüberwirken der Seelenwelt in die Welt der Seele , diese Folgen , deren Gründe und diese Schlüsse , deren Voraussetzungen im Verborgenen liegen , sind nicht etwa Unbegreiflichkeiten , sondern ganz das gerade Gegenteil , nämlich Beweise eines von der göttlichen Weisheit vorgeschriebenen und unendlich logischen Zusammenhanges der unsichtbaren mit der sichtbaren Welt . Wer diese unsichtbare freilich leugnet , weil er unter dem Pantoffel seines gelehrten und geliebten Materialismus steht oder nicht gewohnt ist , nachzudenken , der weiß sich beim Eintritte solcher , für ihn zusammenhangsloser Ereignisse nicht anders zu helfen , als daß er sie auf die Rechnung des großen Unbekannten und doch so Wohlbekannten schreibt , den man so wie jenen berüchtigten kriminellen Unbekannten an den Haaren herbeizieht , wenn man sich nicht mehr zu helfen weiß , auf die Rechnung des Zufalles nämlich . Wenn ich mich des Wortes Materialismus bediene , so meine ich nicht nur die ungläubigen Materialisten . Es giebt auch gläubige Christen , und zwar sind es leider Millionen , welche ich so nenne . Sie halten sich für das Material der Erlösung , des Heiles , der Seligkeit . Unser Herrgott hat sie geschaffen ; er wird sie auch erhalten . Er hat sie für den Himmel berufen und muß sie also nun auch hinaufführen . Sie beten , sie singen , sie sind fleißige Kirchenbesucher und fühlen sich unendlich behaglich dabei . Der himmlische Vater hat es nun einmal grad auf sie abgesehen . Die Ueberzeugung , seine Lieblinge zu sein , verleiht ihnen einen Komfort , der ihnen über die irdischen Freuden geht , und das halten sie für ein Verdienst , welches er ihnen hoch anzurechnen hat . Sie sind geladene Hochzeitsgäste , und da sie damit einverstanden sind und ganz gern kommen wollen , so wird man sie per Equipage abholen . Da sie das Material der Seligkeit sind , so ist diese Seligkeit ohne sie gar nicht möglich ; welche Freude muß also im Himmel über sie sein ! Alle Mühen und Beschwerden des Himmelsweges legen sie in Gottes Hand ; er wird ihnen schon darüber hinweghelfen , und seine Diener müssen Vorspann leisten ! Für ihn und sie bestehen diese Leute nur aus dem äußern Menschen , dem die Auferstehung von den Toten und das ewige Leben verheißen ist . Ihre Seele aber ? Giebt es denn eine Seele ? Wenn ja , nun , so gehört sie zum Körper und muß doch mit ihm selig werden . Ueber diesen Punkt viel nachzudenken oder gar an dieser Seele zu arbeiten , das würde die ganze Behaglichkeit zu nichte machen . Für diese Materialisten , diese Liebhaber des religiösen Komfortes giebt es keinen Zufall , denn daß sie so fromm sind und so selig werden , das ist doch wahrlich kein Zufall , sondern die unbedingte Folge ihres hohen geistlichen und auch sonstigen Wertes ; das ist doch leicht erklärlich ! Und was sie nicht erklären können , das nennen sie nicht Zufall , denn dieses Wort paßt für einen guten Christen nicht , sondern Gottes Schickung . Aber wie das Wort Schickung hier gemeint ist , bedeutet es eben auch nur Zufall , und zwar nicht nur ein blindes , sondern ein gewolltes Ungefähr , und das ist noch schlimmer . Das Wort Schickung in diesem Sinne bringt das allgerechte und allweise Walten der göttlichen Liebe um die ihr auf den Knieen zu zollenden Ehre . Geistliche Güter sind in gewissem Sinne auch als materielle Gaben zu bezeichnen , und die Liebe Gottes teilt diese Geschenke nicht nach Willkür aus , sondern nach Gesetzen , die ihre eigenen sind ; sie handelt nicht regellos . Ist doch grad sie es , die jene geheimen Fäden in den Händen hält , welche Seele mit Seele vereinen und Ursache mit Ursache verbinden , so daß die Wirkung dann als eine Schickung im wirklichen Sinne , nämlich als eine Fügung des allgütigen Ratschlusses Gottes erscheint . Wer gelernt hat , zu sehen , der kann in seinem Leben Beweis um Beweis finden , daß das , was andere Zufall nennen , ein von der belohnenden , warnenden oder wohl auch strafenden Liebe herübergeleitetes Ergebnis seelischer Zusammenwirkung ist . Und wenn er eifrig sucht , wird er dann gewiß in seiner eigenen Seele den Berührungspunkt entdecken , der ihm erklärt , warum grad ihn und keinen andern diese Fügung traf , die dann für ihn nichts weniger als ein Zufall ist ! - Warum aber hier diese Darlegung meiner Ansicht über den Zufall ? Zunächst , weil es mir so sehr am Herzen liegt , soviel Menschen wie möglich an dem sonnigen Glücke teilnehmen zu lassen , welches ich meinem Glauben verdanke . Und sodann bin ich jetzt beim Bir Hilu überzeugt , daß viele meiner Leser unser Zusammentreffen mit den beiden Beni Lam und unser Gespräch mit ihnen für Zufall halten werden , aber es stand mit dem , was geschehen war und noch geschehen sollte , in so engem Zusammenhange und grad der Umstand , daß ich die Beni Khalid nicht verraten hatte , obgleich sie unsere Feinde waren und ihre Ablenkung von uns auf die Beni Lam vom größten Vorteile für uns zu sein versprach , lieferte uns dann später den augenfälligsten Beweis , daß eine jede That ihre guten oder bösen Folgen schon in sich trägt . Hätte ich nicht den seelischen Einflüssen in mir , sondern meiner kalten Berechnung und Klugheit gefolgt , so wären wir schon am nächsten Tage alle verloren gewesen ! Am Abende dieses Tages saßen wir beisammen , zum letztenmal mit dem Basch Nazyr , wie wir alle meinten . Wir hatten einige Wachen ausgestellt und unterhielten uns , wie das ja begreiflich ist , fast ausschließlich über das , was wir seit unserm Zusammentreffen mit ihm gemeinschaftlich erlebt hatten . Später , als die Zeit zum Schlafen gekommen war , richtete er die Frage an mich : » Sihdi , ich habe eine Bitte an dich . Wirst du sie mir erfüllen ? « » Recht gern , wenn ich kann , « antwortete ich . » Ich möchte gern eines meiner Kamele mit einem von euch vertauschen . « » Warum ? « » Um ein Andenken zu haben . « » So ! Ich habe kein Kamel , bezweifle es aber nicht im geringsten , daß Halef auf deinen Wunsch eingeht . « » Das wird er gewiß thun ; nur möchte ich gern wissen , ob du gewillt bist , das Kamel von mir anzunehmen . « » Ich ? « » Ja ; denn du bist es , der es reiten soll . « » Warum ich ? « » Weil es ein Andenken von mir an dich sein soll . Ich gebe dir meine Hedschihn-Stute , und weil ich dann ein Kamel zu wenig haben würde , bitte ich mir dafür ein anderes aus . « Ich sah ihn an , ohne zunächst zu antworten . Diese herrliche , unbezahlbare Stute wollte er mir schenken ! Als Scherz konnte ich dieses Anerbieten unmöglich auffassen und behandeln , und da es also Ernst war , so handelte es sich um eine gradezu fürstliche Freigebigkeit , von der ich nicht wußte , wie ich mich zu ihr verhalten sollte . Ja zu sagen , widerstrebte meinem ganzen Wesen , und ein Nein hätte ihn nicht nur kränken , sondern sogar schwer beleidigen müssen . Da fuhr er fort : » Ich begreife , daß dir mein Wunsch überraschend kommt , hoffe aber , daß du ihn nicht für zudringlich halten wirst . Es würde mir eine stolze Freude sein , zu wissen , daß Kara Ben Nemsi Effendi auf meinem Hedschihn sitzt . Den Wert des Tieres darfst du nicht berücksichtigen , denn ich habe es ja nicht zu bezahlen gehabt und kann mir von Tscharbagh zu jeder Zeit ein ähnliches erbitten . Dazu kommt , daß du mir das Leben gerettet hast und - - - « » Ich nicht ! « warf ich ein . » Ja , doch du ! Dabei will ich aber die Verdienste Halefs um mich gar nicht schmälern . Auch hast du den Kanz el A ' da entdeckt ; ohne dich würde ich ihn nicht wiederbekommen haben . Du wirst also einsehen , daß das Geschenk dieses Kameles gar nichts ist gegen das , was ich dir zu verdanken habe . Ich will jetzt nicht in dich dringen ; du hast ja eine ganze Nacht Zeit dazu , es dir zu überlegen . Aber ich gebe mich der Hoffnung hin , daß du mir morgen früh nicht den Schmerz bereitest , mir diese Bitte abzuschlagen , die mir so aus dem Herzen kommt ! « Er wendete sich ab und schien also die Sache als für einstweilen erledigt zu betrachten ; darum sagte auch ich nichts mehr ; aber Halef , der dabeigesessen hatte , raunte mir dringlichst zu : » Effendi , du wirst es annehmen ; ja , du mußt sogar ! Einen Freund darf man doch nicht durch die Verweigerung der Annahme eines Geschenkes beleidigen ! « » Aber eines solchen ! « antwortete ich . » Es ist freilich wertvoll , höchst wertvoll , ja ; aber du mußt bedenken , daß du es zwar jetzt für dich , dann aber auch für uns bekommst ! « » Ah ! Du schaust aus diesem verborgenen Loch heraus ? « » Ja . In deiner Heimat ist dir dieses Hedschihn nutzlos , und so wirst du es mit ihm wohl ebenso machen , wie du es damals mit deinem herrlichen Rih gemacht hast , nämlich du wirst es nicht mitnehmen , sondern bei uns lassen . Und nun denke dir unsere Freude , wenn wir für unsere Zucht eine fünfjährige , tadellose Stute von dieser Vortrefflichkeit erhalten ! Wenn du es annimmst , erweisest du unserm Stamme einen Dienst , der uns dir zur größten Dankbarkeit verpflichtet . Ich hoffe , daß du das einsiehst ! Oder etwa nicht ? « » Doch ! Es wäre eine vortreffliche Erwerbung für euch ! « » Schön , Effendi ! Es freut mich , daß du diese Einsicht besitzest . Sie ist aber nur die Nebeneinsicht , und ich hoffe , daß dir nun auch noch die Haupteinsicht kommt ! « » Welche ? « » Daß du es annehmen mußt . Willst du ? « » Hm ! « Da wendete er sich rasch zum Perser : » Mein Freund Khutab Agha . Es liegt mir sehr am Herzen , daß mein Sihdi deinen Wunsch erfüllt . Ich habe ihn jetzt in diesem Sinne bearbeitet und kann dir mitteilen , daß ich zufrieden bin , denn er hat soeben schon gehmt ! Da ich ihn sehr genau kenne , so weiß ich , daß man bei ihm von diesem unschlüssigen Hm bis zum schließlichen Ja nicht weit zu reiten hat . Es ist mir gelungen , ihn schon halb und halb , ja schon vielleicht dreiviertel für deinen Vorschlag einzunehmen , und so darfst du der angenehmen Hoffnung sein , daß das vierte Viertel sich bis morgen früh auch noch einstellen wird . Du wirst also einsehen , daß das Kismet dir und deinem Kamele nicht ungünstig gestimmt ist . Ihr werdet von einander befreit werden ! « Dieser liebe , kleine Pfiffikus ! So schwer es ihm stets wurde , sich in die Verhältnisse und Anschauungen meines Vaterlandes zu versetzen , in welches er den Orient fast stets zu übertragen pflegte , jetzt , wo es sich um die Aneignung des Hedschihn handelte , hatte er sich sofort daran erinnert , daß mir ein Kamel in der Heimat nichts nützen könne ! Und dann die rasche und sonderbare Ausbeutung meines Hm . So etwas brachte eben nur mein Hadschi Halef fertig ! Früh gestand er mir , daß er wegen des Hedschihn fast die ganze Nacht nicht habe schlafen können , und daß ich es unbedingt annehmen müsse , wenn ich ihn nicht für seine ganze Lebenszeit um den Schlaf bringen wolle , was doch unbedingt seinen schließlichen Tod zur Folge haben müsse . Dann zog er den Basch Nazyr heran , und ich wurde von ihnen , nach Halefs gestrigem Ausdrucke , in der Weise » bearbeitet « , daß ich schließlich wohl oder übel meine Einwilligung erteilte . Das gab einen Jubel bei den Haddedihn ! Ebenso kann ich von dem Perser sagen , daß er sich wirklich und aufrichtig freute . Er hatte mir das Geschenk nicht in chinesischer Weise , auf welche man mit der Nichtannahme zu antworten hat , angeboten , und diese seine Freude war mir ebenso lieb wie der Gegenstand seiner Freigebigkeit . Während die andern das Kamel umringten und alle seine Vorzüge aufzählten , wobei es von ihnen als » unser « Hedschin bezeichnet wurde , nahm er mich auf die Seite und sagte : » Effendi , da du mich mit der Annahme meines Geschenkes beglückt hast , muß ich dir etwas sagen , was jetzt noch niemand außer dir zu wissen braucht . Es ist dir wohl bekannt , daß man den Kamelen nicht , wie den Pferden reinsten Blutes , ein Geheimnis geben kann , denn sie sind zu dumm dazu ; bei diesem Hedschihn aber ist es mir gelungen , und zwar vortrefflich . Es besitzt eine Intelligenz , welche man bei seinesgleichen sonst vergeblich sucht , und ist so treu , anhänglich und willig wie ein Pferd . Da es nun dein Eigentum ist , will ich dir sein Geheimnis mitteilen , damit du es anwenden kannst . Das Tier heißt Maschurah144 . Um es vorher aufmerksam zu machen , mußt du diesen Namen zweimal nennen , worauf du dreimal hintereinander das Wort Bubuna145 sagst . Hast du das gethan , so entwickelt es eine Eile , welche dir die stille Luft als Wind erscheinen läßt , und hört nicht eher auf , als bis du ihm das Wort Yawahsch ! 146 auch dreimal sagst . Da das Kamel das Pferd an Ausdauer überhaupt übertrifft , so hält meine Maschurah , die nun die deinige ist , auch unter dem Geheimnisse viel länger aus als ein Pferd , was dich aus großer Gefahr erretten kann und jede Verfolgung nutzlos machen wird . Hast du dir das alles gut gemerkt ? « » Ja ; ich danke dir ! Aber sag , warum hast du grad dieses Wort Bubuna gewählt ? « » Weil dieses Hedschihn eine große und ganz sonderbare Vorliebe für Kamillen hat . Ich habe darum , so oft ich es reite , stets einige von diesen Pflanzen in der Tasche . Ich reibe sie in der Hand , so daß sie nach ihnen riecht und liebkose dann das Maul und die Nase Maschurahs mit dieser Hand . Wenn du das thust , wirst du seine Freundschaft und Liebe schnell erwerben . Nur darfst du es keinem andern verraten , dem es dann durch Anwendung dieses Mittels gelänge , die Anhänglichkeit des Tieres auf sich zu lenken . Ich habe auch jetzt Kamillen mit und werde sie dir geben . Sie sind trocken geworden , duften aber noch stark genug . « Ein Kamel mit einem » Geheimnisse « ! Das hatte auch ich bisher für unmöglich gehalten . Wenn es sich bewährte , so war diese Stute allerdings unbezahlbar zu nennen ! Er gab mir die Pflanzen , welche ich einsteckte , und erteilte dann seinen Asaker den Befehl , sich zum Aufbruche zu rüsten . Als dies geschehen war , verabschiedete er sich von uns . Es geschah das in der herzlichsten Weise . Man sah ihm an , daß er uns liebgewonnen hatte ; die Thränen standen ihm in den Augen , und er griff immer und immer wieder nach unsern Händen . Es war wirklich , als ob er sich gar nicht von uns trennen könne . Ich forderte ihn zur größten Vorsicht auf und bat ihn , wenigstens für heut ja den Weg zu meiden , den er , und wir nach ihm , hierhergeritten war . Er versprach das auch , doch leider nicht in der bestimmten Weise , wie ich es wünschte , und ich merkte gar wohl , daß er die ihm von den Beni Khalid drohende Gefahr nicht für so bedeutend hielt wie ich . Er glaubte , seinen Kanz el A ' da sicher zu haben , denn sie waren ja nach Süden gezogen , während er nach Norden ritt . Als er sich schon in Bewegung gesetzt hatte , rief ich ihm meine Warnung noch einmal dringend nach . Er drehte sich nach uns um und nickte mir lächelnd zu , doch grad dieses Lächeln wollte mir nicht gefallen ! Es verstand sich ganz von selbst , daß Halef ihm eines unserer besten Hudschuhn gegeben hatte , welches zwar nicht den Wert von Maschurah besaß , aber doch verläßlich war . Als sich die Reiter so weit entfernt hatten , daß wir sie nicht mehr sehen konnten , beschäftigte ich mich mit der Stute . Sie hatte ihrem bisherigen Herrn sehr lange nachgesehen , eine Anhänglichkeit , die von uns allen noch bei keinem Kamele beobachtet worden war . Als ich ihr mit meiner nach den Kamillen duftenden Hand über die Nase strich , sog sie den Geruch mit sichtbarer Wonne ein , streckte die Lippen wie Fangschalen so außerordentlich weit , daß ich darüber lachen mußte , aus und ließ die Hand vollständig im Maule verschwinden , wo sie , das Gebiß nur ganz sanft auflegend , an ihr zu saugen begann wie ein Kind an einem Zuckerstücke . Ich sah , daß es mir nicht schwer fallen werde , ihre Zuneigung zu gewinnen , und ließ ihr meinen Sattel auflegen , denn es verstand sich ganz von selbst , daß ich sie nun ritt . Nun konnten auch wir den Bir Hilu verlassen , den wir wohl nicht wiedersehen würden ; so dachten wir , weil wir uns für die Heimkehr von Mekka einen andern Weg vorgenommen hatten , doch es steht geschrieben : » Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken , noch meine Wege eure Wege , spricht der Herr ! « Unsere Schläuche waren voll . In dieser Beziehung waren wir darauf vorbereitet , die Ain Bahrid heute abend schon besetzt zu finden . Wir hatten Wasser für mehrere Tage . Als wir den Brunnenplatz verlassen hatten , waren die Spuren der Beni Khalid so deutlich zu sehen , daß wir ihnen mühelos folgen konnten , denn es verstand sich ganz von selbst , daß wir dies thaten . Wir mußten wissen , woran wir mit ihnen waren . Nach vielleicht einer Stunde kamen wir aus der Wüste der zerstreuten Felsengruppen heraus auf den offenen , ebenen Sand . Die Fährte führte genau in der Richtung der » kalten Quelle « . Halef und Kara ritten neben mir . Unsere Unterhaltung hatte fast nur den Perser zum Gegenstande , der in dem gestern abend geführten Gespräche wiederholt den tiefen Eindruck verraten hatte , der ihm von der vorgestrigen Scene mit Ben Nur hinterlassen worden war . Das Wort von der Liebe hatte sich seinem Herzen so tief eingeprägt , daß er wiederholt und mit großem Eifer darauf zurückgekommen war . Darum hegten wir die Ueberzeugung , daß sie von jetzt an wohlthätig auf sein Thun und Leben einwirken werde . Nach einer zweiten Stunde bog die Spur nach Westen ab . Das war ein Umstand , der uns auffallen mußte . Es kam uns nicht bei , unsere bisherige Richtung innezuhalten , sondern wir blieben der Fährte der Beni Khalid treu . So ritten wir vielleicht zwei Stunden lang nach Sonnenuntergang und sahen dann an dem Horizonte vor uns eine dunkle Linie auftauchen , von welcher der Ben Harb , unser Führer , vermutete , daß sie ein lang gestreckter Höhenzug sei , von dem er wohl gehört hatte , dessen Namen er aber nicht kannte . Wenn er sich nicht irre , müsse die Wüste nun wieder steinigt werden . Dies war auch wirklich der Fall . Je näher wir dieser Höhe kamen , desto gerölliger wurde der Sand ; dann trat der nackte , unbedeckte Felsen zu tage , auf welchem wir nur noch mit Mühe die Spuren entdecken konnten . » Warum mögen die Beni Khalid wohl von ihrem Wege abgewichen und hierhergeritten sein ? « fragte Halef . » Ob das mit uns zusammenhängt , Sihdi ? « » Zunächst wohl mit dem Perser und dann auch mit uns , « antwortete ich . » Mir wird jetzt angst um ihn , und ich wünsche von Herzen , daß meine Vermutung sich nicht bestätigen möge ! Die Beni Khalid haben diese ihre neue Richtung in so auffälliger Weise eingeschlagen , daß die Absicht , wir möchten ihnen folgen , für mich bewiesen ist . Wahrscheinlich stecken sie dort an einer verborgenen Stelle dieser Höhe , um uns zu überfallen , wenn wir kommen . Aber es giebt auch wieder einen Grund , grad dies nicht anzunehmen . Ich bin überzeugt , daß es Tawil Ben Schahid nicht eingefallen ist , auf den Kanz el A ' da zu verzichten . Er weiß , daß ihn der Perser hat , von dem er ihn nur dadurch erlangen kann , daß er ihm unterwegs auflauert . Wenn er diese Absicht verfolgt , kann er nicht hier stecken , sondern ist in einem weiten Bogen um den Bir Hilu zurückgeritten , um sich jenseits desselben dem Basch Nazyr in den Weg zu legen . Wir haben es also mit zwei verschiedenen Annahmen zu thun : Entweder sind die Beni Khalid hier , um uns aufzulauern , oder sie sind jetzt nördlich vom Bir Hilu zu suchen . « » Aus welchem Grunde wären sie da aber hierhergeritten ? « » Des felsigen Bodens wegen , auf welchem die Spuren schwer zu lesen sind . Sie halten unsere Augen nicht für besser als die ihrigen und sind darum überzeugt , daß wir ihre Fährte hier verlieren werden . Zugleich haben sie wohl an den Vorteil gedacht , den sie über uns erringen , wenn sie sich zuerst den Perser holen , denn dadurch kommen sie uns in den Rücken , während wir glauben , sie vor uns zu haben . Es ist auch ein dritter Fall möglich , nämlich der , daß der Scheik seine Leute geteilt hat . Wenn dies geschehen sein sollte , so werden wir von der einen , wahrscheinlich größeren Abteilung hier erwartet , während er selbst mit der andern nach Khutab Agha sucht . Ich werde mir sogleich darüber Klarheit verschaffen . Wir halten , um ihnen nicht zu nahe zu kommen , jetzt hier an , und ich suche , ob es eine Spur giebt , welche zurück nach Norden führt . « » Das wird hier auf diesem harten Felsen lange dauern ! « » Nein , denn ich gehe bis zur Grenze des Sandes hinüber . Reite ich dieser entlang , so muß ich die Eindrücke , wenn es überhaupt welche giebt , unbedingt finden . Auch lange dauert das nicht , weil ich ja weiß , nach welcher Seite sich Tawil gewendet hat ; ich habe also nicht die ganze Höhe zu umreiten . « » Darf ich mit ? « » Ja . Wir nehmen aber unsere Pferde . Die Kamele sind mir zum Spurensuchen zu hoch . Komm ! « Halef bestieg seinen Barkh , ich meinen Assil Ben Rih . Wir ritten seitwärts ab , bis wir den Sand erreichten , und bogen dann links um , wodurch wir auf die Spur einer etwa nach Norden gerittenen Ben Khalid-Schar treffen mußten . Mich zur Seite des Pferdes möglichst tief herunterneigend , um die Augen dem Boden nahe zu bringen , ließ ich meinen Rappen schlank vorwärts fliegen und hatte sehr bald die Genugthuung , ihn anhalten zu müssen , denn wir trafen auf eine sehr deutliche Fährte , welche von der Höhe hierher- und dann in nördlicher Richtung weiterführte . Wir stiegen ab , um sie zu betrachten . Diese Beni Khalid waren so eng zusammen geritten , daß die Einzelspuren nicht auseinander gehalten werden konnten ; es gelang uns also nicht , sie zu zählen , doch glaubte ich , der Wahrheit nahe zu kommen , wenn ich über dreißig und höchstens vierzig Reiter schätzte . Diese Zahl war ja auch vollständig ausreichend , den Perser mit seinen zwanzig Soldaten zu überwältigen , zumal Scheik Tawil gewiß annahm , daß der Khutab Agha auf so einen Ueberfall gar nicht vorbereitet sei . Jetzt wurde es auch dem Hadschi angst . » Effendi , deine Befürchtung ist eingetroffen ! « sagte er . » Ich wette , daß unser Freund jetzt , in diesem Augenblicke , schon tot ist ! Was thun wir ? Sage es schnell , sehr schnell ! « » Es kommt alles darauf an , ob er meine Warnung beachtet hat , den Herweg zu meiden . In diesem Falle kann er den Beni Khalid entgangen sein . « » Ich befürchte , daß er sie nicht befolgt hat , denn er nahm sie nicht so ernst auf , wie du sie meintest . Denkst du , daß er noch zu retten ist ? « » Vielleicht . Wir dürfen keinen Augenblick versäumen . Steig schnell auf ! Wir müssen alle umkehren ! « Während wir zu unseren Leuten zurückjagten , teilte ich ihm meinen Entschluß mit : » Wir reiten so schnell wie möglich nach dem Bir Hilu zurück , nicht auf dem Wege , den wir gekommen sind , denn er bildet einen rechten Winkel , sondern auf der geraden Schnur von hier nach hin . Von dort aus halten wir uns auf der Spur des Persers und werden dann wohl bald erfahren , wie es mit ihm steht . Da ich das Schlimmste befürchte , so reite ich voraus , denn wenn es notwendig ist , halte ich mit meinem Henrystutzen die ganze Beni Khalid-Schar in Schach , und ihr habt hinter mir nur meiner Spur zu folgen . « » Warum wir hinterher und nicht gleich mit ? « » Weil eure Kamele nicht schnell genug sind ; sie müssen ja zurückbleiben ! « » Aber unsere Pferde doch ! « » Ich nehme Maschurah , die Hedschihnstute . Selbst wenn ihr den Pferden das Geheimnis sagt , könnt ihr nicht mit mir fort , denn sie hält länger aus als jedes Pferd .